ihnen , nur auf einem weiten Umwege , längs den Ufern des Delaware . Aber wir sind sämtlich gesund geblieben , und Philippinens Krankheit war nur eine Wirkung ihres bewegten Gemüts , über welches die Zeit und des Freundes Trost schon einige Macht gewinnen . Wir trauern gemeinschaftlich über den Tod des gastfreundlichen Paares , dessen kleine Schwächen mit der irdischen Hülle abgelegt wurden . Glücklich preisen wir ihr Los , daß sie , nach langer Vereinigung , fast zugleich und so schnell die Erde verließen . Jeder von uns wünscht , so dereinst mit dem Gefährten seines Lebens , Hand in Hand , die große Reise anzutreten . Wir haben uns hier förmlich miteinander eingerichtet , eine kleine freundliche Kolonie , und es ist uns ganz undenkbar , uns wieder voneinander zu trennen . Der Plan , mit Walter an den Ohio zu ziehen , gewinnt immer mehr Festigkeit ; selbst Ellison will sein und seiner Schwester Vermögen aus der Handlung nehmen und uns begleiten . Die Männer gedenken noch in diesem Herbst eine Reise dahin zu machen und das Nötige zu ordnen . Wir zärtlichen Dulzineen werden ihre Rückkunft mit Sehnsucht erwarten , denn unsre Herzen stehen sämtlich unter Amors Macht , und der Frühling wird mehr als ein Eheband knüpfen . Philippine und Pinelli werden Mucius und mich zum Altar begleiten , wahrscheinlich auch William und die sanfte Marie Frank ; Salvito wirbt um Therese Frank , und Antonio , der Veroneser , scheint die schöne Florentinerin Rosalva zu lieben . Noch ein liebendes Paar ist , seit einigen Tagen , zu uns gekommen : Dupont , ein Franzose , ist mit seiner jungen Braut hierher geflüchtet , um ein Bündnis zu schließen , dem in ihrer Heimat große Hindernisse im Wege standen . Er ist Protestant , und die beginnenden Verfolgungen seiner Glaubensgenossen drohten ihn auf immer von seiner katholischen Geliebten zu trennen . Welch ein Verein von jungen , muntern Kolonisten ! Noch nie ist wohl ein kleiner Staat unter so günstigen Vorbedeutungen gegründet worden . Die kühlere Herbstluft hat den Fieberstoff zersetzt , und die Besorgnis einer allgemeinen Ansteckung ist verschwunden , es zeigt sich keine Spur mehr davon . Unsre Geliebten sind abgereist , von John und seinen Söhnen begleitet , Humphry ist zu unsrem Schutze hiergeblieben . Wir verlassenen Frauen vertreiben uns die Zeit , so gut es sich tun läßt ; wir gehen und fahren aus , machen Musik und arbeiten . An Stoff zur Unterhaltung fehlt es uns nicht . Die furchtsamen Weibchen zittern vor den Gefahren , welche ihre Männer in dem wüsten Lande treffen könnten , und nehmen mit ihren tausend Fragen ihre Zuflucht zu mir , ich bin ihre Heldin , die allen Mut zuspricht . Ich darf reden , meinen sie , denn ich habe ja die Gebirge durchreist , habe die Wasserfälle gesehen und die Wilden , Gazellen und Wölfe , ja selbst in einiger Entfernung einen Bären , und ich lebe noch . Was noch mehr , ich sehne mich in die Urwälder zurück , in die Freiheit des Goldenen Zeitalters . Meine Beredsamkeit reißt alles mit sich fort ; man wünscht die Zeit herbei , wo der Völkerzug beginnen soll , unfehlbar geschieht dies in den ersten Frühlingstagen . Es scheint , als ob wir auch noch ganz junge Kolonisten mitnehmen sollten . Die junge Frank und Vanhusens niedliches Weibchen sind guter Hoffnung . Wir Mädchen haben uns vereinigt , den kleinen Ankömmlingen eine förmliche Aussteuer zu bereiten , und da ist denn ein Wetteifer im Sticken , Stricken und Nähen , daß es eine Lust ist , unsern emsigen Zirkel zu sehen , welcher sich um den flammenden Kamin bildet oder um den dampfenden Teetisch . Hin und her gaukelt das freundliche Kosen , manch neckendes Wort von den Lippen der schalkhaften Weibchen rötet die Wangen der Mädchen . Zephyrine , meine junge , muntre Landsmännin , vergilt ihnen Arges mit Argem und überflügelt sie oft mit ihrem Witz . Dies liebliche Mädchen hat die Neigung aller im vorzüglichen Maße . Sie nennt sich selbst unser verzogenes Kind , spielt tausend kleine Eulenspiegelstreiche , und wir lieben sie darum nur desto mehr . Sie gleicht ihrem Namensbruder , dem Westwinde , der unter Blumen spielt und Balsamdüfte stiehlt und gibt . Freude über Freude ! Unsre Ritter sind glücklich zurückgekehrt und haben die frohesten Nachrichten mitgebracht ; alles ist vortrefflich gefunden worden . Ellison und Mucius haben noch einen großen Bezirk hinzugekauft , wovon der kultivierte Teil mit Walters Erbschaft zusammenhangt . John und seine Söhne sind zurückgeblieben , um über die Arbeiter die Aufsicht zu führen , wozu Walter Tagelöhner aus Louisville gedungen hat . Unser Baumeister hat die Risse zu den vorläufigen Gebäuden entworfen , und auch diese werden wir , durch den Fleiß reichlich bezahlter Handwerker , fertig finden . Dann aber werden wir aller Außenhülfe entsagen , und die junge Kolonie wird für ihre Bedürfnisse selbst sorgen . Hierzu werden alle nötigen Vorkehrungen getroffen . Alles ist voll Leben und Tätigkeit , wir alle sind nur von einem großen Gedanken begeistert . Mucius entwirft den Plan zu einem kleinen Staate , in welchem Freiheit und Gleichheit verwirklicht werden sollen ; jeder Abschnitt des Entwurfs wird der Generalversammlung , in welcher auch wir Weiber eine halbe Stimme haben , vorgelegt und , nach Stimmenmehrheit , angenommen oder abgeändert , und ich denke , es wird eine Verfassung zustande kommen , woran mehrere Menschenalter nichts zu flicken finden werden . Ewig ist am Ende nichts , selbst das Sonnensystem bekommt nach Jahrtausenden einen andern Polarstern . Unsre jungen Weibchen sind von zwei muntern Knaben entbunden worden . Wir werden den Tag , an welchem ihnen Namen beigelegt werden sollen , mit der Vermählung sämtlicher Paare feiern und erwarten dazu nur die gänzliche Wiederherstellung der Mütter . Auch wir haben manches zu beschicken für den neuen Haushalt , welcher zwar sehr einfach , aber doch äußerst bequem eingerichtet wird ; selbst unsre Kleidung wird gänzlich umgestaltet . Der Mechanikus ist beschäftiget , unter den erfundenen Maschinen die zweckmäßigsten zu wählen ; denn in einer jungen Kolonie allein ist es von unbestrittenem Vorteil , Menschenkraft und Hände zu ersparen . Es wird jetzt von nichts gesprochen als von Säemaschinen , Dreschmaschinen , Spinnmaschinen , Webemaschinen usw. Auf der andern Seite zieht Walter Erkundigungen ein , wo die besten Arten des Rindviehes , der Schafe usw. zu haben sind . Vanhusen handelt Sämereien , Setzbäume und Pfropfreiser ein . Johns ganze Familie ( meine Corally ist verheiratet ) nebst noch zwei Schwägern und ihren Kindern rüsten sich zum Aufbruch und werden uns begleiten , sechzehn Neger und Negerinnen , die Kinder ungerechnet . Sie werden ein Dörfchen in der Nähe des unsrigen beziehen und uns beim Feldbau zur Hand gehen , auf welchen sich die meisten vollkommen verstehn . Daneben werden sie hinreichende Ländereien und Vieh erhalten und überhaupt so gesetzt werden , daß sie , als wohlhabende Grundbesitzer , fast uns gleich leben können . Unter den scharenweise ankommenden deutschen Ausgewanderten haben Walter und Frank zehn tüchtige und wackere Handwerker ausgewählt , welche mit ihren Familien gleichfalls ein Dorf in unsrer Nähe , Landeigentum und vorteilhafte Bedingungen erhalten . Mit ihnen sowohl als mit den Negern sind Verträge auf zehn Jahre geschlossen , und ich hoffe , sie werden , nach ihrem Ablaufe , von beiden Seiten gern verlängert werden . Schon scheint die Sonne