diesen Deinen treuen Gespielinnen gar nichts zu schreiben weißt . Schicke mir doch mit umgehender Post einige Lot der besten schwarzen Kreide , auch etwas weiße , auch englische ist mir lieb ; es ist für einen armen Jungen hier , der ganz vortrefflich zeichnet , schicke sie aber ja gleich . Von Savigny hab ich keine Grüße an Dich , wenn Du etwa danach fragen solltest , ob er sich Deiner noch erinnert . - Er hat seine Studien und seine Freunde , und denkt an sie , wenn sie ihm ins Gedächtnis kommen , er schreibt öfter an Gundel , vermutlich , weil er ihr manchen Rat gibt . Savigny , der immer helfend und wohltätig ist , nützt ihr unstreitig viel . Dir kann er in dieser Weise nicht nützlich sein , deswegen schreibt er an Dich nicht , ich finde das ganz natürlich , da er in Sachen des Ungangs ganz anders denkt als ich , so würden wir uns oft stören . Du verlangst ja wohl auch nichts weiter , als daß ich alles , was ich weiß und für Dich gut finde , Dir von Herzen mitteile , und ich verlange , daß Du mir traust . - Sei kein Allmein , schicke die Kreide , stelle Dich nicht so heilig , nehme das Leben leicht und Deine Pflichten ernst , lerne mit vernünftigen Leuten lustig und fröhlich umgehen und habe mich in vernünftigem Andenken . Dein ehrlicher Bruder Clemens Noch etwas ! - Verphantasiere Dich nicht mit dem Gärtner ! - Er ist ein guter vernünftiger Bursche an seinem Platz , nämlich unter Kraut und Rüben . Es ist sein romantisch Leben ganz gut mit den Blumen , das aber doch gewiß halb aus Deinem Magen kommt . - Aber einen tüchtigen Kohl muß er mir doch auch ziehen und muß seinen ordentlichen Respekt davor haben . - Lieber Clemens ! Liebe Günderode ! Denn , lieber Clemens , ich muß doch gewiß einen haben , bei dem ich Dich verklage , Dir ins Gesicht kann ich ' s nicht alles sagen , was ich Schlimmes von Dir weiß und aus Deinem Brief heraus sogleich entdeckt habe . Ach , ich möchte gar zu gerne nicht pfiffig sein und lieber gar nichts merken , aber wenn ich ' s nun einmal gemerkt hab , wie soll ich ' s machen , es übergehen würde doppelt listig sein . - Also schreib ich ' s hier ans Günderödchen , da kannst Du gleich erfahren , wie zwei Mädchen sich über einen listigen Jüngling lustig machen . Also denk nur , Günderödchen , der Clemens ist eifersüchtig über den Gärtner . - Lies nur diesen Brief von ihm , wo er gleich von vorne herein mir meine Sentimentalität mit den Blumen vorwirft und wirklich die Vergleiche bei den Haaren herbeizieht . Kartoffel , Gelerüb , Rose ! - Und dann , ich wär sentimental , und dann mir Heilmittel eingibt , ein halb Dutzend Paar leinerne Stiefelstrümpf , an denen ich ein halb Dutzend Jahre knottlen soll , um mich zu kurieren , und denk doch , Günderode , so geht das drei , vier Seiten fort , aber von dem , was ihn eigentlich ärgert , davon weiß er nichts zu sagen , da ist er ganz unschuldig . Mit der gesunden Lotte soll ich umgehen , um von meiner Empfindsamkeit mich zu heilen , schwarze Kreide soll ich ihm schicken und weiße Kreide und von meinen Geschwistern soll ich ihm schreiben , von denen wisse ich nichts zu sagen , wirft er mir vor , - und ich hatte mir doch vorgenommen ihm zu schreiben , daß Lulu ein kaffee- und milchfarbnes seidnes Kleid an hatte , war ihr so sehr schön stand . Vom Ball soll ich ihm erzählen , schreibt