die Holzhütte des Meierhofes und die Ziegelhütte , wo die großen Wespennester unter dem Dache sind . Wir lassen auch darum im Meierhofe und anderen entfernteren Orten die grauen Kugeln solcher Nester , die sich unter den Latten und Sparren der Dächer oder Dachvorsprünge ansiedeln , nicht zerstören , damit sie diese Vögel hinziehen . « Während dieses Gespräches waren wir in dem Gange der Gastzimmer zu der Tür gekommen , die in Gustavs Wohnung führte . Mein Gastfreund fragte , ob ich diese Wohnung nicht jetzt besehen wollte , und wir traten ein . Die Wohnung bestand aus zwei Zimmern , einem Arbeitszimmer und einem Schlafzimmer . Beide waren , wie es bei solchen Zimmern selten der Fall ist , sehr in Ordnung . Sonst war ihr Geräte sehr einfach . Bücherkästen , Schreib- und Zeichnungsgeräte , ein Tisch , Schreine für die Kleider , Stühle und das Bett . Der Jüngling stand fast errötend da , da ein Fremder in seiner Wohnung war . Wir entfernten uns bald , und der Bewohner machte uns die leichte , feine Verbeugung , die ich gestern schon an ihm bemerkt hatte , weil er uns nicht mehr begleiten , sondern in den Zimmern zurückbleiben wollte , in welchen er noch Arbeit zu verrichten hatte . » Ihr könnet nun auch die Gastzimmer besuchen , « sagte mein Begleiter , » dann habt Ihr alle Räume unseres Hauses gesehen . « Ich willigte ein . Er nahm ein kleines silbernes Glöcklein aus seiner Tasche und läutete . Es erschien in kurzem eine Magd , von welcher er die Schlüssel der Zimmer verlangte . Sie holte dieselben , und brachte sie an einem Ringe , von welchem einzelne los zu lösen waren . Jeder trug die Zahl seines Zimmers auf sich eingegraben . Nachdem mein Beherberger die Magd verabschiedet hatte , schloß er mir die einzelnen Zimmer auf . Sie waren einander vollkommen gleich . Sie waren gleich groß , jedes hatte zwei Fenster , und jedes hatte ähnliche Geräte wie das meine . » Ihr seht , « sagte er , » daß wir in unserem Hause nicht so ungesellig sind und bei dessen Anlegung schon auf Gäste gerechnet haben . Es können im äußersten Notfalle noch mehr untergebracht werden , als die Zimmer anzeigen , wenn wir zwei in ein Gemach tun , und noch andere Zimmer , namentlich die im Erdgeschosse in Anspruch nehmen . Es ist aber in der Zeit , seit welcher dieses Haus besteht , der Notfall noch nicht eingetreten . « Als wir an die östliche Seite des Hauses gekommen waren , an die Seite , die seiner Wohnung gerade entgegengesetzt lag , öffnete er eine Tür , und wir traten nicht in ein Zimmer wie bisher , sondern in drei , welche sehr schön eingerichtet waren und zu lieblichem Wohnen einluden . Das erste war ein Zimmer für einen Diener oder eigentlich eine Dienerin ; denn es sah ganz aus wie das Zimmer , in welchem die Mädchen meiner Mutter wohnten . Es standen große Kleiderkästen da , mit grünem Zitz verhängte Betten , und es lagen Dinge herum , wie in dem Mädchenzimmer meiner Mutter . Die zwei anderen Gemächer zeigten zwar nicht solche Dinge , im Gegenteile , sie waren in der musterhaftesten Ordnung ; aber sie wiesen doch eine solche Gestalt , daß man schließen mußte , daß sie zu Wohnungen für Frauen bestimmt sind . Die Geräte des ersten waren von Mahagoniholz , die des zweiten von Zedern . Überall standen weichgepolsterte Sitze und schöne Tische herum . Auf dem Fußboden lagen weiche Teppiche , die Pfeiler hatten hohe Spiegel , außerdem stand in jedem Zimmer noch ein beweglicher Ankleidespiegel , an