Hirn , aus den Eingeweiden , es nahm den ganzen Körper ein und löste sich endlich als klingendes Lachen aus meinem Halse los . Hallo ? Eine Vorstellung war mir durch den Kopf geschossen . Ich sah in der Ferne einen Mann vorübergehen , den ich van den Dusen nannte . Ein guter alter Bekannter , eine geläufige Figur meiner Phantasie , ein Standard meiner kritischen Beschäftigungen , der Typus des Durchschnittseuropäers . Er kam aus einer Hütte , die weiter oben an der Wegbiegung lag . Seine Gestalt war feist und schwerfällig und bewegte sich verzagt vorwärts . Aber noch etwas war an ihr , das mich lachen machte , das mich zum Biegen brachte vor Lachen , tiefem , donnerähnlichem Lachen . Mein Rücken schmerzte , er krachte , sprühte vor rieselndem Schmerz , ich fand plötzlich , daß mein rechter Arm eingeschlafen war und zog ihn auf Umwegen zu einiger Tätigkeit heran . Der Himmel stand voller Sterne . Sie gingen in Paaren und koppelten und bildeten wurmstichige Monde . Ich lag am Rücken und schwelgte in der Schärfe , mit der ich sah und dachte . Da überkam mich das Lachen , ich lachte fanatisch - - - - - - - - - - - und drüben kam van den Dusen in einer weißblaugestreiften Badehose aus seiner Hütte . Ich hatte die Wirklichkeit geträumt ! XIX Am nächsten Tage schien die Sonne so hell wie je zuvor . Wilde Gerüchte durchsprengten das Dorf . Der Gott war in der letzten Nacht von seinem Standplatz in der Hütte , den er nun schon seit langem nicht mehr verlassen hatte , gen Himmel aufgefahren . Er hatte ungeheuerlich gesprochen , hatte zu Herzen gehend geböht und getutet und war in die sternenhelle Nacht hinaus verschwunden . Vor den Augen der großen Jäger war es geschehen . Als er wiederkam , hatte er mit den Weißen gerungen und sie mit Unterstützung Luluacs furchtbar besiegt . Er hatte die » helle Haut « mit unauslöschlicher Verachtung und Überlegenheit ins Feuer geworfen . Zana hatte getanzt wie noch nie . Es waren Zeichen , und große Dinge mochten bevorstehen . Es war ein guter Tag für eine indianische Seele . Aber für die Nerven war es ein unerklärlicher Tag , denn alles kam sich unerklärlich vor . Es war einer jener Tage , an dem Frauen mit ihren Männern zetern und die beiden Geschlechter ihre Rollen getauscht zu haben scheinen , weil sie mißvergnügt über die Abwesenheit ihrer natürlichsten Sehnsucht sind . Ein kalkweißes dürres Sonnenlicht füllte den Raum , ohne von den Dingen Schatten zu werfen . Das Geschwätz war obenauf . Überall aus den Hütten ertönten aufgeregte Stimmen , die Männer waren träumerisch und faul und die Weiber führten das große Wort . » Nein « , sagte ich zu van den Dusen , indem ich ihn mit einem neugierigen Blicke ansehen mußte , » seh ' ein anderer , wie er aus diesem Dilemma herauskommt , ob er sich für Glauben oder Zweifel , für Mystik oder Pferdeverstand entscheidet . Ich habe von dieser Nacht genug . « Da warf er mir einen rätselhaften Blick zu und ich begann zu zittern und wußte nicht , warum . Es kam durch die Schwäche in meinen Gliedern , die von Schmerzen zermürbt waren . Und dann dachte ich gründlich und sonnig über manches , über soviel , ja soviel Sachen nach . Meine Nerven blieben sachlich und ohne Verschwommenheit . Es war ein durchaus vernünftiger Tag ; und ein allgemeines Naturgefühl erlebt fremde Zonen ungefähr mit dem Eindrucksvermögen des Eingeborenen . Ich habe die Dämonen der Exotik nie kennen gelernt . Als ich diesen Morgen erwachte , empfand ich Haß , nichts als wilden Haß gegen die gleißenden Schauer , die von oben kamen , gegen das ungemünzte lautere Triefgold , gegen die Trivialität dieser