, in welcher die Jungfrauen der Libussa erzogen , gepflegt und zu allen Tugenden und Vorzügen gebildet wurden . Przemysl befahl , daß diese Mädchen zerstreut und zu ihren Eltern zurückgebracht werden sollten . Denn es sei gefährlich , das muthwillige Geschlecht der Mädchen viel lernen zu lassen . Es würden geistreiche Weiber daraus . Hier zuckte es ihm , und er sah sich scheu nach der Ecke des Zimmers um , ob Niemand dort stehe . Dann fuhr er fort und sagte : nun geh ' , mein lieber Hinchvoch , und führ ' es schleunig aus , wie ich Dir gerathen ! Und Hinchvoch ging hin , und that es gern , denn er hatte keinen Geist . Und nun , o epische Muse , löse mir die Homerische Zunge , damit ich , des großen Unglücks würdig , beschreiben und schildern kann , wie , gleich der Trojerinnen beklagenswerther Schaar , als sie aus dem brennenden Ilion davonzogen , jetzt diese böhmischen Mädchen , reich an Zahl , und jede schön und jede der Liebe und der Thränen werth , in langsam stummen Reihen sich fortbewegten , nachdem sie ausgetrieben , und die Thüren ihrer treugeliebten Pensionsanstalt hinter ihnen geschlossen worden waren ! Sie wußten nicht wohin , und irrten wie eine Heerde zerstreuter Lämmer auf und ab , und das Volk höhnete sie in den Straßen . Man verlachte sie , und sagte : wo ist nun euere Herrin , vor der wir uns beugen mußten , und vor euch zugleich ? Seht , das Blatt hat sich gewandt , und ihr , die ihr so hoch hinauswolltet , habt weder Wohnung jetzt , noch Schutz und Schirm . Nun kehret in eurer Väter Hütten an den Spinnrocken zurück , und stellt euch zu eurer Frau Mutter vor den Kamin , und helft kochen und fegen ! Was habt ihr mit den Künsten zu schaffen und mit der Wahrsagung und mit der Wissenschaft der Pflanzen und Kräuter . Ihr seid armer Leute Kind . Geht ! Geht ! Die Welt lag dunkel da vor den Blicken der armen Mädchen , und sie sahen in der Nähe und in der Ferne nichts , was sie trösten könnte . In ihrer Eltern niedrige Häuser zurückzukehren , davor entsetzten sie sich alle , denn der alte Vater und die alte Mutter verstanden der Töchter adliches und freigebildetes Wesen nicht mehr . Sie hatten des Lebens göttliche Freiheit geathmet , und ihr Herz empörte sich , wenn sie der häuslichen Sclaverei ihres Geschlechts gedachten . Des gemeinen Volkes Reden verachteten sie , denn sie waren jung und muthig , und fühlten edlen Stolz in der Großes sinnenden Seele . Die hohe Wlasta aber trat mitten unter sie , und versammelte sie alle um sich her , und hieß sie , ihr folgen . Dann eilte das schöne kecke Mädchen mit hastigen Schritten voran , und die übrigen , die ihr gern vertrauten , zogen der Führerin nach , nicht wissend , was diese in ihrem oft erprobten Geist bewege . Und Wlasta beeilte sich immer stärker , denn sie war geschwind wie ein Reh , bis sie und ihre Jungfrauen der Menschen Häuser und Gesichter verlassen hatten . Sie schritt vor den Andern her , wie eine Königin , und Haar und Busen flogen ihr wunderbar vor Wuth und Schmerz . Sie war die Schönste und Stärkste unter Allen , und die hochgebauten Glieder waren weiß und frisch und gewaltig , wie ein sprudelnder Bergquell . Heldenmüthig und herausfordernd in ihrem Wesen , war sie doch freundlich und glänzend an Gestalt , und wenn man sie in rascher Bewegung dahinschweben sah , leuchtete sie von Kraft und Anmuth , von Hoheit und süßer Lieblichkeit zugleich . Sie hatte etwas Kriegerisches in ihrer Natur , und doch einen friedenschließenden