schildern , den Leonin von diesen Worten empfing - es war ein . Sprung in seinen Empfindungen , der so ungeheuer groß war , daß er ihm den Athem zum Ersticken versetzte , und er von den angeregten Gefühlen und Gedanken so überwältigt ward , daß er mit den Worten : » Vater , Vater , welch ' ein Ausspruch ! « zu seinen Füßen sank und seine Hände mit einer an Angst grenzenden Empfindung an seine Brust preßte . - Dies namenlose Glück , das zu erreichen , alle seine Träume , alle seine Wünsche umschloß , es erschreckte ihn , der Erfüllung so nah ' . - Er fühlte eine plötzliche Unsicherheit , als könne er es nicht verdienen , nicht festhalten , was ihm mit so engelreinem Vertrauen geboten ward . Riesengroß stieg das ganze Gebäude von Hindernissen auf , das ihn in der Heimat erwartete , und das er durch diesen Schritt nur vermehrt sah . Aber der Gedanke , Fennimor solle ihm schon jetzt gehören , nicht die Last jener Wiederwärtigkeiten sollte dazwischen liegen - welch ' ein Glück ! Er frug nach einem zweiten , wie dieses , und dennoch fühlte er sich davon bis zum Erschrecken , bis zum Verzagen überrascht , und blieb betäubt vor dem arglosen Spender dieses wunderbaren Geschenkes knieen , ohne es zu wissen , und ohne seiner Erschütterung Herr werden zu können . Der sanfte Greis bemerkte es nicht ; von der Anstrengung dieser Berathung ermüdet , sah er still vor sich nieder . » O , Vater , « sprach Leonin endlich - » ist das Euer Ernst ? wollt Ihr mich so bald , so ohne Bedenklichkeiten glücklich machen ? « Da erwiederte er mit dem sterbenden Lächeln eines Verklärten , als öffneten sich vor seinen Augen die Pforten der Zukunft : » Da sehe ich meine Fennimor an Deiner Seite vor mir am Altare knieen , und von ihrem Vater gesegnet , erfüllt sich ihres Herzens Wunsch ; sie wird Dein Weib , und ich gehe ein zur ewigen Ruhe ! « - Wieder schwieg er lächelnd , müde das Haupt gesenkt , und Leonin hatte eine wunderbare Bestätigung gewonnen - wie ein Engel hatte die Ueberzeugung ihn aus diesen Worten angeredet , er stand auf und sagte entschlossen : » Ja , mein Vater , es sei so , wie Ihr edel vertrauend mir anbietet ! Zwar bin ich noch nicht majorenn , noch nicht unabhängiger Herr meiner Handlungen , aber ich fühle mich in meinem Geiste eben fähig , mir selbst die Unabhängigkeit zuzusprechen , und ich werde jede Verpflichtung zu vertreten wissen , die ich hiemit übernehme ! - Aber sagt , « frug er nun mit dem vollsten Ausdrucke der Liebe , » wird Fennimor einwilligen wollen , so bald mein Weib zu werden ? « » Fragt sie selbst , « sagte Sir Reginald - denn eben trat Fennimor in die Thür und flog sogleich mit ihrem leichten Schritt auf Leonin zu . » Fennimor , meine geliebte Fennimor , « rief er , sie an seine Brust drückend - » weißt Du , was der Vater so eben über uns bestimmt hat ? « » Sag ' es mir , « erwiederte Fennimor , heiter zu ihm aufblickend , » es ist gewiß recht was Gutes . « » Ja Fennimor , das ist es , « fuhr Leonin noch belebter fort - » Du sollst , wenn Du mich nicht zurückweisest , noch ehe ich nach Frankreich gehe , mein Weib werden , und der Vater will uns selbst einsegnen vor dem Altare ! « » O , mein Gott , « - rief Fennimor , faltete schnell ihre Hände und fiel auf ihre Knie vor den Vater hin - » hältst Du mich denn jetzt schon so hohen Berufes würdig ? Kann ich denn schon eine Frau sein zu Gottes Ehre , wie es doch so schwer und hochwichtig sein soll ? « » Du