und Schluchten zu sammeln begannen , ein stärkerer Zug der Munitionskarren und Lastthiere nach den Batterieen , bildeten allein diese Anzeichen für den Kundigen . Unter einer Korkeiche , deren mageres Schattendach noch durch ausgespannte Leinentücher verstärkt war , saß , um einen niedern schmalen Tisch von Fichtenbrettern , eine Anzahl französischer Offiziere , meist zu dem hier lagernden dritten Zuaven-Regiment gehörig , dazwischen die Uniformen verschiedener anderer Corps , Artilleristen der auf dem Sapunhügel erbauten Mörserbatterie , und zufällige Gäste , darunter zwei Offiziere der sardinischen Bersaglieri . Die Unterhaltung flog bald heiter , bald ernst über hundert verschiedene Gegenstände und kreuzte sich in Scherzen und Mittheilungen , bis dazwischen wieder die Erzählung Eines oder des Andern eine allgemeinere Aufmerksamkeit für kurze Zeit fesselte . Der seltenste Gegenstand , der berührt wurde , war auffallender Weise das bevorstehende Bombardement . » Sie trafen gestern in Kamiesch ein ? « » Die Veloce warf vorgestern Abend Anker . Wir brachten die Nachrichten , die das Bülletin gestern veröffentlicht hat . « » Man hört schöne Geschichten von Kertsch , Herr Kamerad von der See ? Wenn nur die Hälfte wahr ist , muß es verteufelt locker dort zugegangen sein . « Der Marineoffizier sah sich vorsichtig um . » Sind Engländer am Tisch ? « » Daß ich nicht wüßte ! Nein - wir sind zufällig noch unter uns ! « » Dann , meine Herren , muß ich Ihnen sagen , daß unsere werthen Verbündeten , die Engländer und Türken , sich auf das Abscheulichste benommen und Dinge in einer unvertheidigten Stadt begangen haben , die uns der Schmähung von ganz Europa aus setzen werden . « » Mordioux ! um das zu sagen , - warum braucht man da die Anwesenheit der Beafsteaks zu fürchten ! « rief ein Offizier . » Wenn Sie die Güte haben wollen , mir Ihre Zeit zu bestimmen , Capitain Parquez , « sagte der Marine-Lieutenant höflich , » so hoffe ich Sie zu überzeugen , daß es der Mannschaft der Veloce in keiner Weise an Muth fehlt . « » Unsinn ! Estas en vestra camisa ? Davon kann keine Rede sein ! Capitain Parquez hat nicht daran gedacht , an dem Ruf der Männer von der Veloce zu zweifeln . Außerdem - Sie sind mein Gast . « Der gascognische Capitain murmelte einige Worte . » Kommandant de Narbonne Lara hat vollkommen meine Meinung ausgedrückt . « Der See-Offizier verbeugte sich freundlich . - » Auch that ich die Frage nur , weil ich nicht Unbetheiligte verletzen wollte . Die Art und Weise aber , wie unter den Augen des Generals Brown und Vice-Admirals Lhons von den englischen Soldaten und Matrosen verfahren wurde , war empörend . « » Man hörte doch von einem Befehl des britischen General Brown , « bemerkte ein Offizier der Chasseurs d ' Afrique , » daß jeder Mann , der nach Dunkelwerden in der Stadt betroffen würde , gepeitscht werden solle ? « Allgemeines Gelächter . - » Der Befehl existirt , « bestätigte der Lieutenant der Veloce , » aber er galt nur in Jenikale und paßt übrigens für englische Soldaten und Matrosen . Unter uns - eine große Vertheidigung der Küste und des Zugangs zum Asow ' schen Meer fand nicht statt , die wenigen Batterieen wurden von der Flotte bald zum Schweigen gebracht und Kertsch ohne Widerstand übergeben . « » Die Russen sollen über Hals und Kopf sich auf allen Punkten zurückgezogen haben ? « » Das ist ihr System . Die Geschütze wurden unbrauchbar gemacht , die Magazine