nun ging es den Weg zurück , den wir gekommen waren . Im Dorfe drunten , am Mummelbach , wo die Pferde harreten , nahmen wir rasch ein Mittagsmahl und , nachdem der Offizier Verstärkung seiner Mannschaft requiriert hatte , schwangen wir uns in den Sattel und trabten gen Wasenstein . Die Sonne sank glutig hinter die Wälder , als wir vor dem Burgtor anlangten . Die Zugbrücke war hochgezogen , aus den Schießscharten lugten Musketen , und des Vogtes Stimme rief barsch : » Was ist euer Begehr ? « - » Obacht ! « gebot der Offizier ; » laß Er augenblicklich die Musketen einziehen und die Zugbrücke fallen . Befehl des Herzogs von Friedland ! Wer nicht gehorcht , soll büßen . Morgen reiset Seine Altezza unter starker Bedeckung nach Bayern und kommt hier nahe vorbei . Drum verständig , Herr Burgvogt ! Öffne Er das Tor . Hier bringen wir auch den Goldmacher . « - Nach etlichem Schweigen kam des Vogtes Antwort : » So Ihr den Goldmacher wiederbringet , sollet Ihr willkommen sein . « Und nieder ging die Zugbrücke , das Tor ward aufgetan , wir ritten hinein . Ich tat einen Jauchzer hinan zum Fenster der Jungfer Thekla . Ohne Verzug ordnete der Offizier ihre Freilassung an . Dem Vogte half kein Protestieren . Als aus ihres Gefängnisses Türe die Geliebte mir entgegen trat , frohes Hoffen im Auge , da stürzte ich wortlos zu ihren Füßen und konnte nichts tun , als ihre Hand immer nur küssen und glückselig aufschauen . Wir zögerten nicht , uns in die Freiheit zu begeben , und nur geringe Habe ließ die Jungfer durch Marianka zu einem Bündel schnüren . Verstohlen tat sie Goldstücke in meine Hand und flüsterte : » Nun rasch ins Weite , belohn Er die Soldaten ! « Allsogleich nahm ich den Offizier beiseite und bat ihn , fünf Dukaten anzunehmen . Wolle er uns mit seinen Leuten nach Tannwald geleiten , so werde sich die Jungfer Gräfin durch eine weitere Gabe erkenntlich zeigen . Das war der Offizier zufrieden , hatte auch nichts dawider , daß ich von den Soldaten für mich einen Karbiner , für Thekla ein Pistol kaufte . Sogleich bestiegen wir die Rosse . Thekla setzte sich hinter mich und schlang ihre Arme um meine Brust , während ein Soldat Marianka zu sich nahm . So ging es zur Burg hinaus in den Wald , auf den sich die Abenddämmerung senkte . Ohne Säumen verfolgten wir unser Ziel , und in leiser Zwiesprach überlegte ich mit Jungfer Thekla , wie zu reisen für uns das Ratsamste . Tat den Vorschlag , in Tannwald die Soldaten zu beurlauben und uns daselbst drei Pferde zu beschaffen . Da nämlich zu erwarten , daß der Vogt uns nachsetzen werde , so galt es , unsere weitere Spur zu verbergen . Es durfte niemand erfahren , wohin von Tannwald unsere Reise ging . Die Jungfer Gräfin stimmte meinem Plane bei , änderte ihn jedoch in einem Punkte ab : » Marianka muß in Tannwald bleiben . Sie kann das Reiten nicht vertragen und ist bereits jetzt dem Hinfallen nahe . Übrigens hat sie einen Bruder in Schwarzbrunn wohnen und wird froh sein , so wir ihr keine weitere Reise zumuten . Später einmal , wann ich eine ruhige Stätte gefunden , mag sie zu mir kommen . « Nach dieser Verabredung taten wir . In Tannwald belohnten wir den Offizier und die Soldaten und ließen sie heim reiten , während wir von einem Gastwirte für gutes Geld zwei Pferde kauften , mit der Angabe , wir wollten über Gablonz nach Kursachsen reisen . Selbiges sagten wir auch Marianka und rieten ihr , im Gasthause zu übernachten , andern Tages aber ihren Bruder aufzusuchen . Da ihr die Jungfer Gräfin reichlich Geld gab , so war