eure Begleiter , und richtet eure Dinge in Ordnung . « Die drei Männer versprachen es , und verließen das Gemach . Darauf sandte der Herzog Boten an die Herren Bogdan , Sezima und Zwest . Als sie gekommen waren , sprach er : » Seid gebeten , ihr Männer , nach Mähren in die Stadt Znaim zu reiten . Dort ist bei dem Herzoge Konrad der erstgeborne Sohn des verstorbenen Herzoges Sobeslaw namens Wladislaw . Sprecht zu ihm : Wladislaw der Herzog von Böhmen und Mähren läßt dir in Liebe und Freundschaft sagen , da du auf seine erste Botschaft , die dich nach Böhmen eingeladen hat , geantwortet hast , daß du sehr gerne kommen werdest , so bittet er dich , du mögest das Geleite dieser Männer nach Prag nicht verschmähen , daß er dir wie ein Bruder sei , daß er dir gebe , was dein Rang und dein Herkommen heischt , und daß du nach Gefallen seine Umgebung verherrlichest . Wenn du mit seinen Männern nicht zu ihm kömmst , so wird er mit Leid sehen , daß du gegen ihn feindlich gesinnt bist . Macht eure Vorbereitung , und empfangt dann , was an ihn wird geschrieben werden . « Er entließ sie , und sie entfernten sich . Da diese Herren ihr Gefolge ausgelesen , sich gerüstet , und die Schriften empfangen hatten , ritten sie ihrer Bestimmung zu . Als sich der Monat März zu Ende neigte , kam die Braut Wladislaws , Gertrud , die Schwester Leopolds des Markgrafen von Österreich nach Böhmen . Ein großes Geleite von Frauen und Herren war bei ihr . Es waren Chunrad von Asparn , Bruno von Pusinberg , Wernhard von Brun , Hadmar und Albero von Chunring , Heinrich von Gundramsdorf , Marchard von Hintberg , Heinrich von Mistelbach , Hartung von Ruhenegk und Wolftrigil von Stein . Der Herzog sendete ihr eine gleiche Zahl von Männern entgegen : Nacerat , Smil , Ben , Znata , Milota , Bartholomäus , Wecel , Drslaw , Domaslaw , und Stibor . Sie legten alle Pracht an , welche ihr Reichtum erlaubte , erwarteten den Zug an der Grenze , und geleiteten ihn nach Prag . Dort wurde die Vermählung vollzogen , und der Herzog Wladislaw und die Herzogin Gertrud gingen sogleich gegen Würzburg , um am siebenten Tage des Monates April mit dem deutschen Könige Konrad , dem Halbbruder Gertruds , in dieser Stadt zusammen zu treffen . Als Wladislaw wieder zurück gekommen war , ritt er mit einem Geleite in seine Burgen . Er ritt in die erste , untersuchte sie , und ordnete an . Dann ritt er in die zweite , und tat desgleichen , und so fuhr er fort . Witiko aber , da er Silvester verlassen hatte , ritt gegen Mittag durch die Orte Dobris Pisek und Netolic , bis er zu dem großen Walde gekommen war , der im Mittag und Abende das Land Böhmen von dem Lande Baiern schied . Es war jetzt Schnee auf seinen Zweigen und zwischen seinen Stämmen , und oft längere Zeit die Stille des Winters . Witiko ritt in die Gehölze hinein , und in ihnen fort . An manchen Strecken hatte er einen Führer . Am Mittage des dritten Tages , da er im Walde ritt , kam er über einen sanften Waldhang zu einem flachen spitzigen aber baumlosen Berg , auf dessen Gipfel ein rotes Kreuz stand . Witiko ritt an dem Berge vorüber , und kam an dessen Mittagseite zu einer hochfenstrigen Kirche , deren Turm ein braunrotes Keildach hatte , darauf kein Schnee war . Die Kirche war in geringer Entfernung mit einer Mauer umgeben . Von ihr ging das Land sanft gegen Mittag nieder , und es standen auf ihm zwei Zeilen von Häusern und Hütten hinab . Hinter und zwischen den Häusern und Hütten standen noch Bäume des Waldes . Weiter unten war ein kahles Tal , und jenseits des Tales stand eine Waldwand , welche höher und mächtiger war als alle , die Witiko bisher