« flüsterte der vorsichtige Krieger , » laß uns von uns legen , was uns hindert . Suche wie ich einen leichten Yatagan und birg ihn in Deinem Gürtel . « Indem der Grieche nach der bezeichneten Waffe faßte , stieß er an eine zweite , und diese fiel klirrend zu Boden . Erschrocken blickten Beide empor - der Teppich vor dem Zugang des Schlafgemachs wurde zur Seite gerissen , in demselben , wie der Tiger zum Angriff bereit , kauerte das nackende Weib , die gluthsprühenden Augen auf die Freunde gerichtet . » Verräther ! « Der einzige Laut zischte durch ihre Lippen ; mit einem Sprunge warf sie sich nach der Thür , aber der Czernagorze stürzte ihr zuvor und umfaßte mit aller Kraft ihren Leib . Ein wildes Ringen begann zwischen den Beiden , eine übermenschliche Stärke und Geschmeidigkeit schien die Muskeln und Glieder dieser Frau zu stählen , gleich einem Proteus wand sie sich in dem starken Männerarm und rang Brust gegen Brust . Aber kein Laut , kein Ruf der Hilfe entschlüpfte ihren Lippen , nur der keuchende Athem , der zischende Ton der Wuth begleitete diesen Kampf . An der Thür jedoch scharrte und kratzte es wüthend und immer wüthender . Das grimmige Raubthier witterte die Gefahr , den Kampf seiner Gebieterin , und versuchte , ihr zum Beistand zu eilen . » Mach ' ein Ende ! komm zu Hilfe ! ich vermag diesen Teufel in Weibergestalt nicht länger zu bändigen . « Zwei Mal hatte Nicolas Grivas den Stahl für den Blutbruder erhoben gegen das dämonische Weib , das eben noch an seinem Herzen gelegen , - zwei Mal traf ihn mitten in der Furie des Ringens ein kalter verächtlicher Strahl ihres Auges - und Hand und Waffe sanken machtlos nieder . Da , wie ein Ausweg des Himmels , fiel sein Auge auf einen zur Seite am Boden liegenden persischen Shawl , und im Nu hatte er ihn aufgerafft und schlang ihn um Kopf und Schultern des Mädchens . Gabriel hob sie zugleich empor , im nächsten Augenblick hatte er sie auf das eben verlassene Lager geworfen und keuchend umschlangen Beide die wild sträubenden Glieder mit Tüchern und Decken , wie die Hand sie erreichen konnte , und zogen die Knoten um sie fest . Auch jetzt noch entfloh kein Schrei ihrem Munde , nur das Athmen der Wuth vernahmen sie durch das dicke Gewebe des den Kopf umhüllenden Shawls . Aber draußen am Eingange des Gemaches tobte und wüthete es fort , mit gewaltiger Kraft sprang der Wolf an der Thür empor und stieß ein klagendes Geheul aus , daß es weit durch die Räume des alten Gemäuers scholl . Gabriel riß den Freund mit sich fort , der zitternd auf das Werk seiner Hände schaute , die gebundene verhüllte Gestalt , die jetzt ruhig und bewegungslos , gleich als erkenne sie das Nutzlose jedes weiteren Sträubens , auf den Kissen lag . » Sie stirbt ! sie erstickt ! « Doch der Czernagorze drängte ihn zum Altan . » Was kümmert uns ein Weiberleben ! Hinunter ! Hörst Du nicht , daß von dieser Bestie Geheul schon die halbe Feste in Allarm ist ? Mir nach , Blutbruder , und die Heiligen seien uns gnädig ! « An der Pforte donnerten Waffen und Hände , - unter den gewichtigen Schlägen sprangen die Riegel - - Mit weitgestrecktem Sprunge warf sich der Czernagorze vom durchbrochenen Altan hinab in die dunkle Fluth , im nächsten Augenblick folgte ihm der Grieche . - - - Als Beide emportauchten , glänzte heller Lichtschein von der Oeffnung des Balkons über die Fläche des Wassers - im Umwenden glaubte der Jüngling Gestalten darauf zu sehen , darunter einen weißen fliegenden Mantel , einen Moment nachher blitzte ein Schuß , die Kugel fuhr über ihnen hin in ' s