voll von Schollen , sie hatten die Reise ! Nach der Elbe ging es aber nicht , des weiten Weges wegen , sondern nach der Weser . Störtebeker sollte es bestimmen : er war natürlich für die Weser , denn dort gab es etwas für ihn zu sehen , und dann : auf der Weser wohnte keine Mutter , die ihn möglicherweise wieder von Bord holte , wohl aber auf der Elbe . Überhaupt die Elbe und der Deich , was gingen sie ihn noch an ? Er dachte kaum noch daran , so weit weg lag das alles , seit er mit fischte : vergessen waren Krähe und Kaninchen , und die Bungen konnten sich geruhig mit Spinnweben bedecken : er fragte nicht mehr danach , so sehr war er in der Seefischerei und in der Seefahrt aufgegangen . Mit abgefierten Schoten segelten sie nach der Weser . Da bekam Störtebeker zum erstenmal das Wunder der Nordsee zu sehen , den zwei Jahre vorher errichteten Rotensand-Feuerturm , den mitten im Meere stehenden rotweißen Riesenpilz , dessen Feuer ihm schon manchmal gezeigt worden war . Kap Horn meinte , der würde wohl ebenso spurlos im Meere verschwinden wie sein Vorgänger , weil er auf Sand gebaut sei und nicht auf Felsen wie der Turm von Eddystone , aber Klaus Mewes sagte : einerlei , Bremen hätte da immer sein Meisterstück geschaffen . Störtebeker wunderte sich am meisten über das Rettungsboot , das dort haushoch über dem Wasser hing . Und daß dort oben zwei Leute wohnten und schliefen . Sie kamen nachts in der Geeste an und verhökerten den andern Morgen ihre Schollen . Sie wurden sie auch zu gängigen Preisen los , denn sie waren nur zu fünfen , und das war für Bremerhaven und Geestemünde nicht zu viel , zumal Klaus Mewes , der hier an der Unterweser bekannt war , den Geestendorfer Ausrufer Konrad mobil machte , der mit seiner Glocke und mit seiner rostigen , durchdringenden Stimme die abgelegenen Straßen abklopfen mußte . Sie nahmen etwas Proviant ein , vor allem Schiffskeks , nach dem Störtebeker ein großes Verlangen hatte , dann Büffelfleisch und Zucker aus dem Freilager , und gingen am Abend schon wieder hinaus . Der Neß bekam nur eine Postanweisung auf zweihundert Mark und einen kurzen Brief , den Klaus bei Kinau in der Achterdönß schrieb , während Störtebeker sich von Marta und Mieze , den Töchtern des Fischerwirtes , denen der kleine Fischerjunge sehr gefiel , im Billardspiel unterrichten ließ . Der Junge sei gesund und munter , hieß es in dem Brief , den der Seefischer schrieb , er sei nur einen Tag seekrank gewesen , nun wisse er schon nichts mehr davon , er habe große Lust zu der Fischerei und sei immer vergnügt , Heimweh kenne er nicht . Er ließe schön grüßen . Heute abend gingen sie wieder hinaus und kämen bald mit Schollen nach der Elbe . Störtebeker ließe ihr noch sagen , sie solle die Krähe und die Kaninchen nicht vergessen . Den Gruß und die Viehfrage hatte Klaus sich nach Wippchenart aus den Fingern gesogen , denn Störtebeker hatte jetzt ganz andre Dinge im Kopf . Er wollte Bremerhaven sehen , das große Denkmal und die Chinesen auf den weißen Lloyddampfern , aber dazu war diesmal keine Zeit : sie mußten an Bord und nach See . Nach neun Tagen lagen sie wieder mit Schollen an der Kaje zu Geestemünde : da wehte es zwei Tage , und da bekam Störtebeker alles zu sehen , was er sehen wollte . Elfter Stremel . Roland der Ries ' am Rathaus zu Bremen , Kämpfer einst Karls in der Schlacht ; Roland der Ries ' am Rathaus zu Bremen , Jetzo wie einst noch steht er und wacht ! H.F. 125 , Laertes , Unterscheidungssignal R.T.F.B. , 20 Registertonnen groß , geführt vom Schiffer Klaus Mewes , lag zu Bremen-Stadt an der Schlachte mit lebendigen Schollen . Das trübe gelbe Wasser der Weser gurgelte um seinen Bug , und die Giebel der hohen Speicher blickten überlegen auf ihn herab , denn sie standen schon zweihundert Jahre und hatten Güter aller Zonen unter ihren Dächern . Auf der Kaje standen die Bremer Jungen und lachten über den kleinen Stintmajor , wie sie Störtebeker nannten . Als sie sich aber einfallen ließen , mit Steinen nach ihm zu werfen , da rief er : » Ji verdreihten Zigarrenmokers ! « ( das hatte er von Kap Horn aufgeschnappt ) , zog seine Seestiefel aus und ging ihnen mit der Handspake und mit Seemann zu Leibe , bis sie die Flucht ergriffen . Die Bremer Bürgerfrauen , Fischweiber , Kökschen und Arbeitsleute waren minder stolz als die alten Speicher und minder feindselig als die Jugend : sie kamen mit Körben und Netzen , mit Taschen und Eimern , besahen die Fische und kauften und kauften . Klaus Mewes , der auch die Bremer zu nehmen wußte , war den Fang bald los , zumal er ganz allein an der Schlachte lag . Der verrufene schiefe Weg nach Bremen hielt die andern Ewer fern . Um die letzten Stiege stritten sie förmlich : ein Kampf um die Scholle entbrannte , dem Klaus Mewes lachend und mit seiner vollen Tasche klirrend zuguckte , bis er sagte : » Nu is de Putt ut : Hein Mück , deck de Luken to ! « Dann zählte er mit Störtebeker die vielen Groschen , Marken und Taler : es war wieder eine gute Reise , die die vielen Wind- und Stillentage , die dahinter lagen , lachend vergessen ließ . Nach Mittag machten Klaus Mewes der Große und der Kleine und Kap Horn sich landfein und wiesen einander Bremen . Zunächst steuerten sie wie alle Fremden nach dem Markt und besahen den gewaltigen Dom , die graue Börse , den vergoldeten Schütting , das gründachige , verwitterte Rathaus und das hohe , steife Standbild , die Rolandssäule . Störtebeker gefiel von all diesen Bauwerken eigentlich nur der Dom mit den beiden hohen Türmen : das Rathaus war ihm viel zu alt und zu voll von Grünspan ; das könnten sie auch mal abschrubben , meinte er vorwurfsvoll . Der Roland aber war ihm nicht bunt genug und machte ein zu dummes Gesicht : als wenn er nicht bis fünf zählen könne , lachte er . Er verstummte aber , als sie dann am Denkmal des Heidenbekehrers Wilhadi vorbei in den halbdunkeln , riesengroßen Dom traten , mit den leuchtenden Glasmalereien und der reichen Pracht der Wände , die dem nordischen Gotteshaus etwas Südlich-Katholisches gaben ; - denn da gingen sie unhörbar auf weichen Teppichen , und alles war so still und so feierlich , wie es den Morgen gewesen war , als sie hinter Langeoog gelegen hatten und das Läuten der Glocken zu hören gewesen war . » Hier in Bremen hett de lebe Gott dat doch beter as in Finkwarder « , flüsterte er seinem Vater zu , der leise lachen mußte . Sie besahen den Bleikeller unter dem Dom , in dem keine Leichen verwesen , und in dem die Särge reihenweise stehen . Schwedische Gräfinnen , englische Majore , bremische Bürger lagen da gelb und lederartig in offenen Steinsärgen , und die Ecken waren mit Totenschädeln ausgefüllt . Um die fortwirkende Kraft des Gewölbes zu beweisen , hingen auch frische Ratten , Hühner und andres Getier an den Pfeilern . Die trockne Luft des Raumes benahm den Seefischern fast den Atem , weshalb sie sich dort nicht lange im Schnack aufhielten . Als sie wieder vor dem Dom standen , sagte Kap Horn , er könne den bösen Geschmack nicht wieder aus dem Munde los werden . » De mütt dolspeult wardn « , sagte Klaus , » lot uns man eenen genehmigen ! Kumm , de Rotskiller is jo bi de Hand ! « » Rotskeller ? Büst nich klok , Klaus ? Dat is bloß wat for de Groten , for Reeders un Käppens , dor gift bloß Wien , Minsch ! « rief Janmaat , aber Klaus Mewes nahm ihn unter den Arm und bugsierte ihn in den von Hauff und Heine besungenen Bremer Ratskeller hinein . » Een van de Groten bün ik ok « , sagte er stolz , » ik