, der Palast müsse mit ihm versinken , denn dieser eintretende Herzog Bracciano war niemand anders , als jener Don Giuseppe , sein Reisegefährte von Rom her . Indem der Großherzog den Fürsten Bracciano zum Lehnsessel führte entfernte sich Malespina blaß und bestürzt , ohne daß Paul Giordano die mindeste Kenntnis von ihm nahm , als wenn er ihn schon gesehen hätte . Der Sekretär begriff , daß es klüger sei , von jenem Abend zu Rom und der Reise hierher mit diesem vornehmen Begleiter zu keinem Menschen ein Wort verlauten zu lassen . Nach kurzer Zeit trat auch der jüngste Bruder des Herzogs , Don Pietro , der wilde , herein . Blaß und abgezehrt , wie er war , so ein irres Feuer auch aus seinem unstät rollenden Auge blitzte , so erkannte man doch die edle Grundgestalt der Medicäer in seinem Angesicht . Er war heftig aufgeregt , und sprach von der Schande seines Hauses , er schalt auf die Familie , daß weder Vater noch Bruder sich herbeibemühen wollten , ein Weib , das so öffentliches Ärgernis gebe , zu bestrafen . » Und was soll nun geschehn ? « rief er mit zorniger Gebärde . » Denn ich dulde diesen Schandfleck unseres Hauses nicht länger . « Bracciano sprach von Scheidung , und die Verirrte in ein einsames Kloster zu verbannen . » Um noch mehr Aufsehn zu erregen ? « fragte der Prinz , indem er mit dem Fuß heftig auf den Boden stampfte . » Eins ist kürzer und sicherer , ohne Gerichte und Priester zu bemühen . « » Was sinnst du ? « fragte der Herzog . » Hast du so lange in Spanien gelebt « , antwortete jener , » und kannst noch zweifeln ? Nur bei der Wahrscheinlichkeit , nicht einmal beim Beweise , daß der Mann vom Weibe beschimpft sei , zeigte sich dort der stets fertige Dolch . « » Mein Prinz « , sagte Bracciano , » überlegt kühl und ruhig bevor Ihr zum Äußersten schreitet . Diese Eleonora ist schön und klug , Ihr habt sie vormals geliebt , erspart Euch , ihr und der Welt das Traurige . Gebt der Verleumdung und der Tadelsucht nicht von neuem Gelegenheit , Euer erlauchtes Haus zu verunglimpfen , in welchem das Schicksal schon so oft mit blutigem Finger die glänzenden Blätter seiner Geschichte bezeichnet hat . « Als der Großherzog in demselben Sinne sprach und Mäßigung anriet , rief Don Pietro im höchsten Unwillen : » Was kann der ältere Bracciano von dem wissen und fühlen , was in meinem jugendlichen Herzen tobt ? Sei er doch mäßig , gelinde und phlegmatisch : unsre witzige , übermütige Schwester wird sich so mehr ihres häuslichen Glückes , oder ihrer Ungebundenheit erfreuen können . Ihr , Herr Herzog , seid jahrelang abwesend , Ihr seid im Grunde von Eurer Frau geschieden , Ihr denkt und handelt wie ein Italiener , Ihr seid auf jenem Ehrenpunkte nicht so empfindlich : auch gibt Euch die Schwester keine Veranlassung zur Wut und Rache . Und mein fürstlicher Bruder ! Er weiß sich doch auch immer auf eine kurze Art Ruhe zu schaffen , wenn ihm jemand im Wege steht . So wenig Ihr , mein gebietender Herr und Bruder , Euch auch um Eure Gemahlin kümmert , so würdet Ihr doch gewiß , wenn ihre Schande so offenbar wäre , dieselbe Bahn betreten , die ich im Sinne habe . Und das ist auch das größte Vorrecht unsers Standes , daß wir nicht , wie die kümmerlichen Menschen dunkler Geschlechter nach Form und Recht zu fragen brauchen . Lassen wir uns mit diesen ein , so wird der geborne Fürst immer in Nachteil geraten ; denn die kleine bürgerliche Schadenfreude und der Neid zwacken an seinem