Wasser . » Nieder ! « rief der Czernagorze ihm zu , » halte Dich rechts ! « Und die Schwimmer sanken auf ' s Neue fast auf den Grund und strichen weit aus . Als sie Luft zu schöpfen nochmals emportauchten , waren sie außer dem Bereich der augenblicklichen Gefahr , aber weit entfernt davon , gerettet zu sein . Die Richtung , die sie zu nehmen gezwungen worden , führte sie hinaus in den See . In den verlassenen Festungswerken wurde es lebendig , Lichter bewegten sich an den Oeffnungen hin und her , ehe sie noch zehn Minuten weiter getrieben waren , auch am Strande , und ein Kanonenschuß donnerte über die Fläche des Wassers , Allarm rufend und die Schildwachen zur Aufmerksamkeit mahnend . Mit allen Kräften griffen die beiden rüstigen Schwimmer aus , denn sie wußten , daß jede Minute Verlust war , und daß es um Tod und Leben gälte , so rasch als möglich über den Rayon der Festungsmauern hinaus zu gelangen , ehe sie auf dem Wasser verfolgt werden könnten , und den verborgenen Kahn zu erreichen . Aber die Kleider , deren sie sich nicht hatten entledigen können , zogen immer schwerer und schwerer und hinderten ihre Anstrengungen , und die Kräfte des Czernagorzen waren durch die Entbehrungen der Haft geschwächt . Rüstiger schwamm der junge Grieche , an der See geboren und Herr des Elements , und ermunterte den Freund zu neuen Anstrengungen . Doch weit rechts noch lag das rettende Ufer und kaum noch war Zuflucht dort zu hoffen , denn in kurzen Zwischenpausen dröhnten die Allarmschüsse fort . Gabriel war ermattet . » Rette Dich selbst , Blutbruder , und grüße Stephana und die schwarzen Berge ! « Er sank ; aber der Grieche war hinter ihm d ' rein und hob ihn empor . » Bei der gebenedeieten Mutter Gottes von Ostrog , « flehte er , » verliere den Muth nicht , Hilfe ist nahe - ich höre Stimmen ! « Und gleichsam als Antwort auf den Scheidegruß des tapfern Czernagorzen hallte sein Name durch die Nacht über die Wellen , und hinterdrein klang der Schlachtruf der Familie Martinowitsch , ihr heilig ' Erbtheil seit der Mordnacht der Weihnachten von 1703 : Sve Oslobod1 ! » Hier Czernagora ! « tönte der Gegenruf des Griechen , wie er sich aus den Wellen hob . Triumph ! Rettung ! Durch die Nacht strich ein weißes Segel daher - ein jubelnder Schrei klang vom dunklen Bord , - Arme streckten sich nach ihnen aus - das waren Freunde . Am Steuer stand der alte Beg , Hassan und der Vetter arbeiteten wie rasend an den Rudern - Stephana ' s , Bogdan ' s Arme streckten sich den Schwimmenden entgegen . » Muth ! « In der nächsten Minute hob Nicolas den erschöpften Freund über den Rand des Bootes in die Arme seines Weibes und warf sich selbst ihm nach . » Wendet ! Fort ! « Erschöpft lagen die Beiden auf dem Boden des rettenden Fahrzeuges , das unter dem kräftigen Druck des Alten sich von der Festung ab- und den Bergen zuwandte . Stephana ' s Angst und Ungeduld hatte die Hilfe gebracht , indem sie den alten Beg bewog , mit dem Boote während der Nacht sich den Festungswerken zu nähern , statt an der bestimmten Bucht des östlichen Ufers des Kahns mit den glücklich Entkommenen zu harren . Als der erste Allarmschuß über den See donnerte , wußte die Familie , daß die Flucht vollzogen , und der kühne Eifer trieb sie vorwärts , die eigene Gefahr verachtend . So war die Hilfe im glücklichen Augenblick erschienen . Die Czernagorzenfrau bedeckte den Gatten mit ihren Küssen . Im schwarzen Hochland sind die Weiber treu und voll aufopfernder Liebe . Obschon sie wegen ihrer wunderbaren Thatkraft von ihren Männern zu den schwersten