' schrieben hamm kunnt ? « » Warum it ? « antwortete Weiß . » Bals eahm o ' g ' schafft worn is ? « » Wer hätt ' eahm denn was o ' schaffen soll ' n ? Selbig ' smal hat do neamd was geg ' n mi g ' habt ? « » Du ko ' st scho lang ' schwarz sei und woaßt nix davo . Es gibt so Büacha , wo a jeder nei g ' schrieb ' n werd , dem ma ' r it traut . « » Dös san so G ' schichten , Flori . « » O mei , Schuller ! Dir geht scho a no amal a Liacht auf ! Was hab ' i dir denn g ' sagt , wia ma einag ' fahr ' n san ? Weil du allawei glaabt hoscht , du ko ' st um dei Recht streit ' n. Dös werst du g ' spannt hamm , wia de alle mitanand z ' samm ' spielen . Und da Held werd aa koan Ausnahm ' g ' macht hamm . Weil er net derfen hat . Dös is amal g ' wiß und wahr . « Der Schuller gab keine Antwort . Und der Bräundl zog grimmig an ; denn er hatte einen scharfen Hieb auf seinen breiten Rücken verspürt . Dreizehntes Kapitel Aber während sich jetzt in Erlbach das Unrecht ausbreitete wie die Kleeseide auf dem Felde , ging man anderwärts daran , Wucherblumen und Kletten und anderes Unkraut zu entfernen , damit das Recht ein freieres Wachstum haben sollte . Über Nacht war Nußbach ein Ort geworden , dem man Beachtung schenkte ; ein Ort , in welchem Ereignisse vorfielen , so bemerkenswert , daß alle Zeitungen darüber schrieben . Die einen ausführlich , die anderen sehr kurz . Aber kein Blatt überging sie völlig . Denn sie standen im Zeichen der hohen Politik . Waren Symptome beginnender Aufklärung oder Symptome der umsichgreifenden Zuchtlosigkeit . Je nachdem man sie betrachtete . Schüchel , Wimmer , Prantl . Wer kannte diese Namen ? Waren sie je in Gegenden gedrungen , wo keine Nußbacher Wegzeiger standen ? Kannte sie jemand außer den wenigen Menschen , welche zu Nußbach Kaisermehl kauften oder sich neue Absätze an die Stiefel schlagen ließen ? Und jetzt las man überall , daß sich eine politische Bewegung zeige unter der Leitung eines gewissen Wimmer und eines gewissen Prantl . Des Jakobos Prantl , welcher sich seines Ruhmes erfreute ; der auch bei kühler Witterung lange Stunden auf dem Marktplatze stand und die Augenbrauen so finster zusammenzog , als wolle er hier , just auf dem Flecke zwischen dem Sternbräu und dem Melber-Wimmerhause die neue Weltordnung aufrichten . Viele betrachteten ihn scheu und mit einem gewissen Grauen . Denn etwas Unheimliches haftet allen Menschen an , welche an den Grundfesten des Staates rütteln . In die Scheu mischte sich Ehrerbietung vor dem Manne , dessen Name in den Zeitungen stand und der solchergestalt über das bescheidene Maß eines Nußbacher Bürgers hinausragte . Und die Gestalt des grimmigen Schusters erinnerte die Nußbacher an den Lärm , mit dem die Welt angefüllt war , der nun auch in ihre stillen Behausungen drang . Der Vater trug ihn mit , wenn er vom Abendtrunke heimkam ; die Frauen brachten ihn aus den Läden , und wöchentlich dreimal hallte das bürgerliche Zimmer wider von Geschrei , wenn sich zwei Weltanschauungen im Wochenblatte und im Anzeiger gegenübertraten . Und das war seit der Vorbesprechung , welche die neuen Bauernbündler am 16. Dezember abhielten . Oder , um es genauer zu bestimmen , seit der Woche , welche diesem Ereignisse vorausging . Denn es wurde angekündigt und gepriesen , es wurde verlacht und verurteilt , schon vor es stattfand . Nie vorher hatte der Setzer des Herrn Adolf Schüchel so große Buchstaben in den Winkelhaken gesteckt als zu dieser Zeit . Es waren Buchstaben , welche der Bedeutung der Sache und den Worten des Jakob Prantl gerecht werden mußten . Buchstaben , welche sich fett und