klaren Recht dann so hin und her , daß er auch das Notwendigste endlich nur mit Verdruß und Demütigung erlangt . « Der Großherzog schien durch sein Stillschweigen diese Aussprüche zu billigen . Das Gespräch nahm eine andere Wendung und Don Pietro entfernte sich . Der Großherzog sah ihm sinnend nach und schien innerlich zu erwägen , wieviel Gewalttätiges sich schon im Hause der Medicäer ereignet habe , wieviel er selbst veranlaßt und wieviel Tragisches noch im Schoß der Zukunft schlummern möge . Bracciano beurlaubte sich , indem er sagte : daß es seine Absicht sei , einmal auf seinen Jagdschlössern hier sich zu ergötzen , sich mit der liebenswürdigen Gattin , die er zu sehr vernachlässiget habe , völlig auszusöhnen , sich der Erziehung seines Sohnes zu widmen , und durchaus den Hausvater zu spielen : einen Zustand und Charakter , den er in seinem bewegten Leben fast noch gar nicht habe kennen lernen . Der Großherzog lächelte freundlich aber zweideutig , als wenn er alle diese Reden in einem andern Sinne verstände . Bracciano entfernte sich , um in seinem Palaste die nötigen Befehle zu geben , weil er auf seinem Schloß im Gebirge eine große Jagdlust veranstalten wollte . Don Pietro reisete auch mit seiner Gemahlin und wenigem Gefolge ab . Donna Isabella empfing ihren Gemahl Bracciano mit einiger Verlegenheit , da sie ihn seit Jahren nicht gesehn hatte . Sie verwunderte sich noch mehr über seine freundliche Vertraulichkeit , die sie auch in früheren , besseren Zeiten an ihm vermißt hatte . » Ja « , sagte er , » ich will einmal diesen Sommer ganz mir und meinem Genius leben ; mein schönes Jagdrevier in Cerreto habe ich seit zu lange vernachlässigt , auch du siehst dich gern zu Pferde im frischen kühlen Walde und scheust dich , wahre Heldin , nicht vor dem wilden Eber . Diese schönen Tage sollen uns ungestört von lästiger Gesellschaft dahinfließen : nur wenige Freunde werden uns besuchen und nur Jagdgenossen . Ich begreife selbst nicht , warum ich meine Schlösser hier nicht schon mehr ausgebaut , und bequemer eingerichtet habe : geht mir doch mein Schwager , der Großherzog , mit so trefflichem Beispiel voran . Er kann auch freilich bequemer die großen Summen in seinem Pratolino aufwenden , als ich es vermöchte . « Die Herzogin Isabella befand sich wie in einer neuen Welt Auf diese Rückkehr ihres Gemahls hatte sie niemals rechnen können : ihre ganze Lebensweise mußte durch dieses unerwartete Ereignis eine andere Einrichtung gewinnen . Sie glaubte den Gemahl und seine Eigenheiten zu kennen , und doch erschien er ihr jetzt in einem ganz neuen Lichte , als wenn sie gewissermaßen jetzt zuerst seine Bekanntschaft machte . Sie ward ängstlich , und wollte sich doch ihre Angst , als eine grundlose , ableugnen . So begab sie sich in den Palast , um von dem Großherzog ihrem Bruder Abschied zu nehmen . Sie fand ihn allein in seinem Arbeitszimmer . Er war still und nachdenkend . Die schöne Frau die fast größer war , als der Bruder , umarmte diesen mit Herzlichkeit und empfahl sich seinem Wohlwollen und Schutze . Er antwortete nur wenig , und sie zögerte noch zu gehen , und wußte selbst nicht , weshalb sie zauderte . » Du siehst krank , mein geliebter Bruder « , sagte sie endlich , » blaß und ermüdet . « - » Ich wollte von dir das nämliche bemerken « , antwortete er , » du scheinst aufgeregt und eine fieberhafte Röte brennt auf deinen Wangen . « » Werden wir uns fröhlich und gesund wiedersehn ? « fragte sie fast weinend im Ton . Sie erschrak vor dem stechenden Blick den sie aus seinem Auge empfing , doch verschwand dieser scharfe Glanz plötzlich und wich einer sanften Zärtlichkeit in seinem Auge , indem er ihr die Hand drückte und sie zur Tür geleitete . Sowie sie über die Schwelle schreiten wollte , umarmte sie der Bruder noch einmal mit ungewöhnlicher Heftigkeit , er drückte sie lange an sich , indem er zitterte und entließ sie dann mit dem Ausdruck tiefster Wehmut . Außerhalb dem Vorhang der Tür , dünkte es ihr , als höre sie den starken , kalten und verschlossenen Bruder weinen , und sie wollte schon wieder umkehren , aber die Kammerherren und Hofdamen , die sie feierlich umringten , um sie nach den entfernten Gemächern der Großherzogin zu führen , verhinderten sie daran . Sie traf die kränkelnde Fürstin blaß und erschöpft auf ihrem Ruhebette liegen . » Ich habe schon erfahren « , sagte diese , » wie glücklich du bist , daß du dich mit deinem Gemahl wieder versöhnt hast , du Beneidenswerte . Nur mich verfolgt das Elend in allen Gestalten , und es ist sehr wahrscheinlich , daß ich euch bald verlasse : bin ich doch auch mir und allen Menschen nur zur Last . « In der Bewegung , in welcher die Herzogin sich befand , küßte sie feurig die Hände der kranken Fürstin . » Du bist gut , geliebte Schwester « , sagte diese ; » so wild und leichtsinnig du auch manchmal sein kannst , du liebst mich , ich habe es immer gefühlt , wenn du auch mit jener da , die ich nicht nennen mag , auf einem zu vertrauten Fuße lebst - wohl deinem Bruder zu gefallen mehr , als weil du sie wahrhaft achten könntest . - Verscherze nun nicht wieder die Liebe und Achtung deines Gemahls ; er hat große Eigenschaften , er ist großmütig bis zur Verschwendung , tapfer , ein Edelmann und Fürst in jeder Ader , dabei nicht jähzornig und rachsüchtig , wie es so viele der Unsrigen hier sind . « Von der Fürstin begab sich Isabella zu Bianca . Sie traf sie in ihrem Ankleidezimmer , beschäftigt , Putz , Kleider und Schmuck zum heutigen Feste auszuwählen . » O Törin ! « rief ihr Bianca entgegen , » daß du jetzt schon reisest , und nicht das heutige Fest noch abwarten willst . Sieh mich einmal an , ich habe heut zum erstenmal die neue Schminke versucht , die mir der Doktor empfohlen hat : sie ist etwas zu rot , hebt aber dadurch freilich das Feuer der Augen noch mehr hervor . Mein kleiner Francesco ist entzückt von dieser Erfindung . Nicht wahr , er fängt an , recht dick zu werden ? Aber es kleidet ihn nicht übel ; doch ein anderer Mann , wie der Kardinal Ferdinand , der kalte , abgemessene Mensch , der lauersame . Denke ! - unser , oder dein Troilos ist verschwunden ; er soll wo draußen auf dem Lande krank liegen aber kein Mensch kann sagen , wo . Ich hatte schon so sicher auf ihn gerechnet , daß er mit seinen Späßen unser heutiges Fest beleben sollte . - Hüte du dich nur etwas vor deinem Bracciano : er war hier bei mir und er gefällt mir gar nicht . Er hat sich in den Jahren , daß ich ihn nicht gesehen habe , recht verändert . So herrisch , gebietend , sich so breit machend : und in seinem hoffärtigen Auge so eine Art Verachtung , selbst gegen mich , als wenn er Kaiser wäre und ihm die Welt gehörte . Diese tückischen , bösartigen Männer , die sich selber alles erlauben , und uns armen Weibern dann die kleinsten Schwächen vorrücken wollen ! Hast du gehört , wie Pietro , der ungezogene Mensch , gegen