im Wagen schlafend , von dem tollen Abend im Gasthause erholen konnte . « Die Erzählung des Leibarztes wurde oft durch lauteres Gelächter , als man es wohl sonst im Zirkel eines Hofes hören mag , unterbrochen . Der Fürst schien sich sehr ergötzt zu haben . » Nur eine Figur « , sagte er zum Leibarzt , » haben Sie in dem Gemälde zu sehr in den Hintergrund gestellt , und das ist Ihre eigne , denn ich wette , daß Ihr zuzeiten etwas boshafter Humor den närrischen Ewson sowie den pathetischen Doktor zu tausend tollen Ausschweifungen verleitet hat und daß Sie eigentlich das exzitierende Prinzip waren , für das Sie den lamentablen Amtmann ausgeben . « - » Ich versichere , gnädigster Herr , « erwiderte der Leibarzt , » daß dieser aus seltner Narrheit komponierte Klub so in sich abgeründet war , daß alles Fremde nur dissoniert hätte . Um in dem musikalischen Gleichnis zu bleiben , waren die drei Menschen der reine Dreiklang , jeder verschieden , im Ton aber harmonisch mitklingend der Wirt sprang hinzu wie eine Septime . « - Auf diese Weise wurde noch manches hin- und hergesprochen , bis sich , wie gewöhnlich , die fürstliche Familie in ihre Zimmer zurückzog und die Gesellschaft in der gemütlichsten Laune auseinanderging . - Ich bewegte mich heiter und lebenslustig in einer neuen Welt . Je mehr ich in den ruhigen gemütlichen Gang des Lebens in der Residenz und am Hofe eingriff , je mehr man mir einen Platz einräumte , den ich mit Ehre und Beifall behaupten konnte , desto weniger dachte ich an die Vergangenheit , sowie daran , daß mein hiesiges Verhältnis sich jemals ändern könne . Der Fürst schien ein besonderes Wohlgefallen an mir zu finden , und aus verschiedenen flüchtigen Andeutungen konnte ich schließen , daß er mich auf diese oder jene Weise in seiner Umgebung festzustellen wünschte . Nicht zu leugnen war es , daß eine gewisse Gleichförmigkeit der Ausbildung , ja eine gewisse angenommene gleiche Manier in allem wissenschaftlichen und künstlerischen Treiben , die sich vom Hofe aus über die ganze Residenz verbreitete , manchem geistreichen und an unbedingte Freiheit gewöhnten Mann den Aufenthalt daselbst bald verleidet hätte ; indessen kam mir , so oft auch die Beschränkung , welche die Einseitigkeit des Hofes hervorbrachte , lästig wurde , das frühere Gewöhnen an eine bestimmte Form , die wenigstens das Äußere regelt , dabei sehr zustatten . Mein Klosterleben war es , das hier , freilich unmerklicherweise , noch auf mich wirkte . - So sehr mich der Fürst auszeichnete , so sehr ich mich bemühte , die Aufmerksamkeit der Fürstin auf mich zu ziehen , so blieb diese doch kalt und verschlossen . Ja , meine Gegenwart schien sie oft auf besondere Weise zu beunruhigen , und nur mit Mühe erhielt sie es über sich , mir wie den andern ein paar freundliche Worte zuzuwerfen . Bei den Damen , die sie umgaben , war ich glücklicher ; mein Äußeres schien einen günstigen Eindruck gemacht zu haben , und indem ich mich oft in ihren Kreisen bewegte , gelang es mir bald , diejenige wunderliche Weltbildung zu erhalten , welche man Galanterie nennt und die in nichts anderm besteht , als die äußere körperliche Geschmeidigkeit , vermöge der man immer da , wo man steht oder geht , hinzupassen scheint , auch in die Unterhaltung zu übertragen . Es ist die sonderbare Gabe , über nichts mit bedeutenden Worten zu schwatzen und so den Weibern ein gewisses Wohlbehagen zu erregen , von dem , wie es entstanden , sie sich selbst nicht Rechenschaft geben können . Daß diese höhere und eigentliche