überritten hatte . Im Mittage dieser Wand mußten die Fluren sein , durch die Witiko vor zwei Jahren gekommen war , als er von Heinrich und den Angehörigen desselben Abschied genommen hatte . Er ritt an der Ringmauer der Kirche vorüber , und ritt dann zwischen den Häusern hinunter . Gegen das Ende derselben lag ein wenig gegen Morgen von den andern entfernt ganz allein ein steinernes Haus . Witiko lenkte von seiner Richtung ab , und ritt auf einem schmalen Schneepfade , der sich ihm bot , dem Hause zu . Als er dort angekommen war , ritt er durch das Tor , das sich in einer Mauer , die vom Hause weg ging , befand , und offen stand , in den Hof . Der Hof war gebildet durch das Haus , den Torbogen , einen steinernen Schoppen , eine steinerne Scheuer und einen steinernen Stall . Witiko stieg im Hofe von seinem Pferde . Da kam ein alter Mann aus dem Hause . Da ihn Witiko erblickte , rief er : » Sei gegrüßt , Martin . « Der alte Mann rief : » Witiko , Ihr seid es , um Gott , welch eine Freude . Da müssen wir ja gleich das Pferd versorgen . « Sie führten das Pferd in den Stall , befreiten es von Sattel und Zaum , hingen es mit einer Halfter an , und deckten , daß es sich langsam abkühle , eine große Wolldecke , die da war , über den Leib . Dann schlossen sie die Stalltür gut zu , und gingen in die Stube . » Da seid Ihr wieder nach so langer Zeit , Witiko « , rief der alte Mann . Witiko legte seinen groben Wollmantel ab , nahm seine Lederhaube von dem Haupte , legte sie auf den Tisch , und setzte sich selber auf einen Stuhl . » Ja , da bin ich « , sagte er , » und werde wohl eine gute Weile bei euch bleiben . « » Das ist sehr erfreulich « , antwortete der alte Mann , » aber wie werdet Ihr im Winter in dem Walde bleiben können ? « » Im Winter , und vielleicht noch länger « , sagte Witiko . » Da muß ja das Haus zubereitet werden « , erwiderte der Mann . Er ging nach diesen Worten zu der Tür der Stube und rief hinaus : » Lucia ! Lucia ! « Eine Magd kam herein , welche in einen kurzen dunkeln und faltigen Rock gekleidet war , eine weiße Schürze und ein weißes Tuch um das Haupt hatte . Sie fragte nach dem Begehren des alten Mannes . » Der Sohn der Herrin dieses Hauses wird im Winter und im Sommer und vielleicht noch länger hier bleiben « , sagte er , » du mußt ihm ein Essen bereiten , mußt in den Ofen neues Holz legen , und mußt das Haus in den gehörigen Stand setzen . « » Ich werde sogleich heizen « , sagte das Mädchen , » werde Speisen auf den Herd setzen , und wenn die Dinge ins Sieden kommen , werde ich zu Dorotheens Agathe gehen , daß sie mir mit ihrer Schwester bei dem Ordnen des Hauses hilft . « » Tue so « , sagte der alte Mann , und die Magd verließ das Zimmer . Dann sagte der alte Mann zu Witiko : » Wir haben schon gegessen , und Ihr müßt nun ein wenig warten , bis für Euch aufs neue etwas bereitet wird . « » Ich kann leicht warten « , entgegnete Witiko . » Ihr seid sehr lange nicht in diesem Eurem Hause gewesen « , sagte der Mann . » Nun bin ich hier « , entgegnete Witiko . » Möge es Euch eine gute Herberge werden « , sagte der andere . » Wie es ist , wird es mir recht sein « , antwortete Witiko . Er stand nach diesen Worten auf , schnallte sein Schwert von seiner Hüfte , legte es auf den Tisch , und sagte : » Hier werde ich es wohl nicht brauchen . « Eben so zog er seine Pelzhandschuhe von den Händen , und legte sie zu dem Schwerte . Dann setzte er sich wieder auf den Stuhl , und sagte : » Hier bin ich also . « Der alte Mann setzte sich in einiger Entfernung von Witiko auch auf einen Stuhl , und fragte nicht , woher der junge Reiter gekommen sei . Witiko