den Futtergang und konnte lange seine Augen nicht herausbringen , als er die schönen , runden , appetitlichen Futterwalmen sah und den gesäuberten Gang dazwischen . Er blickte in den Stall , und als er wohlbehaglich die Kühe in reinem Stroh stehen sah und nicht mehr auf altem Mist , da ward ihm auch wohl , und erst jetzt ging er zu Uli und sagte ihm , das sei doch dann eigentlich nicht so gemeint , daß er das Wüsteste selbst mache , das sei eigentlich an andern Leuten . Er hätte wohl Zeit gehabt , sagte Uli ; beim Dreschen sei er zu viel gewesen , und da hätte er es gemacht , um zu zeigen , wie er es künftig haben wolle . Joggeli wollte ihn in die Stube heißen , aber Uli sagte , er möchte noch gerne beim Usemachen des Kornes sein , er möchte auch wissen , wie es da gehe . Da sah er , daß alles nur auf frühen Feierabend hin gemacht werde . Das Korn war schlecht gemutzet , es waren noch eine Menge halber Ähren , dann noch schlechter gereitert und gewannet ; das Korn in der Bütti war unsauber , es gelüstete ihn , es auszuleeren und die Arbeit von neuem anfangen zu lassen ; indessen besaß er sich und dachte , er wolle das morgen anders machen . Joggeli aber sagte drinnen : Der neue Knecht gefalle ihm wohl , er verstehe die Sache , aber wenn er nur nicht zu viel regieren wolle , das wäre ihm doch zuwider . Man könnte es nicht an einem Orte machen wie am andern , und zuletzt hätte er selbst nichts mehr zu befehlen . Nach dem Essen suchte Uli den Meister und fragte ihn was eigentlich alles noch zu tun sei diesen Winter , es dünke ihn , man sollte so die Arbeit ineinanderreisen , daß wenn der Hustagen komme , man fertig und zweg sei für die neue Arbeit . Ja , sagte Joggeli , es wäre wohl gut ; aber zwingen könne man nicht alles auf einmal , es wolle alles seine Zeit haben . Man habe noch zirka drei Wochen zu dreschen , dann könne man anfangen , z ' grechtem z ' holzen , und wenn man mit dem fertig sei , so werde der Hustagen wohl da sein . Wenn er etwas sagen dürfe , sagte Uli , so dünkte es ihn , man sollte jetzt das Holz herbeimachen . Es sei gar schön Wetter und der Weg gut , es gehe ds Halb ringer . Im Horner sei meist schlecht und leid Wetter , da bringe man nichts ab Platz und verkarre alle Wagen . Das könne es nicht wohl geben , meinte Joggeli , es sei nicht der Brauch , erst im Horner zu dreschen . Das sei nicht seine Meinung , sagte Uli . Man solle fortfahren , zu dreschen . Er und noch einer wollten dem Karrer wohl so viel niedermachen und zurüsten , als er heimzuführen vermöge . Und bis etwas fertig sei , könne der Karrer ihnen ja auch im Wald helfen . Dann könne man nicht mehr zu Sechs dreschen , wenn er einen aus dem Tenn nehme , sagte Joggeli , und wenn alle miteinander holzeten , so hätte man bald viel geholzet . » He , « sagte Uli , » wie Ihr wollt ; es het mih so düecht : könnte der Melcher nicht dreschen helfen durch den Morgen und auch am Nachmittag , wenn man über Mittag einander helfen will misten und Futter rüsten ? Und manchmal verrichten Zwei im Walde mehr als eine ganze Kuppele , wo Keiner etwas anrühren will . « » Ja , « sagte Joggeli , » es geht manchmal so ; aber wir wollen das Holzen doch bleiben lassen , das Dreschen tut jetzt nöter . « » Wie Ihr wollt , « sagte Uli und ging gedankenschwer ins Bett . » Du bist doch e bloße Wunderliche , « sagte die Alte zu ihrem Manne . » Es hat mir bsunderbar wohl gefallen , was Uli gesagt hat . Es wäre unser Nutzen gewesen , und wenn schon da die zwei Musjö , der Karrer und der Melcher , nicht könnten beständig ihre Nasenlocher an der Sonne tröcknen , so schadete es