steten steifen Blondigkeit des Raumes . Es war heiß , sehr heiß ; aber die poetischen Schwülen und Feurigkeiten dieses Daseins , die uns die Dichter vorgeredet haben , suchte ich vergebens . Stimmung , dies ist keine Stimmung in gebundener Form , ein fertiger Sinn von ein paar netten anschaulichen Sätzen . Stimmung ist vielmehr eine Unsumme Kleinigkeiten , mit denen man je nach Anlage vertraut ist . Väterliches klopft mir im Reisen auf die Schulter und fremde Länder sind mir oft allzu verwandt . Ich entdecke mit Entsetzen , daß die Welt draußen so ist , wie ich bin , aber nicht sein möchte ; eine milde Ähnlichkeit mir entgegenbringt , die mich überrascht ; während die Heimat strenge zu mir ist und stets anders als ich . Ich ziehe aus , um den Helden zu finden ; die vollständige Neuheit und Andersartigkeit auf dem Gebiet des Menschlichen ; aber ich entdecke stets wieder den einen und denselben , und nun muß ich schon annehmen , daß hier auch alle Heldenhaftigkeit beschlossen liegt . Die Kreatur in mir , die so allmächtig und stark ist , kehrt in alte Jagdgründe zurück . Broadways , Boulevards und Ringstraßen sind exotisch , seltsam und mystisch bewegt . Aber der Äquator ist eine schnurgerade gemütliche Empfindungspassage . In den Rippen der Kordilleren hat man ungefähr die Hemmungen , Sorgen und Symptome von Laune wie in der Gloria der grandiosen Porphyrleiche der Dolomiten . Und der wirkliche Weltmann empfindet die Anwesenheit der Pittoreske wenig , ob sein Zug von einer Schar verhungerter Tramps mitten in der texanischen Prärie zum Stillstand gebracht wird , im Whitechapel zünftige Taschenzieher ihn nach allen Regeln der Kunst in einem Erdgeschoß an den Kamin knebeln , oder halbwüchsige Pülcher in einer Vorstadt Wiens mit dem Feitel bedrohen . Whats the difference ? würde Slim gesagt haben , und das war die erlösende Haltung . Traun , ich war ausgebrochen , um das subjektive Land , die subjektive Stimmung und den subjektiven Menschen zu sehen , wobei es sich natürlich immer um mein eigenes hübsches Subjekt handelte . Aber ich entdeckte nichts , das gerade für mich dagewesen wäre ; denn es war alles für mich da , und statt des wunderbaren duftigen Landes entdeckte ich einen allgemeinen und gewöhnlichen alten Planeten , die Erde . Wie ich hier wieder einmal in meiner Hütte lag , unruhig dem tropischen Morgen trotzend , der mit einer schnurrenden Lebensäußerung des geweckten Djungles anhob , unterschied ich deutlich das wirkliche Ergebnis meiner Forschungsreise vom herkömmlichen ; ich hatte nicht Brasilien , auch nicht den brasilianischen Kaiser entdeckt , sondern die brasilianische Seele des Planeten . Was war meine ganze Reise bisher mit ihren Abenteuern , denen der gewünschte schöngeistige Zug des Heldenhaften empörend mangelte , anderes gewesen als ein kurzer Abriß gattungshafter Erfahrungen ? Wohin anders reisen wir , als nach rückwärts in unser eigenes Gedächtnis ? Mit erhellterem Kopfe sah ich mich in die Chancen unmündiger Zustände tauchen , in wilde Ureigentümlichkeiten und Katzbalgereien , in die Moräste meines Blutes und des pflanzenhaften Glücksbetriebes . Und langsam reifte die Genesis wieder zu mir heran , ein Doppelgänger der Entwickelung entstand durch die Spiegelungen meines Gehirns in einem höheren Kreise , einem unsinnlichen Mittel , in einem anderen Phantoplasma . Mein Gehirn machte noch einmal den ganzen Weltprozeß durch , veranstaltete eine brennpunktkleine Neuausgabe von ihm . Aber während es die Entwickelung spiegelte , reifte es sie aus . Man muß nicht nur des Kurzen dorther kommen , woher man eigentlich