bün Reeder un Käppen , und Wien mag ik ok , un op de scheune Reis kann sowieso een up stohn ! Kumm , Störtebeker ! « Da gingen die drei getrost nach dem Ratskeller hinunter , setzten sich mitten zwischen die Pfeiler und besahen die Hausgelegenheit . » Finkwarder Fischermann kann allerwärts to Anker gohn « , lachte Klaus , » büst ok bang , Störtebeker ? « » Ne , bang bün ik ne , Vadder . « Mißtrauisch kam einer der Kellner näher , denn die Jan vom Moor konnten wohl nur versehentlich die Treppe heruntergefallen sein , die wollten gewiß zu Heini Holtentüffel und bei dem eine kleine Lage trinken : als Klaus Mewes , der es merkte , ihn groß und frei ansah , und mit lauter Stimme zwei Flaschen Rheinweins zu einem Taler den Buddel und ein Glas süßen Weins für den Jungen bestellte , da nickte er höflich und brachte das Verlangte . Es schien allgemein aufzufallen , entweder , daß der Finkenwärder so laut oder daß und er plattdeutsch sprach , denn an allen Tischen drehten sich die bedächtigen , geruhigen Bremer nach ihnen um , aber Klaus Mewes ließ sich dadurch in keiner Weise stören . Er rief den Kellner , und sie ließen sich durch alle Räume führen : sie sahen die Rose an der Decke , die ein italienischer Maler gemalt hatte , weil er seine Zeche nicht bezahlen konnte , sie sahen Fässer , die so groß waren , wie ein kleines Haus , sie kamen durch den Apostelkeller , in dem zwölf nach den Jüngern benannte Fässer lagen , von denen der Judas sauer war , sie hörten von Wein , von dem jeder Tropfen dreitausend Mark kostete . Endlich hievten sie den Draggen und stiegen wieder ans Tageslicht . Die Bremer Stadtmusikanten , die Störtebeker noch durchaus sehen wollte , waren nicht auszumachen , so gingen sie durch die Langenstraße an dem schnörkelgesegneten Essighaus vorüber nach dem Ewer zurück . Nicht so gut lief die Fahrt ab , die Hein Mück abends unternahm , um sich etwas vorsingen zu lassen : er konnte das Bremer Bier so wenig vertragen , daß er allerhand Havareien machte und schließlich von einem Schutzmann an Bord gebracht werden mußte . Als er da noch weisen Wind hatte und sich nicht geben wollte , goß Klaus Mewes ihm einfach eine Pütze Weserwassers über den Kopf , um den großen Brand zu löschen . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Keine Luft von keiner Seite ... Dwars von Spiekeroog , aber ohne Sicht von Land , steht der Ewer totenstiller auf dem spiegelglatten Meer . Drei Tage haben sie schon keinen Wind mehr gehabt ; zwei Tage hat die Dünung geknarrt und gelärmt , nun am dritten Tag ist das Meer glatt geworden , wie es osterselten vorkommt . Drei Tage schon ruht die Fischerei , hängt die Kurre am Mast , ist das Ruder mittschiffs festgestroppt . Die Sonne brennt steil auf das Deck nieder , das so heiß ist , daß sie Schollen darauf braten könnten , und daß das Pech in den Nähten weich ist . Von den Wanten leckt der Teer . Plackentodstill ist es , wie Störtebeker , der munterste an Bord , immer wieder versichert . Ein Brett , das er ins Wasser geworfen hat , um die Strömung zu erkunden , bleibt stundenlang neben dem Ewer liegen . Das große Schiff ist tot , und tot ist die See . Nicht einmal eine Möwe läßt sich sehen . Seemann liegt im Schatten des Bootes auf einem Stück Segeltuches und schnappt nach Luft . Kap Horn hockt auf der Diele neben dem Wasserfaß und liest in einem Buche , das ihm der Bremerhavener Seemannspastor mitgegeben hat , bis er dabei einschläft . Hein Mück hat das beste Teil erwählt : er hat sich ausgezogen und steht nun nackt im Bünn , bis an den Hals im Seewasser . Dem Schiffer gehen sie weit aus dem Wege , denn er ist wie ein gereizter Löwe , und es ist nicht gut anbinden mit ihm . Er kann nicht fischen , - das sagt alles . Er weiß nicht