Abendrots aber stand das hohe , turmreiche Schloß Frederiksborg und spiegelte sich still und märchenhaft in einem kleinen vorgelegenen See , der den schmalen Raum zwischen dem Städtchen und dem Schloß ausfüllte . Hinter dem Schlosse lag der Park , der mit einigen vorgeschobenen Bäumen von links und rechts her bis an den See herantrat , herrliche Platanen , deren vom Herbstwind abgeschüttelte Blätter zahlreich auf der stillen Seefläche trieben . Inzwischen war auch der zweite Wagen herangekommen , und Holk , der sich , weil auf Landfahrten alles erlaubt sei , wohlweislich den Platz neben dem Kutschersitz gewählt hatte , sprang jetzt herab , um an den Wagenschlag der Prinzessin zu treten und ihr auszusprechen , wie ländlich idyllisch dieser Marktplatz und wie schön der Anblick des Schlosses sei , Worte , die der Prinzessin sichtlich wohltaten und einer gnädigen Antwort gewiß gewesen wären , wenn nicht im selben Augenblicke , von einem dem Platz zunächstgelegenen Hause her , ein andrer Herr ebenfalls an den Wagenschlag der Prinzessin herangetreten wäre . Dieser andre war Pastor Schleppegrell von Hilleröd , ein stattlicher Funfziger , der seine Stattlichkeit durch seinen langen Predigerrock noch um ein erhebliches gesteigert sah . Er küßte der Prinzessin die Hand , aber mit mehr Ritterlichkeit als Devotion , und betonte dann seine Freude , seine Gönnerin wiederzusehen . » Sie wissen , daß es ohne Sie nicht geht « , sagte die Prinzessin , » und ich habe hier auf Ihrem immer noch entsetzlich zugigen Marktplatz ( denn es weht wieder von allen vier Seiten her ) bloß halten lassen , um mich Ihres Besuches , und zwar für heut abend noch , zu versichern ... Aber ich vergesse , die Herren miteinander bekannt zu machen , Pastor Schleppegrell , Graf Holk ... « Beide verneigten sich . » Und seien Sie , lieber Pastor , bei Geduld und guter Laune . Graf Holk ist übrigens Genealog , also Bruchstück eines Historikers , und wird Ihnen als solcher , und als ein vorzüglicher Frager , der er ist , Gelegenheit zu gelehrter Unterhaltung bieten . Denn man unterhält sich am besten , wenn man gefragt wird und antworten kann . Daß ich selber neugierig bin , wissen Sie ; für etwas Beßres mag ich meine Fragelust nicht ausgeben . Und bringen Sie die liebe Frau mit . In Hilleröd und Frederiksborg schmeckt mir der Tee nur , wenn ihn mir meine liebe Freundin aus dem Pastorhause präsentiert . Ja , Ebba , das ist nun mal so , darin mußt du dich finden und darfst nicht eifersüchtig sein . Aber ich ertappe mich wieder auf einer zweiten Unterlassungssünde : Pastor Schleppegrell , Fräulein Ebba von Rosenberg . « Der Pastor begrüßte das Fräulein und versprach nicht nur zu kommen , sondern auch seine Frau mitzubringen , und gleich danach setzte sich die Fahrt vom Marktplatz aus nach dem Schlosse hin fort , nachdem Holk , der Aufforderung der Prinzessin gehorchend , für die verbleibende kurze Strecke den Rücksitz des Wagens eingenommen hatte . Hier saß er neben Ebba , der Schimmelmann gegenüber , und fühlte sich angeregt genug , um noch den Versuch einer Konversation zu machen . » Pastor Schleppegrell hat etwas Imponierendes in seiner Erscheinung und dabei doch eine Gemütlichkeit , die das Imponierende wieder dämpft . Ich habe wenig Menschen so ruhig und so sicher mit einer Prinzessin sprechen sehen . Ist er ein Demokrat ? Oder ein Dissenter-General ? « » Nein « , lachte die Prinzessin . » Schleppegrell ist kein Dissenter-General , aber er