er , wie kann ich das ? - Wollt ich mein Liebesabenteuer von jener schönen Ballnacht ihm mitteilen , das wär ihm wohl gar nicht angenehm . Günderode , davon lasse Dir ja nichts herauslocken , von meiner triumphierenden Heimfahrt erzähle ihm nichts , und wen ich beim Aufgehen der Alba am Wege stehen sah , der mich grüßte , und dem ich meinen Kranz aus dem Wagen zuwarf , das schreib ihm nicht , das bleibt unter uns Mäderchen ! - Und die Revolutionsgeschichte mit allen ihren Rebellern hier in Offenbach und mit meinen tausendfach facettierten Reflexionen darüber , die meint er , soll ich wieder hervorholen . - Ja , wenn er wüßte , was wir zwei beide , ich und Du , alles schon drüber miteinander gedacht und verhandelt hatten und was wir niedergeschrieben und auch so manches Blatt schon zerrissen haben . O Günderode , damals hatte er auch keine Ruh und predigte Dir so lange , Du solltest mich davon abbringen , so hatten wir denn beschlossen , im stillen darüber uns allein Rechenschaft zu geben , weil doch diese Weltangelegenheit eine ganz andre lebendige , ins tiefste Denken eingreifende Gewalt ist , weil sie doch ein Richteramt führt über alle heiligen Rechte der Menschheit , weil sie doch in sich selber eine ganz von allen Urgründen der Lebens- und Bildungsstufen aufstrebende Geistesbahn ist . Geschichte studieren ! Müllers Schweizer Geschichte ! Bon ! Aber sie ist vorbei , gedürrte Quetschen , schmackhaft zwar , aber was soll ich mit Backobst ! - Was soll ich mit euch - ihr krüppeliges Winterausdauerungsprodukt , bin ich ein Hamster , der beide Backentaschen voll in seine Vorratskammer aufspeichert ? - Nein , ich bin eine frank und freie lustige , helle Bergquelle , vom Zufall oft durch Wüsten und Paradiese hinrauschend mit gleicher Lebendigkeit ; geht ' s über Klippen , dann ist er gleich noch einmal so aufgeregt , da stampft er , da gischt er , da dampft und braust gleich seine Lebenskraft heller aus dem lichten Schaum hervor . Nein , ich bin nichts . Aber , wenn einer das sagt , dann bin ich gleich etwas . - Auch fürchtet der Clemens , ich lese alles durcheinander - und macht mir Vorwürfe , er denkt , Romane können mir die seltsamen Gedanken einprägen , und wenn er wüßte , daß keine Romane mir je gefallen können als nur meine eignen ! - Gibt es etwas Ärgerlicheres als Liebschaften sich vorerzählen lassen , wo man sich gleich wundert , wie die Schafe , welche auf diesem Romanen-Teppich weiden , nur zu diesem Schwindel kamen , und der meint , dazu käme ich . - Noch eine ganz närrische Seite tritt oft wie ein mir unverständliches hebräisches Wort auf den Lehrstuhl , und zwar mit den feierlichsten Gebärden , so daß ich im Anfang ganz ängstlich wurde und mir vergeblich den Kopf zerbrach , was das sein möge . - Von nun an beseitige ich meine Skrupel , weil ich erst jetzt deutlich sehe , daß der liebe , liebste Clemens auch von allerlei ihm selbst nicht recht deutlichen Beweggründen angespornt wird , manches zu wollen , zu fordern , zu beteuern . Das Wort ist Pflicht . » Tue Deine Pflicht mit Ernst - das Leben nehme leicht « . - Seh ich mich um nach meiner Pflicht , so freut mich ' s recht sehr , daß sie sich aus dem Staub macht vor mir , denn erwischte ich sie , ich würde ihr den Hals herumdrehen ! So erpicht bin ich gegen sie . - Nun , ich hoffe , daß ich und meine Pflicht nie zusammen kommen , falls eine sollte auch auf mein Los gekommen sein - ich würde sie mit meinem ernsten Blick schon in Schranken halten , daß sie mir nicht über den Hals käme , ich verstehe keinen Spaß hierüber , meine ganze Natur kommt in Aufregung , und Kräfte machen sich in mir auf die Beine , die alles in Grund und Boden trampeln , was sich mir aufsätzig machen will . Also Pflicht , halte dich im Hintergrund , wenn du nicht abgedroschen sein willst . - Meinetwegen geh zum Herrgott und klag , daß du nichts bei mir ausrichten kannst , wenn ich ihm ' s vorstell , wird er schon Raison annehmen . Heilige Harmonie der Natur , dich wollen sie aus dem Geleis bringen der einzig göttlichen Sphäre , der Freiheit nämlich , und wollen zur zinspflichtigen Pflicht machen alles , bis auf den Adel der Seele sogar , aus dem alles Große entspringt . - Entspringen heißt ja aber schon dem Strang der Pflicht ausweichen , ich aber entspringe ihr nicht , ich wende mich grade um gegen sie , seh ihr scharf ins feige Angesicht und sage ihr : Weiche zurück vor meinem reinen Instinkt des reinen großen Mächtigen , von dem du dir nichts träumen lässest . - Und denk , Günderode , auch meine Träume greift mir der liebe Clemens an mit seiner Satire , und wenn er doch in unserm Traumbuch läse , wo wir so seltsame wunderliche Sachen und Gedanken schon aufgeschrieben , aus denen Du schon Stoff zu manchem schönen Gedicht gefunden hast . - Wenn er Deinen Franken in Ägypten läse , ein geträumtes Abenteuer gab dazu den Stoff - aber jetzt werd ich gleich einmal meine Pflicht überschreiten und werde ein bißchen zum Gärtner gehen , da es die Abendstunde ist , wo er begießt , da hab ich ihm versprochen zu kommen und zwar nicht aus Pflichtgefühl , sondern aus Lust am lieblichen Geschäft , aus Lust an alle dem frischen Leben , was sich in dem schönen Schmelz der Farben regt , am Wachstum der Knospen und an allem in allem ! Und auch zum Kohlbeet werd ich gehen , was der Clemens für des Gärtners Pflichtniederlassung hält . - Ich werde mich da mit meinem Pflichtstrickstrumpf hinsetzen und etliche Pflichtmaschen stricken , ich werde aus Pflicht gegen meine Bildung in der alten Schweizergeschichte lesen , daß der Teutone keine Stiefelstrümpfe trug , als er noch ein freier Mann war , ich werde also aus Pflichtgefühl am Altar der Freia mein Strickzeug niederlegen und das Gelöbnis ihr tun , nie wieder Stiefelstrümpfe zu stricken , die dem freien deutschen Charakter Fesseln anlegen ! - Soweit meine Mitteilungen an die Günderode , lieber Clemens , über Deinen Brief ; ich hab ihr zwar nicht wörtlich so geschrieben ; denn es braucht zwischen uns der Worte nicht so umständlich , und diesmal war sie selbst hier , und wir gingen zusammen spazieren im Boskett , und wir lachten am allervergnüglichsten über deine Besorgnis um meine Melancholie , hinter der sich doch nur immer die Langeweile verbirgt , da ich die aber gar nicht herberge , da ich wie ein kleiner Spritzteufel oder sogenannter Laubfrosch ( Rakete ) feurig herumhüpfe , morgens aus dem Bett in den Garten barfuß ; denn ich hatte ja wahrhaftig gestern meine Studienbücher liegen lassen . - Dann wieder hinauf , angezogen , dann zur Großmama frühstücken , dann Klavier exerzieren , Generalbaß - Hoffmann kommt , entwickelt