geleert oder gesprengt . Die ganze Küste glich in der Nacht , nachdem wir bei Ambalaki gelandet , einer Reihe ledernder Vulkane . Dennoch fand die verbündete Armee noch kolossale Vorräthe nicht allein in den Schiffsarsenalen , sondern namentlich an Getreide in den Magazinen . « » Ei , so hoff ' ich , werden uns die Commissaire bald ein besseres Brot liefern , als das hier auf meinem Messer . « » Täuschen Sie sich nicht , Lieutenant Brande , « lachte der Schiffsoffizier . » Bei meinem Abgang hatte die Flotte bereits 248 Schiffe mit Getreide vernichtet und in Kertsch allein wurden über 2 Millionen Kilogramms verbrannt . « » Ader doch blos Vorräthe der Regierung ? « » Ich glaube nicht , - man hat keinen Unterschied zwischen dem Privateigenthum der Kaufleute und den Vorräthen der Regierung gemacht . Selbst das große Magazin des österreichischen Consuls , das geschickt unter der Form einer Villa versteckt war , wurde angezündet . General d ' Autemarre schlug zwar vor , die Getreidemassen nach Constantinopel und unseren Lägern zu schaffen , oder wenigstens allen französischen und englischen Kauffahrern in Kamiesch und Balaclawa zu gestatten , hier umsonst Ladung zu nehmen , aber unsere Verbündeten eilten , ihren Hauptzweck zu erfüllen : den Russen möglichst viel materiellen Schaden zuzufügen . « » Sie wollten uns die Zerstörung von Kertsch erzählen , Kamerad , « sagte der Kommandant des zweiten Bataillons , dü Moulin . » Wir rückten am Freitag , den 25. , ein , marschirten aber sofort nach Jenikale weiter , indem nur eine kleine Abtheilung Franzosen , dagegen ein Regiment Engländer und der größte Theil der Türken unter Reschid Pascha zurückblieb . Außerdem war eine Zahl britischer Matrosen und Marinen gelandet und hatte den Auftrag , die Regierungsfabriken und eine Privatfabrik zur Verfertigung von Miniékugeln und Patronen zu zerstören . Viele der wohlhabenderen Bewohner und die Beamten hatten mit der russischen - wie ich hörte , wenig über 2000 Mann starken - Besatzung die Stadt verlassen . Die Zurückgebliebenen aber kamen den Truppen an den Thoren nach ihrem Landesbrauch mit Brot und Salz entgegen , und es wurde ihnen Schutz des Lebens und Eigenthums zugesagt . - Wie gesagt , unsere Truppen rückten noch an dem Vormittag weiter , kaum aber hatten sie die Stadt verlassen , so begannen die abscheulichsten Scenen der Plünderung . Die Thüren der verschlossenen Häuser wurden erbrochen - was nicht fortgeschleppt werden konnte , muthwillig zertrümmert . Mord und Notzucht wütheten in allen Straßen , die Horden der Zigeuner und der Tataren machten bald mit den Soldaten und Matrosen gemeinschaftliche Sache und führten sie von Haus zu Haus der russischen Kaufleute und Handwerker , ihnen dort neue Opfer der Habsucht oder der Wollust zeigend . Die Bevölkerung unterlag , völlig wehrlos , der viehischen Brutalität und es wurden Thaten verübt , deren sich Karaiben schämen könnten ! « » Und geschah Nichts , dem zu steuern ? « » Capitain Fontain schickte täglich Patrouillen aus , so lange wir auf der Rhede ankerten - aber was halfen die Wenigen , die nicht einmal das Recht hatten , gegen die Engländer einzuschreiten ! Ich selbst schoß einen türkischen Marodeur nieder , der betrunken die Straße daher taumelte , auf seinen blutigen Säbel einen Säugling gespießt5 . In fast allen Häusern waren Fenster und Thüren zertrümmert , die Möbel zerschlagen , die Betten und Matratzen aufgeschlitzt