seine Frau gewütet hat ? Es ist wahr , sie ist etwas zu weit gegangen , die Tolldreiste , und wir alle haben ja auch deswegen jeden Umgang mit ihr abbrechen müssen ; aber wer ist er denn , der ausschweifendste aller Menschen ? darf er die Tugend predigen wollen ? « So ergoß sich das herzlose Geschwätz noch eine Weile , dann nahm sie mit gleichgültiger Freundlichkeit von Isabellen Abschied und sagte beim Scheiden : » Ich weiß es , liebe Herzogin , du bist immer meine wahre Freundin gewesen ; du hast mir auch immer das Wort geredet , wo es die Gelegenheit gab , oder es notwendig war ; das werde ich dir niemals vergessen , und es findet sich gewiß eine Zeit und Veranlassung , wo ich dir vergelten und dir auch hülfreich sein kann . « - Sie hüpfte fort , weil eine Schneiderin sie im nächsten Zimmer erwartete . Isabella konnte die verschiedenen Betrachtungen nicht loswerden , die sich ihr wider Willen aufdrängten . Wodurch übte diese Capello , die ihr heute fast häßlich erschienen war , diese unbeschreibliche Gewalt , diese alles vermögende , über den Bruder aus ? Der Großherzog war klug , nicht so fest , wie Cosimo , sein Vater , aber in seinen Angelegenheiten ein starker , unbeugsamer Mann ; er war unterrichtet , fein , stolz , er hielt auf seine Würde , und suchte seinen Hof prächtig und bewundert zu machen . Es überschlich sie der peinigende Argwohn , daß sie doch auch in mancher Hinsicht dieser Bianca ähnlich sein möchte und daß der stolze , durchaus männliche Bracciano sie dann nicht ganz ohne Grund habe verachten dürfen . Sie reiseten ab . Der Herzog nahm nur seine Jäger und vertrauten Diener mit ; sie einige Kammerfrauen und die alte Amme des Hauses , denn man wollte draußen im Waldschlosse recht einsam und behaglich leben . Es war die Laune des Herzogs , daß er zuzeiten alle Etikette und die Zeichen seines Standes von sich entfernte , und dann wieder plötzlich die glänzendste Pracht entfaltete . So wenig konnte er den Zwang der Regel dulden , daß alles dies oft ohne alle Vorbereitung geschah , was die Umgebung wie die Dienerschaft zuweilen in die größte Verlegenheit versetzte . Wie mit Feierlichkeit empfingen sie in der Wildnis das einsame Schloß und die Diener und Beamten , die dort zur Aufsicht angestellt waren . Als sich Isabella in ihren Zimmern befand , und aus ihren Fenstern die Aussicht auf den Wald und die grünen Hügel betrachtete , sagte sie zu sich : Was ist es nur , daß mir hier aus Bäumen , Wänden und Felsen diese Schauer rieselnd entgegenquellen ? Ich war schon sonst hier , aber damals erfreute mich diese Einsamkeit , die jetzt quälend auf mich drückt . Sie ritten in den Wald hinein , und der Herzog schien in dieser frischen Natur , die er schon als Knabe geliebt hatte , wie verjüngt . Er scherzte über den sichtbaren Mißmut seiner Gemahlin : ihn ergötzte der kühle Schatten , ihn erquickte das Blasen der Waldhörner , die er von seinem Jägermeister in gewissen Entfernungen hatte aufstellen lassen . » So phantasiert es sich lieblich « , sagte er : » alle wunderlichen Gestalten des Ariost und Bojardo begegnen uns hier ; man sieht eine poetische Vorzeit durch die Dämmerung wandeln und geistig schwanken . Nicht wahr , hier müßte es einem Dichter recht wohnlich sein ? « Sie stiegen ab an einer anmutigen Stelle , wo ein kleiner Brunnen , den der Herzog im Walde erschaffen hatte , durch sein rieselndes Geschwätz zur Ruhe einlud . Man genoß hier nur Wein und Bracciano