gefreut , daß du dich so brav aufgeführt hast ; es freut mich allemal , wenn ich einen auf einem bessern Weg sehe . Wo du in die Unterweisung gekommen bist , hätte ich das nicht von dir erwartet . Aber es ist dem lieben Gott gar viel möglich , woran der Mensch nicht denkt . Vergiß aber in der Glungge nicht , daß dort der gleiche Gott ist , der hier sein Auge auf dir gehabt hat , und daß es dir nur so lange wohl geht , als er dir hilft und du ihm treu bist . Vergiß nie , daß er alles gseht und alles ghört , wenn es schon dein Meister nicht sieht und nicht hört . Jetzt wirst du über viel gesetzt , es wird auch viel von dir gefordert werden . Jetzt hast du Gott nötiger als nie , und denke immer , was du sagst , wenn du betest : Führe mich nicht in Versuchung ! Denke daran , was der Heiland gesagt hat : Wachet und betet , daß ihr nicht in Anfechtungen fallet ! Es wird mich immer freuen , wenn ich gute Nachricht von dir habe , und wenn du hieher zDorf kömmst , so komm auch zu mir und gib mir Bricht , wie es dir geht , es wird mich recht wohl freuen . « Uli ging ganz gerührt und verwundert fort und mochte nicht warten , bis er dem Meister sagen konnte : » Denk , dr Pfarrer hat mich noch gekannt und es ist ihm alles bekannt gewesen . Er hat gewußt , daß ich mich geändert , daß ich in die Glungge komme , und wie es dort ist , hat mir geschienen , wisse er auch . Wie ist das auch möglich , er hat doch nie mit mir geredet und ist die längste Zeit nicht bei dir gewesen ? « » Jä , « sagte der Meister , » das ist der Name , von dem ich dir gesagt habe . Der gute Name kommt weit und der böse noch weiter , und es ist kein Mensch so gering , es wird von ihm brichtet . Und so ein Pfarrer soll auf diese Namen mehr oder weniger acht haben , damit , wenn die Gelegenheit kommt , er weiß , wie er mit den Leuten reden soll . So ein unerwarteter Zuspruch bei Gelegenheit tut manchmal recht gute Wirkung ; es schadet niemere nüt , wenn man weiß , daß auf einen gesehen wird . « » Ja , das muß ich sagen , « sagte Uli , » der Zuspruch hat mich gefreut , und ich wollte nicht , daß ich nicht selbst gegangen wäre . Er hat mir da ein paar wichtige Worte gesagt , die ich nicht vergessen will . « Der Meister hatte sich entschlossen , Uli selbst auf seinen neuen Platz zu führen ; er solle mit dem Züglen nicht Kosten haben , sagte er , und dann könne er ihm vielleicht einen oder den andern Rat geben , wenn er die Gelegenheit selbst angesehen . Uli ließ seinen Lohn fast ganz zurück und hatte nun in der Kasse ordentlich über hundertfünfzig Kronen . Einen Trog hatte er machen lassen mit einem guten Schloß , damit ihm nicht jeder über seine Sachen könne . Neujahr kam , da wurde auch gneujahret nach allgemeinem Gebrauch . Wein und Fleisch war genug auf dem Tisch , sonst ging es recht lustig zu . Jetzt saß man beisammen , aß und trank und wollte lustig sein . Da sagte Uli : » Hocken ih ächt zum letztenmal da ? « , und das Augenwasser schoß ihm über die Backen ab , und er stund auf und ging hinaus . Und allen kam das Augenwasser und stellte ihnen das Essen , und sie redeten lange nichts , bis endlich die Frau sagte : » Johannes du mußt doch use und ga luege , wo Uli bleibt ; er soll hineinkommen . Es ist jetzt so , und ich bin nicht schuld daran aber mir wey die letzti Stund doch noch binenangere sy . « Zwölftes Kapitel Wie Uli seinen alten Dienstort verläßt und an den neuen einfährt Am folgenden Morgen wurde der Schlitten zurecht gemacht , das Tröglein aufgebunden , und Uli mußte