mehr , was er tun soll . Lesen ? - Son Schiet ! - Knütten ? - Son Snarrkrom ! - Fischen will er , Schollen greifen , kurren , segeln , kreuzen , denn sie müssen nun endlich mal nach Hause . Erst war ihm der Wind dazwischen gekommen , der sie hinter Wangeroog gejagt hatte , dann war der Fang schlecht gewesen , drei magere Schollen im Streek ! und nun kam ihm noch die Stille in die Quere ! Unruhig stand er vor dem Wetterglas und starrte es an , als wenn es an allem schuld wäre mit seiner ewigen , deutsch-englischen Predigt : Sehr schön - verry dry . Klaus Mewes konnte es nur als Sehr schlecht - verdreiht ! lesen . Dann ging er wieder an Deck und spähte nach dem Heben , als wolle er Löcher hineingucken . Dabei hörte er das spalten und Plätschern im Bünn . Erst wollte er Hein die Leviten lesen , daß er die paar Schollen im Bünn noch tot trat , dann aber dachte er : dat mokst du ok ! Und er zog sich auf der Achterplicht aus , setzte seinen alten Kameruner ab , rannte in Berserkerwut über Deck nach dem Steven , setzte vom Vorderpoller ab und sprang mit Hurra in die blaue See , tauchte tief unter und kam prustend wie ein Seehund wieder an die Oberfläche . » Kiek mol ober , Kap Horn « , rief Hein Mück , » ik gläuf , Klaus hett een Sünnenstich kreegen ! « Der Knecht klappte das Buch zu und lief an Deck : da schwamm sein Schiffer kräftig ausholend wohl zwanzig Faden vor dem Ewer und lachte und rief : » So ist moi , Kap Horn ! « Seemann aber stand mit den Vorderfüßen auf dem Setzbord und bellte , und Störtebeker sagte in einem fort , er wolle auch mal schwimmen . » Lot di man nich vonne Haifisch opfreten un krieg man keen Ramm inne Been « , warnte der Knecht , steckte eine Leine auf den Rettungsring und warf ihn über Bord , auch fierte er einen Riemen längsseit , damit der Schwimmer einen Halt hätte , wenn er dessen bedürfte . Schließlich setzte er mit Heins Hilfe noch den Kahn ins Wasser , stieg hinein und wriggte in die Nähe seines Schiffers , denn das Schwimmen in offener See , ohne Schwimmweste und Leine , war ihm ein Greuel und ein Frevel : wie der Bauer sich niemals auf die Erde setzen sollte , so sollte der Fischer niemals in der See schwimmen . Dennoch freute er sich über den rüstigen Schwimmer . Mit einem Male erhob Seemann ein zorniges Geknurre und Gescharre , und als der Knecht sich umdrehte , sah er Störtebeker nackt an Bord laufen und den widerstrebenden Hund nach dem Setzbord schleppen . » Störtebeker , wat mokst du ? « rief er , » Klaus , kiek mol den Jungen ! « » Wenn se all swümmt , schallst du ok swümmen , un wennt mit den Dübel togeiht « , gröhlte Störtebeker und warf den winselnden Seemann kopfheister in die See , dann nahm er einen Anlauf und sprang mit Hurra nach . » Minschenkinners noch mol : nu wöllt se jo woll all versupen « , rief Kap Horn , als auch noch Hein Mück über das Schwert kletterte . » Nimm Seemann man wohr , för Störtebeker will ik woll uppassen « , rief Klaus Mewes und schwamm an die Seite seines Jungen , der entrüstet sagte : » Du meenst woll , ik kann ne swümmen , Kap Horn , wat ? As son Woterrott , kann ik di seggen ! Kiek mol ! Ik kann ok all duken : paß up ! « Und weg war er , um prustend wieder aufzutauchen . » Junge , dat do ik ne wedder : dat Woter is jo sult , dor hebb ik gor ne an dacht ! I , wat bitter ! « Klaus Mewes lachte vor Freude über seinen Jungen und hielt sich in seiner Nähe auf , um ihm beizuspringen , wenn seine Kräfte nachlassen sollten . Kap Horn aber zog den spaddelnden Seemann in den Kahn und bewachte die drei kühnen Schwimmer und den großen , regungslosen Ewer , der wie tot auf dem Wasser lag . So vertraute Klaus Mewes seiner Kraft und schwamm mit seinem Jungen in der See , als wäre es am Finkenwärder