, in dem Osman nach Safurs Gedicht fragt . Drauf erst tiefes Schweigen in der Runde . Als Safur ruhig sagt , daß er augenblicklich noch nichts geschrieben habe , in einigen Wochen aber » vielleicht « anfangen könne - da wirds so still , daß man sogar die Adler oben in den Palmen leise pfeifen hören kann . Die hiernach folgenden Auseinandersetzungen sind nicht grade sehr erquicklich . Kodama sagt höchst ärgerlich : » Da hört sich doch alles auf ! « Abu Maschar und Jakuby schütteln bedenklich den Kopf . Osman ist empört und recht grob , erklärt die Unfruchtbarkeit eines begabten Dichters für das größte Übel der Welt . Abu Hischam redet sehr altklug mit , salbungsvoll bemerkt er : » Nichts ist so gefährlich wie die Nichtstuerei - sie allein hemmt die Entwicklung der Menschheit . Durch Nichtstun kommen wir nicht weiter , das prägte mir bereits meine liebe Großmutter in frühester Jugend ein . Die Faulheit ist ein Laster . Nur das unermüdliche Weiterstreben kann der menschlichen Gesellschaft förderlich und nützlich sein . Meine Freunde , ich erinnere Euch an die Gesellschaft der lauteren Brüder , der wir doch Alle angehören - wäre die Gesellschaft , die nun bald vier Jahre besteht , wirklich imstande gewesen , in die Entwicklung der großen Gesellschaft , die wir die Menschheit nennen , mit Erfolg tatkräftig eingreifen zu können - wenn wir nichts getan hätten ? - Nie und nimmer , meine Freunde . Die Nichtstuerei ist daher ein schändliches nichtswürdiges Laster , das wir mit allen Kräften , die uns zu Gebote stehen , bekämpfen und unterdrücken müssen . « Schallendes Gelächter belohnt diese köstliche Rede . Und Osman ruft ärgerlich : » Na , Du sei doch man still ! « Und Abu Hischam ist es - er trinkt - trinkt lange . Safur jedoch , der sich das Lachen augenscheinlich abgewöhnt hat - denn er lachte wieder mal nicht - erwidert dem Abu Hischam mit ganz ernster Miene : » Lieber Abu Hischam , Du bist vollkommen im Irrtum , wenn Du glaubst , daß diejenigen Menschen , die immer was tun müssen , um sich die Zeit zu vertreiben , die Entwicklung der Menschheit fördern . Arbeiten kann schließlich Jeder - das ist nichts Besondres . Du glaubst wohl , Dichten sei auch nur Arbeiten , nicht wahr ? Nein , Dichten und Arbeiten sind zwei ganz verschiedene Dinge . Wer wirklich was hervorbringen will , das die Menschheit fördern kann - der muß einem fernen unerreichbaren Ziele zustreben . Wer das nicht tut , wird nichts Besondres tun . Wenn ich bloß ein Gedicht schreiben wollte , wies jeder dumme Tofaily fertigbringen kann , so dürft ich mich nur gleich begraben lassen . Ich will mehr - ich will das Unmögliche , das Unbeschreibliche , das Große , das Bedeutende - das wird aber nicht in einem Tage geboren - das wird vielleicht nie geboren - doch man soll dem Unmöglichen nachstreben - nur so kann was Neues entstehen . Ich arbeite nicht - ich dichte . Und was ich mache , geht Euch garnichts an . Kümmert Euch doch um andre Dinge . Für Euch ist ja doch nur der ein berühmter Mann , der ein paar tiefe Gedanken in den Dreck ziehen und zu gewöhnlichen Gedanken machen kann . Ihr seids wahrlich nicht , die die Entwicklung der Welt fördern . Ihr habt nur immer an mir gezehrt und Euch mit meinen Witzen gebrüstet . Ihr habt nie gewußt , was Ihr von mir halten solltet . Nennt mich doch unfruchtbar ! Nennt mich doch , wie Ihr wollt . Es ist schon zuviel , daß ich Euch Red und Antwort steh . Ihr rennt dem Erreichbaren nach - das tut die Tarub auch - natürlich - Tarubs Brüder seid Ihr - nicht lautere Brüder . Ganz Bagdad ist für mich Tarub - die ganze Welt , die Ihr mit Euren stumpfen Sinnen sehen und begreifen könnt , ist für mich nur Tarub . - Ich aber will in eine andre Welt , in die Ihr nie hinein könnt ! « Da murren die lauteren Brüder , und man muß befürchten , daß es am Strande des Tigris sehr - sehr ungemütlich wird . Zum Glück ergreift wieder der lustige Abu Hischam das Wort , streichelt Tarubs Zopf und sagt : » Nun , liebe Tarub , sei nur nicht traurig , daß Du auch Tarub bist . Bagdads berühmte Köchin zu sein , ist auch ein Verdienst . Mit dem großen Dichter Safur kannst Du Dich natürlich nicht vergleichen , der ist ja Bagdads berühmter Dichter . Aber wenn ich zwischen Euch wählen sollte , so nähm ich doch die Köchin lieber als den Dichter - bei der Köchin weiß ich doch immer , was ich habe . Wo bliebe die Literatur , wenns keine Tarub gäbe ? Freunde , seien wir nicht traurig , daß wir von Safur Tarubs Brüder genannt wurden ! Wir wollen gern den Namen Tarub tragen . Die Tarubs werden die Entwicklung der Welt besser fördern als die Safurs . Darum wollen wir zwei volle Becher auf Tarubs Wohl trinken ! « Lachend geschiehts . Tarub ist gerührt . Die Stimmung der Gesellschaft wird wieder besser - doch da fängt der Kodama wieder an , sagt der Tarub : » Du , weißt Du auch , daß Safur in Bagdad Deinen Namen tatsächlich als Schimpfwort gebrauchte ? Wenn er einen Tofaily beleidigen wollte , nannt er ihn Tarub . Wo Andre Esel riefen , rief Safur Tarub ! « » Sieh , sieh ! « fällt da schnell der auch boshafte Abu Hanifa ein , » gehörst Du ebenfalls zur Familie Tarub ? Das hätt ich garnicht gedacht ! Du verteidigst ja die Tarub vortrefflich ! Hetz nur schön ! Du bist wohl Tarubs Großmutter , nicht wahr ? « Nun legen sich die Andern ins Mittel und stellen die Ruhe notdürftig wieder her . Abu Maschar schüttelt immer den Kopf , er versteht den Safur nicht mehr ; den hielt er für seinen Freund und muß nun bemerken , daß dieser Freund ihn nie verstand . Der Prophet seufzt . Jakuby erzählt von dem Einfluß der Inder auf Battany - der kleidet sich jetzt ganz und gar nach indischem Muster . Die Tarub weiß nicht recht , ob sie dem Safur oder dem Kodama zürnen soll ; des Letzteren Rede hat sie nicht ordentlich begriffen - - - Hamadany ist außerordentlich liebenswürdig zur Tarub , hilft ihr die übrig gebliebenen Teile der Antilopenschinken in die Küche tragen , sodaß die Tarub wieder lustig wird . Osman möchte gern noch ein bißchen auf dem Tigris herumfahren . Safur ist sofort bereit , erzählt aber einem plötzlichen Einfalle folgend mit großer Begeisterung von der alten , längst verfallenen Stadt Babylon - von der dort befindlichen Beluspyramide und von den beiden Riesen Harut und Marut , die in dieser Pyramide der Sage nach an den Beinen aufgehängt sein sollen . Diese Geschichte bringt die Gesellschaft auf andre Gedanken . Man wird neugierig . Und als Safur den Vorschlag macht , auf der langen Barke gleich mal nach Babylon zu fahren , willigen Alle ein - obwohl Babylon , mehrere Tagereisen entfernt , garnicht so leicht zu erreichen ist . Tarub ist natürlich sehr traurig , daß sie zu Hause bleiben soll - doch sie fügt sich . Man trinkt noch kräftig und steigt dann schwankend in die Barke , nimmt Lebensmittel für einen Monat mit und segelt , wie die Sonne aufgeht , mit gutem Winde durch den kürzlich wiederhergestellten Kanal dem Euphrat zu - nach Babylon . Tarub sieht lange ihren sieben Gästen und ihrem Safur nach . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Da der Wind den acht lauteren Brüdern günstig ist , sind dieselben am zehnten Tage bereits mitten in den Ruinen Babylons . Hamadany behauptet gleich , daß er , wär er als alter Babylonier zur Welt gekommen , das Schicksal der alten Stadt hätte voraussagen können . Er prophezeite auch der jungen Stadt Bagdad den Untergang , denn Bagdad verdanke ebenso wie Babylon nur » zufälligen Zeitumständen « und Machtverhältnissen seine Entstehung und Bedeutung - beide Städte seien nicht wie Byzanz durch ihre natürliche Lage sondern durch die Willkür kurzsichtiger Machthaber groß geworden . Es war sehr lustig anzusehen , wie die arabischen Gelehrten in ihrer modernen Bagdader Tracht zwischen den Ruinen herumkrochen . Der wie gewöhnlich sehr ruppig gekleidete Abu Hischam schien der Gegend noch am besten angepaßt zu sein - aber die schwarzen Kaftane des Jakuby , Hamadany und Abu Hanifa wirkten unter den Tempelsäulen , geflügelten Sphinxen , unter alten Urnen , Töpfen und Scherben sehr fremdartig . Die braunen baumwollenen Kleider des dicken Osman nahmen sich ebenso drollig aus wie Kodamas schwarze Sammetjacke . Selbst die Beduinengewänder des Abu Maschar und des Safur schienen hier nicht herzugehören . Wie die drei weißen Turbane leuchteten ! Wie lustig Jakubys violetter Turban von dem gelben des Kodama abstach ! Safur sprach fast kein Wort und ging gewöhnlich seine eigenen Wege ... wären ihm die Andern nicht immer in einiger Entfernung gefolgt , man hätte ihn verloren . Er bestieg auch allein die Beluspyramide - die Andern warteten unten . Allmählich wurde jedoch Safurs sieben Freunden recht verdrießlich zu Mute . Des Dichters gereizte Stimmung übertrug sich . Man aß noch am Fuße der Pyramide bei Mondschein ein bescheidnes Abendbrot , das vornehmlich aus Brot und Früchten bestand , bewunderte die Pyramide , deren Spitze längst fort war und die dadurch einen klotzartigen Eindruck machte , schlief unter den mitgebrachten Zelten so leidlich und rüstete am nächsten Morgen zur Heimkehr . Nach längerem Suchen fand man die lange Barke wieder , schiffte sich ein und segelte nach Hause . Indessen die Barke war schwerer als bisher . Es stellte sich nämlich heraus , daß Jeder eine ganze Masse Scherben , alte , wunderlich geformte Eisenstücke , Öllämpchen , Alabasterfiguren , Tonziegel mit babylonischer Schrift und so weiter in seinen Gewändern verborgen gehalten und in die Barke mitgenommen hatte . Kodama hatte sogar einen alten Siegelring gefunden , der allgemeine Bewunderung erregte . Die Folge dieses Sammeleifers war eine Überlastung des Kahnes . Auf der ganzen Rückreise mußten die Sklaven fortwährend das Wasser ausschöpfen . Safur sprach zuweilen zu sich selbst und machte ein merkwürdiges Gesicht . Offenbar paßte ihm die Gesellschaft nicht im mindesten , da Alle nur von den gleichgültigsten alltäglichsten Dingen sprachen - Abu Maschar nicht ausgenommen . Des Dichters