den Fenstern waren Arbeitstischchen , und in der Ecke jedes Zimmers stand von weißen Vorhängen dicht und undurchdringlich umgeben ein Bett . Jedes Gemach hatte ein Blumentischchen , und an den Wänden hingen einige Gemälde . Als ich diese Zimmer eine Weile betrachtet hatte , öffnete mein Begleiter im dritten Zimmer mittelst eines Drückers eine Tapetentür , die sich den Blicken nicht gezeigt hatte , und führte mich noch in ein viertes , kleines Zimmer mit einem einzigen Fenster . Das Zimmerchen war sehr schön . Es war ganz in sanft rosenfarbener Seide ausgeschlagen , welche Zeichnungen in derselben , nur etwas dunkleren Farbe hatte . An dieser schwach rosenroten Seide lief eine Polsterbank von lichtgrauer Seide hin , die mit mattgrünen Bändern gerändert war . Sessel von gleicher Art standen herum . Die Seide , grau in Grau gezeichnet , hob sich licht und lieblich von dem Rot der Wände ab , es machte fast einen Eindruck , wie wenn weiße Rosen neben roten sind . Die grünen Streifen erinnerten an das grüne Laubblatt der Rosen . In einer der hinteren Ecken des Zimmers war ein Kamin von ebenfalls grauer , nur dunklerer Farbe mit grünen Streifen in den Simsen und sehr schmalen Goldleisten . Vor der Polsterbank und den Sesseln stand ein Tisch , dessen Platte grauer Marmor von derselben Farbe wie der Kamin war . Die Füße des Tisches und der Sessel so wie die Fassungen an der Polsterbank und den anderen Dingen waren von dem schönen veilchenblauen Amarantholze ; aber so leicht gearbeitet , daß dieses Holz nirgends herrschte . An dem mit grauen Seidenvorhängen gesäumten Fenster , welches zwischen grünen Baumwölbungen auf die Landschaft und das Gebirge hinaussah , stand ein Tischchen von demselben Holze und ein reichgepolsterter Sessel und Schemmel , wie wenn hier der Platz für eine Frau zum Ruhen wäre . An den Wänden hingen nur vier kleine , an Größe und Rahmen vollkommen gleiche Ölgemälde . Der Fußboden war mit einem feinen grünen Teppiche überspannt , dessen einfache Farbe sich nur ein wenig von dem Grün der Bänder abhob . Es war gleichsam der Rasenteppich , über dem die Farben der Rosen schwebten . Die Schürzange und die anderen Geräte an dem Kamine hatten vergoldete Griffe , auf dem Tische stand ein goldenes Glöcklein . Kein Merkmal in dem Gemache zeigte an , daß es bewohnt sei . Kein Geräte war verrückt , an dem Teppiche zeigte sich keine Falte und an den Fenstervorhängen keine Verknitterung . Als ich eine Zeit diese Dinge mit Staunen betrachtet hatte , öffnete mein Begleiter wieder die Tapetentür , die man auch im Innern dieses Zimmers nicht sehen konnte , und führte mich hinaus . Er hatte in dem Rosenzimmerchen nicht ein Wort gesprochen , und ich auch nicht . Als wir durch die anderen Zimmer gegangen waren und er sie hinter uns zugeschlossen hatte , sagte er mir ebenfalls über den Zweck dieser Wohnung nichts , und ich konnte natürlich nicht darum fragen . Als wir auf den Gang hinausgekommen waren , sagte er : » Nun habt Ihr mein ganzes Haus gesehen ; wenn Ihr wieder einmal in der Zukunft vorüberkommt , oder Euch gar in der Ferne desselben erinnert , so könnt Ihr Euch gleich vorstellen , wie es im Inneren aussieht . « Bei diesen Worten nestelte er den Ring mit den Schlüsseln in irgend eine Tasche seines seltsamen Obergewandes . » Es ist ein Bild , « erwiderte ich auf seine Rede , » das sich mir tief eingeprägt hat , und das ich nicht so bald vergessen werde . « » Ich habe mir