die gute Dienerin zufrieden , wiewohl sie unter Tränen und Schluchzen vom Fräulein Abschied nahm . Nach einem kurzen Ritte in der Richtung von Gablonz bogen wir rechts in den Wald und fanden im Mondschein einen Pfad , der gen Weisbach führte , lenkten indessen gleich darauf wiederum ab , und zwar gen Morgen . Zween Bäche überschritten wir und kamen an den Kleinen Iser . Hier hatte mich vor drei Jahren das Waldvöglein gewarnet . Zur Linken lag der Wälsche Kamm . Wald dunkelte auf beiden Seiten . Wir waren zum Hinstürzen müde und schwiegen . Einmal hielt ich mein Pferd und des Fräuleins Pferd an ; Hufschläge glaubte ich hinter uns gehört zu haben , es war aber nur der Widerhall unseres Trabes . Der Nachthauch raunete durch die Tannen , fernes Gewässer rauschte , manchmal schrie eine Eule , auch Wölfe hörten mir bellen . Als der Tag graute , waren wir unweit der Abendburg , trabten ins Weißbachtal und langten beim Lodern der Morgenröte vor Preißlers Glashütte an . Unterwegs hatten wir verabredet , Frau Preislerin zu bitten , die Jungfer bei sich aufzunehmen . In Oheims Haus konnte sie nicht gut wohnen , weil er kein eigen Gemach für sie besaß , auch aus dem Grunde , weil jegliches Aufsehen in der Nachbarschaft vermieden werden mußte . Es traf sich gut , daß bei unserer Ankunft die Preislerin gerade allein vor ihrem Wohnhause war , das Gärtel begießend . Trotz des Bartes , der mir gewachsen war , erkannte sie mich wieder , wobei sie einer traurigen Rührung unterlag , im Angedenken an ihre selige Elfriede . Als ich mein Anliegen vorgetragen und für die Jungfer um Schutz gebeten hatte , war die gute Frau gern bereit und traf sofort Anstalten , ihren Gast zu beherbergen . Es sei ihr eine Herzensfreude , sagte sie , einer Landsmännin beizustehen , die gleich ihr des evangelischen Glaubens halber aus Böheim habe flüchten müssen , und sie wolle das Fräulein ansehen wie ihre eigene Tochter . Wir bedankten uns und machten miteinander aus , die Jungfer solle für eine Prager Verwandte der Familie Preisler ausgegeben werden , ich aber sogleich weiter reiten und vor den Nachbarn verschweigen , was sich mit mir und der Jungfer begeben hatte . Wir bedachten , daß der Graf Slawata vielleicht unsere Spur verfolgen lasse . Mein Pferd blieb , wie das der Jungfer Gräfin , bei Preislers , die einen Pferdestall besaßen . Ohne daß mich bisher , außer der Preislerin und ihrem Sohne , jemand gesehen hatte , ging ich zu Fuß über den Hüttberg ins Tal des Böhmischen Furt und begrüßte mit stillem Jubel des Oheims Häusel . Der alten Beate , so ebenfalls die Blumen begoß , jauchzete ich unter Schwenken des Hutes zu . Sie hub die Hände hoch und eilte ins Laboratorium , aus dem sie gleich darauf nebst dem Oheim kam . Er eilte mir entgegen und drückte mich schluchzend an seine Brust . In der Balkenstube gab ich kurzen Bericht von meinem Schicksal und bat , den Nachbarn nichts davon zu sagen . Zum Umfallen matt , legte ich mich schlafen und erwachte erst bei sinkender Sonne . Als ich genauer die Begebenheiten erzählt hatte , war es mir lieb , zu vernehmen , daß meine Ankunft von den Nachbarn nicht bemerkt war , und daß keine Rede über den Gast bei Preislers ging . Absichtlich unterließ ich in den nächsten Tagen einen Besuch bei Preislers . Wie ich schließlich hinging , wäre ich beinahe dem Unheil in die Fänge gelaufen . Bewaffnete Reiter kamen mir entgegen , und ich wußte sofort , es seien meine Verfolger , da ich unter ihnen den Vogt erkannte . Sprang also vom Wege ins Gebüsch und barg