Gereiztheit wurde so ungemütlich , daß Kodama am siebenten Tage wütend ausrief : » Safur , wenn Dir unsre Gesellschaft unangenehm ist , so spring doch zum Kahn hinaus und geh zu Fuß zu Deiner Tarub zurück . Das Ufer ist ja hier dicht in der Nähe . « Und was geschah da ? Safur tat , was ihm der dicke Kodama riet - er sprang wirklich raus aus dem Kahn - drückte dabei leider so heftig mit dem rechten Fuß auf die Bordkante , daß der Kahn Wasser schöpfte und - und - versank ! Na - dies Geschrei ! Die ganze Gesellschaft lag plötzlich im Wasser . Die Geschichte ist fast unbeschreiblich . Osman fährt , während er noch mit den Wellen kämpft , wutschnaubend auf den dicken Kodama los , schreit : » Du naseweises Rindsvieh ! « und stuckst den Geographen so heftig ins Schilf , daß der mit dem Gesicht in den Morast fällt und natürlich dabei Stirn und Wangen , Augen , Nase und Mund so beschmutzt , daß man sich gar keine rechte Vorstellung davon machen kann . Alle sind pudelnaß geworden . Ertrunken ist Keiner , da die Barke dicht am Ufer fuhr . Aber schmutzig sind Alle - brr ! - sehr ! Man mag sich garnicht gegenseitig ansehen . Und man schimpft natürlich auf den Safur - wie nur Wütende schimpfen können . Abu Hischam ist der Einzige , der lachen kann . Safur ist verschwunden . Dafür erscheinen ein paar Eremiten mit langen Stangen am Ufer . Wie die ollen Eremiten die nassen schmutzigen Brüder schauen , müssen sie so lachen , daß ihnen die Tränen über die hohlen Wangen rollen . Die Schiffbrüchigen müssen sich das ruhig gefallen lassen . Der Kodama kriegt am meisten ab - er ist auch ganz kleinlaut . Von Safur aber sieht man keine Spur ; der ist vollkommen verschwunden . Man beschließt , Safur und Tarub nie wieder zu besuchen . Alle schwören sich das zu . Die Eremiten lachen sich krumm dabei . Die sieben lauteren Brüder reinigen wütend ihre Kleider - ihre schönen guten Kleider . Die Barke wird mit Mühe gehoben . Unzählige Schmutzflecke gehn nicht raus aus den Kleidern - schändlich ! - gemein ! - Die Wascherei nimmt gar kein Ende . Zweiundzwanzigstes Kapitel Seine Freunde ist also Bagdads berühmter Dichter los - die kommen nicht wieder . Jetzt hat er nur noch die Tarub , die sich natürlich nicht wenig wundert , als Safur ihr mitteilt , daß er sich mit den » Andern « erzürnt habe und daß die » Andern « schon nach Bagdad gefahren seien . Der Tarub wird so schwül , sie will Näheres wissen , erfährt aber nichts . Sie sagt dann kurz : » Das wird ja ein schönes Leben werden ! « Und nach diesen Worten geht sie in ihre Küche und wirtschaftet wieder herum , daß alles klirrt und klappert . Die Tarub muß immer arbeiten , sonst ist ihr nicht wohl . Safur aber - fängt jetzt an zu dichten . Das bereitet der Tarub natürlich eine große Freude . Sie bedauert allerdings , daß Safur seltner auf die Jagd geht , auch nicht mehr angelt . Das macht aber nichts , denn Tarub angelt selbst . Es gibt fast täglich Fische zu Mittag . Leider schickt Battany nicht mehr Brot und Wein - das ist sehr peinlich ! Es dauert drum nicht lange , und die Tarub ist wieder so wie in der langen Straße . Doch Safur geht jetzt einfach fort , wenn die Tarub laut zu reden oder gar zu schimpfen beginnt . Die Tarub wird , so unglaubwürdig das auch klingen mag , schließlich selber schweigsam . Ein rührendes Zusammenleben ! In