wärmend auf das junge Jahr , die Tulpenbäume in unsren Gärten treiben mit den Tulpen der Beete um die Wette , und die geselligen Sangvögel kehren aus den wärmeren Zonen unter unsre Zederngebüsche zurück . Morgen ist die große Feier der Hymenäen ; morgen vereint mich ein öffentlicher Schwur auf ewig mit meinem Mucius . Oh , könntest Du uns heute sehen , an diesem Tage der seligen Vorfeier ! Jedes Auge glänzt noch einmal so hell , jede Rede klingt gleich einer Jubelhymne . Die ganze Versammlung scheint ein wenig närrisch . Pinelli und Philippine , Dupont und Zephyrine , Salvito und Therese tanzen um die Wette , Antonio und Rosalva verstecken und suchen sich durch alle Lauben , während William und seine sanfte Marie , Walter und sein Freund , der Schweizer , mit einem Paar schöner Mädchen , den Jugendgespielinnen Philippinens , sich , innerer Seligkeit voll , die Hände drücken und schweigend in die blauen Augen schauen . Von mir und Mucius müßte ich eigentlich auch sprechen , meinst Du ? Je nun , liebe Adele , uns wird unser Schellenkäppchen auch nicht fehlen , wir bemühen uns nur , es mit Anstande zu tragen , wie es so alten Liebesleuten geziemt . Die Stürme des Schicksals haben ihr mögliches getan , einen Teil des Blütenstaubes von den Schmetterlingsflügeln unsrer Liebesgötter abzustreifen ; an dem Lächeln der Ehepaare sehe ich jedoch , daß die losen Buben überall hervorgucken . O könntest Du mir doch den Brautkranz winden , meine traute Adele ! Mucius übernimmt es an Deiner Statt , jeder Verlobte flicht ihn der Verlobten . Lebe wohl , Du Freundin meiner Kindheit ! zum letzten Male schreibt Dir das Mädchen Virginia , das nächste Mal Mucius ' Gattin . Wir rüsten uns zur Abreise . Alle verlassen diese gastliche Gegend ohne die leiseste Reue . An der Hand des Geliebten wandelt man ja freudig zur Unterwelt , um wieviel lieber also einem stillen Paradiese entgegen , wie wir es zu finden hoffen . Selbst Walters und Stauffachs Gattinnen , Fanny und Lucia , verlassen ihre Verwandten ohne Schmerz . In ihren Familien ist diese Trennung nichts mehr , als wenn man bei Euch von Lyon nach Avignon zöge . Die Wanderungslust ist hier überhaupt fast ansteckend . Der Amerikaner hangt bei weitem nicht so fest an der Erdscholle , auf welcher er geboren wurde , als der Europäer und liebt die Ortsveränderung . Ob dies in allen Kolonien der Fall sein mag , oder ob es der Reichtum des Bodens ist , welcher die Ansiedler so mächtig nach dem Innern zieht ? Häufig verlassen sie ihre mühsam angebaueten Pflanzungen nach wenig Jahren und suchen weiterhin einen fetten Erdstrich , wo sie mit gleicher Anstrengung einen neuen Anbau beginnen . Selbst die Pflanzer auf unsern nunmehrigen Besitzungen haben diese mit Freuden verkauft , um sich in Louisiana und an dem Missouri anzusiedeln , mitten unter wilden , kriegerischen Stämmen . Ob dieser Geist sich auch unsrer jungen Kolonie bemächtigen wird ? Ich glaube , nein . Wir werden glücklicher sein als diese vereinzelten Pflanzer , und unsere Kinder werden den Boden lieben , wo sie ihre glückliche Kindheit durchspielten ; wir werden eine Verfassung haben und Vorteile genießen , welche man außer unsern Grenzen vergebens suchen würde . Du kennst unsere fröhliche Gesellschaft , welche sich in Marsch gesetzt hat . Wahrlich ein Völkerzug . Sämtliche Männer zu Pferde , die Frauen und das Gerät , Proviant und Maschinen auf sechzehn Wagen , die Herden unter Leitung der Neger . Unsere Handwerker bestehen in einem Schmied , Stellmacher , Zimmermann , Tischler , Schuhmacher , Töpfer , Glasmacher , Kupferschmied , Leinweber und in einem Tuchweber , sämtlich verheiratet und zum Teil mit halberwachsenen Kindern ; alles rüstige Menschen , welche