mich hinter Felsenblöcken . Ich war nicht bemerkt worden und hörte die Rosse vorüber trappen . Hierauf schlich ich auf versteckten Pfaden zur Glashütte . Beim Wohnhause traf ich die Preislerin , die ein erschreckt Gesicht machte und mich in die Stube zog . Drinnen war Thekla mit dem Schnüren eines Bündels beschäftigt . » Ihr beide müsset auf der Stelle fort , « sagte die Preislerin ; » eure Feinde sind gekommen , und wiewohl ich sie auf eine falsche Fährte gelockt habe , können sie jede Stunde zurückkehren . Also begebet euch in einen Schlupfwinkel des Waldes , bis die Gefahr vorüber . « Und die Frau erzählte , wie soeben ein Trupp Dragoner vor ihrem Hause Halt gemacht und nach dem Häusel des Laboranten Tilesius , auch nach zween Reisenden aus Böheim gefragt habe , so vor fünf Tagen nach Schreiberhau gelangt seien . » Ich habe « , berichtete Frau Preisler , » in ruhigem Ton erwidert , ein Mann und eine Jungfer seien allerdings hier vorbeigekommen , einen Tag beim Laboranten Tilesius verweilet und gen Hirschberg weiter gereiset . Gleich nachdem die Soldaten fort waren , hab ich durch einen Knaben ein Briefel an den Kräutertobias gesandt , ihn von meiner Ausrede in Kenntnis zu setzen , damit er sie bestätige . Hoffentlich werden sich die Reiter täuschen und nach Hirschberg locken lassen . Aber wer weiß , vielleicht mißlingt meine List , und die Reiter kehren zurück . Drum machet , daß ihr fortkommet . Flüchtet in die Abendburggrotte , allwo ihr tagelang hausen könnet . « In dem Bündel , das Thekla geschnüret hatte , befand sich ein Vorrat von Brot und Fleisch , auch eine Flasche Wein . Ich holte mir einen Spieß , und Thekla waffnete sich mit dem Pistol , das sie den Soldaten abgekauft hatte . Unbemerkt ging ich zum Walde , bald darauf kam Thekla nach . Als wir das Dickicht hinter uns hatten , durften wir aufatmen , da fürs erste nichts zu befürchten war . Während wir nun bergan stiegen , sagte ich der Jungfer , was Sehnsucht ich in diesen Tagen nach ihr empfunden habe , und daß ich sie schützen wolle bis zu meinem letzten Blutstropfen . Thekla blieb stehen , drückte innig meine Hand und schaute mir ins Auge mit einem dankbaren Blicke , der wie süßer Feuerwein durch meine Adern rann . Ich wählte den Weg über den Weißen Flins , um nach einer Wasserlache zu sehen , die früher dort gewesen , und deren wir zum Trinken bedürfen konnten . Auf den Flinsblöcken , so gleich Schnee schimmerten , hielten wir Rast und schauten hinunter ins waldige Tal des dumpfrauschenden Queißflusses . » Ach hochgebornes Fräulein , « seufzte ich , » wollet mir eröffnen , ob Ihr anoch gesonnen seid , mich bei Euch zu behalten . Da wir mitsammen gefangen saßen , habet Ihr geäußert , ich solle Euch zu Eurer Schwester begleiten . Wie dünket Euch jetzo ? Es ist wohl an der Zeit , daß wir beraten , wie es künftig mit uns beiden werden soll . Was mich bekümmert , will ich nicht hehlen : Das Fräulein ist eine Gräfin , Ihr Johannes aber niedrig geboren und arm . « Thekla schwieg . Da kam ein Rabe geflogen , setzete sich auf einen weißen Block und krächzete : Rah ! rah ! rah ! Lächelnd sprach die Jungfer : » Hört Er ' s nicht , Johannes ? Dieser Vogel ruft vernehmlich : Wag ' s Knab , wag ' s ! Anderes weiß auch ich nicht zu raten . « Diese Worte erweckten in meiner Brust einen schäumenden Mut . Ich sprang auf , nahm den Spieß in die Faust und schleuderte ihn mit voller Kraft nach einer Tanne , daß er bebend im Stamme stecken blieb . » Recht so ! « rief die Jungfer frohen Blickes an meiner