einen Mann ! So eine Familie ! Da kann ' s ihm nicht mehr fehlen . Nein , der Dami darf sich nicht in ' s Dorf wagen . O lieber Gott ! er ist ja ausgewiesen ! Aber der Kohlenmathes , der könnte es , und vielleicht doch der Dami . Hin und her wie ein Irrlicht schweifte ihr Denken , und sie selber irrte durch die Feldwege , ohne zu wissen wohin , und es war ihr heute so schreckhaft , wie das immer ist , wenn man nichts weiß von der Welt und in Gedanken so dahin geht ; sie erschrak vor jedem Tone , die Frösche im Weiher krächzten so fürchterlich , und die Schnarren in den Wiesen so heimtückisch , die Bäume stehen so schwarz in die Nacht hinein . Es hat heute gegen Endringen Zu gewittert . Der Himmel ist von fliegenden Wolken überzogen , nur manchmal blinkt ein Stern hervor . Barfüßele eilt durch das Feld in den Wald , sie will doch zum Dami , sie muß sich wenigstens mit einem Menschen davon ausreden . Wie ist es im Wald so dunkel ! Was ist das für ein Vogel , der jetzt in der Nacht zwitschert , fast wie eine Amsel , wenn sie am Abend heimfliegt , und » ich komm ' komm ' komm ' ; komm ' schon , komm ' schon ! « lautet der Klang ? Und jetzt schlägt die Nachtigall , so ohne Athemholen , so von innen heraus , quellend , sprudelnd , leise rieselnd , wie ein Waldquell , der aus dem Innersten der Erde gespeist wird . Mehr hin und her schlängelten sich nicht die Wurzeln auf dem Waldwege , als die Gedanken Barfüßele ' s durcheinander liefen . » Nein , der Plan ist nichts ! Geh ' nur wieder heim , « sagte sie sich endlich , und kehrte um , aber noch lange wanderte sie in den Feldern umher ; sie glaubte nicht mehr an Irrlichter , aber heute war es doch , als ob eines sie hin- und herführte , und heute zum Erstenmal spürte sie auch , daß sie im Nachtthau so lange barfuß umherging , und dabei brannten ihr die Wangen . In Schweiß gebadet kam sie endlich heim in ihre Kammer . 15. Gebannt und erlöst . Am Morgen als Barfüßele erwachte , lag das Halsgeschmeide , das sie einst von der Landfriedbäuerin erhalten , auf ihrem Bett ; sie mußte sich lange besinnen , bis sie sich erinnerte , daß sie dasselbe noch gestern Abend herausgenommen und lange betrachtet hatte . Als sie sich aufrichten wollte , waren ihr alle Glieder wie zerschlagen und die Hände mühsam in einander klammernd jammerte sie : » Um Gotteswillen nur jetzt nicht krank sein ! Ich habe keine Zeit dazu , ich kann jetzt nicht . « Wie im Zorn gegen ihren Körper , ihn mit der Willenskraft gewaltsam bezwingend , stand sie auf ; aber wie erschrack sie , als sie sich jetzt in dem kleinen Spiegel betrachtete . Ihr ganzes Gesicht war geschwollen . » Das ist die Strafe , weil du gestern Nacht noch so herumgelaufen bist und hast fremde Menschen und auch böse zu Hülfe rufen wollen . « Sie schlug sich wie zur Züchtigung in ' s schmerzende Gesicht , nun aber verband sie sich über und über und ging an ihre Arbeit . Als die Meisterin sie sah , wollte sie , daß sie sich zu Bette lege ; aber die Rosel schimpfte , das sei eine Bosheit des Barfüßele , daß sie jetzt krank sein wolle , sie habe das zum Possen gethan , weil sie wisse , daß man sie jetzt nöthig habe . Barfüßele war still und als sie im Schuppen war und Klee in die Raufe steckte , da sagte eine helle Stimme : » Guten Morgen ! Schon fleißig ? « Es war seine Stimme . » Nur ein bisle , « antwortete Barfüßele und biß dann die Zähne über einander , vor Allem über den neidischen Teufel , der sie so verhext und entstellt hatte , daß er sie unmöglich erkennen konnte . Sollte