Galanterie sich nicht mit plumpen Schmeicheleien abgeben kann , fließt aus dem Gesagten , wiewohl in jenem interessanten Geschwätz , das wie ein Hymnus der Angebeteten erklingt , eben das gänzliche Eingehen in ihr Innerstes liegt , so daß ihr eignes Selbst ihnen klar zu werden scheint und sie sich in dem Reflex ihres eignen Ichs mit Wohlgefallen spiegeln . - - Wer hätte nun noch den Mönch in mir erkennen sollen ! - Der einzige mir gefährliche Ort war vielleicht nur noch die Kirche , in welcher es mir schwer wurde , jene klösterliche Andachtsübungen , die ein besonderer Rhythmus , ein besonderer Takt auszeichnet , zu vermeiden . - Der Leibarzt war der einzige , der das Gepräge , womit alles wie gleiche Münze ausgestempelt war , nicht angenommen hatte , und dies zog mich zu ihm hin , so wie er sich deshalb an mich anschloß , weil ich , wie er recht gut wußte , anfangs die Opposition gebildet und meine freimütigen Äußerungen , die dem für kecke Wahrheit empfänglichen Fürsten eindrangen , das verhaßte Pharospiel mit einemmal verbannt hatten . So kam es denn , daß wir oft zusammen waren und bald über Wissenschaft und Kunst , bald über das Leben , wie es sich vor uns ausbreitete , sprachen . Der Leibarzt verehrte ebenso hoch die Fürstin als ich und versicherte , daß nur sie es sei , die manche Abgeschmacktheit des Fürsten abwende und diejenige sonderbare Art Langeweile , welche ihn auf der Oberfläche hin- und hertreibe , dadurch zu verscheuchen wisse , daß sie ihm oft ganz unvermerkt ein unschädliches Spielzeug in die Hände gebe . Ich unterließ nicht , bei dieser Gelegenheit mich zu beklagen , daß ich , ohne den Grund erforschen zu können , der Fürstin durch meine Gegenwart oft ein unausstehliches Mißbehagen zu erregen scheine . Der Leibarzt stand sofort auf und holte , da wir uns gerade in seinem Zimmer befanden , ein kleines Miniaturbild aus dem Schreibepult , welches er mir mit der Weisung , es recht genau zu betrachten , in die Hände gab . Ich tat es und erstaunte nicht wenig , als ich in den Zügen des Mannes , den das Bild darstellte , ganz die meinigen erkannte . Nur der Änderung der Frisur und der Kleidung , die nach verjährter Mode gemalt war , nur der Hinzufügung meines starken Backenbarts , dem Meisterstück Belcampos , bedurfte es , um das Bild ganz zu meinem Porträt zu machen . Ich äußerte dies unverhohlen dem Leibarzt . » Und eben diese Ähnlichkeit « , sagte er , » ist es , welche die Fürstin erschreckt und beunruhigt , so oft Sie in ihre Nähe kommen , denn Ihr Gesicht erneuert das Andenken einer entsetzlichen Begebenheit , die vor mehreren Jahren den Hof traf wie ein zerstörender Schlag . Der vorige Leibarzt , der vor einigen Jahren starb und dessen Zögling in der Wissenschaft ich bin , vertraute mir jenen Vorgang in der fürstlichen Familie und gab mir zugleich das Bild , welches den ehemaligen Günstling des Fürsten , Francesko , darstellt und zugleich , wie Sie sehen , rücksichts der Malerei ein wahres Meisterstück ist . Es rührt von dem wunderlichen fremden Maler her , der sich damals am Hofe befand und eben in jener Tragödie die Hauptrolle spielte . « - Bei der Betrachtung des Bildes regten sich gewisse verworrene Ahnungen in mir , die ich vergebens trachtete klar aufzufassen . - Jene Begebenheit schien mir ein Geheimnis erschließen zu wollen , in das ich selbst verflochten war , und um so mehr drang ich in den Leibarzt , mir das zu vertrauen , welches zu erfahren mich die zufällige Ähnlichkeit mit Francesko zu berechtigen scheine . - » Freilich « , sagte