fuhr phantasierend fort : » Hier gemahnst du mich in deinem Jagdkleide , dem grünen Hut und deiner Schönheit , wie die Königin Ginevra , die etwa hier an diesem Zauberbrunnen nach ihrem Lancelot ausschaut . Es fehlen nur die Frühlingsvögel , um mit ihrem sehnsuchtsvollen Gesang das Poetische dieser schönen Stelle zu vollenden . - Nur du hast deinen dichterischen Mutwillen eingebüßt und ich muß hier allein phantasieren . « » Du hast in Rom « , erwiderte sie , » oder wo es sein mag , deine Dichterschwingen entfalten lernen , denn früher habe ich dich in solchen Reden und Gleichnissen niemals vernommen . « Bracciano wurde plötzlich sehr ernst und tiefsinnig ; denn ein holdseliges , großes , glänzendes Bild stieg in seiner Imagination auf . Gegen diese Erscheinung war diese , die zu ihm sprach , nur eine geringe , unbedeutende - und jene , wie fern ihm ! Von den Verhältnissen der Welt ihm entrissen . Er und die Herrliche angekettet an dürren Zwang , der in sich selbst weder Kraft , Notwendigkeit , noch fesselnde Gewalt zu haben schien . Das ist von jeher den starken Gemütern das traurigste , kläglichste Gefühl gewesen , sich diesen Zufälligkeiten fügen und sich demütig dem Einspruche resignieren zu müssen , den ihr Herz verachtet . Plötzlich fuhr er auf , und sie ritten nach der Wohnung zurück . Als es finster geworden war , erhob sich ein Sturm und Gewitter . Der Wind brausete furchtbar durch die Waldung , die alten Stämme schüttelten sich und die brechenden Zweige krachten zum Erschrecken . Dann kam ein starker , sausender Regen , und ihm folgten Blitze und brüllende Donnerschläge . Man setzte sich zum Abendessen , die Herzogin zagend , der Mann frohen Mutes , denn ihn ergötzte stets bis zu lauter Freude dieser Aufruhr in der Natur . Ein alter Kammerdiener , der aus Florenz kam , ließ sich noch am späten Abend melden . » Wer sendet dich ? Was willst du ? « rief ihm Bracciano entgegen . » Vergebt , mein gnädiger Herr « , antwortete der Alte , » daß ich so naß und triefend vor Euch erscheine : es ist aber die Nachricht nach der Stadt gekommen , daß auf dem alten Schloß der Medicäer , dort in Cafaggiolo , die Dame Eleonora plötzlich verschieden ist . « » Wie ? « rief Isabella , und ward totenbleich . » Woran ist sie , so jung noch , gestorben ? « fragte Bracciano ganz ruhig . » Am Herzklopfen « , sagte der alte Diener ; » der Prinz Pietro ist selbst in größter Eile mit dieser Trauerbotschaft nach der Stadt geritten . Er selber ist aber gar nicht traurig , sondern wüst und wild wie immer . Deshalb wird auch schon allenthalben laut geschwatzt und vielerlei erzählt : und er selbst soll gar nicht einmal widersprechen , sondern gleichsam durch sein Stillschweigen alles zugeben : daß er sie nämlich im einsamen Zimmer mit eignen Händen erwürgt , oder erdrosselt habe , um sie wegen ihres schlechten Lebenswandels zu bestrafen . Es ist aber immer hart und grausam , eine solche Rache zu nehmen . « » Gewiß « , sagte Bracciano , » ebenso unverzeihlich , als unnatürlich . Sie hat zwar aller Sitte Hohn gesprochen und den erhabnen Namen der Medicäer , sowie das Haus Toledo geschändet ; aber der Prinz hat dennoch wie ein Ruchloser gehandelt . Freilich war es unverzeihlich , daß sie als Mann verkleidet in dunkler Nacht durch die Stadt lief , mit Jünglingen im vertrauten Verkehr war , sich zu Sklaven und Sklavinnen mit leichtsinniger Vertraulichkeit herab erniedrigte , maskiert in fremde Häuser