Seite . Wir gingen nun auf schmalem Bergesrücken über wirre Blöcke durch Tannendickicht zur Abendburg , die wir bei Sonnenuntergang erreichten . Ich fand den Ort so , wie er in meiner Erinnerung stund - nur daß zu meiner Knabenzeit der Felsen größer erschienen war . Ich wies der Jungfer Gräfin das Flinsgestein im schwarzen Granit , das Giacomini eine weiße Pforte genannt hatte , und sprach : » Hier ist die Stätte , wo ich vor zwölf Jahren jenen Schatz heben wollte , so mir zigeunerische Weissagung verheißen . Ein Schatz von Golde ist mir nicht worden - so mag es ein Schatz der Herzenskammer sein , und den kann mir keine andere Magie verschaffen , als des hochgeborenen Fräuleins Gnade . « - Thekla schüttelte freundlich das Haupt und erwiderte leuchtenden Auges : » Der Zauberspruch , diesen Schatz zu heben , lautet : Wag ' s Knab , wag ' s ! « Da war es nicht mehr die Abendburg , was düster und hart vor mir ragte , sondern mein Schicksal , und ich ward inne , daß ein rechtes Sonntags- und Johanniskind den Felsen des Schicksals in ein gülden Schloß umzuwandeln weiß . Ernsthaft nickte ich der Jungfer zu . Ich kletterte nun zur Grotte hinan und kroch in die Öffnung , die einem Menschen das Durchschlüpfen verstattete . Kaum war Thekla ebenfalls eingedrungen , so kam aus einem Felsenwinkel ein Knurren wie von einem Hunde . Den Spieß gezückt , starrte ich hin . Wie mein Auge der Dunkelheit gewöhnt war , sah ich funkelnde Augen und dunkle Körper . » Junge Wölfe sind es ! « rief ich und wollte eben zustoßen . Aber Thekla hielt mir den Arm : » Wenn es bloß junge sind , so mögen sie am Leben bleiben . « - » Es sind Raubtiere . « - » Aber sie haben eine Mutter . « - » Die wird gleich kommen , « gab ich zu bedenken . - » Gerade deshalb , « erwiderte Thekla ; » wenn sie ihre Kinder nicht findet , wird sie die Grotte grimm umlauern . Wir wollen lieber die Wölflein hinaussetzen . « Dieser Rat leuchtete mir ein , behutsam näherte ich mich dem Wolfsnest , packte eins der Tiere am Genick und setzete es zur Öffnung der Grotte hinaus . So verfuhr ich auch mit den übrigen . Schließlich kroch ich ebenfalls hinaus und trug die jungen Wölfe weiter weg . Dürre Äste brach ich hierauf von den Tannen und schleppte etliche Arme voll in die Grotte , damit wir Feuer machen konnten . Nachdem ich die Öffnung durch eingezwängte Steine verschlossen und das Holz entzündet hatte , setzeten wir uns ums Feuer und öffneten das Bündel , uns durch Speise und Wein zu erquicken . Auf ihren Wunsch berichtete ich der Jungfer alles , was ich von der Abendburg wußte . Sowohl die Mären , die unter den Gebirglern umgingen , als auch die Schatzbeschwörung , der ich als Knabe beigewohnt hatte . » Ich will Ihm seine Erzählung durch eine andere vergelten , « sprach die Jungfer , » will berichten , was für Bewandtnis es mit dem von mir gedeuteten Ruf des Raben hat . Nach ihm benennet sich das ritterliche Geschlecht der Wachsknapp , dessen Begründer ein Freund meines Oheims gewesen . Dieser Mann war unedler Abkunft und ein einfacher Glasmacher namens Spiller . Wie er einmal eine Hucke mit Glaswaren durch den Wald trug , wollten ihn Wegelagerer berauben . In diesem Augenblicke schrie ein Rabe , und es deuchte unsern Spiller , er rufe ihm zu : Wag ' s Knab , wag ' s ! Gefaßten Sinnes bat er die Räuber , sich zu gedulden , bis er seine Hucke hingesetzt hätte , damit die Gläser nicht zerbrochen würden , alsdann würde er geben , was er zu geben imstande . Kaum hatte er die Hucke abgetan , so wischte er mit