diesen zwei Lumpenhünden nichts . So tut dir Uli bald nicht mehr gut , wenn du es so machst . « » Ich will aber von einem Knecht mir nicht lassen befehlen . Wenn ich ihn so machen ließe , so würde er gleich meinen , es hätte niemand zu befehlen als er . Man muß es so einem gleich von Anfang zeigen , wie man es haben will . « » Du bist der Recht , für es ihnen zu zeigen ; die Guten verderbst du und die Schlechten förchtest du und lässest sie machen , was sie wollen , so hast dus , « sagte die Alte . » Wir haben es immer so gehabt , und es wird jetzt auch nicht anders gehen sollen . « Am andern Morgen sagte Uli der Meisterfrau , eine Jungfrau sei überflüssig im Tenn ; sie solle die behalten , welche ihr anständiger sei . Und Uli hielt nieder im Tenn , stellte den Flegel und traf den Nebenmann auf den Flegel , daß er über den ganzen Schenkel hin bis an die Wand dreschen mußte ; und wenn eine Tenneten fertig war , so wurden die Zwischenarbeiten rasch abgetan und zu einer neuen geschritten , und das zwang Uli nicht durch Worte , sondern durch das Drängen mit der eigenen Arbeit . In der Stube sagten sie , es düech sie , sie hätten im Tenn ganz andere Flegel ; das räble ganz anders als sonst , das gehe doch auch zBode . Die Jungfrau , welche in der Stube bleiben konnte , erzählte Vreneli , wie man es dem machen wolle ; der müsse nicht meinen , daß er eine neue Ordnung einführen wolle , von so einem wollten sie sich nicht kujinieren lassen . Er daure sie noch , es wäre ein manierlicher Bursche , und arbeiten könne er , man müsse es bekennen . Alles , was er in die Finger nehme , stehe ihm wohl an . Unterdessen man im Tenn drosch , war der Karrer auf einem Rosse ausgeritten ; es hieß , er sei in die Schmiede . Der Melcher war mit einer Kuh fortgefahren , er hatte aber niemand gesagt wohin . Es war Mittag , ehe einer von ihnen heimkam , Keiner hatte einen Streich gearbeitet . Nach dem Mittagessen half Uli noch Erdäpfel schinden , wie es in geordneten Haushaltungen , wenn die Zeit es erlaubt , üblich ist ; die Andern liefen hinaus , nahmen sich kaum Zeit zum Beten . Als Uli hinauskam , war Lärm im Tenn ; zwei Paare schwangen auf dem Stroh der letzten Tenneten , die Andern sahen zu . Er rief dem Melcher , er solle kommen , sie wollten geschwind die Kälber herausnehmen und sehen , wie es mit ihnen stehe , wahrscheinlich müßten sie geschoren und gesalbet werden . Der Melcher sagte , das gehe Uli nichts an ; die Kälber solle ihm niemand anrühren , die seien noch lang wohl so . Und der Karrer trat zu Uli : » Wei mr öppe eis mit enangere mache , wed darfst ? « Es kochte Uli in den Adern , und er sah , daß das ein angelegtes Spiel sei , dem er sich nicht wohl entziehen könne . Früher oder später , das wußte er wohl , mußte er ihnen stehen und sich fecken lassen . Darum also gerade jetzt , so wüßten sie doch , woran sie mit ihm seien . » He , wennds probiere witt , es ist mir gleich , « und zweimal hintereinander schlug er den Karrer auf den Rücken , daß es krachte . Da sagte der Melcher , er wolle es auch probieren ; es sei ihm zwar fast nicht der wert , mit einem solchen Hagstecken z ' machen , der Scheichleni heyg wie ein Tubakröhrli und Wadli dran wien e Flöhdreck . Mit seinen braunen haarigen Armen packte er Uli an , als ob er ihn wie einen alten Lumpen verrupfen wollte . Aber Uli hielt stand , der Melcher brachte nichts ab . Er wurde immer zorniger , setzte immer giftiger an , schonte weder Arme noch Beine , müpfte mit dem Kopf wie ein Tier , bis endlich Uli die Sache auch satt hatte , alle Kraft zusammennahm und dem Melcher einen solchen