Arbeiten gebraucht werden , erleidet ihre Stellung dadurch doch keine Erniedrigung , und die Frau ist in moralischer Hinsicht keinesweges bloß das Spielzeug des Mannes , wie dies nur zu oft in civilisirten Ländern der Fall ist . In Czernagora ist das Weib wahrhaft unverletzbar ; Fleiß , Keuschheit und Muth sind die drei schönen Tugenden , die sie zieren . Darum vertraut sie sich auch ohne Bedenken selbst dem Fremden , in der Gewißheit , daß er sich keine Unziemlichkeit gegen sie erlauben werde . Wagte er es dennoch , ihre Schaamhaftigkeit zu verletzen , so würde der Tod des einen oder des anderen Theils die gewisse Folge davon sein . Ein czernagorzisches Mädchen liebt nur in der Aussicht auf Heirath , den treulosen Verführer aber trifft der Tod . Diese heilig bewahrte Schaam und Sitte des Volkes wird das Furchtbare der nachfolgenden Scenen charakterisiren . Ueber dem Wiedergewonnenen hinweg reichte Stephana dem Griechen die Hand und konnte nicht enden in lobpreisenden Dankesworten für seine That . Auch der alte Beg und die Andern bezeugten ihm Dank und Achtung für die bewiesene Aufopferung und Treue , und mehr als ein Mal drohte das Gefühl bitterer Schaam ihn zu überwältigen . Das war um so lastender der Fall , als der alte Glaware2 den Hergang der Flucht zu wissen verlangte , und Gabriel , der sich an der Brust des treuen Weibes erholt hatte , eilig das Wort ergriff , den Freund aus der Verlegenheit zu ziehen , und der Familie kurz erzählte , wie Nicolas ihm Feile und Strick gesandt hatte , wie er verhindert worden sei , mit dem Kahne zu seinem Beistande zu erscheinen , und nun mit ihm zusammen schwimmend die Flucht versucht habe , daß diese aber durch einen Zufall zu früh entdeckt worden und ihre Verfolgung nach sich gezogen . Die Berathung , wie dieser am besten zu entgehen , nahm jetzt Aller Aufmerksamkeit in Anspruch . Der alte Beg war der Ansicht , daß sie jeder Gefahr glücklich entgangen seien , da der Pascha von Scutari schwerlich um der Flucht eines einzelnen Gefangenen willen viel Aufhebens machen und außergewöhnliche Mittel zur Verfolgung in Bewegung setzen würde . Gabriel und Nicolas jedoch schauten einander bedenklich an und waren der Meinung , man dürfe keine Anstrengung versäumen , um so rasch als möglich die czernagorzischen Ufer zu gewinnen . Ohne den Namen der Wölfin von Skadar auszusprechen , wußte der Grieche doch seine Besorgniß auch Stephana mitzutheilen , und sie gewann um so mehr Begründung , als die Gesellschaft bald darauf von der Höhe des Thurmes , dessen Kerkern Jene so glücklich entronnen waren , ein mächtiges Feuerzeichen emporlodern sah , ein Signal , das sonst gewöhnlich nur bei den Kriegsüberfällen üblich war , um den verschiedenen Posten entlang der Seeufer die Anwesenheit des Feindes zu melden . In Zeit von einer halben Stunde stammten links nach Antivari hin und rechts gegen das Hochgebirge bereits mehrere ähnliche Feuer an den beiden Ufern und verkündeten die Aufmerksamkeit in den verschiedenen Kastells . Der See von Skadar hat eine Länge von nahe an sieben Meilen bei einer wechselnden Breite von etwa zwei . Nur das nördliche und nordwestliche Ende , an dem sich die Moratscha und der Czernojewitsch in den See ergießen , wird von Czernagora selbst begränzt , und zwar im Norden von der Rietschka Nahia , im Nordwesten von der Czernitza Nahia . Die nördlich gelegenen Inseln gehören , wie bereits erwähnt , zwar zum Gebiet von Montenegro , sind aber nur zu Zeiten , namentlich während des Fischfanges , bewohnt . Man beschloß daher , die rechte