, die man ihnen vorsagte , als solche zu nennen , welche mit ihnen dem Teufel gehuldigt und Hexensabbath gefeiert . Die Angegebenen wurden dann wieder so grausam gefoltert und gemartert , bis sie endlich auch gestanden - und dann wurden sie auf unmenschliche Weise hingerichtet oder verbrannt . Aber trotzdem , daß so ein Gelehrter versuchte diese Schändlichkeit zu enthüllen und zu erklären , wollte man nun an andern Orten auch von Zauberei und Teufelsspuk hören , und die Finsterlinge , denen stets die Dummheit des großen Haufens und der Glaubenseifer edlerer Naturen willkommen ist ihr Reich zu kräftigen , fanden hier ein treffliches Netz , es immer weiter auszuwerfen und mehr darin zu fangen . « » Wenn ich nicht irre , « sagte Hieronymus , » sind es etwa fünf Jahre , daß Papst Innocenz die Bulle erließ , durch welche der Hexenglaube und das damit verbundene Rechtsverfahren die kirchliche Weihe erhielt ; aber Du überschätzest wohl die Schädlichkeit ihres Einflusses . « » Gewiß nicht ! « eiferte Ulrich ; » die Dominikaner und Professoren der Theologie Heinrich Krämer in Oberdeutschland - und Jakob Sprenger am Rhein waren schon zu Inquisitoren ernannt , als sich noch viele der besseren und aufgeklärteren Geistlichen ihrem Verfahren widersetzten ; aber seit der päpstlichen Bulle und noch mehr seit der päpstlichen Bestätigung wagt das Niemand mehr , die Geistlichen wie die Laien haben sich gefügt , denn diejenigen , welche es nicht thaten , wurden ihrer Stellen verlustig . Der Hexenhammer , der erst kürzlich erschienen , enthält eine förmliche Hexengerichtsordnung , die nun überall gelten soll . Unsinn , Dummheit und Unflätherei wetteifern darin mit der schauderhaftesten Grausamkeit , und unzählige Frauen sind bereits als ihre Opfer gefallen . Das Schlimmste ist nur , daß die weltlichen Gerichte ihr Ansehen allein dadurch zu behaupten wähnen , daß sie den geistlichen Gerichten nicht die Spitze zu bieten , sondern ihnen zuvorzukommen suchen ; so kommt es endlich zu einem förmlichen Wetteifer , wer mehr Teufels- und Hexenspuk aufspüren und wer seine Opfer gräßlicher foltern und bestrafen kann . « Die Beiden sprachen noch lange so über ein einmal angeregtes schreckliches Thema und über eine , durch ein einziges Wort heraufbeschworene Gefahr , die nun wie ein Damoklesschwert über Ulrich ' s Haupte hing ; denn kam der Verdacht eines unehrlichen Herkommens auf einen Baubruder ; war seine Mutter der Schande verfallen , so verfiel er derselben mit und ward für immer aus der Gemeinde der freien Maurer ausgestoßen und dadurch zugleich gewissermaßen für vogelfrei erklärt . Als der zweite Abend nach diesem herankam , zogen die Baubrüder , ohngefähr zehn an der Zahl , vor das Thor an der Veste sich im Walde zu ergehen . Keiner , außer Hieronymus und Ulrich , ahnte dabei eine andere als die von diesen angedeutete Absicht , die schöne Waldluft zu genießen und an der Natur selbst Muster der Ornamentik zu studieren . Denn wie überhaupt die himmelanstrebenden Säulen der gothischen Dome , die oben in Zweigen und Aesten sich auseinander theilten , in den deutschen Hainen majestätischer Buchen und schlank aufstrebender Tannen ihre Vorbilder hatten , so bildete man jetzt mit immer wachsenderer Vorliebe für das Vegetabilische die Verzierungen an Säulen und Thüren , Piedestalen und Kapitälern dem lebendigen Laube in durchbrochener Steinarbeit nach , und die strebsamsten Steinmetzen , immer bemüht nach eigenen