sprach auch nicht , und so saßen sie eine Weile schweigend da . Dann sagte Witiko : » Wir müssen nun weiter zu dem Pferde sehen . « Sie standen auf und gingen in den Stall . Witiko befühlte mit der Hand das Tier , ob es gut ausgekühlt sei . Dann gab er ihm reinen Haber in den Born . Der alte Mann streute frisches Stroh , wenn es sich später zur Ruhe legen wollte . Auch brachte er ihm nach einer Zeit Wasser zum Trinken . So gingen sie öfter zu dem Tiere , bis es versorgt war . Nachdem eine Stunde seit der Ankunft Witikos vergangen war , kam die Magd mit weißem Linnenzeuge in die Stube , legte die Lederhaube und das Schwert und die Handschuhe von dem Tische auf eine Bank , und deckte das Linnenzeug über den Tisch . Dann legte sie einen hölzernen Teller und Eßgeräte vor Witiko . Hierauf brachte sie Brod gesottenes geräuchertes Schweinfleisch geschnittenen gesäuerten Kohl , Klöße , die aus Roggenmehl bereitet waren , und Bier . Witiko aß von den Speisen nach seinem Hunger , und trank von dem Biere nach seinem Durste . Sodann wurde der Tisch abgeräumt . Hierauf öffnete Lucia eine Tür , welche in eine Kammer führte , die sich neben der Stube befand . Zwei andere Mädchen kamen mit Wasser in Zubern , mit Strohknäueln und Sand , und begannen , den Fußboden der Kammer zu scheuern . Da sie mit dieser Arbeit fertig waren , wurden die Fenster der Kammer geöffnet , daß die kalte Winterluft den Boden trockne . Hierauf wurde auf ein Gestelle , das aus Tannenbalken und Tannenbrettern gemacht war , frisches reines Stroh gebunden , auf das Stroh wurde weiße Leinwand gedeckt , und auf die Leinwand wurde ein Strohpolster und wurden wollene Decken und Felle zu Witikos Nachtlager gelegt . Dann wurden die Fenster geschlossen , der trockene Boden wurde mit weißem Sande bestreut , und in dem Ofen wurde ein Feuer aus Tannenscheiten angezündet . Als die Kammer durchwärmt war , wurde Witikos Mantel sein Schwert seine Lederhaube und seine Handschuhe in dieselbe getragen , und ein Teil dieser Dinge auf eine Bank ein Teil auf eine Truhe , die da stand , gelegt . Darauf wurde er gebeten , auch in die Kammer zu treten . Da er es getan hatte , wurde mit der Scheurung und Reinigung der Stube der Bank um den Ofen der andern Bänke der Stühle und des Tisches begonnen . Als dies Werk vollendet , die Stube mit Sand bestreut , ausgewärmt , und in ihren Geräten in Ordnung gebracht war , öffnete der alte Mann die Tür der Kammer , führte Witiko heraus , und sagte ihm , diese zwei Gemächer seien seine Wohnung , so lange es ihm gefallen wolle , in dem Hause zu bleiben . Als er noch redete , trat ein Mann in einem kurzen Lammspelze und einer Lammspelzhaube und mit einer Axt auf der Schulter in die Stube . Der alte Mann sagte zu ihm : » Der junge Reiter ist der Sohn unserer Herrin , er wird in dem Hause hier bleiben , so lange er es für gut hält . « Dann sagte er zu Witiko : » Das ist Raimund der Knecht . Er ist in dem Walde gewesen , um Holz zu spalten , und kommt jetzt , da die Dämmerung eintritt , zurück . Wir besorgen so das Haus , ich , der Knecht Raimund und Lucia die Magd . Die Taglöhner , die wir dingen , helfen nur bei größeren Arbeiten . « » Und wo wohnet denn ihr , wenn du mir die große Stube dieses Hauses und die Kammer zur Wohnung einräumst ? « fragte Witiko . » Das Haus hat ja noch Raum genug « , sagte der Mann , » wißt Ihr es denn nicht , wir wohnen ja nie in der Stube und Kammer , ich bin in dem Stüblein , welches der Stube gegenüber liegt , und dessen Fenster auf den Hof hinaus sehen , Lucia schläft in der Kammer neben der Küche , und der Knecht schläft in dem Bretterverschlage