sie sich jetzt zu erkennen geben ? Man muß es abwarten . Während sie nun molk , fragte Johannes Allerlei . Zuerst über das Milchergebniß der Kühe und ob man verkaufe und wie , und wer buttere und ob vielleicht Eines im Hause Buch darüber führe . Barfüßele zitterte , es war jetzt in ihrer Hand , ihre Nebenbuhlerin zu beseitigen , indem sie zeigte wie sie war ; aber wie seltsam zusammengesponnen sind die Fäden alles Thuns ! Sie schämte sich vor Allem , über ihre Meistersleute schlecht zu sprechen , obgleich sie nur eigentlich die Rosel getroffen hätte , denn die Anderen waren brav ; aber sie wußte , daß es auch einen Dienstboten schändet , wenn er das innere Wesen des Hauses zur Schande preisgiebt . Sie sicherte sich daher , indem sie zuerst sagte : das stehe einem Dienstboten nicht wohl an , seine Meistersleute zu beurtheilen ; » und gutherzig sind sie Alle , « setzte sie in innerem Gerechtigkeitssinn hinzu ; denn in der That war dies auch Rosel trotz ihres heftigen und herrischen Wesens . Jetzt fiel ihr was Gutes ein . Sagte sie gleich wie die Rosel sei , so reiste er schnell wieder ab , er war dann freilich von der Rosel los , aber er war dann auch fort , und mit kluger Rede sagte sie daher : » Ihr scheint mir bedachtsam , wie auch Eure Eltern den Namen dafür haben . Ihr wisset aber , daß man kein Stückle Vieh in einem Tag recht kennt ; so mein ' ich , Ihr solltet ein bischen hier bleiben und nachher können auch wir Zwei einander besser kennen lernen und da wird dann schon ein Wort das andre geben , und wenn ich Euch dienstlich sein kann , an mir soll ' s nicht fehlen . Ich weiß zwar nicht , warum Ihr so viel ausfraget ... « » O du bist ein Schelm , aber du gefällst mir , « sagte Johannes . Barfüßele zuckte zusammen , so daß die Kuh vor ihr zurückwich und sie fast den Melkkübel verschüttete . » Und du sollst auch ein gutes Trinkgeld haben , « setzte Johannes hinzu und ließ einen Thaler , den er schon in der Hand gehabt , wieder in die Tasche fallen . » Ich will Euch noch ' was sagen , « begann Barfüßele nochmals , als sie sich zu einer andern Kuh begab . » Der Heiligenpfleger ist ein Feind von meinem Meister , daß Ihr das ja wisset , wenn er sich an Euch anklammern will . « » Ja , ja , ich seh ' schon , mit dir kann man reden ; aber du hast ja ein geschwollenes Gesicht , den Kopf verbinden , das hilft dir Nichts , wenn du so barfuß gehst . « » Ich bin ' s so gewohnt , « sagte Barfüßele , » aber ich will Euch folgen . Ich danke . « Man hörte oben Schritte nahen . » Wir reden schon noch mehr mit einander , « schloß der Bursche und ging davon . » Ich danke dir , dicker Backen ! « sagte Barfüßele hinter ihm drein und streichelte die geschwollene Wange , » du bist gescheit gewesen ; durch dich kann ich ja mit ihm reden , wie wenn ich nicht da wäre , unter der Larve wie der Fastnachtshansel . Juchhe ! das ist lustig . « Wunderbar war ' s , wie diese innere Freudigkeit ihr körperliches Fiebern fast auflöste ; nur müde war sie , unsäglich müde und es war ihr lieb und that ihr wehe zugleich als sie den Oberknecht das Bernerwägelein schmieren sah und hörte , daß der Meister jetzt gleich mit dem Fremden über Land fahren wolle . Sie eilte in die Küche und da hörte sie , wie in der Stube der Bauer zu Johannes sagte : » Wenn du reiten willst , Johannes , das wäre ganz geschickt ; da könntest du zu mir auf ' s Bernerwägelein sitzen , Rosel , und du Johannes reitest nebenher . « » Da fährt die Bäuerin aber auch mit , « setzte Johannes nach einer Pause hinzu . » Ich