der Seinen . Da kracht es und hebt es sich , als wollte die Erde sich gegen den Himmel bäumen , als wären ihre Grundfesten gelöst , der Himmel selbst erzittert , dichte Rauch- und Staubwolken wälzen eine Nacht in den hellen Tag , Trümmer , zuckende Glieder fliegen umher - beide Heere stehen entsetzt und glauben dennoch den Malachof in die Luft geflogen und Tausende in seinen Werken und den Reduits begraben . Allmälig sinken die Staubwolken , der Malachof steht , hoch von seinem Wall flattert noch keck die Tricolore , - nur die Batterie de la Poterne an der Flanke der Courtine und der Bastion ist gesprengt , das Pulvermagazin durch die brennenden Faschinen entzündet worden . Einen Augenblick noch stehen erschüttert die Gegner - aber schon haben sich die Franzosen gesammelt . Neue Massen der Sieger des Malachof stürmen heran - die Russen werden geworfen und retiriren in dunklen Haufen aus der Kehle der Bastion , die rasch mit Faschinen geschlossen wird - auch der letzte Versuch ist gescheitert - der Malachof verloren . General Osten-Sacken erkennt , daß die Wiedernahme der Bastion eine Armee kosten würde - er beschließt , seinen geheimen Instructionen gemäß , den Sieg auf allen anderen Punkten und die Erschöpfung des Feindes zu benutzen , um die Südseite der Stadt zu räumen , die nach dem Verlust des Malachof nicht mehr zu halten ist . Er befiehlt daher dem General-Lieutenant Schepelieff , ohne einen Angriff auf die Kornilowski-Bastion weiter zu versuchen , den Feind daran zu verhindern , von dort in die Stadt zu debouchiren , und bis zur Nacht die zerstörten Gebäude auf dem nördlichen Abhang des Hügels zu halten . - Aber nur ein Trümmerhaufe soll in die Hände der Feinde fallen , wie vor 43 Jahren nur die Brandstätte von Moskau den Cohorten des ersten Napoleons überlassen ward . Von 5 Uhr ab ist der Kampf nur noch durch die Artillerie unterhalten worden . Bei Eintritt der Dämmerung bemerkt man die dunklen Colonnen der Russen über die Schiffbrücke von der Nicolaus-Bastion nach der Sievernaja in ununterbrochener Reihe ziehen . Im Innern des Malachof sind , bereits durch Menschenhände herbeigeschafft , acht Coehorn-Mörser zur Beschießung bereit , mehrere russische Geschütze wieder in Stand gesetzt und General Thiry , der Chef der Artillerie , giebt Befehl , die Brücke zusammen zu schießen . Aber nur wenige Schüsse fallen , als ein Adjutant des Generalissimus herbeistürmt und den Befehl überbringt , das Feuer einzustellen und den Rückzug der Russen nicht weiter zu hindern . Graf Lubomirski hat sein Versprechen gehalten und Pelissier , ihn verwünschend , alle Verfolgung aufgegeben . Ohnehin wäre sie kaum möglich gewesen , denn Explosion auf Explosion zeigt , wie der abziehende Gegner seine Vertheidigungswerke , seine Pulvermagazine und Gebäude , so wie er sie verläßt , in die Luft sprengt . Rothe Flammenmassen wirbeln an hundert Punkten zum Nachthimmel empor . - - - Doch die ersten Schüsse auf die Brücke haben noch einige Opfer gekostet . Vergebens hat Annuschka , die junge Wittwe , nach der Sievernaja zu gelangen versucht , den ihr anvertrauten Brief zu bestellen . Truppen , zu den Wällen eilend , füllen die Brücke - sie eilt zurück zum Fort Paul - aber kaum hat sie es erreicht , so verbreitet sich die Nachricht , daß die Franzosen den Malachof genommen haben und in die Stadt dringen . In Todesangst , während Nursädih sich zu folgen weigert , ergreift sie das ihr anvertraute Kind und stürzt auf die Straßen , die zur Brücke der Südbucht und der westlichen Stadt führen , als ein Name mitten