aus bloßer Zerstörungslust . Die Plünderung dauerte noch fort , als wir am 3. zurückstellen . Wäre sie nicht von so abscheulichen Scenen begleitet gewesen , man hätte lachen müssen über die Unvernunft dieser Raubsucht . Ich sah Matrosen sich müde schleppen an einem alten Lehnstuhl , an schweren Federbetten oder an einem hölzernen Heiligenbild mit einer Glorie von Blech um den Kopf . Einzelne machten freilich vorzügliche Beute . Ihrer Majestät 79. Regiment zum Beispiel stahl eine große Quantität Silberzeug aus einem der Häuser . « » Ich hörte , daß das berühmte Museum von Kertsch mit den Alterthümern klassischer Vorzeit zerstört worden ? « fragte Capitain Stahl . » Bis auf die letzte Scherbe ! - Wilde hätten nicht ärger hausen können ! Man begriff nicht , wie die Wuth weniger Menschen in so kurzer Zeit eine solche Verheerung anrichten konnte . Ich fand den Fußboden des Museums fußhoch mit zerbrochenem Glas , Bruchstücken von Statuen , Vasen , Urnen , dem kostbaren Staub großer Erinnerungen , den sie einschlossen , und halbverkohlten Stücken Holz und Knochen bedeckt . Kein Stückchen von Etwas , das sich zerbrechen oder verbrennen ließ , war vom Hammer oder Feuer verschont geblieben . Die Schränke und Regale waren von den Mauern gerissen , das Glas in Atome zerschmettert , die Statuen in Stücke zerklopft ; es war kaum möglich zu errathen , was sie früher gewesen waren . Eben so barbarisch hatte man an dem Grabmal des Mithidrates gehaust . « » Und Sie konnten Nichts dagegen thun ? « » Als ich hinkam - war bereits das Werk vollendet . Wenige Schildwachen vor alle diese Gebäude gestellt , hätten sie vor der jämmerlichen Zerstörung gerettet . Wie naiv unter solchen Scenen blutigen Schreckens es auch klingen mag - ich mußte wenigstens meiner Entrüstung Worte geben und schrieb sie mit Bleistift auf den weißen Thürflügel des Eingangs6 . « » Das ist das Loos des Krieges , « murrte Capitain Mongin . » Wozu uns um das alte Gerümpel ärgern , wir haben wichtigere Dinge in der Nähe . Sie haben also gleichfalls noch keine Ordre beim Zweiten , Blanchet ? « » Parbleu - nein ! - ich glaube , man wird die Garden beschäftigen und uns in den Laufgräben lassen . « Der alte Capitain lächelte hämisch : » Unsere Jungen sollen ihnen einen empfindlichen Streich gespielt haben , « flüsterte er - » es ist gut , daß Polkes seit heute Morgen fort ist . « Sein Nachbar nickte lächelnd . » Geht heute Jemand zu den Briten ? Wann beginnt das Rennen ? « » Méricourt wollte hinüber . Ich wette , die Narren jagen den Hund mitten zwischen die Batterieen hinein . Man sollte ihnen die Spielereien verbieten . « » Lassen Sie ihnen immerhin das Vergnügen , Kommandant , « bemerkte lachend der Chasseur-Offizier . » Ihre Prahlerei , besser zu reiten als wir , hat ihnen höchstens bei Balaclawa Vortheil gebracht , als die russischen Ulanen sie jagten . « » Haben Sie Mistreß Duberly reiten sehen ? « fragte ein Lieutenant . » Ei , die Méricourt gestern besuchte und zu heute einlud ? Der Teufel soll mich holen , eine hübsche Frau , aber doch nicht so interessant und noch lange keine so kühne Reiterin , wie die schöne Sardinierin . Wie heißt sie doch , Herr Kamerad ? « » Sie meinen die Gräfin Pisani , « sagte höflich der Bersaglieri . » Es ist eine Ungarin und ich sah nie eine schönere und festere Hand ein Pferd regieren . « » Dabei sieht sie sehr blaß und leidend aus . Es ist Thorheit , eine Dame den Strapazen dieses