seinem Stocke dem einen Plünderer eins aus , daß der gleich hinstürzte . Der andere bekam einen Tritt in den Bauch und ließ sein Schwert fallen . Dies griff Spiller auf und stach beide Feinde tot . Nebst seinen Gläsern brachte er auch noch gute Beute heim , den Wegelagerern abgenommen . Dies Abenteuer , vor allem des Raben seltsamer Zuruf , weckte ihm kühnes Sinnen und Unternehmen . Durch seine Beute in den Stand gesetzt , soldatisch Rüstzeug zu kaufen , nahm er kaiserlichen Kriegsdienst , brachte es in Ungarn zum Offizier , ward Oberst eines Reiterregiments und der Gemahl eines gräflichen Fräuleins . Vom Kaiser in den Ritterstand erhoben , nannte er sich Spiller von Wachsknapp . Aus dieser Begebenheit mag mein Johannes ersehen , was aus Ihm noch werden kann , so Er , dem Spiller gleich , des Raben Zuruf beherziget . In diesen Kriegsläuften ist ja morgen oben , was heut unten war . Da Er mich nun befraget , was mit uns beiden werden soll , so proponiere ich : Begleit Er mich zu meiner Schwester ; mein Schwäher Falkenberg , in König Gustavi Diensten , wird Ihn willkommen heißen . Vielleicht , daß mein Johannes ebenfalls in schwedische Dienste tritt und beherziget , was hinfüro seine Losung sei : Wag ' s Knab , wag ' s ! « Auf hartem Lager suchten wir den Schlaf , nachdem ich für Theklas Haupt eine Art Pfühl zurecht gemacht . Mich wollte keine Ruh begnaden , da ich fortwährend den düstern Felsen meines künftigen Geschickes ungeduldig beschwur . Nach kurzem Schlummer ward auch Thekla unrastig , weil draußen Wolfsgeheul anhub . Die Eltern der Tiere waren gekommen und witterten Menschen . Es klang , als heule eine ganze Meute von Hunden . Ich war versucht , Theklas Pistol auf die Tiere abzubrennen ; doch Thekla meinte , ich werde in der Finsternis nichts ausrichten und solle lieber das Pulver sparen . Seltsam war die Nacht , die wir verbrachten . Bald wechselten wir Worte miteinander , bald sank das Fräulein in Schlaf , bald nickte auch mein Haupt auf die Brust . Doch fuhr ich empor , weil die Tiere kläfften und winselten , griff nach des Fräuleins Hand und drückte sie zärtlich . Nun gaukelte die Phantasei das Schloß der Abendburg vor meine Sinne , die Fenster sah ich gleißen und drang durch die weiße Pforte ins Gewölbe , wo Gold wie Tannenzapfen hing . Dann war ich auf der Burg Wasenstein und hörte das wundersame Harfen . Immer von neuem aber fuhr ich empor , wann das Geheul wieder losging . Doch der Morgen verscheuchte die Bestien , und als ich die Steine von der Öffnung tat , lachte im Sonnenscheine der Bergwald . Kaum hatten wir die Höhle verlassen , so scholl fern ein Ruf . Anfangs beunruhigt , vernahm ich , daß es der Oheim war , der meinen Namen rief . Ich antwortete , und der Oheim brachte den Bericht , die Luft sei rein , da unsere Verfolger sich hätten nach Hirschberg locken lassen . Wiewohl die geliebte Jungfer Thekla zugesagt hatte , mich bei sich zu behalten , kam es nun doch zu einer zeitweiligen Trennung . Barbara Agnes , des Herrn Schaffgotsch Gemahlin , an die sich Thekla brieflich um Beistand gewandt , schrieb , sie möge zu ihr auf das Kemnitzer Schloß kommen , obzwar daselbst nicht für die Dauer ein Asylum zu erwarten sei . Dorthin wandte sich nun Thekla , von bewaffneten Dienern der Schaffgotschin geleitet . Es war Thekla insonderheit darum zu tun , ihre Schwester Elisabeth ausfindig zu machen . Ich blieb beim Oheim - unter stetem Sehnen nach der geliebten Jungfer . Schon verfärbte sich das Birkenlaub , als ich folgenden Brief erhielt : » Wiewohl noch weiter in die Ferne verzogen , hoffe ich doch , in wenigen Wochen meinen treuen Johannem wiederzusehen , wofern er nämlich noch gesonnen , mir zur Schwester Elisabeth zu folgen . Diese Zeilen schreibe ich aus Dresden , wo ich im Hause einer böhmischen Emigrantin Zuflucht gefunden habe . Bei der Schaffgottschin mochte ich nicht länger bleiben , da ihr Mann Gefahr lief , dem Grafen Dohna und anderen Herren , die ihn feindselig umlauern , Anlaß zur Beschwerde bei Hofe zu geben , indem er der Tochter des Rebellen Schlick Unterschlupf verstatte . Übrigens ist die Schaffgotschin krank und wird wohl sterben . In Mannskleidern bin ich mit dem Kemnitzer Schloßhauptmann nach Dresden gereist , wo ich unter dem Namen Junker Jaroslaus bei der Wittfraue des edeln Herrn Selnicki lebe und für ihres Bruders Sohn gelte . Gestern nun ist Nachricht von meiner Schwester aus den Niederlanden eingetroffen . Ihr Mann , Dietrich Falkenberg , des Schwedenkönigs Gustavi Hofmarschall , gehet auf Befehl seines Herrn nach Magdeburg , und Elisabeth will ihn begleiten . Das Erzstift Magdeburg , mit dem Kaiser völlig zerfallen , hat ein Schutz- und Trutzbündnis mit König Gustavo geschlossen . Er kommet den Evangelischen in Teutschland zu Hülfe und soll ein schlagfertig Volk zusammenhaben . Unsere gute Sache wird siegen . Zwar tritt der ligistische Tilly den Schweden und Magdeburgern entgegen . Die kaiserische Armada aber muß zerfallen , da ihre Seele , Wallenstein , ausgetrieben ist . Diesen bisherigen Generalissimum hat der katholische Fürstentag zu Regensburg dem Kaiser verleidet . Auf daß nun der Kaiser nicht in neue Angst gerate und etwa gar am Wallenstein festhalte , hat man ihm die Schwedengefahr als eine Winzigkeit hingestellt . Wie die Botschaft anlangte , Gustavus werde einfallen , war die jagdlustige Majestät im Begriff , wieder einmal Dianen zu huldigen , und ließ sich nicht davon abbringen , indem sie achselzuckend sprach : Haben wir halt ein Feindel mehr ! - Oh du leichtsinniger Ferdinand , wirst das Feindel noch anders einschätzen lernen . Dem Helfer aus Mitternacht jubeln die Magdeburger zu . Mein Schwäher aber wird als oberster Kommandant Magdeburgs Verteidigung leiten . Da beut sich meinem Johanni Gelegenheit , seinem Vaterlande und dem evangelischen Glauben , zugleich auch Seiner Freundin gute Dienste zu leisten . Entscheide Er sich nun : Will Er mich nach Magdeburg bringen und ein Soldat Falkenbergs werden ? Voller Hoffnung harre ich des Bescheides . Sollte Er ihn in eigener Person bringen , so wird Ihn froh willkommen heißen Seine Ihm gewogene Thekla . « Mit Jubel erfüllte mich dies Schreiben , und ich eröffnete dem Oheim , daß ich unverzüglich nach Dresden und dann nach Magdeburg reisen wolle , meine Vaterstadt gen die Papisten zu verteidigen . Des Oheims trübselige Einrede und Beatens Zähren änderten nichts an meinem Entschlusse . Nachdem ich von Preislers Abschied genommen , holte ich aus ihrem Stalle das in Böhmen gekaufte Pferd . Vom Gelde , das mir die Jungfer Gräfin eingehändigt , ließ ich einen Teil beim Oheim , auch die drei gekreuzten Dukaten , so ich als Andenken an meine seligen Eltern bisher im Wamse getragen . Nebst meinem Tiere reisefertig , auch mit Waffen und Zehrung versehen , gab ich in der Morgenfrühe meinen Lieben Umarmung und Valet und ritt übers Isergebirge . Andern Tages gings durch die Lausitz , und schon am dritten Abende langete ich zu Dresden an , stellte mein Pferde in einem Gasthause ein und suchte klopfenden Herzens