in den drängenden Hausen der Soldaten und Bewohner ihr Ohr erreicht : » Meyendorf - Capitain Meyendorf ! « Sie faßt die Hand des Offiziers - sie fragt ihn - er ist der Gesuchte und sie übergiebt ihm den Brief , indem sie um seinen Schutz bittet . Aber die Massen trennen sie wenige Augenblicke darauf und vor dem Hagel der Kugeln flüchtet Annuschka unter den Vorsprung eines Hauses , wo ein abgesprengter Stein ihre Stirn trifft und sie bewußtlos und blutend niederwirft . Capitain Meyendorf hat noch keinen Augenblick gefunden , den ihm so dringend übergebenen , Brief zu lesen ; erst als die ersten Colonnen über die Brücke zur Sievernaja ziehen , benutzt er einen günstigen Augenblick , ihn zu öffnen . Noch hat er die ersten Zeilen kaum überflogen , als ihn ein Splitter einer der vom Malachof geworfenen Bomben am Kopf trifft . Er fällt dicht zur Seite des Oberstkommandirenden - sein letzter Laut ist ihr Name - dieselbe Stunde hat sie vereinigt im Himmelreich ! - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Es ist Nacht . Der Riesenbrand des Nicolas-Fort zeigt , daß die Pontonbrücke bereits abgebrochen worden - von Zeit zu Zeit noch fliegt ein Pulvermagazin in die Luft - die Zahl der gesprengten beträgt fünfunddreißig . Zehntausend Leichen - darunter 4 russische und 5 französische Generale - decken das Schlachtfeld . Jede der beiden Partheien zählt überdies eine gleiche Anzahl Verwundeter oder Vermißter . Von der französischen Garde , die in ' s Gefecht gekommen , ist die Hälfte getödtet und verwundet . An einzelnen Stellen , vor dem Redan , an der Kehle des Malachof , liegen die Leichen zu Hügeln gethürmt . Während die Artillerie und das Genie arbeitet , Batterien zu errichten und die Befestigungen herzustellen , tragen die Soldaten die Leichen in Haufen zusammen und die Chirurgen verrichten bei Fackelschein ihre blutige Arbeit . Ein Mann - erschöpft - hat diese verlassen und tritt zu einer Gruppe an den Ruinen des Kurgan . Ein Zuaven-Burnus deckt einen am Boden liegenden Körper - es ist Nini ' s Leiche , deren kalte Hand winselnd Minette , die kleine Katze des Sergeant-Majors , leckt . Der Alte selbst sitzt kummervoll neben der Marketenderin - sein Arm ist zerschmettert und erst flüchtig verbunden , aber er will die Todte nicht verlassen , bis die Kameraden am Morgen sie holen . Neben ihm , an die Trümmer des Kurgan gestützt , steht Bourdon , der Sergeant , unverletzt im dichtesten Kampfgewühl , die Augen finster , thränenleer auf den Körper zu seinen Füßen gerichtet . Colonel Méricourt spricht mit Jussuf , dem Mohren ; - er ist mehrfach , aber leicht verwundet und nach dem Zurückführen des Regiments , dessen Commando er dem einzigen unverletzten Capitain übertragen , in den Malachof zurückgekehrt . Welland , der trotz seiner schimpflichen Entlassung seine Pflicht als Arzt erfüllt hat , reicht dem Freunde die Hand , er hat bereits den größten Theil der Ereignisse des Tages erfahren . Der Colonel bittet ihn , einem jungen Russen seine Hilfe angedeihen zu lassen , den Jussuf , durch die Nennung seines Namens aufmerksam gemacht , an der Kehle des Werkes aus den Leichenhaufen hervorgezogen . Es ist Olis , der Kosak Iwans , oder vielmehr Iwanowna ' s , der an der Seite des jungen Fürsten - der Letzte der sechs Brüder - gefallen . Der Arzt erkennt bald , daß menschliche Hilfe hier vergeblich , und sucht nur den Tod des Armen nach Kräften zu erleichtern . Man hat ihn neben Nini gebettet . Dann erklärt Jussuf , der Mohr , seinem Herrn den Entschluß , in die brennende Stadt hinabzusteigen , deren Wege er kennt und bis zum Paul-Fort vorzudringen , wo - wie ihm der Sterbende beschrieben - die Schwester und die Fürstin gewohnt . Eine drängende Ahnung der Seele treibt den Vicomte zur Begleitung an - auch der Arzt erbietet sich dazu , nachdem er sich einige Augenblicke erholt . Russische Soldatenmäntel , um sie im Innern der Stadt unkenntlich zu machen , sind leicht herbeigebracht von den zahllosen Leichen . Als die Gesellschaft das Werk verläßt und Méricourt die ausgestellten Posten mit dem Paßwort befriedigt , gesellt sich stumm , aber entschlossen , Sergeant Bourdon zu ihr . Es ist ein furchtbarer Gang . In der Nähe der Schlachtfelder Leichen auf jedem Schritt ; zwischen Trümmern und verstreuten Kugeln , demontirten Geschützen und Munitionskarren schreitet man vorwärts in ein Chaos der Zerstörung . Aber je weiter man vordringt - die russische Armee scheint verschwunden , nur die dunklen Gestalten einzelner Marodeurs schleichen umher , schmerzliches Stöhnen eines Verwundeten und Zurückgelassenen dringt hier und da an ihr Ohr . Brennende Magazine beleuchten von Zeit zu Zeit ihren schaurigen Weg - der Donnerschlag einer aufgesprengten Batterie auf der Westseite zeigt ihnen , daß der Feind wenigstens noch thätig ist in der aufgegebenen Stadt . So - im Schutz der Dunkelheit oder der grellen Feuersbrunst , der allgemeinen Verwirrung und Zerstörung , die nicht nach Freund und Feind fragen läßt , und in der bergenden Verhüllung ihrer Platschtsch ' s - gelangen die kühnen Männer , in den Abhängen an der Schifferbucht sich haltend , in die Nähe des Pauls-Forts . Der Umstand , daß es noch nicht gesprengt oder angezündet , beweist , daß man es noch nicht gänzlich aufgegeben , daß noch menschliche Wesen darin sind . Jussuf schleicht sich voran , die Gefährten in einem Versteck zurücklassend ; bald kehrt er wieder , er ist auf keine Gefahr gestoßen , nur auf entsetzliches Leid - und winkt ihnen zu folgen . Sie gelangen glücklich in den ersten Hof und durch diesen in eine Höhle der Verwesung und des Jammers , in die Lazarethe . Von allen Schrecknissen des Krieges , die sie erlebt , ist dieser Anblick der schrecklichste , herzbrechendste . Lange Reihen von Verwundeten , mit Todten , ja bereits Verwesenden abwechselnd , haben als rettungslos zurückbleiben müssen - faulende und verfaulte Körper in ihrem letzten Todeskampf , dicht an einander gedrückt - ohne Beistand , ohne Pflege , die Einen auf der Diele , die Andern auf elenden Bettstellen oder blutgetränkten Strohbunden , aus denen ekle Flüssigkeit sickert . Die Mauern , das Dach des Saales , von Bomben gespalten - liegen sie da , die Unglücklichen - Viele noch lebendig , während die Maden bereits an ihren Wunden nagen ; Andere halb wahnsinnig vor Schmerz und Leiden , haben sich dem Eingang zugewälzt , um der Hölle zu entrinnen , und deuten sterbend , um einen Tropfen Wasser flehend , auf ihre Todeswunden . Der beengende Leichengeruch , dieser Gestank von brandigen Wunden , verpestetem Blute , verwesendem Fleische ist grausenhaft über alle Begriffe - selbst der Arzt , der die türkischen Lazarethe an der Donau gekannt , schaudert im tiefsten Grauen - Méricourt verhüllt das Gesicht . » All ' dies unsägliche Elend - für welchen Zweck ? ! « - Endlich gelangen sie in den zweiten Hof - zu der Reihe der kasemattirten Wohnungen . Sie wagen es nicht , eine der wenigen , still und verdrossen umherwandernden Gestalten anzusprechen , um sich nicht zu verrathen - Stube auf Stube durchsuchen sie - alle sind leer , oder die Bewohner stumm - auf ewig . Endlich deutet der Arzt auf ein Licht , das aus dem Gitterfenster einer Mauer leuchtet - man findet die Thür und öffnet sie - ein leiser monotoner Gesang , eine jener Todtenklagen summt ihnen entgegen , die melancholisch fallende Melodie der Steppenvölker des Ostens ; - sie treten ein : auf einem Feldbett ruht eine halb verhüllte Gestalt , zu ihren Füßen schläft ein kleines Mulattenkind , eine schwarze Frauengestalt kniet daneben und am Kopfende murmelt Iwan der Jessaul , Iwan der Steppenteufel seine Todtengebete . Der Schein einer Lampe fällt auf das Gesicht der Gestalt auf dem Lager - hellbraune Locken umgeben das bleiche Oval , die festgeschlossene Lippe , das volle Kinn - den schönen Schwung des Gesichts - den halb entblößten Frauenbusen - es ist Iwanowna , und der Colonel stürzt an ihre Seite und bedeckt die kalte Hand mit Küssen . Noch eine andere Scene hat sich im gleichen Augenblick ereignet ; - von dem Bruder , der sie emporhebt , gleitet der thränenschwere Blick des armen Mohrenmädchens auf den deutschen Arzt . Da stammelt sie seinen Namen , reißt sich los von dem Bruder und streckt Jenem das schlafende Kind entgegen . Er zaudert , er sieht sie mit verwunderten Blicken an , bis sie , mit der Linken das Kind an ihre Brust gepreßt , ihn mit der andern Hand in den Strahl der Lampe zieht und diese Hand ihm entgegenhält - auf dem vierten Finger der schwarzen Hand glänzt ihm der Granatreif , das Geschenk seiner Schwester , entgegen , den er der Unbekannten gegeben , die in der süßen Nacht von Madara sein Lager getheilt . Die Wahrheit überkommt ihn mit überzeugender Gewalt , und er drückt Weib und Kind an die Mannesbrust . Die Todtenklage des Jessaul ist verstummt ; flammenden Auges , Angst , Entzücken in allen Zügen , reißt der Colonel den Freund aus den Armen der schwarzen Sclavin zum Lager Iwanowna ' s - und legt seine Hand auf den Marmor-Busen , den so eben seine Lippen berührt . Der erfahrene Arzt fühlt sofort den leisen Schlag des Herzens , das noch pulsirende Leben . Sein Wink entfernt die Anwesenden mit Ausnahme Nursädih ' s und seine geschickte Hand beginnt sofort die Untersuchung der Wunden , die nur unvollständig verbunden sind . Nursädih erzählt ihm , daß der alle Jessaul die Fürstin bis in das Fort gebracht , daß Iwan , ihr Bruder , in rasender Leidenschaft , all ' ihre unendliche Aufopferung vergessend , mit einem Fluch sie dem Tode überlassen , weil sein Ebenbild Schmach auf seinen Namen gehäuft und der Rettung des Feindes ihres Volkes die Rettung Sebastopols geopfert habe , - und daß sie , erschüttert , mit gebrochenem Herzen , wieder in jene tiefe Ohnmacht gefallen , die die Unkundigen für den erlösenden Tod gehalten . Nach kaum zehn Minuten kann der Arzt dem Freunde die Versicherung bringen , daß keine der Wunden des hochherzigen Mädchens tödtlich ist , daß nur der starke Blutverlust ihren gefährlichen Zustand veranlaßt hat . Eine rasche Berathung der Männer folgt : die Möglichkeit einer Rettung Iwanowna ' s liegt in ihrer Entfernung aus dem Fort und man beschließt , sie zu versuchen . Eine Tragbahre ist rasch aus dem Lazareth herbeigeschafft und von liebenden Händen geordnet . Der Jessaul , dem der Colonel durch Nursädih volle Freiheit , zu gehen und zu kommen , zusichert , will Die nicht verlassen , die er so lange bewacht . Er und der Mohr nehmen die Trage , an deren Seite der Arzt und der Colonel sorgsam über die Bewußtlose wachend gehen , während Nursädih voran den nächsten Ausweg in die Stadt zeigt , ohne das Lazareth nochmals zu berühren , und der Zuaven-Sergeant den Rückzug deckt . Die Hand des allmächtigen Gottes ist über ihnen in den Gefahren der brennenden Stadt , der explodirenden Minen , und als die erste Morgendämmerung über den Höhen von Inkermann dämmert , sind sie bereits im Schutz der französischen Posten . François Bourdon , der tapfere Zuave , ist nicht allein , auf seinem Arm trägt der Tapfere ein junges Kind , dessen leises Wimmern ihn auf dem Wege durch die Straßen unter die Halle eines halb zerstörten Hauses gelockt und das der leicht zum Mitleid bewegte Soldat aus den Armen einer blutbedeckten erstarrten Frau genommen . Er bringt das Kind dem Regiment als Ersatz für die jetzt todte Schwester ! - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Es ist wiederum Mittag - auf dem Malachof-Hügel sitzen , drei Männer , ernst und düster auf die zerstörte Stadt , auf die blaue Rhede schauend , von der die mächtige Kriegsflotte des Pontus , der Stolz Rußland ' s , verschwunden ist , verbrannt , versenkt in die Tiefen des Meeres , das sie so lange beherrscht . Noch dampfen und rauchen die Ruinen der Stadt , noch donnert in langen Zwischenpausen eine einzelne Explosion und von den Nordforts herüber dröhnt von Zeit zu Zeit ein warnender Schuß . Einzelne Haufen plündernder Soldaten sind bereits in die Vorstadt hinabgestiegen , aber noch wagen nur Wenige , weiter vorzudringen , obgleich man die Stadt jetzt vom Feinde verlassen weiß . Tausende sind beschäftigt , weite Gräber zu graben , in denen die erbitterten Gegner friedlich neben einander schlafen sollen , bis ein anderer Trompetenstoß sie weckt - zum ewigen Weltgericht . Man muß eilen mit den Leichen , denn die Sonne des Südens brennt verwesend und giftige Fliegenschwärme umsummen bereits die Todten . Am Fuße des Malachof-Hügels , zu Füßen der drei Männer , graben Zuaven ein einzelnes Grab - an dessen Seite harmlos ein zweijähriger Knabe spielt . Es ist Nini ' s Grab , und die Hand des Bruders bettet sie in den Schooß der Erde . Wie Kinder schluchzen die bärtigen wilden Gesellen , die gleichmüthig als Loos der Schlachten tausend tapfere Kameraden an ihrer Seite fallen sahen . - Die Augen der drei Männer am Hügel schweifen über die Gräber und über die Trümmer - suchend und suchend - vielleicht bis der Tod sie selbst nimmt . Der Eine hat auch den Liebling vor wenig Stunden in die Erde gebettet - er schaut jetzt nach dem Letzten seiner Enkel , welches der weiten Gräber vielleicht ihn birgt - denn allein ist Fürst Iwan aus dem Kampfe zurückgekehrt ! - Der alte Pole an seiner Seite sucht den Einzigen , den Knaben seines Herzens , und sein greises Auge sieht hinüber nach den Felswällen der Sievernaja , als könne es sie durchdringen und erkunden , ob sie den Geretteten bergen ? - Der Dritte - der stolze Baronet , schaut mit gefalteten Händen , mit unstätem , verzweifelndem Blick auf die riesige Trümmer- und Todesstätte und ahnt nicht , wie nahe ihm das Ersehnte , wenn die strafende Hand Gottes den Schleier von seinem Auge nehmen wollte . Drei Männer - Männer im Sturme des Lebens ! - die ihr Theuerstes verloren und zu ihren Füßen die Gräber und die Trümmer Sebastopols ! Suchet ! - Suchet ! - Suchet ! - Fußnoten 1 Wegen des Versuchs , den Eisenbahn-Train des Kaisers in die Luft zu sprengen . 2 Osman-Bey . 3 Die südlichste Spitze Siciliens . 