ist freilich der Bruder eines wirklichen Generals , der Bruder von General Schleppegrell , der bei Idstedt fiel . Vielleicht zu rechter Zeit . Denn de Meza übernahm das Kommando . « » Ah « , sagte Holk . » Also daher . « » Nein , lieber Holk , auch nicht daher ; ich muß leider noch einmal widersprechen . Das , was Sie seine Sicherheit nennen , hat einen ganz andern Grund . Er kam mit zwanzig Jahren an den Hof , als Lehrer , sogar als Religionslehrer , verschiedener junger Prinzessinnen , und das andre können Sie sich denken . Er hat zu viel junge Prinzessinnen gesehen , um sich durch alte noch imponieren zu lassen . Übrigens sind wir ihm und seiner klugen Zurückhaltung zu großem Danke verpflichtet , denn es lag dreimal so , daß er , wenn er gewollt hätte , jetzt mit zur Familie zählen würde . Schleppegrell war immer sehr verständig . Nebenher habe ich nicht den Mut , den Prinzessinnen von damals einen besondern Vorwurf zu machen . Er war wirklich ein sehr schöner Mann und dabei christlich und ablehnend zugleich . Da widerstehe , wer mag . « Holk erheiterte sich , Ebba mit ihm , und selbst über die Züge der Schimmelmann ging ein Lächeln . Man sah , die Prinzessin war in bester Stimmung , und nahm es als ein gutes Zeichen für die Tage , die bevorstanden . Und während man noch so plauderte , fuhr der Wagen über ein paar schmale Brücken in den Schloßhof ein und hielt gleich danach vor dem Portale von Frederiksborg . Zwanzigstes Kapitel Dienerschaften mit Windlichtern warteten schon und schritten voran , als die Prinzessin die breite , vom ersten Podest an doppelarmige Treppe hinaufstieg , um oben ihre nicht allzu zahlreichen Gemächer in dem von zwei Türmen flankierten Mittelteile des Schlosses zu beziehen . Diese Türme standen in zwei scharfen Ecken , die durch die vorspringenden Seitenflügel gebildet wurden , zwischen denen wiederum eine die Verbindung herstellende Kolonnade lief . Auf dem ersten Podest , und zwar auf einem daselbst aufgestellten kleinen Rokoko-Kanapee , nahm die Prinzessin , asthmatisch wie sie war , einen Augenblick Platz und entließ dann die Herren und Damen ihres Gefolges mit der Aufforderung , sich ' s in ihren Turmzimmern nach Möglichkeit bequem zu machen . Um sieben , so setzte sie zu Holk gewandt hinzu , sei wie gewöhnlich die Teestunde ; Pastor Schleppegrell und Frau kämen allerdings etwas früher , um ihr die Hilleröder Neuigkeiten mitzuteilen , worauf sie sich aufrichtig freue ; kleinstädtische Vorgänge seien eigentlich immer das Interessanteste , man müsse so herzlich darüber lachen , und wenn man alt geworden , sei das Lachen über seine lieben Mitmenschen so ziemlich das Vergnüglichste , was man haben könne . Nach diesen gnädigen Worten trennte man sich , und eine halbe Stunde später konnte jeder , der über den Schloßhof ging , deutlich erkennen , welche Zimmer von den Neuangekommenen bezogen worden waren . In dem von der Prinzessin selbst bewohnten ersten Stockwerke des Corps de logis sah man nur zwei hohe gotische Fenster schwach erleuchtet , während die beiden flankierenden Türme bis hoch hinauf in hellem Lichterglanze standen . Im wesentlichen war alles bei den ersten , von der Prinzessin gegebenen Anordnungen geblieben : unten wohnten die Dienerinnen , in der ersten Etage die beiden Hofdamen , über der Schimmelmann Pentz und Erichsen und über Ebba Holk . Sieben Uhr rückte heran ; die Schloßuhr schlug halb , als das Schleppegrellsche Ehepaar , eine Magd mit einer