noch im Stübli mit ihnen frühstücken , Kaffee , Käs und Eiertätsch . Als angespannt war , konnte er fast nicht fort , und als es endlich sein mußte und er der Meisterin die Hand längte und sagte : » Lebet wohl , Mutter , und zürnet mr nüt ! « , da schoß ihm wieder das Wasser aus den Augen , und die Bäurin mußte das Fürtuch vor die Augen nehmen und sagte : » Ich wüßte nicht , was ich zürnen wollte , wenns dir nur gut geht , aber wenn es dir nicht gefällt , so komm wieder , welche Stunde du willst , je eher je lieber . « Die Kinder wollten ihn fast nicht lassen ; es düechte ihn , als wolle es ihm das Herz zerreißen , als endlich der Meister sagte : Sie sollten lugg lassen , sie müßten fort , wenn sie noch heute an Ort und Stelle wollten , und es werde nicht das letzte Mal sein , daß sie einander sehen . Es sei einmal jetzt so . Als sie fortfuhren , wischte sich die Frau noch lange die Augen ab und mußte die Kinder trösten , die fast nicht vom Jammern lassen wollten . Die Beiden fuhren lange stillschweigend durch den glitzernden Schnee . » Na , na ! « mußte der Meister zuweilen sagen , wenn der wilde Blaß in Galopp fiel , den leichten Schlitten pfeilschnell dahinriß und mit hochgeworfenen Beinen den Schnee weit in die Luft warf . » Es macht mir Kummer , « sagte Uli , » und je länger je mehr , je näher wir kommen , es ist mir so schwer , ich kann nichts anderes glauben , als daß ich meinem Unglück entgegenfahre ; es ist mir , als wenn es mir vor wäre . « » Das ist nichts anders « sagte der Meister , » und ich wollte das nicht für eine böse Bedeutung nehmen . Sinn daran : vor bald zehn Jahren , wo du ein Nütnutz gewesen bist und ich zum Bessern dich angetrieben , wie schwer kam dich die Besserung nicht an , wie wenig Glauben hattest du an die Möglichkeit , daß alles gut kommen werde ! Und doch kam es nach und nach gut , dein Glaube mehrte sich , und jetzt bist ein Bursch , von dem man wohl sagen kann , daß es mit dem gewonnen sei . Darum kümmere nicht ; was du jetzt vor dir hast , ist ds Halb leichter ; da kann es öppe nicht übeler gehen , als daß du nach einem Jahr wieder zu mir kommst . Halte dich nur gut , nimm dich in acht , der Vetter ist grusam mißtreu ; aber wenn er dich einmal erfahren hat , so kannst du dich seiner trösten . Mit den Diensten wirst du es am bösten haben ; da mach süferli , nur nach und nach , solang es geht , in der Liebe , und nützt das nicht , so gschirr einmal recht aus , daß du weißt , woran du bist ; so darinnen hangen ein ganzes Jahr möchte ich auch nicht . « Es war ein heller , klarer Jennertag , als sie durch schöne Felder , dann zwischen weißen Zäunen , glitzernden Bäumen durch der Glunggen zufuhren . Dieses Gut lag etwa eine Viertelstunde von Üfligen , war über hundert Jucharten groß , sehr fruchtbar , doch nicht ganz in einer Einhäge , einige Äcker und eine Matte lagen entfernter . In nassen Jahren mochte es an einigen Orten wohl naß werden , doch dem ließ sich helfen . Als sie anfuhren , trätschete Joggeli an einem Stock ums Haus herum , das etwas im Boden lag , und sagte : Er hätte schon lange auf sie gesehen und bald geglaubt , sie kämen nicht mehr , es hätte ihn blanget . » Es soll einer kommen und das Roß abnehmen ! « rief er gegen das Scheuerwerk hin , das am Hause war . Es kam niemand . Uli mußte selbst abspannen und frug , wo er mit dem Blaß hin solle ? » Seh , es soll einer kommen ! « Keiner kam . Da ging der Alte ärgerlich gegen den Stall , riß die Türe auf , und da striegelte der Karrer ganz