des Langen kommt , sondern muß auch darum wissen , darum irren , ja , vielleicht sogar darum lügen . Was ich tat , war zweierlei in einem , soviel war klar . Ich tat eine Reise mit sinnlichen Erlebnissen , halb banaler und halb bedeutsamer Art ; und tat eine Reise der abstrakten Erkenntnis , unter der jeder geographische Boden schwand und ein Fleck des Planeten so gut war wie der andere . Und ohne daß ich selbst geschult und tatkräftig die Fäden in der Hand hielt , bloß , indem ich mich mir und dem Leben hingab , schlug sich das Leitmotiv in der Verquickung der Wirklichkeiten endlich nachdrucksvoll durch . Von der Zelle bis zur Selbstbespiegelung : dies ist ein langer Weg , ist der Amazonenstrom der Menschenseele , ist ein brasilianisches Urwald- und Flußsystem des Gemütes ! Beobachtung , bitte , das ist mein Haupttrumpf , ist Postulat . Der Schöpferische sieht , hört , schmeckt , riecht und tastet in die Weltdinge hinein , und siehe da , sie werden unter seinen Sinnen wirklich . Man könnte diese Formel auch umkehren , sozusagen eine zyklische Vertauschung vornehmen , und an ihrem Werte wäre nichts geändert . Man könnte nämlich sagen , alles Erkennbare sei bereits als Masse vorhanden , und die Analyse sei nur die rüstige Pickel , die den Abbau betreibt . In dieser Form gibt es der selbstverständlichen Ansicht Ausdruck . Aber hier setzt ein anderer Gedanke ein . Von zwei Auslegungen wird die reichere und unbestimmtere die bessere sein . Und die reichere war offenbar jene , nach der mein Drang sich neigte . In jenem höheren Kreise der Vernunft , wo die stoffliche Welt ein vertauschbarer Schein war und nur ihre Wirkung als Gedanke zählte , waren beide Auslegungen überholt und das alte Symbol vom Wasserrad fand seine Anwendung . Innerhalb des einmal bevorzugten Phantoplasmas konnte man sich an die Norm oder an das Paradox halten . Das Paradox war richtiger , so oft es sich als fruchtbarer erwies . Wahrheit war Fortbildungsfähigkeit , Stillstand allein war Lüge . In meinem Falle war , wie schon so oft , das Paradox auf meiner Seite , es war von Leuchtkraft für ein ganzes Jahrhundert , und , war es auch vorläufig wie alle Ergebnisse des Denkens , so ging doch eine mächtige Freude von ihm aus für alle , die guten Willens waren . Es erfordert Kraft , einen Widerspruch auszudenken , ohne ihn zu löschen oder zu reimen . Ich war nicht in jeder Stunde trefflich , meine eigenen geistigen Höchstleistungen nachzuahmen . Es gehörte der Gewaltakt dazu , und er war oft unratsam , wenn die Kräfte nur zur Norm reichten . Was aber bewies dies ? Daß zum hochnormierten Denken nicht bloß die Unrichtigkeit genügte , sondern daß auf die Beziehungen , die im Phantoplasma gegeben waren , Rücksicht genommen werden mußte : sie mußten überwunden , nicht umgangen werden . Aufgepaßt ! sagte ich mir , und mein Gesicht war vom Schmerz des Nachdenkens qualvoll wie bei einem Weinenden zusammengezogen , gleichsam auf sein Mindestmaß reduziert . Aufgepaßt , Beobachtung ist Postulat . Forschung ist Konstruktion . Ich trete den Beweis an . Wir haben an der Hand einer emsig betriebenen Beobachtung mit einer Anzahl von Weltbildern und Weltgefühlen abgewirtschaftet , die früher bombenfest Gemeingut waren . Sie gestalteten das Leben weder sicherer noch unsicherer als heute . Was man nicht wußte , machte nicht heiß . Was aber heiß machte , wußte man um so inniger . Gott war so viel wert wie ein Universitätsprofessor . Kulturen ohne Psychologie des Ichs und seiner Objekte verankerten das Menschenkind in seiner Wohlfahrt nicht schlechter als die unbeschränkteste Aufklärung . Dies