auch bei dem Feldbau von Nutzen sein werden . Humphry wollte sich durchaus nicht von seinem Herrn trennen und wird sich bei uns ansiedeln , wo er dann unter einigen hübschen deutschen Mädchen die Wahl haben wird . Wir gehen durch Virginien und am Fuß der Gebirge hin . Die Weideplätze für unser Vieh bestimmen unsern Weg , weshalb wir die Städte und auch größtenteils die Pflanzungen vermeiden , wo das Eigentumsrecht uns Streitigkeiten zuziehen könnte . Um frischen Proviant einzuhandeln , werden Seitenpatrouillen abgeschickt , das meiste verschafft uns die Jagd . Wir lagern unter freiem Himmel , welches ich schon von meiner Reise her sehr gewohnt bin , meinen Gefährtinnen aber anfangs sehr sonderbar vorkam . Zephyrine nennt uns nicht anders als die Zigeunerhorde und Mucius den Hauptmann . Sie ist äußerst drollig , wenn sie abends um die Feuer hergaukelt und , in ihrem angenommenen Zigeunercharakter , uns allen wahrsagt . Am possierlichsten ist es dann , wenn sie unter die Deutschen gerät , welchen sie sich nicht verständlich machen kann und von welchen sie kein Wort versteht . Oh , wie schön ist hier die Natur ! Die Tulpenbäume stehen in voller Blüte , neben ihnen die zarte Akazie mit ihren weißen , duftenden Blütenbüscheln ; der schattende Plantan und sein Bruder , der Zuckerahorn , schützen uns gegen die Strahlen der brennend heißen Sonne ; Jasmin , Geißblatt und Rosen bilden Lauben und Wände und erfüllen die Luft mit Balsamdüften ; die Höhen sind mit Zedern , Tannen und Eichen bekränzt , überall vermählt sich der Norden mit dem heißeren Süden . Wie wird es sein in unserem lauen Tale am schönen Ohio ! Wir werden auf Louisville gehen , um uns noch mit einigen Bedürfnissen zu versehn ; dann geht ' s nach Eldorado , wie wir unsere Landschaft getauft haben , um es nimmer wieder zu verlassen . Möchte es doch , wie jenes Eldorado des Candide , jedem Fremden unauffindbar sein ! Zwar wird er dort keine Goldstücke , keine Rubinen zu entwenden finden , aber er würde die Ruhe und den Frieden unterbrechen , welche dort ihren Wohnsitz aufschlagen werden . Fern von dem unruhigen Treiben der Welt werden unsere Tage dahinfließen , wie der Wiesenbach , dessen Wellen kein Sturm empört ; kein Ehrgeiz , kein Gelddurst wird unsre Herzen bewegen , welche nur für die Liebe und die sanften Gefühle der Freundschaft schlagen ; politische Meinungen werden uns so fremd sein als Religionsstreitigkeiten ; keine Modetorheit wird uns berühren , kein Richter Streitigkeiten veranlassen , kein Fürst Befehle erteilen , kein Priester unsern Glauben meistern . Das goldene patriarchalische Dasein hebt für uns an , wo alle Menschen Brüder waren ; und welchen Schatz von Kenntnissen und Fertigkeiten nehmen wir mit in dieses Leben hinüber ! Wie doch so anders muß es sich gestalten als in jener Urzeit menschlicher Kindheit . Eldorado , im Junius 1816 Angelangt sind wir in Edens blühendem Garten . Kein erzürnter Engel wehrte uns den Eingang ; freundlich wurden wir von dem Grenzgott , freundlich von den friedlichen Laren empfangen . Wir mußten den Kentucky hinaufgehen , bis fast zu seinem Ursprung , um einen Übergang zu finden in unser Paradies . Sehnsüchtig blickten wir hinüber , wie einst die Kinder Israel nach den blauen Bergen , welche sie noch von dem glückseligen Arabien trennten . Zephyrine verglich uns hundertmal mit ihnen und Mucius mit ihrem Führer und Gesetzgeber . In ihrer fröhlichen Laune , reich an Anspielungen und Gleichnissen , nannte sie Walter und Stauffach Josua und Kaleb , welche uns die goldene Traube gezeigt , damit wir geduldig durch die Wüste folgen möchten , wie die Rinder dem salzspendenden Hirten ; die Deutschen , meinte sie , wären die ägyptischen