erbaut , da können dreihundert Paare schleifen , wir haben einen Knopf auf die Hauptkirche gesetzt , der wiegt 309 Pfund . Das Sprichwort sagt : Nürnberger Hand geht durch alle Land , aber nichts geht über Augsburger Geld , das gilt in der Neuen Welt . - Übrigens wird es mit dem Gelde bald aus sein « , fuhr er bedenklich fort , » die reichen Geschlechter kaufen sich außerhalb Güter , wie kleine Königreiche , die Alten bleiben nun wohl unter uns , aber die Jungen sind schon mehr in Cadiz , Lissabon und Antwerpen , als bei uns zu Hause , und hätten unsre Zünfte nicht seit dem Aufruhr im Jahre 1368 die Hälfte der Ratsstellen zu besetzen , so würden wir vielleicht künftig von den Landgütern der reichen Geschlechter , wie Ihr von Stuttgart aus befehligt . Mit dem heimlichen Gerichte hätten sie uns gern untergezwungen , aber wir haben die heimlichen Boten mehrmals so wacker durchgebläut , daß sie nicht mehr wagen , sich unserm Weihbilde zu nahen . Hört , lieber Berthold , Ihr müßt Euer Wappen in mein Gesellenbuch malen , Ihr sprecht so vernünftig , daß ich Euch recht achte und ehre . « - » Recht gern « , antwortete Berthold » aber ich habe kein Wort gesagt , nur wollte ich Euch bemerklich machen , daß die heimlichen Gerichte eine Freiheit und keine Last , Hohe und Niedre durch gleiches , unabwendbares Gesetz richten sollten . Dazu bedurfte es des Geheimnisses , damit sich keiner dem entziehen konnte , es wurde gefürchtet und hat doch nicht halb so viel Blut vergossen , als die Halsgerichte jeder Stadt und jedes Fürsten . « - » Ich kann es doch nicht leiden « , sagte Kugler , » was ich für ehrlich halten soll , das muß öffentlich getrieben werden , schon in den Zünften sind mir zu viele Geheimnisses , ich will alles klar und deutlich . « Inzwischen waren Mutter und Tochter mit ihrem Anzuge fertig geworden und traten mit einer Laterne heraus , um den Weg nach dem Tanzsaale einzuschlagen . Die Mutter erregte diesmal die meiste Verwunderung , besonders bei Kugler , der sie nie recht anzusehen verstanden hatte , oder weil der schöne Anzug überhaupt dem Nachsommer , wegen des kalten Windes , der noch immer drin weht , nützlicher ist , genug , sie schien in der Pracht ganz verjüngt , ihre Farbe in der ungewohnten Bewegung lebhaft , ihre Augen glänzten , sie hätte eher für eine ältere Schwester , als für die Mutter gelten können ; ihr Anstand war vortrefflich und mit dem Kleide schien sie auch die angewöhnte Härte und Roheit des Ausdrucks abgelegt zu haben . Dem guten Fingerling wurde das bescheidne Los zugeworfen , ein Wächter des Hauses in dieser Nacht zu sein . Er fühlte sich dabei sehr zufrieden , da er sich heimlich auf einen schnellen Ritt nach Waiblingen vorbereitete und ausruhte , der alten Mutter diese Verlobung so gut wie möglich beizubringen , denn er machte es gern allen recht , denen er sich verpflichtet hielt . Unter großem Drang , den nur Kuglers mächtige Gestalt durchbrechen konnte , kamen sie in den herrlich beleuchteten Tanzsaal , der schon von dem Glanze der Reichen wie ein wogendes Meer blickte , während die Pfeifer und Trommelschläger durch Bässe und Posaunen verstärkt , mit den Geigen und Trompeten auf den verschiedenen Bühnen wetteiferten , sich trennten und wieder verbanden . Als aber der Kaiser ( an seiner Seite Mathäus Lang , der Bischof von Gurk ) eintrat , da verbreitete eine Stille allgemeine Ordnung . Die Gesellschaft ging paarweis