der Leibarzt , » muß dieser höchst merkwürdige Umstand Ihre Neugierde nicht wenig aufregen , und so ungern ich eigentlich von jener Begebenheit sprechen mag , über die noch jetzt , für mich wenigstens , ein geheimnisvoller Schleier liegt , den ich auch weiter gar nicht lüften will , so sollen Sie doch alles erfahren , was ich davon weiß . Viele Jahre sind vergangen und die Hauptpersonen von der Bühne abgetreten , nur die Erinnerung ist es , welche feindselig wirkt . Ich bitte , gegen niemanden von dem , was Sie erfuhren , etwas zu äußern . « Ich versprach das , und der Arzt fing in folgender Art seine Erzählung an : » Eben zu der Zeit , als unser Fürst sich vermählte , kam sein Bruder in Gesellschaft eines Mannes , den er Francesko nannte , unerachtet man wußte , daß er ein Deutscher war , sowie eines Malers von weiten Reisen zurück . Der Prinz war einer der schönsten Männer , die man gesehen , und schon deshalb stach er vor unserm Fürsten hervor , hätte er ihn auch nicht an Lebensfülle und geistiger Kraft übertroffen . - Er machte auf die junge Fürstin , die damals bis zur Ausgelassenheit lebhaft und der der Fürst viel zu formell , viel zu kalt war , einen seltenen Eindruck , und ebenso fand sich der Prinz von der jungen bildschönen Gemahlin seines Bruders angezogen . Ohne an ein strafbares Verhältnis zu denken , mußten sie der unwiderstehlichen Gewalt nachgeben , die ihr inneres Leben , nur wie wechselseitig sich entzündend , bedingte und so die Flamme nähren , die ihr Wesen in eins verschmolz . - Francesko allein war es , der in jeder Hinsicht seinem Freunde an die Seite gesetzt werden konnte , und so wie der Prinz auf die Gemahlin seines Bruders , so wirkte Francesko auf die ältere Schwester der Fürstin . Francesko wurde sein Glück bald gewahr , benutzte es mit durchdachter Schlauheit , und die Neigung der Prinzessin wuchs bald zur heftigsten , brennendsten Liebe . Der Fürst war von der Tugend seiner Gemahlin zu sehr überzeugt , um nicht alle hämische Zwischenträgerei zu verachten , wiewohl ihn das gespannte Verhältnis mit dem Bruder drückte ; und nur dem Francesko , den er seines seltnen Geistes , seiner lebensklugen Umsicht halber lieb gewonnen , war es möglich , ihn in gewissen Gleichmut zu erhalten . Der Fürst wollte ihn zu den ersten Hofstellen befördern , Francesko begnügte sich aber mit den geheimen Vorrechten des ersten Günstlings und mit der Liebe der Prinzessin . In diesen Verhältnissen bewegte sich der Hof , so gut es gehen wollte , aber nur die vier durch geheime Bande verknüpften Personen waren glücklich in dem Eldorado der Liebe , das sie sich gebildet und das anderen verschlossen . - Wohl mochte es der Fürst , ohne daß man es wußte , veranstaltet haben , daß mit vielem Pomp eine italienische Prinzessin am Hofe erschien , die früher dem Prinzen als Gemahlin zugedacht war , und der er , als er auf der Reise sich am Hofe ihres Vaters befand , sichtliche Zuneigung bewiesen hatte . - Sie soll ausnehmend schön und überhaupt die Grazie , die Anmut selbst gewesen sein , und dies spricht auch das herrliche Porträt aus , was Sie noch auf der Galerie sehen können . Ihre Gegenwart belebte den in düstre Langeweile versunkenen Hof , sie überstrahlte alles , selbst die Fürstin und ihre Schwester nicht ausgenommen . Franceskos Betragen änderte sich bald nach der Ankunft der Italienerin auf eine ganz auffallende Weise ; es war , als zehre ein geheimer Gram an seiner Lebensblüte , er wurde mürrisch , verschlossen , er vernachlässigte seine fürstliche