beweist , daß durch unsere Analyse , unsere Skepsis und unsere Aufklärung nicht Dinge entdeckt wurden , die früher übersehen waren , sondern daß die Beobachtung selbst Ungeheuerliches hervorbrachte . Der Gedanke des Fortschrittes als des Abbaues einer goldhaltigen Mine ist das Geschöpf einer fortschreitenden Kultur , einer Seele mit einer Bewegung und einer Dimension mehr . Aber die Dimension ist erst durch die Seele da , der Fortschritt erst durch die Kultur ; sie schreitet fort , aber sie ist nicht selbst ein Fortschritt zu anderen Kulturen . Daß Moki durch die Lüfte fliegt , ist nicht mehr und nicht weniger sicher , wie daß unsere Aviatiker sich die Knochen brechen . Aber wir beobachten diesen letzten Umstand mit Hilfe von Zeitungsreportern , und darum ist er wirklich . Nun aber kann man , und dies ist höchst mystisch und schwindelerregend , Beobachtungen mitteilen , man kann eine ganze Versammlung , ein ganzes Publikum beobachterisch infizieren , wie übrigens beobachtet wurde . Und so könnte man wohl auch einem Indianer einreden , daß soeben ein berühmter Aviatiker auf den Kopf gefallen sei . Und er würde sich diesem religiösen und kulturellen Ereignis wohl kaum entziehen können . Alle beobachten es , und nun beobachtet er es desgleichen . Man könnte vermuten , daß die Beobachtung ein Dichter ist , der sein Buch aus dem eigenen Kopfe abschreibt . Je besser der Beobachter , desto größer das Plagiat seines Ichs . Ich sehe Moräste , Raubtiere und Jägermenschen nur darum , weil alles in mir nach der Gestaltung dieser Erscheinungen drängt . Ich finde dieses Prinzip in mir vor , und es wird mir der Schlüssel zur Außenwelt . Nun beobachte ich den Beobachter , ich falle ihm in den Rücken , ich recke und turne mich an meinem Gesichtswillen empor und betrete Schritt vor Schritt erst dämmernde , dann hartgestampfte Dimensionen ... Die gedankliche Abhängigkeit aber , die zwischen mir und der beobachteten Umwelt entsteht , wirkt auf mein Wohlergehen zurück . Zwischen den transzendenten und den epidermalen Vorgängen besteht die wichtigste , nächste , nein , die einzigste Beziehung . Darum sind Gehirn und Eingeweide einander in der Formation ähnlich , und was dazwischen liegt , ist nur die Treibung und Verräumlichung endgültigerer und einziger Lebenswahrheiten . Dieses Zwischending mit den vielen möglichen Dimensionen habe ich das Phantoplasma getauft . Es ist in Paris anders als am Urwaldfluß , heute anders , als es vor Jahrtausenden war . Gehirn und Eingeweide aber sind die gleichen . Das kommende Phantoplasma aber , über dessen Günstigkeit vor anderen jene letzten menschlichen Tiefen allein Rechenschaft ablegen , die noch jüngst einer ästhetischen Lebensgarnitur den Vorzug geben , dieses zu erwartende Lebenssystem ist die Welt des Jäger- und Beobachtermenschen . Ich kreiere seinen Typus . Aber vor meinem Wunsch war die Botschaft schon in mir bereitet . Er wird mit dem Spiegel geboren werden . Und sein Kopf , diese nackte Spiegelfläche , dieses an sich Wesenlose , wirft sein verkleinertes und vergrößertes , sein vergröbertes und verdichtetes Bild auf alles , was ihm begegnet . Wozu reist dieses Geschlecht ? Um den Menschen in sich zu erreisen . Man reist nicht in ferne Länder mit seltsamen Klimaten und verblüffenden Erlebnissen : täte man ' s , man wäre enttäuscht , nichts als Spießbürgerlichem und Ernüchterndem zu begegnen , zu dem man nie die Räusche gehabt hat . Aber der Weltmann , der Vorläufer des neuen Menschen , ist bei seinen Reisen auf andere als impressionistische Ausbeute bedacht . Scheinbar reist er rückwärts in seine Erfahrung , in die Weltgeschichte , in die Biologie und nimmt noch die Urzelle als Maske vors Gesicht . Aber auch dies ist schon ein alter , verjährter Standpunkt . Rund um ein Problem macht er sich Bewegung , und einer Figur zuliebe , die vielleicht erst in hundert Jahren mit beiden Beinen im Leben stehen wird , kreuzt er den Ozean . Er hat mörderische Duelle mit dem Paradox und verwendet Riesenkräfte an die Überwindung der Dimensionen . Denn er weiß , daß die Richtung , in der er denkt , halb ist . Geht das reine Denken nicht im Widerspruch vor sich , an jener höheren Grenze , die über den zureichenden Gründen der Phantoplasmen verläuft ? Immer denkt er in die halbe Dimension , in Traum oder Wachleben , und nie in ihre höhere Einheit . Rund ist die Welt , und was ist oben , was unten , was links , rechts und hoch und tief ? Längs der Beobachtung läuft er in wunderbare Urgründe zurück - aber , ahnt er , daß er nach vorwärts stürmt ? Sein Hirn ist unantastbar spiegelblank . Die Vergangenheit ? Verzeihung ! Die Zukunft ! Die Vergangenheit ist ein Buch mit sieben Siegeln . Das Gedächtnis zeigt in die Zukunft . So ahnt er die Zusammenhänge , die innerhalb des Phantoplasmas zu liegen scheinen , als eine Abschichtung von Instanzen , deren niedrigste das Phantoplasma selber ist . In ihr macht er sich eine Vergangenheit , daß sie ein Gleichnis seiner Zukunft sei . Birgt er Widersprüche in sich , der Mann , die ihm ein Kind nachrechnen könnte ? Ein Kind vielleicht , doch ein Erfahrener , Erfahrteter wohl nicht . Was tut ' s ? Die Hygiene des Denkens gibt ihm Kraft , Lust und Recht . Zum prämiierten Denken gehört der Widerspruch . Ahnt man eine späte ungestückelte Dimension , in der das Physische sich transzendental äußert ? Die Zeit ist als vierte Dimension entlarvt . Gibt es keine fünfte , und kann man jene nicht bewegen ? Ha , ich probier ' s ! Ich stemme mich mit beiden Schultern gegen die Zeit , ich suche sie aus ihrer Bahn zu drängen , ich fordere mich zum Gewaltakt heraus . Eine Linie , aus sich selbst gedrängt ? Eine Fläche , gut ! Wenn ich nun denke - ich ahne es schon ! - und zu gleicher Zeit dawider denke - hurra , da haben wir ' s ! Denken ist zeitlich . Wenn ich nun denke und zugleich dawider denke , so verschiebe ich die Zeit in einer höheren Anschauungsform , die nicht Zeit ist . Die Zeit wird senkrecht zu sich selbst gebracht . Ich erhalte eine neue Dimension . Der Block Zeit hat sich gerührt , er schweigt zitternd , eine Dämmerung von Ruck , ein Hauch von Erfolg ist es gewesen . Paßt auf , wir kriegen die Zeit noch herum ! Können Sie um die Ecke sehen ? Wir aber , wir denken um die Ecke . Wir denken in Winkeln , Kanten und Kristallen . Und wir werden es , verlassen Sie sich darauf , dahinbringen , daß wir sozusagen in Dodekaedern denken , wo der Gedanke zu gleicher Zeit einen ganzen Korb von Malen gegen sich verschoben hat ! Uff , wie es anstrengt ! Ich richtete mich auf . Vor der Tür lag der von unzähligen Tritten festgewordene Lehmboden im weißen Lichte . Als ich des bewußt wurde , kam mir der übellaunige Drang zu schreien . Ich spürte den Eigensinn bis in die Gliedmaßen , die nervös waren und jede einen anderen Plan zu haben schienen . Dabei stellte sich ein unbehagliches Gefühl der Zerstückelung ein . Ich dachte nach . Was war geschehen ? Und glaubte , mich beruhigen zu können . Noch war ich im Vollbesitze meiner geistigen und leiblichen Güter . In der Hütte war alles in bester Ordnung . Es fiel mir ein , daß ich zusammenpacken könnte , denn nach all dem , was gestern vor sich gegangen war , würde Slim mit seinen Absichten