Zug um die schwellenden Lippen . Sie trat wie eine Siegerin auf , wann sie den schlanken Fuß setzte , und wild blickte ihr holdes Auge , wie auf einen Feind . Und in alle Wildheit mischte sich doch die weiche Jungfräulichkeit ihres Mädchenwesens . So war sie die Erste ihrer Gespielinnen , und alle liebten und ehrten die Wlasta , der Keine glich . Die Jungfrauen traten jetzt in kühlende Waldesschatten , und erreichten den Berg Widowle , auf dessen grünem Gipfel vertrauliche Einsamkeit lag . Hier befahl Wlasta den Mädchen , sich zu lagern , und sie selbst , in ihrer Unruhe , blieb vor ihnen stehen , und sagte : Ihr lieben Gespielen , hieher habe ich euch geführt , damit wir über unsere Bedrängniß , die zu den Göttern klagt , uns berathen können . O ihr trefflichen Mädchen , gibt es wohl ein höheres Gut , als die Freiheit ? die Freiheit , welche Luft und Himmel und Bewegung und Leben und Alles ist . Die Freiheit , an deren Busen ihr groß und schön geworden seid , von der ihr die Milch der Erkenntniß getrunken und die Frucht eurer untadlichen Bildung geerntet habt . Die Freiheit , in deren Schooß allein Sitte , Tugend , Liebe , Tapferkeit und Glauben an die Götter gedeihen . Und mit unserer Frau Libussa ist uns auch unsere Freiheit gestorben . Nicht in uns und in unsern Gemüthern ist sie gestorben , sondern in den wankelmüthigen und unedeln Meinungen der Männer . Libussa wollte unser Geschlecht erlösen , sie hatte ihm die Freiheit bestimmt , denn nur in der Freiheit können wir unser Wesen erheben auf eine höhere und schönere Stufe der Achtung . Libussa beherrschte das Land , und die Männer gehorchten ihr , und an uns bildete sie , wie sie das Frauengeschlecht in seiner künftigen Unabhängigkeit und Geisteserweckung sich dachte . Liberté pour toutes les fammes ! das war der Grundsatz , theure Freundinnen , in dem wir erzogen wurden . Ich hoffe , wir machen alle unserer großen Bildnerin keine Schande . Freiheit , Freiheit , Freiheit für uns Alle ! Denn daß dieser geistlose Herzog Przemysl unser Geschlecht verachtet , und ein arger Feind unserer liebsten Hoffnungen ist , habe ich schon , als unsere hochseelige Fürstin noch lebte , ahnungsvoll in meinem Geist erschaut . Und seinen Sohn , den ihm Libussa geboren , wird er gewißlich dazu anhalten , daß er unserer noch viel weniger achtet . Auf also , auf , ihr Jungfrauen der Libussa ! Es gilt einen Entschluß zu fassen , daß wir und unser Geschlecht nicht schmählicher Dienstbarkeit , die uns droht , anheimfallen ! Das Weib muß frei sein , sonst ist es verachtungswürdig , denn zur Freiheit haben die Alles wohlbedenkenden Götter nicht bloß den Mann erschaffen ! Die Freiheit ist überall und in jedem Herzen , das Flügel hat , um sich über das Gemeine zu erheben ! Hier endete die herrliche Wlasta ihre Rede , und ließ sich mit einem lauten , brustzersprengenden Seufzer unter einen Baum sinken . Dann stützte sie das schöne , gedankenvolle Haupt in die Hand , und saß lange , von einem wunderbaren Tiefsinn umfangen , da . Die Andern schwiegen bange , und es war still und heimlich wie in einer Kirche . Alle blickten nur mit scheuen Augen auf die tiefsinnig gewordene Jungfrau hin , und es war ihnen , als müßten sie noch bedeutsam geheimnißvollen Worten aus ihrem Munde entgegenlauschen . Der Wind flüsterte mit düster raschelnder Zunge über ihnen in den Wipfeln der uralten Eichen , ein großmächtiger Adler flog mit verworrenem Geschrei auf aus einem