zum Wirt , so bringe ich das beste Fleisch , Wein , wie er sagt , wie man ihn sonst nirgends findet , nimmts mit Gewicht und Maß nicht spitz , meint nicht , daß ich jeden Schoppen zahlen müsse . Ein Faß hat er uns zum Einbeizen geliehen und mir hundertmal gesagt , wenn ich was mangle , sei es Tag oder Nacht , so solle ich nur herkommen , er zürne , wenn ich an einen andern Ort gehe , und wenn niemand gegenwärtig sei , nur nehmen ungeniert , was ich bedürfe ; einen behülflicheren Mann habe ich nirgends angetroffen , solche Leute sind rar , wo man sie findet , muß man Sorge zu ihnen tragen . Ich muß sagen , es freut mich allemal , wenn ich ihn sehe , und wenn ich schon nur Pächter bin , so schämt er sich meiner doch nicht . Er hätte noch Keinen so wie mich angetroffen , hat er mir schon manchmal gesagt , wenn ich so fortfahre , werde es nicht lange gehen , so sei ich Bauer trotz einem . Beim Müller ist es gerade so ; fehlt mir Spreuer , so sind für mich da , wenn für niemand sonst da sind , mit Pferdefutter ists auch so und um einen Preis , wie ich es sonst nirgends bekomme ; aus dem Getreide läßt er mir gehen , was Keiner sonst . Mein Lebtag habe ich gehört , es sei nichts kommoder auf der Welt als gute Leute , zu solchen müsse man mehr Sorge tragen als zum Brote . Ich kann gar nicht begreifen , was du gegen sie hast . « » Ja , Uli , gute Leute sind kommod , das haben wir am besten erfahren , ohne gute Leute wären wir nicht , wo wir sind , « antwortete anfangs Vreneli , » aber es ist auch ein großer Unterschied zwischen guten Leuten und guten Leuten . Es gibt gute Leute , welche einem aufhelfen und am besten sich zeigen , wenn man in der Not ist , und es gibt Leute , welche gut scheinen , solange sie jemand ausnutzen können , und ist er ausgenutzet , so lassen sie ihn hängen wie eine Spinne die Fliege im Netz , wenn sie ausgesogen ist . Wenn die es gut meinten , sie wären nicht halb so schmeichelhaft und machten dir den Kopf so groß . Mit der Dienstfertigkeit gehe mir , ich möchte doch wissen , wer mehr dienet , ob sie dir oder du ihnen Haben sie je was zu fahren oder ein Pferd nötig , so stehn sie vor der Türe , und wie viel sie dir dafür geben , weißt du ; es steht zu verdienen , werden sie dir sagen , und hast was nötig , so sprich auch zu ! Leiht man ihnen etwas , einen Wagen oder ein Wertzeug , so geben sie es nicht wieder , und läßt man es endlich holen , so ist es entweder nicht da oder es weiß niemand , wo es ist , oder es ist zerbrochen und wir haben die Kosten , es ausbessern zu lassen . Ein alter Pfarrer hat immer gesagt : Fründ wie Hünd , und die mahnen mich wohl daran . Du wirst es aber wohl noch erfahren , ob ich recht habe oder nicht . « Uli dachte , es sei doch eine verfluchte Sache mit der Eifersucht der Weiber . Stelle man dem Weibervolk nicht nach , so erstrecke sie sich auch auf das Männervolk , und am Ende dürfe man mit niemand mehr reden als mit seinem Weibe und dem Hund , doch mit diesem nur halblaut . Das dürfe er nicht aufkommen lassen , und jetzt sei ein Anlaß , zu zeigen , wer Meister sei . Der gute Uli hatte was läuten hören , und das ist das Verfluchteste , wenn man was läuten hört , aber weder weiß , woher das Läuten kömmt , noch was es bedeutet . Die Weiber sind eifersüchtig , das versteht sich , und zuweilen nicht bloß auf Mannsvolk und Weibervolk , sondern wirklich auch auf Hund und Katze . Nun ist es mit dieser Eifersucht wirklich wunderlich . Eigentliche Eifersucht halten wir kaum durch äußere Mittel zu heilen , weder durch Reizungen noch durch die strengste Treue . Reizungen machen Krämpfe , und je offenbarer die Treue ist , desto verdächtiger erscheint sie der Eifersüchtigen , scheint Deckmantel von was