geordnet an dem Kaiser vorüber und er reichte jeder Frau oder Jungfrau eine duftende Blume aus den Körben , welche seine Edelknaben hertrugen . Anna erhielt von ihm eine Rosenknospe und die Mutter eine stark aufgeblühete Rose . Beide wunderten sich über die frühzeitige Menge aller Blumen , es waren aber künstliche Blumen aus Draht und Seide , denen durch wohlriechende Öle der natürliche Geruch verliehen war . Kunz von Rosen eröffnete dann den großen Reihentanz , indem er mit einem Degen viele künstliche Fechtersprünge machte , um einen freien Raum im Saale zu gewinnen , dabei sang er : Platz , Platz uns jungen Gesellen , Wir wollen zum Tanze uns stellen , Wer reicht mir den Kranz , Ich führe den Tanz . Ich bin ein Geschlechter , Ein stattlicher Fechter , Ich kann euch beschützen Mit Messern und Witzen , Will einer euch kränken , Ich will ' s ihm nicht schenken . Kann schweben und schwanken Mit Herz und Gedanken , Kann treten und springen , Wie Pfeifen erklingen , Kann drehen und wenden Mit drückenden Händen , Mit klopfendem Herzen , Mit jauchzenden Scherzen ; Es folgen mir alle Mit freudigem Schalle , Schnell spielen die Geigen Den freudigen Reigen , Es schwanken die Dielen Je höher sie spielen , Es stäubet das Haus , Da geht es zum Schmaus , Da geht es zum Wein : Nun Liebchen , schenk ein ! » Das nenn ich ein Kränzelsingen « , rief der begeisterte Kugler und trabte scharf , wie ein Gaul , wegen seines hinkenden Beines . Berthold erschrak über sein teuflisches Trampen , aber viele andere machten es nicht besser , der gute Kaiser mochte wohl darüber so lachen , er konnte sich gar nicht beruhigen und setzte sogar des Bischofs große Brillengläser auf , um diese halsbrechende Arbeit recht genau zu betrachten . Als endlich die Männer von Schweiß triefend , als ob sie Holz gesägt hätten , ihre Schritte hemmten , ließ der Kaiser den reichen Ratsherren Stutzer zu sich kommen , von dem nachher alle windige Bursche den Namen behalten haben , und machte den Wunsch ihm bekannt , von den jungen Frauen und Mädchen unter sich einen Reihentanz aufführen zu sehen . Die Frauen traten zusammen , Stutzer berichtete , der Vortrag wurde überlegt : wer war nun alt ? Bald hätten sich die Frauen darüber verfeindet , aber Kunz sprang hinein , holte die Schönsten paarweis heraus und sagte : » Wer schön , ist jung ! « Es mochte wohl für Frau Zähringer zeugen , daß sie mit der Tochter zusammen in den Tanzkreis geführt wurde . Nun erfuhr man erst , was es heiße , zierlich zu tanzen , nie hatte ein Augsburger solche Kunst in den Frauen geahndet , was der Kaiser beim ersten Blick aufgefaßt hatte . Die trabenden , tropfenden Männer standen rings , wie verzuckt , denn die lebendigste , mannigfaltigste aller Künste , der Mittelpunkt aller , die lebendige Malerei , Bildnerei , in der nach dem Sinne der Freude und Leidenschaft wechselnde Musikbewegung sich gestaltet , die hochherrliche Tanzkunst war ihnen in dieser freudigen Nacht aufgegangen , keinem aber so schön , wie unserm Berthold , denn seine Anna übertraf alle in der Sicherheit schöner Bewegung ! So schön und kräftig war keine gewachsen , das zeigte sich erst hier durch die Anmut ihrer Bewegung , wie die Schönheit eines Bildes durch richtige Beleuchtung . Kaum wagte er mehr aufzublicken , so viel Lob erhielt sie überall , er betete in sich , daß sie keinen dieser Verehrer liebenswürdiger als ihn finden möchte , zugleich beseufzte