hab ein Kind an der Brust , ich kann nicht weg , « sagte die Bäuerin . » Und ich mag auch nicht so am Werktag im Land herumfahren , « ergänzte Rosel . » Oh was ! Wenn so ein Vetter da ist , darfst du schon einen freien Tag machen , « drängte der Bauer , denn er wollte , daß Johannes alsbald mit der Rosel beim Furchenbauer ankomme , damit sich dieser keine Hoffnung mache für eine seiner Töchter ; zugleich wußte er auch , daß so eine kleine Ausfahrt über Land ihr Gutes habe und die Leute rascher zusammenbringe als achttägiger Besuch im Hause . Johannes schwieg und der Bauer in seinem innern Drängen stieß ihn an und sagte halblaut : » Red ' ihr doch zu ; es kann sein , sie folgt dir eher und geht mit . « » Ich mein ' , « sagte Johannes laut , » deine Schwester hat Recht , daß sie nicht so mitten in der Woche im Land herumfahren will . Ich spann meinen Schimmel zu deinem , dann können wir auch sehen wie sie mit einander gehen und zum Nachtessen sind wir wieder da , wenn nicht schon früher . « Barfüßele , die das Alles hörte , biß sich auf die Lippen und konnte sich fast gar nicht halten vor Lachen über die Rede des Johannes , » ja , dachte sie vor sich hin . Den habt ihr noch nicht am Halfter , geschweige denn am Zaum , der läßt sich nicht gleich in der Welt herumführen wie versprochen , daß er nicht mehr zurückkann . « Sie mußte ihr Tuch von dem Gesichte abthun , so heiß wurde es ihr vor Freude . Das war nun ein seltsamer Tag heute im Hause und Rosel erzählte halb ärgerlich , was für wunderliche Fragen der Johannes an sie gestellt habe , und Barfüßele jubele innerlich , denn alles Das was er wissen wollte und wovon sie sich recht gut abnehmen konnte , warum er es fragte , alles Das war ja in ihr erfüllt . Aber was nützt das ? Er kennt dich nicht , und wenn er dich auch kennt , du bist ein armes Waisenkind und in Dienst , da kann nimmer was draus werden . Er kennt dich nicht und wird dich nicht fragen . Am Abend als die beiden Männer zurückkehrten , hatte Barfüßele schon das Tuch um die Stirne abnehmen können , nur das um Kinn und Schläfe gebundene mußte sie noch behalten und breit vorziehen . Johannes schien jetzt weder Wort noch Blick für sie zu haben . Dagegen war sein Hund bei ihr in der Küche und sie gab ihm zu fressen und streichelte ihn und redete auf ihn hinein : » Ja ! Wenn du ihm nur Alles sagen könntest , du würdest ihm gewiß Alles treu berichten ! « Der Hund legte seinen Kopf in den Schooß Barfüßele ' s und schaute sie mit verständnißreichen Augen an , dann schüttelte er den Kopf , wie wenn er sagen wollte : es ist hart , ich kann leider Gottes nicht reden . Jetzt ging Barfüßele hinein in die Kammer und sang die Kinder , die schon lange schliefen , noch einmal ein mit allerlei Liedern ; aber den Walzer , den sie einst mit Johannes getanzt , sang sie am meisten . Johannes horchte wie verwirrt darauf hin und schien abwesend in seinen Reden . Rosel ging in die Kammer und hieß Barfüßele schweigen . Noch spät in der Nacht , als Barfüßele eben für die schwarze Marann ' Wasser geholt hatte und mit dem vollen Kübel auf dem Kopf nach dem Elternhause ging , begegnete ihr eben Johannes , der sich nach dem Wirthshause begab . Mit gepreßter Stimme sagte sie : » Guten Abend ! « » Ei , du bist ' s ? « sagte Johannes , » wohin denn noch mit dem Wasser ? « » Zu der schwarzen Marann ' . « » Wer ist denn das ? « » Eine arme bettlägerige Frau . « » Die Rosel hat mir ja gesagt , es gebe hier keine Armen ? « » O , lieber Gott , mehr als genug ; aber die Rosel