Spaltenriß des Berges , tiefhängende Wolken verfinsterten die Fernsicht , es wurde eine seltsame magische Dämmerung ringsher um die näher an einander geschmiegten Mädchen . Da rief Stratka , eine liebliche Brünette , plötzlich : Sehet , es ist über Wlasta der Geist Libussas gekommen , der Geist der Weissagung ! Und Wlasta streckte die Hand aus , und das strahlende Gesicht umflog eine dunkle trunkene Röthe . Sie setzte sich hoch aufrecht , es schien Allen , als sei das wunderbare Mädchen größer und ihre ganze Gestalt leuchtender geworden . Dann wies sie mit dem Finger in die Ferne , und sprach : Ich sehe die Zukunft . Dort hinten steigt sie in schwankender Gestaltenreihe aufwärts , und wälzt sich bis zu mir heran , und beginnt mit meinem Geist vertrauliche Gespräche . Die Sterne über mir fangen an golden zu erglänzen , wie in schöner Mainacht , und Libussa sitzt groß in den Wolken , und reicht mit ihrer Hand von oben bis tief in mein Herz . Sie schreibt die Schrift der Sterne eifrig in meine Gedanken ein , und ich halte süßbewegt still , wie wenn ein Gott mich berührte . Und die Schrift der Sterne ist es , die mich lesen läßt , was die hinten schwankende Zukunft bedeutet . Und Wald und Strom , und Vogel und Blume , und Luft und Licht werden lebendig , und reden ein Wort mit , und ich kann Alles verstehen , was ist und kommen wird . Ich sehe und verstehe großes Unheil , immerwährende Kriege , gespaltene Meinungen , himmelstürmende Verzweiflung , philosophischen Jammer und politische Leidenschaft , jedem Jahrhundert seine Seuche und jedem Menschenherzen seinen Todesschmerz . Und bebend frage ich die Geister der Zukunft um unser Geschlecht , ob es frei sein wird ? Und seht , seht , seht , es treten aus dem Nebelglanz der Ferne seltsame Gestalten vor mich hin . Unser eigenes Schicksal kann ich nicht erkennen , denn der Geist darf sich nicht selber schauen , das verwehrt das Verhängniß . Aber ich höre Waffen an mein Ohr schlagen , und die Blüthe meines Busens zwingt sich wie in einen eisernen Kriegspanzer , und eine breite Wunde bohrt sich bis in mein Leben hindurch . Nun sehe ich schönere Jahre herankommen , ein lyrisches Zeitalter der Frauen sprießt auf . Die Poesie schmückt sie , die Minne verherrlicht sie , und das Ritterthum holt seinen Dank aus ihren huldspendenden Händen . Auf dem Söller blinkender Schlösser stehen sie freundlich da , und begeistern durch ihren Anblick zum Sieg in der Schlacht , zur Sitte im Leben , und zur Ehre im Wandel . Aber das Zeitalter der Minne macht das Weib nicht frei . An Haus und Heerd und an die Stille des Zwingers gebannt , überläßt sie des Lebens freie Bewegungen den Männern . Dann sehe ich fromme Gesichter meines Geschlechts , betende Jungfrauen in dunkeln Zellen , verzückte Mädchen , welche die Gewalt eines Gottes ergriffen haben muß . Alles große Versuche des Weibes , sich zu befreien , und über das gemeine Alltagsloos ihrer Bestimmung sich zu erheben zu höherer Erleuchtung des Geistes . Aber auch die Mystik und die beschauliche Klosterzelle macht das Weib nicht frei . Es verliert sich in Gott , und überläßt des Lebens freie Bewegungen den Männern . Und ich sehe eine liebliche Jungfrau , die erst die Lämmer im Thal weidete , dann , vom Geist gerufen , den Helm auf ihr Haupt setzte , und gegen die Feinde des Vaterlandes in die Schlacht zog . Sie will zeigen , daß das Weib auch ein Vaterland habe , und Alle folgen jauchzend dem Mädchen aus Orleans , und