Schwung gab , daß er über den Kornwalm in die Mitte des Tenns flog und auf dem jenseitigen Schenkel niederfiel , alle Viere in die Höhe streckend , lange nicht recht wissend , wo er sei . Wie zufällig hatte Vreneli den Schweinen gebracht und Ulis Sieg gesehen . Drinnen sagte es der Gotte , es hätte etwas gesehen , das ihns gefreut . Sie hätten Uli zuschanden machen wollen , er hätte mit ihnen schwingen müssen , aber er hätte sie alle mögen . Den struben Melcher hätte er auf den Rücken geschlagen , als ob er nie gestanden wäre . Das sei ihm kommod , wenn er sie alle möge , so müssen sie ihn doch fürchten und Respekt haben . Uli aber , an seinem Kälberexamen gestört , ergriff den Flegel und sagte dem Melcher bloß : Heute habe er keine Zeit mehr für die Kälber , sie wollten denen dann an einem andern Tag lausen . Das Kornmutzen nahm diesmal mehr Zeit weg als sonst , und doch war man früher fertig als sonst und das Korn besser geputzt ; aber man hatte sich auch anders gemühet als sonst und dabei auch weniger gefroren . Als Uli dem Meister angab , wieviel Korn es gegeben , so sagte der : So viel hätten sie noch nie gemacht in diesem Jahre , und doch hätten sie Gefallenes gedroschen . Am Abend , als sie bei Tische saßen , kam der Meister und sagte : Es düeche ihn , das Holzen wäre jetzt kommod , man hätte die Pferde nichts zu brauchen und das Wetter sei schön und es düeche ihn , das Holzen und das Dreschen sollten miteinander gehen , wenn man es recht einrichte . Der Karrer sagte , die Pferde seien nicht gespitzt , und ein Anderer meinte , dann könne man nicht mehr zu Sechsen , sondern höchstens zu Vieren dreschen und werde so nie fertig . Uli sagte nichts . Endlich fragte Joggeli , als er nichts mehr zu antworten wußte , von den Diensten übermaulet : » Seh du , was meinst denn du ? « » Wenn der Meister befiehlt , so muß es gehen « , antwortete Uli . » Hans , der Karrer und ich bringen das Holz schon heim , und wenn der Melcher dreschen hilft und die Andern ihm misten und Futter rüsten helfen , so säumt das Holzen das Dreschen nicht . « » He nu , so machet es so , « sagte Joggeli und ging . Nun brach das Wetter über Uli los , in einzelnen Schlägen erst , dann in ganzen Batterien Donnerwettern . Der Karrer verfluchte sich , er gehe nicht ins Holz ; der Melcher verfluchte sich , er rühre keinen Flegel an ; die Andern verfluchten sich , sie wollten nicht zu Vieren dreschen . Sie ließen sich nicht kujinieren , sie seien keine Hüng , sie wüßten , was Brauch sei usw. Aber sie wüßten wohl , von wem es käme ; aber der solle sich in acht nehmen , wenn er hier wolle sechse läuten hören . Es sei schon Mancher gekommen wie ein Landvogt und hätte sich streichen müssen wie ein Hund . Es sei einer ein schlechter Donner , wenn er , um dem Meister die Augen auszubohren , seine Nebendiensten vermalestiere . Aber einem Solchen hätte man es nadisch dann bald erleidet . Uli sagte nicht viel dazu als daß , was der Meister befohlen , vollzogen werden müsse . Der Meister hätte befohlen und nicht er , und wenn Keiner schlechter da wegkäme als er , so sollten sie Gott danken . Er wolle niemand kujinieren , aber er lasse sich auch von niemanden kujinieren ; er hätte keine Ursache , einen von ihnen zu fürchten . Der Meisterfrau sagte er , sie solle doch so gut sein und für ihrer Drei zMittag rüsten zum Mitnehmen , denn sie würden zum Essen kaum heimkommen aus dem Walde . Am Morgen ging es in den Wald . Gäb wie der Karrer brummte und fluchte , er mußte mit . Der Melcher wollte nicht dreschen , und der Meister zeigte sich nicht . Da nahm die Meisterfrau sich zusammen , ging hinaus und sagte : Es düech se , er sollte nicht zu vornehm sein zum Dreschen , es hätten schon viel vornehmere Leute als er gedroschen . Sie vermöchten keinen Melcher zu haben , der den ganzen Morgen die Zähng am Luft trocknen wolle . So wurde das Holz heimgebracht , man wußte nicht wie , und im Horner war Wetter und Weg so bös , daß man bös gelebt hätte beim Holzen . Wie Uli auch draußen gearbeitet hatte und bös gehabt im Walde ( denn er nahm immer am schwereren Orte , er wollte der Meister sein nicht nur im Befehlen , sondern auch im Arbeiten ) , so half er doch am Abend rüsten , was die Meisterfrau aufzuschütten befahl , es mochte sein , was es wollte . Er drehte sich nie davon und wehrte auch den Andern , es zu tun ; je mehr man einander helfe , desto eher sei man fertig , sagte er , und wenn man davon essen wolle , so sei es doch billig , daß man daran helfe . Überhaupt war er behülflich , wo er nur konnte . Wenn eine Jungfrau einen Korb mit Kartoffeln gewaschen hatte und ihn nicht gerne alleine trug , weil sie dabei ganz naß wurde , so half er selbst tragen oder befahl es dem Buben , und als der sich anfangs weigerte , auf seine Worte nicht kam , so gewöhnte er ihn mit Ernst zum Gehorsam . Das sei nichts gemacht , sagte er , wenn ein Dienst dem andern nicht helfe Sorge tragen zu seinen Kleidern , überhaupt ein Dienst den andern plage . So mache man sich ja selbst das Dienen mutwilligerweise noch schwerer , als es sonst sei . Sie wollten das lange nicht fassen . Es war überhaupt da eine merkwürdige Weise . Die Knechte plagten die Mägde , wo sie nur konnten , da war nirgends eine gegenseitige Hülfsleistung . Wenn ein Knecht dem Weibervolke Hand bieten sollte , so höhnte er und fluchte , tat keinen Wank ; selbst die Meisterfrau mußte sich dieses gefallen lassen , und wenn sie Joggeli klagte , so sagte er : Sie hätte immer nur zu balgen . Er hätte die Knechte nicht , um dem Weibervolk zu helfen ; die hatten anderes zu tun als das Meienzeug desumz ' zaaggen . Das Benehmen von Uli , der an eine solche Zwiespältigkeit in einem Hause nicht gewohnt war , fiel daher auf und zog ihm von den Knechten argen Hohn und Spott zu . Dieser Hohn , dieser Spott steigerte sich noch wegen andern Sachen bis zum Unerträglichen auf . Am ersten Samstag schon wollte der Melcher aus bloßem Mutwillen nicht misten , sondern es versparen auf den Sonntagmorgen . Uli sagte , das tue er nicht , es sei durchaus kein Grund dazu da , es aufzuschieben . So könne man ja am Samstag nicht aufräumen ums Haus herum , wie es auch der Brauch sei . Zudem heiße es , man solle am Sonntag nicht arbeiten , du und dein Knecht und deine Magd . Am allerwenigsten schicke es sich , die wüsteste Sache auf den Sonntag zu sparen . Der Melcher sagte : » Sunntig hi , Sunntig her ; was gheit mich der Sonntag , und heute miste ich nicht . « Uli kochte es hoch im Kopf , indessen besaß er sich und sagte bloß : » He nu , so miste ich . « Der Meister , der das Brüll hörte , ging hinein und brummte für sich : » Wenn doch Uli nicht alles zwänge wett und neu Brüch yfüere , selb isch mr nit recht . Man hat lange am Sonntag gemistet , und es ist allen gut gsi ; es wäre auch noch gut genug für ihn . « Vierzehntes Kapitel Der erste Sonntag am neuen Orte In der Samstagnacht ging es aus und ein wie in einem Taubenhaus . Als am Sonntagmorgen Uli zur gewohnten Stunde hinunterkam , war es still von Menschen , aber die Pferde scharrten , die Kühe brüllten und kein Melcher , kein Karrer waren da . Uli gab einmal Futter , gab zum zweitenmal , setzte sich endlich selbst ans Melchen , denn