hat ' s gewiß nur gesagt , weil sie meint , es wäre eine Schande für das Dorf . Gutmüthig ist sie , das könnt Ihr mir glauben , sie schenkt gern weg . « » Du bist eine gute Vertheidigung , aber bleib ' nicht stehen mit dem schweren Kübel . Darf ich mit dir gehen ? « » Warum nicht ? « » Du hast Recht , du gehst einen guten Weg und da bist du behütet , und vor mir brauchst du dich gar nicht zu fürchten . « » Ich fürchte mich vor Niemand und am wenigsten vor Euch . Ich hab ' s Euch heute angesehen , daß Ihr gut seid . « » Wo denn ? « » Weil Ihr mir gerathen habt , wie ich das geschwollene Gesicht wegbringe ; es hat mir schon geholfen , ich hab ' jetzt Schuhe an . « » Das ist brav von dir , daß du folgst , « sagte Johannes mit Wohlgefallen und der Hund schien das Wohlgefallen an Barfüßele zu bemerken , denn er sprang an ihr hinauf und leckte ihre freie Hand . » Kommm her , Lux , « befahl Johannes . » Nein , lasset ihn nur , « entgegnete Barfüßele , » wir sind schon gute Freunde , er ist heute bei mir in der Küche gewesen ; mich und meinen Bruder haben die Hunde alle gern . « » So ? du hast auch noch einen Bruder ? « » Ja , und da hab ' ich Euch bitten wollen , Ihr thätet Euch einen Gotteslohn erwerben , wenn Ihr ihn als Knecht zu Euch nehmen könntet ; er wird Euch gewiß sein Lebenlang treu dienen . « » Wo ist denn dein Bruder ? « » Da drunten im Wald , er ist vor der Hand Kohlenbrenner . « » Ja , wir haben wenig Wald und gar keine Köhlerei , einen Senn ' könnt ' ich eher brauchen . « » Ja , dazu wird er sich auch anschicken . Jetzt , da ist das Haus . « » Ich warte , bis du wieder kommst , « sagte Johannes und Barfüßele ging hinein , das Wasser abzustellen , das Feuer herzurichten , und der Marann ' frisch zu betten . Als sie heraus kam , war Johannes noch da , der Hund sprang ihr entgegen , und lange stand sie hier noch bei Johannes an dem Vogelbeerbaum ; der flüsterte so still und wiegte seine Zweige , und sie sprachen über allerlei , und Johannes lobte ihre Klugheit und ihren regen Sinn , und sagte zuletzt : » Wenn du einmal deinen Platz ändern willst , du wärst die rechte Person für meine Mutter . « » Das ist das größte Lob , was mir ein Mensch auf der Welt hätte sagen könen , « betheuerte Barfüßele , » und ich habe noch ein Andenken von ihr . « Sie erzählte nun die Begebenheit aus der Kinderzeit , und Beide lachten , als Barfüßele bemerkte , wie der Dami es nicht vergessen wolle , daß die Landfriedbäuerin ihm noch ein Paar lederne Hosen schuldig sei . » Er soll sie haben , « betheuerte Johannes . Sie gingen noch mit einander das Dorf hinein , und Johannes gab ihr eine Hand zur » Guten Nacht . « Barfüßele wollte ihm sagen , daß er ihr schon einmal eine Hand gegeben , aber wie von dem Gedanken erschreckt , flog sie davon und hinein in ' s Haus . Sie gab ihm keine Antwort auf seine Gute Nacht ! Johannes ging sinnend und innerlich verwirrt in seine Herberge im Auerhahn . Barfüßele aber fand am andern Morgen den dicken Backen wie weggeblasen , und lustiger trällerte es noch nie durch Haus , Hof und Stall und Scheuer , als am heutigen Tage , und heute auch sollte sich ' s entscheiden , heute mußte sich Johannes erklären . Der Nodelbauer wollte seine Schwester nicht länger in ' s Geschrei bringen , wenn ' s vielleicht doch nichts wäre . Fast den ganzen Tag saß Johannes drin in der Stube bei der Rosel ; sie nähte an einem Mannshemde , und gegen Abend kamen die Schwiegereltern des Rodelbauern und andere Gefreundete . Es muß sich entscheiden . In der Küche