siegen unter ihren jungfräulichen Bannern . Aber dann naht das alte schwarze Verhängniß unseres Geschlechts , und es ruht ein Fluch auf der That , weil sie ein Weib vollbracht hat . Sie können es nicht glauben , daß das Weib vom Vaterlandsgeist getrieben wird , und verbrennen die Zauberin . Das Weib hat kein Vaterland , sie können es dem hohen Mädchen aus Orleans nicht glauben . Auch die Vaterlandsbegeisterung macht das Weib nicht frei , und es überläßt die Freiheit der öffentlichen Bewegung den Männern . Jetzt sehe ich eine Kirchenversammlung von großen und gelehrten Männern , wo eigens untersucht und mit den genauesten Gründen und Gegengründen gestritten wird , ob die Frauen Menschen seien ? Dann dringt mein Auge weiter und weiter durch den Schleier der Jahrhunderte , und ich gewahre milde Zeiten des Familienglücks auf den Gesichtern unseres Geschlechts . Ich sehe ein häusliches Stubenleben , ein bürgerliches Zeitalter der Menschen , in dem die Frauen viel gelten ; sie stricken , nähen , schenken den Thee ein , und sprechen angenehm . Mir wird kläglich dabei zu Muthe , und ich wende den Blick auf Andere hin , und sehe bücherschreibende Weiber , mit Gelehrsamkeit und Künsten sich abgebende holde Mägdlein , wieder große Versuche , das Weib zu befreien . Aber das Familienglück , das bürgerliche Zeitalter und das Bücherschreiben machen unser Geschlecht nicht frei . Es muß noch immer des Lebens freie Bewegungen den verhaßten Männern überlassen . Nun führt mich mein Geist fern gegen den Norden hin , und ich sehe einen Mann in seiner Studirstube sitzen , der schreibt eifrig und sieht gedankenvoll aus . Ich weiß nicht , ich muß den Mann lieben , es ist mir , als schriebe er mir meine Gedanken auf , und die Gedanken unserer Frau Libussa . Er heißt Hippel , und er schreibt über die bürgerliche Verbesserung der Weiber , und über die Ehe . Er will , daß das Weib ein Vaterland haben solle , und eine Stelle im Staat , und seinen schönen Theil an aller Freiheit der öffentlichen Bewegung . Er ist der Erste unter allen Männern , in dem der große Gedanke Libussas wieder hervortaucht , denn kein Gedanke geht im Meer der Zeiten verloren . Und o , o , seht , wie mir der Geist nun hilft , die Erscheinungen zu verknüpfen . Da zieht es mich hin weit in eine andere Gegend , und ich schaue eine mächtige Stadt , die heißt Paris , und eine Straße , die wird die Straße Taitbout genannt . Dort ist ein Saal , in dem Männer mit langen Bärten versammelt sind , die eine besondere Weisheit unter sich verabredet haben , die heißt der Saint-Simonismus . Sie tragen eine weiße , hinten zugeknöpfte Weste , weiße Beinkleider , eine blaue Jacke , und Kopf und Busen sind ihnen ganz entblößt . Sie sehen närrisch aus , und sprechen über die Weiber . In ihrer Mitte sitzt Einer mit Namen Enfantin , der sich den obersten Vater der Simonisten nennt , und neben ihm steht ein leerer Stuhl , auf dem das freie Weib noch erwartet wird , damit sie , sobald sie erscheine in der Welt , sich gleich setzen könne . Alle Anstalten zu ihrem Empfange sind gemacht , und ihre Unabhängigkeit vom Manne ist ausgesprochen . Was Libussa gedacht , was Hippel geschrieben , wollen die Simonisten endlich ausführen . L ' élévation de l ' épouse au niveau de l ' époux ! so hallt es wieder aus dem Munde des obersten Vaters , der das freie Weib sucht . Es gibt eine gesellschaftliche Person , das ist nicht mehr der Mann allein , sondern Mann und Frau , und alle