läßt einen pfeifenden Ton zwischen den Zähnen hören , man kann nicht unterscheiden , ob er Behagen oder Zorn anzeigt ; ehe er aber noch der Sprache Herr wird , mengt sich der Generalstabs-Chef in die Verhandlung , indem er sich zu dem Gefangenen wendet : » Aber Du gestehst zu , den Drath zerstört zu haben ? « » Fichtre ! was hilft alles Leugnen , das Unglück ist mir passirt - beim Baden , ich tauche ziemlich gut und blieb hängen an dem verfluchten Strick ; er oder ich ! Da dacht ' ich , es wäre besser , daß der Kaiser einen Zuaven behielte , der heute die Fahne auf den Malachof pflanzen kann , als daß ich da unten im Grunde wie an einem Angelhaken hängen bliebe . Zur Niederschlagung auf den Schreck hab ' ich ein Paar Flaschen getrunken , und da vielleicht dummes Zeug geschwatzt , um mich vor Strafe zu schützen . An einer Lüge stirbt ein Bursche wie ich bin nicht gleich ! « » Nein , der Schlag müßte Dich denn jetzt gerührt haben ! « » Lassen Sie den Burschen , Martimprey , « sagte der Generalissimus , » die Entschuldigung läßt sich hören . Mach ' , daß Du zu Deinem Regimente kommst , Canaille , und wenn Du heute Mittag nicht der Erste im Sturm bist , so laß ' ich Dich morgen schinden . Fort mit Dir ! « Der Halunke läßt es sich nicht zwei Mal sagen und mit einer halb spöttischen Verneigung verschwindet er , während die andern Anwesenden sich betroffen ansehen . » Und nun zu Ihnen , mein Herr , der Sie mit solchen Lappalien die kostbare Zeit rauben , « fährt der General den Offizier an . » Ich habe gestern Abend noch mit General Bosquet über den Bericht des Generals Wimpffen gesprochen . Dieser Herr da « - er deutete auf den Arzt - » hat schon früher sich verdächtig gemacht und ist in Varna unter dem Verdacht des Verkehrs mit dem Feinde verurtheilt worden . Wo ist der Brief , der die Bestätigung der Spionage enthält und den man verkehrter Weise in Ihren Händen gelassen , der Sie der Freund und Gönner dieses saubern Herrn sind ? « Das Gesicht des Colonels entfärbt sich . - » Excellenz , ein unglücklicher Zufall hat das Papier verloren gehen lassen , aber ich betheure auf meine Ehre ... « » Wenn mir Euer Excellenz Gehör gestatten wollen , « fügt der deutsche Arzt hinzu , » so ... « » Schweigen Sie ! Wer mit den Russen verkehrt , ist ein Feind ! Diese deutschen Eindringlinge waren stets Verräther gegen Frankreich . Sie sind Ihres Dienstes entlassen und werden mit dem ersten Schiff nach Constantinopel die Krimm verlassen ! « » Das ist eine Ungerechtigkeit , Excellenz ! ohne Untersuchung , ohne Vertheidigung meiner Ehre ... « » Danken Sie es diesem Herrn hier , « schrie der General , » der so geschickt zur rechten Zeit die Briefe seiner guten Freunde verliert , während er Verleumdungen seiner Vorgesetzten protegirt , daß ich Sie nicht dem Kriegsgericht übergebe , wie ich es gewollt . Und Sie , Colonel , schämen Sie sich der Freundschaft für so zweideutige Gesellen . Wenn das die vielgerühmte Treue für den Kaiser ist , die die adeligen Herren von der Garde in die Linie mitbringen , so danke ich für solchen Einschub ! « Der Vicomte ist todtenbleich - seine Augen funkeln , aber er sucht sich gewaltsam zu fassen , während General Martimprey besorgt näher tritt . - » Mäßigen Euer Excellenz Ihre Worte , « sagte er endlich , ein Papier aus der Uniform ziehend . » Wer sich seines Verkehrs zu schämen hat , glaube ich nicht zu sein . Wenn Euer Excellenz meine Ernennung zum Oberst des dritten Zuaven-Regiments unangenehm , so kann ich Ihnen damit entgegenkommen , daß ich Ihnen mein Abschiedsgesuch hiermit überreiche und um seine Beförderung bitte . Ich