prozelte der Braten , und das Fichtenholz knackte , und die Wangen Barfüßeles brannten von dem Feuer auf dem Herde und von innerem Feuer angefacht . Der Krappenzacher ging ab und zu , herauf und herunter in großer Geschäftigkeit , er that im ganzen Hause wie daheim , und rauchte aus der Pfeife des Rodelbauern . » Also ist ' s doch entschieden ! « klagte Barfüßele in sich hinein . Es war Nacht geworden und viele Lichter brannten im Hause , Rosel ging hoch aufgeputzt zwischen Stube und Küche hin und her und wußte doch nichts anzurühren . Eine alte Frau , die ehemals als Köchin in der Stadt gedient hatte , war mit zum Kochen angenommen worden . Es war Alles bereit . Jetzt sagte die junge Bäuerin zu Barfüßele : » Geh nauf und mach ' dich g ' sunntigt « ( sonntäglich angekleidet ) . » Warum ? « » Du mußt heute aufwarten , du kriegst dann auch ein besser Letzgeld . « » Ich möchte in der Küche bleiben . « » Nein , thu ' was ich dir gesagt habe , und mach ' hurtig . « Amrei ging in ihre Kammer , und todtmüde setzte sie sich eine Minute verschnaufend auf ihre Truhe ; es war ihr so bang , so schwer , - wenn sie nur jetzt einschlafen und nimmer aufwachen könnte . Aber die Pflicht rief , und kaum hatte sie das erste Stück ihres Sonntagsgewandes in der Hand , als Freude in ihr aufblitzte , und das Abendroth , das einen hellen Strahl in die Dachkammer schickte , zitterte auf den hochgerötheten Wangen Amrei ' s. » Mach dich g ' sunntigt ! « Sie hatte nur Ein Sonntagskleid , und das war jenes , das sie damals beim Tanz auf der Nachhochzeit in Endringen angehabt , und jedes Biegen und Rauschen des Gewandes tönte Freude und jenen Walzer , den sie damals getanzt ; aber wie die Nacht rasch hereinsank und Amrei nur noch im Dunkeln Alles festknüpfte , so bannte sie auch wieder alle Freude hinweg , und sie sagte sich nur , daß sie Johannes zu Ehren sich so ankleide , und um ihm zu zeigen , wie sehr sie Alles hochhalte , was aus seiner Familie kommt , band sie zuletzt auch noch den Anhenker um . So kam Barfüßele geschmückt , wie damals zum Tanze in Endringen , von ihrer Kammer herab . » Was ist das ? Was hast du , dich so anzuziehen ? « schrie Rosel im Aerger und in der Unruhe , daß der Bräutigam so lang ausblieb . » Was hast du deinen ganzen Reichthum an ? Ist das eine Magd , die so ein Halsband an hat und so eine Denkmünze ? Was muß er davon denken ! Gleich thust du das herunter ! « » Nein , das thu ' ich nicht , das hat mir seine Mutter geschenkt , wie ich noch ein kleines Kind war und das hab ' ich angehabt , wie wir in Endringen mit einander getanzt haben . « Man hörte ein Geräusch auf der Treppe , aber Niemand achtete darauf , denn Rosel schrie jetzt : » So , du nichtsnutzige verteufelte Hex ' , du wärst ja in Lumpen verfault , wenn man dich nicht herausgenommen hätte , du willst mir meinen Bräutigam wegnehmen ? « » Heiß ' ihn nicht so , ehe er ' s ist , « antwortete Amrei mit einer seltsamen Mischung von Tönen und die alte Köchin aus der Küche rief : » Das Barfüßele hat Recht , man darf ein Kind nicht bei seinem Namen nennen , eh ' es getauft ist : das ist lebensgefährlich . « Amrei lachte und die Rosel schrie : » Warum lachst du ? « » Soll ich heulen ? « sagte Barfüßele , » ich hätte Grund genug , aber ich mag nicht . « » Wart ' , ich will dir zeigen was du mußt , « schrie Rosel : » da ! « und sie riß Barfüßele nieder auf den Boden und schlug ihr in ' s Gesicht . » Ich will mich ja ausziehen , laß los ! « schrie Barfüßele , aber Rosel ließ ohnedies ab , denn wie aus