Geschäfte des Lebens werden daher paarweise verrichtet . Dieses Paaren ist die Ehe , und in ihr nimmt die Frau Antheil an den Geschäften des Mannes . So wirkt sie zugleich für den Staatsdienst mit , und kann , wie Libussa und Hippel ausdrücklich gewollt , Aemter bekleiden . Der kühne Vater Enfantin aber hebt die Freiheit des Weibes noch über die Ehe hinaus , und erklärt die Ehe nicht für geschlossen . Ein so freies Weib aber will sich gar nicht finden lassen , und darum sehe ich hier und dort Simonisten hinauswandern in den Orient , um das freie Weib da zu suchen . Und es entsteht eine große Verwirrung über die neue Lehre , in der doch Wahrheiten ruhen , an denen ich alle Jahrhunderte arbeiten gesehen . Schriftgelehrte erheben sich , um die Wahrheiten zu reinigen von den Schlacken , aber es scheint , als könne lange Keiner das Wort dazu finden . Aber das freie Weib - doch - ah ! - - Hier hielt die herrliche Wlasta inne , und der Geist der Weissagung schien von dem schönen Munde gewichen . Das Haupt sank ihr ermattet auf die Brust herab , und die Wange , die noch eben von dunkler prophetischer Röthe geglüht hatte , überzog sich wieder mit einer feinen Blässe . Sie lehnte sich seufzend an die Schulter ihrer Busenfreundin Stratka , und fragte leise : was habe ich euch gesagt ? Du hast uns die Zukunft unseres Geschlechts enthüllt ! riefen Alle einstimmig , und sprangen auf , und umringten sie ehrerbietig und traurig . Mir ist das Herz wehe , ich weiß nichts mehr , was ich gesagt ! stöhnte Wlasta . Ein wunderbarer Traum umhüllte mir mit tausendfarbigen Bildern die Schläfe . Jetzt möchte ich weinen , und kann nicht sagen , warum ? Das erste Mal ist es , daß ihr die wilde fröhliche Wlasta betrübt seht bis in den Tod . Ihr aber , lieben Gespielen , lasset die Gedanken an die ferne Zukunft , denn es bringt den Sterblichgeborenen nur Schaden , in den Spiegel der künftigen Gestaltungen zu lauschen . Denket an euer und unser allernächstes Unglück . An euch ist es nun , zum Heil einen Rathschluß zu fassen . Wlastislawa wird zu allem Ja sagen , was ihr beschließet , denn sie selbst ist traurig und gedankenlos , und das tapfere Herz ist ihr wie zerbrochen . Da trat die schmachtende Stratka in die Mitte der Jungfrauen , und es war wie ein linder Westhauch , wann sie sich bewegte . Sie war als die Zweite und Trefflichste nach der Wlasta geachtet , und Alle waren ihr gut , denn sie sah lieblich und bescheiden aus , und hatte Augen , wie zwei stille Vergißmeinnichts . Die sprach , indem sie ihre Hand ausstreckte gegen die noch am Boden sitzende Wlasta : O Wlastislawa , du hochherzige , tugendreiche und adlichgesittete Jungfrau , wir wissen Alle , daß Du nichts Anderes denkest noch trachtest , als unsere Freiheit und Ehre , und die unseres ganzen Geschlechts . Welche wäre , die Dich nicht darum zum Allerhöchsten priese ! Aber , ich bitte Dich , Du Tugendreiche , was hilft uns armen Mädchen die Freiheit , wenn wir keine Männer haben ? Schickte nicht unsere hohe Frau Libussa selbst auf das Feld hinaus , und ließ sich einen Mann holen ? Und als sie ihn zum Mann gehabt , wurde ihre Freiheit und ihre Ehre um nichts desto geringer . Wissen wir denn nicht , wie sie den Przemysl und das ganze Czechenland mit ihrem Rath und ihrer Klugheit regiert hat ? In der Ehe erscheint erst das freie Weib , von dem Du uns prophezeiht hast , aber ich bin der Meinung , ihr lieben Gespielen , daß , um das freie Weib erscheinen zu