4 Il . - kleine Redan . Die letzte Rose von Charlottenhof . Zwei Jahre fast sind verschwunden seit der Einnahme Sebastopols , - Frieden sind geschlossen , neue Bündnisse erregen die Welt , der Osten stürzt sich mit Gewalt in die Cultur des Westen und reißt die fest gebauten Schranken zweier Jahrhunderte nieder . Die Dynastie der Napoleoniden ist legitimirt durch Visiten und Gegenvisiten , es hat ein Heer von Sternen geregnet - Frankreich hat seinen Sohn - und der Hat-Humayum hat Alles beim Alten gelassen ! Unter der Asche Italiens lodert die Revolution und am Ganges zieht das Gericht der Vergeltung herauf für die prahlerischen Wucherer mit dem Blute der Völker . Was ist anders ? - Ein großes Herz fehlt in den Reihen der Gesalbten und viermalhunderttausend ordinaire Menschen deckt die orientalische Erde ! ! ! - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Die sonntäglichen Extrazüge haben Tausende müßiger , vergnügungslustiger Berliner nach dem Paradiese von Sanssouci befördert , von dem sich der Königliche Monarch von Preußen nur den kleinen Raum der obern Terrasse mit der Sterbestätte seines großen Ahnen bewahrt . Wenn das Leben und Wohnen irgend eines Hofes der Welt öffentlich und dem Volke gehörig ist , so ist es das des Königlichen Hauses der Hohenzollern . Der König von Preußen ist ärmer , als der geringste seiner Unterthanen ; denn er hat in der That kaum ein eigenes Haus . Dieser schöne Zug von Königlichem Socialismus zeigt sich durch die ganze erhabene Familie . Fremde und Einheimische erzählen , daß der ritterliche Prinz von Preußen mit dem beau idéal eines künftigen Regenten , dem Prinzen Friedrich Wilhelm , geduldig vor der Thür von Babelsberg , ihrem herrlichen Schlosse , gewartet haben , indeß das Publikum neugierig und indifferent ihre Arbeits- und Schlafkabinette beschaute . Eben so hindert auf Sanssouci die dünne Schnur vor dem Zugang der obersten Terrasse nicht den Blick in die Häuslichkeit des mächtigen Fürsten . Die Kunstschätze und die herrlichen Anlagen des Parks haben heute nicht allein die Menge nach der zweiten Residenz des Königs gezogen . Erhabene Gäste weilen dort , - Namen , auf welche die Welt schaut , eine hohe Frau , jedem Preußen bekannt und jedem Preußenherzen theuer in ihrem Wittwenschleier , wie einst unter dem Blumenkranz des Mädchens und unter der Krone des größten Reiches der Welt ; - ein Fürst , der eine halbe Erde , sein Erbe reformiren will und der Raum zu dem Versuche findet von der Weichsel bis zum chinesischen Meer , vom Nordpol bis zum Fuß des Ararat ; - ein Prinz , der sich im Schlachtgewühl von Inkerman den Lorbeer geholt , den er jetzt in den Myrthenkranz der Braut schlingen will . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Das schöne militairische Fest des Mittags , dem der ganze Hof beigewohnt , ist vorüber , die Höchsten Herrschaften haben sich einen Augenblick zurückgezogen , die Hitze hat auch das Publikum vertrieben , und nur einzelne Gruppen von Damen und Herren , meist in reichen Uniformen , bewegen sich in dem duftigen Schatten der riesigen hundertjährigen Orangen und der vergoldeten Broncelauben , während die Wasser der herrlichen Cascadenfontainen über ihre Marmorbecken niederrauschen und aus dem Meer grüner Baumgipfel der Strahl der Riesenfontaine seine Perlen in die Lüfte streut . Auf einer der zierlichen Gitterbänke von Gußeisen sitzen zwei Damen , eine ältere mit festen aristokratisch stolzen Zügen , das Auge beweglich und doch so sicher , die Zweite jung , zierlich und elegant gebaut , zu dem hellblonden Haar und der etwas matten seinen Miene passend . Eine Dritte , imponirend durch ihren Wuchs , die Zahl der Sommer durch die blendende Toilette unmöglich zu entscheiden , wenn der Gothaer Almanach nicht zu Hülfe kommt , mit