kabalistische Mysterien der Musik , die ungeheure Kabale und Schikane ihrer Torsperre ; der geniale Hoffmann , der Mann des Ruhmes und der Begeistrung , hebt diese Gesetze mir zulieb auf , namentlich die der Metrik , die so engherzig sind , daß jedem Volksredner in dieser engen Taille der Atem ausgeht . - Jetzt macht mir ' s Freude zu komponieren . - Hymnen der Diane , Päane an Dionysos , von Stolberg übersetzt . - Ja , das macht mir Freude , ich klettere als abends aufs Dach von der Waschküche , dort erfind ich die wunderlichsten Wendungen . Der Himmel rötet sich davon vor tiefem Mitgefühl , und die Sterne drängen sich herbei und lauschen , und Hoffmann lauscht auch , er ist unser nächster Nachbar . Meine Stimme ist durchdringend , wär mein Geist es auch ! - Hoffmann kommt am Morgen in die Stunde , kann meine Melodie halb auswendig , was ich mit Bleistift notiert habe , kann er meist besser als ich - übers Metrum streiten wir zwar nicht ; denn er will durchaus , es soll sein , wie ich ' s ursprünglich singe , Takt und Auftakt kommen in Subordination und dürfen nicht ihre herkömmliche Observanz mehr geltend machen , er sagt , wenn ich mich hineinstudiere , so wird ' s der Musik eine neue Bahn brechen . Närrischer Kerl ! Willst mir schmeicheln , mir Mut machen zum Lernen ; weiß ich doch , daß er ' s mir weismacht , so trägt ' s doch meine Begeistrung unendlich hoch ! Zu Unerhörtem , noch Ungehörtem . Hoffmann machte als ein kraus Gesicht . - Aber denk doch - bald gewöhnte er sich - nein , er verliebte sich hinein - und letzt , als er in einem Konzert phantasierte auf dem Klavier , hat er alles ineinander geflochten ; es war schön , ja so begeisternd schön , ich wußte nicht , was ich hörte , ich konnte meinen Ohren nicht trauen ! Es kam mir so deutlich vor , als habe ich das gesungen . Als er am andern Tag in die Stunde kam und fragte , wie sein Spiel mir gefallen habe , sagte ich ihm mein Entzücken , aber doch sei es mir so bekannt vorgekommen , ich hätte beinah jede Wendung vorausgeahnt , so fremdartig sie auch geklungen habe . » Ja freilich , es sind Ihre eignen Wendungen . « - Gott , ich war ganz beschämt , daß ich so schön gefunden , was ich selber erfunden hatte , er tröstete mich aber ! - Er sagte , er habe die Mauer zu übersteigen oft Lust gehabt , allein über einen gelehrten Musiker fallen die andern alten Generalbaßtyrannen wie die Krähen her , rupfen und hacken ihn , aber eine unschuldige Liebhaberkomposition berücksichtigten nicht diese alten Hintersassen des Hochmuts und der Pedanterie . Andre mit gesundem Gefühl Begabte werden diese Lieder schon ihrer Eigentümlichkeit halber gern hören und gern nachsingen . Denn aus fremden Landen komme manches in der gestatteten Harmonienfolge Unerhörtes , und doch errege es selbst das verbildete Ohr zum Genuß , glaubt , es wird am End dergleichen keinen Widerspruch mehr erleiden , die unschuldige Weisheit muß sich einschwärzen . Genug vom Generalbaß ! Du siehst , lieber Clemens , daß er seinen Platz in meinen verschiednen Interessen behauptet . - In meinen Heften , die ich vor vierzehn Tagen , also zum 1. Mai geheftet habe , und die den ganzen Monat ausdauern sollten , hab ich schon jetzt kaum Platz , Randglossen zu machen , so hat ' s Ideen geregnet mit dem Mairegen . - Ich hatte nämlich aus