Geheimem . Diese Eifersucht kann bloß von innen heraus geheilt werden , und zwar bloß durch den Sinn , der von oben kommt , der den Splitter in des Nächsten Auge nicht sieht , aber den Balken im eigenen , der Mißtrauen hat in die eigene Tugend und nicht in die der Andern , der durch Liebenswürdigkeit zu gewinnen und festzuhalten sucht , was ein schnödes Wesen behandelt wie ein Kind eine Uhr : sie zernichtet , zerstört und doch fordert , daß sie in regelrechtem Gange gehe und die Stunden gehörig zeige . Dann aber wird wirklich Manches Eifersucht geheißen und als Eifersucht ausgelegt , was es nicht ist . Wenn eine Frau den Mann vor Menschen warnt , sei es männlichen oder weiblichen , wenn sie ihn nicht gern tagelang herumlaufen sieht oder ganze Nächte schwärmen läßt , so kann dieses sehr edle Beweggründe haben : Sorge um den Bestand des Hauswesens , Sorge für die Kinder , Sorge für Ehre und Wohlergehen des Mannes selbst . Wir halten dafür , daß bei Vreneli die letzteren Gründe alleine vorwalteten und nicht wirkliche Eifersucht . Wir halten Eifersucht immer als den Ausbruch des Bewußtseins der eigenen Schwäche oder der eigenen Unliebenswürdigkeit , und nun müssen wir sagen , daß Vreneli kräftiger im Charakter und liebenswürdiger in seinem Wesen war als Uli , daß wir daher Vreneli nicht der eigentlichen Eifersucht untertan glauben . Uli nun aber nahm es freilich so , wollte ein Exempel statuieren und erzwang die beiden Paten . Daß bei Vreneli nicht Eifersucht im Spiel war , hätte er daraus sehen können , daß Vreneli darüber nicht wüst tat , nicht schmollte . Billig und recht wäre es eigentlich , daß eine Mutter , welche das Kind geboren , in derlei Dingen das erste Wort haben sollte , aber wenn er es erzwingen wolle , nun so dann in Gottes Namen , so solle er es . Er werde die Leute schon kennen lernen , nur dauern tue es ihns , daß das arme Bubi zwei solche Paten haben müsse , von denen es einst denken werde , wenn es nur niemand wüßte , daß sie ihm zu Gevatter gestanden . Die kindliche Freude an Ehrenhäuptern , welche man zu Paten habe , sei doch so schön und eine gar mächtige Kraft in kindlichen Gemütern . Aber in Gottes Namen , die Base habe gesagt , man solle nichts erzwingen , sondern denken , was geschehe , sei sicher gut für etwas , und wenn man es recht nehme , diene es zum Besten . Dabei mußte es aber an den Hagelhans im Blitzloch denken und fragen : Es nehme ihns nur wunder , was da Gutes herauskommen werde , daß er des Mädchens Götti sei , derselbe hätte nichts von sich hören lassen . Aber strenge sei es doch , dachte das Weibchen , daß es an keiner Gevatterschaft so eine rechte , vollständige Freude haben solle . Am Tauftage selbst hätte man von dieser Stimmung nichts bemerkt , denn kreuzlustig war die Gesellschaft und kurz , weiliger hätte es nicht zugehen können . Die Drucke , worin die Schnurren und lächerlichen Erzählungen aufbewahrt liegen im Gedächtnis der Menschen , war aufgesprungen . Erzählungen , eine lustiger als die andere , jagten sich ; Joggeli lachte laut auf und die Base fuhr ein über das andere Mal mit der dicken Hand über die Augen , wischte die Tränen aus , welche das Lachen hineingetrieben , und bat um Gottes willen , man solle doch aufhören , es versprenge sie sonst . Mit diesen Drucken ists wunderlich , denn es gibt deren mehrere in der Schatzkammer der Seele ; da ist zum Beispiel die Liederdrucke , die Gespensterdrucke , die Krankheitsdrucke , die Liebesdrucke und die große Grümpel- oder Plauderdrucke . Diese letztere ist immer bei der Hand , offen fast Tag und Nacht , ohne Boden wie der Himmel , und enthält alles , was wir vom Nächsten gesehen , gehört , gerochen , geschmeckt , gefühlt , gedacht , gemeint , vermutet und geglaubt haben . In dieser kramt man beständig herum , gibt auf die freigebigste Weise zum Besten , was man in die Hände kriegt . Die andern Drucken dagegen liegen verwahrt und verschlossen , man merkt ihr Dasein oft die längste Zeit nicht . Dann , wie von einem Zauberstäbchen berührt , springt die eine der Drucken bei einem Menschen plötzlich auf , und hervor quillt der Inhalt , und allgemach gehen bei allen Anwesenden die gleichnamigen verschlossenen Drucken auf ; ihr Inhalt quillt herauf , mischt sich mit dem Strome der Andern . Und wo dieses Quellen mal begonnen , ist es schwer zu stillen ; mit schwerem Seufzen schließen diese Drucken sich wieder , denn groß war die Wonne , solang die Quellen rannen , es war wie ein Säuseln aus der Ewigkeit , in welchem die rinnende Zeit , die ganze Gegenwart vergessen wird , und je schauerlicher der Inhalt der Drucken ist , desto größer die Wonne , desto mächtiger , er , greifender das Säuseln aus einer andern Welt . Es war aber sonderbar , bei Vreneli wollte die Drucke mit den lustigen Geschichten nicht aufspringen , obgleich es auch eine hatte und zwar eine große und wohlgefüllte . Wenn den Andern die Lachtränen die Augen füllten , waren die seinigen auch voll , aber eine unerklärliche Wehmut hatte sie heraufgetrieben , und wenn die Base bat , man möchte um Gottes willen schweigen , das Lachen versprenge sie sonst , hätte es auch so bitten mögen , aber aus dem entgegengesetzten Grunde . Die Wehmut stieg ihm auf , es wußte nicht woher , warum . Als sie da war , machte es entsprechende Gedanken hinein , wie ein Lehrer Buchstaben oder Zahlen auf eine schwarze Tafel oder eine Dame Menschen , Vieh und sonst allerlei auf sogenanntes Beuteltuch , ein gelöchert Zeug , welches vornehme und andere Damen mit schönen Dingen flicken . Nicht unkommod wäre es für manchen Mann , wenn seine gelöcherten Strümpfe zuweilen geflickt würden und nicht einmal mit schönen Dingen , sondern mit simplem Baumwollengarn oder ebenso simplem flächsernem Faden . So machte Vreneli sich auch Gedanken und dachte : Es sei doch eigentlich nicht recht , an einem Taufrage so liederlich und lustig zu sein , das sei keine Weise für ein christlich Kind zu einem christlichen Leben . Wenn das lustige Leben dem Kinde nur nicht angetan werde , daß es auch meine , es müsse sein Lebtag so zugehen in Saus und Braus , in Lust und Lachen . Vreneli war himmelweit von einer Kopfhängerin , aber Vreneli war ein Weib , welches was auf Ahnungen hielt und meinte , man könnte sich versündigen , dieses oder jenes könnte einem nachgehen und die Sünden der Eltern kämen bis in das zweite und dritte Geschlecht . Es war weit entfernt zu glauben , man sollte an einem Tauftage nicht fröhlich sein , nicht was Gutes essen und trinken , aber doch alles so in einer ehrbaren Gsatzlichkeit , so daß man der ganzen Gesellschaft es ansehe , daß sie Christen seien und zur Ehre Gottes gleichsam essen und trinken täten und nicht so wie eine liederliche Wirtshausgesellschaft , welche keinen andern Zweck hat , als sich lustig zu machen . Es wußte der Sache eigentlich keinen rechten Namen zu geben , und es wäre in große Verlegenheit gekommen , wenn es hätte beschreiben sollen , was ihm nicht recht sei und wie es es eigentlich haben möchte . Nur eines wars , was es bestimmt nennen konnte und um welches endlich alle seine Wehmut zusammenlief und sein Glaube , daß man sich versündige und das Kind es einst büßen müsse , sich klammerte , und zwar Folgendes . Als es später war und die Schmiedin von Aufbrechen sagte , was bekanntlich immer eine geraume Zeit vor dem wirklichen Aufbruch geschieht , sagte der muntere Wirt : Man solle noch warten , er hätte da noch was , das