Ziegelstreicher und Fronknechte , welche durch den langen Zug erst geläutert werden müßten und würdig gemacht zur Gründung der neuen Kolonie . Nur bat sie , daß die Prüfungszeit nicht auf vierzig Jahre ausgedehnt werden möge , weil sie noch wünsche , im Gelobten Lande um den Bundesaltar zu tanzen , ehe sie Runzeln habe und der Krücke bedürfe . Endlich fuhren wir durch den Fluß und , nach einer Tagereise , über eine Hügelkette von ziemlicher Höhe . Auf der Spitze des letzten Berges rief Walter : » Wir sind am Ziel ! « Und zu unsern Füßen lagen weithin die grünen beblümten Savannen , wie ein gestickter Teppich , welchen links ein dunkler Urwald , rechts der blaue Kentucky mit seinen Silberpappeln und babylonischen Weiden besäumt . Ein allgemeiner Freudenruf tönte durch die Lüfte ; wir sprangen alle zu gleicher Zeit auf und liefen mit ausgebreiteten Armen jauchzend den Berg hinunter . Hier , auf der Grenze unsres Gebietes , fielen wir alle , mit namenlosem Entzücken , auf den heiligen Boden nieder , wie vom Sturm verschlagene Seefahrer am Ufer eines wirtbaren Eilandes . Wir umarmten die Pflanzen , umarmten einander , die Busen schlugen hochauf , und Tränen der süßesten Freude träufelten auf die Blumen herab . Es dauerte lange , ehe dieser selige Rausch sich in Betrachtung der neuen Gegenstände auflöste . Selbst die kältern Deutschen , selbst die ungebildeten Schwarzen teilten diese schwärmerische Freude , sie umarmten einander und uns . Dieser Augenblick machte uns zu einem Volke , aller Unterschied der Farbe , der Heimat , der Bildung war vernichtet , wir wurden alle Brüder , mit gleichen Rechten und gleichen Pflichten . Nun ging der fröhliche Zug längs dem Kentucky hin , welcher geraume Zeit unser Wegweiser blieb . Erst am folgenden Morgen verließen wir seine reichen Ufer , um durch einen Ahornwald einen nähern Weg zu unsern Wohnungen zu nehmen , welche wir im letzten Schimmer der Abendsonne vor uns liegen sahen ; Du kannst daraus auf die Größe unseres Gebietes schließen . Es wird gegen Norden vom Kentucky , gegen Westen vom Ohio , gegen Süden vom Schawanoe begrenzt , im Ostnord schließt eine Hügelkette , an welche sich eine undurchdringliche Waldung lehnt , in welcher noch nie der Schall einer Axt gehört worden und deren Alter vielleicht bis zur jüngsten Umgestaltung der Erde hinaufreicht . Ganze Baumgeschlechter gingen hier unter , und neue wuchsen auf ihren Trümmern stark und frisch empor . Unser Wohnort liegt am Schawanoe , unweit seines Einflusses in den Ohio , den schönen , welcher mit Recht diesen Namen führt ; es ist eine lachende Ebene , deren Fruchtbarkeit jede Beschreibung übertrifft . Freundliche Gebüsche wechseln mit den grasreichen Matten , und bepflanzte Hügel durchlaufen die Ährengefilde . Jenseits des Ohio erhebt sich ein dichtbewachsener Gebirgsrücken , welcher uns gegen den Nordwestwind schützt und viel zur Milde unsres Klimas beiträgt . Als einzelnes , abgetrenntes Überbleibsel dieses Gebirges lehnt sich ein einzelner Fels an den Schawanoe und reicht bis zu unsern Wohnungen , deren Lage er einen malerischen , romantischen Anblick gibt . Wir waren alle davon ergriffen , ganz besonders aber Pinelli , welcher nicht müde wird , die verschiedenen Ansichten zu zeichnen . John und seine Söhne empfingen uns mit hoher Freude . Die notwendigsten Arbeiten waren vollendet und die Arbeiter schon seit einigen Tagen entlassen worden . So sahen wir denn nur lauter wohlbekannte Gestalten und hatten nichts kennenzulernen als die bleibenden Gegenstände . Kein Abschied soll in diesem glücklichen Erdstrich gehört werden als einst der Abschied zur Reise in ein noch schöneres Land . Mit freudiger Rührung führten die Männer jede Familie in ihr