Laterne vorauf , von Hilleröd her über den Schloßhof kam . Bald danach rüstete sich auch Holk . Unten im Flur des von ihm bewohnten Rechtsturmes traf er Ebbas Jungfer und beinah Freundin , Karin , eine Stockholmerin , von der er erfuhr , daß das Fräulein schon bei der Prinzessin sei . Der noch zurückzulegende Weg an der halben Front des Hauptgebäudes hin war nur kurz , und als Holk eine Minute später die Treppe hinauf war , trat er in eine hohe Halle , die , solange sich die Prinzessin in Frederiksborg aufhielt , als Empfangs- und Gesellschaftszimmer diente . Nach dem Schloßhof , wie rückseitig nach dem Park hin , hatte diese Halle nur eine schmale Front , trotzdem war es ein großer Raum , weil er an Tiefe ersetzte , was ihm an Breite abging . In der Mitte der einen Längswand befand sich ein hoher Renaissancekamin und über demselben ein überlebensgroßes Bildnis König Christians IV. , der Schloß Frederiksborg seinerzeit sehr geliebt und diese Halle , ganz wie jetzt die Prinzessin , allen anderen Räumen im Schlosse vorgezogen hatte . Links neben dem Kamine standen Körbe , teils mit großen Holzscheiten , teils mit Tannäpfeln und Wacholderzweigen gefüllt , während zur Rechten , außer einem mächtigen Schüreisen , ein paar Kienfackeln lagen , die den Zweck hatten , spät abends , beim Aufbruch über die dunklen Korridore hin , den Gästen zu leuchten . Alles in der Ausschmückung der Halle war noch halb mittelalterlich wie die Halle selbst , über deren Paneelen , des König-Christians-Porträts über dem Kamine zu geschweigen , große , stark nachgedunkelte Bilder sichtbar wurden . Weit zurück stand ein Schenktisch ; die sonst üblichen hohen Stühle fehlten , und statt ihrer war eine Anzahl moderner Fauteuils um die Feuerstelle herum gruppiert . Holk schritt auf die Prinzessin zu , verbeugte sich und sprach ihr aus , wie schön er die Halle fände , darin müsse sich ein wunderbares Julfest feiern lassen , alles sei da , nicht bloß große Kienfackeln , sondern auch Tannäpfel und Wacholder . Die Prinzessin antwortete , daß sie solche Feier auch vorhabe ; Weihnachten in Frederiksborg sei ihr der beste Tag im Jahr , und nachdem sie noch ein paar weitere Worte gesprochen und schon für den nächsten Tag eine Art Julvorfeier angekündigt hatte , forderte sie die Frau Pastorin Schleppegrell auf , an ihrer Seite Platz zu nehmen . Die Pastorin war eine kleine dicke Frau mit aufgesetztem schwarzen Scheitel und roten Backen , überhaupt von großer Unscheinbarkeit , aber nie darunter leidend , weil sie zu den Glücklichen gehörte , die sich gar nicht mit sich selbst und am wenigsten mit ihrer äußeren Erscheinung beschäftigen . Ebba hatte dies gleich herausgefühlt und eine Vorliebe für sie gefaßt . » Wird es Ihnen nicht schwer , liebe Frau Pastorin « , so wandte sie sich an diese , » sich einen ganzen Abend lang von Ihren Kindern zu trennen ? « » Ich habe keine « , sagte diese und lachte dabei so herzlich , daß die Prinzessin fragte , was es eigentlich sei . Da gab es denn eine allgemeine Heiterkeit , in die schließlich auch Schleppegrell mit einstimmen mußte , trotzdem er sich , weil ihn die Komik in erster Reihe mittraf , ein wenig unbehaglich dabei fühlte . Holk , dies wahrnehmend , hielt es für seine Pflicht , dem Gespräch eine andere Wendung zu geben , und fragte leicht und wie von ungefähr nach dem Porträt über dem Kamin . » Ich sehe , daß es König Christian ist ( wo begegnete man ihm nicht ) , und so kann von einem besonderen