diene Frankreich ' s Ehre , nicht einem frevelhaften Spiel mit dem Leben der Armee - und bitte Euer Excellenz , wenn ich den Sturm überlebe , mein Kommando bis zur Entscheidung des Kriegsministers niederlegen zu dürfen ! « » Gleich , Herr ! gleich ! zur Stelle , wenn ' s beliebt ! Wenn dem Herrn Vicomte der Malachof zu gefährlich scheint , wird jeder bürgerliche Unter-Lieutenant gern seine Stelle beim Angriff versehen ! « Der Colonel zuckte zusammen . - » Meine Ahnen , Herr General , fochten als Barone bereits mit Auszeichnung in den Kreuzzügen , während die Ihren vielleicht noch vor sechszig oder siebzig Jahren als Schuster hinter ' m Ofen saßen . Alter Adel hat wenigstens das Gute vor den Emporkömmlingen aus dem Plebejerthum , daß er sich in allen Lagen als Gentleman zu betragen versteht ! « » Mir das , Herr ! ? « - in blinder Wuth hob der General die Hand , in der er bereits die Reitpeitsche trug . Der Vicomte trat einen Schritt zurück und legte ohne ein Wort zu sagen die Hand an den Säbelgriff . Martimprey fiel dem General in den Arm und der Arzt umfaßte den Freund und zog ihn halb gewaltsam aus der Thür . Die Offizier-Gruppen im Vorgemach hatten bei dem Geräusch des bevorstehenden Aufbruchs und der entfernten Kanonade wenig von dem Streit gehört und waren zu gewöhnt an Zornausbrüche des Generalissimus , um viel darauf zu achten . Der Colonel stand noch vor dem Zelt mit den Freunden , einen Augenblick unentschlossen , was er zu thun habe , als General Martimprey ihm nach kam , ihn am Arm faßte und bei Seite führte . - » Es thut mir leid , Herr Vicomte , « sagte er , » daß es zu einer solchen Scene gekommen . Aber der Generalissimus hat gestern Abend mit Bosquet und heute Morgen andere Verdrießlichkeiten bereits gehabt und die dumme Geschichte mit dem Telegraphen , an der er wahrscheinlich nicht ohne Antheil ist , hatte ihn in Wuth gebracht . Sie sind ihm indeß Nichts schuldig geblieben und er läßt Ihnen sagen , Sie möchten an der Spitze des Regiments den Russen nur eben so begegnen wie ihm . Morgen , so wir leben , wird sich Alles ausgleichen und hoffentlich auch für den Doctor da Etwas thun lassen . Jetzt eilen Sie fort , denn der General wird sogleich zu Pferde steigen , um die letzte Besichtigung vorzunehmen . « Der Colonel salutirte höflich , aber kalt . - » Nehmen Sie meinen Dank , Herr General - ich werde meine Pflicht thun , doch , verschont mich auch die Schlacht , der Armee des Kaisers Napoleon werden wir Beide nicht länger angehören . Leben Sie wohl ! « Einige kurze Worte noch zu dem polnischen Veteranen , ein bezeichnender Händedruck , dann eilte er mit dem Freunde davon . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Die Verbündeten harrten in drei Angriffs-Colonnen des Zeichens zum allgemeinen Sturm ; alle Dispositionen waren auf ' s Sorgfältigste getroffen und größtentheils den Russen gänzlich verborgen geblieben , indem schon seit dem frühen Morgen ein heftiger Nordwind wehte und große Staubwolken emportrieb , welche die Bewegungen der Franzosen verhüllte . Die Division Levaiklant auf dem linken Flügel sollte die Central-Bastion ( V. ) und ihre Lünetten angreifen , unterstützt von der Division d ' Autemarre , welche sich gegen die Mast-Bastion ( IV. ) zu wenden bestimmt war im Verein mit der sardinischen Brigade des Generals Craldini . Die Divisionen Bouat und Paté mit dem 30. und 35. Linien-Regiment bildeten die Reserven auf dem äußersten Flügel , den Quarantaine-Werken gegenüber ; General de Salles führte den Oberbefehl . Auf der östlichen Seite , der Karabelnaja gegenüber , war der gleichzeitige Angriff