es ist nichts schlimmer , als wenn nicht immer zur gleichen Stunde gemolken und gefüttert wird . Mit Schrecken sah er , wie verwahrloset die Euter der Kühe waren , nicht die halben Striche gut ; es schien ihm , als wenn der Melcher nicht melchen könne oder sich nicht Zeit nehme , es gut zu machen . Er war bald fertig , als der Melcher fluchend kam und sagte , das hätte nicht so pressiert , die Kühe hätten wohl der Zeit gehabt , zu warten , bis er gekommen , und wenn er ihm mehr unter eine Kuh sitze , so schlage er ihn unter sie , daß er sich seiner Lebenlang daran besinne . Uli sagte , das könnte er machen , wie er wolle , aber es wäre möglich , daß der Melcher eher unter der Kuh wäre als er . Übrigens wolle er , daß zur rechten Zeit gemolken würde und zwar gut , sonst tue er es . Die Kühe mangelten es , daß man gut zu ihnen sehe . Im Hause verwunderte man sich gar sehr , als diesmal die Milch so früh kam , und Vreneli sagte : Es sei gut , wenn es eine andere Ordnung gebe , es wäre schon lange nötig gewesen . Als es zum Essen rief , war Uli zuerst auf dem Platz ; selbst die beiden Jungfrauen erschienen erst später , verstrupft und schliefrig anzusehen , die Knechte drehten sich mit unerträglicher Langsamkeit herbei . Vreneli balgete : Es sei ein unerträglich Warten , man könne an einem Sonntag gar nicht mehr fertig werden , um in die Kirche zu gehen . Von den Schlinglen gehe keiner , es wäre auch schade um die Kirche , wenn einer hineinkäme ; aber das sei das Verflüchtest , daß ihretwegen auch niemand anders hineinkomme . Uli fragte , wie weit es sei bis zur Kirche , wann man gehen müsse , um zu rechter Zeit zu kommen , und wo syr Gattig säßen darin ? » Die werden doch luegen , « sagte Vreneli , » wenn einer aus der Glungge in die Kirche kommt , das ist schon manches Jahr nicht der Brauch gewesen . Der Vetter geht , wenn er Götti sein muß , die Base zweimal im Jahr zum Nachtmahl und übers ander Jahr an dem Bettag , Lisabethli ( Elisi sött men ihm säge ) allemal , wenn es ein neues seidenes Tschöpli bekommen , ich , wenn ich einmal allen wüst gesagt , daß sie doch zur rechten Zeit zum Essen kämen , und die Andern gar nie , die denken so wenig daran , daß sie eine Seele haben , als unser Ringgi . Es nimmt mich wunder , was einist der liebe Gott aus sellige Trüßle , wenn sie gestorben sind , macht , bsunders mit dem Melcher . Wenn ich ihn wäre , den wollte ich einbeizen hundert oder zweihundert Jahre in ein Bätzifaß und ihn dann erst hervornehmen und luegen , ob er noch stinke ; dann wär es erst noch Zeit , zu denken , was man aus ihm machen wolle . Aber , Uli , sie lachen dich aus , « sagte Vreneli , » wenn du gehst , und du hast Verdruß . « » I Gottsname , « sagte Uli , » aber z ' Kilche z ' gah brauch ich mich doch nicht zu schämen , und wenn ich hier nicht gehen dürfte , so wollte ich lieber fort . Der Lohn wäre mir noch lang zu klein , als daß ich meine Seele darob vergessen sollte . « » Du hast recht , « sagte Vreneli , » geh du nur ; ich wollte , ich könnte mit dir . Aber dene Tüfels Trüßle will ich einmal wieder recht wüst sagen , vielleicht kann ich dann den andern Sonntag gehen . « » Warum sagt auch der Meister zu solchen Sachen nichts ? Mein Meister , wohl , der hat uns gesagt , ob wir in die Kirche sollten oder nicht . « » Der Vetter « , sagte Vreneli , » sagt , es gehe ihn nichts an , was sie mit ihren Seelen anfangen wollten ; wenn sie ihm nur brav werchen und nicht stehlen täten , und das sei fast nicht zu erwehren . « » Das glaube ich , « sagte Uli , » das kann er nicht erwehren ; wenn da nicht ein Anderer wehrt , so ist Joggeli lang z ' mutze dazu . « Uli machte sich zweg , trotz dem Gespött der Andern , nahm ein Psalmenbuch in die Kuttentäsche und wanderte der Kirche zu . Die Andern lachten ihm nach und sagten : Er wolle zu Üfligen den neuen Meisterknecht zeigen ; er werde meinen , die Leute werden auf die Bänke hinaufsteigen , um ihn zu sehen . Aber Solche hätte man schon manchen gesehen und noch Brävere . Vielleicht meine er gar , der Pfarrer ziehe ihn an in der Predig , aber sellig Flause wollten sie ihm schon vertreiben . Vreneli war , vielleicht zufällig , vielleicht nicht , unter der Türe gestanden und hatte ihm nachgesehen und sagte den Andern : Es wäre eher möglich , daß der Pfarrer sie anzöge und von Hurenbuben , Faulhüngen und Lugibuben redete , darum dürften sie nicht in die Kirche gehen . Dann wer , den sie denken , solche Fötzel an Leib und Seele gehörten nicht in die Kirche . » Säg ume , « sagte einer , » es uverschants Mul hescht ; aber gäll , der gfiel dr , du redst sonst nicht so ; du bist nicht besser als die Andern , sonst wärst du auch zKilche gange . Du wirst denken , wenn er nur einmal mit dir zKilche chömm , so heygs de für dyr Lebtig . « » Das geht dich nichts an ; einmal mit dir begehre ich nicht zKilche , lieber mit einem Schinderhund « , sagte Vreneli und verschwand . Wildes Gelächter scholl ihm nach . Uli fand bald Begleiter auf seinem Wege und ein Geständ um das Schulhaus , wo die Predigt abgehalten wurde . Das werde der neue Meisterknecht in der Glungge sein , sagte hier einer , dort einer . Es nehme sie wunder , wie lange er es mache . Meisterknecht möchten sie da nicht sein . Alle Andern hätten es gut , der müsse für alle ausfressen . Könne er es wohl mit den Diensten und mache auch , was sie , so passe ihm Joggeli auf wie ein Häftlimacher , bis er ihn fortschicken könne . Wolle einer Ordnung halten und das Land werchen lassen , wie öppe der Brauch sei , so hocken ihm die Diensten auf , und Joggeli werde zuletzt noch gar schalus und meine , er wolle regieren , und statt ihn zu unterstützen , kujiniere er ihn , bis er fort , laufe . Hintendrein sei er dann reuig und laufe ihnen nach , aber kaum habe er sie wieder , so fange das alte Spiel von neuem an . Das sei der wunderlichste Joggi , den es auf der Erde gebe , und dJoggeni seien doch füra etwas wunderlich , es wohne dem Namen an . Jeder wußte von Joggeli ein Müsterli zu erzählen , was er gemacht und wie es ihm dieser und jener gereiset , und alle er , mahnten ihn , er solle sich da nicht plagen , sondern für sich sehen ; wenn er es verstehe , so sei da etwas zu machen . Uli wurde ganz sturm darob und konnte seine Gedanken gar nicht bei der Predigt behalten . Alles , was er schon gesehen , bestätigte ihm das Gesagte ; dasselbe kam ihm immer ärger , greller vor , das Unangenehme wuchs handgreiflich vor seinen Augen bis zur Unerträglichkeit . Er werde wohl nicht mehr oft in die Kirche gehen , dachte er , da halte er es nicht lange aus . Als er heimging , finster und trübselig , schien die Sonne so freundlich , und es glitzerte der Schnee so rein und weiß , und traulich hüpften und flogen die Gilberiche vor ihm her , daß ihm ganz heimelig zumute wurde , daß es ihm ward , als sei er wieder am alten Ort und Johannes gehe neben ihm und rede zu ihm . Und da ward ihm , als hörte er ihn sagen : » Weißt du noch von den zwei Stimmen , die einen begleiten im Leben , einer aufweisenden und einer mahnenden , und weißt du , wie die aufweisende , schmeichelnde Stimme vom Versucher kömmt , der Schlange im Paradiese , und wie sie einem den Kopf groß machen , ableiten