Interesse kaum die Rede sein . Aber desto mehr interessiert mich die Frage , von wem es herrührt . Ich würde einen Spanier vermuten , wenn ich nur wüßte , daß wir jemals einen spanischen Maler in Kopenhagen gehabt hätten . « Schleppegrell wollte Rede stehen , aber Ebba schnitt ihm das Wort ab und sagte : » Das geht nicht , daß wir , wenn nun mal über Kunst und Bilder gesprochen werden soll , mit einem Bilde König Christians beginnen , auch wenn es wirklich von einem Spanier herrühren sollte , was ich bezweifeln möchte , genauso wie Graf Holk , mit dem ich mich wenigstens in Kunstsachen öfters zusammenfinde . Lassen wir also den unvermeidlichen König . Ich meinerseits erführe lieber « ( und dabei zeigte sie nach der Wand gegenüber ) , » wer die beiden da sind , der Alte mit dem Spitzbart und die vornehme Dame mit der weißen Kapuze . « » Der mit dem Spitzbart ist Admiral Herluf Trolle , derselbe , von dem unser König Frederik der Zweite dies Schloß hier in Kauf oder Tausch nahm und es dann Frederiksborg taufte , nach seinem eigenen Namen . Von dem alten Schloß blieb kein Stein auf dem andern , und nichts wurde mit herübergenommen als diese Schildereien hier rechts und links , die den großen Seesieg bei Öland unter Admiral Herluf Trolle verherrlichen , und mit den Schildereien zugleich die dazwischen hängenden Bildnisse von Herluf Trolle selbst und von Brigitte Goje , seiner Eheliebsten , die wegen ihrer protestantischen Frömmigkeit fast noch gefeierter war als ihr Gemahl . « » Was , wenn sie wirklich so fromm war , niemanden überraschen darf « , sagte Pentz mit Emphase . » Denn so gewiß es mir ist , daß Schauspielerinnen und Fürstengeliebte die populärsten Erscheinungen sind , gleich nach ihnen kommen die Frommen , und mitunter sind sie sogar um einen Schritt voraus . « » Ja , mitunter « , lachte Ebba . » Mitunter , aber selten . Und nun , Pastor Schleppegrell , was ist es mit dieser Herluf Trolleschen Seeschlacht ? Ich fürchte zwar , daß sie gegen meine lieben Landsleute , die Schweden , geschlagen wurde , jedenfalls aber , den Kostümen nach zu schließen , in einer vor-rosenbergschen Zeit , und so seh ich denn meinen Patriotismus nicht allzu direkt herausgefordert . Überdies Seeschlachten ! Seeschlachten sind immer etwas , wo Freund und Feind gleichmäßig ertrinken und ein wohltätiger Pulverdampf über allem derart ausgebreitet liegt , daß ein Plus oder Minus an Toten , was man dann Sieg oder Niederlage nennt , nie festgestellt werden kann . Und nun gar hier , wo wir zu dem Pulverdampf auch noch die dreihundertjährige Nachdunkelung haben . « » Und doch « , sagte Holk , » scheint mir noch alles leidlich erkennbar , und wenn wir nachhelfen ... Aber freilich , wo das nötige Licht dazu hernehmen ? « » Oh , hier « , sagte die Prinzessin und wies auf die Stelle , wo die Kienfackeln lagen . » Es wird etwas Blak geben , aber das steigert nur die Illusion , und wenn ich mir dann sage , daß unser Pastor und Cicerone vielleicht seinen guten Tag hat , so werden wir die Seeschlacht noch mal wie miterleben . Also , Schleppegrell , ans Werk , und tun Sie Ihr Bestes , das sind wir einem Historiker vom Range Holks schuldig . Und vielleicht bekehren wir ihn auch noch aus dem Schleswig-Holsteinismus in den Danismus hinüber . « Alles stimmte zu , während Pentz mit zwei Fingern einen leisen Beifall klatschte , Schleppegrell aber , der Bilderkustode von Passion war , nahm eine der großen Kienfackeln und fuhr damit , nachdem er sie angezündet , über die linke Bildhälfte hin , auf der man nun , in düsterer und doch greller Beleuchtung , die Segel zahlloser Schiffe , Flaggen und Wimpel und vergoldete Galions , dazu die weißen Wogenkämme , nichts aber von Schlacht und Pulverdampf erkennen konnte . » Das ist aber doch sicher keine Schlacht « , sagte Ebba . » Nein , aber die Vorbereitung dazu . Die Schlacht kommt erst ; die Schlacht ist an der anderen Seite , gleich rechts neben der Brigitte Goje . « » Ah « , sagte Ebba . » Ich versteh ; ein Doppel-Schlachtbild , Anfang und Ende . Nun , ich bin Aug und Ohr . Und immer wenn Ihr Kienspan an dem Schiffe vorbeifährt , darauf Herluf Trolle kommandiert , dann muß ich bitten , ihm ( oder auch mir ) eine Viertelminute zu gönnen , damit ich ihm Reverenz machen und mir sein Bild , auch inmitten der Schlacht , einprägen kann . « » Das wird dir nicht glücken , Ebba « , sagte die Prinzessin . » Herluf Trolle steckt viel zu sehr im Pulverqualm oder ist in der Nachdunkelung untergegangen , und du mußt dir an seinem regelrechten Porträt da genug sein lassen ... Aber nun beginnen Sie , Schleppegrell , und treffen Sie ' s im Maß , nicht so kurz , daß es nichts ist , und nicht so lang , daß wir uns ängstlich ansehen . Holk ist ein Kenner , Gott sei Dank einer von denen , die den Erzähler nicht befangen machen ; - er weiß , Kunst ist schwer . « Unter diesen gnädigen Worten war Schleppegrell wieder an den Kreis der um den Kamin Versammelten herangetreten und sagte : » Gnädigste Prinzessin befehlen , und ich gehorche . Was wir da sehen oder vielleicht auch nicht sehen « , und er wies auf die zweite , nicht einmal vom Widerschein des Feuers getroffene Hälfte des großen Wandbildes , » was wir da sehen , ist der entscheidende Moment , wo der Makellos in die Luft fliegt . « » Der Makellos ? « » Ja , der Makellos . Das war nämlich das Admiralschiff der Schweden , die gerade damals , trotz ihres irrsinnigen Königs ( denn es waren die Tage von König Erich XIV. ) , auf der Höhe ihrer Macht standen . Und gegen die Schweden und ihre Flotte , die sehr stark und überlegen war und neben dem Makellos auch noch andere große Schiffe hatte , gegen diese schwedische Flotte , sag ich , gingen die Unsrigen unter Segel , und der , der sie kommandierte , war unser großer Herluf Trolle . Und als sie aus der Kjöge-Bucht heraus und auf hoher See waren , segelten sie scharf östlich auf Bornholm zu , wo Herluf Trolle die schwedische Flotte vermutete . Die lag aber nicht mehr bei Bornholm , sondern vor Stralsund unter Admiral Jacob Bagge . Und kaum , daß Jacob Bagge vernommen , daß die Dänen ihn suchten , so gab er auch schon seinen Ankergrund vor Stralsund auf und fuhr nordöstlich , um sich dem Feinde zu stellen . Und kurz vor Öland trafen beide Flotten aufeinander , und eine dreitägige Schlacht , wie sie die Ostsee noch nicht gesehen hatte , nahm ihren Anfang . Und am dritten Tage war es , als ob der Sieg den Schwedischen zufallen solle . Da rief Herluf Trolle , dessen eigenes Schiff übel zugerichtet war , seinen Unteradmiral Otto Rud heran und gab ihm Befehl , es koste , was es wolle , den Makellos zu entern . Und Otto Rud war ' s auch zufrieden und fuhr an den Feind . Aber kaum , daß sein Schiff , das nur klein war , die Enterhaken geworfen hatte , so ließ Admiral Jacob Bagge das ganze Segelwerk des Makellos beisetzen , um so mit fliegenden Segeln das kleine dänische Schiff , das sich an ihn gehängt hatte , mit