wirst das ja mit Gottes Hülfe lernen , mein theures Kind , « sagte der Vater ruhig , » und anfangen müßtest Du ja immer einmal , und wäre es nach Jahren erst . « » Ja , « sagte Fennimor , » anfangen müßte ich immer einmal , da hast Du Recht , und Gott müßte mir doch später auch helfen , wie er mir jetzt helfen wird , da ich der Hülfe noch mehr bedürftig bin . Ach , « - rief sie nun , als habe sie den Ernst der Sache abgethan , und stand schnell , gegen Leonin gewendet , auf - » und dann bin ich Dein Weib , und Du mußt um so eher wiederkommen , und Deine Mutter ist gleich meine Mutter , und sie wird mich um so schneller lieb haben , wenn Du ihr Grüße von ihrer Tochter bringen kannst . « Crecy verbarg sein Gesicht in ihre Locken , es ging ein trüber Schatten drüber hin , sein Herz ward zusammen gedrückt , sie hatte selbst ihre drohende Zukunft in ihm herauf beschworen . Aber selbst diese Anregung , wie hätte sie nach Fennimor ' s Einwilligung die Macht haben können , das Glück zu trüben , von dem er sich bald allein noch erfüllt fand ; die Zukunft mochte senden , was sie wollte , ihm gehörte die Gegenwart , mit jedem Zauber für das Herz ausgestattet , und er wollte Alles vergessen , um sie vollständig zu schätzen . Wenige Tage vor seiner Abreise sollte seine Vermählung mit Fennimor in der Kirche der Abtei stattfinden . Nach reiflicher Ueberlegung beider Männer sollte dieselbe ein Geheimniß bleiben , so lange Sir Reginald am Leben bliebe , und Fennimor erst im Fall des Alleinstehens das Recht haben , sich in der unabhängigen Stellung einer verheiratheten Frau zu zeigen . Dies schien Leonin höchst nöthig , um seine Mutter langsam auf seine Entschlüsse vorzubereiten , und ohne daß er diesen Grund gerade hervor hob , fand der Wunsch , seine Aeltern selbst von seiner Vermählung zu unterrichten , bei Vater und Tochter die größte Billigung - denn an jener Einwilligung zweifelten Beide nicht nach Leonin ' s Zusicherung derselben ; und nachdem Fennimor den zärtlichen Brief der Marschallin an ihren Sohn gelesen , worin sie , besorgt für sein Vergnügen , ihm dort wegzugehen rieth , hielt sie seine Mutter für den Inbegriff aller Güte und Liebe , und hing schon jetzt mit kindlicher Zärtlichkeit an ihr . Emmy Gray und ihr Mann sollten die nöthigen Zeugen abgeben , darüber von Crecy und Sir Reginald ein Dokument aufgesetzt werden , welches von Allen unterzeichnet , die Legitimation dieses priesterlichen Aktes enthalten sollte , und alle Theile hielten sich damit für gesichert und beruhigt ; wobei von Fennimor natürlich nicht die Rede sein konnte , welche , in gänzlicher Unwissenheit über diese Formen , ihnen vollkommen gleichgültig zusah . Ueberhaupt konnte nichts ihren Schmerz über die nahe Trennung von Leonin zerstreuen . Sie begriff nicht , wie sie leben könnte ohne ihn , und empfand eine solche Herzensangst bei dem Gedanken , ihn nicht mehr sehen und hören zu sollen , daß Todtenblässe sogleich ihre Stirn bedeckte und der Schmerz wie ein körperliches Leiden sie ergriff . Sie versuchte Leonin ' s Freude über diese Vermählung zu theilen , aber sie hatte nie , wie er , Schwierigkeiten für ihre dereinstige Erfüllung gesehen , sie konnte daher auch keine größere Sicherheit dadurch gewinnen ; und der Gedanke , eine Frau zu sein , wovon sie sehr schwerfällige , ernste Vorstellungen hatte , die sie um ihr heiteres , kindliches Umherschwärmen zu bringen drohten , erfüllten