Feldzugs auszusetzen . « » Der General , ihr Gemahl , soll sehr eifersüchtiger Natur sein , « berichtete der Sarde . » Er soll sie im vorigen Jahre während des Donau-Feldzuges geheirathet haben und ein famoses Vermögen mit ihr . « » Jedenfalls ist Ihr Oberst besser daran , wenn sie unfreiwillig gefolgt ist , « sagte lachend Lieutenant Rouet , » als unser armer Delorny vom Genie , der nach Dépuis Tod hierher kam . Sie haben doch von der pikanten Geschichte mit seiner Heirath gehört ? « » Nein ! - Was ist ' s ? - Erzählen Sie . « » Ei , der Charivari und mehrere andere Journale theilten schon vor einem halben Jahre den Prozeß mit . « » Pah - wer findet in den Laufgräben den Charivari oder die Gazette des Tribüneaur ? - Die Engländer sind in dieser Beziehung besser bedient . « » Ja - in dieser einzigen . Kannte Jemand von Ihnen Madame d ' Alembert ? « » Bedenken Sie , Rouet , daß wir aus Afrika kommen ! « » Nun - man ist auf Urlaub in Paris . Ueberdies war Herr von Alembert ehemals ein wackerer Offizier und Madame die Tochter des Generals Valpré aus der Kaiserzeit . D ' Alembert war gelähmt und brachte seine letzten Lebenslage im Spital zu Val de Grace zu , Madame aber wohnte bei der Gattin eines unserer Generale und lernte dort Delorny kennen . Die Dame war 40 Jahr , als ihr Gatte im März des vorigen Jahres starb und verliebte sich in den jungen Capitain , der sich die Sache anfangs gefallen ließ , ohne jedoch von Heirath zu sprechen . « » Caramba ! Da hatte er Recht ! « » Aber Madame d ' Alembert sah die Sache nicht von dieser Seite an . Sie nahm im vorigen Sommer Opium - zwei Mal sogar - und wollte sterben ! Der Arzt erklärte wenigstens , sie werde die Nacht nicht überleben , und Delorny fühlte ein menschliches Rühren in seinem Gewissen und ließ sich mit ihr - wie man sagt - in extremis trauen . « » Und dann wurde die Dame plötzlich gesund ? Cap de Bious - ich wittere den Braten . « » Richtig - nur nicht ganz so rasch . Delorny soll sich dann haben bewegen lassen , die Trauung in der Kirche St. Thomas zu wiederholen , doch heimlich , ohne Zeugen und Ausweis der Kirchenbücher . Madame behauptet zwar , die Ehe sei vollzogen trotz ihrer vierzig Jahre - Delorny weigerte sich jedoch , ohngeachtet der gerichtlichen Klage , irgend einen Schritt zur Legitimation zu thun , hielt sich von ihr entfernt und verschwand endlich ganz . Erst vor einem Monat erfuhr die zärtliche Gattin , baß er sich zur Orient-Armee hatte versetzen lassen und machte sich auf , ihm zu folgen . Vorgestern traf sie , in Begleitung des Feld-Almosenier Tenelli und der Obersten Brancion , von Constantinopel hier ein und überraschte gestern den ungetreuen Flüchtling , der sich Nichts weniger träumen ließ , als diesen Besuch . « » Ich kann mir die Scene denken ! « » Vielleicht doch nicht , wie sie in Wirklichkeit war . Delorny wurde grob , so daß Brancion ihn fordern wollte , die zärtliche Frau aber brachte sich mit einem Dolch , den sie im Kleide verborgen trug , zwei Stiche in der Nähe des Herzens bei . « » Hol ' der Teufel die Tollheit der Weiber ! « » Namentlich der alten , Capitain ! Man hat ihr zwar glücklich die Waffe entrissen , ehe sie sich wirklich tödten konnte , was für Delorny wohl das Beste gewesen wäre , aber die Geschichte hat das ganze Hauptquartier in Alarm gebracht und General Pelissier wüthet noch ärger gegen allen Frauenbesuch , als bisher , und hat geschworen , daß , mit Ausnahme