Seite des Sees zu halten und die Ufer der Rietschka zu gewinnen , der heimischen Nahia des Alten , wo sein Ruf im Augenblick die Männer der zunächst wohnenden Plemen im Fall der Bedrohung herbeiführen konnte . Nachdem man dies gethan , wurden die Wachen bestimmt , um stets mit erneueten Kräften an den Rudern arbeiten zu können . Der alte Beg erklärte , das Steuer nicht verlassen zu wollen , - seine eisernen Muskeln widerstanden jeder Anstrengung . Die erste der Wachen hielten der Grieche , Hassan Lekitsch der Arnaut und der Vetter , Iowan genannt . Die beiden Letzteren waren an den Rudern beschäftigt , der Erste hielt das Seil des Segels , das sich noch immer lustig im beginnenden Morgenwinde blähte . Es mochte jetzt zwei Uhr nach Mitternacht , oder die vierzehnte Stunde des Tages , wie man auch hier nach italienischer Sitte rechnet , sein , und über die Bergspitzen begann der erste Schein der Dämmerung zu brechen , während noch die tiefen Schatten der Nacht über dem See lagen . Der Einäugige summte leise in jener unangenehmen monotonen Sangesweise der griechischen und orientalischen Stämme die Piesme vor sich hin , welche den Zug des Czernojewitsch Iwo zum Dogen des großen Venedigs und die Hochzeit des falschen Stanischa , des schönen Wojwoden von Dulcigno , Obrenowo Djuro , mit der Tochter der Inselstadt meldet , wie die Rache des echten Bräutigams und seine Flucht nach Schabljack . Grivas dagegen träumte von der schrecklichen Scene , der er entronnen . Vor seinen geschlossenen Augen stand mit dem flammenden , verächtlichen , rachesprühenden Blick die Wölfin von Skadar . Dazwischen kehrte in seine Erinnerung das schwelgende Bild ihres Reizes zurück , und er beugte , im Innern vernichtet und von widerstreitenden Gefühlen zerrissen , das Haupt . Die zweistündige Wache mochte zu Ende sein , - die Sonne war bereits aufgegangen und ihre Strahlen brachen durch die Schluchten der im Osten sich emporstreckenden Bergkämme , als Hassan den Hellenen aus seinem Hinbrüten weckte und ihm einen Wink gab , sich umzuschauen . » Blicke mein griechischer Bruder nach der Seite , wo die Sonne sich in ' s Meer senkt , und sage mir , was er über den leichten Nebeln sieht , die dort noch das Ufer verhüllen . Der junge Falke der Maina hat scharfe Augen ! « Grivas schaute angestrengt nach der angedeuteten Stelle . » Das ist sicherlich ein dunkler Rauch , welcher sich über die Nebel bewegt . Sollten wir so nah ' einer der Inseln sein und dort Beistand finden ? « » Mein Bruder täuscht sich . Siehst Du nicht , daß der Rauch sich bewegt ? « » Was habt Ihr ? Nach was späht Ihr aus ? « unterbrach sie der Beg . » Birschik jok3 ! wir werden nur verfolgt , « entgegnete gleichmüthig der Arnaut . » Der Bey hat jenes höllische Schiff uns nachgesandt , das der Scheitan erfunden und das allein läuft , ohne Segel und Ruder . « » Du meinst ein Dampfschiff ? « » Ne apalum , was kann ich thun ? Der Bey hat von den Franken seit dem Kriege das Schiff machen lassen , und er hat Leute , die es führen . « In der That war in dem letzten Kriege die Nothwendigkeit rascher Verkehrsemittel immer dringender an den Tag getreten , und die türkische Regierung hatte auf die Vorstellungen Omer Pascha ' s eines der kleinen eisernen Lustdampfboote , welche zwischen dem Bosporus und Constantinopel fahren , nach Dulcigno gesandt , wo es von französischen Maschinisten auseinander genommen und die Bojana aufwärts bis Scutari transportirt , dort aber wieder zusammengesetzt worden war . Den Czernagorzen war zwar die Beschaffenheit und