er die vielen Jahre , die er unter den Büchern , ohne Anschauung aller lebenden Herrlichkeit hatte zubringen müssen . Dem Blute Antons dankte er diese Verwandlung , er wollte es gerne nicht vergessen und doch mochte er nicht gern daran denken , es war ihm , als ob jener dadurch auch ein Recht an seine Braut gewinne , das er niemand gönnte . Sonst war er nicht eifersüchtig , vielmehr freute er sich über den Ratmann Stutzer , der gegen die schöne Alma so viele artige Dienerlein machte , daß es wie ein Kinderspiel aussah . Dieser Stutzer war ein seltsamer Gesell , er stellte sich viel schlimmer an , als er war und hätte gern aller Welt Liebeshändel einzubilden gewünscht , die er weder haben mochte , noch hätte bestreiten können . Er sprach bald Frau Zähringer ins Ohr , bald Anna , und dann sprach er wieder halb laut vor sich , wenn er von ihnen fern , und verwünschte das Mädchen , es habe ihm ein Liebes angetan , und es könne doch nichts daraus werden , da er schon zu viel Liebschaften habe . Darum machte er Annen aus der Ferne ein ganz saures Gesicht , als ob er in ein Essigfaß gerochen , und schwänzelte dann wieder freundlich zu ihr , weil eben ein andrer mit ihr sprechen wollte . Dem allen sah Berthold mit einem Gefühle der vollkommensten Sicherheit zu und ging unbekümmert in einem Gespräche mit Kunz , der sich durch Treitssauerwein mit ihm hatte bekannt machen lassen , durch die Nebenzimmer umher . Er war verwundert über den seltsamen Mann , der neben seinen Possen den tiefsten Ernst in sich zu beherbergen vermochte . Unter den gelehrten Gesprächen über die griechische Literatur hatte ihn Kunz unbemerkt durch alle Zimmer des Hauses bis unter den Haufen geführt , der vor dem Hause unter manchem rohen Gespäß dem Feste zuzusehen strebte , aber immer wieder von kaiserlichen Hartschierern und Trabanten zurück geworfen wurde . Verwundert fragte endlich Berthold : Wohin er ihn führe und ob er ihn auch anführen wolle . - » Nein « , sagte Kunz , » aber ich habe mit Euch etwas vor , es ist mit Treitssauerwein verabredet , ich konnte es besser ausführen , weil niemand hinter meinen seltsamen Gängen und Sprüngen etwas Ernsthaftes sucht . Die Stimme unsres Volks , die Stimme Gottes , Luther ist hier , der Kardinal kann ihn nicht mit Wortstreit , nicht mit Drohungen dahin bringen , seine Sätze zurück zu nehmen , er will ihn jetzt mit heimlicher Gewalt vernichten ; ihn lebend oder tot nach Rom zu bringen , hat er Befehl und bei dem vielen armen und fremden Gesindel könnte ihm dies wohl gelingen . Luther muß fort , aber so unbemerkt , daß es morgen noch niemand weiß , daß keiner den Kaiser als Mitgehülfen seiner Flucht denken kann . Niemand wird Euch diese Kühnheit zutrauen , Euch habe ich ausersehen , diese schnelle Flocht möglich zu machen , da Ihr vor dem Tore wohnt und ein Pferd besitzt . Entscheidet Euch schnell , ob Ihr wollt , denn dort an dem erleuchteten Fenster wohnt Luther , wartet auf Euch ; sei Euch der heutige Dank im Turniere ein Vorzeichen , daß der Himmel Euch zu etwas Großem ermutigen wollte . « - Berthold schlug in die dargebotne Hand des Kunz und antwortete : » Es sei , habe mich gleich an dem kühnen Mönch erfreut , obgleich nicht viel bei der Sache herauskommen wird , es wäre doch schade , wenn er in welsche Schlingen , wie der Savonarola einginge und sie ihm ein Feuer unter den Füßen anzündeten . « - » Warum nicht viel heraus kommen ? « fragte