gegen mehrere Punkte gerichtet . General Dülac sollte mit zwei Brigaden auf dem rechten Flügel den kleinen Redan ( die ( Thurm- ) Bastion II. ) stürmen , unterstützt von der Brigade Marolles und dem Garde-Jäger-Bataillon . Der zwischen dem kleinen Redan und der Kornilowski-Bastion ( Malachof ) gelegenen großen Courtine , welche beide Werke unter sich und mit der rückliegenden zweiten Vertheidigungs-Linie , den sogenannten schwarzen Batterieen ( Batterie Henrighof ) , verband , stand General de la Motterouge gegenüber mit zwei Brigaden , die Voltigeurs und die Grenadiere der Garde unter General Mellinet als Reserve . Den Malachof selbst und die Batterie Scherwe ( Gervais - zwischen dem Malachof und dem großen Redan ) war General Mac-Mahon mit der ersten Division des Bosquet ' schen Corps anzugreifen bestimmt , die Brigade Wimpffen und die zwei Garde-Zuaven-Bataillone als Reserve . Sobald die Franzosen im Malachof sich festgesetzt , sollten auf ein gegebenes Zeichen die Engländer den großen Redan ( Bastion III. ) stürmen . Der Erfolg am 18. Juni hatte gezeigt , daß , so lange die Batterieen des Malachof den Redan deckten , die Engländer ihn nicht zu nehmen vermocht hätten . General Simpson hatte sich in den kläglichen Antheil gefügt , den Pelissier seinem Verbündeten an dem blutigen Ruhm des Tages zugestanden . Gegen einen Angriff des Fürsten Gortschakoff von Inkerman und der Tschernaja her waren die Truppen der Generäle d ' Herbillon und d ' Aurelle , die Cavallerie d ' Allonville ' s und der Rest der Sardinier aufgestellt . Um 8 Uhr Morgens hatten die sämtlichen Truppen ihre Aufstellung in den Trancheen genommen , in denen zum leichtern Vorgehen breite Durchgänge eingehauen waren . Zwei Batterieen Feidgeschütz standen in der Lancaster-Batterie bereit , im Galopp heranzustürmen , und vier andere Batterieen als Reserve in der Victoria-Redoute . Jede Colonne hatte 60 Sappeurs bei sich , je ein halbes Bataillon führte Werkzeuge und Bohlen für das Passiren des Grabens , und die Colonne begleiteten 50 Kanoniere , um nach den Ergebnissen des Kampfes die eroberten feindlichen Geschütze zu vernageln oder gegen die Russen selbst zu kehren . Um 10 Uhr hatte sich General Bosquet auf den gewählten Posten in die sechste am weitesten gegen die Courtine vorgeschobene Parallele begeben , wohin freilich die Schußlinien der feindlichen Geschütze convergirten , der aber einen vollständigen Ueberblick des Kampfplatzes ermöglichte . Hier erwartete er die festgesetzte Stunde . Ein Signal zum Beginn des Sturmes sollte von der Brancion-Redoute , wo der Generalissimus um 10 Uhr 45 Minuten sich eingefunden , nicht gegeben werden . Alle Uhren der Divisions-Generale waren nach der Uhr des Ober-Befehlshabers gestellt - sobald der Zeiger auf eilf Uhr 30 Minuten stand , hatten die drei Angriffs-Colonnen hervorzubrechen . Die Russen lagen ruhig und achtlos in ihren Traversen . Es waren Augenblicke der furchtbarsten Spannung . Die französischen Generale standen aufrecht unmittelbar an den Brüstungen , die Uhr in der Hand , die Offiziere hatten ihre Säbel und Degen gezogen , die Truppen , in gebückter Stellung in den Trancheen , hielten das Bajonnet gefällt . In der äußersten Tranchee , welche links nach dem Kirchhof zu und dem Dokowaja-Grund die Strandstraße aus Sebastopol nach der Inkerman-Brücke schneidet , hat das dritte Zuaven-Regiment mit den algierischen Scharfschützen seinen Stand ; es ist bestimmt , die Batterie Gervais anzugreifen , und die Zuaven fluchen heimlich , daß die Reihe , die Ersten zu sein gegen den Malachof , diesmal ihre Kameraden vom ersten