Bollwerk und nicht zwischen Spiekeroog und Helgoland auf 20 Faden Wassertiefe . Wenn Gesa das gesehen hätte ! Als die Sonne untergegangen war und die Hitze etwas nachließ , saßen sie allemann auf Deck . Dort aßen sie auch Abendbrot , denn in der Kombüse war es nicht auszuhalten . Dann schliefen sie in alten Segeln auf den Bänken und auf der Diele . Kap Horn ging die Wache . Gegen Morgen stieg unter der englischen Küste ein Gewitter aus der See und fegte dunkel und drohend heran . Mit ungeheurer Schnelligkeit verbreitete es sich über den sternklaren Heben , furchtbar knallte der Donner , und die ganze Wolke saß voll von Blitzen , aber Klaus Mewes und seine Gesellen begrüßten das Wetter mit Freude , denn nun mußte ja auch Wind kommen und sie erlösen . Als die ersten , großen Tropfen fielen , warfen sie die Segel nieder und gingen hinunter , denn bei einem Gewitter an Deck sein , ist der gefährlichen Nähe der Masten wegen nicht gut . Sausend harfte der Wind auf den Wanten , prasselnd schlug der Regen auf das Deck , die Masten erdröhnten , der Ewer zitterte , die Lampe schwankte , die See kam allmählich in leise Bewegung . Geruhig saßen oder lagen die Seefischer unter Deck und horchten . Als das Gewitter halb vorüber war , zogen sie die Ölröcke an und setzten die Segel auf . Und im blauen Schein der letzten Blitze fierten sie die Kurre über Bord , denn nun hatten sie wieder Wind genug . * * * Ships that pass in the nigt ... Tiefdunkel , samtschwarz ist der Nachthimmel . Die Sterne funkeln um so heller um den Schleier der Milchstraße . Wie tanzt der Orion , wie blitzt die Wega , wie leuchten die Zwillinge , wie strahlt der Himmelswagen , wie gleißt der Aldebaran ! Die Weltwiese hat sich aufgetan , die gewaltige Wisch , die mit abertausend weißen und bunten Blumen bewachsen ist , und auf der Myriaden von Tautropfen glitzern . Die riesenhaften , schwarzen Segel des Fischerewers aber sind wie urgewaltige dunkle Kühe , die auf der großen Wiese in den Blumen grasen . Ruhig und bedächtig grasen sie , wie Kühe tun , und fressen sich langsam weiter . Klaus Störtebeker steht bei seinem Vater am Ruder . Gesprochen wird in solchen Nächten nicht viel . Eine Kühlung , eine leichte , westliche Brise , wandert über die See und gibt den Segeln die Kraft , die Kurre zu ziehen . Rot , grün und gelb spielen die Fischerlichter auf der Dünung . Die Kielfurche leuchtet , als ginge es durch Silber . Wo die Kurrleine ins Wasser taucht , ist sie wie ein diamantenbesetztes Zepter . Leise knarren die Gaffeln oben am Mast , und wie im Traum reißt der Klüver , der Jager , das kühnste aller Segel , an seiner Schote , über der Besan aber weht die dunkle Flagge im Nachtwinde . Seemann schläft im Nachthaus neben dem Kompaß , und Klaus Mewes geht nach Schifferart auf dem Achterdeck hin und her , die Hände in den Taschen , während Störtebeker das Ruder mit einem Tau regiert , denn Steuern hat er längst gelernt . Bei sturem Wind und bei Regen singt Klaus Mewes , wenn er allein an Deck ist , er singt auch bei Sonnenschein , aber in solcher Nacht singt er nicht : da fühlt er tief das geheime Leben und Weben seines Ewers , sein Wesen , seine Atemzüge , da haben alle Segel und Wanten , alle Bäume und Masten ihre eigene Sprache . Nächte , die gewesen sind , und Nächte , die noch kommen sollen , stehen vor seiner Seele , und dunkle Ahnungen beschleichen ihn , denn jeder Seefischer ist ein Hagen , der ins dunkle Heunenland hinunterzieht . Gedanken über Gedanken kommen ihm entgegen , wie der Wind in die Segel weht , die ihn weit hinaustragen aus der Sehnsucht nach Gesa , nach einem guten Streek und einem schönen Markt , die ihn Auge in Auge mit der Ewigkeit stellen . In solchen Nächten muß er Verklarung über sich