gelassen Pferde . » Ghörst denn nichts , wenn man ruft « sagte Joggeli . » Ich habe nichts gehört . « » Su los es andermal , und chumm nimm das Roß ! « Er müsse ihm zuerst Platz machen , schnauzte der Bursche und fuhr nun unter seine Rosse wie der Habek in ein Taubenhaus , daß die in die Krippe schossen , aufwarfen und Uli unter beständigem » Ü , ü , ü « und Lebensgefahr seinen Blaß zuhinterst in den Stall brachte . Dort konnte er lange keine Halfter kriegen . » Hättest eine mitgebracht ! « erhielt er erst zur Antwort . Als er wieder zum Schlitten kam und sein Trögli abband , sollten Holzer es ihm tragen helfen , aber lange rührte sich keiner . Endlich schickten sie den Bueb , der auf der Treppe die Handhabe fahren ließ , so daß Uli beinahe rückwärts hinabgefahren wäre und nur seiner Kraft es zu verdanken hatte , daß es nicht geschah . Das Gemach , in das man ihn führte , war nicht hell , unheizbar und mit zwei Betten besetzt . Etwas trübselig stund er darin , als man ihn hinunterrief : Er solle kommen und etwas Warmes nehmen . Draußen nahm ihn ein munteres , schönes Mädchen in Empfang , nußbraun an Haar und Augen , rot und weiß an den Backen , kußlicht die Lippen , blendend die Zähne , groß , fest , aber schlank gebaut , mit ernsten Mienen , hinter denen der Schalk lauerte , aber auch die Gutmütigkeit . Über das Ganze war das bekannte , aber unbeschreibliche Etwas gegossen , das da , wo es sichtbar wird , von innerer und äußerer Reinlichkeit zeuget , von einer Seele , die das Unreine haßt , deren Leib daher auch nie unrein wird oder nie unrein scheint mitten in der wüstesten Arbeit . Vreneli , so hieß das Mädchen , war eine arme Verwandte im Hause , die ihr Lebtag nirgends hätte sein sollen , allenthalben für Aschenbrödel gehalten wurde , aber immer die Asche abschüttelte , weder äußerlich noch innerlich getrübt wurde , Gott und Menschen und jedem jungen Tage in neuer Frische entgegenlachte , daher auch allenthalben sein konnte und sich Platz machte in den Herzen , gäb wie man sich dagegen wehren mochte ; daher es oft schon lange von Verwandten innerlich geliebt wurde , während sie glaubten , sie haßten es noch und verschüpften es als den Zeugen des unerlaubten Umganges einer vornehmen Verwandtin mit einem Tauner . Vreneli hatte die Türe nicht aufgemacht . Als Uli heraustrat , überflogen ihn die braunen Augen , und ganz ernst frug Vreneli : » Du wirst der neue Meisterknecht sein sollen ; du sollest hinunterkommen und öppis Warms näh . « Es hätte sich nicht gemangelt , sagte Uli , sie hätten unterwegs etwas genommen . Indessen ging er stillschweigend hinter dem raschen Mädchen her der Stube zu . Dort saßen Joggeli und Johannes schon hinter dem Tische hinter dampfendem Fleische , grünes und gesalzenes , hinter Sauerkabis und Birenschnitzen , und eine alte , runde , freundliche Frau trat ihm entgegen , strich - die Hand noch am Fürtuche ab , bot ihm sie dar und sagte : » Bist du dr neu Meisterknecht ? He nu so de , wed son e Fromme bist , wie de e Brave bist , so wirds scho guet cho , ih ha kei Kummer . Hock zueche u nimm ; schüch dih nüt , es isch da , für daß me nähm . « Auf dem Ofentritt saß noch eine dünne Gestalt mit weißem Gesicht , blassen , glanzlosen Augen , die tat , als bekümmere sie sich um alles nicht , ein schönes Druckli vor sich hatte und blauen Seidenfaden von einem Klungeli auf das andere wand . Joggeli brichtete , wie er es mit dem letzten Meisterknecht gehabt habe und über was alles er seither noch gekommen sei und wie es