dunklem Auge die Gruppe überblitzend , stützt leicht die von der feinsten Pariser Hülle bedeckte Hand auf den Kasten des nächsten Orangenbaumes . Vier Herren stehen im Gespräch um sie gruppirt , nur einer davon ist in Civil , die drei Andern tragen Uniform . Der Erste von ihnen ist ein hoher Offizier von hohem Alter , aber von ungebeugter martialischer cavaliermäßiger Haltung . In dem kleinen von Falten umgebenen Auge , das scharf umherblickt , liegt ein gewisser gutmüthiger Humor ; er spricht langsam und gegen Männer mit dem Ausdruck Eines , der zu befehlen gewohnt ist . Der Zweite ist ein Garde-Artillerie-Offizier in der vollen stattlichsten Mannesblüthe . Sein frisches Aeußere imponirt , seine Bewegungen sind die der höchsten Gesellschaft und stellen seinen Nachbar in Schatten , der zwar von gleichem Alter und in einer glänzenden russischen Garde-Uniform , die junge breite Brust mit Orden bedeckt , doch zuweilen zeigt , daß das Feldlager und Schlachtgewühl ihm ein gewohnterer Boden , als das Parket eines glänzenden Hofes . Sein interessantes männlich schönes Gesicht ist eine Verschmelzung slavischer mit deutschen Zügen . Der Herr im schwarzen Civilfrack , auf der Brust eine Reihe von Orden , unter denen das Hohenzollernkrenz ein Herz deckt , das mit jedem Gedanken , mit Wort und That auf diese Anerkenntniß seines Königs ein Recht hatte , zeigt ein gewisses Embonpoint , jene solide Behaglichkeit geistreicher Genußmenschen . Für die letztere Eigenschaft spricht das runde kräftige Kinn , für die erstere das blaue klare und doch scharfe Auge , die rastlose Beweglichkeit dieses höfischen gemüthlichen Proteusgesichts , das bald Spott und Humor , bald sinnenden Ernst , ja tiefes Studium zeigt , ewig wechselnd im Ausdruck nach der Stimmung und dem Stoff , mit dem sich sein Geist augenblicklich beschäftigt , - den Ausdruck , dessen Vielseitigkeit auf die Leinwand zu fesseln der geniale Pinsel Adams ' s allein vermocht hat . Der fortschreitende Geist der Zeit hat nicht allein die Völker , sondern auch die Höfe der Fürsten geläutert . An Stelle der Grumbkow ' s sind Männer wie Humboldt und Jener getreten , das schönste Zeugniß für den erhabenen Standpunkt Dessen , der ihnen das Vertrauen seiner Mußestunden zugewendet . » Sie sind uns noch den hohen Scherz schuldig , Prinz Kraft , « sagte die sitzende Dame mit dem strengen Ausdruck , » über den unser Hofrath so viel gelacht . Mon Dieu , wäre er nicht für unsere Ohren ? « » Warum nicht , meine gnädigste Gräfin , « erwiederte der junge Offizier . » Ich überbrachte die telegraphische Depesche von Wien , welche für morgen die Ankunft Ihrer Majestät der Königin von Griechenland meldet ; Seine Majestät meinten heiter scherzend : Das Hotel zum Schwarzen Adler wäre in diesem Sommer doch das besuchteste von ganz Berlin . « » Wenn Ihre Majestät die Königin von Griechenland kommt , « bemerkte mit leichter Satyre die hohe Dame am Orangenbaum , » so werden wir Gelegenheit haben , zu erfahren , ob Ihr Herr Caraiskakis oder Grivas noch am Leben , lieber Hofrath ? « » Es ist doch recht abscheulich von Ihnen , « sagte die junge Blondine , » daß Sie das arme Marketendermädchen so grausam sterben lassen . Sie sind sonst so ein herzensguter Mann und lesen uns manchmal so liebe komische Dinge , daß ich gar nicht begreife , wie Sie so grausam sein können . « » Also Sie haben das Buch auch gelesen , ma chère ? « fragte scharf die ältere Dame , » Sie leugneten es doch neulich auf das Bestimmteste . « Das reizende Gesichtchen der jungen Baronesse überzog sich mit