Kunz verwundert . - » Einmal « , antwortete Berthold , » weil er nicht durchdringen kann gegen die Menge , welche ihren Vorteil in der Gelderpressung sucht und dann , weil es kein größeres Übel ist , Geld zur Abstrafung von Gewissenspflichten zu geben , unter dem Namen Ablaß , wie für Verletzung bürgerlicher Pflichten . Was hilft ' s den Ablaß abzuschaffen , wenn die Fürsten und Städte zum Besten der Reichen , alle Strafen mit Geld abkaufen lassen . Da das Bekenntnis und die Zahlung des Gelds freiwillig ist , so sind sie als Zeichen der Reue recht gut , denn das Landvolk besonders möchte lieber zehn Jahr im Sack und in der Asche büßen , als einen Kreuzer Bußgeld dafür ausgeben , und Tränen , die geben sie gar leichtsinnig aus . « - » Aber das Geld geht nach Rom und kehrt nicht wieder nach Deutschland « , sagte Kunz , » und die schrecklichen Lehren der Ablaßkrämer verderben die Menschen . « - » Die Lehren sind schon längst bei uns verlacht « , sagte Berthold , » unsre Leute sind darüber hinaus ; was aber die Geldverschleppung nach Rom betrifft , freilich , es wäre besser , Kaiser und Reich duldeten sie nicht , statt daß jetzt ein armer Mönch dies für sie durchfechten muß . Das Ablaßgeld könnten wir gut brauchen zur Führung der schweren Reichskriege , die wir mit unsern Sünden wohl verschuldet haben . « - » Freilich « , sagte Kunz , » es ist verkehrte Zeit , das Volk weiß mehr von Gottes Wort , als die Geistlichen , und ein Mönch muß für einen mächtigen Kaiser und seine Fürsten das Wort führen ! « Unter diesen Gesprächen waren sie in Luthers Zimmer getreten , der von einer ernsten Unterredung mit zweien Männern , die mit ihm das Zimmer durchschritten , abbrach und sich zu den Eintretenden wandte . » Dies ist Staupitz , der Generalvikar des Ordens , unter welchem Luther steht , jenes der edle Langemantel , Luthers Beschützer « , sagte Kunz , » und daß der in der Mitte Luther ist , steht ihm wohl an die Stirn geschrieben . « - Staupitz bat noch einmal Luthern , er möchte nachgeben , die Zeit sei nicht reif zur bessern Einsicht , aber Luther antwortete ihm , er kenne sich und seine Schüler , und sein Werk stehe nicht mehr in seiner Macht und seinem Willen . Dann ging er wieder zu einem Schreibpult und ließ die andern inzwischen mit Kunz und Berthold das Nötige zur Flucht verabreden , er ließ sich gern in den Vorsichten seines äußeren Lebens von Freunden raten . Kunz wurde weggesandt , um Frau Zähringer und ihre Tochter zu benachrichtigen , daß Berthold zu einem Geschäfte abgerufen , er könne sie nicht heimführen . Kunz ließ noch Mantel und Kappe für Luther zurück . Berthold hörte in einem nahen Zimmer Lautenspiel , und Staupitz sagte , es sei Kurfürst Friedrich , bei dem Bilde seiner geliebten Fürstin Amalia von Schwarzburg , einer gebornen Mansfelder Gräfin , zu deren Garten ihn der Hirsch mit goldnem Geweihe geführt hätte . Staupitz öffnete leise die Tür , sie sahen das hellerleuchtete Bild einer weinenden Frau in einem Lustgarten , die einen Hirsch mit goldnem Geweihe streichelt , der Kurfürst war von ihnen abgewandt . Staupitz schloß leise die Tür und sagte : » So fand er sie vor dreißig Jahren , Ihr würdet sie jetzt schwerlich wieder erkennen , aber er liebt sie noch immer in gleicher Verzweiflung , denn mit strengem Ernst hat sie ihn während dieser Jahre zu kühnen Zügen bis Jerusalem gesendet , aber seine Wünsche nie erfüllt , wenn er ihre Aufträge