Schnelle der Dampfschiffe nicht mehr unbekannt , da sie von der Höhe ihrer Berge fast täglich dieselben die schöne Adria durchziehen sehen können , doch war eben der türkische Dampfer auf dem nördlichen Theil des Sees noch zu wenig benutzt worden , um ihnen weitere Besorgniß einzuflößen , und der Grieche hatte bei der aufgeregten Stimmung seines Gemüths wenig oder gar nicht auf die Anwesenheit des Schiffes zwischen den Festungswerken von Scutari geachtet . Jetzt wurde ihm jedoch die Gefahr , die sie bedrohte , im Augenblick klar und er setzte sie dem alten Krieger deutlich und rasch auseinander . Während Gabriel und Stephana , die Arm in Arm im Vordertheil des Bootes schliefen , und der junge Martinowitsch geweckt wurden , verzogen sich die letzten Nebel und man erblickte deutlich den Dampfer in Entfernung von kaum noch einer Meile in südwestlicher Richtung hinter den Flüchtenden , doch offenbar seinen Cours am westlichen Ufer entlang haltend . Grivas und Gabriel begriffen sehr wohl , daß man bei der Entdeckung der Vorbereitungen zu ihrer Flucht auch überzeugt gewesen sein würde , selbst wenn man dasselbe später nicht bemerkt haben sollte , daß ein Fahrzeug der Flüchtigen in der Nähe harre , und daß ihre Flucht demnach zu Wasser fortgesetzt werde . Wäre es den Beiden gelungen , in der beabsichtigten Weise um Mitternacht zu entkommen , so konnte die Flucht nicht vor dem nächsten Morgen bemerkt werden , und dann waren sie außer dem Bereich jeder Verfolgung . Jetzt war es freilich anders . Die Richtung des Dampfers , der offenbar mit voller Kraft fuhr , zeigte die Absicht , die Flüchtigen , wenn sie sich nach der Czernitza Nahia gewandt haben sollten , vorher zu erreichen , oder im entgegengesetzten Fall sie von diesem näher belegenen Ufer Montenegros abzuschneiden und nach der andern Seite , dem türkischen Gebiet , zu drängen . Offenbar konnte man in dieser Entfernung noch nicht das kleine Boot bemerkt haben und es galt , dies wo möglich zu verhindern . Eine kurze Berathung folgte , ob man das leicht verrathende Segel einziehen und sich nur auf die Kraft der Ruder verlassen , oder den noch immer günstigen Morgenwind benutzen sollte . Beides war gefährlich , denn kaum die Hälfte des Weges war zurückgelegt . Der Beg entschied sich für die weitere Benutzung des Segels , da ohnehin die erste der zu Montenegro gehörenden Inseln , Stavena , bereits vor ihnen lag und man hoffen durfte , an ihrer Wetterseite der Beobachtung des Feindes zu entgehen . Alle halfen an den Rudern und bald schoß das Boot unter den Felsenufern der Insel dahin . Der Beg wandte das Steuer noch mehr nach Osten und so gelang es ihnen , anscheinend unbemerkt nach weitern zwei Stunden des Ruderns , während dessen der Morgenwind erstorben war und man das Segel eingezogen hatte , die zweite der Inseln , Sanct Nicolaus , anscheinend unbemerkt zu erreichen . Das Dampfschiff war unterdeß weit heraufgekommen und hatte den Fahrstrich des Bootes bereits überholt , hielt sich aber immer noch am jenseitigen Ufer . Hier unfern der nördlichen Spitze der Insel , in einer kleinen ziemlich geschützten Felsbucht beschloß der Beg , Halt zu machen und den Tag zu verbringen ; denn da sich über die Insel hinaus der See bedeutend verengt , wäre es fast nicht möglich gewesen , der Aufmerksamkeit der Verfolger ferner zu entgehen , während wenn diese , wie zu erwarten stand , ihren Weg fortsetzten , die Flüchtlinge ganz ungestört hier sich verborgen halten und das schützende Dunkel der Nacht abwarten konnten . Das Boot lag gesichert in der