ihn düeche , es sei noch viel übler gegangen , als er jetzt nur sinne . » Was eim doch so ein Kerli Verdruß machen und schaden kann , und Sellig darf man nicht henke , es ist my Seel nicht recht . Allbets ist das nicht so gewesen ; es ist eine Zeit gewesen , wo man jeden gehängt hat , der eines Strickes wert gestohlen . Selbist ist es recht gsi , aber jetzt ists nüt meh . Es sollte einem meinen , die schlechten Leute sollten lauter ihresgleichen an der Regierung haben , so luegen sie ihnen durch die Finger . Ja nicht einmal die Weiber , welche ihre Männer vergiften , hängt man mehr . Es nimmt mih nume wunder , was schlechter ist , wenn man einen gegen das Gesetz tötet oder einen gegen das Gesetz lebendig läßt ; es düecht mih , das sei eins wie das Andere . Und dennoch dünkt mich , wenn die , wo die Gesetze aufrecht erhalten sollen , selber darinnen gange ga chaflen , so sei das ihnen vor Gott und Menschen nicht zu verzeihen . Da , dünkt es mich , sollte man das Recht haben , die zu tun , wo sie hingehören , statt ihnen noch müssen den Lohn zu geben . « Während dieser langen Rede von Joggeli , die er glücklicherweise innerhalb seiner vier Wände hielt , ansonst sie ihm leicht nicht sowohl einen Preßprozeß , denn die waren damals noch nicht Mode , sondern eine Hochverratsgeschichte hätte zuziehen können , sagte seine Frau fortwährend zu Johannes und besonders zu Uli : » Näht doch , näht , es isch drfür da , oder düecht es ech nit guet ? Mir gäs , wie mrs hey . Joggeli , schenk doch y , lue , sie hey us ; trinkit doch , es isch no meh , wo dä gsi isch . Der Sohn het ne gä , es soll guete sy , er het ne selber gchauft im Weltschlang , aber er het is währli füfehalb Batze gchostet die Maß , und de ist no nit wohl gmesse gsi . « Als Uli nicht mehr nehmen wollte , so legte ihm die Alte immer noch vor , stach die größten Stücke mit der Gabel an und stieß sie dann mit dem Daumen ihm aufs Teller ab und sagte dazu : » He , du wärist mr e Lyde , wed das nit no möchtist ; e sellige tolle Bursch mueß gesse ha , wenn er bi dr Kraft blybe soll , und mir gönnen es ; we si arbeite sölle , su mueß me ne o z ' esse gä . Nimm ume , nimm ! « Indessen Uli vermochte doch endlich nichts mehr , nahm die Kappe in die Hände , betete und stund auf , um weiterzugehen . » Bleib doch , « sagte Joggeli , » wo wotsch hi ? Sie werden schon zum Blaß sehen , ich habe es ihnen streng befohlen . « » He , ih will use , öppe e wenig go umeangere luege , wies mir gfall « , sagte Uli . » He nu , so gang , chum de wieder yche , wes dih friert , du sost mir hüt no nit werche , « sagte die Mutter . » Der wird noch etwas erleben , « sagte Joggeli , » sie sehen ihn gar grusam ungern kommen ; ich glaube , der Karrer wäre selbst gerne Meisterknecht geworden . Aber es ist mir recht , wenn sie schon wider einander sind . Es ist nie gut , wenn das Gesind zu einig ist , der Meister muß es immer entgelten . « » He , « sagte Johannes , » das ist , wie man es nimmt . Ja , wenn das Gesind auf einer Seite ist und der Meister auf der andern , so geht es dem Meister bös und er kann nichts zwängen . Aber wenn auch das Gesind wider einander ist und Eines dem Andern das Mögliche zuleid tut , Keines dem Andern helfen will , so geht es dem Meister auch bös , denn es geht am Ende doch alles über den Meister und seine Sache aus . Ich meine , das Wort sei allweg richtig : Friede bauet , Unfriede zerstört . Es will mir hier nicht recht gefallen . Da ist kein Mensch gekommen , das Roß abzunehmen , niemand