Es war , wie so viele Bauten damals , ein völliger Zwangsbau . Der Generalmajor von Truchseß hatte die Herstellung eines ansehnlichen Hauses begonnen , an dessen Vollendung ihn der Tod hinderte . Da befahl der König dem Herrenmeister , Markgraf Karl , die Fertigstellung des Baus aus Ordensmitteln zu übernehmen . Dies geschah denn auch . König Friedrich Wilhelm I. war eben nicht gewohnt auf Widerspruch zu stoßen . In diesem Palais , das Markgraf Karl zeitweilig bewohnte , befand sich , wie schon angedeutet , aller Wahrscheinlichkeit nach ein Teil seiner Galerie , vielleicht sogar der größere Teil . Nach seinem Tode wurde die Sammlung versteigert und die Bilder zerstreuten sich überall hin . Einige , die sich auf den alten Zeiten beziehen , sah ich in Wustrau . In Friedrichsfelde finden sich noch einige Rudera vor , die beim Verkauf lediglich aus Indifferenz oder Bequemlichkeit zurückgelassen wurden , vielleicht erstand sie auch Prinz Ferdinand , der nach dem Markgrafen Karl in Friedrichsfelde einzog . Es sind zwei alte Köpfe , höchst vorzüglich , im Stil von Gerard Dou ; außerdem ein anderer Niederländer : Christus als Knabe predigt im Tempel . Markgraf Karl starb am 23. Juni 1762 zu Breslau . Er war , wie sein Vater Markgraf Albrecht , teils um seiner Herzensgüte , teils um der Pflege willen , die er der heimischen Kunst bezeigt , eine in Berlin sehr beliebte Persönlichkeit gewesen . Für viele war sein Hinscheiden ein herber Verlust . Er hinterließ keine männliche Deszendenz . Friedrichsfelde fiel an seine Tochter , die Herzogin von Anhalt-Bernburg , deren Bevollmächtigter schon im November desselben Jahres Schloß , Park und Pertinenzien an den Prinzen Ferdinand von Preußen verkaufte . Friedrichsfelde von 1762 bis 1785 Friedrichsfelde von 1762 bis 1785 Prinz Ferdinand Prinz Ferdinand , der jüngste Bruder des großen Königs , hatte von 1744 an in Ruppin residiert , wo das Regiment , das seinen Namen führte , in Garnison lag ; von 1756 bis 1763 war er mit den andern Prinzen im Kriegslager gewesen . Der Hubertusburger Friede und der Erwerb von Friedrichsfelde fielen fast zusammen und mit einer Art von Ausschließlichkeit gehörte der Prinz von 1763 bis 1785 diesem anmutigen Lustschloß an , das nun schon zweien Herrenmeistern des Johanniterordens als Residenz gedient hatte . Er war der dritte . Von 1785 an wurde Schloß Bellevue ( im Berliner Tiergarten ) der Aufenthalt des Prinzen , bis 1802 nach dem Tode seines Bruders , des Prinzen Heinrich , Rheinsberg an die Stelle von Bellevue trat . Wir haben also , von dem siebenjährigen Kriegsinterregnum abgesehen , vier Epochen im Leben des Prinzen Ferdinand zu unterscheiden : Ruppin , Friedrichsfelde , Bellevue , Rheinsberg , von denen die Friedrichsfelder Epoche die wichtigste und die längste ist . Sie umfaßt zweiundzwanzig Jahre und zeigt , nach dem bescheidenen Maße von Geist und Gaben , das speziell diesem Prinzen zuteil geworden war , wenigstens Leben und Farbenfrische , wenn auch nichts von Eigenart . An dieser gebrach es durchaus . Man darf sagen , daß er in allem seinen Bruder Heinrich kopierte ; der Friedrichsfelder Hof war Seitenstück und Nachahmung des Rheinsberger . Zunächst wurde die Hofhaltung im weitesten Sinne ganz nach dem dortigen Muster eingerichtet . Kavalierhäuser , Stall- und Wachtgebäude , Tempel und Grotten wurden aufgeführt , alles wie in Rheinsberg . Wie Prinz Heinrich einige vierzig Kammerhusaren hielt , die die Rheinsberger Garnison bildeten und den Wachtdienst im Schlosse hatten , so hatte Prinz Ferdinand eine Art Invalidenkolonie in Friedrichsfelde , die ihren Zuzug aus seinem Ruppiner Regiment empfing . Diese alten Soldaten bestellten ihr Stück Garten- und Ackerland und nur immer einige wenige von ihnen mußten abwechselnd auf Wache ziehn . Kam dann aber hoher Besuch , Prinz Heinrich oder gar der König selbst , so mußten sie sämtlich aufmarschieren , um die militärischen Verhältnisse von Friedrichsfelde in möglichst günstigem Licht erscheinen zu lassen . Das Wachtlokal ist noch da und erinnert mit seinen Holzsäulchen , die das obere Stockwerk tragen , an die früheren Wachthäuser am Halleschen Tor . Natürlich war auch das Friedrichsfelder Leben dem Rheinsberger verwandt , nur blasser , insipider . Wir müssen hinzusetzen , zu seinem Glück . Es hatte wohl auch seine » Chronique « , seine Flüsterungen , seine Geheimnisse , aber es fehlte doch der eigentümliche Parfum , der in dem stillen , abgelegenen Schloß am Grieneritzsee alle Dinge durchdrang . In Friedrichsfelde gab es Frauen , das sagt alles . Ihre Gegenwart bedingte nicht immer Tugend , aber doch wenigstens Natur . Und davon hatte der Friedrichsfelder Hof sein volles Maß . Die durchlauchtigste Dame , die demselben vorstand , war eine Prinzessin von Schwedt , gehörte mithin einem Frauenzirkel an , von dem man sagen konnte , daß er der Natur noch um einen Schritt näher stand , als Frauen ihr gewöhnlich zu stehen pflegen . Ihren Bildern und Büsten in alten Galerien ( am besten in der Schwedter selbst ) zu begegnen , ist eine wahre Herzensfreude . Welche Fülle von Leben , welche Gesundheit in Formen und Farben ! Ihre Ehen waren nicht immer normal , nicht immer das , was Ehen sein sollen , aber es waren gute Frauen , und – die Männer waren glücklich . Überraschend zu sagen , die Hauptfestlichkeiten in Friedrichsfelde waren Taufen ! Namentlich um jene Zeit herum , wo die gesamte hohenzollersche Deszendenz auf zwei Augen stand . Am 11. November 1771 wurd ' im Friedrichsfelder Schloß ein Prinz geboren , bei der damaligen Sachlage durchaus ein » Ereignis . « Der Prinz erhielt die Namen Friedrich Christian Heinrich Ludwig . Der König , die Königin , Prinz Heinrich , wohnten der Tauffeierlichkeit bei ; von auswärtigen Mitgliedern der Familie war die verwitwete Königin von Schweden , Luise Ulrike , geladen . Im Kirchenbuche findet sich von der Hand des Pastors Lindenberg , 10 der die Taufe vollzog , folgende Bemerkung eingetragen : » Diese glückliche Entbindung war um so viel freudiger , weil der theuerste Vater seit einigen Wochen an einer sehr gefährlichen Krankheit darniederlag , so daß man verschiedene Tage sein Ableben befürchtete ; Umstände , welche bei der nahen Entbindung die geliebte Gemahlin äußerst geängstigt und elend gemacht hatten , so daß man wegen ihres Lebens besorget war .... Es war auch , bei der äußersten Gefahr des Prinzen , von Seiner Fürstlichen Gemahlin und zwar vor Ihrer Entbindung dem Prediger aufgetragen worden , eine Betstunde in dero Zimmer zu halten , welches denn auch in aller Stille , in Gegenwart der Prinzessin , der Prinzessin Philippine und zween Dames geschah . Es war rührend , dabei so viel Andacht und Wehmuth an so hohen Personen wahrzunehmen . « Über die anderweiten