blütenumranktes Haus . Hier zündeten wir ein kleines Feuer in dem Kamine an , warfen Weihrauch in die gastliche Flamme , umarmten uns , dankten laut dem Schöpfer der Welten für dies kleine Asyl und flehten ihn , uns hier lange und glücklich vereinigt zu erhalten . Dann traten wir alle aus unsern Hütten und gingen vereinigt zu der großen Halle , welche die gemeinschaftliche Küche und den Versammlungssaal enthält . Auf dem Herde wurde das Feuer entzündet , Weihrauch und Mais hineingestreut und weihend der Herd mit Milch und Wein besprengt . Nun wurde das Mahl gemeinsam bereitet und gemeinsam an der langen , mit Blumen bestreueten Tafel verzehrt . Der Mond blickte hell durch die offenen Fenster und leuchtete uns erst spät zu unsren verschwiegenen Hütten . Mit der Sonne dem Lager enteilt , kleidete sich jeder , nach Übereinkunft , in die gewählte Landestracht . Die Männer tragen lange , weite Beinkleider aus baumwollenem Zeuge , Weste und Hemdsärmel , an den Füßen kurze Schnürstiefel , ohne Strümpfe , auf dem Kopf einen leichten Strohhut . Wir Frauen hingegen ein weißes kattunenes Hemd mit offenen Ärmeln , welches bis an die Knöchel reicht und die Brust bis drei Finger breit vom Halse bedeckt , darüber ein farbiges griechisches Gewand ohne Ärmel , nur bis über das Knie herabfallend und unter dem Busen gegürtet ; das Haar wird geflochten , und gegen die Sonnenstrahlen schützt ein Strohhut ; die Fußbekleidung ist für beide Geschlechter gleich . Diese einfache Tracht wird unabänderlich die unsre sein und soll der Mode auf ewige Zeiten den Eingang verwehren . Bei Regen oder rauher Witterung werden beide Geschlechter einen Tuchmantel tragen und bei schmutziger Arbeit einen Überwurf aus grauer Leinwand . Du glaubst nicht , wie unbeschreiblich reizend diese neue griechische Kolonie sich ausnahm , als sie durch das rötlich besonnte Tal , mit Blumenkränzen in den Händen , zur Tempelweihe zog . Glänzend in der Morgensonne , lag auf einer sanften Anhöhe der heitere Tempel vor uns . Stufen führen ringsum zu ihm hinauf , zwölf Säulen tragen die einfache runde Kuppel , keine Wände wehren dem Lichte ; in der Mitte steht der Altar , rund wie das Gebäude , mit der Inschrift : Dem Unbegreiflichen , Ewigen , Einzigen ; ein breiter Marmorrand schließt oben die Vertiefung ein , wo die Opferflamme lodert . Hier hingen wir unsere Kränze an dem Altar und den Säulen auf , Mucius zündete das Feuer an und sprach : » Wir weihen diesen Tempel dem Ewigen , dem Schöpfer und Regierer des Weltalls , der in jeder Menschenbrust wohnt ! Ihm weihen wir unsere Herzen ! Wir erkennen , daß menschliche Vernunft sich nicht bis zu ihm erheben kann , sowenig als wir uns von der Ewigkeit und Unendlichkeit einen klaren Begriff zu machen vermögen , daß also die verschiedenen Vorstellungen und Mythen der Völker menschliche Erkenntnisse sind und mehr und minder irren , daß aber in allen eine und dieselbe Wahrheit herrscht . Er ist unser Schöpfer und Erhalter , der Geber alles Guten , ihm sind wir Dankbarkeit und Ergebung schuldig . « Wir knieten alle um die heilige Flamme , und im stillen , heißen Gebet erhoben sich unsre Herzen zum Ewigen . Fröhlich kehrten wir zurück zum einfachen Frühmahle . Dann durchgingen wir unsere nächsten Umgebungen , ein wahres Paradies , in welchem sich fast alle Zonen des Erdkreises zu verbinden scheinen . Italiens Orangenbäume duften dicht neben den deutschen Eichen ; die Dattelpalme Asiens und der südliche Kokos verschmähen die Nachbarschaft der nordischen Tanne nicht , und Libanons Zeder prangt neben den heimischen Tulpenbäumen , Zypressen , Lerchenbäumen und Pappeln ; Ahorn , Buchen , Platanen und die weiße Birke , der Sumach und die Tamarinde , Kastanien- , Nuß- und