vollbracht hatte ; sie glaubt mit ihrer Tugend die Herrschaft über ihn zu verlieren , so stirbt er keusch und kinderlos . Unsern Luther schützt sie , Luther kann sicher sein , so lange ihr Wille dauert . Sie hatte den seltsamen Traum in der Nacht vor dem Tage , als Luther die Theses gegen den Ablaß an das Tor der Schloßkirche zu Wittenberg schlug , ein Mensch stoße mit seiner Feder dem Papst die dreifache Krone vom Haupte und zwar mit einer Feder , die von Wittenberg bis Rom reichte , sie fuhr nach Wittenberg und als sie Luther sah , von dem jedermann in den Tagen sprach , da versicherte sie , er sei es gewesen . Es ließe sich viel von der seltenen Frau sagen , die immer in andrer Welt zu leben scheint , als andre Menschen , und doch auf diese so unerbittlich wirkt , sie hat gestern geschrieben , der Kaiser werde schwach , der Kaiser werde sterben , wir sollten für Luthers Sicherheit sorgen . « - » Amen « , sagte jetzt Luther und legte die Feder nieder , » hier ist mein letztes Wort an den Kardinal und nun stehe ich in Gottes Hand , bin fertig und bereit , wohin ihr mich senden wollt . « Langemantel reichte ihm Kunzens Mantel und Kappe und Luther lächelte des seltsamen Staats , wußte ihn kaum anzulegen , dann aber erschien er darin allen bunten Lappen zum Trotz , gleich einem Herrscher mit kühnem Blick . Wie ein Gebirge Ströme nach Osten und Westen sendet , so vereinigte der Mann ein Entgegengesetztes , was sonst nirgend gefunden wird : Demut und Stolz , Bewußtsein seiner Bahn und Hingebung an andrer Rat , helle Verständigkeit und blinden Glauben ; noch war das Volk nicht reif , sich solch einem Manne nachzubilden , aber seine Gegner lernten bald so viel von ihm , wie seine Anhänger . Staupitz und Langemantel nahmen mit Ernst und Rührung von ihm Abschied . Berthold führte Luther herunter . Als Berthold die laute Freude des Festes hörte , stieg ihm wohl ein schwerer Seufzer auf , ob er nicht das nahe Glück seines Lebens an eine Angelegenheit setze , die dem ganzen Deutschland , nur ihm nicht wichtig scheine , aber er stärkte sich gleich mit seinem ritterlich gegebenen Worte . Die Gassen wurden stiller , die Brunnen geschwätziger und der scharfe Morgenwind trieb seinen Mutwillen mit den Schlafkammerfenstern ; sie waren jetzt am Tor , das in dieser Nacht wegen des Festes geöffnet blieben , sie schritten ohne Aufenthalt hindurch über die Brücke , da hörten sie mit Teilnahme des Wächters Lied : So mancher liegt in Nöten Und liegt in Liebchens Arm , Er liegt so still und warm , Der Bruder will ihn töten , Er träumt vom goldnen Ringe , Sieht nicht die blanke Klinge , Die um das Haupt ihm schwirrt . So mancher flieht in Sorgen Und steht in Gottes Hand , Der ihm den hellen Morgen zu seinem Trost gesandt , Er denkt nur seiner Feinde Und kennt nicht seine Freunde , Die Klugheit ihn verwirrt . » Bei Gott , das ist Kunzens Stimme « , sagte Berthold . - » So fand mein Herz in dem Narren Trost ! « antwortete Luther . Als sie in die angelehnte Türe des kleinen Hauses der Frau Zähringer traten , fand sich Luther , der vorangegangen , von zwei freundlichen Armen umfangen . Luther sprach : » Kein lieberes Ding auf Erden , als Frauenliebe , wem sie zu Teil mag werden ! « - - Da fuhr Anna vor der fremden Stimme erschrocken zurück und Berthold trat zu ihr , freute sich , daß sie schon heimgekommen , erklärte ihr den Irrtum , sagte aber , daß er diesem tapfern geistlichen