Anschauungen Neues und Eigenes zu schaffen , statt nach alten Maßbrettern zu arbeiten , suchten und zeichneten sich selbst ihre Muster in der Natur . Jeder der Baubrüder hatte seine Ledertasche umhängen , und an die Stelle des Abendbrodes , das darin steckte , bis es unterwegs verzehrt ward , sammelte man schön geformte Blätter hinein , sie gelegentlich als Modelle zu benutzen . Das kurze Schwert trug Jeder umgegürtet , nur bei der Arbeit trennten sie sich davon . Als sie an der von der Jüdin bezeichneten Hütte vorüber kamen , sagte Ulrich : » Mich dürstet , und hier sehe ich nirgends eine Quelle oder einen Brunnen ; ich denke , man wird mir hier einen Trunk Wasser nicht versagen . « Er schlug mit seinem Schwert an die verschlossene Thür , nur der eine Steinmetz Erwin , der auch Durst verspürte , wartete mit ihm . Endlich öffnete man , und eine alte Frau fragte unwirsch , was es gäbe . Als Ulrich sein Begehr sagte , entfernte sie sich in ein inneres Gemach , um ein Trinkgefäß zu holen . Auf einem Schemel in der unsauberen Hausflur saß ein Mann in städtischer Dienertracht , der Ulrich zunickend zu ihm sagte , wahrscheinlich um seine Anwesenheit in diesem üblen Lokal zu rechtfertigen : » Wenn Ihr nicht ganz verdurstet seid , möcht ' ich Euch nicht rathen hier zu trinken ! drinnen liegt eine alte Frau im Sterben - wer weiß , was ihr fehlt . Wir sind herausgegangen , weil sie die Amme meiner Herrin gewesen . « » Ja , « sagte Ulrich , » es ist auch ein schlechter Dunst hier : wenn Eure Herrin noch drinnen ist , möcht ' ich Euch rathen bald mit ihr zu gehen , damit ihr kein Leid geschieht ! ohnehin wird es bald dunkel , und da treibt sich hier oft schlechtes Gesindel herum ; das ist kein Weg für Damen . « » Das hab ' ich auch gesagt , « bestätigte der Diener . Die Frau kam mit dem Wasser , drinnen hörte man ächzen und stöhnen ; Erwin schüttelte sich jetzt vor dem Wasser , und Ulrich goß es draußen weg statt zu trinken und winkte dem Diener heraus . » Warum wartet Ihr nicht lieber außen ? « fragte er ihn . » Weil es ein verrufenes Haus ist ; man schämt sich , wenn einen Jemand sieht ; die Frau , die heraus kam , giebt sich mit Zaubereien ab , und ich kann nicht Jedermann erzählen , daß die Frau Scheurlin aus lauter christlicher Barmherzigkeit drinnen bei ihrer Amme sitzt , deren Sterben man ihr vorhin vermeldete und sie beschwören ließ herauszukommen , weil sie sonst nicht sterben könne . « » Eben weil es ein verrufenes Haus ist , « sagte Ulrich , » solltet Ihr außen Wache stehen , um zu beobachten , daß sich nichts Verdächtiges zeigt . Wir sind hier in der Nähe , ruft nach uns , wenn Ihr eines Beistandes bedürfet . « Damit ging er mit Erwin , der zu ihm sagte : » War es nicht die Scheurlin , die Ihr gegen einen Ritter vertheidigt , wie der König hier war , und die er selbst vor allen Frauen ausgezeichnet ? « » Ja , « antwortete Ulrich ; » wer weiß , droht ihr nicht wieder eine Gefahr , diese frechen Raubritter sind zu allen Schändlichkeiten fähig . Erst vor wenig Tagen ist bei Niclashausen ein Waarentransport überfallen worden , ein Trupp ritterliches Raubgesindel hat die Kaufleute und ihr Geleit in die Flucht geschlagen und ihre Waaren auf ihre Burgen geschleppt . Der Nürnberger Rath denkt immer sich allein helfen zu können , wenn die Reichsstadt aber nicht bald zum schwäbischen Bunde tritt , so wird das Uebel immer ärger werden . « Als die Beiden wieder zu den Andern kamen , theilten sie ihnen