Pedanterie mir meine Hefte numeriert und eingeteilt , auf jeden Tag so viel Seiten , heute in der Geschichte , morgen Musik , übermorgen Ph. , ich sag ' s nicht was , aber Philosophie ist ' s nicht , die mich übel anriecht auf Hochdeutsch . - Aber es ist das schönste weisheitsvollste Wissen für mich , in dem ich unendliche Aufschlüsse finde von Sonne und Mond und allem , was war und noch sein wird , und hab ich wollen eine Einrichtung der Ordnung machen und einmal Pflichtgefühl spielen , und alles war in schönster Ordnung und Gelöbnisse , sie nicht zu überschreiten . Aber Mirabeau hat Recht behalten , mein Genie hat diese Ketten gesprengt wie ein Pulverturm , der in die Luft flog und alles untereinander warf , es ist kurios mit anzusehen . Aus den vier Heften ist keins zu unterscheiden , was es behandlen soll , schon auf der dritten , vierten Seite ist ' s wie unterirdisch Feuer , das sich aus dem Schoß des Wissenschaftlichen hervorwühlt und wie eine Lava alles verschüttet . Das Erdreich , über das solche Lava sich ergießt , soll am fruchtbarsten werden . Ich hab schon sehr genug geschrieben ! - Doch kann ich ' s nicht unterlassen , noch alles , was den ganzen Tag mich wie ein Bratapfel auf dem häuslichen Herde dem Feuer aussetzt und gar macht , hier zu notieren . - Auf die Darre bei der Großmama komme ich auch jeden Tag ein paar Stunden , des Unendlichen unendlich viel , was da vorkömmt . - Vorzüglich eine Reise zweier Erdwürmer ihr vorzulesen , welche die Erdschichten untersuchen . Die Großmama schluckt Kohlen , Kalk , Kreide , Kies , Kranitlager hintereinander ( fünf K von ungefähr ) , ich bin immer froh , wenn die guten Herren ins Wirtshaus einkehren , wenn sie die Schnapsflasche herausholen und die Wurst , wenn sie die Nachtmütze überziehen und aufs Ohr sich legen , aber ich kann ja nicht mit ausruhen , ich muß gleich weiter - das ist meine peinlichste Zeit , ich seh auch die Großmama oft so stupid an , daß sich die Verwunderung darüber auf ihrem Gesicht malt . - Jetzt denk Dir die Emigrantenangelegenheiten noch alle unter meiner Obhut , alle Wege , wozu einer zu faul ist die Beine aufzuheben , fliege ich im gewaltigen Sturmflug hinab , hinan . Die frühen Morgentauwege , wo ich allemal mit nassem Schuhwerk heimkehre und bringe einen Strauß mit . - Und das ist doch noch nicht alles : Hühner und Hunde der ganzen Nachbarschaft wollen auch sich mit mir abgeben , und Deine Stiefelstrümpfe stellen sich nun gleich einer Heiduckenwache vor die Tür des Gartens des Lebens , » wo die wirbelnden Blüten im Winde sich drehen « . - Lied komponiert von Sterkel . Adieu ! - Liebe Bettine ! Ich gebe Dir in wenig Worten eine recht erfreuliche Antwort auf Deinen lieben , tollen , wunderlichen Brief , der wie alle Deine Briefe nicht zu beantworten ist . Denke Dir - in vierzehn Tagen seh ich Dich wieder ! - Den 1. Juni bin ich in Frankfurt , und den 1. Juni ist mein lieber Freund Achim von Arnim in Frankfurt ! Ritters großer Nebenmann in der Physik . - Die eigentliche große Freude , die mich hinzieht , ist , daß Du meinen lieben göttlichen Arnim kennen lernen wirst und ein freundliches Bild mehr in Dein Leben tritt . Es wäre schön , wenn Du um die Zeit in Frankfurt sein könntest , wo nicht ! - Wo nicht , so bringe ich ihn nach Offenbach ! Gott gebe dann besser Wetter