der alten Lehmkate wirds immer stiller . Safur wird immer magrer . Doch er fängt sein Dschinnengedicht wirklich an - auf prächtigem chinesischem Papier schreibt er die ersten Verse - - - Indessen - er zerreißt gern das , was er schrieb . Er fängt immer wieder noch mal an . Mit dem Dichten wills garnicht so recht gehen . Er kann nicht , er hat das Leben eines Schlemmers geführt - immer nur genossen - nicht gelebt , um dichten zu können - - - sondern gelebt , um genießen zu können . Was Safur dichtete , waren immer nur Gelegenheitsscherze - mit denen er blendete - Längeres , Größeres hatte er nie fertig gebracht - demnach wollt es jetzt mit dem Dschinnengedicht nicht vorwärtsgehen - wollte nicht . Die Tarub wird neugierig . Sie wundert sich , daß Safur immer seine Verse zerreißt - warum zerreißt er sie denn ? Als Safur mal fort ist , setzt sie einzelne Papierteile , die sie in einer Ecke findet , wieder zusammen und liest : » Ich sah Dich schon so lange nicht , Wo bliebst Du nur ? Ich hört Dich auch so lange nicht . Ach , Alles spricht , Und die Königin der Wüste will da schweigen ? Nicht ! Du sollst mir endlich Alles Alles zeigen - Die ganze große Geisterwelt . Ich sehne mich zu sehr ! Komm endlich zu mir her ! « Das war mit riesig großen Buchstaben geschrieben - aus der Schrift leuchtete Safurs Selbstbewußtsein wie eine große Sonne heraus . Die Tarub versteht die Verse nicht . Aber sie will wissen , wer die » Königin der Wüste « ist . Safur sieht so mürrisch und gereizt aus . Wie er wieder mal ein paar Verse zerreißt , sammelt die Tarub gleich nachher mit großem Eifer abermals die Papierteile , setzt sie zusammen und liest : » Zum König Saiduk bist Du gegangen ? Zum König mit den schwarzen Wangen ? Wilde Dschinne , komm zu mir ! « Die Verse klären die Tarub nicht auf . Sie wird auch gereizt . Was will denn der Safur mit der Dschinne ? Die Geschichte ist der großen Köchin unbegreiflich . Safur bleibt oft tagelang fort - Oft fährt er im Kahn den Tigris hinauf - ganz allein . Zuweilen geht er auch auf die Jagd - bringt aber selten was mit . Die Tarub wird mißtrauisch und eifersüchtig . Eines Tages findet sie wieder ein paar zerrissene Verse - die gingen so : » Nun lach nicht mehr so schaurig ! Dein Lachen macht mich traurig ! Und sprich zu mir ein Wort ! Das Schweigen tötet die Liebe . Du sollst mich aber lieben - Ach , hörst Du mich denn nicht ? « Da regt sich das Weib in der Köchin - Sie wird eifersüchtig und schleicht ihrem Dichter nach - doch sie trifft kein Weib - nur ein paar alte Eremiten . Die Eremiten forscht sie vorsichtig aus , hört jedoch nichts von ihnen . Safurs Augen sehen so scheu aus . Manchmal spricht er zu sich selbst ... Da findet die Tarub eines Morgens im Kahne abermals viel zerrissenes Papier , und auf all dem Papier steht immer dasselbe - immer nur : » Du bist die Nacht ! Du bist der Tod ! « Diese Worte beruhigen das Weib - denn dem wirds nun allmählich klar , daß die Dschinne garnicht lebt , sonst könnt er sie doch nicht » Nacht « und » Tod « nennen . Doch was fehlt denn ihrem Dichter ? Soll das der Anfang des großen Gedichts sein ? Richtig - jetzt fällt der Tarub ein , daß er ein » Dschinnengedicht « schreiben will . Sie wird ganz ruhig . Auf einem nicht zerrissenen Papierstreifen steht : » Und ewig bleibt sie still und stumm ! Ich dreh mich müd im Kreis herum , Die Dschinne will mir nichts sagen . « » Ha ! Ha ! « ruft da die Tarub und schmeißt den Streifen fort - daß die Dschinne nichts sagt , kommt der Köchin so schrecklich natürlich vor - jetzt ist sie nicht mehr eifersüchtig - ganz und gar nicht . Doch sie fühlt sich jetzt einsamer denn je . Die Einsamkeit ist ihr gräßlich . Und sie sehnt sich nach Bagdad zurück . Mit dem Safur ist es ja nicht mehr zum Aushalten , sein Gesicht wird immer häßlicher - diese krausen Stirnfalten ! - diese dicke Unterlippe ! - Manchmal allerdings ist der protte Bär recht in Sorge - Safur sieht so krank aus . Indeß - sie kann um Safurs Dichterei willen nicht ihr ganzes Leben so hinfressen - das geht nicht ! Und Safur mag die Tarub nicht mehr ansehen ; ihn berührt das Körperliche an ihr so unangenehm . Er ist sehr höflich zu ihr , wünscht aber innerlich , daß sie recht bald nach Bagdad zurückkehren kann . Als Köchin ist sie ihm jetzt garnichts mehr . Er mag nur noch ungern was Besseres essen . Am liebsten ißt er Brot und Früchte . In der Lehmkate wird nun alles so merkwürdig . Die Menschen da drinnen haben sich nichts mehr zu sagen - sie sind einander fremd geworden . Zank gibts nicht mehr . Einer geht am Andern vorbei , als wär der nicht da . Eines Tages kriegt die Tarub aus Bagdad einen Brief vom Schneider Dschemil - sie möcht doch zu ihm kommen und seine Köchin sein , sie solls gut haben - er , der Schneider Dschemil , sei jetzt sehr reich und wolle öfters Festessen veranstalten und so weiter . Der Brief kommt der berühmten Köchin nicht ungelegen ; sie tut allerdings anfangs so , als wolle sie nichts vom Dschemil wissen - aber wie Safur ihr ruhig zuredet , gibt sie dem Boten , der ihr den Brief brachte , einen andern Brief mit , in dem sie » Ja ! « sagt . Und dann gehts ans Packen . Dabei wird ihr allerdings ein bißchen eigentümlich - Safur ist ihr doch noch nicht so ganz gleichgültig - durchaus nicht ! Sie findet auch jetzt ein sauber geschriebenes Gedicht , das sie noch mal heftig erregt - da steht geschrieben , und es ist nicht zerrissen : » Die Dschinne singt : Ja , unter Deinen weißen Rosen Will ich heut Abend mit Dir kosen . Horch auf meinen knatternden Peitschenknall ! Oh ! der donnert grausig durchs Weltenall ! Wirst ihn schon hören ! Ich will um Deine Liebe werben Mit ganz besondrem Wüstenwitz . Sieh ! Die mich lieben , müssen sterben - Und wen ich küsse , trifft der Blitz ! « Noch einmal ist die Tarub wieder ganz Liebe zu ihrem Safur - noch einmal - unter den weißen Rosen . Und Safur ? Der wird zuweilen so wehmütig . Er fühlt , daß die Tarub stets das schwere Bleigewicht war , das ihn , der immer in eine andre Welt hinauffliegen wollte , an die Erde fesselte - die Tarub war seine Sklavenkette . Aber wenn mal diese Sklavenkette abriß - was dann ? Wirds zu seinem Heile sein ? Wirklich ? War die Sklavenkette nicht auch zu was gut ? Den Dichter fröstelt , als berühre ihn eine Totenhand . Jetzt kann er fliegen - in das andre Land . Ist das aber nicht der Tod ? » Du bist die Nacht ! Du bist der Tod ! « Das murmelt leise der Dichter und fährt auf den Tigris hinaus - er will dichten . Und er dichtet : » Meine Wüstenbraut ! Mein dunkles Weib ! Komm und küß mich tot ! « Und dann wirft der Dichter all sein Papier und sein ganzes Schreibzeug ins