das eben Erfahrene mit , und Hieronymus sagte : » Es kann ja Einer von uns nahe bei der Hütte bleiben , dem furchtsamen Diener und der barmherzigen Frau zum Schutz , und die andern rufen , wenn es nöthig . « Ulrich war dazu bereit , aber er blieb so unter den Bäumen versteckt , daß er auch von der Hütte aus nicht gesehen werden konnte . Plötzlich sprengte ein geharnischter Ritter an ihm vorüber , er sprang vom Pferd und band es an einen Baum ; in der Ferne hörte man noch mehr Pferdegetrappel . Zu Fuß ging er an die Hütte und lauschte am Fenster . Ein mattes Licht schimmerte daraus . Außen war es dunkel geworden . Ulrich schlich ihm leise so weit nach , als er es wagen konnte , um nicht gesehen zu werden . Es dauerte noch eine Weile , da trat Elisabeth aus der Hütte von dem Diener gefolgt . Der Ritter näherte sich ihr und bot ihr sein Geleit , wie es schien - Ulrich verstand keine Worte - er hörte einen schrillenden Hülferuf Elisabeth ' s , dann des Dieners , dann einen gellenden Pfiff des Ritters . Auch Ulrich ließ einen lauten Ruf ertönen und stürzte auf den Ritter zu : die Schwerter blitzten im Dunkeln , der Diener floh , der Ritter hielt Elisabeth ; an seinem Panzer prallte Ulrich ' s Schwert machtlos ab , aber ihn traf das des Ritters in die Seite , er wankte - noch knieend hielt er Stand ; da kamen die andern Baubrüder , kamen auch die Knappen ; Erwin hatte sich des ledigen Pferdes des Ritters bemächtigt und war nach Nürnberg gejagt um Hülfe zu holen ; sie kam schnell , da das Häuschen nur eine Viertelstunde von der Stadt . Indeß währte das Getümmel und Gewirre fort - vergeblich hatte der Ritter versucht Elisabeth mitzuschleppen ; der knieende Ulrich hatte ihn in die Hand gehauen , daß er sie lassen mußte . Da die Bewaffneten aus der Stadt kamen , schwang sich der Ritter auf das Pferd eines im Kampf gestürzten Knappen , und es gelang ihm mit den andern zu entfliehen . Der Knappe , ein Steinmetzgeselle und Ulrich lagen für todt am Boden ; Elisabeth war zurück in die Hütte geeilt , nicht um sich zu retten , sondern um Wasser und Linnen und die Frau , welche sie bewohnte , zu holen den Verwundeten beizustehen . Die Frau folgte ihr mit Jammergeschrei ; Elisabeth sagte verweisend : » Das nützt nichts - helft ! « und neigte sich über den regungslosen Ulrich . Jetzt erst erkannte sie ihn , da ein Kienspan , den die Alte mitgebracht , ihn beleuchtete . Jetzt erst überrieselten sie kalte Schauer , jetzt erst war es mit ihrer Kraft vorbei . » Todt ! für mich ! « hauchte sie verzweiflungsvoll . Er schlug die Augen auf , und es war , als entströme ihnen ein verklärender Strahl , dann schloß er sie wieder , um seine Lippen zuckte der Schmerz - vielleicht war es zum letzten Male . Indeß hatten die Baubrüder und die herbeigeholten Stadtmilizen aus Stangen , die sie an der Hütte fanden , und Aesten , die sie im Walde brachen , Tragbahren bereitet und die drei Verwundeten darauf gelegt . Jetzt kam auch Herr Scheurl , von dem Diener benachrichtigt , mit zahlreicher Begleitung und einer Sänfte für seine Gemahlin . Als sie im Hause angekommen und er eine Erklärung von ihr forderte , konnte sie ihm keine andere geben , als daß gegen Abend ein Knabe zu ihr gekommen , den ihre ehemalige Amme , die jene Hütte mit einer ihr verwandten Holzhauerfamilie theile , schon oft als Boten zu ihr geschickt , um ihr zu sagen , daß die kranke Amme nicht ersterben könne , wenn sie nicht noch einmal sie gesehen . Sie