müsse man versuchen , dann wisse man erst , was Wein sei . Er zog nun Champagner , Haschen hervor , welche er unvermerkt herbeigeschmuggelt hatte . Nun wehrte man von allen Seiten , er solle doch nicht aufmachen , man hätte bereits zu viel getrunken und was er doch denke , so köstlichen Wein ! Eben , sagte er , müsse man den trinken , wenn man vom andern genug hätte , der mache einem dann ganz wohl wieder und leicht , daß es einem dünke , man möchte fliegen . Und als man von den Kosten sagte und wie solcher Wein nicht in ein Bauernhaus gehöre , so sagte er : Darüber sollten sie sich keinen Kummer machen , allweg koste er sie nichts , ihn hätte er auch nichts gekostet oder doch nicht viel . Er hätte in Frankreich einen guten Freund , einen ganz charmanten Herrn , einen so freundlichen , der gemeinste Bauer könnte nicht so gemein sein mit allen Leuten . » Wenn er zu uns kommt , so ißt er , ihr mögt es glauben oder nicht , mit uns an einem Tische , wo die Kinder essen und Knechte und Mägde . Dem komme ich manchmal kommod , er handelt mit Kühen , Rossen , Kirschgeist , kurz mit vielen Sachen . Es ist ein gar grausam vornehmer Herr « ( die Base flüsterte Vreneli , der und der Tochtermann werden einander wohl kennen ) , » aber nicht ganz fest mit der Sprache , da muß man ihm zuweilen zurechthelfen . Die Leute sind gar unverschämt , man glaubt es nicht , und wenn sie ihn betrügen könnten , sie täten es , und noch dazu Leute , man glaubt es nicht . Aber das tue ich nicht und das sieht er wohl und erkennts auch . So schickt er mir alle Jahre was Gutes und dieses Jahr einen Korb Champagner . Man hat ihn in Körben , der Korb enthält fünfzig Flaschen , und ihr mögt es mir glauben oder nicht , drinnen angenommen , kostet die Flasche geringsten zwei Gulden . Es ist aber auch Wein , der König in Frankreich wäre froh , wenn er solchen kriegte . Aber er kriegt ihn nicht , der wird heillos betrogen , der Herr hat es mir erzählt . Dieser Wein sei nur für gute Freunde , hat mir der Freund gesagt . Auf meine arme teure , wenn er zu uns kommt , er klopft mir den ganzen Tag auf die Achsel , und wie oft er mir mon ami , das ist auf deutsch mein guter Freund , sagt , könnte kein Mensch zählen . « Beiläufig gesagt war an der ganzen Geschichte nicht ein wahres Wort . Jedenfalls war der Wein nicht aus Frankreich , sondern aus dem Waadtlande , wo man auch Champagner fabriziert , aber Champagner , der so schwer im Kopfe liegt wie dreijähriges Sauerkraut im Magen . Nun aber war es gar schön , wie der Wirt mit der Flasche umging , mit welchem schmunzelnden Behagen er zeigte , wie die zugemacht sei . Und dann werden sie noch was hören , sagte er . Bedenklich ward sein Gesicht , als der Pfropf gelöst , es ans Knallen gehen sollte , aber es lange zweifelhaft blieb , ob es wirklich knallen werde oder ob es nur eine der vielen Waadtländer Flaschen sei , welche ein Gesicht machen , als ob sie knallen konnten , und am Ende doch nicht knallen . Doch endlich sprang der Pfropf , es knallte wirklich , ja , und mit glücklichem Gesichte sah der Wirt rundum , stillschweigend fragend : » Habt ihr je so was gehört ? « Und mit großem Behagen führte er sich alle Verwunderung zu Gemüte , welche er auf den Gesichtern sammelte , und prägte sie tief in sein Gedächtnis , um gelegentlich sie hervorzunehmen und zu zeigen , wie die Verwunderung aussehe , welche man einmal in einem Bauernhause gemacht , als er Champagner habe springen lassen . Das nun schmerzte Vreneli sehr , daß man am Tauftag seines armen Bubli solch köstlichen Wein trinke , zwei Gulden die Flasche , von dem man sagte , daß ihn der König von Frankreich nicht einmal so trinke . Das arme Kind vermöge sich dessen nichts , und doch