Roth . » Es fielen mir neulich einzelne Hefte bei meiner Schwester in Berlin in die Hände , deren Gemahl sich dafür interessirt . Die Beschreibungen der Schlachten sind wirklich - wie soll ich sagen , recht unterhaltend , namentlich wenn man jetzt die Herren vor sich sieht , die darin mitgekämpft . Haben Sie nicht auch die militairischen Schilderungen recht pikant gefunden , Excellenz ? « » Verzeihen Baroneß , « sagte der alte Feldmarschall trocken , » ich lese dergleichen Zeug ' s nicht . Ich begreife nicht , wie sich hier der Hofrath , seiner Zeit ein ganz verständiger Soldat , mit so nichtsnutzigem Geschreibsel befassen kann ! « Der Hofrath wehrte mit Hand und Mund . » Ich bitte Euer Excellenz und Sie meine gnädigsten Damen auf das Unterthänigste , doch endlich Akt zu nehmen von meinem Protest . Ich werde doch gewiß nicht einen solchen Verstoß begehen , ein Buch zu schreiben , in dem allerlei lebende hohe und verehrungswürdige Persönlichkeiten mit so frevelhafter Dreistigkeit behandelt sind . « » Sie haben Recht , lieber Hofrath , « sagte die ältere Dame , » ich traue Ihnen so Etwas nicht zu , obschon Sie manchmal gewisse kleine Tücken noch immer nicht ablegen können . Nicht wahr , ma Comtesse , Sie sind auch meiner Meinung ? « Die schöne Dame am Baum klappte mit einem leichten ironischen Lächeln den Fächer zu . » Man hätte am Ende gar noch zu befürchten , selbst zur Staffage der Scenen des unbekannten Autors zu dienen ! « » Himmel ! was denken Sie , meine Liebe , - eine solche Anmaßung ! Ich schicke Ihnen morgen Ihr häßliches Buch durch meinen Diener zurück , Hofrath , ich mag es gar nicht zu Ende lesen ; es war ohnehin unverantwortlich von dem Autor , wer der Herr auch sei , so lange mit dem Schluß uns warten zu lassen . « » Ich traue Ihnen doch nicht , Hofrath , « sagte der Artillerie-Offizier , » die allgemeine Stimme hält Sie oder den Kabinetsrath für den geheimen Verfasser oder Faiseur , denn es ist unglaublich , daß einem der gewöhnlichen Herren von der Feder alle die Hilfsquellen und Mittel zu Gebote gestanden hätten , die offenbar zu dem Buche benutzt sind . « » Auf meine Ehre , Durchlaucht , « betheuerte der Hofmann , » Sie thun mir Unrecht . Der Autor , wenigstens der , den ich dafür halten muß und den ich freilich das Unglück habe zu kennen , der mir aber gewiß selbst noch irgend eine Bosheit für das Gerücht spielt , war heute im Park . Ich sah ihn unter dem Publikum bei dem Fest . « » Ei , und Sie zeigten ihn uns nicht ? Sein Name ? « Der in die Enge getriebene Hofrath nannte nach einigem Sträuben , als die Hand der schönen Dame sich halb schmeichelnd halb befehlend auf seinen Arm legte , den bescheidenen Schriftsteller-Namen . Niemand zollte ihm weitere Aufmerksamkeit , als der Russe ; - mit der Gewöhnlichkeit eines Namens schwindet ja so häufig das Interesse an irgend einer bis dahin pikanten Erscheinung . Der russische Capitain bat den Hofmann , den Namen zu wiederholen , was dieser mit seiner einschmeichelnden Gefälligkeit that . » Er wird vielleicht ein kleines Interesse für Sie haben , Herr von Potemkin , weil Sie selbst ja jene blutigen Tage so ehrenvoll mit durchkämpft , « er deutete fein auf die Orden . » Ja - es ist merkwürdig , ich erinnere mich sogar , daß Ihr in Rußlands Geschichte so berühmter Name in eine Scene an der Donau , ich glaube , bei der Verwundung des Generals Schilder , verflochten ist . « » Ich stand allerdings bei Silistria und hatte bei Inkerman die Ehre , Seiner Kaiserlichen Hoheit bekannt und deshalb zu Höchstseinem Stabe befördert zu