Aufzeichnungen des Kirchenbuches gehen wir schneller hinfort , trotzdem dieselben an zwei Namen anknüpfen , die es in der Geschichte Preußens , in Glück und Unglück , zu hohem Ansehen gebracht haben . Am 18. November 1772 wurde Prinz Louis Ferdinand , der » Saalfelder « , am 19. September 1779 Prinz August , der Reorganisator der preußischen Artillerie , geboren . Sechs Jahre später verließ der Ferdinandsche Hof Friedrichsfelde . Es scheint nicht , daß er , trotz langen Aufenthalts daselbst , in der Einrichtung des Schlosses Erhebliches zu ändern vorfand . Am 21. Juni 1785 wurden Schloß und Park an den Herzog von Kurland verkauft . Friedrichsfelde von 1785 bis 1799 Friedrichsfelde von 1785 bis 1799 Herzogin Dorothea von Kurland Am 21. Juni 1785 wurden Schloß und Park von Friedrichsfelde für den Herzog von Kurland gekauft ; er selbst befand sich um diese Zeit noch in Italien , wohin er das Jahr zuvor eine Reise angetreten hatte . Im Herbst 1785 aber traf er in Begleitung seiner Gemahlin , der vielgefeierten Herzogin Dorothea , geb . Reichsgräfin von Medem , wieder in Berlin ein und bezog auch Friedrichsfelde . Daran reihte sich 1786 ein zweiter , 1791 und 1793 ein dritter und vierter Aufenthalt , von denen jedoch nur der letztere durch eine längere Zeit hin dauerte . Fast ein Jahr . Die anderen Anwesenheiten waren bloße Besuche und zählten nur nach Wochen . Wir betonen dies , weil man mannigfach der Ansicht begegnet , Friedrichsfelde sei während seiner » kurländischen Epoche « abermals eine Stätte der Kunst , ein Sammelplatz schöngeistigen Lebens geworden , etwa wie zur Zeit des Markgrafen Karl . Um das zu werden , dazu fehlte jedoch 1785 , 86 und 91 die Zeit und von 1793 bis 1794 die Stimmung . Ein Blick in die damals geschriebenen Tagebücher und Briefe zeigt uns in der Tat genugsam , daß es sich all die Zeit über um high life und politisch-diplomatische Aktionen und jedenfalls viel viel weniger um Kunst und Wissenschaft gehandelt hat . Nicht , als ob der Sinn dafür gefehlt hätte . Im Gegenteil . Aber die Zeiten waren durchaus nicht dazu angetan , sich einer mußevollen Kunstbetrachtung hinzugeben . Man suchte dem heimischen Wirrsal zu entfliehen und entfloh ihm zuletzt wirklich , aber dies Wirrsal drängte nach und gestattete keine reine Freude , keinen ungestörten Genuß . Überallhin warf es seine Schatten . Einige Stellen aus dem Tiedgeschen Buche : » Dorothea , letzte Herzogin von Kurland « , dem selbst wieder jene vorerwähnten Tagebücher und Briefe zugrunde liegen , werden am besten die Beweisführung übernehmen . Wir lassen die Stellen in chronologischer Ordnung folgen . 1785 . Es waren des großen Friedrich letzte Tage . Die sanfte fürstliche Frau hatte den Beifall des Königs gewonnen ; er sandte ihr wiederholentlich niedliche Körbchen mit den feinsten und seltensten Früchten gefüllt , mit den erlesensten Blumen geschmückt und jedesmal von einigen freundlichen Zeilen begleitet . Bei Gelegenheit der ersten dieser Sendungen beklagt er sich , daß seine Krankheit ihn des Vergnügens beraube , sie selbst zu bewirten ; er müsse es seinem Neffen überlassen , ihren und ihres Gemahls Aufenthalt in Potsdam und Berlin so angenehm als möglich zu machen ... Im Herbst fanden Truppenversammlungen statt . Paraden und kriegerische Übungen zu Ehren des Fürstenpaares ... Auch von den übrigen Höfen der königlichen Familie ( Prinz Heinrich , Prinz Ferdinand ) wurde dem Herzog und seiner Gemahlin ein Empfang zuteil , der sich zu einer herzlichen Verbindung entwickelte . Mit der Prinzessin Luise , der Tochter des Prinzen Ferdinand , knüpfte die Herzogin eine Freundschaft an , die sich in einem ununterbrochenen Briefwechsel durch das ganze Leben fortsetzte . 