der östliche Teil des Kessels ein förmliches Pflanzendickicht bildet , während der westliche , größere Teil viel weniger bewachsen ist . Man scheint dort sogar zuweilen Holz niedergehauen zu haben , um Feuer zu machen . « » Das tut man stets , wenn man zur Beratung hier versammelt ist . « » Zur Beratung ? Doch auch zur Jagd oder zu einem sonstigen Zwecke ? « » Nein . Dieser Ort ist jedem roten Manne heilig . Er ist nur für große , wichtige Beratungen bestimmt , die zwischen verschiedenen Nationen abgehalten werden . Nie wird man hier über unwichtige Dinge beraten ! Und nie wird ein roter Mann diesen Ort betreten , ohne daß es eine große Zusammenkunft zweier oder mehrerer Nationen gilt ! « » Ah ! - Wirklich ? « » Ja , « versicherte er . » Ich weiß das ganz genau ! Und selbst bei großen Beratungen , wo viele , viele Krieger sich hier versammeln , wird es keiner von ihnen wagen , den östlichen Teil dieses Platzes zu betreten . « » Warum ? « » Man sagt , da wohne der böse Geist , der Teufel , nach dem man die Kanzel benennt . « » Höchst interessant , höchst sonderbar und höchst unklar ! Was man sich von diesen beiden Kanzeln erzählt , ist jedenfalls viele hundert Jahre alt . Da läßt sich wohl denken , wie sehr man die Wahrheit verwischte . Glaubt Ihr daran ? « » Ich glaube an den Kern dieser Wahrheit . « » Kennt Ihr ihn , diesen Kern ? « » Nein . Ich hoffe aber , ihn von Tatellah-Satah zu erfahren . « » Es fragt sich , ob er selbst ihn kennt . Wenn er ihm bekannt wäre , hätte er , als er hier von dieser Kanzel sprach , sich anders ausgedrückt . Er hätte nicht Kanzel und Ohr als denselben Punkt bezeichnet . Glaubt auch Ihr , daß dort im östlichen Teile des Platzes sich der böse Geist aufhält , der Teufel ? « » Ich achte den Brauch meiner Väter , ohne zu fragen , ob er sich auf Wahrheit gründet oder nicht . « » So werdet Ihr es also vermeiden , den heiligen Ort da unten zu betreten ? « » Wird Mr. Burton hinuntergehen ? « » Ja , ich gehe . « » Mrs. Burton vielleicht auch ? « » Ja , ganz bestimmt auch sie . « » So gehe ich sehr gern mit , wenn Beide es wünschen . Ich war vier Jahre lang bei den Bleichgesichtern und habe bei ihnen gelernt , die Seele eines Dinges vom Dinge selbst zu unterscheiden . Die Seele ist mir heilig ; ihr sichtbares Kleid aber verehre ich nicht . Doch ich achte es und würde es nur dann verletzen oder gar zerreißen , wenn ich Grund hätte , es für bös , also für schädlich zu halten . « Wie dieser junge Indianer sprach ! Wäre er mir nicht schon so sehr sympathisch gewesen , so wäre er es mir nun jetzt geworden . Jetzt fragte Pappermann , der sich bisher still verhalten hatte : » Ich höre , Ihr wollt da hinunter ? « » Natürlich ! Die Devils pulpit ist doch unser Ziel ! « antwortete ich . » Wann ? « » Sofort ! « » So müssen wir satteln . « » Ist nicht nötig . Wir laufen . « » Oho ! « rief er verwundert aus . » Glaubt Ihr , daß Maksch Pappermann läuft , wenn er ein Pferd oder ein Maultier am Zügel hat ? « » Das glaube ich freilich nicht . Aber es hat Euch auch niemand zugemutet , zu laufen . Ihr bleibt nämlich hier . « » Ich - - ? Bleibe - - ? Hier - - - ? « fragte er erstaunt . » Ja . « » Bin ich etwa nicht wert , mitgenommen zu werden ? « » Redet keinen Unsinn ! Ich brauche Euch hier oben notwendiger als da unten . Wir wissen , daß die Feinde kommen . Ja , wir wurden extra gewarnt . Aber leider wissen wir keine bestimmte Zeit . Jeder Augenblick kann sie uns bringen . Sie können sich grad dann einstellen , wenn wir da unten sind und sie nicht kommen sehen . Grad darum beabsichtige ich ja , zu laufen , nicht zu reiten . Pferde machen