sei darum mit dem Diener dahin gegangen , indeß ihr Gemahl nicht dagewesen . Die Amme war noch am Leben , aber nicht bei Bewußtsein , in der Hütte Niemand zu Hause als die alte Frau . Vergeblich habe sie lange gewartet , ob der Amme nicht ein lichter Augenblick komme , und dann sei sie endlich gegangen , da sie die Nacht gefürchtet . Der Ritter , der sich zu ihr gedrängt , habe das Visir geschlossen gehabt , sie könne nicht wissen , wer es gewesen . Daß sie in ihm Eberhard von Streitberg erkannt , verschwieg sie ebenso , wie sie den Vorfall auf der Hallerwiese verschwiegen , und bat ihren Gemahl um ihres Rufes willen die Geschichte nicht erst vor den Rath zu bringen und zu einer Untersuchung , die doch zu Nichts führe , da die Nürnberger ja keinen hängen , den sie nicht hätten ; zu den Verwundeten aber solle er den besten Bader schicken und ihnen auf seine Kosten die beste Pflege angedeihen lassen , oder wenn sie stürben - sie schauderte bei dem Gedanken - das beste Begräbniß . Für sich allein sann sie weiter nach , welch ' ein Netz von Verrätherei sie umspinne . Dies Ereigniß hatte etwa vier Wochen später stattgefunden als ihr Besuch bei dem Goldschmied Dürer . Drei Wochen nach diesem war der Meister bestürzt zu ihr gekommen und hatte ihr erzählt , wie Tags vorher nicht jene alte Frau , sondern ein Knappe mit geschlossenem Visir zu ihm gekommen und die Nadel verlangt habe . Er sei wohl vorbereitet gewesen eine alte Frau festzunehmen , aber nicht einen geharnischten Mann . Dennoch habe er ihm kurz und rund erklärt , daß er die Nadel niemals machen werde , da man ihn belogen und die Besitzerin sie nie verloren habe . Da der Knappe sein Schwert gezogen , habe er nach Hülfe geschrieen , aber ehe sie gekommen , sei Jener fort gewesen , nachdem er Vieles in seiner Werkstatt zertrümmert . Meister Dürer kannte den Knappen so wenig wie jene Frau ; mit der Beschreibung derselben stellte aber Elisabeth jetzt Vergleichungen an , und der Gedanke gewann Wahrscheinlichkeit , daß jene alte Frau in der Goldschmiedswerkstatt und in der Hütte dieselbe gewesen . Dennoch suchte sie vergebens in diesen Ränken , welche offenbar nur gegen sie geschmiedet waren , einen Zusammenhang zu erblicken . Kaum grübelte sie auch mehr darüber , als sie sich mit den Gedanken quälte , daß ihretwegen Blut geflossen , daß man sich um ihretwillen geschlagen , wohl gar gemordet ! Bald erfuhr sie , daß der Knappe wirklich todt sei . Das ertrug sie noch am leichtesten , denn er war einmal in die Hand der Nürnberger gefallen , und als ein Angreifer und Friedensbrecher wäre er entschieden gehangen worden , ja man würde ihm schon aus Rache , um dem verhaßten Raubadel wenigstens in seinen Dienern und Helfershelfern ein drohendes Beispiel zu geben , den höchsten Platz am Galgen angewiesen haben . Und wenn er nicht gleich gestanden , wer sein Herr gewesen und Alles was er wußte , so würde man ihn in den Marterkammern unterm Rathhaus » in der Güte befragt haben « , wie die Redensart hieß , hinter der sich die Anwendung der gräulichsten Marterwerkzeuge von den Händen der Folterknechte versteckte . So war es ein Glück für den Knappen , daß er nur todt in die Hände der Sieger gefallen war . Aber die Baubrüder , die nur die Beschützer einer wehrlosen Frau gewesen ? Für sie sandte Elisabeth heiße Gebete zum Himmel empor , da sie hörte , daß sie noch lebten , aber schwer an ihren Wunden darniederlagen . War es doch derselbe Steinmetzgeselle , der sie schon einmal vertheidigt - derselbe , der schon einmal ihre Aufmerksamkeit erregte und doch ihre Rose verschmähte . Zum zweiten Male war er ihr Retter geworden , hatte sie zum zweiten Male mit Gefahr seines Lebens beschützt . Wie eine Beschämung lastete das auf ihr , doppelt , da er das erste Mal vielleicht den Ritter gekannt , und sie überhaupt es seiner Verschwiegenheit dankte , daß von diesem Vorfall Nichts in der Stadt herum gekommen . Sie ahnte nicht , wie viel sie ihm zu danken hatte - aber schon das , was sie erkannte , drückte sie wie eine Last ! - Zwölftes Capitel Eine Jüdin Es war ein wüstes Durcheinander in dem Gemach , in dem Rachel , das Judenmädchen , einige Ordnung herzustellen suchte . Große Kisten und Laden waren übereinander gehäuft , einige von ihnen geöffnet und halb ausgepackt ; kostbare Stoffe und Pelze quollen daraus hervor . Rachel stäubte sie aus , um sie vor Insekten zu sichern oder auch davon zu befreien , je nachdem es sich nöthig zeigte . Zuweilen hielt sie bei dem Geschäft inne und lauschte durch die angelehnte Thür in ein zweites , ziemlich leeres und armselig eingerichtetes Gemach , das mit den hier aufgehäuften Schätzen auffallend contrastirte . Aus diesem führte eine zweite , jetzt verschlossene Thür hinaus auf die Treppe , und Rachel wollte nur nicht verhören , wenn Jemand komme und klopfe . Jetzt hörte sie draußen schlärfende Schritte die Stiege heran - es waren die ihres Vaters ; da brauchte sie nicht zu öffnen , denn er wußte draußen den verborgenen Winkel , wo die abgeschraubte Klinke zu dem Thürschloß lag , das ohne dieselbe nur von innen geöffnet werden konnte . Sie hörte ihn danach suchen , dabei gewohnte Flüche murmelnd , endlich öffnete sich die Thür . Der Jude Ezechiel war ein Mann von mittlerer Größe , dabei hager und von geschmeidigem Wesen . Der Typus seiner Gesichtszüge war entschieden orientalisch , eine große hervorragende Nase über einem vorstehenden Mund , den ein grauschwarzer Bart umwallte . Dürftiger war das Haupthaar , aber die Augenbrauen buschig , ein listig lauerndes Augenpaar beschattend . Er trug einen schwarzbraunen , bis auf die Füße reichenden Talar , eine buntstreifige Schärpe um den Leib und an dem linken Aermel die von dem Nürnberger Rath für Männer wie Frauen israelitischer Abkunft gleicherweise vorgeschriebenen drei gelben Streifen . Die Furchen seiner Stirn erschienen heute noch einmal so tief als gewöhnlich und prophezeiten nichts Gutes . Da er eintrat , herrschte er Rachel zu : » Geh ' hinein und bleib drinnen bei Deiner Arbeit , aber mache dabei kein Geräusch , damit nicht merkt die alte Jacobea , daß Jemand drinnen . Sie kann Dich einmal nicht leiden . Geh ' hinein , denn sie folgt mir auf dem Fuße und wird gleich da sein . « » Nun , « sagte Rachel , » ich kann sie auch nicht leiden , und es hat uns auch noch kein Glück gebracht , daß Ihr Euch mit ihr eingelassen . « » Still , rede nicht von Dingen , die Du nicht verstehst ; Geh ' hinein , sag ' ich ! « rief der Jude leise aber drohend , und Rachel gehorchte . Sie ging wieder in das zweite große Gemach und schloß die Thür hinter sich , aber sie dachte nicht daran , wieder an die vorige Arbeit zu gehen , sondern lehnte sich lauschend an die Thür , um kein Wort von dem zu verlieren , was die alte Jacobea drinnen mit ihrem Vater sprechen würde . Als diese eintrat , rief sie : » Es ist Alles verunglückt , und war Alles so schön gegangen ! Alle waren