selbst tun , der lachende Seefischer , und nicht lachend , sondern ernst beantwortet er seine eigenen Fragen , denn je höher dem Baum die Krone gewachsen ist , desto tiefer streckt sich seine Wurzel , - und Klaus Mewes ist ein solcher gewachsener Baum . Rund um sie herum stehen Lichter auf der See , rote , weiße , grüne , denn sie fischen zwischen Helgoland und dem Weserfeuerschiff , und auf diesen Gründen wimmelt es von Finkenwärdern und Blankenesern . Mitunter ist das Geklapper einer Winsch in der Weite zu hören , wenn sie irgendwo einziehen , mitunter schallen die Rufe zweier Fischer , die einander nahe gekommen sind , abgebrochen herüber . Dann kommen dunkle Segel an ihnen vorüber , und weil der Laertes wegen seiner Besansflagge leicht ausgemacht ist , so wird hüben und drüben gerufen . » Klaus , büst du dat ? « » Jo , Hinnik ! Wat fangt ji ? « » Ochott , is ne slimm : acht Stieg ! « » So . Jä , wi hebbt ok ne mihr hat . Hest all bald de Reis ? « » Morgen wöf utscheiden ! « » Uppe Wesser ist bannig slecht wesen , gor keen Schullen lostowardn , Klaus . « » So ! « Dann sind die Schiffe zu weit auseinander gekommen , als daß das Seegespräch fortgesetzt werden könnte , und Klaus Mewes geht wieder schweigend auf und ab . Einmal steht er hart an den Wanten und blickt starr in die Weite , als sähe er seines Großvaters Kuff im Norden untergehen , dann horcht er , als höre er seines Vaters Todesschrei aus der See heraus . Die ganze Nacht aber grasen die Segel ruhig und bedächtig in den Sternen . * * * Gesa rang in dieser Nacht mit schweren Träumen . Sie sah , wie ein Schiff sich mit haushohen Seen abriß , wie es leck wurde , und wie zuletzt eine große Woge ins Segel schlug und es umwarf , wie zwei Menschen in schwerem Seemannszeug in der See schwammen , sie hörte , wie sie um Hilfe riefen . Als sie ihnen in die Gesichter sah , schrie sie laut auf , denn es waren ihr Mann und ihr Junge . Da erwachte sie und weinte bis an den Morgen . Zwölfter Stremel . Am Deich jagten die Kinder den Schmetterlingen nach , den Kohlweißlingen , Füchsen und Pfauenaugen , wobei sie sangen : Schomoker , sett di annen greunen Diek , Schomoker , sett di annen greunen Diek . » U kiek , Klaus Störtebeker , de jümmer mit no See geiht ! « » Woneem ? « » Dor ! Kannst ne kieken ? « » U Minsch , wat süht de mol ut ! Ganz anners as to . « » Höh , Klaus Störtebeker ! « » Höh , Peter ! Non , wat mokst ? « » Ik griep Schomokers , kumm man her , kannst noch mit ankommen ! « » Wat goht mi Schomokers an ? Wi wöt teern un smeern , wat meenst ! Uns Eber süht ut as ik weet ne wat . « » Klaus Störtebeker , wullt mien Kninken mol sehn ? « » Ik hebb keen Tied , Krischon , mütt Teer holen . « Und Klaus Störtebeker ging mit der Teerpütze in der Hand an ihnen vorüber und freute sich , als er fühlte , daß sie ihm nachguckten . Er war größer und brauner geworden : sein Gesicht war das eines Indianers , sein Gang aber war der eines Fischermannes , und seine Hände waren die eines Tagelöhners . » Dat is keen Kirl mihr för Hus und Hoff , dat is een för Schipp un See « , hatte der alte Jäger zu Gesa gesagt . Störtebeker hörte es und vergaß es nicht wieder . Und er vergaß auch nicht , was der greise Willem Fock ihm sagte , der sich am Deich von seinen langen Fahrten ausruhte . Er unterzog den Jungen einer Kleinschifferprüfung , fragte ihn nach Wind und Wetter , Fang und Markt und freute sich über die fahrensmännische Klugheit des kleinen Gesellen . » Hest den flegen Hollanner ok sehn ? « » Ne , Willem , denn stünn ik woll ne hier . De den flegen Hollander in Sicht kriegt , de blifft ! « » So , so meenst du dat ? Non , denn wohr di man vorn flegen Hollanner , Störtebeker , wenn du grot büst , un seh man to , dat du jümmer