Felsenbucht , in seinem Innern ruhten die Männer von der Anstrengung des Morgens und der sich steigernden Hitze des Tages . So vergingen mehrere Stunden , ohne daß sie belästigt wurden . Bogdan , zuerst als Späher auf eine der Felsspitzen geschickt , hatte berichtet , daß das Dampfboot hinter der letzten der Felseninseln , Morakowitsch , verschwunden sei . Das hohe Ufer verhinderte ihn , zu bemerken , daß der Dampfer , nachdem er einer Barke begegnet war , von der er die Kunde erhielt , daß kein Boot aus dieser Seite des Sees entkommen sein konnte , an der letzten Insel hielt und Bewaffnete aussetzte , um dieselbe nach den Flüchtlingen zu untersuchen . Gabriel hatte jetzt die Wache und war an ' s Ufer gestiegen ; die Gesellschaft saß nach ihrem einfachen Mahl , aus der trocknen Castradina und Maiskuchen bestehend , noch immer im Kahn , um jeden Augenblick bereit zu sein . Nur der alte Beg hatte seltsamer Weise den Antheil an der Speise von sich gewiesen , er saß still in sich gekehrt , mit starrem Blick , gleich als habe er ein zweites Gesicht , und summte wieder leise die Piesmen seines Stammes vor sich hin , deren so manche die Thaten seiner eignen Jugend feierten . Plötzlich fuhren Alle empor bei dem nahen Knall eines Schusses . Wenige Angenblicke darauf stürzte in kühnen Sprüngen von Fels zu Fels Gabriel bleich und blutend zur Bucht , noch ehe seine Stimme sie erreichen konnte , zur Flucht winkend . Im Nu war Alles in Bewegung , das Boot abgestoßen und dem Eingang zugetrieben . Hier , wo die Ufer zusammentraten , sprang Gabriel in das Fahrzeug . » Fort , fort , um aller Märtyrer willen , die Ungläubigen sind uns auf der Spur ! Sie sind zurückgekehrt und durchsuchen die Insel ; ein Trupp hat mich entdeckt , als ich nach dem Schiff spähte . « Mit erneuter Kraft warfen sich Alle auf die Ruder , auch Gabriel , dem die Kugel nur leicht die linke Hüfte gestreift hatte . Das Boot flog in das freie Gewässer , aber ein wildes Jauchzen , der Knall vieler Gewehre verkündeten ihnen , daß sie auch bereits entdeckt worden . Während der rasenden Arbeit sich umschauend , erblickte Grivas auf der Höhe der Felsen die Verfolger , drohend die Gewehre durch die Luft schwingend , deren Kugeln die Flüchtlinge nicht mehr erreichen konnten ; unter den Gestalten der Männer den wehenden Feredschi einer Frau . Ihr ausgestreckter Arm deutete nach der Küste , ihre Befehle jagten die Arnauten nach allen Seiten . Fatinitza , die Wölfin von Skadar , Fatinitza die Rächerin , war auf ihrer Spur ! Die Lage der Verfolgten war noch immer keine so verzweifelte , als es im ersten Augenblick geschienen hatte . Durch den Zeitverlust , den ihre Gegner nothwendig beim Wiedereinschiffen auf den Dampfer und das Herumbringen desselben um die Ausbuchtungen der Insel erleiden mußten , war ihnen ein bedeutender Vorsprung gesichert . Ueberdies ist dieser Theil des Sees wegen der vielen aus dem Grunde sich erhebenden Felsen und Klippen schwieriger für größere Schiffe zu befahren . So gelang es den Verfolgten denn wirklich , die Ostseite der dritten Insel zu erreichen , während die Türken , denen die Schwierigkeiten des Fahrwassers gleichfalls bekannt waren , an der Westseite des langgestreckten Eilands hinfuhren , um an dessen Spitze im freien Wasser den Czernagorzen den Weg zu verlegen . Ueber die Felsen der Insel hin konnten die Verfolgten die Rauchsäule des Schiffes bereits in gleicher Linie mit ihrem Boot streichen sehen , als der alte Glaware das Steuer wandte und quer über den Seearm nach einem Vorgebirge des östlichen