Geliebte . Der Prinz war ebenso tiefsinnig geworden , er fühlte sich von Regungen ergriffen , denen er nicht zu widerstehen vermochte . Der Fürstin stieß die Ankunft der Italienerin einen Dolch ins Herz . Für die zur Schwärmerei geneigte Prinzessin war nun mit Franceskos Liebe alles Lebensglück entflohen , und so waren die vier Glücklichen , Beneidenswerten in Gram und Betrübnis versenkt . Der Prinz erholte sich zuerst , indem er bei der strengen Tugend seiner Schwägerin den Lockungen des schönen verführerischen Weibes nicht widerstehen konnte . Jenes kindliche , recht aus dem tiefsten Innern entsprossene Verhältnis mit der Fürstin ging unter in der namenlosen Lust , die ihm die Italienerin verhieß , und so kam es denn , daß er bald aufs neue in den alten Fesseln lag , denen er seit nicht lange her sich entwunden . - Je mehr der Prinz dieser Liebe nachhing , desto auffallender wurde Franceskos Betragen , den man jetzt beinahe gar nicht mehr am Hofe sah , sondern der einsam umherschwärmte und oft wochenlang von der Residenz abwesend war . Dagegen ließ sich der wunderliche menschenscheue Maler mehr sehen als sonst und arbeitete vorzüglich gern in dem Atelier , das ihm die Italienerin in ihrem Hause einrichten lassen . Er malte sie mehrmals mit einem Ausdruck ohnegleichen ; der Fürstin schien er abhold , er wollte sie durchaus nicht malen , dagegen vollendete er das Porträt der Prinzessin , ohne daß sie ihm ein einziges Mal gesessen , auf das ähnlichste und herrlichste . Die Italienerin bewies diesem Maler so viel Aufmerksamkeit , und er dagegen begegnete ihr mit solcher vertraulicher Galanterie , daß der Prinz eifersüchtig wurde und dem Maler , als er ihn einmal im Atelier arbeitend antraf und er , fest den Blick auf den Kopf der Italienerin , den er wieder hingezaubert , gerichtet , sein Eintreten gar nicht zu bemerken schien , - rund heraussagte , er möge ihm den Gefallen tun und hier nicht mehr arbeiten , sondern sich ein anderes Atelier suchen . Der Maler schnickte gelassen den Pinsel aus und nahm schweigend das Bild von der Staffelei . Im höchsten Unmute riß es der Prinz ihm aus der Hand mit der Äußerung , es sei so herrlich getroffen , daß er es besitzen müsse . Der Maler , immer ruhig und gelassen bleibend , bat , nur zu erlauben , daß er das Bild mit ein paar Zügen vollende . Der Prinz stellte das Bild wieder auf die Staffelei , nach ein paar Minuten gab der Maler es ihm zurück und lachte hell auf , als der Prinz über das gräßlich verzerrte Gesicht erschrak , zu dem das Porträt geworden . Nun ging der Maler langsam aus dem Saal , aber nah an der Türe kehrte er um , sah den Prinzen an mit ernstem durchdringendem Blick und sprach dumpf und feierlich : Nun bist du verloren ! - Dies geschah , als die Italienerin schon für des Prinzen Braut erklärt war und in wenigen Tagen die feierliche Vermählung vor sich gehen sollte . Des Malers Betragen achtete der Prinz um so weniger , als er in dem allgemeinen Ruf stand , zuweilen von einiger Tollheit heimgesucht zu werden . Er saß , wie man erzählte , nun wieder in seinem kleinen Zimmer und starrte tagelang eine große aufgespannte Leinwand an , indem er versicherte , wie er eben jetzt an ganz herrlichen Gemälden arbeite ; so vergaß er den Hof und wurde von diesem wieder vergessen . Die Vermählung des Prinzen mit der Italienerin ging in dem Palast des Fürsten auf das feierlichste vor sich ; die Fürstin hatte sich in ihr Geschick gefügt und einer zwecklosen , nie zu befriedigenden Neigung entsagt ; die Prinzessin war