schwarz auf das Papier drängten und den Leser so ungestüm anschrien , daß ihm jeder Widerspruch in der Kehle hängen blieb . Sie waren von so gewaltigem Umfange , daß sie den Gegner erdrücken mußten , wenn er mit bescheidenen Lettern anmarschiert kam . Aber Hefele sah sich vor und führte den Kampf für das Christentum mit dicker Schwabacher Schrift . Und so konnte das Nußbacher Volk nicht mehr in beschaulicher Ruhe die Neuigkeiten der Woche überblicken . Es wurde gezwungen , seine Aufmerksamkeit von nichtigen Dingen abzuwenden , um zu erfahren , daß nun endlich die Morgenröte der Freiheit ihre bedenklichen Lichtstrahlen auf das dunkle Treiben des Zentrums werfe . Doch stand dies nicht mit Sicherheit fest , weil schon den andern Tag in den Nachrichten die Erwartung ausgesprochen wurde , daß jeder halbwegs gebildete Mensch sich durch die gemeinen Angriffe angeekelt fühle , welche nur schlecht verborgenen fanatischen Haß gegen die Kirche zum Untergrunde hätten . Auch dem Gefühl des Ekels durfte man sich nicht ungestört hingeben , denn die düstere Antwort des Wochenblattes sagte , daß der Schreiber jener Zeilen , welcher offenbar den Kreisen des Zentrums entsprungen sei , im alten Rom sicherlich als Volksfeind behandelt und vom tarpejischen Felsen hinuntergeworfen worden wäre . Wer mag es den Nußbachern verargen , daß sie ängstlich auf den Sturmwind horchten , der um ihre Häuser pfiff und an ihren Fenstern rüttelte ? Und dann kam der 16. Dezember . Ein winterlicher Sonntag von freundlichem Ansehen . Ein Sonntag wie so viele andere mit Messe , Hochamt und Predigt . Mit Frühschoppen im Gasthaus zur Post , gesottenen und abgebräunten Würsten , und Weißwein dazu . Mit einer gebratenen Gans zu Hause und einem Nachmittagsschläfchen . Aber von da ab veränderte sich der feiertägliche Lauf der Ereignisse . Der Spaziergang mit Weib und Kind unterblieb , der Tarock beim Unterbräu wurde nicht gespielt . Die friedliche Erholung war verdrängt durch erbitterten Kampf . Den Nachmittag um vier Uhr war der große Saal im Sternbräu dicht besetzt . In langen Reihen waren Tische und Bänke aufgestellt ; kein Platz war leer . Für die Honoratioren Nußbachs waren vor der Rednerbühne einige Tische reserviert ; hier saßen der Bürgermeister Huber und der alte Rentamtmann Zinkel . Neben ihnen der Amtsrichter Kroiß , welcher als eifriger Anhänger der ultramontanen Partei bekannt war . Er unterhielt sich lebhaft mit dem Abgeordneten , Dekan Metz , welcher heute nicht fehlen durfte . Man sah außer ihm noch manchen Herrn im geistlichen Habit ; meist behäbige Männer , deren Gesichtszüge mehr Gutmütigkeit als Fanatismus verrieten . Von den jüngeren hatte allerdings mancher die tiefliegenden Augen und blassen Wangen eines eifrigen Streiters . Der Pfarrer von Erlbach war nicht anwesend , und das wunderte viele . Neben Beamte und Geistliche hatten sich angesehene Bürger von Nußbach gesetzt , welche damit ihre Zugehörigkeit zum guten Publikum zeigen wollten . Weiter nach rückwärts drängten sich Mann an Mann die Bauern aus der Umgegend . Die Dorfschaften hielten sich zusammen ; die Giebinger , die Erlbacher , die Weblinger , die Leute von Schachach , Fahrenzhausen , Zillhofen , Aufhausen und Grubhof , die Prittlbacher , Arnbacher , Inzemooser und Vierkirchner . Und wie die Gemeinden sonst heißen mochten . Ein Kundiger bemerkte , daß auch die politische Meinung bei der Wahl der Plätze sich geltend gemacht hatte . Die schärfsten Feinde der bestehenden Ordnung hielten gute Nachbarschaft und saßen näher an der Tribüne . In den vordersten Reihen die Grubhofer und Arnbacher , mit