Mandelbäume stehen einzeln und gemischt in malerischen Gruppen . Alle Obstarten der bekannten Welt gedeihen hier in einem hohen Grade der Veredelung . Kirschen , Aprikosen , Apfelsinen , Pfirsichen , Pflaumen , Birnen , Äpfel , Pisang und Bananen gibt es in großer Menge ; Stauden- und Rankengewächse , voll Blüten und Beeren , laden alle Sinne zum Genuß . Myrten und Rosengesträuche bilden die Hecken um die umhegten , mit Sorgfalt angelegten Pflanzungen , wo Vanhusen die köstlichsten Ananas und Melonen zieht . Auch den Kaffeebaum und die chinesische Teestaude hat der Mühsame hierher verpflanzt , und es ist Hoffnung zu ihrem Gedeihen . Der Mais steht mit seinen breiten Blättern in Manneshöhe da , und das wallende Korn neigt die schweren Ähren zu Boden . Kartoffeln und Yams wetteifern an Ergiebigkeit ; die Baumwollenstaude , Lein und Hanf streiten um den Vorzug ; auch die feineren Gemüse fehlen nicht , und was mich vor allem entzückt , ich habe den Öl- und den Maulbeerbaum meiner Provence und die köstlichsten Rebenhügel wiedergefunden . Wir könnten hier ebenso wie Moses ' erste Menschen ein Leben ohne Mühe und Arbeit führen ; für alle unsere Bedürfnisse hat die überreiche Natur im Überfluß gesorgt . Die Dattel , der Kokos , die Kartoffel , die Yams , die Kastanie würden uns nie Mangel leiden lassen ; die saftigsten Früchte wachsen ohne Pflege , der Zuckerahorn und die Palme bieten ihren süßen Saft , der Schawanoe führt die schmackhaftesten Fische und Krebse , die Herden und das Geflügel suchen und finden leicht ihre Nahrung , und die Wälder wimmeln von Wild . Das wahre Glück kann nur bei den Tätigen wohnen , und das wohltuendste Gefühl ist das Gefühl des erfüllten Berufs . Wir haben daher unsre Zeit klüglich zwischen Arbeit und Erholung und die verschiedenen Zweige der großen gemeinsamen Haushaltung wieder unter uns geteilt . Mucius , Walter und Ellison haben die Besorgung des Ackerbaues übernommen , Pinelli , Stauffach und Vanhusen warten der Baumpflanzungen , der Gartengewächse und der Rebenhügel , Salvito und Dupont führen die Aufsicht über die Herden , und Frank und Antonio sorgen für Wildbret und Fische . Die beiden Mütter haben sich das Küchengeschäft nicht nehmen lassen , die rasche Therese und ich besorgen die Milchkammer , Zephyrine und Philippine den Hühnerhof , Rosalva und Fanny sammeln die Früchte ein , und die Bereitung der Baumwolle , des Leins und Hanfs steht unter Mariens und Luciens Aufsicht . Jeder ist nach seiner besondern Neigung und Fähigkeit angewiesen , und hüpfend und singend wird die leichte Arbeit vollbracht . Die neuen Maschinen , über deren Verbesserung und Vermehrung Frank , Walter und Antonio vieles beraten , haben die meisten Geschäfte weniger beschwerlich gemacht . Die verschiedenen Arten der Pflüge machen die Hacke fast entbehrlich , und an Zugstieren haben wir Überfluß . Mein Milchgewölbe ist in einer Felsengrotte , durch welche eine immersprudelnde Quelle sich ergießt . Bei der jetzigen Hitze stellen wir die Gefäße mit Milch auf vierundzwanzig Stunden in den flachen Bach , um dadurch das zu schnelle Gerinnen zu verhüten . An einer tieferen Stelle desselben werden die leeren Gefäße gespült , nachdem sie zuvor in heißem Wasser gereinigt sind . Wenige Schritte davon bildet der Bach einen Wasserfall , welchen Frank zur Treibung eines Rades benutzt hat und dadurch die Buttermaschine in Bewegung setzt . In diesem wird auch die Butter gewaschen , dann unter eine Presse gebracht und , mit einem kammähnlichen Instrumente , von allen Fasern gesäubert . So ist die Mühe nicht groß , mit welcher wir die köstlichste Butter bereiten . Auch für das Käsestellen , -schöpfen und -pressen sind leichte Vorrichtungen