in die schwedische Flotte hineinzureißen . Das war ein schwerer Augenblick für Otto Rud . Aber er ließ von dem Sturm auf die Enterbrücke nicht ab , und als etliche von den Unseren drüben waren , schoß einer eine Feuerkugel in die Rüstkammer , und als das Feuer , das ausbrach , auch die Pulverkammer ergriff , ging der Makellos mit Freund und Feind in die Luft , und Claus Flemming übernahm das Kommando der Schwedischen und führte den Rest der Flotte nach Stockholm hin zurück . « Eine kurze Pause folgte , dann sagte Holk : » Der eigentliche Held der Geschichte scheint mir aber Otto Rud zu sein . Indessen , ich will darüber nicht streiten , Herluf Trolle wird wohl auch sein Teil getan haben , und ich möchte nur noch fragen , was wurd aus ihm , und wie war sein Ende ? « » Wie sich ' s ziemt . Er starb das Jahr darauf an einer in einer Seeschlacht , hart an der Küste von Pommern , erhaltenen Wunde . Die Wunde war an sich nicht tödlich . Aber es war jener merkwürdige Krieg , wo jeder , der eine Wunde davontrug , schwer oder leicht , an dieser Wunde sterben mußte . So wenigstens steht in den Büchern . « Pentz sprach von » vergifteten Kugeln « , aber Ebba wies das zurück ( Schweden sei kein Giftland ) und wollte , nach soviel Heldischem , lieber etwas von Brigitte Goje hören , von der Pastor Schleppegrell ja ohnehin schon gesagt habe , daß sie fast gefeierter gewesen sei als ihr Seeheld und Gemahl . » Ich sehe nicht ein , warum wir uns immer um die Männer oder gar um ihre Seeschlachten kümmern sollen ; die Geschichte der Frauen ist meist viel interessanter . Und vielleicht auch in diesem Falle . Was war es mit dieser Brigitte ? « » Sie war sehr schön ... « » Das scheint im Namen zu liegen « , sagte Ebba und sah zu Holk hinüber . » Aber Schönheit bedeutet nicht viel , wenn man tot ist ... « » Und wurde durch eben ihre Schönheit « , fuhr Schleppegrell unerschüttert fort , » die Stütze der neuen Lehre , so daß einige sagen , ohne Brigitte Goje wäre Dänemark in der papistischen Finsternis geblieben . « » Schrecklich ... Und wie kam es anders ? « » Es war die Zeit der Befehdungen um Glaubens willen , und unserem um diese Zeit schon in der neuen Lehre stehenden Volke standen der dänische Adel und die dänische hohe Geistlichkeit gegenüber , vor allem Joachim Rönnow , Bischof von Roeskilde , der den Brand austreten und die kleineren und ärmeren lutherischen Geistlichen , so viel ihrer auch schon waren , aus dem Lande jagen wollte . Da trat Brigitte Goje vor den Bischof hin und bat für die bedrängten Lutherschen und daß sie bleiben dürften , und weil ihre Schönheit den Bischof rührte , so nahm er den Befehl zurück , und sein Herz und seine Seele waren so getroffen , daß er bei Mogen Goje , dem Vater Brigittens , um ihre Hand warb und sie zu seinem Weibe machen wollte . « » Nicht möglich « , sagte die Prinzessin . » Ein katholischer Bischof ! « Schleppegrell lächelte . » Vielleicht , daß er aus der neuen Lehre dies eine wenigstens mit herübernehmen wollte . Just so wie drüben in England . Jedenfalls aber haben wir Berichte , die von der Werbung um das schöne Fräulein mit einer Ausführlichkeit sprechen , als ob es schon die Hochzeitsfeierlichkeiten gewesen wären . « » Und kam es nicht dazu ? « » Nein . Es zerschlug sich , und sie nahm schließlich den Herluf Trolle . « » Da tat sie recht . Nicht wahr , Ebba ? « » Vielleicht , gnädigste Prinzessin , vielleicht auch nicht . Ich bin eigentlich nicht für Bischöfe , wenn