Wasser - er will nicht mehr dichten - es wird ja doch nichts . Warum soll er auch dichten - warum ? Er will seine Dschinne sehen - seine Dschinne ! Es flüstert in der Luft . Safur horcht - und träumt und erschrickt zuletzt , als ihn die Tarub vom Ufer aus anruft . Der Kahn , der die Tarub nach Bagdad bringen soll , ist angekommen . Safur küßt seine Tarub noch einmal so stürmisch - als wärs zum » letzten « Mal . Und dann geht die Tarub fort - weinend . Die weißen Rosen duften so wunderbar . Safur steckt noch seiner Köchin ein paar weiße Rosen ins schwarze Haar und streichelt ihren schwarzen Zopf . Der Abendhimmel ist gelb . Bagdads berühmte Köchin hebt sich prächtig vom Himmel ab - wie ein ehernes Standbild , Safur liegt unten am Ufer und sieht seine Tarub da stehen - vor dem gelben Himmel . Und als der Kahn vom Ufer abgestoßen wird , fängt die Tarub furchtbar an zu weinen . Safur weint auch . Dreiundzwanzigstes Kapitel Ein leises Klingen geht durch die Luft . Safur fühlt sich so frei . Ihm ist , als würd er plötzlich emporgetragen hinüber ins andre Reich . So als wenn er schwebe , ist ihm jetzt . Er hat das Gefühl , daß etwas Schweres von ihm genommen wurde , er fühlt sich erleichtert - so frei - so frei - garnicht mehr irdisch . Eine wunderbare Seligkeit umfängt ihn . Wie froh ist er , daß die Tarub fort ist ! Er sieht plötzlich seine Dschinne vor sich und sinkt auf die Kniee - schließt die Augen und fällt zurück . Wunderbar duften die weißen Rosen . Safur träumt von Wolken und von Huris . Plötzlich hört er knatternden Peitschenknall - einen furchtbaren Donner ! Der Dichter will die Augen öffnen , kann aber nicht - er vermag nicht ein Glied zu rühren . Und der Donner hört nicht auf . Seine Dschinne ist da - er fühlt es . Ein Pferd wiehert , und dann lacht wer . Ein hellblaues Licht blendet plötzlich des Dichters Augen . Er sieht hinein und sieht seine Dschinne auf schwarzem Roß hoch aufspringen - ins blaue Licht hinein . Die grauen Gewänder der Dschinne flattern und knallen ; wieder donnerts ! Und die Dschinne reitet in den Himmel hinein ; sie dreht sich um , ihre Peitsche saust knatternd durch die Luft . Ein Stier springt empor - ein wilder Stier - der sprengt auch in die blaue Luft hinauf . Safur erhebt sich - ein Sturmwind erfaßt ihn - und im nächsten Augenblick sitzt er auf dem Stier , und nun gehts der Dschinne nach . Schwefelgelb wird die Luft . Auf grauen Wolken rasen - der Dschinne Roß und Safurs Stier . Ein Blitz zerreißt die gelbe Luft . Aus tausend Kehlen lacht es . Über die Wolken hin rast vor dem Stier ein unzählbares Reiterheer - König Saiduk mit seinen Dschinnen . Und die Dschinne , die er verfolgte , stößt ihr Pferd in die Tiefe und schwebt zum König und umhalst ihn - Safur schreit - und da fällt er kopfüber von seinem Stier runter - in die Tiefe - sieht nichts mehr - - - Wie Safur erwacht , liegt er am Tigrisstrande , und der Vollmond leuchtet über den Wassern , und die weißen Rosen duften - - - - In einigen Wochen wird Safur ein ganz Andrer . Seine Augen liegen hohl im Kopf , und sein Leib ist abgemagert - wie ein Gespenst geht er am Strande auf die Jagd . - Oft sieht er Hyänen . Unstet ist sein Blick , scheu - als hätt er ein Verbrechen begangen . Ans Essen denkt er nur selten . Wenn er aber angefangen hat zu essen - dann ißt er mit