dem Boden herausgewachsen , stand jetzt Johannes vor ihr . Er war leichenblaß , seine Lippen bebten , er konnte kein Wort hervorbringen und legte nur die Hand schützend auf Barfüßele , die noch auf der Erde kniete . Endlich rief er mit gepreßtem Athem : » Sag ' , bist du ' s wirklich ? Die von Endringen ? Du bist da ? Da im Haus bist du ? Und so geht man mit dir um ? Red ' doch ein Wort ! Nur ein Wort ! « » Johannes ! « rief Barfüßele und er hob sie mit beiden Armen empor und mit mächtiger Stimme sagte er : » So , jetzt weiß ich wo ich bin . Ja , und mit mir gehst du , und mein bist du ! Willst du ? Ich hab ' dich gefunden und habe dich nicht gesucht ! und jetzt bleibst du bei mir , meine Frau . Das hat Gott gewollt . « Wer jetzt in das Auge Barfüßeles hätte sehen können ! Aber noch hat kein sterbliches Auge den Blitz am Himmel völlig erfaßt , und erwarte es ihn noch so fest , es wird doch geblendet ; und es giebt Blitze im Menschenauge , die nie und nimmer fest gesehen , es giebt Regungen im Menschengemüthe , die nie und nimmer fest gefaßt werden ; sie schwingen sich über die Welt und lassen sich nicht halten . Ein rascher Freudenblitz , wie er in dem Auge erglänzen müßte , dem sich der Himmel aufthut , hatte aus dem Antlitze Amrei ' s gezuckt und jetzt bedeckte sie das Gesicht mit beiden Händen und die Thränen quollen ihr zwischen den Fingern : hervor . Johannes hielt seine Hand auf ihr . Alle Gefreundeten waren herzugekommen , und sahen staunend was hier vorging . » Was ist denn das mit dem Barfüßele ? Was ist denn da ? « lärmte der Rodelbauer . » So ? Barfüßele heißt du ? « jauchzte Johannes , er lachte laut und heftig und rief wieder : » Jetzt komm ' . Willst du mich ? Sag ' s nur hier gleich , da sind Zeugen und die müssen ' s bestätigen . Sag Ja ! und nur der Tod soll uns von einander scheiden . « » Ja ! und nur der Tod soll uns von einander scheiden ! « rief Barfüßele und warf sich an seinen Hals . » Gut , so nimm sie gleich aus dem Haus ! « schrie der Rodelbauer schäumend vor Zorn . » Ja , und das brauchst du mir nicht zu heißen , und ich dank ' dir für die gute Aufwartung , Vetter ; wenn du einmal zu uns kommst , wollen wir ' s wett machen . « So erwiderte Johannes . Er faßte sich mit beiden Händen an den Kopf und rief : » Herr Gott ! O Mutter , Mutter ! Was wirst Du dich freuen ! « » Geh hinauf , Barfüßele , und nimm deine Truhe gleich mit , es soll nichts mehr von dir im Haus sein , « befahl der Rodelbauer . » Ja wohl , und mit weniger Geschrei geschieht das auch , « erwiderte Johannes . » Komm ' , ich geh ' mit dir , Barfüßele , sag ' , wie heißt denn du eigentlich ? « » Amrei ! « » Ich hätt ' schon einmal eine Amrei haben sollen , das ist die Schmalzgräfin , und du bist meine Salzgräfin . Juchhe ! Jetzt komm ' , ich will auch deine Kammer sehen , wo du so lang gelebt hast ; jetzt kriegst du ein weitmächtiges großes Haus . « Der Hund ging immer mit borstig aufstehenden Rückenhaaren um den Rodelbauer herum , er merkte wohl , daß der Rodelbauer eigentlich gern den Johannes erwürgt hätte ; und erst als Johannes und Barfüßele die Treppe hinauf waren , ging der Hund ihnen nach . Johannes ließ die Kiste stehen , weil er sie nicht auf ' s Pferd nehmen , konnte und packte alle Habseligkeiten Barfüßeles in den Sack , den sie noch vom Vater ererbt hatte und Barfüßele erzählte dabei durcheinander , was der Sack schon Alles mitgemacht habe und die ganze Welt drängte sich zusammen in eine Minute und war ein tausendjähriges Wunder . Barfüßele sah