erfunden . Nichts gleicht dem Wohlgeschmack unseres Milchwerks und unserer Käse , und Therese und ich freuen uns nicht wenig , wenn bei dem Frühstück alle in laute Lobeserhebungen darüber ausbrechen . Die Herden werden von den Negern mit den ihrigen gehütet , und das Milchvieh wird von den Negerinnen gemolken , dicht neben der Grotte . Stauffach und Walter versichern , daß selbst das Schweizer Vieh der fettesten Alpen nicht so viele und so gute Milch liefere als das unsere . Die Schafmilch ist ganz vorzüglich und der Ziegenkäse unübertrefflich . Dabei bedarf das Vieh das ganze Jahr hindurch keiner Wartung . Nach Johns Aussage fiel den Winter hindurch nicht ein einziges Mal Schnee , einige Regentage bildeten den Übergang der Jahreszeit , darauf folgte Reif und ein leichter Frost , dessen Spuren jedoch die Sonne schon nach wenigen Stunden verschwinden ließ . Diese Wintertemperatur dauerte kaum vier Wochen , worauf die Bäume neu trieben und das junge Gras unter dem alten hervorwuchs . Wir werden daher auch nur eine Kleinigkeit an Heu sammeln , welches sonst nie geschehen ist , um den Tieren , zur besseren Erhaltung ihrer Gesundheit , an Regentagen und wenn Reif fällt ein Morgenfutter geben zu können . Du solltest uns sehen , liebe Adele , wie nett uns die Geschäftigkeit kleidet . Wir vergleichen einander oft mit den Mädchen in der » Odyssee « oder mit Labans Töchtern , wenn wir zum Brunnen gehen und schöpfen und der Lorbeer neben uns säuselt . Zephyrine vorzüglich ist reizend in ihrem gefiederten Reiche , wenn sie mit dem Futterkörbchen hineintritt und das ganze Heer sie jubelnd umringt ; Täubchen setzen sich ihr auf die Schultern , und sie koset mit allen auf das anmutigste oder tritt mit dem Ansehen einer Königin zwischen kämpfende Hähne , um sie zu trennen . Die herzige , muntere Philippine erfreut sich an dem Spiel ihrer reizenden Gefährtin , und beide tändeln in Kindesunschuld ihre Stunden hin . Die sanfte Marie und die stille Lucia sondern die Baumwolle , wenden den röstenden Lein und Hanf , bringen ihn unter die Klopf- , Schwing- und Hechelmaschinen und freuen sich schon auf die Zeit , wo er als Gewebe , unter ihrer Aufsicht , bleichen wird . Rosalva und Fanny sammeln in der Morgenfrühe Gemüse und Früchte für die Küche und gegen Abend für die Vorratsgrotte . Die Hausmütterchen bereiten das Mittagsmahl , wobei auch wir ihnen beistehen , wenn unsere Geschäfte früh vollendet sind und sie unser bedürfen . Der Mittag versammelt die ganze frohe Gesellschaft unter den dichtbelaubten Platanen um den steinernen Tisch . Die Geräte sind einfach , das Tischzeug fehlt , aber die Speisen sind trefflich bereitet . Feine Gemüse , saftiges Fleisch , herrliche Braten von Geflügel und Wild , Fischspeisen , Backwerk aller Art und ein Nachtisch der auserlesensten Früchte würden auch dem verwöhntesten Schmecker genügen . Der Becher geht umher und belebt den Scherz . Jetzt ist er noch vom mitgebrachten Vorrat gefüllt , künftig perlt eigener Wein , Palmensekt , Birk- und Ahornwasser darin ; jetzo ist Milch und des Quells Kristall an seiner Stelle gesunder . Die Nachmittagsstunden gehören der Ruhe und der Erholung . Erst wenn die Sonne tiefer sinkt und ein kühleres Lüftchen weht , widmen wir noch eine oder ein paar Stunden der nötigen Arbeit . Mit ihrem Untergange hören die Geschäfte auf , man versammelt sich zur kalten Abendkost , welche aus Milch , Eiern , Butter , Käse , Honig und Backwerk besteht . Darauf wird Musik gemacht , getanzt , gespielt , bis der Mond oder die Sterne uns spät zur Ruhe leuchten . So fließen unsere Tage einförmig , aber reich an Freuden dahin . Die Einrichtung der Deutschen , wie der Neger , ist der unsrigen gleich . Mucius erwirbt sich