als nun , damit Dein Kabinett , der Garten brauchbar ist , uns drei miteinander zu erfreuen . Versteht sich , daß Du niemand vom Inhalt dieses Briefes erzählst . Ich schreibe Dir hier einige Lieder der Minnesänger aus dem Altschwäbischen her , die ich , soviel es der Reim erlaubt , übersetzt habe . Es gibt wohl kein Gedicht mit soviel Klang als das erste , es ist vom Herrn Ulrich von Liechtenstein an seine Geliebte , und nun an Dich von mir , an die alles von mir ist . Wohl mir der Sinne , Die je mir gegeben die Lehre , Daß ich sie minne , Von Herzen je länger je mehre , Daß ich ihr Ehre Recht als ein Wunder so sunder so sehre Minne und meine sie reine , sie selig , sie hehre . Selig ich wäre , Ja ganz in Freuden erglühte , Wollte mein Schwere Bedenken ihr hohes Gemüte . Nimmer doch müde Werd ich zu ringen mit singen im Liede , Wie ich mir hüte ihr Güte , sie Blume , sie Blüte . Mit Händen umfalte Ich flehentlich auch ihre Füße , Daß wie Isalde Tristanten sie mich trösten müsse . Und mich so grüße , Daß ihr Gebäre mein Schwere versüße , Daß sie mich scheide von Leide , sie Liebe , sie Süße . All mein Gedanken Dabei meine Sinn allgemeine , Gar ohne Wanken , Besorgen besonders das Eine , Wie ich ihr bescheine , Daß ich nun lange mit Sange sie meine In stetem Mute sie Gute , sie Reine . Sehnlich ich ringe , Daß einstens bei grauendem Haare Freudig ich singe , Wie ich ihr Herz noch bewahre . Traurige Jahre Wird sie mit Blicken erquicken für wahre , Dann wird mein Singen verjüngen die Holde , die Klare . Es hat mich einige Mühe gekostet , es Dir zu übersetzen , und ich habe es daher , doch fast zu seinem Gewinst , etwas verändern müssen . Es stund eine Frau alleine Und harrte über die Heide Und harrte wohl ihres Lieben , Ein ' Falken sah sie da fliegen . O wohl dir Falke , frei du bist , Fliegst hin , wo dir ' s am liebsten ist , Erwählest dir im Walde Einen Baum , der dir gefalle . Und also hab auch ich getan , Ich wählt mir selber einen Mann , Den suchten mir meine Augen , Den halten mir schöne Frauen . O weh , wann lassen sie mein Lieb , Hielt ich doch ihre Trauten nie ! Dies und das folgende ist von Herrn Dietmar von Ast , dem Minnesänger . Auf der Linden obene Da sang ein kleines Vögelein , Vor dem Walde ward es laut , Da hob sich neu das Herze mein , An einem Ort , da es eh schon war , Da sah ich Rosenblumen blühn , Die mahnten mich der Gedanken viel , Die mich zu einer Frauen ziehn . Es dünket mich wohl tausend Jahr , Daß ich in Liebesarmen lag , Und ohne mein Verschulden gar Miß ich das nun schon manchen Tag , Ach , seit ich keine Blumen sah , Und hörte kleiner Vöglein Sang , Seit war all meine Freude kurz Und auch der Jammer allzu lang . Was Du noch über mein Buch sagst , ist ihm zu viel Ehre angetan , wenn ich Dir nichts davon gesagt habe , wenn ich Dir es nicht in Händen gab , so ist ' s , weil ich fühle , daß was Besseres in Dir ist , als alle meine Bücher und Gedanken Dir geben können . - Den Brief , den Ritter mir über Dein Geschenk geschrieben , lege ich Dir hier bei , finde Du den Dank selbst heraus , aber bewahre ja mir den Brief mit den übrigen , die ich Dir letzt schickte ; denn seine Handschrift ist mir heilig . Wenn Du doch auch ein Käppchen für den Arnim machen könntest , damit wir ihm gleich etwas schenken können , da er wohl