Ufers abhielt . Auf seinen Wink strengten Alle ihre Kräfte an den Rudern auf ' s Neue an und das Boot flog über die Wellen . Die Entfernung der Insel vom Ufer betrug hier eine starke halbe Meile . Während das Dampfboot etwa in gleicher Entfernung um die Nordspitze der Insel bog und die weitere Flucht nach der noch anderthalb Meilen entfernten Mündung des Czernojewitsch - dem sichernden Ufer der Rietschka Nahia - versperrte , war das Boot der Czernagorzen bereits auf Büchsenschußweite am Ufer und näherte sich einer Einbuchtung , als aus dem Gestein des Ufers plötzlich leichte Rauchwolken emporkräuselten und Schüsse ihnen entgegenblitzten . Zwischen den Felsen zeigten sich die weißen Pferde der Albanesen , Posten erschienen auf den Vorsprüngen . » Das Segel auf ! « befahl der Beg , dessen eines Auge in dieser von Minute zu Minute sich mehrenden Gefahr wieder kühn und fest umherblitzte . » Gelingt es uns , das Vorgebirge zu umfahren , ehe jenes dem Teufel verschriebene Schiff heran kommt , so gewinnen wir das Ufer . Diese Kinder des schwarzen Hundes sollen die freien Söhne der Berge nicht fangen , denn um auf jene Seite des Vorsprungs zu gelangen , brauchen sie Zeit . « Die Moslems auf dem Dampfschiffe begriffen zwar das Manöver der Flüchtlinge , doch war es ihnen nicht möglich , vor diesen das Vorgebirge zu erreichen , und nach einer rasenden Anstrengung von etwa zehn Minuten schoß das Boot gesichert zwischen den Klippen der nördlichen Seite hin , um sich eine bequeme Landungsstelle zu suchen , während ohne Resultat mehrere Karonadenschüsse vom Bord des Dampfers nach ihnen abgefeuert wurden . Als das Boot das Ufer berührte , das noch von keiner Wache des Feindes besetzt war , sprangen Alle eilig heraus , das Fahrzeug seinem Schicksale überlassend und eilten nun , ihre Waffen mit sich nehmend , in die Schluchten der Zenta . Jowan , dem diese Gegend von früheren Fischerfahrten bekannt war , machte hier den Führer . Sie waren ungefähr eine Viertelmeile diesseits der kleinen Feste Zabljak gelandet , die in den Kriegen zwischen Montenegro und den Türken von Alters her eine so bedeutende Rolle gespielt und auch zu Anfang des letzten Krieges von den Czernagorzen wieder genommen und beim Abzug am 25. December zerstört worden war . Seit dem geschlossenen Frieden hatte man zwar versucht , die Befestigungswerke wieder herzustellen , doch war dies erst zum geringen Theil gelungen und nur ein kleiner Posten hielt sie besetzt , so daß man hoffen durfte , ohne Gefährdung sie zu umgehen , wenn nicht vorher schon der Befehl zu ihrer Verfolgung dort eingetroffen . Von der nächsten Höhe , die sie gewonnen , sahen sie jedoch , daß das Dampfschiff jetzt seinen Lauf nach der halbzerstörten Feste genommen und sie beinahe erreicht hatte . Es galt demnach , sich tiefer in das Gebirge zu werfen , um auf dem Umweg das von Zabljak noch eine starke Meile entfernte Gebiet von Montenegro nach Ueberschreitung der Ziewna zu gewinnen . Es war bereits hoch am Nachmittag , als sie hier die Fortsetzung ihrer Flucht begannen und in die Berge östlich von Fabljak drangen , so viel als möglich die Richtung nach Norden beibehaltend , um sich ihrem Ziel zu nähern . Aber ihre Vorsicht und ihr Muth waren vergeblich , denn die Furie , die auf ihren Fersen war , verstand zu wohl ihren Vortheil , um ihnen Zeit und Raum zum Durchbruch zu gönnen , und fand in einer vor wenigen Tagen von Podgoritza her in die kleine Feste eingerückten Reiterabtheilung neue Hilfe . Der Offizier ihres Vaters , welcher mit einem Haufen wilder