in dem Stalle . Dann ist ja noch allerlei Raum . « » Nun es wird sich schon fügen « , sagte Witiko . » Wir werden Euch alle Dienste leisten , die Ihr braucht « , sagte der alte Mann . » Ich werde nicht viel verlangen , Martin « , entgegnete Witiko , » und ich werde euch , wo ich es kann , in euren Geschäften helfen . « » Das wäre nicht recht und nicht billig « , versetzte Martin . » Nein , das wäre nicht recht « , sagte der Knecht . » Wir wollen nicht hadern « , entgegnete Witiko , » es wird sich alles finden . « » Ja , ja « , sagten die andern . Hierauf reichte der Knecht Witiko die Hand , und ging aus der Stube . Es war indessen Abend geworden . Witiko besorgte sein Pferd mit der Hilfe Martins , aß noch etwas von der Suppe , die ihm Lucia gebracht hatte , sperrte , als sich Martin entfernt hatte , die Stubentür , und legte sich in der Kammer auf seinem Tannengestelle zur Ruhe . Im Morgengrauen des anderen Tages fragte er Martin , ob er ihm Fußbekleidungen verschaffen könne , mit denen er durch jede Tiefe des Schnees zu gehen vermöchte . Martin bejahte es , und brachte ihm einen Mann , der solche Dinge verfertigte . Witiko las sich aus dem mitgebrachten Vorrate zwei Paare langröhriger aus starkem Leder verfertigter Stiefel aus , bezahlte sie , und zog sogleich ein Paar an . Als er sein Morgenmahl , das Lucia aus Milch und Mehl bereitet hatte , verzehrt , als er die Besorgung seines Pferdes beendet hatte , und als eben die Sonne über den Föhrenwald , welcher im Morgen des Ortes stand , herauf ging , trat er aus der Tür des Hauses in das Freie . Er ging auf dem schmalen Pfade zu den Häusern , ging zwischen ihnen empor , ging an der Kirche vorüber , und begann , den Berg , auf welchem das rote Kreuz stand , zu besteigen . Er fand keinen Weg , sondern mußte sich einen durch den Schnee brechen . Er ging zwischen blaulichem Wacholdergestrippe , das hie und da durch den Schnee hervor ragte , bis zu dem roten Kreuze empor . Dort tat er ein kurzes Gebetlein , und sah dann herum . Zu seinen Füßen unter dem Berge lag der Ort mit den Schneedächern seiner Hütten und Häuser . Hie und da stieg ein Rauch empor . Weiter unten war die längliche weiße Tafel des Tales . Witiko wußte , daß dort die Moldau sei ; aber sie war nicht zu sehen , alles war durch die gleiche weiße Hülle des Schnees gedeckt . Um das Tal war lauter Wald . Im Morgen ging nicht fern von den Häusern sanft ein Föhrenwald empor . Von ihm weiter gegen Mittag war ein breiter mächtiger Waldrücken , dessen Rand , wohl vier Wegestunden entfernt , schon bläulich dämmerte . Witiko kannte ihn sehr wohl . Es war der Wald des heiligen Thomas , auf dessen Rande er dort , wo das Bild des heiligen Apostels Thomas gewesen war , vor zwei Jahren mit dem Führer Florian gestanden war , und von dem er dann zu der Moldau und den Häusern von Friedberg hinab gestiegen war . Witiko sah lange auf den Wald . Dann blickte er gegen Mittag auf die Waldwand , jenseits welcher das Aigen sein mußte , von wo aus der Führer Florian mit ihm gegangen war . Hierauf lenkte er seine Augen gegen Abend auf eine noch größere Waldwand , die von Steinrippen durchzogen war , welche im Morgenlichte sichtbar wurden , und in welchen der schwarze See war , auf den er mit Wolf hinab geschaut hatte , und dessen Dasein von dieser Ferne kaum zu ahnen war . Gegen Mitternacht sah er ganz nahe an seinem Berge den Waldhang , über den er gestern herein geritten war , und über welchen hin in großer Ferne Prag liegen mußte , das er vor zwei Jahren des Herzogs Sobeslaws willen gesucht , und das er nun wieder verlassen hatte . Als er seinen Augen Genüge