dem Wanninger und Scheiblhuber in ihrer Mitte . Gleich hinter ihnen sah man das verwitterte Gesicht des alten Rädlmayer von Schachach und nebendran den breitschultrigen Stuhlberger und den Gottesleugner Meisinger von Giebing . Die argen Feinde des Dekans Metz , welcher den Einwurf seiner Fenster und andere üble Dinge nur diesen beiden zuschrieb . Unweit von ihnen saß der Hirner von Aufhausen . Er mußte durch fünf Dörfer wandern , ehedenn er nach Nußbach kam , und in jedem Dorfe gab er dem Wirte die Ehre und jedem Bescheid , der ihm zutrank . Deswegen glänzten seine Augen , und seine Stimme gellte durch den Saal , wenn er einen Bekannten grüßte . Von den Erlbachern war der Haberlschneider anwesend , auch der Zwerger , der Weßbrunner und der alte Florian Weiß . In den hinteren Bänken saßen die Leute , welche aus Neugierde gekommen waren , und keine Partei nehmen wollten . Auch wieder andere , die zu spät gekommen waren . Die meisten junge Burschen ; Kopf an Kopf standen sie in dichtem Gedränge , und immer polterten noch andere die hölzerne Stiege herauf und drückten sich mit groben Ellenbogen in den Saal . An zwei Wänden entlang lief eine hölzerne Galerie ; sie war so überfüllt , daß der Sternbräu ängstlich wurde und einen Teil der Leute herunterweisen ließ . Die vorne saßen und die Köpfe auf das Geländer stützten , hatten die besten Plätze . Darunter war einer , der seine schlauen Augen in alle Ecken schickte . Der Geitner von Erlbach . Im Saale war großes Lärmen . Die Leute unterhielten sich lebhaft miteinander ; einer schrie dem andern ein lustiges Wort zu , über drei Bänke hinüber , von unten zur Galerie hinauf und wieder herunter ; viele redeten zu gleicher Zeit , und keiner redete still . Aber durch alles Poltern und Lärmen und Schreien hindurch klang eine Stimme , so hell und scharf und in so hohen Tönen wie eine Trompete . Das war die Stimme des Hirner von Aufhausen . Auf der Rednerbühne saßen der überwachende Assessor Hartwig und die Einberufer , Schüchel , Wimmer und Prantl . Neben ihnen ein Bauer in grauer Lodenjoppe . Gesicht und Gestalt ließen sogleich erraten , daß er nicht aus dem Flachlande war . So hoch und gerade wachsen die Leute nicht , die hinter dem Pfluge hergehen . Er war aus den Chiemgauer Bergen , ein Ruhpoldinger , mit Namen Vachenauer . Seit einigen Jahren schon bekannt als rühriger Vertreter der Bauernsache , und wie man ihm nachrühmte , ein guter Redner . Viele betrachteten ihn mit großer Aufmerksamkeit , und der Rädlmayer sagte zu seinem Nachbarn : » Dös is der sell , über den die Geischtlichkeit so scharf eing ' ruckt is . Aber nachgeben tuat er gar it . Er versteht ' s glei besser , als wia ' r a Studierter . « Und der Hirner schrie über alle Köpfe weg : » Vachenauer , soll ' st scho glei leb ' n aa ! « Da schaute der Ruhpoldinger in den Saal hinein und lachte vergnügt . Der Assessor hatte schon mehrmals auf die Uhr gesehen , als sich nun endlich der Leiter der Versammlung , der Schuhmachermeister Prantl , erhob und mit einer Handschelle läutete . Der Lärm ging in ein Gemurmel über und verstummte allmählich . Man hörte noch , wie draußen auf dem Gange der Bierzapfen in ein Faß geschlagen wurde , und dann war es stille . Prantl räusperte sich und nahm ein Blatt Papier zur Hand . Er war kein geübter Redner , überdies ließen sich auch seine schön geformten Sätze nicht gut auswendig lernen . Und so las er sie ab : » Liebe Standesgenossen , Bauern und Bürger in Stadt und Land ! Allgemein herrscht das Bemühen , durch Vereinigung der gesammelten Kräfte aus dem Mittelstande der Allgemeinheit zu zeigen , daß sich der Zeiten Lauf geändert hat und nicht mehr mit Schweigen geduldet wird . Deshalb haben sich einige Männer aus dem Gewerbestande entschlossen , diese Versammlung einzuberufen , auf daß wir nach des Übels Quelle forschen können , welches den allgemeinen Wohlstand bedroht und gerade diejenigen Kreise in seinen Bereich zieht , welche bisher als die Säulen des Thrones in Betracht kamen . Daß Bauern und Gewerbe auf das regste zusammengehören , wird gewiß einer mit Menschenverstand nicht leugnen wollen . Geht es dem Bauern nicht gut , so wird dies auch bald der Städter empfinden . Es ist daher gleich , ob man vom Bauernstand oder vom Gewerbestand spricht ; beide stellen , verbunden miteinander , den Nährstand des Landes vor . Deshalb haben besorgte Männer den Entschluß gefaßt , gemeinsam zu operieren und zu diesem Zwecke alle einzuladen , welche sich für das Interesse des Mittelstandes tätig erweisen wollen . Ich eröffne hiermit die Versammlung und fordere Sie auf , einen Vorsitzenden zu wählen . « » Mir nehman an Schuasta , « schrie der Hirner , und andere schrien mit : » Jawohl ! Da Prantl ! An Schuasta ! « Da trat der Einberufer Wimmer vor und sagte , es scheine ihm , daß eine große Mehrheit den Herrn Prantl zum Vorsitzenden haben wolle . Wer dagegen sei , möge sich von seinem Platze erheben . Niemand stand auf , und der Amtsrichter Kroiß rief laut : » Das ist der passende Präsident für diese Versammlung ! « Jakobos Prantl erklärte , daß er die ehrende Wahl annehme , und daß er jetzt das Wort dem verdienten Manne und Bauernführer Peter Vachenauer erteile , welcher aus dem fernen Gebirge herbeigeeilt sei , um durch sein Wort der allgemeinen Sache zu nützen . Lauter Beifall erhob sich ; und der alte Rädlmayer warf in der Freude seines Herzens den Hut in die Höhe . Der Peter Vachenauer trat ein paar Schritte vor und wartete , bis sich der Lärm gelegt hatte . Fast alle Bergbauern verstehen es , vor der Öffentlichkeit ohne Scheu aufzutreten . Sie haben Lebhaftigkeit in der Bewegung und eine leichte Art zu reden . Rasche Auffassung und große Schlagfertigkeit ermöglichen ihnen , mit geringen Kenntnissen Wirkungen zu erzielen . Die größten naturgemäß vor schwerfälligen Ackerbauern , die nichts seltener besitzen , aber auch nichts höher schätzen als Rednergabe . Und die sie an niemandem mehr bewundern als an ihresgleichen . Darum konnte der Peter Vachenauer schon im voraus seines Erfolges sicher sein . Und er war es . Es lag viel Selbstbewußtsein in der Art , wie er vor den Leuten stand . Man sah deutlich , daß er die Wirkung jedes Satzes berechnete und sie absichtlich durch Schlichtheit des Ausdruckes steigerte , daß er Ruhe nicht nur besaß , sondern sie auch recht augenfällig zeigte , um hierdurch die Sicherheit seiner Überzeugung zu unterstreichen . » Grüaß Good , Landsleut ' ! « sagte er . » I muaß enk z ' erscht sag ' n , wer i bin . Denn wenn ma zu oan kimmt , von dem ma was will , is dös allererst ' , daß ma si z ' kenna gibt . Sunst hat der ander koa Vertrau ' n und denkt si , mit an Fremden hat ma koa Handelschaft . Und i will was von enk ; ös sollt ' s mir helfen , daß mir a Haus bau ' n , wo alle Bauern drin Platz hamm . Dös is a große Sach ' , und da muaß i enk sag ' n , wer i bin und was i hab ' , daß i enk zu so was auffordern derf , I bin nix , als wia ' r a Bauer ; und i hab ' nix als an kloan Hof und aa fünf Küah im Stall , und de paar Markln , de i mir dös ganz ' Jahr z ' ruckleg ' , trag ' i in d ' Sparkassa ; dös hoaßt , ins Rentamt . Da is dös Geld guat o ' g ' legt , und ma kimmt net in Versuachung , daß