nun wohl endlich Ernst machen ! Hurra , da gab es dann doch wieder Abwechslung ! - Dieser Ausdruck eines Aufschwungs an Laune kam aber gleichsam etwas dünn heraus . Na , aber doch . Also ? Tja - nein , es ging nicht . Da kam ich nicht herum . Und weil ich mich mit mir selbst nicht auskannte , traten mir boshafte Tränen in die Augen . Es war zwar nichts Besonderes los , aber meine Glücksfähigkeit war doch erheblich vermindert . Ich fühlte meinen Rücken ; es stach noch heftig , in Flächen zuckte der Schmerz das Kreuz hinab . Es war die deutliche Erinnerung daran , daß ich mich vor Zana bloßgestellt hatte . Denn darüber konnte jetzt kein Zweifel mehr bestehen : mit peinigendem Gedächtnis erinnerte ich mich an den Gesichtsausdruck der verschiedenen Personen , die es mit angesehen hatten , und zwar mit einer Schärfe , die meine gestrige Dreistigkeit und Nonchalance in bezug auf meine Umgebung Lügen strafte . Durfte ich zugeben , daß ich um Zana litt ? Ich litt . Aber es war nicht Liebeskummer , sondern Geschlechtsgram . Ich wußte mein Geschlecht beeinträchtigt , mein Selbsterhaltungstrieb in den Lenden war herausgefordert , und man bestritt mir meine Männlichkeit . Die Verneinung als Geschlechtswesen wird wie leibliche Tyrannei empfunden . Ich wollte toben , das Stroh herunterreißen , mit Checho anbinden . Ich war hysterisch . Was jetzt ? Ich begehre zu wissen , warum man reist . Reist man vielleicht , um sich zu drücken ? Es hat keinen Nutzen . Denn , lieber Hans , willst du auch in einem neuen Lande und unter andersartigen Menschen endlich das gesunde Verhältnis zu deiner Umgebung finden , verlierst du dich doch von neuem . Nimmt einer Reißaus , um in fremde Länder zu gehen , und schlägt sein Zelt in einem weltverlassenen Dorfe im Djungle auf : gleich tritt die Aufgabe an ihn heran , sich eine Position zu schaffen . Er sieht sich der tanzenden Phalanx der Bürger gegenüber , den geschlossenen Kreisen , den Würden und Schönheiten und Schmuckstücken , mit einem Worte : der Pace . Überallhin trägt er seinen inneren Menschen mit , für den es keine Geographie gibt . Und exotischer denn eine brasilianische Wildnis ist die Straße im Verkehrszentrum einer großen Stadt . Ein freier und glücklicher Mensch weiß in sämtlichen Gesellschaften der Welt die Gleichgewichtslage inmitten der Konventionen einzunehmen , ohne sich und sie zu stören . Ein schofler Kerl mit einem niederträchtigen Gemüte wird sich überall belauert finden , annehmen , daß er kaltgestellt wurde und daß seine würdige Person nicht ins richtige Licht gerückt ist . - Nun mag es Seelen geben , die überall als Gäste auftreten , nirgends mit anpacken , sondern sich hofieren lassen . Sie sind von mächtigem persönlichen Zauber , ihre Erwartungen sind hochgespannt und gleichsam naschhaft ; kein Land wird wagen , sie zu enttäuschen , und ihnen die seltensten Impressionen bieten . Diese gastierende Truppe von Weltreisenden reist ohne Persönlichkeit . Menschen , die nie bei sich sind , finden überall das andere . Wer aber in sich daheim ist , sieht überrascht , wie der Djungle ihm dieselben ewigen Notwendigkeiten mit freigebiger Hand vorstreckt und nichts anderes zu vergeben zu haben scheint . Er ist der Abkömmling jenes nordischen Geschlechts , dem man eine Horde Löwen entgegenjagte - die erschlugen sie mit ihren Knütteln und glaubten , es wären blonde Hunde gewesen . Und immer wieder werden , wenn die alten , rassigen Kulturträger faul werden und das Leben nur mehr zu einem aufregenden Zirkusspiel gestalten , wenn die Lust der Beobachtung greisenhaft zu kindischen Anfängen zurückkehrt und