werde es diesen gottlosen Aufwand mitbüßen müssen , denn Hochmut komme vor dem Falle . Sie hätten kein Vermögen , die Andern nicht viel mehr , und da könne man doch denken , ob das gut kommen könne , wenn solche Leute solchen Wein trinken wollten , wo sie ja nicht einmal den Verstand hätten , zu wissen , ob er gut sei oder nicht . » Wenn bei Leuten , wie wir sind , solch Aufwand getrieben wird , was sollen erst die Leute anfangen , welche tausendmal reicher als wir sind ? Einer , der mit solchem Weine kömmt , dem fehlt es entweder im Kopf oder es weiß der Teufel , was er im Sinn hat , allweg nichts Gutes , und wir können den verfluchten Wein vielleicht einmal noch ganz anders bezahlen als zu zwei Gulden die Flasche . « Es fand auch den Wein bitter , ganz abscheulich , während die Andern ihn nicht genug rühmen , freilich heimlicher unwillkürlicher Grimassen sich nicht enthalten konnten . Es ist allenthalben Sitte , gut zu finden , was kostbar ist , und schlecht , was wohlfeil ist und was man alle Tage haben kann . Darum sind so schrecklich viele Leute so schrecklich unglücklich , dieweil sie so schrecklich dumm sind , daß sie meinen , sie müßten auch alles Schlechte haben , was viel kostet , und das Gute verachten , dieweil es wohlfeil ist . Da ist unser lieber Herrgott gescheuter , und es wäre gut , wenn all unsere dummen Leute ein Beispiel nehmen würden an ihm und so gescheut werden würden , wie er es ist . Er hat die Kartoffel so wohlfeil gemacht , das Brot nicht teuer , läßt Kraut wachsen , mehr als Manchem lieb ist , läßt die Kühe süße Milch geben , und Schlächter lernen das älteste Kuhfleisch als kräftiges Ochsenfleisch verkaufen , läßt den Ärmsten die kühnsten Zähne wachsen , das nahrhafteste Fleisch zu verarbeiten . Was meint man wohl , wenn unser Herrgott den Armen Austern , Schnecken , Frösche , Konfitüren , Bittersüßes samt chinesischen Vogelnestern und passabler Limonade wohlfeil gemacht und darauf sie angewiesen hätte ? Wäre man wohl da , bei , oder würde man schreien über schreckliche Ungerechtigkeit ? Was kriegten die Armen bei den wohlfeilen Fröschen und Schnecken , Limonaden und Polnisch Bittern für dünne Wangen und lasterhafte Zähne ! Wie würden sie doch wieder schreien nach den teuren Kartoffeln und dem unbezahlbaren Schwarzbrot ! Aber so ist halt die Welt , hat das ganze Paradies und will halt nichts als Äpfel vom schlechten Baume , an welchen man sterben muß . So hatten sie es auch in der Glunggen , gränneten über den waadtländischen Göttertrank und rühmten ihn doch über die Maßen und redeten ihr Lebtag davon , sie hätten Champagner gesehen und sogar davon getrunken . Vreneli allein sagte , es finde ihn nit e Tüfel nutz und man solle ihns ruhig lassen damit . Der Wirt tat sehr gekränkt . » Mußt eine wunderliche Zunge haben , « sagte er , » daneben will ich niemand zwingen , es wird schon jemand sein , der ihn nimmt , « und darin täuschte er sich wirklich nicht . » Mag sein , « sagte Vreneli , » daß ich nicht weiß , was gut ist , daneben bin ich froh darüber . Mich dünkt gut , was ich habe und was wir vermögen und Gottlob alle Tage , solange wir gesund sind . Dabei bin ich wohl und habe Ursache , Gott zu danken . Es dünkt mich , ich möchte es nicht anders , denn was hätte ich davon , wenn mich die Krankheit ankäme , nur das gut zu finden , was ich nicht hätte und nicht vermöchte , eine Gluste , die ihre Zunge in allem haben möchte , was man selbst nicht hat , aber Andere . Habe von dieser Krankheit schon gehört , aber bis dahin geglaubt , sie sei bloß eine vornehme Krankheit . Sollte sie aber auch unter das gemeine Volk kommen , wie es den Anschein hat , dann gnade Gott den armen Menschen , dann adieß Zufriedenheit , dann