das beinahe gedacht « , antwortete er . Da wir in die Nähe meines Zimmers gekommen waren , verabschiedete er sich , indem er sagte , daß er nun einen großen Teil meiner Zeit in Anspruch genommen habe , und daß er , um mich nicht noch mehr einzuengen , mir nichts weiter davon entziehen wolle . Ich dankte ihm für seine Gefälligkeit und Freundlichkeit , mit welcher er mir einen Teil des Tages gewidmet und mir seine Häuslichkeit gezeigt habe , und wir trennten uns . Ich nahm den Schlüssel aus meiner Tasche und öffnete mein Zimmer , um einzutreten ; ihn aber hörte ich die Treppe hinabgehen . Ich blieb nun bis gegen Abend in meinem Gastgemache , teils , weil ich ermüdet war und wirklich einige Ruhe nötig hatte , teils , weil ich meinem Gastfreunde nicht weiter lästig sein wollte . Am Abende ging ich wieder ein wenig auf die Felder außerhalb des Gartens hinaus , und kam erst zur Speisestunde zurück . Ich hatte bei dieser Gelegenheit gelernt , mir selber das Gitter zu öffnen und zu schließen . Es war kein Gast da , und beim Abendessen wie beim Mittagessen waren nur mein Gastfreund , Gustav und ich . Die Gespräche waren über verschiedene gleichgültige Dinge , wir trennten uns bald , ich verfügte mich auf mein Zimmer , las noch , schrieb , entkleidete mich endlich , löschte das Licht , und begab mich zur Ruhe . Der nächste Morgen war wieder herrlich und heiter . Ich öffnete die Fenster , ließ Duft und Luft hereinströmen , kleidete mich an , erfrischte mich mit reichlichem Wasser zum Waschen , und ehe die Sonne nur einen einzigen Tautropfen hatte aufsaugen können , stand ich schon mit meinem Ränzlein auf dem Rücken und mit meinem Hute und dem Schwarzdornstocke in der Hand im Speisezimmer . Der alte Mann und Gustav warteten meiner bereits . Nachdem das Frühmahl verzehrt worden war , wobei ich trotz der Forderung mein Ränzlein nicht abgelegt hatte , dankte ich noch einmal für die große Freundlichkeit und Offenheit , mit welcher ich hier aufgenommen worden war , verabschiedete mich , und begab mich auf meinen Weg . Der alte Mann und Gustav begleiteten mich bis zum Gittertore des Gartens . Der Alte öffnete , um mich hinauszulassen , so wie er vorgestern geöffnet hatte , um mir den Eingang zu gestatten . Beide gingen mit mir durch das geöffnete Tor hinaus . Als wir auf dem Sandplatze vor dem Hause , angeweht von dem Dufte der Rosen , standen , sagte mein Beherberger : » Nun lebt wohl und geht glücklich Eures Weges . Wir kehren durch unser Gitter wieder in unseren Landaufenthalt und zu unseren Beschäftigungen zurück . Wenn Ihr in einer anderen Zeit wieder in die Nähe kommt und es Euch gefällt , uns zu besuchen , so werdet Ihr mit Freundlichkeit aufgenommen werden . Wenn Ihr aber gar , ohne daß Euch Euer Weg hier vorüberführt , freiwillig zu uns kommt , um uns zu besuchen , so wird es uns besonders freuen . Es ist keine Redensart , wenn ich sage , daß es uns freuen würde , ich gebrauche diese Redensarten nicht , sondern es ist wirklich so . Wenn Ihr das einmal wollt , so lebt in diesem Hause , so lange es Euch zusagt , und lebt so ungebunden , als Ihr wollt , so wie auch wir so ungebunden leben werden , als wir wollen . Wenn Ihr uns die Zeit vorher etwa durch einen Boten wissen machen könntet , wäre es gut , weil wir , wenn auch nicht oft , doch manchmal abwesend sind . « » Ich glaube , daß Ihr mich freundlich aufnehmen werdet , wenn ich wieder komme , « antwortete ich , » weil Ihr es