ging , um unzüchtige Szenen zu belauschen und ihre Freude an ihnen zu haben ; - alles dies war unverzeihlich : - aber ermorden ! mit eignen Händen ! - Dadurch hat der Prinz sich selbst auf Lebenszeit gebrandmarkt . Das ist die verruchte spanische Sitte jener blinden Eifersucht und verabscheuungswürdigen Rache , die in unserm Italien niemals einheimisch werden sollte . « Er verabschiedete den Alten , und befahl ihm , sich umzukleiden , ein Abendessen zu genießen und sich zeitig niederzulegen , damit er nicht erkranke . Es geschah so . - Isabella saß wie vernichtet an dem Speisetische . Das Zimmer ward ihr zu enge , und doch zwang sie sich , zu genießen , was der Gemahl ihr mit scheinbarer Freundlichkeit vorlegte . » Denkwürdige Begebenheiten ! « sagte er nach einer Weile : » so watet die Leidenschaft und das heiße Blut immerdar in unsern großen Häusern . Wie einfach war die Lebensweise des alten Cosmus , jenes ehrwürdigen Vaters des Vaterlandes , wie rein und edel steht jener große Lorenzo Magnifico da ! Aber nun mit dem Herzog Alexander brechen Untaten und Unglück herein . Diese Söhne des edeln zweiten Cosimo , die so rätselhaft in früher Jugend sterben : die Blutszenen , die schon jetzt , seit der kurzen Regierung deines Bruders vorgefallen sind . Von andern Familien jener Papst Alexander , und sein scheußlicher Sohn Cesar Borgia , noch manche Päpste , die Familie der Visconti und Sforza in Mailand , der Ferrarese , der den eignen Sohn hinrichten läßt - und alles wird erregt durch Liebe , Wollust , Eifersucht , Rachgier , Eigennutz und Herrschbegier ! « - Er ging im Saale auf und ab und sagte dann : » Keine größere Wonne , als nach so furchtbarem Gewitter im Finstern durch den erfrischten Wald zu schreiten : das war von Jugend auf meine Lust . « Er nahm den Degen und die Jagdflinte und entfernte sich . Isabella saß in stummer Verzweiflung und rang die Hände . Dahin war also nun der schwärmende Leichtsinn des Lebens ausgeschlagen ! Sie irrte durch die Zimmer : in den Vorstuben , vor den Türen , allenthalben ihr fast unbekannte Diener , mit strengen Angesichtern . Da kam die alte Amme und winkte ihr geheimnisvoll , so daß sie , entfernt von allen , sie in der Schlafkammer ganz allein sprechen könne . Als sie sich sicher wußten flüsterte die Amme : » Hier ! nehmt das Blättchen ! Der Alte sagte mir , wie er ankam , er hätte deswegen nur die traurige Botschaft übernommen , um Euch das Blättchen , wenn auch mit Lebensgefahr , abzuliefern . Er ist zwar reichlich belohnt - aber das Leben geht doch über alles . « Isabella nahm zitternd das Papier . Sie kannte die Hand wohl ; es enthielt nur : » Um Gottes willen ! flieht ! gleich ! im Augenblick , da Ihr dies empfangt ! « » Wohin ? Wie ? « rief Isabella in Verzweiflung ; » die Fenster zu hoch , der Wald unwegsam und mir unbekannt ; kein Pferd , kein vertrauter Mann - wenn jener Alte vielleicht aus der Stadt - « » Alles umsonst « , heulte die Amme , » ich bin schon an seiner Tür gewesen , sie haben ihn eingeschlossen . - Wohin man sieht , stehn die ernsten , verdrießlichen Wächter mit finstern Gesichtern ; wir sind wie in einer Festung verriegelt . « An alle Fenster ging die geängstigte Isabella , um einen möglichen Ausweg zu entdecken ; aber alles war umsonst . Jetzt kehrte der Herzog zurück und die Amme verließ ihre Gebieterin . Er stellte Flinte und Degen wieder in die Ecke , zog die Handschuhe aus und sagte : » Es ist doch