wollte dem Uli tragen helfen ; da macht ein jeder , was er will , und sie fürchten niemand . Das , Vetter , kommt nicht gut . Das muß ich sagen : so bleibt Uli nicht dabei . Wenn er Meisterknecht sein , die Verantwortung haben soll , so will er auch Ordnung , da läßt er nicht jeden machen , was er will . Da wirds nun Lärm geben alles wird auf ihn darkommen , und wenn Ihr ihn nicht unterstützet , so läuft er fort . Ich will es fry graduse säge : ich habe ihm gesagt , wenn er es hier nicht länger ausstehen könne , so solle er wieder zu mir kommen , für ihn hätte ich immer Platz . Er reut uns übel genug , und meine Frau het pläret , wo ich mit ihm fortgegangen bin , wie wenn er ihr Kind wäre . « Das düechte die alte Mutter gar schön , und sie wischte bloß vom Hörensagen schon die Augen aus und sagte : » Häb nit Kummer , Vetter Johannes , dem soll es öppe nit übel bei uns gehen , wir vermögen es auch , zu ihm z ' luege . Es düecht mich , wenn wir nume afe einen hätten , dem man trauen könnte und dem an der Sache gelegen wäre , es reute mich kein Lohn . « » Base , « sagte Johannes , » es kömmt auf den Lohn nicht alles an ; aber Unterstützig muß Uli haben und glauben muß man ihm . Wir haben ihn fast gehabt wie ein Kind vom Hause , und da täte es ihm gar ungewohnt , wenn er nur so der Knecht sein sollte . « » He , « sagte die Mutter , » häb nit Kummer , Johannes , mir wey ds Mügliche tue . Wenn wir für uns ein Kaffee machen so zwüsche yche , so muß es nicht zu machen sein , oder er muß ein Kacheli davon haben . Und wir haben öppe alle Tage unser Möckli Fleisch , die Diensten aber nur am Sonntag . Wo käme man hin , wenn man ihnen alle Tage geben wollte ? Aber wennd meinst , so wey mr luege , daß dr Uli o allbeneinisch zwüsche yche Fleisch überchunt . « » Base , « sagte Johannes , » das macht die Sache nicht aus , und Uli begehrt das auch nicht , es macht die Andern nur schalus . Geb wie man es anstellt , die Andern merken es doch . Wir haben eine Jungfrau gehabt , die hat allemal , wenn sie vom Felde kam , in allen Kachelene gschmöckt und hat allemal es richtig erraten , wenn ein Kaffee gemacht worden , von dem sie nichts erhielt , wohl aber ein anderer Dienst , und dann hat sie acht Tage dr Kolder gmacht , daß man es bei ihr kaum aushalten konnte . Aber Zutrauen müsset ihr haben und ihm helfen , dann kömmts gut . « Der Vetter mochte das Gespräch nicht länger dauren lassen und führte den Johannes herum , in Ställen und Spycher , solange es heiter war , fragte um Rat und erhielt welchen , aber rühmen wollte ihm Johannes nichts . Bei den Kälbern sagte er , es wäre gut , wenn man dazu täte , die hätten Läuse , und bei den Schafen , die wären wohl dicht ineinander , sie erdrückten sich , und die Lämmer verrigelten ganz . Die übrige Inspektion tat er stillschweigend ab . Als sie wieder hineingingen , trafen sie Uli trübselig im Schopfe an , nahmen ihn hinein , aber trübselig blieb er den ganzen Abend . Das Weinen war ihm zvorderst , sobald jemand ein Wort zu ihm sagte . Am folgenden Morgen rüstete Johannes sich zur Abreise , nachdem er über Vermögen hatte essen und auf alles hinauf noch ein Schnäpschen hatte trinken müssen , gäb wie er sagte : Er trinke nie Selligs am ene Morge . Uli hing ihm fast an der Kutte wie ein Kind , das fürchtet , der Vater laufe ihm fort , und als er ihm die Hand geben wollte , so sagte Uli , wenns ihm erlaubt würde , so wollte er noch einen Plätz mit ihm fahren ; er wisse nicht , wann er ihn wieder sehe . » Und wie gefällt