der Marketenderinnen , der Profoß Alles aus dem Lager spediren soll , was einen Unterrock trägt . « » Der General scheint demnach kein so galanter Verehrer des schönen Geschlechts , wie sein Vater , « sagte lachend der deutsche Medecin-Major , der eben mit Méricourt und dem Engländer zum Tisch getreten war und Platz nahm . » Ah , sieh ' da , Doctor ! Setzen Sie sich hierher . Was wissen Sie denn von dem Vater des Generals ? - ich denke , die Familie ist ziemlich unbekannt . « » Der Zufall machte mich mit Umständen vertraut , « erzählte der Arzt , » die vielleicht dem General selbst ganz fremd sind und er ahnt wahrscheinlich gar nicht einmal die Existenz einer Schwester . « » In Frankreich ? « » Nein - in meiner Heimath ; Einige von Ihnen wissen wohl , daß ich aus Berlin bin . « » Und dort lebt eine Schwester des Generals ? « » Nicht in Berlin selbst - aber doch in der Nähe . Es ist eine sehr achtbare Dame , die Gattin einen angesehenen Kaufmanns , Namens Mertens in Mittenwalde , einem kleinen Städtchen unsern der Preußischen Hauptstadt . Ihre Mutter war eine Mademoiselle Dütertre in Berlin und hatte ein Verhältnis mit dem Capitain François Pelissier vom 18. Voltigeur-Regiment , der als Adjutant Dudinot ' s 1808 in Berlin sich aufhielt . Die Familie besitzt noch ein Portrait dieses Capitain Pelissier , des Vaters der Madame Mertens , in der Uniform seines Regiments , und einen Brief an seine Geliebte , in dem er seine Freude über die Geburt der Tochter ausspricht . Später hat jedoch weder Mutter noch Kind je wieder von ihm gehört . « » So würde dies eine ältere Schwester des Marschalls sein , denn so viel ich weiß , ist er erst 44 Jahr . « » Er gehört zur jüngern Schule der Afrikaner , « bemerkte der Vicomte . » Pelissier , Bosquet , Changarnier , Lamoriciere , Mac-Mahon - sie sind Alle aus Bügeaud ' s Erziehung hervorgegangen . Er wurde frühzeitig nach Algier gesandt , weil er in Paris ein ziemlich wildes Leben führte und Schulden machte . « » Bah - wer thäte das nicht ! Man liebt , man trinkt , man spielt ! Wozu wäre das Leben da ? « » Wissen Sie denn , daß Letour , der berüchtigtste Grec von Paris , sich in Kamiesch eingefunden hat ? « » Der Doctor ? « » Ja , ich sah ihn gestern - die Lagerpolizei wird ihm hoffentlich bei Zeiten den Weg weisen . « » Warum nennt man ihn den Doctor ? « fragte Welland , - » ist er ein Arzt ? « » Das nicht - er gab der Fakultät bloß eine kleine Lection . Sie müssen die Geschichte in Paris vernommen haben . « » Ich bin nicht so glücklich . « » Nun , so hören Sie . Letour ist , wie gesagt , einer der gewandtesten Grecs und äußerst schlau der Polizei gegenüber . Er wußte , daß Herr Düport , eine der medicinischen Celebritäten von Paris , sehr reich und gleichzeitig ein leidenschaftlicher Spieler war , aber es gelang ihm weder den Doctor in ein Spielhaus zu locken , noch sich in den Salons Zutritt zu verschaffen , die jener besuchte . Er miethete deshalb ein comfortables Logis , legte sich zu Bett und ließ den Doctor Düport rufen . Dieser kommt , fühlt den Puls , verordnet einen Trank und verspricht Abends wiederzukommen . Dies erwartete man . In der Thal , als er eintrat , fand er im Zimmer des Kranken einen Tisch , an welchem mehrere Herren , wie sie sagten , um ihren Freund zu zerstreuen , spielten . Der Tisch war mit Gold bedeckt . - Es geht mir viel besser , Doctor , sagte der vorgebliche Kranke und fügte nach einigen Worten über