Herrn den Gruß auf die Reise wohl gönne , zugleich stellte er Anna als Braut vor und bat um Luthers Segen zur Verlobung . - Luther sprach : » So tut , wie euer Herz begehrt , was ihr in eurem Herzen gelesen habt . Frühes Aufstehen und Freien soll niemand gereuen . Das Weib wird selig durch Kindergebären , wenn sie bleiben im Glauben und in der Liebe und in der Zucht . Der Mann arbeitet sich froh durch die Welt , wenn ein frommes Weib den Schweiß von seiner Stirne trocknet , er wirft seine Sorge auf Gott , tut recht , scheuet niemand , und freut sich an der Welt , wie auf den Himmel . Amen , es geschehe ! « - Anna dankte unter Tränen , sie blieb mit Luther allein , während Berthold sein Pferd sattelte . » Und Ihr dürft nicht heiraten ? « sagte sie mitleidig , » und wißt doch den Ehestand zu rühmen ? « - » Freilich « , sagte er , » ist es gegen des Papstes Gebot , was die Heilige Schrift gebietet : Es soll ein Bischof unsträflich sein , eines Weibes Mann ! « - Nun kam Berthold mit dem Rosse vor die Türe , Luther grüßte freundlich und trat hinaus . - » Euch fehlen ein Paar Stiefel « , sagte Berthold , » gern gäbe ich Euch die meinen , aber ich sehe , sie sind Euch zu enge . « - » Mein Vater und Großvater « , antwortete Luther , » waren arme Bauern , haben oft ohne Strümpfe und Schuhe ihre Rosse zur Schwemme geritten und so mußte ich auch tun , als ein kleiner Knabe . Und naß soll das Roß werden , als ging es in die Schwemme , acht Meilen muß ich zurücklegen , ehe ich sicheres Geleit finde . Habt Dank und lebt wohl , ich sende Euch das Roß mit meinem Dank beladen durch sichere Hand zurück . « Es wurde helle , als er forttrabte , und Berthold ging nicht ungeküßt auf sein Zimmer ans Giebelfenster , um ihm in die Ferne nachzusehen . Anna blieb noch vor der Türe , sie wollte den neuen Tag in ihre Freude hineinziehen . Ein lustiger Wind spielte in den Blumenkelchen der beiden kleinen Gärten vor dem Hause und Anna sang , indem sie ein wenig da aufräumte , was in den beiden Tagen vergessen war : Goldne Wiegen schwingen Und die Mücken singen , Blumen sind die Wiegen , Kindlein drinnen liegen , Auf und nieder geht der Wind , Geht sich warm und geht gelind . Wie viel Kinder wiegen ? Wie viel soll ich kriegen ? Eins und zwei und dreie Und ich zähl aufs neue , Auf und nieder geht der Wind , Und ich weine , wie ein Kind ! Fünfte Geschichte Die Rose Berthold mochte noch keine Stunde vom süßen Schlaf umfangen gewesen sein , als ihn ein Lärmen erweckte , es kamen kleine Steine an sein Fenster geflogen und er fürchtete für die Scheiben . Er sprang eilig auf und hoffte Annen vor dem Fenster zu erblicken . Diesmal irrte er , es war Fingerling , der zu Pferde und reisefertig ihm berichtete : er eile nach Waiblingen , mit der Mutter alles zu besprechen und auszugleichen , am Abend habe er sich deswegen gleich schlafen gelegt , als Anna zurückgekehrt , zugleich sagte er ihm , wo er die Briefe wegen der Handelsgeschäfte aufbewahrt habe . Berthold dankte ihm schlaftrunken für alle seine Liebe , hieß die Mutter schön grüßen und wollte sich wieder ins Bett legen , als ihm der Befehl des Kaisers einfiel , nach Göggingen zu gehen , wo er ihn sprechen wollte . Gleich bereitete er sich unter stetem Dehnen und Gähnen , denn der vorige Tag hatte ihn übermüdet , öffnete leise die Tür , stieg herab , ging zur unverschlossenen Haustüre hinaus und sah beim zufälligen Umblicken die liebe Anna