abwesend , mein Sohn wie seine Frau und der große Bube , um vor heute nicht wieder zu kommen . Die alte Marthe , die Amme der Frau Scheurlin , kam durch das Pulver , das ich ihr in den Brei gerührt , in einen Zustand , daß sie Nichts von sich wußte und irre redete ; da konnt ' ich getrost den kleinen Buben gegen Abend zur Stadt schicken , der Scheurlin melden zu lassen , daß die Amme in Todesnöthen nach ihr verlange . Wie klug sich auch die Scheurlin dünken mag , sie ging glücklich in die Falle , und brachte nur einen einzigen Diener mit . Wohl eine Stunde saß sie da bei der Irreredenden , bis es dunkel war ; ich sagte erst , sie solle warten , bis mein Sohn käme , der sie mit heimgeleiten könne . Aber sie wollte nicht , und wie sie hinausging , lauerte draußen schon der Ritter und ich hatte die Widerspänstige glücklich in seine Arme geliefert . Da hör ' ich draußen noch andere Stimmen als die ihrige schreien - ein ganzer Trupp Baubrüder kämpfte mit dem Ritter und den Knappen , dann kamen gar Bewaffnete aus der Stadt ; es hat Leichen und Verwundete auf dem Platz gegeben - der Ritter ist nur verwundet , aber ohne Beute entkommen . Den Nürnberger Rath fürcht ' ich nicht , noch weniger das Gericht des Burggrafen , denn ich habe meine Sache zu klug angefangen , kein Verdacht kann mich treffen - aber den Ritter und seine Kumpane werd ' ich nun auf dem Halse haben . « » Mißlungen ! « rief der Jude , » zum zweiten Male mißlungen - und durch Euch ! « » Hoho ! « rief die Alte ; » durch Euch oder Eure Sippe ! Verrathen worden ist ' s ! Was haben die Steinmetzen da draußen zu suchen ? im Leben habe ich nicht so viele beisammen dort im Walde gesehen ! Sind doch dieselben Beiden mit dabei gewesen , die den Streitberg schon auf der Hallerwiese angefallen und denen er ' s dankt , daß der König selbst ihn aus Nürnberg verwiesen . Der Ritter hat geschworen sich dafür zu rächen , und nun hat er hoffentlich wenigstens dem Einen den Garaus gemacht ! « Mit verhaltenem Odem hörte Rachel dies Alles ! Trotz ihrer Jugend war sie doch durch den Druck , unter welchem sie lebte , der sowohl auf ihr durch ihre nächste Umgebung als durch den Fluch lastete , der auf allen Juden ruhete , so daran gewöhnt sich selbst zu beherrschen , daß sich ihrer bis zum Ersticken geängsteten Brust kein Laut entrang , noch daß sie der Versuchung unterlag , die Thür zu öffnen und selbst zu fragen : » Welcher ist der Todte ? « Und sie war seine Mörderin ! sagte sie sich verzweiflungsvoll . Das hatte sie nicht gedacht . Warnen hatte sie Ulrich wollen vor seinem mächtigen tückischen Feind und vor dem bösen Leumund , der ihm drohte - und weil er ihrer Warnung nicht achtete , sowohl um dieser Nachdruck zu geben als auch aus Mitleid mit der schönen Frau , der ein so schmähliges Schicksal drohte , hatte sie ihm davon gesagt . Sie meinte nicht anders , als daß Ulrich sie vorher warnen werde , der drohenden Gefahr sich auszusetzen , und konnte weder beurtheilen , daß er dies unterlassen werde , besonders weil er es noch bezweifelte , noch daß er erst bereit sein würde der wirklichen Gefahr gegenüber sie mit seinem eigenen Leben zu beschützen . War er oder Hieronymus todt , so kam sein Blut über sie ; aber sie konnte es nicht ändern , daß zu den Vorwürfen ihres Gewissens auch der Jammer des Herzens kam , wenn Ulrich das Opfer war . Und schon leuchtete die Anklage des Verrathes gegen sie durch die Worte der Alten hindurch ; aber was sonst Rachel