goden Wind hest , un ward man een fixen Fischermann , hürst ? « » Jo , Willem , dat will ik ok « , sagte der Junge mit lachendem Munde und ging stolz weiter . Da spielten die Mädchen Ringelreihe und sangen dazu : Es fuhr ein Matrose wohl über das Meer , nahm Abschied vom Liebchen , sie weinte so sehr ... Störtebeker blickte sie gar nicht an , sondern ging in den Kramerladen hinein und ließ sich die Pütze voll Teer gießen . Kinderspiel war ihm fremd geworden , er war Fischerjunge und fuhr bei seinem Vater auf dem Ewer . * * * Sonnenwende , Sonnenwende ! A und O von Finkenwärder , der kleine , schwarze Ewer H.F. 1 , Jan Sieverts Hoffnung , und der große weiße Kutter H.F. 190 , Jakob Cohrs ' Möwe , die noch die Kränze vom Stapellauf in den Toppen flattern , lagen im Köhlfleet beieinander , und um sie herum und auf den Schallen ankerten wohl hundertfünfzig große Ewer und Kutter . Schwarz , grün , rot und weiß spiegelten die Steven sich im Wasser , und jede Farbe hatte ihren eigenen Sinn . Schwarz rührte von den alten Fahrensleuten her , die als die ersten das Watt hinter sich ließen und sich auf die offene See wagten , die bei Helgoland und Terschelling die dunkeln , holländischen Logger und die schwarzen , englischen Smacken sichteten . Sie hatten auch weder Zeit noch Geld , das Fahrzeug anzumalen und aufzuzieren . Grün brachten die Bauernjungen auf , als sie die Pflüge verrosten ließen und sich auf die Seefischerei warfen . Sie wollten auf der grauen , kahlen See an ihre grünen Felder und Wischen , an ihre Linden und Eschen erinnert sein , wenn sie kein Land in Sicht hatten . Rot erwählten sich die glücklichsten Fischerleute , die Störfänger und Beutemacher , die Schollenkönige , die gern etwas Besonderes aufzuweisen wollten und denen es auf den teuern Zinnober nicht ankam . Weiß aber war die erklärte Farbe der jungen Fischer , die noch dabei waren , ihr Marinerzeug aufzutragen , und die noch draußen klüsten , wenn andre schon im Hafen lagen . Einer von ihnen wurde gewahr , wie prächtig seinem Kutter der weiße Berg von Schaum und Gischt vor dem Steven zu Gesicht stand , und binnengekommen , wußte er nichts Besseres zu tun , als den Bug weiß zu malen , damit das Schiff beständig im Schaum wühle . Hochwasser ! Eine schlanke , östliche Brise bläst von Hamburg herunter , umstreicht Heitmanns weißen Leuchtturm und die mächtige Königsbake , das alte Wahrzeichen von Finkenwärder , rauscht durch das Reet des Pagensandes und läßt die Flögel tanzen : es ist ein Plan zum Fahren , wie er nicht besser sein kann . Und doch bleiben alle Fahrzeuge liegen : nirgends werden die Segel aufgezogen und die Draggen aufgehievt . Wahrlich , es muß ein großes Ding sein , das diese mächtige Flotte , die gewaltigste der deutschen Küsten , im Hafen festhält und die Helgoländer Bucht vereinsamen läßt ! Es ist ein großes Ding : Karkmeß ist da , der Jahrmarkt , der Sonnwendtag der Finkenwärder Fischerei , ein Tag von so großer Bedeutung und so tief eingreifend in das Leben und Treiben des Eilandes , daß es Ehren- und Notsache jedes Fischers ist , heimzufahren und dabei zu sein . Knecht und Junge würden schöne Gesichter machen , wenn sie Karkmeß nicht kriegten , und bei den Nachbarn hieße es : » Den geiht dat jo woll bannig lütt : he is jo ne mol Karkmeß bi Hus wesen ! « Von Finkenwärder erzählen und Karkmeß vergessen , hieße nach Rom reisen und den Papst nicht sehen , denn Karkmeß ist die große Sonnenwende von Finkenwärder , ist der Nordstrich auf seinem Kompaß und Mittelpunkt der Zeitrechnung der Seefischer . Soundsoviel Reisen vor Karkmeß oder soundsoviel nach Karkmeß , das hört einer am Deich auf Schritt und Tritt und » söben Weeken vör Karkmeß « oder » fief Weeken no Karkmeß « sind genaue