deutlichere Spuren als Menschen . Und es könnte sich ereignen , daß wir wohl ganz glücklich entkommen könnten , uns aber , um dann auch sie zu retten , bloßstellen und in Gefahr begeben müßten - - - « » Ah ! Errate , errate ! « unterbrach er mich . » Nun , was erratet Ihr ? « » Daß ich hier oben bleiben soll , um Wache zu halten , um aufzupassen ? « » Allerdings ! « » So ist das etwas Anderes ! Ich tue es gern und bitte , mich zu unterweisen . « » Das ist sehr schnell geschehen . Wir wissen , daß die Sioux und die Utahs kommen werden . Die Ersteren sind von Norden , die Letzteren von Westen her zu erwarten . Für beide Fälle liegt der Talkessel so , daß sie nicht von der Seite kommen können , von der wir gestern kamen , sondern von der entgegengesetzten . Und diese Seite liegt hier so deutlich und so ausführlich vor Euren Augen , daß Ihr die Roten schon lange , ehe sie kommen , bestimmt entdecken müßt . Da gebt Ihr uns ein Zeichen . « » Was für eins ? « » Einen langen , scharfen Pfiff . « » Etwa so ? « Er steckte den gekrümmten Zeigefinger in den Mund und ließ eine Probe hören . » Ja , das genügt . « » Schön ! Aber wie steht es mit dem Wege hinunter zur Kanzel ? Ihr seid noch nicht unten gewesen . « » Ist auch nicht nötig . Der junge Adler kennt ihn ja . Und selbst wenn dies nicht der Fall wäre , glaubt Ihr doch nicht etwa , daß ich mich verlaufen würde , nachdem ich die Devils pulpit von hier aus so deutlich vor mir liegen sah . Kommt ! « Wir stiegen wieder zum Lager hinab ; nur Pappermann allein blieb oben . Ich nahm den zerlegten Henrystutzen aus dem Koffer und schraubte ihn zusammen . » Willst du schießen ? « fragte das Herzle . » Aengstige dich nicht . Ich denke nur an Wild , « beruhigte ich sie . » Der junge Adler wird sein Gewehr auch mitnehmen . « Sie winkte verstohlen nach ihm hin . Mein Blick folgte dieser Richtung ebenso verstohlen . Ich sah , was sie meinte . Es war rührend , mit welch einer andächtigen Spannung er den Stutzen betrachtete und jeden Griff beobachtete , den ich tat , indem ich ihn lud . » Uff ! « sagte er . » Das ist er ! Das also ist er ! Wie oft hörte ich von ihm sprechen ! Darf ich ihn einmal berühren ? « » Hier ist er ! « Er nahm ihn in die Hand , doch ohne sich zu erlauben , ihn untersuchen zu wollen . Dann drückte er ihn wie in einer plötzlichen Aufwallung an sich und sagte : » Wie oft wurde Winnetou durch ihn gerettet , wie oft ! Ein einziges , ein einziges Gewehr ! « Bei diesen Worten gab er mir den Stutzen zurück . Ich nahm ihn und antwortete : » So einzig , wie Ihr denkt , ist er längst nicht mehr . Ja , man hat mich ausgelacht , wenn ich von fünfundzwanzig Schüssen sprach . Es hat sogar kluge , sehr kluge Menschen gegeben , welche mich dieses Gewehres wegen einen Lügner und Schwindler nannten , obgleich sie von Handfeuerwaffen und vom Schießen so wenig verstanden , daß es mich geradezu erbarmte . Nun aber ist es schon lange her , daß ich nicht nur gerechtfertigt , sondern sogar übertroffen worden bin . In Italien erfand Major Cei-Rigotti ein fünfundzwanzigschüssiges Armeegewehr , und dem englischen Kriegsminister wurde sogar ein achtundzwanzigschüssiges , welches 3100 Meter weit trägt , von einem schottischen Erfinder vorgelegt . Uebrigens wird dieser Stutzen zu seiner Zeit genau denselben Weg gehen , den jetzt Winnetous Silberbüchse geht . « » Habt Ihr auch diese mit ? « fragte er , indem seine Augen leuchteten . » Ja . « » Darf ich sie sehen ? « » Später . Jetzt müssen wir jeden Augenblick für die Untersuchung der Devils pulpit sparen , denn wenn die Feinde angekommen sind , ist es zu spät dazu . Verlieren