sagt , und Euer Wesen mir so erscheint , daß Ihr nicht eine unwahre Höflichkeit aussprechen würdet . Ich begreife zwar den Grund nicht , weshalb Ihr mich einladet , aber da Ihr es tut , nehme ich es mit vieler Freude an , und sage Euch , daß ich im nächsten Sommer , wenn mich auch mein gewöhnlicher Weg nicht hieher führt , freiwillig in diese Gegend und in dieses Haus kommen werde , um eine kleine Zeit da zu bleiben . « » Tut es , und Ihr werdet sehen , daß Ihr nicht unwillkommen seid , « sagte er , » wenn Ihr auch die Zeit ausdehnt . « » Ich werde vielleicht das letztere tun , « antwortete ich , » und so lebet wohl . « » Lebt wohl . « Bei diesen Worten reichte er mir die Hand und drückte sie . Ich reichte meine Hand , da er sie losgelassen hatte , auch an den Knaben Gustav , welcher sie annahm , aber nicht sprach , sondern mich bloß mit seinen Augen freundlich ansah . Hierauf schieden wir , indem sie durch das Gitter zurückgingen , ich aber den Hut auf dem Haupte den Weg hinabwandelte , den ich vor zwei Tagen heraufgegangen war . Ich fragte mich nun , bei wem ich denn diesen Tag und die zwei Nächte zugebracht habe . Er hat um meinen Namen nicht gefragt , und hat mir den seinigen nicht genannt . Ich konnte mir auf meine Frage keine Antwort geben . Und so ging ich denn nun weiter . Die grünen Ähren gaben jetzt in der Morgensonne feurige Strahlen , während sie bei meinem Heraufgehen im Schatten des herandrohenden Gewitters gestanden waren . Ich sah mich noch einmal um , da ich zwischen den Feldern hinabging , und sah das weiße Haus im Sonnenscheine stehen , wie ich es schon öfter hatte stehen gesehen , ich konnte noch den Rosenschimmer unterscheiden , und glaubte , noch das Singen der zahlreichen Vögel im Garten vernehmen zu können . Hierauf wendete ich mich wieder um und ging abwärts , bis ich zu der Hecke und der Einfriedigung der Felder kam , bei der ich vorgestern von der Straße abgebogen hatte . Ich konnte mich nicht enthalten , noch einmal umzusehen . Das Haus stand jetzt nur mehr weiß da , wie ich es öfter bei meinen Wanderungen gesehen hatte . Ich ging nun auf der Landstraße in meiner Richtung vorwärts . Den ersten Mann , welcher mir begegnete , fragte ich , wem das weiße Haus auf dem Hügel gehöre , und wie es hieße . » Es ist der Aspermeier , dem es gehört , « antwortete der Mann , » Ihr seid ja gestern selber in dem Asperhofe gewesen und seid mit dem Aspermeier herumgegangen . « » Aber der Besitzer jenes Hauses ist doch unmöglich ein Meier ? « fragte ich ; denn mir war wohlbekannt , daß man in der Gegend jeden größeren Bauern einen Meier nannte . » Er ist anfangs nicht der Aspermeier gewesen , « antwortete der Mann , » aber er hat von dem alten Aspermeier den Asperhof gekauft , und das Haus hat er gebaut , welches in dem Garten steht und zu dem Asperhof gehört , und jetzt ist er der Aspermeier ; denn der alte ist längst gestorben . « » Hat er denn nicht auch einen andern Namen ? « fragte ich . » Nein , wir heißen ihn den Aspermeier « , antwortete er . Ich sah , daß der Mann nichts weiteres von meinem Gastfreunde wisse und sich nicht um denselben gekümmert habe , ich gab daher bei ihm jedes weitere Forschen auf . Es begegneten mir noch mehrere Menschen , von denen ich dieselbe Antwort erhielt . Alle kehrten das Verhältnis um und sagten , das Haus im Garten gehöre zu dem Asperhofe . Ich beschloß daher , vorläufig jedes Forschen zu unterlassen , bis ich zu einem