wie verklärt , denn ihr geliebter Francesko war wieder erschienen , blühender , lebensfroher als je . Der Prinz sollte mit seiner Gemahlin den Flügel des Schlosses beziehen , den der Fürst erst zu dem Behuf einrichten lassen . Bei diesem Bau war er recht in seinem Wirkungskreise , man sah ihn nicht anders , als von Architekten , Malern , Tapezierern umgeben , in großen Büchern blätternd und Plane , Risse , Skizzen vor sich ausbreitend , die er zum Teil selbst gemacht und die mitunter schlecht genug geraten waren . Weder der Prinz noch seine Braut durften früher etwas von der inneren Einrichtung sehen , bis am späten Abend des Vermählungstages , an dem sie von dem Fürsten in einem langen feierlichen Zuge durch die in der Tat mit geschmackvoller Pracht dekorierten Zimmer geleitet wurden , und ein Ball in einem herrlichen Saal , der einem blühenden Garten glich , das Fest beschloß . In der Nacht entstand in dem Flügel des Prinzen ein dumpfer Lärm , aber lauter und lauter wurde das Getöse , bis es den Fürsten selbst aufweckte . Unglückahnend sprang er auf , eilte , von der Wache begleitet , nach dem entfernten Flügel und trat in den breiten Korridor , als eben der Prinz gebracht wurde , den man vor der Türe des Brautgemachs , durch einen Messerstich in den Hals ermordet , gefunden . Man kann sich das Entsetzen des Fürsten , der Prinzessin Verzweiflung , die tiefe , herzzerreißende Trauer der Fürstin denken . - Als der Fürst ruhiger worden , fing er an , der Möglichkeit , wie der Mord geschehen , wie der Mörder durch die überall mit Wachen besetzten Korridore habe entfliehen können , nachzuspähen ; alle Schlupfwinkel wurden durchsucht , aber vergebens . Der Page , der den Prinzen bedient , erzählte , wie er seinen Herrn , der , von banger Ahnung ergriffen , sehr unruhig gewesen und lange in seinem Kabinett auf und ab gangen sei , endlich entkleidet und mit dem Armleuchter in der Hand bis an das Vorzimmer des Brautgemachs geleuchtet habe . Der Prinz hätte ihm den Leuchter aus der Hand genommen und ihn zurückgeschickt ; kaum sei er aber aus dem Zimmer gewesen , als er einen dumpfen Schrei , einen Schlag und das Klirren des fallenden Armleuchters gehört . Gleich sei er zurückgerannt und habe bei dem Schein eines Lichts , das noch auf der Erde fortgebrannt , den Prinzen vor der Türe des Brautgemachs und neben ihm ein kleines blutiges Messer liegen gesehen , nun aber gleich Lärm gemacht . - Nach der Erzählung der Gemahlin des unglücklichen Prinzen war er , gleich nachdem sie die Kammerfrauen entfernt , hastig ohne Licht in das Zimmer getreten , hatte alle Lichter schnell ausgelöscht , war wohl eine halbe Stunde bei ihr geblieben und hatte sich dann wieder entfernt ; erst einige Minuten darauf geschah der Mord . - Als man sich in Vermutungen , wer der Mörder sein könne , erschöpfte , als es durchaus kein einziges Mittel mehr gab , dem Täter auf die Spur zu kommen , da trat eine Kammerfrau der Prinzessin auf , die in einem Nebenzimmer , dessen Türe geöffnet war , jenen verfänglichen Auftritt des Prinzen mit dem Maler bemerkt hatte ; den erzählte sie nun mit allen Umständen . Niemand zweifelte , daß der Maler sich auf unbegreifliche Weise in den Palast zu schleichen gewußt und den Prinzen ermordet habe . Der Maler sollte im Augenblick verhaftet werden , schon seit zwei Tagen war er aber aus dem Hause verschwunden , niemand wußte wohin , und alle Nachforschungen blieben vergebens . Der Hof war in die tiefste Trauer versenkt , die die ganze Residenz mit ihm teilte , und