seinen Zustand bei : Sie haben eine glückliche Physiognomie , möchten Sie wohl die Güte haben , einige Parthieen für mich zu machen ? - Gern , erwiderte der Arzt . Der Grec gab ihm 10 Louisd ' ors und der Doctor fing an zu spielen . Er war sehr glücklich , gewann 100 Louisd ' ors , zählte sie dem Kranken hin und meinte , daß er öfter Lust gehabt , halbpart mit ihm zu machen . Aufgeschoben ist nicht aufgehoben , meinte der Grieche . Wenn Sie morgen einige Augenblicke Zeit haben , so kommen Sie . Ich werde diese Herren einladen und wir machen eine Partie . Doctor Düport stellte sich pünktlich ein und associirte sich mit seinem Kranken , der sich ziemlich wohl befand . Zuerst ließ man ihn einige Louis gewinnen , aber bald drehte sich die Chance und in drei Besuchen verlor der Doctor nicht weniger als 25000 Franken . Zu spät sah er ein , daß er betrogen sei ; denn als er das vierte Mal wieder kam , um Revanche zu nehmen , war das Nest ausgeflogen . « » Was kommt dort für Cavalkade ? « fragte ein Offizier , der zufällig aufgestanden . » Wo ? - dort ? - ich glaube , es ist Feverrier - der Bursche muß es eilig haben . « » Nein - ich meinte da nach der andern Seite - die Staubwolke ? « Der Brigade-Adjutant war herangesprengt . » Meine Herren , der Oberst läßt Sie wissen , daß der General en Chef sogleich mit dem ganzen Stab hier sein wird . Die Leute sollen aber in ihrer Beschäftigung bleiben - wie ich sehe also bei der Mahlzeit . Sie wissen , der General liebt es nicht , zu geniren und ist heute ohnehin nicht besonderer Laune . « » Wie so - was giebt es - erzählen Sie , Feverrier ! « Die Offiziere umdrängten ihn . » Ei , unter uns - es hat einen verteufelten Sturm gegeben . Der Ober-General war bei Lord Raglan in Kamara und , wie mir General Wimpfen vertraut , ist es zu einer Scene gekommen , wegen der Befestigungen , welche die Engländer bei Kertsch und Pawlowskaja verstärken wollen . « » Doch wohl , um sich dort festzusetzen ? Ein neues Corfu oder Gibraltar am Azow ' schen Meer . « » So scheint es ! Doch reichen Sie mir einen Becher Wein - meine Kehle ist so trocken wie die Sahara . - General Pelissier , « fuhr er fort , nachdem er getrunken , » hat dem Lord erklärt , er werde d ' Autemarre den Auftrag senden , sich mit Gewalt jeder Fortifikation an der Küste zu widersetzen , die einen andern Zweck habe , als die Expedition zu sichern . - Wahrhaftig - da sind sie schon , der Teufel traue dem Dicken ! « Der greis der Offiziere zog sich zurück , während die Anhöhe herauf der zahlreiche Stab des französischen Ober-Feldherrn , begleitet von mehreren Divisions- und Brigade-Generalen , Ismaël-Pascha und dem General La Marmora , kam . Zwei Araber , in weißen wehenden Gewändern , ritten dem General Pelissier voran , der auf einem kräftigen Grauschimmel saß . Er war ein starker , fast fetter Mann , was ihm das anhaltende Reiten sehr erschwerte , mit fast weißem , kurz abgeschnittenem Haar . Die Gestalt nicht groß , das Gesicht von einem gutmüthigen Ausdruck , von dem ganz verschieden , den man nach seinen Antecedentien in Afrika erwarten sollte . Nur um die Nasenwurzel verkündeten einige Falten den harten , festen und eigensinnigen Charakter . Der General trug eine mit Orden geschmückte Uniform , und darüber trotz der Hitze , einen weißen Mantel , ähnlich denen der arabischen Häuptlinge . Die Umgebung des Generals zeigte zahlreich Namen , die sich bereits in der neuesten