ma ' s wieda rausnimmt . « Lautes Gelächter lief durch die Reihen . Der Hirner schrie : » Dös is a Luada ! « » Aber an arm ' s , « sagte der Vachenauer . » Also , was i hab ' , is net viel , « fuhr er fort . » Aber zu dem , was i von enk will , braucht ma koa Geld , ma braucht bloß a Vertrauen . Und dös Vertrauen könnt ' s hamm ; net auf mi selber oder auf mi alloa , sondern auf alle , de dös nämliche wollen . Dös san viel Leut ' , und alle miteinander passen z ' samm und passen zu enk ; denn es san Bauern , g ' rad so wia ös . De Leut ' hamm mi herg ' schickt , daß mir amal mit anand reden und schaug ' n , ob mir bei enk net an Beistand finden . I moan , des sell kunnt leicht g ' schehg ' n. Was uns weh tuat , tuat enk net wohl ; was uns net paßt , dös mögt ' s ös net . Hamm mir die nämliche Krankheit , nacha muaß uns do des nämliche Mittel helfen . « » Das Mittel haben natürlich Sie , « rief der Amtsrichter Kroiß . » I alloa net , « sagte der Vachenauer . » I bin koa Dokta , i bin selber a Patient . Und desweg ' n woaß i , was uns fehlt , und woaß aa , daß der Dokta , den ma bis jetzt g ' habt hamm , nix wert is . Der hat si bloß allawei brav zahl ' n lassen und hat si net d ' rum kümmert , ob mir von oan Tag auf den ändern kränker wor ' n san . Der schlechte Dokta hoaßt Zentrum . « Stürmischer Beifall lohnte die schlagfertige Entgegnung . Der Hirner schrie : » Dem hoscht guat nausgeb ' n. Laß it aus ! « » De schlechte Erfahrung hat uns g ' scheiter g ' macht . Mir sag ' n jetzt , zu was sollen denn mir allawei andere für uns reden lassen ? Mir wollen amal selber sag ' n , was uns fehlt , und mir wollen ' s so laut sag ' n , daß ma ' s hört . Desweg ' n bin i zu enk herkemma . I will enk net helfen , wia der Herr da g ' sagt hat . So was kann i net versprechen , weil i alloa z ' schwach bin dafür . Na , i will nix anders , als enk auffordern , ös sollt ' s enk selm helfen . Wia soll dös der Bauer macha ? Ja , i moan halt , g ' rad so , als wia de andern Leut ' a. Dös is koa neue Sach ' , de ma erst ausprobier ' n muaß . Mir sehg ' n alle Tag ' , daß ' s de andern Ständ ' recht guat geht . De Herren Beamten , de Geistlichen . Warum is ' bei dena anderst « ? » Weil sie was gelernt haben , « schrie der Amtsrichter . » Dös glaab i net . Wenn bloß d ' G ' scheitheit zahlt wer ' n tat , nacha gang ' s viele schlecht . Es hamm ' s aber alle gleich guat . Dös hat scho a andern Grund . Weil de meisten im Landtag drin Beamte und Geistliche san , und de machen ' s so , daß eahna selber guat geht , und ma hoaßt dös : Aufbessern . « » Wo und wann sind die Geistlichen aufgebessert worden ? « rief Kroiß , und der Dekan Metz sagte mit seiner fetten Stimme : » Das ist eine offenbare Lüge ! « Vachenauer ließ sich nicht aus der Ruhe bringen . » Vorderhand san amal de Beamten auf ' bessert wor ' n : de wer ' n nacha scho helfen , daß de geistlichen Herrn aa ' r an Brocken kriag ' n. « Der Amtsrichter sprang auf und fuchtelte mit den Armen : » Wo und wann sind die Geistlichen aufgebessert worden ? « Diese Heftigkeit mißfiel den Leuten , am meisten dem Hirner : » Halts Mäu , du Herrgottsackerament ! « schrie er , und viele schrien es nach . » Mäu halt ' n ! « Ein junger Knecht , der auf der Galerie saß , dachte , hier könne man einmal der Obrigkeit eines auswischen . Er steckte vier harte Finger zwischen die Zähne und pfiff so laut er konnte . Ein paar andre machten es nach . Da läutete Prantl und sagte , man müsse nun wieder auf den Redner hören . Als es ruhiger wurde , erhob sich im Saale ein alter Mann und meldete sich zum Worte . Das ginge