es aber Ausnahmebischöfe sind wie dieser von Roeskilde , so weiß ich nicht , ob sie nicht im Range noch über die Seehelden gehen . Ein Bischof , der heiraten will , hat neben dem Imponierenden , das darin liegt , auch etwas Versöhnliches und scheint mir fast die ganze Beilegung des Kirchenstreites zu bedeuten . « Die kleine Pastorsfrau war entzückt und näherte sich Ebba , um dieser eine kleine Liebeserklärung ins Ohr zu flüstern . Aber eh sie dazu kommen konnte , veränderte sich die Szene , gedeckte Tische wurden durch eine niedrige , ganz im Hintergrunde befindliche Seitentür herzugetragen , und als gleich danach auch doppelarmige , mit Lichtern reichbesetzte Leuchter aufgestellt wurden , erhellte sich die bis dahin ganz im Dunkel gelegene zweite Hälfte der Halle , was nicht bloß dem gesamten Raume , sondern vor allem auch dem großen Wandbilde samt den dazwischen eingelassenen Porträtbildnissen erheblich zustatten kam . Pentz war es , der zuerst diese Wahrnehmung machte . » Sehen Sie , Holk , wie Brigitte Goje lächelt . Alle Brigitten haben so was Sonderbares , auch wenn sie fromm sind . « Holk lachte . Die Tage , wo solche Bemerkung ihn hätte verlegen machen können , lagen zurück . Einundzwanzigstes Kapitel Man war bis nach elf beisammen , trotzdem bestand Holk darauf , das Schleppegrellsche Paar eine Strecke Wegs begleiten zu dürfen . Natürlich wurde dies dankbarst angenommen , und erst als man die Stelle , wo der Weg um die Seespitze bog , erreicht hatte , verabschiedete sich Holk wieder , der vorher die Begleitung Ebbas , sehr zur Verwunderung dieser , an Erichsen abgetreten hatte . Von der Seespitze bis zurück auf den Schloßhof war nicht weit , aber doch weit genug , um Holks Verwunderung gerechtfertigt erscheinen zu lassen , als er , beim Hinaufsteigen in seinen Turm , Erichsen und Ebba , vor dem Zimmer dieser , in noch lebhaftem Gespräche fand . Aber freilich seine Verwunderung konnte nicht lange dauern , denn es war ganz ersichtlich , daß das Fräulein den armen Baron nur festgehalten hatte , um Holk bei seiner Rückkehr in der einen oder anderen Weise bemerkbar zu machen , daß sie nicht daran gewöhnt sei , sich irgendwem zuliebe vernachlässigt zu sehen , am wenigsten aber um dieser kleinstädtischen Schleppegrells willen . » Ach , daß ich Sie noch sehe « , wandte sie sich an den Grafen , als dieser unter verbindlichem , aber lächelndem Gruß an ihr und Erichsen vorüberwollte . » Ja , diese Schleppegrells ... Und nun gar er ! In seiner Jugend , wie mir die Prinzessin versicherte , war es sein Apostelkopf , womit er siegte , jetzt , in seinem Alter , ist es Herluf Trolle . Daß sich ein Fortschritt darin ausspräche , kann ich nicht zugeben . « Und damit verneigte sie sich und zog sich in ihr Zimmer zurück , wo Karin ihrer Herrin bereits wartete . Nun war Morgen ; - er schien so hell ins Fenster , wie ein Novembermorgen nur irgendwie scheinen kann , aber die Nacht , die zurücklag , war stundenlang eine sehr stürmische gewesen . Ein Südoster hatte den am Turme hinlaufenden und hier und da locker gewordenen Blitzableiter unter wütendem Gerassel gepackt und hin und her geschüttelt , was aber für Holk am störendsten gewesen war , das war , daß der Mond , alles Sturmes unerachtet , bis in seinen zurückgelegenen und tief in die Wand eingebauten Alkoven geschienen hatte . Holk hätte sich durch Zuziehen der Gardine vor diesem unheimlichen Blicke schützen können , aber das widerstand ihm noch mehr ; er