Geschichte des französischen Waffenruhms in Afrika , Spanien , Griechenland und Italien mit Ruhm bedeckt hatten , obschon sie , gleich Pelissier , meist erst im Alter zwischen 40 und 50 Jahren standen , oder die durch ihren Heldentod vor den Wällen des Malakoff bei den spätern Stürmen des 18. Juni und 8. September sich einen Platz in den Büchern der Geschichte erkauft haben , wie Mayran , Brünet , Rivet , der Generalstabschef des I. Armee-Corps , Saint Pol , Breton und Marolles . Der Ober-General unterhielt sich lebhaft mit dem General La Marmora , dessen Bruder , General Alessandro La Marmora , bereits an der Cholera erkrankt war , und seinem Liebling Rivet , der in der Nacht zum 14. April und 2. November die Logements vor der Redoute Schwarz genommen hatte . » Guten Tag , meine Herren , « sagte Pelissier . » Wir müssen Sie hier kurze Zeit stören , weil man von Ihrer Höhe eine Aussicht hat , die ich brauche . - Das Glas . Selim ! « Der arabische Leibdiener überreichte dem Feldherrn das Feldperspectiv . » Kommen Sie her , Bosquet , « fuhr der Kommandirende fort , » wir werden uns hier leichter verständigen . Wenn Sie Vergé mit seiner Brigade die linke Parallele bis zu den Steinbrüchen , auf der Flanke der Engländer , besetzen lassen , kann Wimpfen im Dokowaja-Grund sich aufstellen , von Brünet unterstützt . Ich hoffe jedoch , es wird der Reserven nicht bedürfen . Am besten ist ' s , Sie lassen den Mamelon gleich von drei Seiten her angreifen , so theilt sich das Feuer . Wenn Oberst Shirley mit den Briten seine Schuldigkeit thut , wird er den Kirchhof zu dieser Zeit besetzt haben und die Kanonen des Malakoff zur Genüge beschäftigen . « General Bosquet verbeugte sich schweigend , - er und Pelissier waren keine besonderen Freunde und häufige Rivalen . » Ich glaube , Camou wird hier ein leichteres Spiel haben , als Mayran und Dülac vor den Redouten , « fuhr der General fort . » Dennoch wird die Wegnahme des Mamelon für uns von größter Bedeutung sein . Der Teufel soll das Nest holen , dessen Bau man gar nicht so weit hätte gedeihen lassen sollen ! « » Ich danke Euer Excellenz für die Ehre , die Sie uns mit dem Befehl erzeigt haben , « sagte General Camou . » Eigentlich wären freilich die Garden an der Reihe gewesen , « meinte der Feldherr , » und Pontèves wird mir ' s gewaltig übelnehmen . Indeß er ist der Jüngste von uns und hat Zeit . Wer kommt dort ? « Er deutete nach der Bergseite , die nach Südosten führte und auf deren Abhang eine Reitergruppe von den entfernten Lagerplätzen der Garde herkam . » Parbleu - ich glaube , das ist Mellinet , der mich zu quälen kommt . Vorwärts , meine Herren , zur Victoria-Redoute ! « Ehe jedoch der Stab sich in Bewegung setzen konnte , sprengte der Commandeur der Garde-Division , General Mellinet , mit seinen beiden Divisionairs , den Generalen Ulrich und Pontèves , und mehreren Offizieren der Garde-Regimenter , herbei und schnitt dem Ober-Kommandanten gleichsam den Weg ab . Als General Pelissier sah , daß er nicht mehr entkommen konnte , blieb er , verschiedene Verwünschungen murmelnd , auf der Stelle halten . Es war bekannt , daß er mit den obern , seinem Kommando untergebenen Offizieren häufig nicht besonders höflich umsprang und weit eher den Soldaten und unteren Graden etwas nachsah ; namentlich erfreuten sich die Garden nicht gerade besonderen Vorzugs . Um diese Thatsachen schien sich General Mellinet jedoch wenig zu kümmern , als