getan hatte , sprach er vor dem Kreuze die Worte des Kreuzzeichens , und stieg über den Berg durch den glänzenden Schnee hernieder . Da er zu den Häusern gekommen war , ging er auf ein kleines Steinhäuschen , das neben der Kirche stand , zu , ging in dasselbe hinein , und trat in die Stube . In derselben saß ein Greis mit weißem Barte vor einem großen Buche . Am Ofen saß ein Mütterlein , und spann . » Seid mir willkommen , ehrwürdiger Herr « , sagte Witiko , » ich bin in Eure Stube getreten , Euch zu grüßen , und Euch zu besuchen . « » Ei , Witiko « , sagte der alte Mann , indem er aufstand , » seid Ihr auch wieder einmal nach Plan gekommen ? Und wie schön und frisch Ihr ausseht . Seid recht herzlich gegrüßt . « Das Mütterlein war von dem Spinnrade aufgestanden , wischte mit ihrer blauen Schürze einen Stuhl ab , und reichte ihn Witiko zum Sitzen . Dieser ließ sich auf den Stuhl nieder . » So seid Ihr noch immer auf der Pfarre in Plan ? « sagte Witiko zu dem alten Manne . » Ich bin noch da « , entgegnete der Mann , » werde wohl auch da bleiben , und in nicht entfernter Zeit als Pfarrer von Plan sterben . Ihr kennt ja meine Schwester Anna auch noch ? « » Freilich « , antwortete Witiko , und sah gegen die Spinnerin hin . Diese blickte ihn mit freundlichen blauen Augen an . » Plan ist ein sehr schöner Ort « , sagte der Pfarrer , » er liegt lieblich in dem Walde , und er ist auch wichtig . Als das Christentum noch wenig verbreitet war , als das ganze Land Böhmen noch am Heidentume hielt , waren hier zwei christliche Einsiedler , die den Fleck reuteten , darum er der obere Plan heißt , und die die christliche Lehre ausbreiteten . Darum ist dann auch eine Kirche geworden , die sehr alt ist . Die vielen Einsiedler in dem großen langen Walde hinauf sind die ersten Prediger der christlichen Lehre in diesem Lande geworden . Werdet Ihr lange hier bleiben ? « » Vielleicht länger als sonst « , sagte Witiko , » es ist noch ungewiß . « » Dann werdet Ihr doch auch zuweilen zu mir kommen , und gestatten , daß ich Euch auch in Euerem Hause begrüße « , sagte der Pfarrer . » Ich werde kommen , und es wird mir eine Freude sein , Euch bei mir zu sehen « , entgegnete Witiko . Die alte Anna , welche aus der Stube gegangen war , kam jetzt wieder herein , und brachte auf einem Teller Brod und Salz und in einem Kelchglase Met . Sie stellte die Dinge vor Witiko auf den Tisch , und sagte : » Wohl bekomme es zum Gruße . « Witiko nahm ein Schnittchen Brod , salzte es , und aß es . Dann tat er einen Schluck aus dem Glase . Hierauf erhob er sich , um sich wieder zu entfernen . Der alte Pfarrer nahm einen Lammspelz von einem Nagel an der Wand , zog ihn an , und begleitete Witiko aus dem Hause . Eine kurze Strecke unterhalb des Pfarrhäuschens kam Witiko an der Schmiede vorüber . In derselben wurde ein Pferd beschlagen . Witiko ging näher , schaute zu , besah das Pferd , und redete dann mit dem Schmiede und dem Eigentümer des Pferdes über das Pferd und über einige andere Dinge . So sprach er auch mit mehreren Männern und Frauen , welche , da er an ihren Wohnungen vorüber ging , heraus kamen , und ihn grüßten . Des Mittags mußten Martin Lucia und Raimund mit ihm an dem großen Tische in der Stube essen . Am Nachmittage ritt er auf seinem Pferde in der Richtung gegen Morgen in den Wald , und kam nach zwei Stunden wieder zurück . Am Abende , da das Pferd besorgt war , da Raimund und Lucia mit der Pflege der Rinder fertig waren , und Lucia ihre Milch aus dem Stalle in die Vorratskammer gebracht hatte , wurde das Licht auf der Leuchte der Stube , die wie ein Herd in der Wand angebracht war , durch aufgelegte fette Kieferhölzer so verstärkt , daß die ganze Stube schimmerte . Martin Raimund und Lucia mußten zu ihrem Abendaufenthalte , wie sie auch sonst taten , in die Stube kommen . Selbst Martins großer graugetigerter Hund mußte herein gelassen werden . Lucia spann an der Leuchte , Raimund flickte weiter entfernt an einem Dreschflegel , und Martin saß müßig auf der Ofenbank . Witiko saß auf einem Stuhle . Der Hund hatte sich unter den Tisch gelegt . Nach der siebenten Stunde trat ein Mann in einem Lammspelze einer Lammspelzhaube und in groben weißwollenen Beinbekleidungen mit schweren Stiefeln in die Stube . » Gottes Gruß « , sagte der Mann . » Gottes Dank « , sagten die Anwesenden . » So lebst du auch noch , Tom Johannes , der Fiedler « , sagte Witiko , » es freut mich , daß du uns besuchst . Wie geht deine Kunst ? « » Ei , Witiko « , entgegnete der Mann , » so kennt Ihr mich noch . Und die Kunst , wie sie geht ? Die Hochzeiten kommen fast ab , und bei den Tänzen werden die Spielleute immer mehr . Ich kann von den Rüben meines Feldes besser leben als von der Kunst . « » Nun von beiden « , sagte Witiko . » Und was hat denn Euch im Winter zu uns geführt ? « fragte der Mann . » Es hat sich so gefügt « , sagte Witiko . » Und werdet Ihr jetzt länger bei uns bleiben als früher ? « fragte der Mann . » Wie es eben geschieht « , antwortete Witiko , » ich weiß es selber noch nicht . « Während dieser Worte hatte Martin einen Laib schwarzen Roggenbrotes und ein Messer auf den Tisch gelegt , und Salz dazu gestellt . Der Mann setzte sich zu dem Tische , schnitt sich mit dem Messer ein Schnittchen Brod ab , bestreute es mit Salz , und aß es . Dann sprachen sie von mancherlei : von Leuten , die gestorben sind , von andern , die geheiratet haben , wieder von andern , die in die weite Welt gegangen sind , und von solchen , die in den innern Ländern Krieg wünschen , um dahin zu gehen , und Beute zu machen . Sie sprachen von dem Landbaue von der Viehzucht , und was sich in dem Walde begibt , und was sonst Neues in der Welt ist , und von ähnlichen Dingen . Um die neunte Stunde erhob sich der Mann , sagte eine ruhige Nacht , und entfernte sich . Lucia trug ihr Spinnrad aus der Stube , Martin mit dem Hunde und Raimund suchten ihre Schlafstellen , und Witiko legte sich auf sein Tannengestelle , indem er die Tür von der Kammer in die Stube offen , und die Föhrenklötze auf der Leuchte verglimmen ließ . Am nächsten Morgen besah Witiko , so wie er am Tage vorher Berg und Tal und Wald überschaut hatte , das Haus , in dem er war , und seine Wirtschaft . Er besah die zwei Gespanne Ochsen , die Kühe , die einigen Schafe , die Schweine und das Federvieh , er besah die Scheuer die Holzlaube die Wagenlaube die Vorratskammer und den Keller . Dann ging er in drei der nächsten Nachbarhäuser , und besuchte deren Bewohner . Nach dem Essen ritt er auf seinem Pferde wieder in den Wald . Am Nachmittage ließ er einen Mann kommen , welcher Kleider verfertigte , und bestellte sich ein Gewand aus dem groben weißgrauen Wollstoffe , welcher in dem Walde gemacht und getragen wurde . Durch Martin ließ er sich eine graue Filzhaube kaufen . Am Abende dieses Tages kamen vier Männer in Lammspelzen zu Witiko in die erleuchtete Stube . Es war Tom Johannes der Fiedler , es war Stephan der Wagenbauer , es war Christ Severin der Wollweber , und es war David der Zimmerer . Martin setzte ihnen wieder Brod und Salz vor , und sie taten , wie gestern Tom Johannes . Lucia saß an der Leuchte , und spann , Raimund schnitt aus Buchenklötzen lange Späne , Martin flocht an einem breiten Tragbande , und