1786 . Im Herbste , nach beinah halbjähriger Abwesenheit , trafen der Herzog und seine Gemahlin wieder in Friedrichsfelde ein . Der große König war inzwischen gestorben . Friedrich Wilhelm II. erwies dem herzoglichen Paare eine besondere Auszeichnung , so daß allgemein die Sage ging , es seien bereits Verabredungen für die künftige Vermählung der Töchter des Herzogs mit den Prinzen des königlichen Hauses getroffen . Diese Tage waren kurz , schon im Dezember trat die Herzogin ihre Rückreise nach Kurland an . 1791 . Während ihres Aufenthaltes in Warschau ( wohin sie sich im April begeben ) erhielt sie von der preußischen Prinzessin Friederike eine schmeichelhafte Einladung zur Vermählung eben dieser Prinzessin mit dem Herzoge von York , wie auch zu der ihrer Schwester mit dem ältesten Prinzen des Erbstatthalters in Holland , welche beide Vermählungen im September gleichzeitig in Berlin vollzogen werden sollten . Sie nahm die Einladung an ... Der Empfang von seiten der königlichen Familie war ein auszeichnender ... Bei der Anordnung der Vermählungsfeierlichkeiten befahl der König , daß der Herzogin ihr Platz an der Tafel der königlichen Familie angewiesen werden solle . Der Oberkammerherr remonstrierte , die » Hausgesetze würden es nicht zulassen , die Herzogin von Kurland bei einer so feierlichen Gelegenheit an die königliche Familientafel zu ziehen und an dem Fackeltanze teilnehmen zu lassen . « Friedrich Wilhelm antwortete : » Lassen wir es bei der ersten Anordnung ; ich hoffe es beim Könige und bei den Hausgesetzen verantworten zu können . « ... Bei Gelegenheit dieser Feierlichkeiten gab auch die Erbstatthalterin ihrem lebhaften Wunsche Ausdruck , ihren zweiten Prinzen mit der ältesten Tochter der Herzogin , der Prinzessin Wilhelmine , die damals zehn Jahre alt war , dereinst vermählt zu sehen . Der König unterstützte diesen Wunsch und bot sogar seine Verwendung an , um , wenn der Herzog ohne männliche Nachkommen sterben sollte , die Erbfolge in Kurland und Semgallen für den künftigen Gemahl der Prinzessin zu vermitteln ... Dieser Plan wurde geraume Zeit hindurch festgehalten ... Vierzehn Tage nach Vollziehung der vorerwähnten Vermählungsfeierlichkeiten verließ die Herzogin Berlin ( es ist fraglich , ob sie während dieser Besuchstage überhaupt in Friedrichsfelde war ) und kehrte über Warschau nach Kurland zurück . 1793 . Im April dieses Jahres trat die Herzogin ihre Reise nach Berlin an ; die Dinge in Kurland hatten bereits einen solchen Charakter angenommen , daß es gut war , einen Zufluchtsort zu haben .... In stiller Zurückgezogenheit lebte sie in Friedrichsfelde , wo sie den 21. August 1793 ihren Gemahl mit einer Tochter beschenkte , die den Namen Dorothea erhielt .... 