ihren Geist mit bangen Bildern , die nur durch Leonin ' s Freude und seine erhöhten Liebesbeweise zuweilen zerstreut wurden . Was dazu beitrug , Fennimor ' s Herz zu quälen , war die laute unverholene Mißbilligung , welche Emmy Gray bei der Mittheilung dieses Entschlusses aussprach . Niemals hatte sie so , wie die übrigen Mitglieder des Hauses , sich an Crecy anschließen können . Als Spielkameradin , Dienerin und Freundin , durch die Jahre , die sie älter war , und die sie sogar zur Frau und Mutter gemacht , hatte sie über Fennimor mehr Gewalt bekommen , als sich zuerst darlegte , und indem sie mit enthusiastischer Liebe an ihr hing , bewachte sie zugleich mit der größten Eifersucht das Leben eines Wesens , wogegen Mann und Kind ihr fast gleichgültig waren , und das sie , indem sie sich stets bereit fühlte , ihr ganzes Interesse dafür hinzugeben , auch als eine Art Eigenthum für sich zu erhalten strebte . Für Fennimor ' s Ehre , Ansehn und künftiges Glück trug sie die übertriebensten Vorstellungen in sich . Was Crecy an Namen , Rang und Vermögen ihr bot , schien ihr nur grade so , wie es ihr zukam ; sie dachte diese Vorzüge durch eine große öffentliche Vermählung erst recht ins Licht gestellt zu sehen , und hoffte dadurch alle die Kammermädchen der Lady ' s auf dem Schlosse zu lehren , wie die Ansprüche ihrer jungen Herrschaft genau so groß seien , als die der ihrigen . Ernsten , finsteren Gemüths legte sie überhaupt auf Heirathen keinen Werth , ja , sie hatte die ihrige , obwohl John Gray der beste Mensch und ihr innig zugethan war , schon längst bitter bereut , und nur , weil er ihr vollkommene Freiheit ließ , nach wie vor ihren Dienst bei Fennimor zu verrichten , ertrug sie dies Verhältniß , erhielt ihm ihre kühle Liebe und bestellte mit rechtschaffener Strenge ihr gemeinschaftliches Haus . Crecy ' s Erscheinen trennte sie zuerst von der ununterbrochenen Gemeinschaft mit dem Abgotte ihres Herzens , zu dem sie Fennimor gemacht , und das Glück , das sie durch diese Liebe über jene verbreitet sah , konnte sie , indem sie dieselbe nicht zu verstehen vermochte , auch nicht mit ihrem dadurch erlittenen Verluste versöhnen . Es trat ein fast unbezwingliches Zürnen gegen denjenigen ein , der es wagen wollte , ihr Fräulein so zu lieben , wie sie selbst , ein anderes höheres Glück ihr zu bieten , als sie es ihr bisher bereitet . Nur ihr Ehrgeiz und die Erwartung , wie sie durch den hervortretenden Glanz ihres Lieblings dereinst Alle auf Schloß Stirlings demüthigen wollte , versprach ihr Ersatz und einigen Genuß , wobei sie mit milderen Empfindungen gegen Crecy sich dessen Mitwirkung versprach . Wie mußte sie daher die Nachricht aufnehmen , daß von allem diesem bei der beabsichtigten Vermählung nichts sich ereignen würde ! Ihre Empörung kannte keine Grenzen . In Thränen gebadet , warf sie sich ihrer jungen Gebieterin zu Füßen und bat sie , diesen ehrlosen Vorschlag nicht einzugehen , nicht wie ein verlorenes Mädchen heimlich und ohne den Glanz , der ihr zukäme , den Altar zu betreten . » Ja , Emmy , « - sagte Fennimor betrübt - » ich habe auch immer geglaubt , ich müßte dies einmal ganz öffentlich thun , so wie Du damals , wo Dir die Jungfrauen alle folgten , und die Kinder Blumen streuten , und es so schön den ganzen Tag war . « » Ach , und ich - was bin ich gegen Euch ! « rief Emmy . - » Ihr , die ein Fürst hätte wählen können und sich damit geehrt hätte - Ihr , Ihr sollt nun so hinter dem Altare herkommen , als müßtet Ihr Euch schämen vor der großen Ehre , die ein so fremder Graf Euch erzeigen will ; und zwei so schlechte Leute , wie ich und John , sollen Zeugen sein , wo die ganze Grafschaft hätte eingeladen werden müssen , und die Ladys Gersey ' s Euch die Schleppe tragen . « » Ach , « sagte Fennimor , rasch von ihrem Schemmelchen aufstehend , vor dem dies Gespräch vorfiel - » wenn die ganze Grafschaft hätte dazu kommen müssen , und die Gersey ' s meine Schleppe tragen , dann ist es mir doch viel lieber , daß wir so recht still bei einander bleiben können und die Andern gar nichts davon wissen , denn lustig kann ich doch nicht sein , weil Leonin zwei Tage darauf abreisen muß . « » Ach , « weinte Emmy , » Ihr redet , wie Ihr es versteht , und das ist eben schändlich , daß man Eure Unwissenheit benutzte , Euch so um Euren besten Lebenstag zu betrügen ; wer weiß , was der fremde Herr Graf , dem ich nie getraut , gegen Euch im Schilde führt ! « » Schweig ' ! « rief Fennimor schnell , mit der vollsten Energie einer Gebieterin , » wie kannst Du in Deiner Thorheit ihn angreifen wollen , der Alles aus Liebe zu mir thut ? Hüte Dich mit Deinen unbesonnenen Worten , jetzt will ich nie mehr davon hören ! - Was er will und mein Vater gut heißt , das ist das Rechte , und wie froh bin ich , daß ich Deine ganze Grafschaft und die dummen Gersey ' s los bin , die ohnehin denken , ich kann nicht schreiben und lesen . « » Nun , so sei Euch Gott gnädig ! « rief Emmy , heftig aufstehend , » und namenloses Elend bis ans Ende seines Lebens mag über den kommen , der Euch nicht glücklich macht , und Euer und Eures Vaters Vertrauen mißbraucht ! - Mir ahnet heilloses Unglück von dieser Heirath , so verstohlen betrieben , als wären wir Alle Betrüger ; und der Traum Eures Vaters wird wohl Recht gehabt haben , denn grade den Tag , wo die selige Mutter ihm erschienen und so um Euch geweint hat , da haben wir den Herrn Grafen zuerst gesehen - o , hätte mich doch lieber der Eber zerrissen , als daß ich Euer Unglück sehen muß ! « - » Aber , Emmy , Emmy , « rief Fennimor , minder erzürnt und durch den heftigen Kummer ihrer Dienerin besänftigt - » hier ist ja gar nicht von Unglück die Rede - das einzige Unglück ist ja , daß er bald abreist , und daß mein Bruder nicht hier ist ; sonst ist es mir ja viel lieber , daß wir ganz allein sind , denn eine Schleppe ziehe ich gar nicht an , und Du bist mir ja tausend Mal lieber , als die ganze Grafschaft und alle Gersey ' s ! « Diese letzten Worte verfehlten nicht , Emmy einigermaßen zur Ruhe zu stellen , und obwohl Fennimor ihren ersten Kummer fühlte , war es doch nicht der , der Emmy unter tausend Thränen die Nacht auf ihrem Lager wach erhielt . Indessen war diese Stimmung der armen Emmy nicht dazu geeignet , die bange Erwartung ihrer jungen Gebieterin zu zerstreuen , die mit ihrem tief ergriffenen Herzen in jeder Vorkehrung zu ihrer Vermählung zugleich die nahende Abreise Leonin ' s heraussah , und so fast mit Schauder darauf einging , immer mit der Ahnung eines tödlichen Schmerzes im Herzen , überdeckt noch von dem Zauber der Gegenwart , den Beide festhielten , als läge dahinter ein bodenloser Abgrund . Wunderbar entwickelte dieser erste heiße Schmerz an Fennimor die Verwandlung des fast kindlichen Mädchens zu einer höheren Stufe ; denn wir müssen es dem Schmerze zugestehen , daß er am schnellsten das