er gerade auf den Ober-General zuritt und kalt salutirte . » Es freut mich , daß Sie kommen , Mellinet , « sagte dieser , offenbar irgend einem Anliegen vorbeugend , » ich vermißte überhaupt heute die Herren von der Garde bei dem Besuch im britischen Hauptquartier ; Sie können mich nach der Victoria-Redoute begleiten . « » Verzeihen Eure Excellenz , « sagte der Angeredete kalt und fest , » ich muß um einige Augenblicke Gehör bitten und bin dazu hierher gekommen , da ich hörte , daß der Stab diesen Weg genommen . « » Nun , sprechen Sie unterwegs , ich habe Eile - Sie werden wissen , daß das Feuer in drei Stunden beginnen muß . « » Ich habe nicht die Ehre , Eurer Excellenz Anordnungen schon zu kennen , « beharrte der General , der wohl merkte , daß der Ober-Kommandant ihm zu entkommen suchte , » aber ich muß bemerken , daß die Sache sich am besten hier an Ort und Stelle entscheiden lassen wird . « » Meinetwegen denn ! bitte , was wünschen Sie ? « » Ich komme im Namen der Garden Beschwerde zu führen , über Beleidigungen und Verhöhnungen , die man sich fortwährend gegen sie erlaubt . « » Ach . Larifari , die alte Leier von den ewigen Zänkereien , « schrie der Ober-Kommandant . » Lassen Sie mich endlich damit ungeschoren , wenn Sie keine bestimmten Beschwerden anführen können . An allen Streitigkeiten hat ein Theil so viel Schuld als der andere . « General Mellinet schien in Voraus entschlossen , Ruhe und Gelassenheit zu behalten , obschon die Behandlung ziemlich impertinent war und sein Gesicht sich zu röthen begann ; er begnügte sich daher , dem Ober-Befehlenden ein Papier mit den Worten zu überreichen : » Ich bitte Eure Excellenz , dies zu lesen . « Pelissier entfaltete das Blatt - es war eines der Plakate , welche man an die Zelte der Garden während der Nacht angeheftet hatte und dessen Inhalt wir bereits erwähnt haben . Der künftige Marschall las das Pamphlet und brach dann in ein schallendes Gelächter aus . - » Mort de ma vie ! Gestehen Sie , Mellinet , der Witz ist nicht übel . Ich bitte , Rivet , lesen Sie das Dings da ! « Er reichte mit baucherschütterndem Lachen das Blatt dem Generalstabs-Chef , aus dessen Hand es die weitere Runde machte , während die Offiziere der Garde bleich und roth vor Zorn wurden . » Gottes Blut , « sagte endlich der General Pontèves , dessen Gesicht dunkelroth zu glühen begann , » wir sind nicht hier , um Ihr Gelächter zu hören , meine Herren , sondern um Genugthuung für dir Beleidigung zu fordern . « » Ah , sieh da , Pontèves , « rief der Ober-General , » sei verständig und lache über den Scherz . Das ist das Beste , was die Herren thun können , denn - die Angelegenheit der Trancheers ist doch nun ein Mal Wahrheit . « » Excellenz , « sagte General Mellinet mit scharfem und erhobenem Tone , » wie dem auch sei , wir kommen nach gepflogener Berathung mit unsern Offizier-Corps , um zwei Dinge zu verlangen . Das Erste ist , daß Sie den Garden gestatten , auf ihr Vorrecht Verzicht zu leisten und in dem Trancheendienst abzuwechseln , wie jeder andere Theil der Armee ; - das Zweite ist eine strenge Untersuchung wegen des angethanen Schimpfes , der bereits Blut gekostet hat und noch mehr kosten wird , wenn Euer Excellenz uns Ihr Einschreiten verweigern . « Der Ober-General sah den Redner von der Seite an , doch mochte er sich der Sache vor dem sardinischen Ober-Kommandanten schämen , denn er sagte ärgerlich : » Was ist ' s damit ? reden Sie