furchtbarem Heißhunger . Gewöhnlich schlingt er das ungekochte Fleisch wie ein wildes Tier runter . Jetzt trinkt er mit Vorliebe - heißes Blut . Und er wird dann immer sehr wild . In jeder Nacht fiebert er . Und seine Fieberträume sind entsetzlich . Er verfolgt immer seine Dschinne . Auch die Tarub erscheint ihm , und sie ist sehr gut zu ihm , sagt immer : » Sieh , wenn Du mich nicht gehabt hättest , dann hättest Du doch nie die Dschinne geliebt . Mir verdankst Du alles . Das Roh-Körperliche hat das Geistige erzeugt - die Dschinne ist ja meine Tochter - weißt Du das nicht ? « Und diese Rede hört er mehrere Male , und er wird dann immer sehr aufgebracht und zankt sich mit der Tarub . Nachher jagt er wieder dem König Saiduk nach und prügelt sich mit ihm - der aber würgt ihn immer - was furchtbar ist . Wenn dem tollen Dichter ein Eremit begegnet - so verbirgt der sich im nächsten Gebüsch . Zuweilen sind des Dichters Fieberträume sanfter - besonders , wenn der Mond nicht scheint . Dann träumt er wohl von prächtigen Gärten , in denen er von vielen schönen Frauen ganz langsam umhergetragen wird . Von Riesensphinxen träumt er auch - deren Haupt ragt hoch in den Himmel bis an die Sterne - und die Brüste der Sphinxe sind so groß wie Erdkugeln - oh - noch größer ! Die ruhigen Träume werden jedoch immer seltener . Von den beiden Riesen - Harut und Marut - die in der Beluspyramide an den Füßen aufgehängt sind , träumt dann auch mal der Dichter ... Wie er aber einmal erst von denen träumte , kann er sie nicht wieder vergessen . Er glaubt immer , sie verfolgten ihn , sie gingen hinter ihm - mit den Köpfen an die Erde stoßend - und zwischen ihnen - seine Dschinne ! Und diese Vorstellung läßt ihn nicht mehr los . Er will andre Geister zu Hilfe rufen . Er betet auf den Knieen zum König Saiduk . Nun will er unter allen Umständen in die überirdische Welt hinein - er muß - er kann nicht mehr anders . Wenn er in der Lehmkate sitzt und brütet , ist ihm so , als wären Harut und Marut draußen vor der Tür und würgten - seine Dschinne - seine Dschinne ! » Mein Weib ! Mein Weib ! « schreit er dann und stürmt hinaus . Indessen da kommts ihm immer so vor , als wenn Harut und Marut blitzschnell mit der Dschinne ins Haus hineinschlüpfen . Immer sind sie hinter der einen Wand , ob er nun vor der Kate oder mitten in der Kate steht . Seine Blicke durchbohren die Wand . Er will hinter die Wand kommen - hinter die Wand - hinter die dumme Wand ! Wie ein wildes Tier schreit er hin und wieder - daß es schaurig nachts über die Wasser hallt . Alle seine Muskeln spannen sich an , er fühlt in sich übermenschliche Riesenkräfte ; er will Harut und Marut vernichten . Gräßlich schreit er daher jeden Abend : » Harut ! Marut ! Kommt heraus ! Harut ! Marut ! Ich erwürg Euch ! Harut ! Marut ! « Wer auf dem Wasser vorbeirudert und das hört - schaudert zusammen . Niemand wagt dem Dichter zu nahen . Eines Abends , wie wieder der Vollmond über dem Tigris steht und sanft leuchtet , schreit Safur lauter denn je . Er will durch die Wand durch - durch die dumme Wand - grade da will er durch , wo eine rote Tontafel eingelegt ist , aus der wunderliche Figuren herauskommen . Er will da durchaus durch . Noch einmal schreit er wie ein wildes Tier : » Harut ! Marut ! Jetzt komm ich ! Mein Weib ! Mein Weib ! Harut !