schon in namenlose Angst versetzt hätte vor den Vorwürfen und Strafen der Ihrigen , versank jetzt vor den Schrecken und der Qual , die ihr die Todesnachricht verursachte . » Nun , so ist er ihn ja los , « sagte der Jude gleichgültig ; » aber wenn Ihr versteht zu schweigen , so ist ja auch weiter Nichts dabei , als daß wir sind betrogen um den Lohn und haben gemacht ein schlechtes Geschäft , statt daß wir gemeint haben zu machen ein gutes . Wird wohl dem Ritter vergehen sich hier noch länger umherzutreiben , wenn er sieht , daß die feinen Nürnbergerinnen nicht gleich für Jeden sind zu haben . « » Der läßt keinen Schimpf auf sich sitzen ! « rief die Alte . » Wird ihm kaum Recht sein , daß der Ulrich von Straßburg ehrlich auf der Landstraße gestorben ! Dem , der ihm beim Könige den Schimpf bereitet , dem schwor er einen noch größern anzuthun ; nun ist er gestorben , ehe er ihn gebrandmarkt hat , denn das wär ' uns gelungen und wenn auch alles sonst mißlänge . « » Sollt ' ich nicht meinen , « begann der Jude , » müßte Euch nicht sonderlich lieb sein , wenn man hier in Nürnberg auch anfinge von Hexen zu reden ; hat mir neulich Einer aus Costnitz erzählt , daß daselbst sind viele Frauen verbrannt worden , die vielleicht auch nicht mehr gethan , denn « - er verschluckte das : » Ihr « , welches folgen sollte , und sagte statt dessen : » denn Trunke gebraut und Zaubersprüchlein im Munde geführt . « Die Alte wollte auf ' s Neue auffahren , als es draußen klopfte . » Ihr thut wohl besser jetzt zu gehen , « sagte er ; » geschehene Dinge sind nicht zu ändern , und man muß sie nur betrachten , wenn man noch Nutzen aus ihnen ziehen kann . « » Wir werden wohl noch von einander hören ! « sagte Jacobea , und zog ihr dunkles Kopftuch fester zusammen , so daß nur ein schmaler Streifen von ihrem Gesicht zu sehen war . So drückte sie sich zur Thür hinaus , durch welche ein anderer Jude trat , einen großen Kasten auf dem Rücken , den er mit Waaren aus dem Lager Ezechiel ' s zu füllen gedachte . Er gehörte zu den vertrauten Geschäftsfreunden , welche auch Eintritt in das zweite Gemach hatten und die darin aufgehäuften Schätze besichtigen konnten . Unter den Juden Nürnbergs , obwohl sie nur auf einen besondern Stadttheil beschränkt und durch strenge Verordnungen von der übrigen Bevölkerung geschieden waren , gab es doch auch besitzende , reiche Leute , welche dennoch in unermüdlicher Thätigkeit beflissen waren , das schon Erworbene immerfort zu mehren , ohne doch jemals einen wirklichen Genuß von dem Gewinn zu haben , denn derselbe mußte , um gesichert zu sein vor fremden , besonders christlichen Augen , durch Verborgenheit gehütet werden . Denn immer ward den Juden , » des Reichs Kammerknechten « , Alles mißgönnt ; sie mußten größere Abgaben geben als alle Andern , ja es war schon da und dort vorgekommen , daß sie eine Auflage ganz allein hatten bezahlen und bei manchem Unglück Schadenersatz hatten leisten müssen , wenn dabei auch ein Zusammenhang mit ihrer Schuld noch so gesucht erschien . Ezechiel gehörte zu diesen reichen Juden , und wie tiefe Verachtung man ihm auch öffentlich zeigte , es gab doch Christen genug , die in der Stille ihre Zuflucht zu ihm nahmen und seine Verschwiegenheit mit hohen Procenten erkauften . Vielen war er eine unentbehrliche Person . Er lieh Geld gegen Zinsen und verlieh ebenso auf Kleidungsstücke und Kostbarkeiten . Viele derselben blieben als ungelöste Pfänder in seinem