es dir ? « sagte Johannes , sobald sie vom Hause weg waren . » O Meister , ich kann nicht sagen , wie es mir ist . Ich bin an vielen Orten gewesen , aber so habe ich es nirgends angetroffen . Da ist , helf mir Gott , nirgends keine Ordnung . Die Bschütte läuft in den Stall , der Mist ist noch nie recht ausgemacht worden , die Rosse stehen hinten höher als vornen , am Stroh ist noch das halbe Korn , auf der Bühne ist es Gsau , das Werkzeug sieht aus , man darfs nicht ansehen . Sie sehen mich alle an , als ob sie mich fressen wollten . Entweder geben sie mir keinen Bescheid oder messen mir unverschämte Worte zu , daß es mih düecht , ich müß ihnen eine zum Grind geben . « » Häb Geduld und lyd dih , « sagte Johannes . » Fange hübscheli an , nimm sHeft unbemerkt , mach selbst , so viel du kannst , sag alles mit Manier und lueg , daß du sie nach und nach äne ume bringest oder wenigstens Einige auf deine Seite . So warte eine Zeitlang und lueg , wie es geht und bis du recht gut mit allem bekannt worden bist , daß du siehst , wo du am besten zwegkommen magst . So grad afangs dryzschieße , trägt nichts ab ; man kennt die Sache gewöhnlich zu wenig und greifts nicht recht an . Wenn du dann weißt , woran du bist , und gutet es nicht , so turniere dann einmal recht aus dem ff aus , damit sie wissen , woran sie mit dir sind , und mach , daß Einer oder Zwei fort müssen , es wird dann schon bessern . Darneben habe nur guten Mut , du bist ja kein Sklave , kannst gehen , wann du willst . Es ist aber eine Lehrzeit für dich , und je mehr ein junger Mensch ausstehen muß , desto besser ist es ihm . Du kannst da viel lernen , kannst lernen Meister sein , und das ist eine größere Kunst als du meinst , und es ist mir immer , als könnest du da so recht dein Glück machen und ein Mann werden . Mach nur , daß du es mit dem Weibervolk wohl kannst , aber doch nicht , daß der Alte mißtreu wird ; wennds mit denen kannst , so hast du schon viel gewonnen . Aber wenn sie dich zu viel nebenausrufen wollen zu einem Kaffee , so tue es nicht ; hebs wie die Andern , und im Werche sei immer voran , so müssen sie sich am Ende ergeben , sie mögen wollen oder nicht . « Das richtete Uli auf ; er fand neuen Mut , und doch konnte er fast nicht vom Meister . Erst jetzt kamen ihm eine Menge Dinge in Sinn , die er noch hätte fragen sollen . Es schien ihm , als wüßte er gar nichts . Er fragte übers Säen und wie er wohl dies hier anfangen solle oder jenes , ob diese Pflanze hier käme , wie jene besorgt sein müsse ? Er wurde nicht fertig mit Fragen , bis Johannes endlich bei einem Wirtshause anhielt , noch eine Halbe mit ihm trank und ihn dann fast gewaltsam heimsandte . Ermutigt ging endlich Uli und fühlte nun allein zum erstenmal so recht seine Bedeutsamkeit . Er war etwas , er tat seine Augen ganz anders auf , als er auf das anvertraute Gut trat das von ihm allein seine Besorgung erwartete ; er ging mit ganz andern Schritten dem Hause zu , wo er gewissermaßen regieren sollte , wo man ihn erwartete wie ein rebellisch Regiment seinen neuen Obersten . Dreizehntes Kapitel Wie Uli sich selbsten als Meisterknecht einführt Ruhig , mit gefaßtem Entschluß kam er zu den Arbeitenden ; es war Nachmittag , bald nach dem Essen . Zu Sechsen wurde gedroschen . Melcher und Karrer rüsteten Futter , zu diesen trat er und half mit . Sie brauchten ihn nicht , sagten sie , und könnten das alleine . Im Tenn könne er heute nicht helfen bis zum Herausmachen , und so wolle er ihnen helfen heute Futter rüsten und