Albanesen sie auf dem Dampfer begleitet hatte , war ihrem Willen blindlings gehorsam , und ehe eine Viertelstunde nach der Landung vergangen war , flogen ihre Boten bereits nach den Reiterposten , welche durch die schnellen Sendboten des Paschas von Skadar her entlang der ganzen Küste des Sees noch während der Nacht und des Morgens zum Fange der Flüchtigen aufgeboten worden waren , und deren nächster jenseits des Vorgebirges bereits die Czernagorzen an der Landung verhindert hatte . Zugleich brach ein starker Hause aus der Feste auf , um das Ufer der Ziewna und Moratscha zu besetzen und so den Füchtigen den Weg abzuschneiden . Die Folgen zeigten sich bald . Als der kleine Trupp der Czernagorzen gegen Abend , von dem Beg geführt , aus den Bergen brach , um den ersten Fluß zu überschreiten , wurden sie vom Ufer her mit Flintenschüssen empfangen , und selbst die tollkühne Tapferkeit des greisen Führers mußte die Uebermacht der Gegner anerkennen und ihr weichen . Unter einer alten Steineiche sammelten sich die Sieben und hielten Berathung , während immer drohender das Netz der Verfolger sich um sie zusammenzog . » Die Stunde ist gekommen , « sprach feierlich der alte Glaware , » da wir Bog , dem großen Würger , gehorchen müssen . Wir wollen kämpfen und sterben , wie unsere Väter gethan . Das Haus Iwo ' s wird untergehen in diesen Bergen . « » Du redest weise und recht , Vater , « sagte Gabriel , » aber bedenke , ob es nicht möglich ist , uns hier auf irgend einem festen Punkt zu halten , bis uns Hilfe käme von unsern Stammverwandten . Der erste Flintenschuß eines Moslems weckt hundert Mal das Echo an den schwarzen Felsen von Czernagora . « Der Alte schwieg brütend . » Weiter hinauf im Gebirg , « sprach Jowan , » steht die Kula , die früher einem Gliede der Gradjani gehörte , das in ' s Niederland gezogen war . Wenn wir sie erreichen , können wir einem Angriff widerstehen . Nur den Boten gilt es zu unseren Brüdern zu finden . « Der Greis blickte ihn finster an . » Willst Du den Glawaren der Martinowitsch lehren , was er auf diesem Felde zu thun hat , das sein Fuß hundert Mal im Kampfe durchmessen , ehe Du den eigenen Namen lallen konntest ? Was geschehen soll ist beschlossen . Höret ! « Alle drängten sich um ihn . Der Einäugige nahm den schrecklichen Mumienkopf von seinem Halse und betrachtete ihn . » Namik Halil , mein Todfeind , ich sende Dich jetzt , um das Blut derer zu retten , die Du im Leben gehaßt und verfolgt hast , denn unversöhnlich ist die Rache der Martinowitsch . - Gabriel , mein Sohn durch den Leib meiner Tochter , nimm Abschied von Deinem Weibe , denn sie und das Kind « - er deutete auf Bogdan - » werden den Gang wagen , um die Krieger der Rietschka zu wecken mit der Botschaft ihres alten Führers . « » Vater ! « baten Stephana und der Jüngling erschrocken . » Still ! die Kinder der schwarzen Berge wissen zu gehorchen , wenn der Glaware ihres Hauses spricht . Ihr Beide werdet Euch hier unter dem Felsen verbergen , bis der Schatten der Nacht hereinbricht . Dann werden die Feinde fern sein auf unserer Spur und Ihr könnt ungehindert davon schleichen . Du , Bogdan , eilst zu den Kula ' s der Lubotini und Kozieri und rufst sie zu den Waffen ; Du , Stephana , bringst dies Haupt zu den Wohnungen unserer Brüder , der Gradjanen4 , an den Ufern der Czernojewitsch und sagst ihnen , Iwo Martinowitsch sende es zum Zeichen , daß er des Knalls ihrer Flinten benöthigt sei in der Stunde der Gefahr . Die Frauen wandern frei durch diese Berge , selbst der Moslem ehrt ihr Recht , und