Besitz und lieferten ihm zugleich ein Waarenlager für einen ansehnlichen Trödlerkram . Eine bedeutende Verstärkung erhielt dieser jedoch oft durch ein zwar einträgliches , aber ziemlich anstößiges Geschäft . Er zog nämlich meist in Begleitung seiner Tochter oder seines Sohnes Benjamin trödelnd in der Umgegend umher ; aber gewöhnlich kam er mit gefüllterem Sack zurück , als mit dem er ausgezogen , und war doch gar wohl mit seinem Handel zufrieden . Während die großen Kaufleute von Nürnberg ihre Waaren meist nur mit großer Bedeckung von Reisigen weiter in ' s Land zu führen wagten , da die Raubritter und Wegelagerer jetzt ihr Wesen ungescheuter denn jemals trieben , besonders in den nahen Reichsforsten und oft bis unter die Mauern der Burg , wandelte der Jude mit seinen Kindern einsam , aber sicher , trotz den oft reichen Schätzen , die sie bei sich trugen . Das doppelte Räthsel lös ' t sich leicht : Wo jene die Stehler machten , war er der Hehler . Oder wenn man das nicht sagen kann , da die Raubritter ihr Wesen so ungescheut trieben , daß sie gar keines Hehlers bedurften , sondern mit frecher Hand nur nach dem rohen Recht des Stärkeren räuberisch an sich rissen , was den schwächer bewahrten Handelsleuten abzunehmen war , ihrer Beute oft noch sich rühmend : so war diese doch oft der Art , daß sie für ihre Verhältnisse selbst nicht immer brauchbar erschien - da war denn in diesen Räuberhöhlen , welche den stolzen Namen Schlösser führten , der Jude Ezechiel eine sehr willkommene Erscheinung . Von ihm erhielt man für diese unnützen Waaren nützlichere und dem augenblicklichen Bedürfniß entsprechende nach freier Auswahl , oder baares Geld , und der Jude wußte dabei den Handel immer zu seinem Vortheil zu lenken , wenn er dabei auch immer jammerte und klagte , als habe er nichts als Verlust davon . Aber damit allein waren die Geschäfte des Juden noch nicht erschöpft . Da eben Leute aus allerlei Volk zu ihm ihre Zuflucht nahmen , so war er auch von tausend Dingen unterrichtet , die in den stolzesten Patrizierhäusern wie in den verdächtigsten Schlupfwinkeln der niedrigsten Klasse vor sich gingen und andern Blicken sich verhüllten , und darum wußte er in tausend Stücken Rath , den er sich so gut wie seinen Trödlerkram bezahlen ließ . So , als er auf das Schloß des Ritters von Weyspriach kurz nach der Abreise des Königs Max gekommen , auf dem der aus Nürnberg verwiesene Eberhard von Streitberg einstweilen ein Asyl gesucht , um von da aus seine Ziele zu erreichen , erhielt der Jude von den Rittern den Auftrag auszukundschaften , welcher Goldschmied Nürnbergs die Rose gearbeitet , welche der König der Scheurlin geschenkt . Er sollte eine ganz gleiche danach anfertigen lassen . Da der Jude erfuhr , daß Meister Albrecht Dürer der Verfertiger war , ein Mann , der sich weder durch Bestechung noch Drohung zu einer unredlichen Handlung verleiten ließ , und der sich um keinen Preis in ein Geschäft mit einem Juden würde eingelassen haben , so kam er darauf , durch die alte Jacobea , welche er zu ihm sandte , zu seinem Ziel zu gelangen . An dem Gastmahl in Nürnberg , an welchem der Ritter von Weyspriach die gehässigen Gesinnungen kennen lernte , welche die Hallerin gegen die Scheurlin hegte , hatte er von dieser im Interesse seines Freundes Streitberg mehr zu erfahren und sie mit zu seiner Bundesgenossin zu machen gesucht . Bei ihrem späteren Wiedersehen war zwischen ihnen ein Plan verabredet worden , eine von