durch das Fenster in ihrem Bette liegen . Er schlich sich in das Zimmer . Hätte sie die Augen geöffnet , kein Kaiser hätte ihn von ihr fortgezogen , denn schon jetzt war er schier entschlossen , die kaiserlichen Aufträge zu vergessen . Aber sie schlief ruhig und fest und er hing ihr , ohne daß sie es bemerkte , ein kleines silbernes Kettchen über , das er lange getragen , um einen Strauß zu bezahlen , den er vom Bette nahm und der ihm eigentlich wohl gegönnt und bestimmt war . So erfrischt durch Anblick und Duft , trat er seinen Weg freudiger an , erkundigte sich und fand die Straße , fand auch bald Herrn Treitssauerwein , der ihm bedeutsam vertraute , er schreibe an einem Werke , die Taten und Geschicke seines Herrn Maximilian zusammen zu stellen . Nun versicherte er , daß Maximilian während seiner ganzen Regierung auf so wunderbare Art in den bedeutendsten Augenblicken der Unternehmung gehemmt worden sei , daß er diese unendliche Reihe von Zufälligkeiten endlich nur aus einer sehr durchdachten Gegenkraft erklären könne , welche vielleicht jetzt kalt ihr Dasein öffentlich gegen ihn , oder gegen seinen Stamm kund tun würde , da sie in ihren Verbindungen so allgemein und dringend geworden sei . Es gehe schon lange die Sage von Sprößlingen der Hohenstaufen , die in einem unzugänglichen Schlosse der zeit warteten , den Kaiserthron zu erstreiten . Dem Kaiser sei selbst einmal , als er sich auf der Gemsenjagd verirrt und verstiegen hatte , ein Schloß erschienen und in den Wolken verschwunden , das gleichsam aus durchsichtigem Glase erbauet zu sein geschienen und eine Krone in die Wolken gestreckt habe . » Begierig staunte er das Wunderbild an , suchte sich ihm zu nähern , aber bald umzog ihn die Wolke immer dichter . Dennoch verfolgte er nach seiner Meinung die rechte Richtung , als aber der Wind die Wolken zerstreute , fand er sich in einer noch öderen Gegend wieder , wo er nichts von dem Schlosse wahrnehmen konnte , aber auch keinen Weg , um herab zu kommen , denn da , wo er hinauf gestiegen war in der Trübheit der Wolken , da war in der Klarheit kein Herabsteigen möglich . Er hatte sonst die Welt in seinem Reichsapfel spielend in Händen getragen , jetzt trug ihn die Welt spielend in ihrer luftigen Hand und schien zu zweifeln , ob sie ihn dem eignen Schwindel , oder dem Sturmwinde , oder den wilden Vögeln überlassen sollte , deren Nestern er zu nahe getreten war . Er ließ sich auf die Kniee nieder , um sich im Gebet zu verstecken , wie der Strauß , vom Jäger übereilt , den Kopf unterm Flügel birgt . Da rührte eine Hand an seine Schulter , Gottes Allgegenwart schien ihn sichtlich zu ergreifen , er blickte mit Scheu um und sah einen heiter lächelnden , blonden Lockenkopf , den er für einen Engel hielt . Aber körperlich fest ergriff der Knabe seine Hand und führte ihn mit Anstrengung zu einem schwierigen , doch gefahrlosen , sehr verborgenen Seitenwege , wo weiter keine Gefahr voraus zu sehen war . Hier blieb der Knabe und gebot ihm auf demselben , ohne sich aufzuhalten , bis zum Sonnenuntergang fort zu gehen , nie wieder zu kehren in diese Gegend und niemand von seiner Rettung etwas zu sagen , so lieb ihm sein Leben ; denn , sagte er , ich war geschickt , dich herab zu stoßen , aber dein mildes Antlitz machte mich ungehorsam und ich rettete dein Leben und wage jetzt das meine , wenn ich nicht dein Schwert mitbringe , das mir als Wahrzeichen zu bringen