11 In Kurland rückte inzwischen das Ende der herzoglichen Herrschaft immer näher . Die Herzogin verblieb in Berlin und Friedrichsfelde bis in das nächste Jahr hinein ; dann ging sie nach Leipzig , wo sie sich noch stiller einrichtete als in Berlin , 1795 nach Sagan , an welchem Orte sie mit ihrem Gemahl zusammentraf ... Kurland war inzwischen eine russische Provinz geworden , der Herzog hatte resigniert . So etwa die Aufzeichnungen , die wir , wie vorerwähnt , zu größerem Teile dem Tiedgeschen Buche , zu kleinerem Teile dem Werke Cruses » Kurland unter den Herzögen « entnommen haben . Nirgends ist davon die Rede , daß in Friedrichsfelde ein besonderes Kunstleben sich aufgetan hätte , ein Schweigen , das um so bemerkenswerter ist , als der alte Tiedge gerade diese Seite in dem Leben der Herzogin mit besonderer Vorliebe hervorhebt und jedesmal genau verzeichnet , wenn in Königsberg mit Kant , Hamann , Hippel , in Neapel mit Hackert , in Herrnhut mit dem alten Spangenberg usw. ein lebhafterer Verkehr angeknüpft wurde . Man darf füglich daraus den Schluß ziehen , daß das Friedrichsfelder Leben während seiner kurländischen Zeit wenig Hervorragendes auf dem Gebiete von Kunst und Wissenschaft geboten haben muß und daß es sich , wie wir eingangs bereits andeuteten , bei den verschiedenen Anwesenheiten in Berlin-Friedrichsfelde sehr wahrscheinlich immer nur um Prinzen und Prinzessinnen , um » Gesellschaft « und Politik , um Eheschließungen und Güterkäufe handelte . Gewiß ging ein Verkehr mit den literarischen Größen jener Zeit ( Nicolai , Ramler , Engel , Mendelssohn werden eigens genannt ) nebenher , aber doch eben nur nebenher . 12 Geistig hoch beanlagt , konnte namentlich die Herzogin auf einen Umgang , der ihrer ästhetischen Natur Bedürfnis war , nie ganz verzichten , aber es scheint nach den Zitaten , die wir gegeben , festzustehen , daß der ohnehin immer nur nach Monaten zählende Friedrichsfelder Aufenthalt von dieser Seite her nicht seinen Charakter und seine Signatur empfing . Friedrichsfelde von 1800 bis 1810 Friedrichsfelde von 1800 bis 1810 Prinzessin von Holstein-Beck 1799 kam Friedrichsfelde an den Geheimen Oberhofbuchdrucker Georg Jakob Decker , der es aber schon , vor Ablauf eines Jahres , am 29. März 1800 , an die Herzogin Katharina von Holstein-Beck wieder verkaufte . Diese bewohnte es bis zu ihrem Tode , der am 20. Dezember 1811 erfolgte . Prinzessin Katharina von Holstein-Beck war am 23. Februar 1750 geboren . Ihre Mutter war eine Gräfin oder Fürstin Golowin , ihr Vater aber Peter August , Herzog von Holstein-Beck , russischer Generalfeldmarschall und Gouverneur von Estland . Prinzessin Katharina vermählte sich am 8. Januar 1767 zu Reval mit dem Fürsten Iwan Baratynsky , der damals russischer Oberst war . Ihre Ehe wurde geschieden , oder man lebte wenigstens getrennt . Die Kinder verblieben in Rußland , indessen begegnen wir 1802 einem Fürsten Iwan von Baratynski als Taufzeugen in Friedrichsfelde . Es scheint also , daß der älteste Sohn zur Mutter stand . Diese war fünfzig Jahr , eine kluge , heitere , noch hübsche Frau , als sie in Schloß Friedrichsfelde einzog . Es lebten bis vor kurzem noch Personen , die sie gekannt hatten . Den Mitteilungen dieser verdanke ich das Nachstehende . Die Prinzessin von Holstein-Beck kam 1800 oder vielleicht auch erst 1801 zu uns . Was zu einer Trennung vom Fürsten Baratynski geführt hatte , war nie in Erfahrung zu bringen . Sie war aber voll so tiefer Abneigung gegen ihn , daß sie seinen Namen nicht tragen wollte und in Preußen , unter Gutheißung des Königs , ihren Geburtsnamen Holstein-Beck wieder angenommen hatte . Sie lebte ganz auf großem Fuße und unterhielt intime Beziehungen zum preußischen Hofe , besonders nachdem dieser 1809 von Königsberg und Memel wieder in Berlin eingetroffen war . Leicht erklärlich . Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise waren in Petersburg gewesen und hatten angenehme Bilder und Eindrücke von dorther heimgebracht ; Kaiser Alexander stand den Herzen beider nahe , Freundschaftsgelübde waren geleistet worden ; alles Heil konnte , der allgemeinen Annahme nach , nur von Rußland kommen . Unter diesen Verhältnissen mochten die Beziehungen zur Prinzessin einen doppelten Wert haben ; vielleicht daß sie ein Glied in der Kette damaliger politischer Verbindungen war . Gleichviel , der Hof war mannigfach bei der Prinzessin in Friedrichsfelde zu Besuch , auch schon in der voraufgegangenen Epoche von 1801 bis 1806 , Königin Luise erschien dann mit Pagen und Hofdamen , der Militäradel schloß sich an und über hundert Equipagen hielten in langer Reihe vor dem Schlosse . Mit Fackeln ging es spät abends wieder heim . Sie selbst ( die Prinzessin ) , wenn sie nach Berlin fuhr , fuhr immer mit sechsen ; da sie aber keinen Marstall unterhielt , so wurden drei Paar der besten Bauernpferde genommen und die Bauern selbst ritten das Leinepferd . Später , aus gleich zu erzählenden Gründen , wurde das anders . Ihr Vertrauter nämlich , ein Franzose niederen Standes , dessen Erhebung zum » Chevalier « sie durchzusetzen gewußt hatte , machte Unterschleife , floh und wurde verfolgt . Man wurde seiner habhaft , bracht ' ihn vor die Gerichte , und eine strenge Strafe war bereits verhängt , als ein Fußfall der Prinzessin , deren alte Neigung wieder wach geworden war , intervenierte . Die Strafe wurde nun niedergeschlagen und der » Chevalier « , als wäre nichts vorgefallen , zog wieder in allen Ehren in Friedrichsfelde ein . Aber eine Sühne blieb doch zu leisten : die Prinzessin mußte versprechen , von nun ab statt mit sechsen nur noch mit vieren zu fahren . Das geschah denn auch , und alle Teile hatten ihren Frieden . Das Leben in Friedrichsfelde war um diese Zeit das heiterste . Eine ernstere Pflege der Kunst fiel niemandem ein , aber man divertierte sich so oft und so viel möglich . Es gab Schau- und Schäferspiele teils in geschlossenen Räumen , teils im Freien . Das » Theater im Grünen « , ähnlich dem Rheinsberger , ist noch deutlich zu erkennen , trotzdem das Strauchwerk jener Jahre mittlerweile zu stattlichen Weißbuchen aufgewachsen ist . Das Ganze eine wieder freigewordene , aus Zwang und Fesseln erlöste Natur ! Die Dorfbevölkerung nahm teils zuschauend , teils aktiv an diesen Szenen teil , was auf den ersten Blick viel Anheimelndes und Bestechendes hatte . Sehr bald indessen stellte sich ' s heraus , daß Arbeitslust und Sitte zurückgingen und daß dem Dorfe kein Segen daraus erwuchs , als Landschaft und Staffage für das Vergnügen vornehmer Leute gedient zu haben . Harmloser war der alljährlich wiederkehrende » Erntekranz « . Dann wurd ' ein Jahrmarkt abgehalten , unter den Bäumen des Parks gegessen und getanzt , und an den Buden , natürlich ohne Einsatz , gewürfelt und gewonnen . Ein kleines , sehr hübsches Mädchen aus dem Dorfe war das Patchen und der Liebling der Prinzessin , die Puppe , mit der sie spielte . War die Prinzessin bei Tafel allein , so wurd ' an einem kleinen Tische daneben für das Kind gedeckt , und kam Besuch , so war » Patchen « – wie der Kakadu oder