Regiment getroffen . Auf den Säbel gestützt , in Gedanken trotz des furchtbaren Augenblicks verloren , steht der Vicomte . Die leise Berührung einer eiskalten Hand , welche sich auf die seine legt , weckt ihn . Aufblickend sieht er neben sich Nini , die Marketenderin . Ihre Augen sind geröthet von Thränen , ihr bleiches Gesicht drückt Angst und Kummer aus . » Haben auch Sie noch immer keine Spur von ihm gefunden , mein Herr ? Verzeihen Sie meine dreiste Frage , die Angst zerreißt mein Herz ! « Sie flüstert es leise , denn jedes Geräusch ist streng verboten . » Sie meinen Jean ? Nein , Mademoiselle . Der Bursche wird sich wohl wiederfinden . Doch , was thun Sie hier , Nini ? Sie gehören zum Nachtrab und nicht in die vordersten Reihen . « Das Mädchen preßte die Hände auf das Herz und ihr banger seelenvoller Blick schaute bittend zu ihm empor . » O , lassen Sie mich hier , Monsieur le Colonel , « flüsterte sie - » wissen Sie denn nicht , daß er ein Russe ist ? « » Ein Russe ? « » Ich wußte es zuerst auch nicht , aber später wurde mir ' s klar . Vor zwei Jahren war er mein Freund und Beschützer in Paris - aber am Abend des 5. Juli traf uns Alle ein furchtbares Unglück und seitdem ist er irrsinnig . « Der Vicomte starrte sie mit Entsetzen an - der 5. Juli - in seiner Seele stieg ein Bild empor - ein Gedanke , selbst halb wahnwitzig und dennoch - all ' die sich verkettenden Umstände - er öffnete die Lippen zur weitern Frage - - Da krachte und donnerte es über ihren Häuptern , als wollte der Himmel zerreißen in seinen urewigen Grundfesten . Die sämtlichen Geschütze hatten noch eine volle Ladung gegeben - der Augenblick war gekommen . Die Generäle , ihren Hut über dem Haupte schwingend , erschienen auf der Brüstung , auf dem äußersten Epaulement der Trancheen zeigte sich das Commando-Fähnlein Bosquets , die Trommeln wirbelten , die Trompeten schmetterten , ein tausendstimmiges Hurrah erschütterte die Luft - und vorwärts ging es zum Sturm . Mac-Mahon mit der Brigade Espinasse , das erste Zuaven-Regiment voran , links ihm folgend das 7. Linien-Regiment , warf sich auf den Vorsprung des Malachof und auf die linke Façade der Bastion , dort wo dieselbe mit der Courtine zusammenhing . Der Raum zwischen den Laufgräben und dem Ravelin der Bastion betrug etwa 50-70 Schritt im Sturmeslauf , im Nu ist er überflogen , der halb verschüttete Graben überschritten , ohne auf die Hilfe der Sappeurs zu warten , die Abdachung der Wälle erklommen und der Zuave Lihaut vom ersten Regiment , dem Mac-Mahon die Commandofahne anvertraut , pflanzt sie im ersten Anlauf auf den Wällen des Malachof auf ; um sie sammeln sich die emporklimmenden Tapfern . Die Russen sind bestürzt - überwältigt , die Brustwehr ist nur mit den Mannschaften der Artillerie besetzt , die an ihren Stücken niedergestoßen werden . Das ganze Innere des Malachof , bis auf den Kurgan - die Trümmer des allen Thurmes - ist mit hohen Traversen durchzogen , hinter denen die Soldaten Schutz gegen das Bombardement gesucht . Vereinzelt stürzen die Compagnieen des Regimentes Praga daraus hervor - ihr tapferer Kommandant Oberst Freund wirft sich mit ihnen dem Feinde entgegen und stürzt verwundet ; es ist ein Zusammenstoß Mann gegen Mann , die russischen Offiziere , den Degen in der Hand , stürzen sich auf das Parapet , mit Wort und Geberde ihre Soldaten zum Widerstand ermunternd . Einer nach dem Andern sinken sie unter den Kugeln , die aus nächster Nähe auf sie gerichtet werden - aber der Kampf entbrennt jetzt am ganzen Wall . Man ringt Leib an Leib mit einander in wilder Wuth , das Bajonnet ist unnütz geworden , man schlägt sich mit Kolben und Steinen nieder , mit Schaufeln , Protzstangen und Holzstücken , die man von den Geschützblendungen abreißt . Doch Schaar auf Schaar dringt in das Innere der Bastion ein und das Regiment Praga wird geworfen . - Die 5. Division unter de la Motterouge hat ein schwierigeres Terrain , als die Stürmer des Malachof , doch steht sie bald in geschlossenen Massen an der Front der Courtine und nimmt im Anlauf die Batterie von 6 Geschützen de la Poterne , welche den Malachof flankirt . Während die Kanoniere die Geschütze vernageln , dringt die Infanterie gegen die zweite Vertheidigungslinie vor . Das Kartätschenfeuer der Russen schmettert die Spitzen der Colonnen und ganze Reihen nieder , aber Nichts hemmt ihren Lauf . Sie ersteigen die Brüstungen , die Kanoniere werden an ihren Stücken erschlagen und die zweite Linie ist erobert , das 11. Regiment dringt bis an die Thore der Vorstadt ! Die Division Dülac hat im ersten Anlauf den kleinen Redan - die ( Thurm- ) Bastion II. - genommen , trotz des furchtbaren Kartätschen- und Musketenfeuers , das Regiment Olonetz zurückgeworfen , einen Theil der Geschütze vernagelt und bereits die zweite Verteidigungslinie und den Uschokowaja-Grund erreicht , der kurz zur Rhede führt . Aber hier wirst sich den Eingedrungenen der Major Jaroschewitz mit einem Bataillon des Regiments Bzelofersk entgegen und mit dem Bajonnet sie bis über die Brustwehr zurück . Das Glück der Schlacht wendet sich , die Russen sind nur überrascht , nicht überwunden . Die Zurückgedrängten sammeln sich unterm Schutz der in den Ravins des Uschokowaja- und Apollo-Grundes gelagerten Reserven . Zwanzig bespannte Feldgeschütze fliegen herbei und eröffnen ihr Feuer , die Batterieen des Nordufers werfen Bomben in die Colonnen , die drei Dampfer Wladimir , Chersones und Odessa legen sich in die Kilenbucht und schleudern einen Tod und Verderben sprühenden Kartätschenhagel auf den Feind . Die französischen Brigaden wanken , sie wenden sich - vergebens suchen sie sich am schnell verrammelten Eingang des Redan zu halten , - dann in den Gräben , - erst an der ersten Linie der Courtine machen ihre Verfolger Halt . Hier formiren sich die Franzosen auf ' s Neue , abermals wirbeln die Trommeln zum Sturm und der Kampf um den Redan beginnt zum zweiten Mal . General Saint-Pol fällt , General Bisson ist schwer verwundet , wiederum wanken die Angreifer , als die Reserve-Brigade Marolles herbei eilt und zwei Grenadier-Bataillone der Garde unter Pontèves von General Bosquet zu Hilfe gesandt werden , den gleich darauf ein Bombensplitter auf seinem gefährlichen Posten an der rechten Seite trifft und betäubt zu Boden wirst . Für einen Augenblick sind nochmals die Parapets und Batterieen des Redans in den Händen der Franzosen . Aber die Russen wissen sehr wohl , daß der Verlust des Redan die Möglichkeit eines Rückzugs über die Schiffbrücke in Frage stellt . General-Major Sabaschinski mit 3 Regimentern der 8. Infanterie-Division wirft den Feind zurück , drei Mal wiederholt sich der Angriff , drei Mal müssen die Franzosen unter dem furchtbarsten Feuer weichen . Die Generale Marolles und Pontèves , der tapfere Führer der Garden , dem Pelissier den blutigsten Posten versprochen , opfern ihr Leben , fast sämtliche Führer der Compagnieen der Linie sind gefallen - es bleibt Nichts übrig , als der rascheste Rückzug nach dem Graben der Courtine . Das Schlüsselburger Jäger-Regiment , das von General Chruleff gesandt , dem Redan zu Hilfe eilt , findet die Arbeit bereits gethan und wendet sich gegen die Courtine . Vergebens versuchen die