Menschen gekommen sein würde , von dem ich berechtigt war , eine bessere Auskunft zu erwarten . Da mir aber der Name Aspermeier und Asperhof nicht gefiel , nannte ich das Haus , in welchem ein solcher Rosendienst getrieben wurde , in meinem Haupte vorläufig das Rosenhaus . Es begegnete mir aber niemand , den ich noch einmal hätte fragen können . Ich ließ , da ich so meines Weges weiter wandelte , die Dinge des letzten Tages in mir vorübergehen . Mich freute es , daß ich in dem Hause eine so große Reinlichkeit und Ordnung getroffen hatte , wie ich sie bisher nur in dem Hause meiner Eltern gesehen hatte . Ich wiederholte , was der alte Mann mir gezeigt und gesagt hatte , und es fiel mir ein , wie ich mich viel besser hätte benehmen können , wie ich auf manche Reden bessere Antworten geben und überhaupt viel bessere Dinge hätte sagen können . In diesen Betrachtungen wurde ich unterbrochen . Als ich ungefähr eine Stunde auf dem Wege gewandert war , kam ich an die Ecke des Buchenwaldes , von dem wir vorgestern abends gesprochen hatten , der zu den Besitzungen meines Gastfreundes gehört , und in welchem ich einmal eine Gabelbuche gezeichnet hatte . Der Weg geht an dem Walde etwas steiler hinan und biegt um die Ecke desselben herum . Da ich bis zu der Biegung gelangt war , kam mir ein Wagen entgegen , welcher mit eingelegtem Radschuhe langsam die Straße herabfuhr . Er mochte darum langsamer als gewöhnlich fahren , weil sich diejenigen , welche in ihm saßen , Vorsicht zum Gesetze gemacht haben konnten . Es saßen nämlich in dem offenen und des schönen Wetters willen ganz zurückgelegten Wagen zwei Frauengestalten , eine ältere und eine jüngere . Beide hatten Schleier , welche von den Hüten über die Schultern niedergingen . Die ältere hatte den Schleier über das Angesicht gezogen , welches aber doch , da der Schleier weiß war , ein wenig gesehen werden konnte . Die jüngere hatte den Schleier zu beiden Seiten des Angesichts zurückgetan , und zeigte dieses Angesicht der Luft . Ich sah sie beide an , und zog endlich zu einer höflichen Begrüßung meinen Hut . Sie dankten freundlich , und der Wagen fuhr vorüber . Ich dachte mir , da der Wagen immer tiefer über den Berg hinabging , ob denn nicht eigentlich das menschliche Angesicht der schönste Gegenstand zum Zeichnen wäre . Ich sah dem Wagen noch nach , bis er durch die Biegung des Weges unsichtbar geworden war . Dann ging ich an dem Waldrande vorwärts und aufwärts . Nach drei Stunden kam ich auf einen Hügel , von welchem ich in die Gegend zurücksehen konnte , aus der ich gekommen war . Ich sah mit meinem Fernrohre , das ich aus dem Ränzlein genommen hatte , deutlich den weißen Punkt des Hauses , in welchem ich die letzten zwei Nächte zugebracht hatte , und hinter dem Hause sah ich die duftigen Berge . Wie war nun der Punkt so klein in der großen Welt . Ich kam bald in den Ort , in welchem ich , da ich bisher nirgends angehalten hatte , mein Mittagsmahl einzunehmen gesonnen war , obwohl die Sonne bis zum Scheitel noch einen kleinen Bogen zurückzulegen hatte . Ich fragte in dem Orte wieder um den Besitzer des weißen Hauses , und beschrieb dasselbe und seine Lage , so gut ich konnte . Man nannte mir einen Mann , der einmal in hohen Staatsämtern gestanden war ; man nannte mir aber zwei Namen , den Freiherrn von Risach und einen Herrn Morgan . Ich war nun wieder ungewiß wie vorher . Am andern Tage morgens kam ich in den Gebirgszug , welcher das