Innere des Menschen zeitigt und , indem er ihnen die Blüten von den leicht geschwingten Zweigen streift , die kein irdischer Frühling ihnen wiedergiebt , doch das innere Mark des Lebens emportreibt , was dann erst die bildende Kraft für die in der Blüte nur angedeutete Frucht wird . Kein Mensch hätte Fennimor jetzt , wie wenige Wochen früher , noch für ein Kind halten können . Dieses Gefesseltsein am Augenblicke , dieser auf das Nächste gerichtete lachende Blick , der sonst nur mit dem Ernste wechselte , den gute Kinder zeigen , wenn sie aufmerken sollen , was Alte wollen - wie war das Alles weggewischt von Fennimor ! Sie war nicht minder schön , ja , vielleicht noch anziehender , wenn man den seltenen Genuß vergessen hatte , der ihre frühere Erscheinung durch den Ausdruck einer vollkommen ungetrübten Seele fast zu der eines Engels machte . Ihr rundes Kinn hatte sich fein gesenkt und ein liebliches Oval aus der Kinderform gebildet , die Nase war länglich durchsichtig aus den sonst sie verkleinernden vollen Wangen hervorgetreten , und die Augen zeigten erst jetzt ihre leuchtende Größe , wo sie von dem unschuldigen Lächeln kindlichen Frohsinns nicht mehr so oft in die Länge gezogen wurden . Größer war sie auch geworden und schlanker , oder diese regelmäßige Gestalt zeigte sich erst , da sie langsamer ging und ein Auge gewonnen hatte für ihre Kleidung durch Leonin ' s Freude daran . Dabei war der Zauber einer unsäglichen inneren Befriedigung um sie verbreitet , die , unabhängig von dem jetzt damit verbundenen Schmerze , ihr durch Leonin ' s Liebe gänzlich befriedigtes Herz andeutete und ihren Worten , dem Ton ihrer Stimme , dem Blick ihres Auges den vollen warmen Hauch der schönsten Begeisterung gab . Und dennoch war sie nicht mehr glücklich ! - Sie hatte nach einem höheren Lebensgute gegriffen , als das Spielzeug der Kinderstube , und schon mußte sie den Tribut zahlen ; denn neben dem höchsten Glück erwartete sie schon der Schmerz , und sie fühlte , noch behütet von der Liebe , doch schon seinen eisigen Hauch über sie hinstreichen . Einige Tage später ließ sich bei sinkender Sonne auf dem festen Landwege , der von der Edinburger Landstraße ab nach Stirlings-Bai führte , der Hufschlag eines Pferdes hören . Der Reiter hielt die Zügel an , als er die Meierei zu erkennen glaubte , die man ihm als passend zum Nachtquartier bezeichnet , und alsbald folgte den hinter den Hecken lauschenden Kindern , die auf schnellen Füßen nach dem Hause zu verschwanden , eine rüstige Frau , welche sich durch Gruß und Anrede als die Wirthin bezeichnete . - » Weit des Weges ? « frug sie , ohn ' Bedenken den Steigbügel ergreifend und dem Gaste vom Pferde helfend . » Weit genug , um gern bei einer freundlichen Wirthin ausruhen zu mögen , « erwiederte der Reisende , jetzt als ein junger , gewandter Mann sich der aufmerkenden Hausfrau zeigend . » Was wir haben , mag Euch gehören « - war die bereitwillige Antwort , doch mit ernster , gleichgültiger Miene gesprochen . Sie traten darauf in das Haus oder vielmehr in den großen Hausraum , der eigentlich in seiner Zusammenstellung die ganze Existenz der Familie umschließt , und ihre ganze Chronik uns zu erzählen wüßte , da in seinem Umfang Alles bewirkt und verrichtet wird , was ihr einfaches Leben erfordert . Von der mühseligsten Arbeit an bis zu den seltenen Festen , von dem Nahrung spendenden Heerde und der langen daran stehenden Eßtafel , die alle Mitglieder versammelt , bis zu den kleinen , kaum ausreichenden Verschlägen , wohinter Aeltern und Kinder , Kranke und Alte ihre Ruhestätte finden , umfaßt dies alles der Hausraum , und sanft wiegt die Müden auf ihrem Nachtlager das leise Schnalzen der wiederkäuenden Kühe ein , deren Ställe mit diesen Lagern in enger Gemeinschaft stehen , und welche ihre Vorrathskammer , ihre Chatulle , ihr größter Besitz , ihr einziger Stolz sind . Wie sehr der Reisende , der hier eingeführt war , auch in seiner ganzen Weise die Verwöhnung der höheren Stände verrieth - die bisher zurückgelegte Tour hatte ihn bereits bekannt gemacht mit den Erwartungen , die man von einem Nachtlager , fern von der großen Straße , hegen durfte , und seine Stimmung war ganz geeignet , ihn gegen die zu erwartenden Mängel gleichgültig zu stimmen . Das Feuer , welches bald aus seiner dumpfen Ruhe zum lustigen Lodern aufgeweckt war , tröstete ihn , da seine Kleider feucht und von Nebel durchnäßt waren , bald für das Uebrige , und er fand seine schweigsame Wirthin geschickt genug , die gebratenen Speckstücken in Eier zu backen und den Becher mit Ale aus einem guten Fasse zu füllen . - Schwerer hielt es , ihr Rede abzugewinnen . Ihre Verrichtungen schienen ihre Gedanken in den Händen fest zu bannen ; dabei krochen nach und nach fünf bis sechs zerlumpte Kinder aus den Winkeln , wohin sie sich vor dem Fremden geborgen hatten , hervor , und da sie nicht unempfindlich für das Abendbrod desselben blieben , hatte die ernste Mutter zu wehren , zu zanken und zu strafen , welches allgemach ein ziemlich lebhaftes Treiben hervorrief , aber nicht zu Gunsten des Fremden , der noch immer an seinen Fragen behindert blieb . Eine Schüssel Milch und gleichmäßige Portionen Brod versammelten endlich die junge Gesellschaft auf einen Punkt , und es trat Ruhe ein . » Wie lange habe ich morgen bis nach dem Schlosse ? « hob jetzt der Fremde aufs Neue an . » Nun , « erwiederte die Wirthin - » um die Bucht herum seht Ihr die Abtei , da geht ' s bergan , doch eine Meile trägt ' s nicht aus ! - Wollt Ihr dahin ? « frug sie jetzt selbst . » Es ist vorläufig mein Ziel , « sprach der Fremde . » Die Essen rauchen dort nicht , und die Wälder sind einsam worden , « fuhr das Weib in ihrer Weise fort - » sie sind in Trauer und beerben die Ahnfrau in Edinburg . « Der Fremde schien nichts Unerwartetes vernommen zu haben ; er frug ohne Erwiederung fort : » Und findet sich Niemand zum Empfange von Fremden ? Haben denn Alle das Schloß verlassen ? « » Diener genug , Zimmer genug - aber die Essen rauchen nicht , und der Herrenraum ist leer . « » Und doch erwarte ich , dort einen Fremden zu finden , der das Schloß nicht verließ , wie ich weiß , und für den sicher Sorge getragen ward . « Die Wirthin blickte jetzt zuerst auf , und indem sie die Hand über die Augen hielt , überliefen ihre Blicke schnell und prüfend den Fremden - sie schwieg nach dieser Bewegung und blickte wieder vor sich hin . » Nun , könnt Ihr mir nicht sagen , ob ein solcher Bewohner im Schlosse zu finden ist ? « - Eine Bewegung zwischen Lachen und Hohn verunstaltete augenblicklich das Gesicht der Frau ; dann stand sie müde auf , ergriff einen Kienspahn , den sie über das Feuer hielt , und erwiederte , schon im Abgehen : » Die Abtei ist groß , der Heerd versorgt , und für Jugend und Müßiggang ist der Tag zu kurz ! Wenn sie morgen läuten , wird ' s nicht umsonst sein - Blumen wird Keiner streun - die Krähen hacken den Rasen auf dem Kirchhofe , sie wissen , was für Arbeit kömmt - nirgends war Rosmarin voller , als an der Abtei-Pforte . Aber noch wissen sie alle nicht , wie viel unter der schwarzen Decke Raum haben - nur , wer in der Mondwende geboren ist , sieht das Gespenst . - Ihr , denke ich , werdet es ihnen lehren ! « Es war , als ob ihre Gestalt im Abgeben wuchs ; der flackernde Kienspahn , den sie trug , malte ihren Schatten riefengroß an der Wand - der Fremde fühlte eine Berührung aus einer Welt , die er belachte und verachtete - es half ihm nicht , daß er raisonnirend dies Weib unter die träumerischen Monosüchtigen versetzte , an denen Schottland reich ist ; er konnte die Kälte und Erstarrung , die ihn befallen , erst nach einigen Minuten beseitigen , und es steht zu glauben , daß diese äußere Anregung mit einem ihm wohlbewußten Zustande seines Inneren zusammengefallen war . Als die Wirthin wiederkam , war der eben hervorgetretene Trieb verschwunden ; gleichgültig zeigte sie ihm das frische Heu , was sie für ihn aufgeschüttet , und er fand , mehr als er gehofft , zwei reine Decken darüber gebreitet . Wir sollten billig erstaunen , daß der Reisende einen so festen Schlaf auf seinem Lager fand , daß er die Frühstunde der Abreise versäumte und erst erwachte , als ein kleines Mädchen , welches sich neugierig über den Schläfer gebogen hatte , ausglitt und , queer über sein Gesicht fallend , jetzt in Schreck und Angst gesetzt , ein lautes Geschrei ausstieß . Das gegenseitige Aufraffen brachte die vollständigste Ermunterung des Gastes hervor - und er mußte sich bald überzeugen , daß außer dem eben so kleinen Buben , der die schreiende Schwester wegführte , er der einzige Anwesende im Hause war . Sein Pferd war gesattelt und an die Thür gebunden - auf dem Eßtische stand eine Schale mit Milch und Brot daneben , und selbst die Bewohner der Ställe waren verschwunden . Es kümmerte ihn wenig , und schnell gerüstet , legte er ein Geldstück neben das gut befundene Frühstück , und bald sehen wir ihn auf dem Rücken seines ausgeruhten Pferdes die Höhe erreichen , von der aus der See mit dem Schlosse von Stirlings und darüber die mächtigen Thürme der Abtei sichtbar wurden . Er schenkte diesem wahrhaft bezaubernden Gemälde wenig Theilnahme , obwohl die Sonne in der späteren Stunde hervorgetreten war und es zu verklären schien ; den See mit seinem dunklen , ruhigen Spiegel hatte sie noch nicht erreicht , aber die Thürme der Abtei und die Wipfel des rund herum ausgebreiteten , vom Herbste bunt gefärbten Waldes erleuchtete sie mit einem Glanze , daß die majestätische Schönheit von Beiden imponirend die Seele erfassen mußte . - Aber der Mensch legt in jedes Bild der Außenwelt hinein , was in seinem Innern vorherrscht . Der Fremde dachte , indem er den Zügel seines Pferdes nachdenkend anhielt , wo er am schnellsten dies gute Thier unterbringen könne , um alsdann unbemerkt und zu Fuße das Terrain näher zu umschleichen , wohin seine Gedanken nur in einer Beziehung gerichtet waren . In demselben Augenblick erhoben die Glocken ihre harmonischen mächtigen Stimmen - und der See schien aufzuwallen , als höbe sich seine ruhige Tiefe den heiligen Klängen entgegen ; um die Wipfel der Wälder lief ein leises Rauschen , und sie bogen die riesigen Häupter , als käme der Morgenwind , den sie begrüßten , mit dem Klange der Glocken . Und der Fremdling