wird der Teufel Meister . « Endlich brachte es die Schmiedin doch zum Aufbruch , obgleich der Wirt sagte : So sei es in der Welt , wenn es am lustigsten gehe und es einem am besten gefalle , so müsse man aufprotzen und fort . Früher hätten sie bloß so Flausen getrieben wie etwa an andern Orten auch , jetzt aber wäre das Predigen angegangen , das wäre was Neues gewesen ; es hätte ihn wunder genommen , dies zu hören , es scheine ihm , die Frau Gevatterin könnte es noch besser als mancher halbsturme Pfaff . Er müsse sagen , mit dem , was sie da von der Kanzel runter pralatzgeten , könne er hell nichts machen , er verstehe nichts davon , und in diesen Zeiten , wo man nicht mehr so dumm sei , werde es den Meisten so gehen ; es nehme ihn wunder , ob er es nicht erlebe , daß das Zeug ganz aufhöre . Vreneli ward blaß , da sagte die Base , sie hätte auch schon gehört , daß solche Dinge geredet würden , selbst sei sie aber nicht dabeigewesen und habe es nicht glauben wollen ; jetzt wisse sie es , es wäre ihr aber lieber , sie erführe es nicht noch einmal . » Dir , Wirt , wird es auch noch anders kommen , entweder hier oder dort . Wie es dir dann sein wird , wenn du draußen stehst und klopfst und hören mußt : Ich kenne dich nicht , selb wirst dann erfahren , aber leider wird es zu spät sein . Aber eins will dir sagen : wenn im Winter Stein und Bein gefroren ist und so recht eisig der Wind durch die dicksten Kleider zieht bis ins Mark hinein , und es steht ein arm Bettlerkind im dünnen Kleidchen zitternd vor deiner Türe und bittet um Gottes willen , daß man ihns hineinlasse , nur einen Augenblick , um sich zu wärmen , es müsse sonst erfrieren , und man tut ihm die Türe nicht auf und von innen her , aus tönt eine Stimme : Packe dich fort ! Wir kennen dich nicht , denk , wie es dem armen , bebenden Kinde sein muß , denk , Wirt ! Und doch findet es nicht weit davon eine andere Türe und einen barmherzigeren Hausvater , sterben muß es noch nicht . Denk , wenn du aber einmal so vor der Türe dort stehst , zitternd , und klopfst und hörst : Ich kenne dich nicht , so ist keine Türe für dich , kein barmherziger Hausvater , es ist der Allerbarmer , der dich nicht kennen will ; denk , wie wird dir dann sein ? « » Ich sehe , die Glunggebäuerin kann das Predigen auch , und wenn unser Pfarrer abgeht , so brauchts keinen Pfarrer mehr , eine von euch oder abwechselnd könnt ihrs auch machen , und vielleicht macht ihrs besser und wohlfeiler als der jetzige . Es will niemand rühmen , daß er ein sehr Geschickter sei , daneben frage ich dem nicht viel nach ; lieb ists mir allweg , daß meine Frau auf das Predigen sich nicht so versteht , es könnte mir mißfallen ! Nun so dann , so wollen wir , « schloß der Wirt , der jetzt zum Aufbruch sehr bereitwillig sich zeigte , den Predigten wollte er entrinnen und sein Champagner war zu Ende . » Die Flaschen nehme ich wieder mit , « sagte er , » oder braucht ihr sie zu was ? « Seine Freigebigkeit hatte ihre Grenzen , wie man sieht . Elftes Kapitel Von einer Falle , welche Uli abtrappet , aber diesmal noch ohne Schaden Joggeli hatte das ganze Jahr hindurch Verdruß gehabt mit seinen Kindern ; der Tochtermann betrachtete sein Elisi wie ein Schröpfhörnchen , wenn er Geld nötig hatte , setzte er es dem Vater auf den Hals . Der Johannes dagegen kam selbst angefahren mit Gepolter und Schnauben und holte seinen Teil unter Donner und Blitz . Jedesmal , wenn eine solche Operation vornüber war , Joggeli in Schmerzen lag und Lust zu einer Ohnmacht hatte , verschwor er sich hoch und teuer , das müsse die letzte sein , möge es gehen wie es wolle , bei Lebzeiten gebe er keinen Kreuzer mehr . Und wenn sie wieder kamen , so ging es doch wieder und