es war nur Francesko , der , wieder unausgesetzt bei Hofe erscheinend , in dem kleinen Familienzirkel manchen Sonnenblick aus den trüben Wolken hervorzuzaubern wußte . Die Prinzessin fühlte sich schwanger , und da es klar zu sein schien , daß der Mörder des Gemahls die ähnliche Gestalt zum verruchten Betruge gemißbraucht , begab sie sich auf ein entferntes Schloß des Fürsten , damit die Niederkunft verschwiegen bliebe , und so die Frucht eines höllischen Frevels wenigstens nicht vor der Welt , der der Leichtsinn der Diener die Ereignisse der Brautnacht verraten , den unglücklichen Gemahl schände . - Franceskos Verhältnis mit der Schwester der Fürstin wurde in dieser Trauerzeit immer fester und inniger , und ebensosehr verstärkte sich die Freundschaft des fürstlichen Paars für ihn . Der Fürst war längst in Franceskos Geheimnis eingeweiht , er konnte bald nicht länger dem Andringen der Fürstin und der Prinzessin widerstehen und willigte in Franceskos heimliche Vermählung mit der Prinzessin . Francesko sollte sich im Dienst eines fremden Hofes zu einem hohen militärischen Grad aufschwingen und dann die öffentliche Kundmachung seiner Ehe mit der Prinzessin erfolgen . An jenem Hofe war das damals , bei den Verbindungen des Fürsten mit ihm , möglich . Der Tag der Verbindung erschien , der Fürst mit seiner Gemahlin sowie zwei vertraute Männer des Hofes ( mein Vorgänger war einer von ihnen ) waren die einzigen , die der Trauung in der kleinen Kapelle im fürstlichen Palast beiwohnen sollten . Ein einziger Page , in das Geheimnis eingeweiht , bewachte die Türe . Das Paar stand vor dem Altar , der Beichtiger des Fürsten , ein alter ehrwürdiger Priester , begann das Formular , nachdem er ein stilles Amt gehalten . - Da erblaßte Francesko , und mit stieren , auf den Eckpfeiler beim Hochaltar gerichteten Augen rief er mit dumpfer Stimme : Was willst du von mir ? - An den Eckpfeiler gelehnt , stand der Maler , in fremder seltsamer Tracht , den violetten Mantel um die Schulter geschlagen , und durchbohrte Francesko mit dem gespenstischen Blick seiner hohlen schwarzen Augen . Die Prinzessin war der Ohnmacht nahe , alles erbebte , vom Entsetzen ergriffen , nur der Priester blieb ruhig und sprach zu Francesko : Warum erschreckt dich die Gestalt dieses Mannes , wenn dein Gewissen rein ist ? Da raffte sich Francesko auf , der noch gekniet , und stürzte mit einem kleinen Messer in der Hand auf den Maler , aber noch ehe er ihn erreicht , sank er mit einem dumpfen Geheul ohnmächtig nieder , und der Maler verschwand hinter dem Pfeiler . Da erwachten alle wie aus einer Betäubung , man eilte Francesko zu Hilfe , er lag totenähnlich da . Um alles Aufsehen zu vermeiden , wurde er von den beiden vertrauten Männern in die Zimmer des Fürsten getragen . Als er aus der Ohnmacht erwachte , verlangte er heftig , daß man ihn entlasse in seine Wohnung , ohne eine einzige Frage des Fürsten über den geheimnisvollen Vorgang in der Kirche zu beantworten . Den andern Morgen war Francesko aus der Residenz mit den Kostbarkeiten , die ihm die Gunst des Prinzen und des Fürsten zugewendet , entflohen . Der Fürst unterließ nichts , um dem Geheimnisse , dem gespenstischen Erscheinen des Malers auf die Spur zu kommen . Die Kapelle hatte nur zwei Eingänge , von denen einer aus den inneren Zimmern des Palastes nach den Logen neben dem Hochaltar , der andere hingegen aus dem breiten Hauptkorridor in das Schiff der Kapelle führte . Diesen Eingang hatte der Page bewacht , damit kein Neugieriger sich nahe , der