beinahe kalt geworden , man sollte sich mehr vor solchem schnellen Wechsel der Witterung in acht nehmen . Solltest du es glauben , der ehrliche Alte , der so unbesonnen und hastig herausritt , um uns jene Trauerkunde zu bringen , er hat sich so erhitzt , und nachher durch das Gewitter so erkältet , daß er jetzt schon in dem Zimmer unten tot liegt . « Isabella stieß einen laut gellenden krampfhaften Schrei aus , indem ihr ganzer Körper zitterte . Von ohngefähr ging ihre vertrauteste Kammerfrau , die schöne junge Stella , an der Tür vorbei : diese kam , da sie diesen ungewöhnlichen furchtbaren Aufschrei vernahm , schnell herein . Sie sah , wie Bracciano um die leidende Gemahlin bemüht war ; er hielt sie in den Armen und sagte : » Ist es die Reise , ist es die Furcht , welche ihr das Gewitter erregte ? sie ist wie von einem Schlagflusse getroffen worden . « Stella rieb ihr die Schläfe : die halb ohnmächtige Herzogin warf einen fast sterbenden Blick auf die befreundete Gestalt , drückte ihr die Hand und lispelte : » Bei mir bleiben ! « » Sie wird immer schwächer « , sagte Bracciano ; » Ihr seht meine Angst , Stella . O schnell , schnell laßt Euch unten von meinem Oberjägermeister das Elixier , das heilsame , geben , das ich ihm anvertraute , im Fall mir im Walde auf der Jagd etwas zustieße : schnell ! « Es dünkte der Kammerfrau , als wenn die schwache Ohnmächtige sie festhalten und ihr etwas sagen wollte ; aber sie vermochte es nicht und Bracciano rief wieder : » Ihr seht , wie meine Gemahlin leidet . - Eilt ! « Stella flog fort . - » Seht « , sagte der Herzog leise , » da fällt das Billet des Troilo aus Eurem Busen ; warum habt Ihr es nicht gleich zerrissen ? « Jetzt kam Stella in fliegender Eile und herzklopfender Angst zurück . Wie sie aber eintreten wollte , fand sie die Tür von innen verriegelt . Sie klinkte und klopfte . Da war es ihr , als hörte sie ein Weinen , dann einen lauten Wortwechsel , ein Schluchzen - plötzlich war alles still . - Bracciano öffnete die Tür und sagte : » Wer hat sie verriegelt ? Seht die Arme . « Isabella war vom Sessel heruntergesunken . Stella kniete neben ihr nieder und legte das schöne Haupt in ihren Schoß : sie rieb Schläfe und Stirn mit der kräftigen Essenz : sie sah , wie die Sterbende am Halse und im Gesicht blaue Flecken hatte , wie die Augen aufgeschwollen herausstanden : ein brechender Blick schaute sie noch einmal mit ungewissem Lichte , dämmernd und aufflackernd an , dann lag Isabella tot in ihren Armen . » Seht ! « rief Bracciano klagend , » sie ist dahingeschieden , die Unglückselige , noch im Tode schön und reizend . Ja weint nur , arme Stella , Ihr habt eine liebe Herrin , eine großmütige , freundliche verloren . Und ich Verlaßner ! so schnell sie einzubüßen , da ich sie eben erst wiedergewonnen hatte . Hierher kam ich , um in fröhlicher Häuslichkeit , in stillem Frieden den Sommer an der Seite des geliebtesten Wesens zu genießen - und nun kehre ich als trauernder Witwer zur Stadt zurück . « Stella war außer sich , die andern Dienerinnen erschraken , als sie diese schreckliche Neuigkeit erfuhren . » Die Reise , das feuchte Schloß , das schreckliche Gewitter haben es ihr angetan ; dies Grauen hat ihrem zarten Körper den Schlag zugezogen , und der Herzog ist untröstlich . « So sprachen sie untereinander . Man kehrte zur Stadt zurück . Bracciano voran und die Leiche folgte ihm nach . Soeben war die Totenfeier für Eleonore Toledo