Ziel meiner Wanderung war , und in welchen ich von dem anderen Gebirgszuge durch einen Teil des flachen Landes überzusiedeln beschlossen hatte . Am Mittage kam ich in dem Gasthofe an , den ich mir zur Wohnung ausgewählt hatte . Mein Koffer war bereits da , und man sagte mir , daß man mich früher erwartet habe . Ich erzählte die Ursache meiner verspäteten Ankunft , richtete mich in dem Zimmer , das ich mir bestellt hatte , ein , und begab mich an die Geschäfte , welche in diesem Gebirgsteile zu betreiben ich mir vorgesetzt hatte . 6. Der Besuch Ich blieb ziemlich lange in meinem neuen Aufenthaltsorte . Es entwickelte sich aus den Arbeiten ein Weiteres und Neues und hielt mich fest . Ich drang später noch tiefer in das Gebirgstal ein , und begann Dinge , die ich mir für diesen Sommer gar nicht einmal vorgenommen hatte . Im späten Herbste kehrte ich zu den Meinigen zurück . Es erging mir auf dieser Reise , wie es mir auf jeder Heimreise ergangen war . Als ich das Gebirge verließ , waren die Bergahornblätter und die der Birken und Eschen nicht nur schon längst abgefallen , sondern sie hatten auch bereits ihre schöne gelbe Farbe verloren und waren schmutzig schwarz geworden , was nicht mehr auf die Kinder der Zweige erinnerte , die sie im Sommer gewesen waren , sondern auf die befruchtende Erde , die sie im Winter für den neuen Nachwuchs werden sollten , die Bewohner der Bergtäler und der Halden , die wohl gelegentlich in jeder Jahreszeit Feuer machen , unterhielten es schon den ganzen Tag in ihrem Ofen , um sich zu wärmen , und an heiteren Morgen glänzte der Reif auf den Bergwiesen , und hatte bereits das Grün der Farenkräuter in ein dürres Rostbraun verwandelt : da ich aber in die Ebene gelangt war und die Berge mir am Rande derselben nur mehr wie ein blauer Saum erschienen , und da ich endlich gar auf dem breiten Strome zu unserer Hauptstadt hinabfuhr , umfächelten mich so weiche und warme Lüfte , daß ich meinte , ich hätte die Berge zu früh verlassen . Es war aber nur der Unterschied der Himmelsbeschaffenheit in dem Gebirge und in den entfernten Niederungen . Als ich das Schiff verlassen hatte und an den Toren meiner Heimatstadt angekommen war , trugen die Akazien noch ihr Laub , warmer Sonnenschein legte sich auf die Umfassungsmauern und auf die Häuser , und schöngekleidete Menschen lustwandelten in den Stunden des Nachmittages . Die liebliche rötliche und dunkelblaue Farbe der Weintrauben , die man an dem Tore und auf dem Platze innerhalb desselben feil bot , brachte mir manchen freundlichen und fröhlichen Herbsttag meiner Kindheit in Erinnerung . Ich ging die gerade Gasse entlang , ich beugte in ein paar Nebenstraßen , und stand endlich vor dem wohlbekannten Vorstadthause mit dem Garten . Da ich die Treppe hinangegangen war , da ich die Mutter und die Schwester gefunden hatte , war die erste Frage nach Gesundheit und Wohlbefinden aller Angehörigen . Es war alles im besten Stande , die Mutter hatte auch meine Zimmer ordnen lassen , alles war abgestaubt , gereinigt und an seinem Platze , als hätte man mich gerade an diesem Tage erwartet . Nach einem kurzen Gespräche mit der Mutter und der Schwester kleidete ich mich , ohne meinen Koffer zu erwarten , von meinen zurückgelassenen Kleidern auf städtische Weise an , um in die Stadt zu gehen und den Vater zu begrüßen , der noch auf seiner Handelsstube war . Das Gewimmel der Leute in den Gassen , das Herumgehen geputzter