schnell abreist , so wär das wohl hübsch . Du weißt nicht , wie ich mich freue , daß Du ihn und er Dich sehen soll , er ist gar zu lieb und lustig wie wenige Menschen auf Erden . Adieu , lieb Kind , schreib doch dem Savigny ein oder zwei Worte , wie Du sonst auch immer von Zeit zu Zeit ein Blättchen ihm oft schicktest . - Briefe auf seiner Rheinreise mit Arnim , die sie zusammen machten , nachdem sie acht Tage in Frankfurt und Offenbach zugebracht hatten . Liebe Bettine ! Der Frühling war so schön , der Rhein trug mich so gastfrei . Arnim hat mich so lieb . Da trat ich hierher in meine Jugend , die mich rings umfing . - Ach , und ich bin so unglücklich geworden , ich liebe so heftig , so heftig die Geliebte meines einzigen Freundes hier , Gott gebe mir Kraft , daß ich entsagen kann , das Mädchen ist Benediktchen K. - - , schreibe mir gleich , schreibe auch an sie ein paar Zeilen dazu , wenn sie Dich kennte , sie liebte mich vielleicht . Koblenz ! Brentano Bei Bürger Scheidel , Firmungstraße . Schreibe dem Savigny , was ich Dir schrieb , ich kann nicht mehr . - An Clemens » Schreib mir gleich « , das kann geschehen , da bin ich mit der Feder in der Hand ! - » Schreibe auch an sie ein paar Zeilen dazu ! « - Ei , Clemens , Du bist nicht recht gescheit ! - » Wenn sie Dich kennte , sie liebte mich vielleicht . « Gewiß nicht . Wenn sie mich kennte , so würd ich ihr sagen , sei ganz ruhig , Benediktchen , der Clemens wird allemal ein Narr , wenn er an den Rhein kommt , im vorigen Jahr war ' s so mit der Walpurgis , da brausten Reime wie Schäume ! - Clemens , versuch ' s doch , zu dichten , das erleichtert vielleicht Dir die Brust . - Dort , wo Deiner Kindheit goldne Tage in fröhlichem Spiel dahinflogen , auf nimmermehr wiederkehren , wo Du mit Nachbarskindern im Sand spieltest , wo Benediktchen schon seinen blonden Lockenkopf an Deine Schulter versteckte , wenn die Sonne zu heiß brannte , wo Du ihm das Stumpfnäschen putztest und schon damals ihm drohtest , daß wenn es nicht Deine Braut sein wolle , so werdest Du Dich erschießen . Gäb das nicht eine Idylle , einen zärtlichen Roman ? Woher weiß ich das alles ? - Eben kam der Kanonikus Linz zur Großmama direkt von Koblenz , erzählt , daß Du dort im Korbachischen Hause Schiffbruch gelitten , daß Dein Freund ein schöner munterer , vollblühender preußischer Jüngling , weitergereist sei , wahrscheinlich um Deiner Liebe keinen Eintrag zu tun , da er dem Benediktchen , das auch rote Wangen habe und blond sei und voll wie eine Rose und ein Ringelhaar habe bis auf die Erde , diesem habe Dein preußischer Freund besser gefallen ; so sei er fort nach Düsseldorf , wo er Dich erwarte , wenn Du würdest Deine Liebeskapriolen fertiggeschnitten haben ( Ausdruck des Kanonikus Linz , Du kannst ' s ihm nicht übelnehmen , er ist geistlicher Herr und muß aus Solidität schon dergleichen Liebeshändel verachten ) . Clemente , Du bist närrisch ! - Ich kann es deutlich erkennen an der Nachschrift Deines Briefes : » Schreibe dem Savigny alles , was ich Dir schrieb . « Was ist denn das alles , was ich schreiben soll ? - Ich habe das Blättchen auf die andere Seite gedreht , es befand sich ganz weiß , und ich bin in höchster Unwissenheit ! - Was soll ich dem Savigny schreiben ? Daß Du glücklich in Wochen gekommen bist mit einer neuen