wir keine Zeit . « Als ich das sagte , hörten wir über uns ein Lachen . Pappermann war es . Er kam herabgestiegen . Er hatte uns schon fast erreicht ; da sagte er : » Ja , obenbleiben soll ich ! Und laufen wollen diese drei klugen Leute ! Werden aber doch reiten müssen ! Und werden mich dazu brauchen , sehr , sogar sehr . « Indem er das sagte , fiel mir ein , wie recht er hatte . Das Herzle aber fragte : » Reiten ? Und Euch dabei auch brauchen ? Gewiß nicht ! Wir gehen ! « » Nein , Ihr reitet ! « lachte er fröhlich . » Werdet mir schon einmal gehorchen müssen , ganz gleich , ob Ihr wollt oder nicht ! Oder will Mrs. Burton vielleicht nasse Füße haben , einen Schnupfen , einen Husten , einen Katarrh und andere schöne Dinge ? Das Niesen gar nicht gerechnet ! « Das war allerdings sehr richtig . Ein Westmann fragt freilich nicht danach , ob er feucht wird oder nicht , aber wenn er es vermeiden kann , so ist er einverstanden . Wir setzten uns also alle auf und ritten hinaus , über den Weiher hinüber . Dann schaffte Pappermann die Pferde wieder zurück . Wir aber folgten dem schmalen Wässerchen abwärts , bis wir die Stelle erreichten , an welcher wir gestern von der Richtung nach der Teufelskanzel abgewichen waren . Von da an hatte der größere Bach unser Führer zu sein , bis er allzu mutig wurde und sich in verschiedenen Sprüngen und Kaskaden direkt in die Tiefe stürzte . Das konnten wir nicht mitmachen . Wir stiegen also langsam und in bequemen Schlangenwindungen hinunter und machten dabei die Bemerkung , daß wir da nicht der geraden Richtung folgen konnten , sondern einen ganz ansehnlichen Bogen schlagen mußten , was Pappermann aber nicht mit berechnet hatte und darum zu der irrigen Ansicht gekommen war , daß das , was der » junge Adler « sah , nicht die Teufelskanzel sein könne . Unten in der Tiefe angekommen , sahen wir zunächst die schmale Spalte , welche das Wasser in uralter Zeit fast senkrecht in den Felsen gefressen hatte . Es sah fast aus , wie mit einer riesigen Säge hineingeschnitten . Ganz dasselbe hatte auch uns gegenüber am Ausgange des Kessels stattgefunden . Es war also erwiesen , daß der letztere einen halb natürlichen , halb künstlichen See gebildet hatte und später , als der Wasserabfluß seinen Grund erreichte , vertrocknet war . Welchen Zweck hatten die beiden Inseln gehabt . Etwa den , überhaupt nur Inseln zu sein ? Das wollte mir nicht einleuchten . Ebenso wichtig war mir die Frage : Wurde dieser Zweck mit Hilfe des Wassers erreicht , so daß nun jetzt , wo es kein Wasser mehr gab , auch er nicht mehr nachgewiesen werden konnte ? Der Bach war freilich noch da . Er floß auch noch immer lang durch den ganzen Kessel . Aber er hatte die Steinplatten nicht durchdringen und sich eine tiefere Rinne bohren können , sondern sie bildeten seinen Grund , auf dem er sich durch angeschwemmtes Geröll seine eigenen Ufer gebaut und befestigt hatte . Wir wurden von ihm zunächst in den östlichen , dichter bewachsenen Teil des Kessels geführt , verweilten uns da aber nicht , sondern hoben ihn uns für später auf , weil es galt , zunächst den westlichen Teil des Terrains kennen zu lernen , weil von dieser Seite die Roten zu erwarten waren . Wir mußten also vor allen Dingen dort fertig sein , bevor sie kamen . In diesem westlichen Teile gab es einige Stellen , an denen unter der aufgewühlten Erde die Steinplatten hervorschauten . Die Bäume , die es da gab , waren nicht hoch , und die Büsche nicht dicht . Sie hatten nur allzuoft das Material zu Lagerfeuern liefern müssen . Die zwischen ihnen liegenden , zahlreichen , lichten Stellen waren so groß , daß hunderte von Lagernden Platz finden konnten , ohne einander zu beengen . Die hier befindliche Insel war höher als der höchste Baum ; was aber nicht viel sagen will , weil die Bäume ja keine bedeutende Höhe besaßen . Sie war nicht mit Grün bewachsen , sondern vollständig kahl . Eine Reihe von Stufen führte hinauf . Oben gab es in der Mitte einen hohen , steinernen Sessel und rund um ihn einen Kreis von niedrigeren Sitzen . Das war die » Teufelskanzel « , auf welcher die Häuptlinge zu beraten und das Ergebnis dann durch den Sprecher dem unten versammelten Publikum zu verkünden hatten . Wir stiegen hinauf . Es war nicht das Geringste zu sehen , was uns als beachtenswert erschienen wäre . Natürlich visierte ich von hier aus , doch ohne Etwas davon zu sagen , die im östlichen Teile liegende andere Insel . Sie war genau ebenso hoch wie diese hier , doch umfangreicher und außerdem dicht bewachsen . Auch bis zu ihrer Oberfläche reichte keiner der Bäume herauf , und wenn es sich wirklich , wie ich mehr und mehr vermutete , um ein akustisches Geheimnis handelte , so gab es auf unserer jetzigen Höhe rundum keinen Gegenstand , durch den die Schallwellen hätten aufgefangen oder unterbrochen werden können . Hierauf stiegen wir wieder hinab . Wir waren mit diesem Teile des Kessels fertig und schauten einmal zur Höhe empor , ob es wohl möglich sei , unsern Pappermann zu sehen . Jedenfalls beobachtete er uns ; aber da er wahrscheinlich so klug war , sich nicht ganz vor an die Brüstung zu wagen , konnten wir ihn nicht entdecken . Nun begaben wir uns nach dem andern , dem dichter bewachsenen Teil der Ellipse . Ich steuerte da direkt auf die zweite Insel zu , hemmte aber gar bald meinen eiligen Schritt , denn ich stieß auf Spuren , doch glücklicherweise auf solche , die man gern , sehr gern zu sehen pflegt . Auch dem » jungen Adler « fielen sie auf der Stelle auf . Es sah fast so aus , als ob Kinder wiederholt durch die Him- und Brombeersträucher gebrochen seien . Wir waren zunächst still , aber als wir uns einmal rund um die Insel geschlichen hatten und nun wußten , woran wir waren , fragte ich : » Herzle , hast du Appetit auf Bärenschinken oder Bärentatzen ? « » Mein Schreck ! « antwortete sie schnell und sogleich erregt . » Gibt es etwa Bären hier ? « » Ja . « » Wohl gar Grizzlies ? « » Nein . So schlimm ist es nicht . Es ist ein ganz niederträchtig unschädlicher schwarzer Bär , der auf dem linken Hinterbeine hinkt . Er scheint einmal verwundet worden zu sein und hat sich also die Gefährlichkeit abgewöhnen müssen . Ich vermute in ihm einen leidenschaftlichen Vegetarier , der sich nicht die geringste Mühe geben wird , dir als Menschenfresser zu erscheinen . Er steckt hier droben auf der Insel . « » Da oben ? « Sie schaute empor und fügte sofort hinzu : » Du hast Recht ! Ich sehe ihn ! Da guckt er herunter ! Da , da ! « Sie zeigte mit der Hand hinauf . Da hob der » junge Adler « auch schon sein Gewehr . » Schießt nicht ; schießt nicht ! « bat sie . » Er macht ein gar zu liebes , albernes Gesicht ! « Aber ihr Wunsch kam zu spät . Der Schuß krachte . Die Kugel war in das Auge gezielt und drang direkt in das Gehirn . Der Bär hatte hart am Rande der Insel gelegen und , als er uns sah , eine Bewegung gemacht sich aufzurichten . Nun sank er wieder nieder , wälzte sich unter der Wirkung des Schusses einmal nach vorn und kam dann heruntergerutscht , um tot vor unsern Füßen liegen zu bleiben . » Wie schade , wie schade ! « meinte das Herzle . » Wir konnten ihn leben lassen ! « » Zu seiner eigenen Qual ? « fragte ich , indem ich ihn untersuchte . » Schau her ! Er war