lassen , die gewöhnlichen Begriffe der Ehe erst müssen umgewandelt werden . Dies , ja dies sei unser Werk ! Vor allen Dingen müssen wir Frauen Wahlrechte bekommen . Ich will von diesen Wahlrechten jetzt nur insoweit reden , daß wir uns die Männer selbst wählen dürfen , sowie Libussa den Ehegemahl erwählet , welcher ihr gefallen , und worein das ganze Land willigen mußte . Denn die Frau muß zuerst durch den selbständigen Willen frei werden . Ohne den Willen gibt es keine Freiheit , und ohne die Freiheit keine Liebe , und ohne die Liebe kein Glück . Darum nun , auf daß wir allesammt die Freiheit erwerben , rathe ich alles Ernstes , daß Du , o Wlasta , möchtest zum Herzog Przemysl senden , und ich will zum Hinchvoch senden , ob diese beide nicht wollten unsere Männer werden ? Denn sobald sie nun , als die Vornehmsten , einwilligen , so wird sich alsdann auch unserer Aller Freiheit anfangen , und die Budecer Mädchenanstalt soll wieder in ihre alte Blüthe kommen . Verachten sie aber unser Begehr , so hat dann endlich die Rache der geschmähten Mägdefreiheit eine Ursache an allen diesen Männern . Willigen sie jedoch ein , so wird dadurch das Wahlrecht fortan immer unserm Geschlecht gewonnen sein . Denn die freie Frau ist souverain , sie spreche , wer der Mann ihrer Liebe sein soll ! Sie spreche offen , denn sie darf reden ! Ach , Wlasta , mir ist , als führte mich auch der Geist der Prophezeihung , wie Dich , bis in eine ferne simonistische Zukunft der Zeiten . Ja , das freie Weib ist souverain , sie entscheide , sie spreche , denn sie darf reden ! Und das Glück der freien Liebe ist süß ! - So sprach die schmachtende Stratka , und warf ihre lieblichen , lauschenden Augen mit einem fragenden Blick im Kreise der Gespielen umher . Die Jungfrauen aber waren von ihrer Rede alle wie begeistert , sie sahen freundlich und erheitert aus , und riefen mit den schönsten Stimmen , in einem lauten Chor , daß es sich anhörte , wie Jubelhymne morgenfrischer Lerchen , sie riefen alle : » Das freie Weib ist souverain , sie entscheide , sie spreche , denn sie darf reden ! Und das Glück der freien Liebe ist süß ! « Und das Glück der freien Liebe ist süß ! wiederholte die schmachtende Stratka noch einmal , und hüpfte liebkosend zu der großen ernstsinnenden Wlasta hin . Diese erhob sich jetzt vom Rasen , und schlug schwermüthig die Augen zu den Freundinnen auf . Dann sagte sie zu der Stratka : O du sanftherzige , tugendreiche und adlichgesittete Jungfrau , von wannen kommt Dir dieser vortreffliche Rath , der mir und allen beisitzenden Mägdlein so gar wohl gefällt ? So thuet denn , wie ihr beschließet ! Weiter sagte sie nichts , die schöne nachdenkende Wlasta , und die Andern beeilten sich , aus ihrer Mitte vier erlesene Jungfrauen auszuwählen , die zum Przemysl und Hinchvoch abgesandt wurden . Sie wählten vor allen die beredtsame Budeslawka mit den klugen braunen Augen , dann die kleine naive Wuschemila , die ernsthafte , tiefsinnige Hrawka und die lammfromme , stille Pietisyla . Diese zogen , von den Uebrigen tausendmal gesegnet , aus gen des Herzogs Burg , während die Andern mit quälender Neugier zurückblieben . - Przemysl und Hinchvoch saßen wieder bei einander vor einem Faß Meth , und bekümmerten sich um die ganze Welt nicht . Sie zechten um die Wette , und ließen nicht einmal Jemand leben , denn das incommodirte sie zu sehr . Sie schwitzten ordentlich vor Langerweile , weil sie nichts mitsammen zu reden wußten , aber es war ihnen dennoch heimlich wohl dabei . Denn Hinchvoch hatte keinen Geist , und Przemysl liebte den Geist nicht . So vertrugen sie sich beide vortrefflich , und gaben sich die Hand , nie wieder von einander zu lassen . Man muß das Leben nutzen , sagte Przemysl , den das Getränk schläfrig machte . Die Zeit ist kostbar , entgegnete Hinchvoch , und streckte sich aus , um zu schlafen . Nur Eines noch , rief Przemysl , und ermannte sich . Auch mir fällt noch Etwas ein , entgegnete Hinchvoch . Was denn ? fragte Przemysl . Nichts ! entgegnete Hinchvoch . Ich meine das Heirathen , sagte Przemysl . Ja , sagte Hinchvoch . Niemals werde ich wieder heirathen , rief Przemysl . Wer hätte Zeit zum Heirathen ! seufzte Hinchvoch . Meine Zeit ist mir zu lieb , und meine Freiheit ! sagte Przemysl . Gib Dich doch nicht mit solchen Gedanken ab ! sagte Hinchvoch , ärgerlich werdend , denn ihn schläferte sehr . Ich muß auf meine Freiheit halten ! rief Przemysl , auffahrend . Wenn Du nur eine einzige Lehre von mir annehmen wolltest ! sagte Hinchvoch . Welche denn ? fragte Przemysl . Daß sich Alles in der Welt von selbst versteht ! gähnte Hinchvoch . Wie meinst Du das ? fragte Przemysl aufmerksam . Ich meine , wie hätte man Zeit und Ruhe , zu schlafen , wenn sich nicht Alles in der Welt von selbst verstände ! explizirte Hinchvoch . Ich verstehe Dich nicht , erkläre Dich deutlicher , sagte Przemysl dringend . Laß erst noch ein Faß Meth holen , sagte Hinchvoch . Soll geschehen ! rief Przemysl , und es war alsbald durch den Diener herbeigeschafft . Nun , sagte Hinchvoch , nachdem er noch einmal getrunken , daß sich Alles in der Welt von selbst versteht , ist klar . Zum Beispiel , daß du frei bist , versteht sich von selbst . Ebenso , daß Du nicht mehr heirathen wirst ! Was machst Du Dir also Gedanken darüber ! Die Zeit ist kostbar . Laß uns schlafen ! - Mir wird Angst bei Dir ! sagte Przemysl . Du fängst an geistreich zu werden . Ich dachte , Du hättest keinen Geist . Und siehe , mein Haar sträubt sich empor , und es ist mir , als käme der neuerdings Mode gewordene Geist der Weissagung auch über meine Seele . Ja , ja , Hinchvoch , ich bitte Dich um Alles in der Welt , ich sehe die Zukunft vor meinen Blicken aufsteigen . Ich schaue eine Periode des Menschengeschlechts , wo Alle geistreich sind . Es ist das glorreiche neunzehnte Jahrhundert , in dem jeder Ladendiener geistreich werden wird . Man wird einem Menschen nichts Schlechteres mehr nachsagen können , als daß er geistreich ist , und überall , wo man hinhört , wird die Rede sein von geistreichen Jünglingen , von geistreichen Frauen , von geistreichen Berliner Banquiersöhnen , und Keiner wird mehr ein Kleid machen lassen bei einem Schneider , wenn der Schneider nicht geistreich ist . Die Recensenten , wenn sie weiter nichts mehr zu sagen wissen , werden das Wort Geistreich zum Schimpfwort brauchen , und diese klägliche Periode wird damit endigen , daß sich die Geistreichen alle unter einander mit Haut und Haaren auffressen . Ich sehe schreckliche Dinge , die da kommen werden , Keiner sagt mehr zum Andern guten Morgen , ohne dabei geistreich zu sein . Keiner ißt mehr ruhig sein Butterbrot , ohne eine geistreiche Bemerkung dabei zu machen . Kein Spitzbube wird gehängt , ohne ein geistreiches Gesicht dabei zu schneiden . Kein Mann prügelt mehr seine Frau , ohne geistreiche Motive dazu zu haben . Alles wird sich geistreich motiviren , und es wird kein gesunder