andere war verschlossen , unbegreiflich blieb es daher , wie der Maler in der Kapelle erscheinen und wieder verschwinden können . - Das Messer , welches Francesko gegen den Maler gezückt , behielt er , ohnmächtig werdend , wie im Starrkrampf in der Hand , und der Page ( derselbe , der an dem unglücklichen Vermählungsabende den Prinzen entkleidete und der nun die Türe der Kapelle bewachte ) behauptete , es sei dasselbe gewesen , was damals neben dem Prinzen gelegen , da es seiner silbernen blinkenden Schale wegen sehr ins Auge falle . - Nicht lange nach diesen geheimnisvollen Begebenheiten kamen Nachrichten von der Prinzessin ; an eben dem Tage , da Franceskos Vermählung vor sich gehen sollte , hatte sie einen Sohn geboren und war bald nach der Entbindung gestorben . - Der Fürst betrauerte ihren Verlust , wiewohl das Geheimnis der Brautnacht schwer auf ihr lag und in gewisser Art einen vielleicht ungerechten Verdacht gegen sie selbst erweckte . Der Sohn , die Frucht einer freveligen verruchten Tat , wurde in entfernten Landen unter dem Namen des Grafen Viktorin erzogen . Die Prinzessin ( ich meine die Schwester der Fürstin ) , im Innersten zerrissen von den schrecklichen Begebenheiten , die in so kurzer Zeit auf sie eindrangen , wählte das Kloster . Sie ist , wie es Ihnen bekannt sein wird , Äbtissin des Zisterzienser-Klosters in * * * . - Ganz wunderbar und geheimnisvoll sich beziehend auf jene Begebenheiten an unserm Hofe , ist nun aber ein Ereignis , das sich unlängst auf dem Schlosse des Barons F. zutrug und diese Familie so wie damals unsern Hof auseinander warf . - Die Äbtissin hatte nämlich , gerührt von dem Elende einer armen Frau , die mit einem kleinen Kinde auf der Pilgerfahrt von der heiligen Linde ins Kloster einkehrte , ihren- « Hier unterbrach ein Besuch die Erzählung des Leibarztes , und es gelang mir , den Sturm , der in mir wogte , zu verbergen . Klar stand es vor meiner Seele , Francesko war mein Vater , er hatte den Prinzen mit demselben Messer ermordet , mit dem ich Hermogen tötete ! - Ich beschloß , in einigen Tagen nach Italien abzureisen und so endlich aus dem Kreise zu treten , in den mich die böse feindliche Macht gebannt hatte . Denselben Abend erschien ich im Zirkel des Hofes ; man erzählte viel von einem herrlichen bildschönen Fräulein , die als Hofdame in der Umgebung der Fürstin heute zum erstenmal erscheinen werde , da sie erst gestern angekommen . Die Flügeltüren öffneten sich , die Fürstin trat herein , mit ihr die Fremde . - Ich erkannte Aurelien . Zweiter Teil Erster Abschnitt Der Wendepunkt In wessen Leben ging nicht einmal das wunderbare , in tiefster Brust bewahrte Geheimnis der Liebe auf ! - Wer du auch sein magst , der du künftig diese Blätter liesest , rufe dir jene höchste Sonnenzeit zurück , schaue noch einmal das holde Frauenbild , das , der Geist der Liebe selbst , dir entgegentrat . Da glaubtest du ja nur in ihr dich , dein höheres Sein zu erkennen . Weißt du noch , wie die rauschenden Quellen , die flüsternden Büsche , wie der kosende Abendwind von ihr , von deiner Liebe so vernehmlich zu dir sprachen ? Siehst du es noch , wie die Blumen dich mit hellen freundlichen Augen anblickten , Gruß und Kuß von ihr bringend ? - Und sie kam , sie wollte dein sein ganz und gar . Du umfingst sie voll glühenden Verlangens und wolltest , losgelöset von der Erde , auflodern in inbrünstiger Sehnsucht ! - Aber das Mysterium blieb unerfüllt , eine finstre Macht zog stark und gewaltig dich zur Erde nieder , als du dich aufschwingen