staunend drein als Johannes ihr Schreibebuch aus der Kindheit mit Freude begrüßte und dabei rief : » Das bring ' ich meiner Mutter , das hat sie geahnt ; es giebt noch Wunder in der Welt . « Barfüßele fragte nicht weiter danach . War denn nicht Alles ein Wunder , was mit ihr geschah ? Und als wüßte sie , daß die Rosel alsbald die Blumen ausreißen und auf die Straße werfen würde , so fuhr sie noch einmal mit der Hand über die Pflanzen alle hin , sie kühlten ihre Hand mit Nachtthau , und jetzt ging sie mit dem Johannes hinab und eben als sie das Haus verlassen wollte , drückte ihr noch Jemand im Finstern still die Hand ; es war die Bäuerin , die ihr so noch Lebewohl sagte . Auf der Schwelle rief noch Barfüßele , indem sie die Hand an der Thürpfoste hielt , an der sie so oft träumend gelehnt hatte : » Möge Gott diesem Hause alles Gute vergelten und alles Böse vergeben ! « Aber kaum war sie einige Schritte entfernt als sie rief : » Ach Gott , ich habe ja alle meine Schuhe vergessen ; die stehen oben auf dem Brett . « Und noch hatte sie diese Worte kaum ausgesprochen als wie nachtrabend die Schuhe von dem Fenster herabflogen auf die Straße . » Lauf ' drin zum Teufel ! « schrie eine Stimme aus dem Dachfenster . Die Stimme tönte tief und heiser , und doch war ' s die Rosel . Barfüßele las die Schuhe zusammen und trug sie mit Johannes , der den Sack auf dem Rücken hatte , nach dem Wirthshaus . Der Mond schien hell und im Dorfe war bereits Alles still . Barfüßele wollte nicht im Wirthshaus bleiben . » Und ich möchte am liebsten heut noch fort , « setzte Johannes hinzu . » Ich will bei der Marann ' bleiben , « entgegnete Barfüßele , » das ist mein Elternhaus , und du läßt mir deinen Hund . Gelt , du bleibst bei mir , Lux ? Ich fürchte , sie thun mir heute Nacht was an , wenn ich hier bleibe . « » Ich wach ' vor dem Haus , « entgegnete Johannes , » aber es wäre besser , wir gingen jetzt gleich ; was willst du denn noch hier ? « » Vor Allem muß ich noch zu der Marann ' . Sie hat Mutterstelle an mir vertreten und ich hab ' sie heute den ganzen Tag noch nicht gesehen und nichts für sie sorgen können , und sie ist noch krank dazu . Ach Gott , es ist hart , daß ich sie allein lassen muß . Aber was will ich machen ? Komm ' , geh mit zu ihr . « Sie gingen mit einander durch das schlafende mondbeschienene Dorf Hand in Hand . Nicht weit von dem Elternhause blieb Barfüßele stehen und sagte : » Siehst du ? Auf diesem Fleck da , da hat mir deine Mutter den Anhenker geschenkt und einen Kuß gegeben . « » So ? Und da hast noch einen und noch einen . « Selig umarmten sich die Liebenden . Der Vogelbeerbaum rauschte drein , und vom Wald her tönte Nachtigallenschlag . » So , jetzt ist ' s genug , nur noch den und dann gehst mit herein zur Marann ' . O lieber Gott im siebenten Himel ! Was wird die sich freuen ! « Sie gingen mit einander hinein in das Haus und als Barfüßele die Stubenthür öffnete , fiel eben wieder , wie damals der Sonnenstrahl , jetzt ein breiter Mondstrahl auf den Engel am Kachelofen , und er schien jetzt noch fröhlicher zu lachen und zu tanzen ; und jetzt rief Barfüßele mit mächtiger Stimme : » Marann ' ! Marann ' ! Wachet auf ! Marann ' , Glück und Segen ist da . Wachet auf ! « Die Alte richtete sich auf , der Mondstrahl fiel auf ihr Antlitz und ihren Hals , sie riß die Augen weit auf und fragte : » Was ist ? Was ist ? Wer ruft ? « » Freut Euch , da bring ' ich Euch meinen Johannes ! « » Meinen Johannes ! « schrie die Alte gellend . » Lieber Gott , meinen Johannes