Menschen in den Baumgängen des grünen Platzes zwischen der Stadt und den Vorstädten , das Fahren der Wägen und ihr Rollen auf den mit Steinwürfeln gepflasterten Straßen , und endlich , als ich in die Stadt kam , die schönen Warenauslagen und das Ansehnliche der Gebäude befremdeten und beengten mich beinahe als ein Gegensatz zu meinem Landaufenthalte ; aber ich fand mich nach und nach wieder hinein , und es stellte sich als das Langgewohnte und Allbekannte wieder dar . Ich ging nicht zu meinen Freunden , an deren Wohnung ich vorüberkam , ich ging nicht in die Buchhandlung , in der ich manche Stunde des Abends zuzubringen gewohnt war , und die an meinem Wege lag , sondern ich eilte zu meinem Vater . Ich fand ihn an dem Schreibtische , und grüßte ihn ehrerbietig , und wurde auch von ihm auf das herzlichste empfangen . Nach kurzer Unterredung über Wohlbefinden und andere allgemeine Dinge sagte er , daß ich nach Hause gehen möchte , er habe noch einiges zu tun , werde aber bald nachkommen , um mit der Mutter , der Schwester und mir den Abend zuzubringen . Ich ging wieder gerades Weges nach Hause . Dort machte ich einen Gang durch den Garten , sprach einige liebkosende Worte zu dem Hofhunde , der mich mit Heulen und Freudensprüngen begrüßte , und brachte dann noch eine Weile bei der Mutter und der Schwester zu . Hierauf ging ich in alle Zimmer unserer Wohnung , besonders in die mit den alten Geräten , den Büchern und Bildern . Sie kamen mir beinahe unscheinbar vor . Nach einiger Zeit kam auch der Vater . Es war heute in dem Stübchen , in welchem die alten Waffen hingen , und um welches der Efeu rankte , zum Abendessen aufgedeckt worden . Man hatte sogar bis gegen Abend die Fenster offen lassen können . Da während meines Ganges in die Stadt mein Koffer und meine Kisten von dem Schiffe gekommen waren , konnte ich die Geschenke , welche ich von der Reise mitgebracht hatte , in das Stübchen schaffen lassen : für die Mutter einige seltsame Töpfe und Geschirre , für den Vater ein Ammonshorn von besonderer Größe und Schönheit , andere Marmorstücke und eine Uhr aus dem siebenzehnten Jahrhunderte , und für die Schwester das gewöhnliche Edelweiß , getrockneten Enzian , ein seidenes Bauertüchlein und silberne Bruskettlein , wie man sie in einigen Teilen des Gebirges trägt . Auch was man mir als Geschenke vorbereitet hatte , kam in das Stüblein : von der Mutter und Schwester verfertigte Arbeiten , darunter eine Reisetasche von besonderer Schönheit , dann sämtliche Arten guter Bleifedern , nach den Abstufungen der Härte in einem Fache geordnet , besonders treffliche Federkiele , glattes Papier , und von dem Vater ein Gebirgsatlas , dessen ich schon einige Male Erwähnung getan , und den er für mich gekauft hatte . Nachdem alles mit Freuden gegeben und empfangen worden war , setzte man sich zu dem Tische , an dem wir heute abend nur allein waren , wie es nach und nach bei jeder meiner Zurückkünfte nach einer längeren Abwesenheit der Gebrauch geworden war . Es wurden die Speisen aufgetragen , von denen die Mutter vermutete , daß sie mir die liebsten sein könnten . Die Vertraulichkeit und die Liebe ohne Falsch , wie man sie in jeder wohlgeordneten Familie findet , tat mir nach der längeren Vereinsamung außerordentlich wohl . Als die ersten Besprechungen über alles , was zunächst die Angehörigen betraf , und was man in der jüngsten Zeit erlebt hatte , vorüber waren , als man mir den ganzen Gang des