wollte den wenigstens sehen , der da draußen stand und ihm den Schlaf raubte . Gegen Morgen erst schlief er ein , und da noch unruhig und unter allerlei ängstlichen Träumen . Er war mit dem » Makellos « , darauf sich Admiral Jacob Bagge befand , in die Luft geflogen , und als er ein Stück Mast gepackt hatte , um sich daran zu retten , war Ebba von der anderen Seite her , ganz wie ein Meerweib , aufgetaucht und hatte ihn von dem Mast fort- und in die Flut zurückgerissen . Darüber war er erwacht . Er überlegte sich jetzt den Traum und sagte : » Sie wär es imstande . « Diesem Gedanken nachzuhängen , war er durchaus in der Laune ; doch verbot sich ein Verweilen dabei , denn ein alter Gärtner , der jedesmal , wenn die Prinzessin im Schloß war , die Morgenbedienung in den beiden Türmen zu machen hatte , kam gerade mit dem Frühstück und entschuldigte sich , während er den Tisch ordnete , daß es so spät geworden sei . Das Fräulein von Rosenberg habe denn auch schon gescholten und mit gutem Recht . Aber es werde schon anders werden ; nur vorläufig sei noch nichts in der rechten Ordnung . Dabei übergab er zugleich die Zeitungen , die für Holk eingetroffen waren , und einen Brief . Holk nahm den Brief und sah , daß der Poststempel fehlte . » Ja , der fehlt « , bestätigte der Gärtner . » Es ist kein Postbrief ; Pastor Schleppegrell hat ihn abgeben lassen . Und einen anderen für das Fräulein . « Und damit ging der Alte wieder . » Ah , von Pastor Schleppegrell « , sagte Holk , als er wieder allein war . » Das freut mich , da bin ich doch neugierig , was er schreibt . « Aber diese Neugierde konnte nicht übergroß sein , denn er legte den Brief eine gute Weile beiseite , und erst als er sein Frühstück , das ihm sichtlich mundete , beendet hatte , nahm er den Brief wieder zur Hand und setzte sich in einen in der Nähe seines Schreibtisches stehenden Schaukelstuhl , der zu der übrigen Einrichtung des Turmzimmers nicht recht passen wollte . Hier erst erbrach er den Brief . Und nun las er : » Hochgeehrter Herr Graf . Ihr Interesse , das Sie gestern so freundlich für meinen Freund Herluf Trolle zeigten , gibt mir den Mut , Ihnen ein sich mit eben diesem Freunde beschäftigendes Balladenbruchstück zu schicken , das ich vor Jahr und Tag gefunden und aus dem Altdänischen übertragen habe . Kaum ist es nötig , Ihr Wohlwollen dafür anzurufen , denn wo wir mit Liebe lesen , lesen wir auch mit Milde . - Gegen elf haben wir vor , meine Frau und ich , Sie und das Fräulein von Rosenberg , das ich gleichzeitig davon benachrichtige , zu einem gemeinschaftlichen Gange durch den Park abzuholen . Vielleicht auf Fredensborg zu . Wir werden freilich kaum das erste Drittel des Weges bezwingen , aber gerade dies erste Drittel ist von besonderer Schönheit und vielleicht um diese Jahreszeit schöner als zu jeder anderen . Um zwölf sind wir zurück , um pünktlich bei der Prinzessin , unserer gnädigen Herrin , erscheinen und an ihrem festlichen Lunch teilnehmen zu können . Denn ein kleines Fest wird es wohl sein . Ihr ergebenster Arvid Schleppegrell « Eingelegt in den Brief war ein rosafarbenes Blatt , darauf von Frauenhand geschriebene Verse standen . » Ach , mutmaßlich die Handschrift meiner kleinen Freundin , der Frau Pastorin . Sie scheint zu den Liebenswürdigen zu gehören , die sich überall durch kleine Dienste nützlich zu machen wissen , denn daß sie persönlich eine Passion für Herluf Trolle haben sollte , will mir nicht recht einleuchten