Witiko auch an einem . Man sprach wie gestern von verschiedenen Dingen , und um die neunte Stunde entfernten sich die Männer , und gingen nach Hause . Am dritten Tage war es ungefähr wie an den vorhergegangenen zwei Tagen . Am vierten Tage kam gegen den Mittag ein Mann auf einem Saumtiere gegen das steinerne Haus . Er war in ein sehr weites dunkelbraunes Wollgewand gekleidet , das ein Ledergürtel zusammenhielt . Auf dem Haupte hatte er eine Haube von schwarzen Lammfellen , die über die Ohren und den Nacken ging . Er saß zwischen zwei Päcken von rauher Dachshaut auf seinem Saumpferde . Als er in den Hof des Hauses gekommen war , gingen Witiko und Martin hinaus . Der Mann stieg von seinem Tiere , und sagte : » Bores läßt Euch sehr schön grüßen , Witiko , es wird nichts fehlen . « » Das ist gut « , sagte Witiko , » wann bist du in Hostas Burg weggeritten ? « » Vor neun Tagen « , antwortete der Mann , » der Schnee hindert das Weiterkommen sehr . « » Du bist gut genug weiter gekommen « , sagte Witiko , » Raimund wird die Päcke abschnallen helfen , du bringe dann dein Pferd in den Stall , und gehe darauf in die Stube , daß man dir eine Erquickung gebe . « Martin rief nach Raimund , und da er gekommen war , lösten sie die Päcke von dem Saumtiere , und Raimund trug sie in Witikos Kammer . Witiko folgte ihm . Der Mann brachte das Pferd in den Stall , und ging dann in die Stube . Dort legte er sein baumwollenes Oberkleid und seine Lammshaube ab , und setzte sich an den Tisch . Man gab ihm Bier und Brod . Witiko ging in die Kammer , kam bald darauf wieder heraus , und trug ein Päckchen in der Hand , das in Fuchsfell genäht war . » Da ist etwas an einem meiner zwei Päcke angebunden gewesen , das ich nicht kenne « , sagte er . » Es wird schon recht sein « , entgegnete der Mann , » Bores hat es mir gegeben , und hat gesagt , ich soll sehr acht darauf haben , deshalb habe ich es an einen Pack gebunden . « Witiko trennte die Naht , und es kam ein sehr schlechter Gürtel aus dem Fuchsfelle . Der Gürtel hatte eiserne Buckeln , und war mit Leder gefüttert . Als Witiko noch einmal in dem Fuchsfelle nachsah , fand er ein Papier , auf dem von Bores ' Hand geschrieben stand : Die hocherlauchte Herzogin Adelheid hat manchem Manne des verblichenen Herzoges ein Ding des Herzoges gegeben , und dir Witiko gibt sie den Gürtel , den der Herzog auf dem Sachsenzuge getragen hat , sie gibt ihn dir , weil der Herzog gesagt hat , du seiest auf jenem Zuge klug gewesen , und sie gibt ihn dir , weil der Herzog ebenfalls gesagt hat , daß du in eine große Gefahr für ihn nach Prag gegangen bist . Witiko hielt den Gürtel eine Zeit in der Hand , und betrachtete ihn . Dann ging er in seine Kammer , und legte ihn in das Fuchsfell gewickelt in die Truhe . Hierauf öffnete er die rauhen Päcke , und nahm die Dinge , die in ihnen waren , heraus . Es war die Kleidung und Ausrüstung eines Reitersmannes . Er legte alles in die Truhe zu dem Gürtel . Darauf ging er in die Stube hinaus , und sagte : » Es ist alles richtig . Verweile , so lange du willst , bei uns . Ich werde dir dann deinen Lohn geben , und du kannst wieder deiner Wege ziehen . « » Mit Eurem Wohlnehmen werde ich einen Tag rasten , und dann auf den Rückweg gehen « , sagte der Mann . » Tue nach deinem Gefallen « , entgegnete Witiko , » wo ist denn die erlauchte Herzogin ? « » Ei in Hostas Burg « , antwortete der Mann . » Ist sie noch in der Burg , in welcher ihr erlauchter Herzog gestorben ist « , sagte Witiko . » Sie schläft in dem Gemache , in welchem der Herzog gestorben ist « , sagte der Mann . » Und wer ist bei ihr ? « fragte Witiko . »