Hauswesens während meiner Abwesenheit auseinandergesetzt hatte , mußte ich auch von meiner Reise erzählen . Ich erklärte ihren Zweck und sagte , wo ich gewesen sei , und was ich getan habe , ihn zu erreichen . Ich erwähnte auch des alten Mannes , und erzählte , wie ich zu ihm gekommen sei , wie gut ich von ihm aufgenommen worden sei , und was ich dort gesehen habe . Ich sprach die Vermutung aus , daß er seiner Sprache nach zu urteilen aus unserer Stadt sein könnte . Mein Vater ging seine Erinnerungen durch , konnte aber auf keinen Mann kommen , der dem von mir beschriebenen ähnlich wäre . Die Stadt ist groß , meinte er , es könnten da viele Leute gelebt haben , ohne daß er sie hätte kennen lernen können . Die Schwester meinte , vielleicht hätte ich ihn auch der Umgebung zu Folge , in welcher ich ihn gefunden habe , schon in einem anderen und besonderen Lichte gesehen und in solchem dargestellt , woraus er schwerer zu erkennen sei . Ich entgegnete , daß ich gar nichts gesagt habe , als was ich gesehen hätte , und was so deutlich sei , daß ich es , wenn ich mit Farben besser umzugehen wüßte , sogar malen könnte . Man meinte , die Zeit werde die Sache wohl aufklären , da er mich auf einen zweiten Besuch eingeladen habe , und ich gewiß nicht anstehen werde , denselben abzustatten . Daß ich ihn nicht geradezu um seinen Namen gefragt habe , billigten alle meine Angehörigen , da er weit mehr getan , nämlich mich aufgenommen und beherbergt habe , ohne um meinen Namen oder um meine Herkunft zu forschen . Der Vater erkundigte sich im Laufe des Gespräches genauer nach manchen Gegenständen in dem Hause des alten Mannes , deren ich Erwähnung getan hatte , besonders fragte er nach den Marmoren , nach den alten Geräten , nach den Schnitzarbeiten , nach den Bildsäulen , nach den Gemälden und den Büchern . Die Marmore konnte ich ihm fast ganz genau beschreiben , die alten Geräte beinahe auch . Der Vater geriet über die Beschreibung in Bewunderung und sagte , es würde für ihn eine große Freude sein , einmal solche Dinge mit eigenen Augen sehen zu können . Über Schnitzarbeiten konnte ich schon weniger sagen , über die Bücher auch nicht viel , und das wenigste , beinahe gar nichts , über Bildsäulen und Gemälde . Der Vater drang auch nicht darauf und verweilte nicht lange bei diesen letzteren Gegenständen - die Mutter meinte , es wäre recht schön , wenn er sich einmal aufmachte , eine Reise in das Oberland unternähme und die Sachen bei dem alten Manne selber ansähe . Er sitze jetzt immer wieder zu viel in seiner Schreibstube , er gehe in letzter Zeit auch alle Nachmittage dahin und bleibe oft bis in die Nacht dort . Eine Reise würde sein Leben recht erfrischen , und der alte Mann , der den Sohn so freundlich aufgenommen habe , würde ihn gewiß herzlich empfangen und ihm als einem Kenner seine Sammlungen noch viel lieber zeigen als einem andern . Wer weiß , ob er nicht gar auf dieser Reise das eine oder andere Stück für seine Altertumszimmer erwerben könnte . Wenn er immer warte , bis die dringendsten Geschäfte vorüber wären , und bis er sich mehr auf die jüngeren Leute in seiner Arbeitsstube verlassen könne , so werde er gar nie reisen ; denn die Geschäfte seien immer dringend , und sein Mißtrauen in die Kräfte der jüngeren Leute wachse immer mehr , je älter er werde , und je mehr er selber alle Sachen allein verrichten wolle . Der Vater antwortete , er werde nicht nur schon einmal reisen ,