und an die blaue Blume erinnern : durchaus sollten zugleich die entferntesten und verschiedenartigsten Sagen verknüpft werden , Griechische , orientalische , biblische und christliche , mit Erinnerungen und Andeutungen der Indischen wie der nordischen Mythologie . Die Kreuzzüge . Das Seeleben . Heinrich geht nach Rom . Die Zeit der Römischen Geschichte . Mit Erfahrungen gesättigt kehrt Heinrich nach Deutschland zurück . Er findet seinen Großvater , einen tiefsinnigen Charakter , Klingsohr ist in seiner Gesellschaft . Abendgespräche mit den beiden . Heinrich begiebt sich an den Hof Friedrichs , er lernt den Kaiser persönlich kennen . Der Hof sollte eine sehr würdige Erscheinung machen , die Darstellung der besten , größten und wunderbarsten Menschen aus der ganzen Welt versammelt , deren Mittelpunkt der Kaiser selbst ist . Hier erscheint die größte Pracht , und die wahre große Welt . Deutscher Charakter und Deutsche Geschichte werden deutlich gemacht . Heinrich spricht mit dem Kaiser über Regierung , über Kaiserthum , dunkle Reden von Amerika und Ost-Indien . Die Gesinnungen eines Fürsten . Mystischer Kaiser . Das Buch de tribus impostoribus . Nachdem nun Heinrich auf eine neue und größere Weise als im ersten Theile , in der Erwartung , wiederum die Natur , Leben und Tod , Krieg , Morgenland , Geschichte und Poesie erlebt und erfahren hat , kehrt er wie in eine alte Heimath in sein Gemüth zurück . Aus dem Verständniß der Welt und seiner selbst entsteht der Trieb zur Verklärung : die wunderbarste Mährchenwelt tritt nun ganz nahe , weil das Herz ihrem Verständniß völlig geöffnet ist . In der Manessischen Sammlung der Minnesinger finden wir einen ziemlich unverständlichen Wettgesang des Heinrich von Ofterdingen und Klingsohr mit andern Dichtern : statt dieses Kampfspieles wollte der Verfasser einen andern seltsamen poetischen Streit darstellen , den Kampf des guten und bösen Prinzips in Gesängen der Religion und Irreligion , die unsichtbare Welt der sichtbaren entgegen gestellt . » In bacchischer Trunkenheit wetten die Dichter aus Enthusiasmus um den Tod . « Wissenschaften werden poetisirt , auch die Mathematik streitet mit . Indianische Pflanzen werden besungen : Indische Mythologie in neuer Verklärung . Dieses ist der lezte Akt Heinrichs auf Erden , der Übergang zu seiner eignen Verklärung . Dieses ist die Auflösung des ganzen Werks , die Erfüllung des Mährchens , welches den ersten Theil beschließt . Auf die übernatürlichste und zugleich natürlichste Weise wird alles erklärt und vollendet , die Scheidewand zwischen Fabel und Wahrheit , zwischen Vergangenheit und Gegenwart ist eingefallen : Glauben , Fantasie , Poesie schließen die innerste Welt auf . Heinrich kommt in Sophieens Land , in eine Natur , wie sie seyn könnte , in eine allegorische , nachdem er mit Klingsohr über einige sonderbare Zeichen und Ahndungen gesprochen hat . Diese erwachen hauptsächlich bei einem alten Liede , welches er zufällig singen hört , in welchem ein tiefes Wasser an einer verborgenen Stelle beschrieben wird . Durch diesen Gesang erwachen längstvergessene Erinnerungen , er geht nach dem Wasser und findet einen kleinen goldenen Schlüssel , welchen ihm vor Zeiten ein Rabe geraubt hatte , und den er niemals hatte wiederfinden können . Diesen Schlüssel hatte ihm bald nach Mathildens Tode ein alter Mann gegeben , mit dem Bedeuten , er solle ihn zum Kaiser bringen , der würde ihm sagen , was damit zu thun sei . Heinrich geht zum Kaiser , welcher hocherfreut ist , und ihm eine alte Urkunde giebt , in welcher geschrieben steht , daß der Kaiser sie einem Manne zum lesen geben sollte , welcher ihm einst einen goldenen Schlüssel zufällig bringen würde , dieser Mann würde an einem verborgenen Orte ein altes talismanisches Kleinod , einen Karfunkel zur Krone finden , zu welchem die Stelle noch leer gelassen sei . Der Ort selbst ist auch im Pergament beschrieben . - Nach dieser Beschreibung macht sich Heinrich auf den Weg nach einem Berge , er trifft unterwegs den Fremden , der ihm und seinen Eltern zuerst von der blauen Blume erzählt hatte , er spricht mit ihm über die Offenbarung . Er geht in den Berg hinein und Cyane folgt ihm treulich nach . Bald kommt er in jenes wunderbare Land , in welchem Luft und Wasser , Blumen und Thiere von ganz verschiedener Art sind , als in unsrer irdischen Natur . Zugleich verwandelt sich das Gedicht stellenweise in ein Schauspiel . » Menschen , Thiere , Pflanzen , Steine und Gestirne , Elemente , Töne , Farben , kommen zusammen wie Eine Familie , handeln und sprechen wie Ein Geschlecht . « - » Blumen und Thiere sprechen über den Menschen . « - » Die Mährchenwelt wird ganz sichtbar , die wirkliche Welt selbst wird wie ein Mährchen angesehn . « Er findet die blaue Blume , es ist Mathilde , die schläft und den Karfunkel hat , ein kleines Mädchen , sein und Mathildens Kind , sitzt bei einem Sarge , und verjüngt ihn . - » Dieses Kind ist die Urwelt , die goldne Zeit am Ende . « - » Hier ist die christliche Religion mit der heidnischen ausgesöhnt , die Geschichte des Orpheus , der Psyche , und andere werden besungen . « - Heinrich pflückt die blaue Blume , und erlöst Mathilden von ihrem Zauber , aber sie geht ihm wieder verlohren , er erstarrt im Schmerz und wird ein Stein . » Edda ( die blaue Blume , die Morgenländerinn , Mathilde ) opfert sich an dem Steine , er verwandelt sich in einen klingenden Baum . Cyane haut den Baum um , und verbrennt sich mit ihm , er wird ein goldner Widder . Edda , Mathilde muß ihn opfern , er wird wieder ein Mensch . Während dieser Verwandlungen hat er allerlei wunderliche Gespräche . « Er ist glücklich mit Mathilden , die zugleich die Morgenländerinn und Cyane ist . Das froheste Fest des Gemüths wird gefeyert . Alles vorhergehende war Tod . Letzter Traum und Erwachen . » Klingsohr kömmt wieder als König von Atlantis . Heinrichs Mutter ist Fantasie , der Vater ist der Sinn , Schwaning ist der Mond , der Bergmann ist der Antiquar , auch zugleich das Eisen . Kaiser Friedrich ist Arktur . Auch der Graf von Hohenzollern und die Kaufleute kommen wieder . « Alles fließt in eine Allegorie zusammen . Cyane bringt dem Kaiser den Stein , aber Heinrich ist nun selbst der Dichter aus jenem Mährchen , welches ihm vordem die Kaufleute erzählten . Das selige Land leidet nur noch von einer Bezauberung , indem es dem Wechsel der Jahreszeiten unterworfen ist , Heinrich zerstört das Sonnenreich . Mit einem großen Gedicht , wovon nur der Anfang aufgeschrieben ist , sollte das ganze Werk beschlossen werden . Die Vermählung der Jahrszeiten Tief in Gedanken stand der neue Monarch . Er gedachte Jezt des nächtlichen Traums , und der Erzählungen auch , Als er zu erst von der himmlischen Blume gehört und getroffen Still von der Weißagung , mächtige Liebe gefühlt . Noch dünkt ihm , er höre die tiefeindringende Stimme , Eben verließe der Gast erst den geselligen Kreis Flüchtige Schimmer des Mondes erhellten die klappernden Fenster Und in des Jünglings Brust tobe verzehrende Glut . Edda , sagte der König , was ist des liebenden Herzens Innigster Wunsch ? was ist ihm der unsäglichste Schmerz ? Sag es , wir wollen ihm helfen , die Macht ist unser , und herrlich Werde die Zeit , nun du wieder den Himmel beglückst . Wären die Zeiten nicht so ungesellig , verbände Zukunft mit Gegenwart und mit Vergangenheit sich , Schlösse Frühling sich an den Herbst , und Sommer an Winter , Wäre zu spielenden Ernst Jugend mit Alter gepaart : Dann mein süßer Gemahl versiegte die Quelle der Schmerzen , Aller Empfindungen Wunsch wäre dem Herzen gewährt . Also die Königinn ; freudig umschlang sie der schöne Geliebte : Ausgesprochen hast du warlich ein himmlisches Wort , Was schon längst auf den Lippen der tiefer fühlenden schwebte Aber den deinigen erst rein und gedeyhlich entklang . Führe man schnell den Wagen herbey , wir holen sie selber Erstlich die Zeiten des Jahrs , dann auch des Menschengeschlechts . Sie fahren zur Sonne , und hohlen zuerst den Tag , dann zur Nacht , dann nach Norden , um den Winter , alsdann nach Süden , um den Sommer zu finden , von Osten bringen sie den Frühling , von Westen den Herbst . Dann eilen sie zur Jugend , dann zum Alter , zur Vergangenheit , wie zur Zukunft . - Dieses ist , was ich dem Leser aus meinen Erinnerungen , und aus einzelnen Worten und Winken in den Papieren meines Freundes habe geben können . Die Ausarbeitung dieser großen Aufgabe würde ein bleibendes Denkmal einer neuen Poesie gewesen seyn . Ich habe in dieser Anzeige lieber trocken und kurz seyn wollen , als in die Gefahr geraten , von meiner Fantasie etwas hinzuzusetzen . Vielleicht rührt manchen Leser das Fragmentarische dieser Verse und Worte so wie mich , der nicht mit einer andächtigern Wehmuth ein Stückchen von einem zertrümmerten Bilde des Raphael oder Correggio betrachten würde . L. T.