Discours , bei dem man sich bequem ausruhen kann , mehr zu Stande kommen . Diese klägliche Periode und ihr klägliches Ende habe ich prophezeiht . Ich bin dazu ausersehen vom Verhängniß . O Hinchvoch , Hinchvoch , halte mich , mir wackelt der Kopf und ich kann nicht wieder zu mir kommen , mir schwinden die Sinne ! Er sank in die Arme seines getreuen Hinchvoch zurück , und dieser rüttelte und schüttelte ihn , bis die Kraft der Weissagung wieder von ihm wich . Dann sahen sich beide ganz erstaunt an , und reichten sich gerührt die Hände . Sie schwuren , daß sie nie wieder ein Gespräch mit einander führen wollten , an dem sie sich erhitzen könnten , da heut um ein Haar ihre Freundschaft auf dem Spiele gestanden hätte . In diesem Augenblick trat ein Diener in den Saal , und meldete , daß eine Gesandtschaft von vier Jungfrauen draußen stände , die etwas Wichtiges an den Herzog Przemysl und den Reichsobersten Hinchvoch auszurichten hätten . Die Jungfrauen wurden eingelassen , und schritten mit schüchterner Geberde , die beredte Budeslawka an ihrer Spitze , vor die Beiden hin . Budeslawka erhob ihre helltönende Stimme , und begann zuerst , mit gesenkten Augen , von dem heiligen und allen Völkern stets ehrwürdig gewesenen Beruf des weiblichen Geschlechts zu sprechen . Sie nannte die Frauen die Ordnerinnen und Hüterinnen des Lebens , und erinnerte , klagend und triumphirend zugleich , an der Libussa mächtigen Geist , welche dieses hochemporblühende Reich zuerst eingerichtet , und in seinen Grundvesten geschaffen , geordnet , zusammengehalten habe . Dann ging sie , muthiger werdend , und mit durchdringenden Blicken aufschauend , zu der Behauptung über , daß kein Reich , kein Staat , kein Volk ohne der Frauen mitwirkende Hülfe , ohne ihren Alles im Gleichgewicht erhaltenden Sinn , bestehen , gedeihen könne . Sie fügte , leiser betonend , hinzu , daß sie und alle ihre Schwestern draußen auf dem Berge Widowle entschlossen seien , nur am Altar des Vaterlandes ihre Lebenspflichten zu üben , und Wlasta und Stratka , ihrer Schönheit und Tugend wegen allberühmte Jungfrauen , hätten entschieden , die Ersten zu sein , welche dem allgemeinen Besten des Staates sich opferten . Sie böten beide ihre Hand dar , Jene dem Przemysl , Diese dem Hinchvoch , um mit ihnen vereint im Bunde der Ehe Antheil zu haben an dem Wirken und Verrichten der Männer . Dies gäben sie durch diese Abgesandtschaft offen und frei zu erkennen , denn die Frau sei souverain , sie dürfe reden ! Nun sei es an Przemysl und Hinchvoch , so würdigen Jungfrauen würdige Antwort zu ertheilen . Budeslawka schwieg und trat , sich verneigend , wieder einige Schritte zurück , während Przemysl und Hinchvoch sich vor Verwunderung nicht zu lassen wußten . Sie begaben sich endlich beide in ein anliegendes Kabinet , um sich dort miteinander zu berathen . Ein seltsamer Fall ! sagte Przemysl . Ich dächte , man fragte die Gelehrten ! sagte Hinchvoch . Was Gelehrten ! rief Przemysl entrüstet aus . Wir müssen ihnen auf der Stelle eine abschlägliche Antwort geben . Das müssen wir , aber ohne allen Aufwand von Redekunst ! sagte Hinchvoch . So antworte Du ! sagte Przemysl . Nein , antworte Du ! sagte Hinchvoch . Du bist der Herzog . Eben weil ich der Herzog bin , sagte Przemysl , befehle ich Dir , zu antworten . Ja so , sagte Hinchvoch . Ich werde mir etwas ausdenken , was Keine beleidigen und Keine erfreuen kann . Hierauf gingen sie wieder in den Saal zurück , und