beschlossen , und eine zweite wurde jetzt mit noch viel größerem Pomp für die junge , dahingeschiedene Schwester des Großherzogs veranstaltet . Der Bruder der Verstorbenen ging traulich Arm in Arm mit Bracciano , und beide schienen einander freundlich zu trösten : sie waren , das sahen alle Zuschauer , inniger vereint als je . Pietro war nicht zugegen . Als sie aus der Kirche zurückkehrten , gewahrte Bracciano in der Menge den Geheimschreiber Malespina , und sagte halblaut im Vorbeigehn : » Nicht wahr , nun gibt es wieder recht viel zu erzählen ? « - Diesen schauderte und er verließ das Gedränge , um in der Einsamkeit nachzudenken . Viertes Kapitel In Rom hatten sich , durch ihre Stellung gegen den herrschsüchtigen Farnese dazu veranlaßt , die beiden Kardinäle Montalto und Ferdinand der Medicäer immer enger aneinandergeschlossen . Es war fast schon entschieden , daß , im Fall ein Konklave eintreten würde , die Wahl gewiß nicht auf den Farnese fallen solle , und so vereinten sich , außer dem frommen Borromeo , heimlich oder öffentlich immer mehr Prälaten der Medicäischen Partei , weil der Hochmut des Farnese viele verletzt hatte und sie einsahen , daß alle in ihren Interessen beschädigt würden , wenn dieser hochfahrende Mann den päpstlichen Stuhl besteigen sollte . Montalto und Ferdinand waren eben beisammen , weil der junge Kardinal dem alten wichtige Nachrichten mitteilen und um dessen Rat bitten wollte . » Wie es in Florenz steht , verehrter Freund « , begann Fernando , » brauche ich Euch nicht zu schildern , denn Ihr kennt selbst das Elend und die Schande , in welche sich mein schwacher Bruder verwickelt hat . Diese Bianca , diese Abenteuerin , beherrscht ihn so unbedingt , daß Volk , Adel , alles leidet . Er ist von Natur edel und großgesinnt , er liebt Kunst und Wissenschaft , er verehrt die Religion , und dennoch gelingt es der elenden Buhlerin , in so vielen Stunden ihn sich selber abtrünnig zu machen . Ihre Ausschweifungen haben sie dahin gebracht , daß sie keine Kinder mehr gebären kann , und dennoch hat sie schon im vorigen Jahre meinem Bruder einen Sohn untergeschoben , das Kind armseliger , unbekannter Eltern . Francesco ist glücklich und glaubt der Betrügerin alles . Von verschiedenen Ammen waren schon seit Monaten einige schwangere Weiber bewacht und bestochen : sie , in verstellter Krankheit , wußte abwechselnd des Bruders Mitleid , Freude und Hoffnung zu erregen . Eine dieser Frauen kam mit einem Knaben nieder , und dieser wurde sogleich künstlich in den Palast geschafft , und dann als der Sprößling des Großherzogs vorgewiesen . Die Ammen , sowie diese gemeinen Mütter , sind nach und nach verschwunden , damit sie nicht irgendeinmal das Geheimnis ausplaudern könnten . Ihr kennt ja die abscheuliche Art und Weise , die sich , vorzüglich jetzt , in meinem Vaterlande eingeführt hat : der tote Mund ist schweigsam , und Meuchelmord ist ein fast öffentliches Gewerbe und eine rechtliche Hantierung geworden . « » Furchtbar ist es in ganz Italien jetzt ! « rief Montalto höchst erzürnt : » wem soll der Herr die Geißel in die Hand geben , diesen Greuel zu vertreiben ? « » Nun habe ich gestern « , fuhr der Medicäer fort , » einen Eilboten von Bologna erhalten , und zugleich die Schriften über ein merkwürdiges Verhör und einen Mordanfall , der dort im Gebirge , in der Nähe der Stadt sich zugetragen hat . Eine dieser Ammen , die die verschlagenste sein mag , und bei der