nicht verwundet , sondern er hatte das Hinterbein gebrochen , und da ihn keine Universitätsklinik aufnehmen wollte , so schleppte er es hinterher , bis ihn unsere Kugel erlöste . « » Aber gebrochene Beine esse ich nicht ! « erklärte sie energisch . » Ich auch nicht ! « stimmte ich ihr bei . » Sie müssen unbedingt erst eingerichtet und dann verbunden werden , natürlich in Gips . Hierauf spickt und bratet man sie , und dann werden sie gegessen ! « » Du bist ein lasterhafter Mensch ! « bestrafte sie mich , halb lachend und halb ernst . » Was wird nun mit dem Bär ? Ich trage ihn nicht hinauf , wo wir wohnen . « » So wird er von unserm Maksch geholt ! Er ist über vier Jahre alt und wiegt wohl einige Zentner , aber wir haben ja Maultiere , ihn zu tragen . Wir müssen Alles fortschaffen , dürfen nichts von ihm hier lassen , der Indianer wegen , die wir erwarten . Jetzt ziehen wir ihm den Rock aus . « Das ging sehr schnell . Der » junge Adler « half und zeigte sich als geschickt und sauber . Als wir das Wild dann wieder in sein eigenes Fell gewickelt hatten , setzten wir unsere unterbrochenen Nachforschungen fort . Auch hier führten Stufen hinauf , die aber von Ranken fast unwegsam gemacht worden waren . Zu beiden Seiten dieser Stufen gab es je eine große Steintafel mit ziemlich wohlerhaltenen Meißelarbeiten . Diese Tafeln waren jedenfalls erst dann angebracht worden , als das Bassin kein Wasser mehr hatte . Sie enthielten Abbildungen der Insel . Aus der ersten Tafel sahen wir eine männliche Figur , welche hinaufsteigen wollte . Auf der zweiten erschien oben ein schreckliches Ungetüm , welches diesen Kühnen verschlang , noch ehe er hinaufgelangt war . Also eine Warnung , die Insel zu betreten ! Warum das ? Es schien hier also doch Etwas vorhanden gewesen zu sein , was Niemand wissen durfte ! Wir kletterten hinauf . Oben angekommen , sahen wir , vom Gebüsch vollständig überwuchert , ein kleines , niedriges Gebäude , ungefähr einer Feldwächterhütte ähnlich , aber aus Steinplatten bestehend , sowohl die Wände als auch das Dach . Gleich daneben hatte sich der Bär sein Lager hergerichtet gehabt . Drinnen hätte er es wohl bequemer gehabt , aber er hatte nicht hineingekonnt , denn die Tür war zu . Sie ging in einer steinernen Standangel , die in den Platten selbst angebracht war . Wir öffneten . Die Hütte war leer , vollständig leer . Es konnten vier Personen da sitzen , mehr aber nicht . Für wen war dieses Häuschen bestimmt gewesen ? Etwa für den Lauscher ? Er saß hier versteckt und ungesehen . Auf der andern Insel aber gab es weder ein solches Häuschen , noch verbergende Büsche . Er konnte also alles sehen ; die aber , die er beobachtete , sahen ihn nicht . Eine weitere Entdeckung war auch hier oben nicht zu machen , und zwar aus dem sehr triftigen Grunde , weil es überhaupt weiter nichts gab . Wenn das Geheimnis , nach dem ich suchte , wirklich vorhanden war , so fußte es ganz gewiß nicht auf scharfsinnigen , raffinierten Komplikationen , sondern auf der außerordentlich schlichten Anwendung eines höchst einfachen Naturgesetzes . Ich war im höchsten Grade gespannt , hielt aber meine Gedanken jetzt noch geheim . Doch zögerte ich nicht , die entscheidende Probe zu machen . Ich bat meine Frau , mit dem » jungen Adler « nach der andern Insel zurückzukehren und sich dort auf den großen Stuhl der Häuptlinge zu setzen . » Wozu ? « fragte sie . » Es gilt eine Ueberraschung , welche ich dir bereiten möchte . « » Eine gute ? « » Ja , eine gute . Wenn es gelingt , wirft du dich freuen ! Oder willst du dich lieber schlimm überraschen lassen ? Das kann ich auch ! « » Nein ! Lieber gut ! Aber , muß es denn sein ? « » Ja ! Ganz unbedingt ! « » Du bist seit einiger Zeit so außerordentlich geheimnisvoll ! Hoffentlich ist das nur vorübergehend ! Ich werde gehorchen . « Sie entfernte sich mit dem Apatschen . Ich trat an den Rand der Insel und schaute ihnen nach . Ich sah sie beide über den Platz gehen , indem sie miteinander sprachen , bis an die » Kanzel des Teufels « . Sie stiegen hinauf . Ich muß sagen , daß ich mich in großer , sehr großer Spannung befand . Ich lauschte . Da erklang , nicht vor mir , also von da her , wohin ich schaute , sondern hinter mir die muntere Stimme meiner Frau : » Er ruht nicht eher ! Er wird es durchsetzen , hinter diese Ohr- und Kanzel-Sache zu kommen ! Ich kenne ihn ! « Sie standen jetzt Beide oben auf der Insel . Ich hatte das , was meine Frau sagte , erst von dem Augenblicke an gehört , an dem sie auf der Höhe der Kanzel erschienen waren . Ich sah sie stehen , aber nicht deutlich . Die Gesichter konnte ich nicht erkennen ; dazu war die Entfernung zu groß . Auch die Arm- und Handbewegungen waren für mich unsichtbar . Es trat nach dem letzten Worte eine Pause ein ; dann hörte ich das Herzle wieder : » Nein ; ich habe keine Ahnung . Er hat ja noch keine Zeit gehabt , es mir zu sagen oder gar zu erklären . « Aus diesen Worten war zu schließen , daß der Apatsche auch Etwas gesagt hatte , was meinem Ohre aber entgangen war . Wahrscheinlich stand ich falsch , nämlich so , daß mich die von seinem Munde ausgehenden Schallwellen nicht treffen konnten . Meine Frau war am Rande ihrer Insel stehen geblieben . So stand auch ich . Der » junge Adler « aber stand mehrere Schritte von ihr entfernt in der Mitte . Darum verließ auch ich den Rand und ging nach der Mitte zu . Die lag hier bei mir allerdings grad da , wo das Häuschen stand , also tief im Gesträuch , und es fragte sich also , ob dieses Gebüsch die Schallwellen nicht auffangen und unhörbar machen werde . Das geschah aber nicht . Denn kaum hatte ich das Häuschen erreicht , so hörte ich meine Frau viel deutlicher als vorher : » Leider habe ich noch keinen gebraten . Ich muß mich da also ganz auf Euch verlassen . Sind die Tatzen wirklich das Beste ? So delikat ? « Ganz ebenso deutlich hörte ich hierauf den jungen Apatschen antworten : » Ohne allen Zweifel ! Es gibt überhaupt nichts Delikateres ! « » Und müssen sie wirklich vorher so lange liegen , bis sie Würmer bekommen ? « » Eigentlich , ja . « » Pfui ! « » Warum pfui ? Man entfernt die Würmer . Man ißt sie doch nicht mit ! « » Aber sie waren doch da ! Das ekelt ! « » So wartet man nicht so lange ! « Da machte ich mir den Spaß , mit lauter Stimme dazwischen zu rufen : » Auf keinen Fall ! Man hat unbedingt zu warten , bis die Würmer da sind ! Dann werden die Tatzen gebraten ; die Würmer aber verfüttert man an die Rotkehlchen und Nachtigallen ! « Gleich sofort hörte ich das Herzle lachend sagen : » Das ist mein Mann , der Schalk ! Er ist uns nachgeschlichen . Wo steckt er denn ? « Ich vermutete , daß sie sich nach mir umschaute . Sehen konnte ich sie nicht mehr . Darum rief ich : » Hier bin ich - hier ! « » Wo denn ? « fragte sie . » Hier oben ! Bei Maksch Pappermann ! « » Scherz ! Sag es ernst ! « » Nun gut : Ich sitze da auf dem nächsten Baume ! « » Nichts als Allotria ! Nimm doch Verstand an , und sprich vernünftig ! « » Ganz wie du willst ! Der junge Adler mag in seine linke Westentasche greifen . Da stecke ich ! « » Uff , uff ! « rief der Genannte . » Jetzt weiß ich es , jetzt , jetzt ! « » Was ? « fragte sie . » Er ist gar nicht da , gar nicht hier ! Seine Stimme klingt bald von oben , bald von unten , bald von rechts und bald von links . Er steht noch da , wo wir ihn verlassen haben ; aber er hat die Fähigkeit entdeckt , uns seine Stimme bis hierher zuzusenden ! « » Sollte das wirklich sein ? « » Gewiß ! « » Dann wäre das wohl die Ueberraschung , von welcher er sprach ? « » Sehr wahrscheinlich . Ihr sagtet soeben , daß er nicht eher ruhen werde , als bis er hinter diese Ohr-und Kanzel-Sache gekommen sei . Nun kann er ruhen . Er hat es schon entdeckt ! « Da sprach ich hinein : » Er hat Recht . Ich ruhe ! « » Wo ? « fragte sie . » Hier auf meiner Insel . Ich stehe vor dem Häuschen . « » Wirklich ? Oder foppst du noch immer ? « » Nein . Jetzt bin ich ernst . Ich habe Bildung angenommen . Ich stehe wirklich hier am Inselhäuschen und höre euch ebenso gut , wie ihr mich hört . Das ahnte ich . Ich werde euch den Sachverhalt erklären . Ich schickte euch nach der andern Insel , um die Probe auf meine Vermutung zu machen . Sie ist gelungen . Sie stellt mich außerordentlich zufrieden , wirklich außerordentlich ! « » Wenn das so ist , wie du sagst , so gleicht es fast einem Wunder ! « rief sie aus . » Und ist doch ganz und gar kein Wunder , sondern nur die kluge , sorgfältige Anwendung eines einfachen Naturgesetzes . « » Da können wir doch von da aus , wo du jetzt bist , die Verhandlungen der Indianer belauschen ! « » Ja ! Vom Anfang bis zum Ende ! In aller Gemächlichkeit und Sicherheit ! Denke dir ! « » Hörst du mich denn wirklich ganz deutlich ? « » Genau so , als ob du hier bei mir stündest ! « » Ich dich ebenso ! « » Schön ! Aber machen wir trotzdem einmal eine Probe auf die Stärke oder Schwäche des Tones und auf den Punkt , auf dem man stehen muß , um ja kein Wort zu verfehlen ! « Auch diese Probe gelang sehr gut . Nur was geflüstert wurde , war nicht zu verstehen ; es klang wie ein Hauch , der keine Worte hat . Und wenn man laut rief , so rollte es fast wie Donner . Man konnte fast darüber erschrecken . Dabei ging die Deutlichkeit um einen Teil verloren , doch nur um einen sehr geringen . Aber Alles , was zwischen diesem Flüstern und diesem Donnern lag , klang genau so , als ob man sich nicht an zwei so entfernten Punkten , sondern an einem und demselben Orte befände . Schließlich machte das vorsichtige und stets sichergehende Herzle den Vorschlag , unsere beiden Positionen einmal zu vertauschen . » Du kommst hierher nach meiner Insel , und ich komme nach der deinen , « sagte sie . » Unterwegs treffen wir einander . Du aber legst irgend Etwas , was ich dir jetzt sage , in das Häuschen hinein , damit ich mich überzeuge , daß du dich jetzt wirklich dort befindest . « » So glaubst du jetzt immer noch , ich scherze ? « » Nein , denn hier bei uns bist du nicht , auch nicht in unserer Nähe . Wir würden dich sehen . Aber ich verstehe von Eurer Akustik und Euren Naturgesetzen so wenig , daß ich nur meinen Augen trauen kann , nicht aber der Wissenschaft oder gar deinem Schalk im Nacken ! « » So sag , was soll ich herlegen ? Meine Uhr , mein Messer ? « » Nein , sondern etwas Poetisches ! « » Nun , was ? « » Einen Liebesbrief ! « » Oho ! An wen ? « » An mich natürlich . Es ist ja keine Andere da . Nimm also ein Blatt aus deinem Notizbuche , und schreibe darauf , was ich dir jetzt diktiere ! « » Gut ! Das Blatt ist da , der Bleistift auch . Nun sprich ! « Sie diktierte Folgendes : » Mein teures Herzle ! Ich liebe Dich und bleibe Dir treu bis in den Tod . Zu Deinem nächsten Geburtstage bekommst Du fünfzig Mark für das Radebeuler Krankenhaus . Ich halte Wort und unterschreibe es mit meinem eigenen Namen ! « » Nun unterschreib aber auch ! «