Joggeli mußte sich am Geldseckel operieren lassen , er mochte sich winden und drehen , wie er wollte . Als nun die Verfallzeit des Lehnzinses heranrückte , welche Sohn und Tochtermann kannten so gut als er , war er in großer Verlegenheit , was machen . Sollte er an Uli wachsen und versuchen , ob derselbe nicht eine Woche oder zwei früher zahlen wolle , oder aber daß er warten solle , bis der Sturm abgeschlagen sei mit dem Vorwande , der Pächter habe nicht bezahlt und könne nicht bezahlen ? Beides hatte seine zwei Seiten ; kriegte er den Zins früher , so hatte er ihn also , und das ist immer schön , wenn man einmal was hat , aber was dann machen ? Im Hause durfte er das Geld nicht behalten , und brachte er es unter , so mußte er angeben , wo es sei . Sage er das , so ruhten die Hagle , Gott verzeih mir meine Sünde , nicht , bis sie es haben . » Das ist ein Elend , « jammerte er . Sage er Uli , er solle nicht bezahlen auf den Termin , so sei das wohl gut , aber dann habe Uli das Geld und nicht er , könnte es ihm weiß Gott wann geben und vielleicht gar ein Recht daraus machen und alle Jahre später kommen mit dem Zins , bis er ihm zuletzt gar keinen gebe . Darauf könne er es also nicht ankommen lassen , kalkulierte er . Endlich schoß ihm ein Blitzgedanke durch das Haupt , er rieb mit vergnüglichem Gesichte die Hände und dachte : Für solche Gedanken zu kriegen , muß man Joggeli in der Glungge sein . Man könnte manches Dorf aus laufen , ehe man einen fände , dem beifiele , was ihm . Der gute Joggeli war noch nicht zu der Erfahrung gekommen , was Einfälle , auf die man sich am meisten zugute tut , für Schwänze haben ! Er dachte , er wolle Uli sagen , derselbe solle ihm den Zins acht Tage zum voraus geben , denselben wolle er gehörig in Sicherheit bringen , und wenn dann seine Blutsauger kämen , sagen , im Einverständnis mit Uli , Uli habe noch nicht bezahlt , er werde den Zins einstweilen nicht geben können . Er trug seinen Gedanken alsbald seiner Frau vor . » Was Tüfels ersinnest du aber Dummes , « sagte ihm diese , » das kömmt nicht gut , zähle darauf . « » Ich wüßte eigentlich auch nicht , wann du etwas gut gefunden hättest , was mir beigefallen , es war von Anfang so und wird so bleiben bis ans Ende . « So sprach Joggeli in zornigem Brummen , drehte sich und ging ab , ging zu Uli und trug ihm den Handel vor . Uli war das sehr zuwider . Er glaube , sagte er , das Geld könne er geben , aber mit dem Verleugnen wollte er lieber nichts zu tun haben . Man könne am Ende nicht wissen , was das für Folgen haben könne , jeden , falls begehre er keinen Streit mit den Beiden , denn wenn sie ihm etwa auf den Hals steigen und wüst sagen würden , so nehme er dies nicht gelassen hin . » Habe nicht Kummer , « sagte Joggeli , » ich will das schon machen , und Folgen hat es keine , gebe dir eine gesetzliche Quittung und schreibe es als , bald ein . Es ist ein bloßer Gefallen , dich kostet es nichts und mir ists ein großer Dienst , und etwas wirst mir doch auch tun wollen , oder meinst etwa , es wäre nicht recht ? « Uli fügte sich , Vreneli hatte nichts dawider , begehrte bloß über den Alten auf , der immer was erlisteln wolle und Andere hineinstoßen und doch nichts ausrichte , weil er keinen Mut hätte , sondern allezeit das Herz in den Hosen . Uli mußte ans Rechnen gehen vor der Zeit , und das war ihm sehr zuwider , nicht deswegen , weil er dachte , es könnte der Pünktlichkeit schaden , wenn er acht oder vierzehn Tage vor der Zeit die Rechnung schließe . Nein , daran dachte er gar nicht ; so einen Ketzer von Rechnung könne man ja stellen , wie man wolle , einige Wochen vorwärts oder rück , wärts , wie man wolle , darauf komme es nicht an , wenn es ihm so recht