der Jägerinstinkt zur Behaglichkeit des Varietézuschauers verderbt , diese alten Knüttel in unserem Blute lebendig . Das Leben ist ein solcher Löwe und das Geschlechtliche und die fremden Länder und alle die bissigen Dinge , die man uns jüngst noch vorgesetzt hat . Dann ist es Zeit , dann tritt einer unter uns auf und verkündet die » blonden Hunde « , wir treten den Gegenständen unserer Beobachtung ehrlich Aug ' in Auge gegenüber , stellen uns einer Wirklichkeit und schlagen die neuen Löwennamen hundetot . Gesetzt , in einer europäischen Gesellschaft würde das Thema angeschnitten . Was ist ' s mit den indianischen Djunglen , hoho , erzählen , erzählen ! - Meine Damen und Herren , es tut mir leid , daß ich Sie werde enttäuschen müssen . Mit den indianischen Djunglen ist es nämlich nichts . Es gibt sie kaum . Ich rate Ihnen zu irgendeinem Kohlenweiler , oder doch zu einem Kaffeehause . Man hat Ihnen die Tropen in einer falschen Tonung zur Kenntnis gebracht . Bilden Sie sich nicht ein , Sie könnten dort auf die Pantherjagd gehen ; dort erdrosselt man das Raubtier genau mit einer Kette von Treibern , und das kommt auch bei uns in den besten Familien vor . Die Gefahren werden aufgerieben , und unter dem südlichen Kreuze hausen Sie langweiliger als unter der elektrischen Birne Ihres Hotelzimmers . Würde ich von dem Djungleleben erzählen , seinen Sitten und Situationen , Sie würden mich in Verdacht bekommen , ich triebe Spaß und erlaubte mir eine Satire auf Ihre Kosten . Fräulein Zauner - und hier verneige ich mich vor der Inhaberin dieses berühmten Namens und fordere die Herren und Damen zu einem dreimaligen Hoch ! auf die verehrte Freundin und Künstlerin auf ! - so , Fräulein Zauner würde es als eine persönliche Spitze empfinden , wenn ich von meinen Erlebnissen mit einer ihrer Kolleginnen im fernen Südwesten berichtete . Und nun muß ich Ihnen in der Tat ein Geständnis machen . Ich bin nicht der Held und Abenteurer , für den Sie mich halten . Ich danke für Ihre zuvorkommende Meinung - aber ich muß zugeben , daß sie mich in eine schiefe Stellung drängt . Sie zwingt mir eine Geste auf . Und wenn Sie so fortfahren , dann wird es nicht lange dauern und ich werde mich selbst von dem , der ich in Ihren Augen bin , nicht mehr unterscheiden können . Denn die Wahrheit ist , daß ich auf meinen weiten Reisen , die ich gründlicher und tiefer zurückgelegt haben mag als mancher andere , nichts zugelernt , und , was wichtiger ist , nichts vergessen habe , wie einst die bekannten Berufskönige . Alle meine Kräfte und Sorgen , meine Leidenschaften und Hemmungen , sind legitim geblieben . Es ist mir nicht , wie Peer Gynt , dem Phantasten ohne Persönlichkeit , gegangen . Immer habe ich gewußt , wo mein Kaisertum unerledigt geblieben ist und wo die Arbeit und die Mission des Lüstebringers auf mich warten . Denn zutiefst im Menschen liegt der Hunger nach Lust . Dieses Lustmotiv ist der Angelpunkt des gesamten vegetabilischen und animalischen Lebens . Es dürfte Ihnen kaum neu sein , dies zu erfahren . Aber neu ist Ihnen vielleicht das Folgende : Im Animalischen hat es sich , je höher der Typus steht , einen desto feineren und verwickelteren Apparat geschaffen , die Phantasie . Diese ist , obschon sie auf dem Prinzipe der Spiegelung beruht , der Träger aller Gestaltungs-und Schöpferkraft . Sie beobachtet und reflektiert und holt scheinbar aus dem Felsen des Bestehenden die Goldader der Erkenntnis ; in Wirklichkeit härtet sie diesen Felsen , das Phantoplasma , erst mittels Erfahrung . Zu den ewigen Gesetzen einer ewig gleichen Natur , die sich an uns erfüllen , nein , deren Erfüllung wir wahrscheinlich sind , haben wir uns je einen Zirkel , ein System von Gründen erfunden . Aber diese Gründe sind nie triftig , auch nicht für unsere Existenz . So wie wir hier versammelt sind , so sind wir auch die geborenen Lügner und Heuchler , pathologische Schwätzer , die wir die Wirkungen fälschen , die wir aufeinander ausüben . Unser wirklicher Verkehr findet durch organische Teile des Körpers statt , die wir nicht kennen und kaum je kennen lernen werden . Wir beeinflussen einander durch Paniken . Wie grauenvoll abgesperrt und einsam wären wir für einander , wenn nur der Bewußtseinsakt allein uns vereinigen könnte ! Und nun sehen Sie , die Dinge , die ich auf meinen Reisen erlebt habe , waren so fade , gemein und abgeschmackt , wie es nur je die Dinge unter Menschen sein können . Aber mir war es gegeben , für eine kurze Weile in ein fremdes Phantoplasma zu reisen , einen fremden Lebensakt in mich einzuschalten und abzuspielen . Da war ein Indianermädchen namens Zana , von kleinem ausgeprägtem Wuchs . Ich liebte sie , es war für mich Gesetz , daß ich sie liebte . Aber was wußte ich von ihr , was konnte ich von ihr wissen ? Sie alle , die Sie hier meine Gäste sind , wären vor der fremden Welt so unklug , hilflos , voreilig oder planlos gewesen wie ich . Die kleinen Reibungen der vielen Ichs in einer gegebenen Nachbarschaft nehmen den Ablauf des Lebens ein hier wie dort und schaffen die Qual der Enge , dann die Linderung oder schmerzhafte Kälte der Trennung hier wie dort . Und ihretwegen vermeide ich die ausführliche Berichterstattung , daß niemand sich getroffen fühle . Denn meine Erlebnisse sind stets so gewesen , daß sie immer nur Anspielungen auf die Grunderlebnisse meiner und Ihrer Kultur wären . Das Wesentliche bleibt überall unter den Gestirnen gleich . Alles , was Abwechselung in die Monotonie des Reisens bringt , ist die geänderte Anschauungsform , die vage Erinnerung an uralte Zustände ; das fremde Phantoplasma . Niemand von Ihnen , wenn ich so die Tafel hinabblicke und mir die vollzählig erschienenen Typen unserer Kultur beim Namen nenne , wird sich von dem , was ich wirklich zu erzählen hätte , eine Vorstellung machen können . Ihre Anschauung ist zu einseitig , selbst zuviel höherer Djungle und zu organisch , als daß sich in ihr ein anderes weitaus primitiveres und unmittelbareres Phantoplasma spiegeln könnte . Wie kann ich Ihnen Existenzen des Djungles vor Augen rücken - vielleicht , sage ich , könnte ich eine schriftstellerische Lebensaufgabe daraus machen , ein Erziehungsproblem , eine Modernisierung Ihrer Vorstellung ins Werk setzen . Denn ich ahne voraus , daß sich Zukunft und Urvergangenheit berühren . Sie aber , meine Damen und Herren , befinden sich augenblicklich gleich weit von beiden entfernt . Und doch wäre es wert , jedermanns Aufmerksamkeit auf die wichtige Tatsache zu lenken , daß er vom Djungle abstammt und daß das moderne Leben alle die alten Tugenden von ehemals wieder in ihm zu entfesseln strebt . Nun setze ich voraus , daß Sie alle meiner gewagten , aber äußerst gleichniskräftigen Behauptung zustimmen , wenn ich unsere Kultur in ihrem Hochstande eine solche der fünften Dimension nenne . Das ist ein Gleichnis , denn merken Sie wohl , auch ich spreche hier nur als ein Geschöpf des Phantoplasmas , und die realen Wirkungen , die ich mit Hilfe meiner Dialektik auf Sie auszuüben scheine , sind schlechterdings nichts anderes denn eine logische Umschmelzung von Vorgängen , die unserer Aufsicht entrückt sind . - Hm . Geben Sie acht ! Der Djunglemensch hat ein Phantoplasma . Es