hörte ihren Ton , um sich zu erinnern , daß das Weib in ihrer weitsichtigen Redeweise darauf hingedeutet , als ein Ereigniß verkündigend - die letzte Mahnung an sein Gewissen ward von dem festen Beschluß eines gegen höhere Einflüsse gesicherten Herzens überhört . Er benutzte die erste Hütte am Wege , um dem müßig davor kauernden Knaben die Zügel seines Pferdes zuzuwerfen , und es unter dem breiten Schatten eines Ahorns gesichert haltend , nahm er den Rath über den kürzesten Weg nach der Abtei-Kirche von dem Knaben an , überschritt die heilige Schwelle derselben ohne Bedenken und barg sich , dem Hochaltare gegenüber , in einem hochbelehnten Chorstuhle , der nichts , als ihn selbst , der Beobachtung entzog . Der Früh-Gottesdienst war beendigt bis zum Segen , der so eben mit einer tiefen , bewegten Stimme über die Anwesenden gesprochen ward . Der Greis , der den Hochaltar bediente , stand in der Verklärung eines Apostels da - seine Augen ruhten einen Augenblick auf der kleinen knieenden Gemeinde - aber dann suchten sie , wie seine Seele , den Himmel , und als sie sich erhoben , ruhte der Glauben drinnen , der Berge versetzt - und er sagte mit diesem Blicke zum ganzen Leben : Es ist in Deiner Hand ! - Die Gemeinde verließ die Kirche , und der Fremde , den wir begleiten , würde vielleicht gefolgt sein , da es schien , als habe er hier nichts mehr zu thun - hätte ihn nicht der wunderbare Greis mit ahnungsvoller Neugierde gefesselt . Er hatte auf den Stufen des Altars seine müden Kniee gesenkt , und unter dem Schatten seiner weißen Locken hing der Kopf in betender Demuth auf der gebeugten Brust . Der scharfe Beobachter hatte hier bald eine ungewöhnliche Gemüthsstimmung erkannt , und seine Augen suchten unruhig nach der Ursache . Ein alter Diener der Kirche zeigte sich endlich - er verschloß den Ausgang nach dem Wege , den die Gemeine gegangen , und öffnete gegenüber eine große Bogenthür , welche den Wald mit seinen Buchensäulen und seinem schimmernden Rasenteppich in solchem Glanze der Sonnenglut zeigte , daß er ein blitzender Edelstein erschien in der kunstreichen Fassung der schönen architektonischen Thürwölbung . - Weiter fuhr der Alte fort , mit leisem Schritt einen Teppich zu entwickeln , den er von der Schwelle an bis zum Hochaltar ausbreitete , und belegte die untern Stufen des Altars mit zwei Kissen . Er war jetzt nicht mehr allein ; eine junge Frau in stattlicher ländlicher Kleidung war aus dem Walde zu ihm getreten , sie trug in ihrem Arme Blumen , wie der Herbst sie noch sammeln ließ , und ordnete sie kunstreich auf dem Teppich und um die Stufen des Altars . Die Nähe des betenden Greises schien beiden ein ehrfurchtsvolles Schweigen aufzulegen , und die Thränen , die aus den Augen der jungen Landfrau , wie aneinander gereihte Perlen , flossen , wurden alle leis in einem Tuch aufgefangen , und jeder Laut der kämpfenden Brust unterdrückt . Dann verließ sie nach Beendigung ihrer Ausschmückung die Kirche , und der alte Küster erschien nun im vollen Schmucke seines rothen Chorrockes , und nahm in ehrfurchtsvoller Erwartung an dem Eingange der Thüre Platz . Es war kaum möglich einen großartigern Eindruck zu empfangen , als hier in der Wirkung von zwei gleich erhabenen Erscheinungen lag , die , so verschieden , doch eines inneren Zusammenhanges nicht entbehrten . - Der Wald zeigte mit dem riesenhaften Baue seiner Buchenstämme und seinen hochgewölbten Aesten ,