Liebschaft ? - Am Rhein , wo ' s allemal so geht ? - Ja in Wochen ! - Denn so lang wird ' s kaum dauern , denn Du wirst Dich gewiß schon früher wieder herausmachen und wirst gelaufen kommen und Deinen Kirchgang tun bei mir und von mir Dich aussegnen lassen wieder , denn das muß ich allemal . Das erstemal Walpurgis , das zweitemal die Gachet , und nun Benediktchen , hinter all dem steckt nun noch Mienchen , da steckt die Günderode , da steck ich auch , dahinter steckt auch die Eitelkeit . - Die Braut Deines einzigen Freundes . Der Freund ist vielleicht ein dicker , ungeschliffner , gar nicht reizender Bräutigam . Du siehst im Spiegel ein edles Antlitz mit sanftem Reiz der Unterlippe , mit unendlich anmutig witz ' gem Feuer der Oberlippe widersprechen . Du siehst eine blendende Stirn , auf der das Genie nicht zu verschleiern ist , und ein Paar schwarze Augen und einen ganzen Kerl , der gewohnt ist zu siegen ! - Du kommst , und die Braut ist schon mit Kuchenbacken beschäftigt ; sie hat keine Zeit mehr zum Scherzen , die Wirklichkeit geht an , das Spiel der Lieblichkeit kann nicht auf dessen Kosten getrieben werden . O Clemente , Deine blaue Halsbinde , Deine wunderschön lederne Beinkleider ! Deine rote Freiheitsmütze ! - Die ganze Armatur wurde von mir bestellt und dem Schneider mit einer witzigen Bemerkung nach der andern das Bequeme , aber notwendig Elegante eingeschärft . - Ich war bei der Günderode , als ich von Eurer Begleitung nach dem Mainzer Schiff zurückkam , ich lachte , und sie lächelte ( sie lächelt immer nur über Dich , sie lacht nie ) , wie ich ihr aber die Beschreibung machte von Euch zwei , wie Arnim so schlampig in seinem weiten Überrock , die Naht im Ärmel aufgetrennt , mit dem Ziegenhainer , die Mütze mit halb abgerißnem Futter , das neben heraussah , Du so fein und elegant , mit rotem Mützchen über Deinen tausend schwarzen Locken , mit dem dünnsten Röhrchen , einen lockenden Tabaksbeutel aus der Tasche , und wie Arnim unterwegs die Bemerkung machte , die Mädchen am Brunnen sähen Dir mit Wohlgefallen nach , daß Du da unterwegs getan hast , als verständest Du das nicht , und nachher es dem Arnim zuschobst , aber doch gleich sehr viel schärfer auftratst , als wenn Dir wer weiß welcher originelle Geist so ganz durch den Leib gefahren wär , und wie Du mit Deinem zierlichen Sprung ins Mainzer Schiff mit einem so selbstbewußten Genuß hineinsprangst . - Es sei prophetisch , meinte gleich die Günderode ! - Und wir verbrachten noch den letzten Nachmittag in ihrem Stiftskämmerchen mit Glossen über Dich . - Kaum bin ich hier , so kommt Dein Briefchen mit allem Schaden , den Deine Vorbereitung Dir angerichtet hat ; denn sie hat leider wie der Blitz in Dich selber eingeschlagen . Verzweifle nicht ! - Aber dem Savigny schreib ich ' s nicht , genug , daß es die Günderode weiß . - Da hast Du nun meinen Brief . Und noch eins hab ich mit der Günderode ausgemacht , Dich zu fragen - ob Du ' s noch so unpassend findest , daß der Gärtner an den Blumen hängt , seiner Passion , und nicht so am Kohl , seiner Pflicht . Deine barbarische Schwester . An Clemens Lieber Clemens ! Es wird mir bange , daß Du nicht schreibst , und eine Zeile kannst Du schreiben ! Bist Du wieder ruhig ? Mein unartiger Brief wird doch kein Mißverständnis zwischen uns gemacht haben