jetzt nicht , sagte Prantl , einer nach dem andern , und vorläufig rede der Vachenauer . Aber der Alte ließ sich nicht abweisen . Er wolle bloß sagen , indem der Amtsrichter gar so zornig getan habe , er wolle bloß sagen , daß die Beamten und die Geischtlichkeit aus einem Sack spielen . Und damit setzte er sich wieder . Es war nämlich der Florian Weiß . Endlich kam der Vachenauer wieder zum Reden . » Schaug ' n mir amal an Landtag o , wer sitzt da drin ? Da Herr Dekan , da Herr Stadtprediger , da Herr Kaplan . Auf oan Bauern treffen drei Pfarrer . « » Übertreibung ! Geschwätz ! « schrie Kroiß . » Da muaß ma frag ' n , « sagte Vachenauer , » gibt ' s denn in Bayern lauter Mesner und Ministranten , daß so viele Geistliche g ' wählt wer ' n ? Na , Landsleut ' , mir Bauern wählen de Herr ' n. Und was is der Dank ? Natürli , solang ' ma unsere Stimma braucht , san mir dös biedere Landvolk hinum und herum ; alles , was wir wollen , is recht , und nix ist z ' viel . Wia s ' aber d ' rin san , im ersten Augenblick is all ' ssamt vergessen . Dös is net oamal g ' schehg ' n , na ! Oft , und allemal wieder . Beim Viehhandel is der Bauer net so dumm . Da laßt er si höchstens oamal über d ' Ohren hau ' n ; aber wenn eahm der nämliche Händler mit dem nämlichen Schwindel zum zwoatenmal kimmt , nacha schmeißt er ' n außi . Aba in da Politik ! Sagt ' s amal selber , hamm mir uns da net allawei aufs neue zum Narren halten lassen ? « - » Wahr is ! « sagte der Rädlmayer . » Da Metz is scho dreimal g ' wählt wor ' n. « » Und allemal hat er ins o ' g ' schwindelt , « schrie der Stuhlberger . Der päpstliche Hausprälat kannte die Stimme seines Feindes und suchte ihn mit zornigen Augen . Aber der Stuhlberger ließ sich nicht einschüchtern . » Hoscht du net allemal ja g ' sagt , hoscht du g ' rad oanmal na g ' sagt ? « » Ruhe ! « mahnte Prantl . Und der Vachenauer redete weiter . » I sag ' , ganz recht g ' schiecht uns Bauern . Mir kunnten do so g ' scheit sei und wissen , daß alles Schlechte daher kimmt , weil der Bauer net selbständig is ; a jeder sagt , daß ' s anderst wer ' n muaß . Und es ko anderst wer ' n , wenn d ' Leut ' z ' samm helfen , und daß mir z ' samm helfen , z ' weg ' n dem is da Bauernbund da . « Vachenauer zog aus der Tasche ein kleines Heft , dessen Einband die blauweißen Wecken des bayerischen Wappens zeigte . » I hab ' da a Büachl , « sagte er . » Von außen is ' s guat boarisch , dös könnt ' s sehg ' n. Und was drin steht , hat die nämliche Farb ' . Der Titel hoaßt : Satzungen für den bayerischen Bauern- und Bürgerbund . Da is alles aufg ' schrieb ' n , was de Partei will . I ko enk net alles vorlesen , und es werd aa net notwendi sei , well i hoff ' , daß si a jeder selber dös Buachl kaaft , und den Aufnahmsschein , der wo drin is , unterschreibt . Aber dös erste les ' i enk vor , vom Zweck des Bauernbundes . Da hoaßt ' s : Der Zweck des bayerischen Bauern- und Bürgerbundes ist Einigung der in Parteien zerspaltenen bäuerlichen und bürgerlichen Volksklassen behufs Erhaltung des schwer bedrohten Mittelstandes und behufs Selbstschutzes aller noch selbständigen oder nach Selbständigkeit ringenden Volkselemente . Jetzt frag ' i , ob dös was Unrecht ' s is , z ' weg ' n dem ma ' r uns als gottlose Menschen hi ' stell ' n derf . « » Drucken kann man alles , das Papier ist geduldig , « rief der Dekan Metz . » So , moanen S ' ? Sie glaab ' n halt , es is überall wia beim Zentrum . Mir san net a so ! « » Das müssen Sie erst zeigen ! « » Jetzt bist aber staad ! Allawei plärrt er d ' rei ! « schrie Rädlmayer . » Mäu halt ' n ! « Vachenauer