wolltest mit ihr zu dem fernen Jenseits , das dir verheißen . Noch ehe du zu hoffen wagtest , hattest du sie verloren , alle Stimmen , alle Töne waren verklungen , und nur die hoffnungslose Klage des Einsamen ächzte grauenvoll durch die düstre Einöde . - Du , Fremder ! Unbekannter ! Hat dich je solch namenloser Schmerz zermalmt , so stimme ein in den trostlosen Jammer des ergrauten Mönchs , der in finstrer Zelle der Sonnenzeit seiner Liebe gedenkend , das harte Lager mit blutigen Tränen netzt , dessen bange Todesseufzer in stiller Nacht durch die düstren Klostergänge hallen . Aber auch du , du mir im Innern Verwandter , auch du glaubst es , daß der Liebe höchste Seligkeit , die Erfüllung des Geheimnisses , im Tode aufgeht . - So verkünden es uns die dunklen weissagenden Stimmen , die aus jener , keinem irdischen Maßstab meßlichen Urzeit zu uns herübertönen , und wie in den Mysterien , die die Säuglinge der Natur feierten , ist uns ja auch der Tod das Weihfest der Liebe ! - - Ein Blitz fuhr durch mein Innres , mein Atem stockte , die Pulse schlugen , krampfhaft zuckte das Herz , zerspringen wollte die Brust ! - Hin zu ihr - hin zu ihr - sie an mich reißen in toller Liebeswut ! - » Was widerstrebst du , Unselige , der Macht , die dich unauflöslich an mich gekettet ? Bist du nicht mein ! - mein immerdar ? « Doch besser wie damals , als ich Aurelien zum erstenmal im Schlosse des Barons erblickte , hemmte ich den Ausbruch meiner wahnsinnigen Leidenschaft . Überdem waren aller Augen auf Aurelien gerichtet , und so gelang es mir , im Kreise gleichgültiger Menschen mich zu drehen und zu wenden , ohne daß irgend einer mich sonderlich bemerkt oder gar angeredet hätte , welches mir unerträglich gewesen sein würde , da ich nur sie sehen - hören - denken wollte . - - Man sage nicht , daß das einfache Hauskleid das wahrhaft schöne Mädchen am besten ziere , der Putz der Weiber übt einen geheimnisvollen Zauber , dem wir nicht leicht widerstehen können . In ihrer tiefsten Natur mag es liegen , daß im Putz recht aus ihrem Innern heraus sich alles schimmernder und schöner entfaltet , wie Blumen nur dann vollendet sich darstellen , wenn sie in üppiger Fülle in bunten glänzenden Farben aufgebrochen . - Als du die Geliebte zum erstenmal geschmückt sahst , fröstelte da nicht ein unerklärlich Gefühl dir durch Nerv und Adern ? - Sie kam dir so fremd vor , aber selbst das gab ihr einen unnennbaren Reiz . Wie durchbebten dich Wonne und namenlose Lüsternheit , wenn du verstohlen ihre Hand drücken konntest ! - Aurelien hatte ich nie anders als im einfachen Hauskleide gesehen , heute erschien sie , der Hofsitte gemäß , in vollem Schmuck . - Wie schön sie war ! Wie fühlte ich mich bei ihrem Anblick von unnennbarem Entzücken , von süßer Wollust durchschauert ! - Aber da wurde der Geist des Bösen mächtig in mir und erhob seine Stimme , der ich williges Ohr lieh . » Siehst du es nun wohl , Medardus , « so flüsterte es mir zu , » siehst du es nun wohl , wie du dem Geschick gebietest , wie der Zufall , dir untergeordnet , nur die Faden geschickt verschlingt , die du selbst gesponnen ? « - Es gab in dem Zirkel des Hofes Frauen , die für vollendet schön geachtet werden konnten , aber vor Aureliens das Gemüt tief ergreifendem Liebreiz verblaßte alles wie in unscheinbarer Farbe . Eine eigne Begeisterung regte die Trägsten auf , selbst den älteren Männern riß der Faden gewöhnlicher Hofkonversation , wo es nur auf Wörter ankommt , denen von außen her einiger Sinn anfliegt , jählings ab , und es war