die Wohnung der Frau von Selnicki . In seltsamer Verwirrung begrüßte ich die Jungfer Gräfin , die in männlichem Gewande , mit kurzgeschnittenen Locken einem schönen Knaben ähnlich war . Da ich zärtlich ihre Hand küßte , lächelte sie : » Ich bin jetzo der Junker Jaroslaus . « Unverzüglich wollten wir nach Magdeburg reisen , weil es von Tag zu Tag schwerer ward , in die von kaiserischen Völkern umschwärmte Stadt hineinzugelangen . Da Thekla alles zugerüstet hatte , so brachen wir gleich den nächsten Morgen auf , begleitet von den Segenswünschen der edeln Frau Selnicki . Wir kamen noch vor Abend bis Meißen und andern Tages nach einem zehnstündigen Ritte ins Brandenburgische . Zu Wittenberg fanden wir einen schwedischen Feldwaibel mit dem Anwerben von Söldnern für Magdeburg beschäftigt . Obwohl der Kurfürst Fremden keine Musterung in seinem Lande verstattete , konnten die schwedischen Werber ihres Amtes walten , weil Bürger und Bauern die Magdeburgische Sache begünstigten . » Vom Kaiser und der Liga « - so sagten sie - » ist nur Schlimmes zu gewärtigen . König Gustavus hingegen rettet vielleicht den evangelischen Glauben und unsern Kurfürsten dazu , zumal er ihm verschwähert ist . « Nachdem wir unsere Pferde in einer Herberge untergebracht hatten , begab ich mich zum Werber , der unter Trommelwirbel und Pfeifenklang den herbeigeströmten Gesellen das Laufgeld bot . Die bereits Angeworbenen hatten Tannenzweige auf die Hüte gesteckt und sprachen unter Johlen dem gespendeten Biere zu . Ich eröffnete dem Feldwaibel , auch ich wolle gern zur schwedischen Fahne , jedoch erst in Magdeburg , wohin ich meinen Herrn , einen böhmischen Junker , zu begleiten habe . » So kommet auf meinen Kahn , « sagte der Feldwaibel , » morgen früh fährt er abwärts mit meinen Rekruten . Nur auf der Wasserstraße gelanget man nach Magdeburg , ohne Gefahr zu laufen , von streifenden Parteien gefangen zu werden . « Diese Mitteilung brachte mich in Verlegenheit . Ich mochte die Jungfer Gräfin nicht unter trunkene Soldaten bringen , aber auch nicht der Feindesgefahr aussetzen . Schließlich machte ich mit dem Werber aus , daß ich mit meinem Junker möglichst weit zu Pferde reisen und erst zu Beginn des Magdeburgischen Gebietes den Kahn besteigen werde . Zum Treffpunkt bestimmten wir das Städtchen Aken , wo der Kahn am übernächsten Tage eintreffen und einen zweiten Rekrutentrupp aufnehmen sollte . Andern Tages ritt ich mit Thekla nach Aken , und nachdem wir daselbst übernachtet hatten , langte der Kahn mit den Soldaten an . Ich stellte dem schwedischen Feldwaibel meinen Junker Jaroslaus vor , und wir begaben uns nebst den neuen Rekruten auf den geräumigen Kahn . Da der Wind in die Segel griff und starke Strömung war , so hatten die Ruderer leichte Arbeit , hurtig flogen die Weidengebüsche , Wälder , Auen und Dörflein vorüber . Sonsten war unsere Reise nicht anmutig , dieweilen die Soldateska unaufhörlich Bier trank und johlte . Wiederholt mußte ich Kerle zurückdrängen , wenn sie meinem Junker zu nahe kamen oder Kameradschaft mit ihm trinken wollten . Hätte mich nicht der Feldwaibel in Schutz genommen , ich wäre in Streit mit den Söldnern geraten . Denk ich an diese Reise zurück , so klinget mir ein Lied vor den Ohren , das man auf dem Kahne wieder und wieder sang : » Ein Schifflein sah ich fahren , Kapitän und Leutenant . Darinnen waren verladen Zwei Fähnlein brave Soldaten . Kapitän , Leutenant , Fähnderich , Sergeant , Nimm das Mädel , nimm das Mädel , Nimm das Mädel bei der Hand - Soldaten , Kameraden ! « Über dem linken Ufer sank rot die Sonne nieder , als in der Ferne der Dom von Magdeburg auftauchte , und dann kamen wir an Buckau und Sudenburg vorbei . Eine Zähre im Auge , begrüßte ich die vaterländischen Gefilde und nennete meinem lieben Junker die Dörfer und die Insel Rotehagen . Böllerschüsse donnerten uns zum Gruße vom südlichen Rondell entgegen , und nun lag die Stadt in ihrer Breite vor uns mit Wällen , Mauern und Verteidigungstürmen , mit wimmelnden Bürgerhäusern und ihren zwanzig Kirchen , die düster in den gelben Abendhimmel ragten . Unter der Brücke fuhren wir durch , die von den beiden Hunden flankiert wird , wie der Volksmund zwei Geschütze wegen ihres Bellens und Beißens nennet . Von der Brücke und noch mehr vom Fischerufer jubelten uns die Magdeburger zu , während auf unserm Kahne gesungen ward : » O Magdeburg , halt feste , Du wohlgebauet Haus ! « Da mit dem Schwedenkönig ausgemacht war , die Soldaten hätten außerhalb der Stadtmauer zu quartieren , so mußten wir an der Altstadt vorbei und legten erst in der Neustadt an . Die Sehnsucht nach ihrer Schwester trieb Thekla , sich unverzüglich in die Altstadt zu begeben . Ich geleitete sie bis zur Hohen Pforte , wo ich nebst ihrem Ade einen innigen Dank empfing und dann zurückkehren mußte , dieweilen ich ja als schwedischer Rekrut keinen Einlaß erhielt . In einem Bretterhause mit dem angeworbenen Volk kampierend , fand ich wenig Schlaf , da mich der Kameraden Lallen und Schnarchen störte , und ich mit Betrübnis von neuem inne ward , wie doch das Fräulein Gräfin gar so weit von mir getrennet war . Allsogleich des andern Tages sind wir geworbenen Söldner im Angesicht der Neustädtischen Kirche versammelt worden und haben gemeiniglich zu ihrer schwedischen Majestät Fahne geschworen . Da hat uns der Oberste Falkenberg , ein fester teutscher Mann , vermahnt , hinfort wie zusammengeschmiedet Eisen stark und treu beieinander zu stahn und die evangelische Freiheit , insonderheit itzo die Magdeburgische Festung , unserm Schirm anvertrauet , allezeit aufrecht und mannlich zu verteidigen , wie es ehrliebenden Kriegsleuten gebühre . So es aber nicht anders sein könne , sei es preiswert , als redliche Mannschaft im Felde zu sterben für Gottes Ehre und unserer Nachfahren Libertät . Hierauf so sind wir abgeteilet , und ich bin nebst anderen Rekruten dem Hauptmann Urstedt und seinem Feldwaibel Otten zum Drillen übergeben worden . Zuvörderst haben wir unsere Wehr und Waffen empfangen , als Sturmhaube und Harnisch , Picke , Schwert und Zubehör . Wie unser Exercitium losgegangen , hat der Oberste Falkenberg vor meiner Kompagnie ausgerufen : » Rekrut Tielsch ! « Ich antwortete laut und rannte hin . Wie ich salutierend vor dem Herrn stund , blickte sein blaues Auge durchdringend , aber freundlich : » Ich danke Ihm , Tielsch , daß Er kühn und klug meine Schwäherin aus ihrer Gefangenschaft befreit und wohlbehalten hergebracht hat . Jungfer Thekla ist Ihm eine Fürsprecherin ; so Er nur zur Hälfte ihrer Lobsprüche würdig ist , wird aus Ihm ein tüchtiger Soldat und - wofern der Herrgott unser Leben erhält , ein Offizier . « - Solche Rede freute mich unbändig . Auf des Obersten Wink trat ich wieder in Reih und Glied . Hei , wie voller Valeur hab ich nun in meiner Kompagnie auf der Neustädtischen Schafweide Stechen , Hauen und Parieren , auch allerlei Finten geübt , ferner das feste Stillestehen , hurtige Laufen und Formieren nach den unterschiedlichen Befehlen und Hornsignalen . Schon die Woche