ließ sich nicht irre machen . » Sie sag ' n , mir müassen erst zoag ' n , ob mir unsere Versprechunga halt ' n. Is recht . Aber nacha warten S ' und schimpfen S ' net vorher ! « ( Bravo ! ) » I glaab ' s aber schwerli , daß Sie dös derleb ' n. Also , Landsleut ' , i hab ' enk vorg ' lesen , was der Bauernbund will . Unsere Hauptgegner san de Herren vom Zentrum . Vom erst ' n Tag o hamm uns de Geischtlichen o ' g ' feind ' t und hamm behaupt ' , durch den Bauernbund is die Religion in G ' fahr . Warum denn ? Wenn ' s ös des Büachl durchlest ' s von vorn bis hint ' , steht koa Wort geg ' n d ' Religion drin . Und wenn ma ' r an die Feiertäg in d ' Kircha geht , siecht ma soviel Leut ' als wia früherszeiten . Wo gibts an Bauern , der sein Pfarrer was in Weg legt in sein Beruf ? Am Land macht sie neamd spöttisch über d ' Religion ; bei uns hat sie nix g ' ändert , wia vielleicht in andere Ständ ' ; mir hamm die alten Bräuch ' akkurat so als wia unsere Voreltern . Und wenn ' s jetzt mehra Zwietracht gibt als früherszeiten , mir Bauern san net schuld . Dös is auf Jahr und Tag , seit de Herren bloß mehr Politiker san , aber koane Priester nimmer . « In den ersten Reihen wurde es lebendig . Die anwesenden Kleriker hatten bis jetzt Ruhe bewahrt ; dieser Angriff brachte sie in Erregung . Und zornige Stimmen schrien zu Vachenauer hinauf . » Frechheit ! Wer sind Sie denn ? Frechheit ! « Der Benefiziat Hiergeist von Irzenham tat sich besonders hervor . Er stammte aus dem Nußbacher Bezirke , und es empörte ihn besonders , daß ein Fremder den bodenständigen Klerus beleidigte . Und er war überhaupt von heftiger Gemütsart . » Sie nehman Eahna viel Kraut ' raus ! « schrie er . » Was erlaub ' n Eahna denn Sie ? Sie zuag ' roaster Holzbauer ! « Jetzt ging es im Saale los . Aus allen Ecken kam wütendes Schreien ; viele sprangen auf und schlugen in die Tische hinein . » Schmeißt ' s ' n außi den ! Derfst du schimpfen , du ganz Schlechter ? Außi damit ! Außi damit ! « Von rechts und links , von unten und oben johlte , pfiff , heulte es . Der Lärm steigerte sich , als Metz auf die Tribüne stieg und die Leute beschwichtigen wollte . » Oba da ! Du hoscht nix z ' toa da drob ' n ! Geh ' scht it oba , du Herrgottsakrament ! Außi mit dem andern ! « Der Hirner stand auf schwachen Füßen ; er hielt sich an der Stuhllehne mit beiden Händen fest und schrie eintönig weiter : » Raus , Metz , Raus , Metz ! « Prantl schwang seine Glocke . Aber in dem Getöse hörte sie niemand . Der Assessor stand auf und redete mit Vachenauer . Man sah , wie er die Achseln in die Höhe zog . Da trat Vachenauer vor und hielt seine rechte Hand empor . Der Lärm legte sich . Nicht sofort , nur allmählich ging er in lautes Reden und dann in Murmeln über . Als sich alle gesetzt hatten , stand der Hirner noch hinter seinem Stuhle , und indem er seinen Oberkörper wie einen Pendel bewegte , schrie er gleichmütig fort : » Raus , Metz ! « Alle lachten , und der Menhofer von Aufhausen nahm seinen Nachbarn am Arme und zog ihn auf seinen Platz nieder . » Landsleut ' , « sagte der Vachenauer , » ös derft ' s de Versammlung net stören . Da Herr Assessor hat mir g ' sagt , wenn no mal a solchener Aufstand is , schliaßt er d ' Versammlung . Und da hätten do bloß unsere Gegner a Freud ' . Ös müaßt ' s enk net so ärgern , bal oana ' neischreit ; dös bin i scho g ' wohnt ; dös machen s ' überall so , weil s ' d ' Wahrheit net vertrag ' n könna . « » Beschimpfen Sie den Priesterstand nicht , dann kümmert sich niemand um Sie ! « rief Kroiß . » I hab ' net g ' schimpft auf ' n Priestastand . Des sell is