will vom rechten Pfade und hinterher auslachet , wenn sie einen in Unglück und Schande gebracht , wie man die von sich weisen und sagen muß : Weiche von mir , Satanas ! Wie sollte ich ein so großes Übel tun und wider den Herrn , meinen Gott , sündigen ! « So glaubte Uli den Johannes reden zu hören ; und da gedachte er , was die Menschen , die gekommen waren , an Gottes Wort sich aufzuerbauen , zu ihm gesagt , wie sie ihn aufgewiesen , den Kopf groß gemacht . Da erkannte er , was das für Stimmen seien , was sie für eine Bedeutung hätten und wie er vor ihnen die Ohren verschließen müsse . Aber es fing ihm fast an zu grusen vor den Leuten , die zusammenkommen , das Wort Gottes zu hören , Gott zu dienen , wie sie sagen , und die , statt Gott zu dienen , dem Satan dienen , statt sich zu erbauen , Andere niederziehen wollen in den Abgrund der Sünde . Es sei doch fürchterlich , dachte er , wenn den Leuten die Kirchenwege zu Höllenwegen würden , und es sei doch fürchterlich , ein Herz zu besitzen , das einem das Wort Gottes in Gift verkehre und dem Satan angehöre , während man mit dem Leibe Gott zu dienen vermeine . Da richtete er sich wieder auf und ward wohlgemut , daß er wieder wußte , woran er sei , und den rechten Weg wieder unter den Füßen fühlte . Doch schämte er sich fast , daß er beinahe und so leicht verführt worden , und er dachte , daß der Mensch fast sei wie ein Rohr , das der Wind hin- und herbewege , und wie notwendig es sei , zu wachen und zu beten , damit man nicht in Versuchung falle . Nun begriff er , was aus den Menschen werden müsse , die nicht wachen , nicht beten , und es kam ihm fast verwunderlich vor , daß nicht noch größere Ruchlosigkeit sei unter den Menschen . Beim Mittagessen konnte er ohne Zorn die Spöttereien er , tragen : Er solle sich schicken , er werde wohl noch in die Kinderlehre gehen und Fragen aufsagen wollen . Er solle doch für sie alle beten ; es käme ihnen jetzt kommod , daß sie einen Geistlichen unter sich hätten , der könne es für sie alle machen . Aber fluchen werden sie nüsti doch dürfen ? Uli hätte es nie geglaubt , daß an einem Orte die Gottlosigkeit auf einem solchen Punkte stünde , daß sie so frech sich zeigen und die offen verfolgen dürfe , welche Gott dienen wollten . Uli wußte dar , um nicht , daß alle , die etwas Apartiges wollen , Glaubensfreiheit , Gewissensfreiheit wollen , bis sie in dieser Duldsamkeit zur Macht erwachsen und dann despotisch und gewaltsam Zwang und Tyrannei des Gewissens und des Glaubens einführen . Und merkwürdigerweise ist gerade die Gottlosigkeit am unduldsamsten , sobald sie das Recht erstritten hat , mit Frechheit offen sich zeigen zu dürfen . Sie will keine Gottesverehrung mehr dulden und verfolgt jede mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln , legt euch Glaubens- und Gewissensfreiheit so aus , daß niemand mehr einen Glauben haben , niemand ein Gewissen zeigen solle . Wer fühlt nicht diese zur Macht strebende Gottlosigkeit und den Zwang , den sie bereits auszuüben beginnt ? Nach dem Essen ging Uli in sein Stübchen herauf , das kalt und dunkel war . Er nahm die Bibel hervor , die er im Trögli verschlossen hatte ; es war eine sehr schöne , die ihm seine Meisterfrau zum Andenken geschenkt , mit grobem , weitem Druck und stattlichem Einbande . Da schlug er gleich das erste Kapitel auf , las die Schöpfungsgeschichte und staunte ob den Wundern , die Gottes Hand geschaffen , und dachte , wie weislich alles sich gestaltet und wie unendlich der Raum sein möge , den Gottes Allmacht mit Sternenheeren bevölkert . Er freute sich ob der Herrlichkeit des