Franzosen auch dort den schnell errungenen Sieg zu behaupten , vergebens rasseln , von Bosquet letztem Befehl herbeigerufen , die an der Victoria-Batterie aufgestellten Feldgeschütze über ein Terrain heran , welches das Feuer der Russen vollkommen beherrscht , protzen im heftigsten Kugelregen ab , der binnen wenig Minuten zwei Drittheil der Offiziere und Mannschaften niederwirft , und beginnen ein Feuer , das endlich die Kriegsdampfer nöthigt , sich zurückzuziehen ; - die Schlacht ist auf dieser Flanke verloren und die Division de la Motterouge vermag , nachdem auch der Führer der Garde-Reserven , General Mellinet , verwundet ist , sich nur kurze Zeit noch in der ersten Enceinte der Courtine zu halten . General Dülac hat das Kommando in Stelle Bosquets übernommen , der durch die schwere Wunde endlich genöthigt ist , die Kampflinie zu verlassen und sich auf einer Tragbahre nach der Lancaster-Batterie bringen zu lassen . Auch auf der linken - der westlichen - Seite der Stadt sind die Franzosen nicht glücklicher . Der Hauptsturm auf die Central-Bastion ( V. ) mißglückt , trotz der Aufopferung der Offiziere und Soldaten , ein Angriff der Mast-Bastion wird unmöglich , jeden Augenblick demaskiren die Russen neue Batterieen , Flatterminen zerreißen den Boden unter den Füßen der Stürmenden ; die Generale Breton und Rivet fallen , General Trochü wird schwer verwundet , die Fremdenlegion fast vernichtet und de Salles muß den Befehl zum Rückzug geben in das Innere der vorgeschobenen Waffenplätze . Der russische Ober-Commandant General Graf Osten-Sacken überzeugt sich selbst von dem Sieg der Seinen auf dieser Seite und eilt dann hinüber zu jener Stelle , wo sich das Schicksal des Tages entscheiden muß . Das ist der Malachof . Die Zuaven und algierischen Jäger haben bei dem Angriff auf die Batterie Gervais das Jägerregiment Großfürst Michael zurückgedrängt , der Zuave Lebrigaud ist der Erste auf dem Wall und wird schwer verwundet von seinen Kameraden zurückgetragen . Die Franzosen haben sich auf dem verschütteten Graben festgesetzt und schießen durch die Embrasüren , aber das Kostrana ' sche Jäger-Regiment eilt der Batterie zu Hilfe , die Kanonen der linken Seite des großen Redan vertreiben die Angreifer von der Batterie Gervais ; ein Befehl Mac-Mahons ruft sie zur Unterstützung der Franzosen im Malachof . Da diese sich hier festgesetzt , geben um 121 / 2 Uhr drei Raketen aus der Victoria-Batterie den Engländern das Zeichen zum Angriff auf den großen Redan . Sie haben eine breite Fläche aus ihren Trancheen zu überschreiten und das Kartätschenfeuer der Russen decimirt ihre aufgelösten Reihen . Die Anstalten der Engländer sind so schlecht getroffen , daß sich kaum 1500 Mann zum Sturm entwickeln , während ihre Reserven unthätig in den Laufgräben bleiben . Nur Wenige übersteigen die Brustwehr und versuchen die Faschinen auf den Backen der Embrasüren anzuzünden ; das Wladimir ' sche Regiment , anfangs zurückgedrängt , aber bald unterstützt durch Compagnieen der Regimenter Kamtschatka und Jakutsk wirst die Briten mit dem Bajonet zurück , und das Feld mit ihren Leichen besäend , fliehen diese nach den Trancheen zurück . Die Schlacht ruht auf dem linken Flügel der Franzosen und auf der Stellung der Engländer , nur um den Schlüssel von Sebastopol , um den Malachof , wird mit gesteigerter Wuth gekämpft . Der Zuaven-Unteroffizier Lihaut hat die ihm vertraute Fahne auf der Stelle vertheidigt , auf der er sie aufgepflanzt , - von 42 Büchsen- und Musketenkugeln , von drei Kanonenschüssen wird sie zersplittert und zerfetzt , aus fünf Wunden blutet der Held und