dann misten , antwortete er . Sie brummten , allein er griff zu , schüttelte mit seiner gewohnten Eigelichkeit das Futter durcheinander , den Staub davon und zwang da , durch die Andern stillschweigend , es auch besser zu machen als sonst . Drunten im Gang schüttelte er wieder , und die Futterwalmen zog er so schön und exakt , wischte dann mit dem Besen den Gang zwischen dem Roß- und Kuhfutter , daß es eine Freude war . Der Melcher sagte : Wenn das all Tag so gehen sollte , so möchte man in zwei Tagen nicht rüsten , was die Ware an einem Tage fressen möchte . Das käme darauf an , sagte Uli , wie man sich gewohnt hätte zu rüsten und je nachdem die Ware gewohnt wäre zu gschänden . Beim Misten hatte er seine liebe Not mit dem Melcher , der nur das Gröbste obenabnehmen wollte , so gleichsam die Nidle ab der Milch . Es sei schön warm draußen , sagte Uli , da erkalte ihnen das Vieh nicht , sie wollten ein wenig zBoden ha . Und wirklich war es nötig , es war da alte Rustig , daß sie fast die Reuthaue nehmen mußten , um nur zu den Steinen der Bsetzi zu kommen ; das , was zwischen denen war , herauszugäbelen , dazu kamen sie nicht einmal . Es mußte aus dem Bschüttiloch geschöpft werden , da das Wasser sich auftrieb fast bis zu , hinterst in den Stall , und daß das Ausgeschöpfte in die Hofstatt geführt und nicht auf die Straße geschüttet würde , konnte er nur mit Mühe erzwingen . Als der Mist draußen war , wollte ihn niemand verlegen , und auf seine Frage erhielt er zur Antwort : Heute hätte man nicht Zeit , man müßte bald füttern , es sei morgen noch früh genug . Das sei gar kommod zwischen dem Füttern zu machen , und den Mist müsse man verlegen , während er warm sei , besonders im Winter . Sei er einmal gefroren , so setze er sich nicht mehr und man erhalte keinen Mist . Somit ging er selbst ans Werk , und die Beiden ließen getrost ihn machen und zäpfelten ihn aus hinter den Stalltüren und im Futtergang . Drinnen hatte man schon lange sich gewundert , daß der neue Meisterknecht nicht heimkomme , und schon Kummer gefaßt , er möchte auf- und davongefahren sein . Joggeli hatte sich ans Fenster gesetzt , von wo aus er auf den Weg sehen konnte , und sah sich fast die Augen aus und begann zu schimpfen : Den Johannes habe er doch so schlecht nicht geglaubt , und dazu sei er sein Vetter , und Selligs mochte er dem frömdest Mensch nicht machen . Aber es sei sich heutzutage auf niemand zu verlassen , nicht einmal auf die eigenen Kinder . Während er am besten im Zuge war , kömmt Vreneli herein und sagt : » Da könnt Ihr lange hinaussehen ; der neue Knecht verlegt draußen den Mist , den sie herausgemacht , er wird auch der Meinung sein , es sei besser , ihn nicht von zwei Malen lassen zusammenzukommen . Wenn es niemand anders tut , so wird er meinen , er müß es selber machen . « » Warum kündet der sich nicht , wenn er heimkommt ? « sagte Joggeli , und : » Herr Yses , warum chuntr nit cho esse ? « sagte die Mutter . » Gehe und sag ihm , er solle auf der Stelle hineinkommen , es sei ihm dänne deckt . « » Wart , « sagte Joggeli , » ich will selber gehen und sehen , wie er es macht und was gegangen ist . « » Aber heiß ihn kommen , « sagte die Mutter , » es düecht mih , dWurmlöcher sollten ihm aufgegangen sein . « Joggeli ging hinaus , sah , wie Uli den Mist sorgfältig verstreute und tüchtig niedertrat , das gefiel ihm . Er wollte den Melcher und den Karrer suchen , um ihnen zu zeigen , wie Uli es mache und daß sie es künftig auch so machen sollten ; er blickte in