geboten . - Milde reichte der Kaiser dem Knaben das Schwert und sagte ihm , es sei das Schwert Karls des Großen , zugleich bat er ihn um Aufschluß über die Geschichte des Schlosses und der Menschen , die es bewohnten . Aber leichtfüßig , ohne Antwort , war schon der Knabe mit dem Schwerte entschwunden , der Kaiser traf nach mehreren Tagen auf Bergbewohner , die ihn zu den Seinen führten . Er schwieg wirklich , sagte , daß er sein Schwert beim Klettern verloren habe , und ließ heimlich ein gleiches machen . Erst nach mehreren Jahren hat er mich jetzt , wo er sich am Rande seines Lebens fühlt , ins Vertrauen gezogen , nachdem ihm auf andern Wegen die Sage von Abkömmlingen der Hohenstaufen bestätiget worden ist ; er fürchtet für seinen Sohn und für die großen Entwürfe seines Lebens . Er wünscht von Euch Nachforschung über die geheimen Führer des Bauernaufruhrs , der im Jahre 1514 um Waiblingen bei Beutelspach scheinbar wegen Maß und Gewicht ausbrach , eigentlich aber wohl von der Brüderschaft des Armen Konrad , worunter Konradin von Schwaben gemeint , angestiftet worden sei . « - Berthold lächelte und meinte : » Ich bin zwar hinfällig in dieser Zeit gewesen , daß ich nur das Notwendigste zur Sicherheit unsrer Stadt anordnen konnte , aber so viel ich damals gehört , so hat dieser Konrad nichts mit Konradin zu tun , es war ein Bauernscherz , sie wußten sich keinen Rat , wer sie führen sollte , da keiner gern seinen Hals daran setzen mochte , darum nannten sie ihren unsichtbaren Führer Keinrat , daraus wurde in ihrer Aussprache Konrad . Die Sage bildet gern etwas Zweideutiges in der Geschichte , so wurde auch dieser Name , wie die Orakel der Alten , zweifach ausgelegt . « - Treitssauerwein antwortete : » Das Nächste täuscht am leichtesten , denn aus Gewohnheit kommen wir darauf , nichts Ungewohntes darin zu vermuten ; glaubt mir , am armen Konrad war der Ernst früher , als der Scherz , der ihm zum Deckmantel dienen sollte . « - Sie hatten sich unterdessen dem Kaiser genähert , der , mit der Armbrust hinter einem Dornbusche versteckt , ihnen Stille zuwinkte , weil seine Hunde ihm einen Hasen eben schußrecht herantrieben . Inzwischen hatten sie beide doch schon dem Hasen zur Warnung gedient , er sprang seitwärts , der Kaiser nahm ohne Zorn den Bolzen von der Armbrust , rief die Hunde und schickte sie mit den Jägern zurück . Der Kaiser sprach : » Nicht wahr , mein lieber Bürgermeister , es steht eigen mit der Welt , wenn sie einen Jäger zum Kaiser hat ! « - » Gnädiger Kaiser « , antwortete Berthold , » ich habe eben vernommen , wie die Gemsenjagd Euch einst auf so seltsame Entdeckung gebracht , demnach möchte auch diese Neigung wohl zu Eurem Besten Euch eingepflanzt sein . « - » Zu meiner Gesundheit wenigstens « , sagte Maximilian , » wohl tat unser Freund Gelegenheit etwas für uns , aber unser Feind Ungelegenheit machte alle Nachforschungen darüber bisher vergeblich . Wir nahmen ' s damals nicht ernst genug , wir merken erst jetzt an manchem Widerstande der Kurfürsten , daß sie mehr von der Sache wissen , als wir bei aller offenen Macht und heimlichen Kundschaft . Wir haben Euch erwählt , lieber Bürgermeister , weil Ihr uns durch Marx und Kunz empfohlen seid , und keiner auf Euch rät , uns Aufschluß in der Sache zu verschaffen . « - Berthold erklärte sich bereit , aus allen Kräften mitzuwirken , und es ging ihm ängstlich im Kopfe herum , ob er nicht dem Kaiser