dennoch wankt und weicht er nicht von seinem Posten . Um ihn haben sich die Kameraden gesammelt und stürmen gegen den Feind ; Oberst Collineau , der Kommandeur des Regiments ist am Kopf verwundet , aber die Russen sind bis an die Kehle des Werks geworfen , wo sich rasch die algierischen Schützen in einem Verhau festsetzten . Jetzt stürmen die Russen wieder heran , Graf Wassilkowitsch , der heimtückische boshafte Mann , schlägt sich wie ein Held im Innern der Bastion in der Nähe des alten Thurms , auf welchem die Schützen postirt sind und ein gefährliches Feuer unterhalten . General-Lieutenant Chruleff selbst stellt sich an die Spitze des Regiments Ladoga und stürmt gegen die Kehle der Korniloff-Bastion ; er wird in diesem Augenblick verwundet . General-Major Lisenko übernimmt das Kommando und fällt , schwer getroffen , im Eingang der Redoute - General-Major Inseroff läßt sich an der Spitze der andringenden Regimenter tödten - General-Lieutenant Martineau wird schwer verwundet - vier Mal stürmen die Colonnen der Russen , das Bollwerk Sebastopol ' s wieder zu erobern - vergebens ! - immer neue dichte Massen der Franzosen stürzen sich in die eroberte Bastion , die Brigade Vinoy , - das dritte Zuaven-Regiment , der Rest der Reserven - Mac-Mahon selbst übersteigen den Wall , zu seinen Füßen wirrd der tapfere Oberst de la Tour du Pin von einem Wurfgeschoß zerrissen ; man kämpft mit dem Bajonnet , mit den Zähnen , mit der Faust , der Fuß gleitet auf Strömen von Blut und Bergen von Leichen ! In den bereits erwähnten Trümmern des ehemaligen Kurgan des Malachof , nahe dem Ausgang , die durch das crenellirte Erdwerk und die soliden Blendungen eine kleine Festung im Innern der Bastion bilden , kämpft mit Glück ein junger russischer Offizier mit etwa 60 Mann , darunter zwei Greise , der Eine in der Tracht der Kosaken , der Andere von riesiger Gestalt in dem Rock der Druschinen . Auf diesen Kurgan stützen sich die letzten Kämpfe der Russen , in seiner Nähe vertheidigt General-Major Wassilkowitsch noch immer die Batterie nach der Seite des Redan . Das mörderische Feuer aus den Schießscharten dieser kleinen Bollwerke erregt die Aufmerksamkeit des Generals Mac-Mahon und er befiehlt dem Obersten des dritten Zuaven-Regiments , sie und die Batterie zu ihrer Seite zu nehmen . Aus die Letzere stürzt sich die Masse - ein Säbelhieb des Colonel verwundet den alten Feind , der ihm gegenübertritt , Graf Wassilkowitsch , von den Seinen geführt , wird mit dem Rest der Russen bis an die Kehle der Bastion gedrängt . Er erhebt sein Tuch - er winkt hinüber nach dem Kurgan , auf dessen Brustwehr der Greis in der Druschinen-Tracht mit einem Kanonenwischer die stürmenden Zuaven niederschlägt . Der Alte sieht das Zeichen - er springt zurück - durch die breit von einer Kanonenkugel zerrissene Blendung sieht man ihn mit der Rechten eine Lunte schwingen , mit der Linken eine Steinplatte zur Seite werfen . Da stürzt sich eine jugendliche Gestalt , blutend bereits aus zwei Wunden , zwischen ihn und die Oeffnung und sucht ihn zurückzudrängen - gleich einem Kinde schleudert sie der fanatische Alte zurück - er hat das Zeichen gesehen , das ihm der Graf gegeben , und will sein Versprechen erfüllen , er beugt sich vor , er hebt die Lunte - da - im letzten Augenblick reißt der junge Offizier das Pistol aus dem Gürtel und sein Schuß streckt den Alten zu Boden . Sein eignes Blut hat Michael , den Tabuntschik , getödtet und den Mord des Kaisers gerächt . Der Hand Iwan Oezakoff ' s entfällt das Pistol , sein Auge trifft den Vicomte auf der überstiegenen Brustwehr , den seine That am eigenen Volk gerettet , und er verliert das Bewußtsein , während die Zuaven die letzten Vertheidiger des Kurgan hinaustreiben zu Wassilkowitsch ' s flüchtender Schaar . Die Sappeure stürzen sich auf die Oeffnung , deren bedeckenden Quader der Tabuntschik gehoben , und entdecken einen Luntengang in die Tiefe , - ihre Schaufeln und Aexte reißen quer vor dem Kurgan die Erde auf und finden noch zwei electrische Dräthe : - das untere Gewölbe des Kurgans ist mit 40000 Kilogrammen Pulver gefüllt , und die Lunte des Roßhirten hätte glorreich die Schreckensthat seiner Jugend gesühnt , wenn die Liebe nicht triumphirt hätte . - Hinter der Kehle der Bastion entspinnt sich ein neuer Kampf zwischen den verfolgenden Franzosen und den Russen , deren Verstärkungen zu einem letzten Versuch herandringen . Dem von zwei Soldaten zurück geführten General-Major Wassilkowitsch begegnet eine eben herbei eilende Compagnie des Schlüsselburger Jäger-Regiments - Spielwerk der Hölle : - an ihrer Spitze Iwan Oczakoff , dessen That im Malachof er eben verflucht . Der Verwundete stürzt auf ihn zu : » Verräther , wo kommst Du her , ich sah Dich blutend sinken im Malachof nach Deiner schändlichen That ? « - » Im Malackof , mich ? ich focht am Redan ! « - » Lügner , Dich selbst oder Dein Ebenbild - - « Der junge Offizier faßt ihn an - wie ein Blitz zuckt es durch seinen Geist , die Worte , die Annuschka gesprochen , die Erinnerung an die Schwester , die er im Drang der Gefahr ganz vergessen - die Erinnerung an sein Ebenbild im Lager am Sapun , dessen Wort ihn zuerst geweckt aus der geistigen Nacht - eine Schlußreihe von Gedanken in einem Augenblick - » Allmächtiger Gott - Iwanowna an meiner Stelle ! « - Der Graf starrt ihn einen Augenblick an , auch ihm wird mit Blitzesschnelle die Ueberzeugung : » Verflucht sei die Metze , die , um ihren Buhler zu retten , Rußland ' s Sieg geopfert hat ! « - Blutiger Schaum stürzt aus seinem Mund , während Iwan Oczakoff ihn von sich stößt und davon stürmt . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Auf seinem Arme hat der alte Kosaken-Häuptling den jungen Offizier des Kurgan aus den Leichenhaufen getragen und lehnt ihn in einem Winkel der Bastion an die Wand , beschützt von Méricourt und dem Sergeant-Major Fabrice . An der Seite des Bewußtlosen knieet Nini , die Marketenderin , seinen Kopf auf ihrem Schooß - sie reißt , schreiend vor Angst und Schmerz um den geliebten Flüchtling , die Uniform ihm auf - eine volle üppige , blutüberströmte Frauenbrust quillt ihr entgegen , enthüllt sich allen Blicken ! - » Barmherziger Gott - Iwan - Iwanowna ! « tönt auch hier der Schrei des Colonels - - da rast es herbei , die Menschenwoge der Franzosen , geworfen auf dem äußern Abhang der Bastion und die tapfern Feinde dringen ihr nach durch die Kehle des Werks noch ein Mal in das Innere des Malachof ! Ein Schlachten , ein Würgen ringsum ! An der Spitze seiner Jäger stürmt Iwan Oczakoff auf die weichenden Zuaven , - das Auge der Marketenderin trifft auf die bekannte Gestalt , das bleiche Gesicht ; sie fährt empor - : » Das ist der Rechte ! Jean ! Jean , zu mir ! « Da knallen die Büchsen der russischen Jäger - da schlagen die Kugeln ein in nächster Nähe in die Hausen der Franzosen - ein einziger herzzerreißender Schrei und auf die Stelle , wo Iwanowna ' s Haupt in ihrem Schooß gelegen , stürzt mit zerrissener Brust todt die treue Marketenderin . Ueber den jugendlich schönen Leib hinweg wogt und stürmt der Kampf ; - der alte Jessaul hat den Augenblick benutzt , den Körper Iwanowna ' s über seine Schultern geschwungen und ist mit ihm in den Reihen