der Bologneser – der immer beachtete Gegenstand , an den sich alle Zärtlichkeiten der Gäste richteten . Die Prinzessin galt für sehr reich ; es hieß , daß sie täglich 1500 Taler verausgabe . War dem wirklich so , so war es Baratynskisches Vermögen . Außer Friedrichsfelde besaß sie , in Berlin selbst , ein Haus am Pariser Platz , das jetzige französische Gesandtschaftshotel . Sie starb , wie schon eingangs hervorgehoben , im Winter 1811 auf 1812 und ihre Leiche sollte nach Rußland , entweder auf die Baratynskischen oder die Holstein-Beckschen Güter geschafft werden . Die Friedrichsfelder waren zum Transport um so lieber bereit , als ihnen für die Fahrt bis Memel ( dort wartete russisches Fuhrwerk ) 400 Taler geboten wurden . Es zerschlug sich aber wieder und kam statt dessen zu einem Pakt mit jener moskauastrachanischen Karawane , die damals alljährlich , in den ersten Wintermonaten , Kaviar nach Berlin zu bringen pflegte . Dies waren in der Regel fünfzig Schlitten , jeder mit einem Pferd und am Hals jedes Pferdchen ein Glöckchen . Auf den vordersten dieser Schlitten wurde , bei der Rückfahrt , der Sarg gestellt , und die lange Karawane hinter sich , ging es nun im Schritt bis an die russische Grenze , – die Winterstille nur durch den Ton der Glöckchen unterbrochen . Friedrichsfelde von 1812 bis 1816 König Friedrich August von Sachsen Nach dem Tode der Prinzessin von Holstein-Beck wurde Friedrichsfelde durch einen Bevollmächtigten der Baratynskischen Familie verwaltet . In diese Administrationszeit fällt der Aufenthalt , bzw. die Staatsgefangenschaft des Königs von Sachsen an dieser Stelle . Wir finden darüber folgendes : Der König von Sachsen , nach der Einnahme Leipzigs durch die Verbündeten , war deren Gefangener . Am 23. Oktober 1813 erfolgte seine Abreise nach Berlin ; am 26. , morgens 4 Uhr , traf er in der preußischen Hauptstadt ein und wurde daselbst mit vielen Ehren ( so sagt das Tagebuch eines sächsischen Kavaliers ) empfangen . Von Leipzig aus hatten hundert Kosaken mit drei Offizieren den Wagen des Königs umgeben . Außerdem begleiteten ihn Fürst Galizin und Baron Anstetten . Der König bezog Wohnung im Berliner Schlosse und verblieb daselbst bis zum Sommer 1814 . Um diese Zeit aber wurd ' ihm die preußische Hauptstadt unbequem , denn das » Berliner Volk « zeigte sich wenig respektvoll ; die Tage von Großbeeren und Dennewitz stimmten es zum Groll und die altfränkische Art des sächsischen Hofes zum Spott . Beidem wollte der König entgehn . Er suchte daher nach , das dem russischen Fürsten Baratynski zugehörige Schloß Friedrichsfelde , selbstverständlich gegen eine Miets-oder Entschädigungssumme , beziehen zu dürfen . Dies wurde gewährt . Am 26. Juli 1814 erfolgte der Umzug , wobei ein Unteroffizier und zehn Mann preußischer Garde als Ehrenwache dienten . Diese blieben in Friedrichsfelde und wurden aus der sächsischen Hofküche beköstigt . Bis zum 24. März 1814 hatten Berliner Bürgergardisten die Wache beim Könige gehabt . In den » Denkwürdigkeiten aus dem kriegerischen und politischen Leben eines alten Offiziers « wird erzählt , der König Friedrich August habe von Friedrichsfelde aus fliehen wollen , sei aber eingeholt und zurückgebracht worden . Diese Mitteilung ist mindestens unwahrscheinlich . An Ort und Stelle wird nichts derart berichtet . Der König , während seines Friedrichsfelder Aufenthaltes , empfing viel Besuch und Deputationen aus seinem Lande , darunter den jungen Grafen Hohenthal , den Baron von Houwald ( Vater des Dichters ) und eine Deputation des Freiberger Bergbaues . Unter den Personen von Rang , die ihn dauernd umgaben , haben wir in erster Reihe Generalmajor von Watzdorf zu nennen ; doch war dieser oft monatelang auf Spezialmissionen , z.B. in London , abwesend . Am 13. Oktober 1814 trat Generalleutnant Sahrer von Sahr an Watzdorfs Stelle und blieb beim Könige , bis dieser Friedrichsfelde verließ . Es war die Sahrsche Division , die bei Großbeeren vorzugsweise tapfer gefochten hatte . Der Aufwand , den der König in Friedrichsfelde machte , wurde teils aus den Geldern seiner Schatulle , teils durch eine Anleihe bei dem Berliner Bankierhause Benecke bestritten . Am 9. Februar 1815 endlich war in Wien das Protokoll unterzeichnet worden , das über das Schicksal Sachsens entschied ; – am 22. Februar verließ der sächsische Hof Friedrichsfelde und begab sich , auf Einladung des Kaisers von Österreich : » doch in seinen Landen Residenz nehmen zu wollen « , durch Schlesien über Wien nach Preßburg , wo der König den Palast des Primas bezog . So viel hab ich aus Aufzeichnungen , die damals gemacht wurden , zu entnehmen vermocht . In Friedrichsfelde selbst wird noch folgendes erzählt : Der König lebte ganz als König . Sehr viel Dienerschaft , altfränkisch gekleidet , blau und gelb , war um ihn her ; die Kutscher immer in Kanonenstiefeln . Vormittags zwischen 11 und 12 ging er im Park spazieren ; nachmittags wurd ' auf die benachbarten Dörfer gefahren , namentlich auf solche , wo ein Park oder ein Fluß war , also nach Stralau , Lichtenberg , Biesdorf und vorzugsweise nach Schönhausen . Er war bei den Friedrichsfeldern sehr populär , weil er herablassend und wohlwollend war und , die Hauptsache nicht zu vergessen , ihnen viel zu verdienen gab . Der zahlreiche Besuch , der untergebracht werden mußte , schaffte den Bauern eine gute Einnahme ; dazu die Berliner , die sonntags aus purer Neugier in Scharen herbeiströmten . Ihren Hauptvorteil aber zogen die Bauern aus den vielen Holzfuhren , die sie leisteten , und aus der Stallung , die sie vermieteten . Tag um Tag wurd ' ein Haufen Holz im Schloß verbrannt , und der königliche Marstall befand sich , gespannweise , auf den einzelnen Bauernhöfen . Friedrichsfelde seit 1816 Friedrichsfelde seit 1816 Am 22. Februar 1815 verließ der sächsische Hof Friedrichsfelde ; ein Jahr später gingen Schloß und Gut in den Besitz von Karl Sigismund von Treskow über . Eine ganz neue Zeit brach jetzt für Friedrichsfelde an : aus dem Lustschloß , das es bis dahin gewesen war , wurd ' ein Gut . Es handelte sich nicht mehr um ein dolce far niente , das hier ein Jahrhundert lang seine Stätte gehabt hatte , sondern um Arbeit , nicht mehr um Zurückgezogenheit und Stille , sondern um Heraustreten , um Verkehr und Konkurrenz . Von Jahrzehnt zu Jahrzehnt , insonderheit unter dem gegenwärtigen Besitzer ( Karl von Treskow ) wuchs die Kompliziertheit der Aufgabe . Beständige Meliorationen , auch Ankäufe , steigerten den Wert , was aber vor allem das Gut auf seine jetzige Höhe hob , das war die Erkenntnis , daß mit Rücksicht einerseits auf die Bedürfnisse der Hauptstadt , andererseits auf die Betriebserleichterungen , die dieselbe gewährt , eine ganz aparte Art der Wirtschaftsführung eingeleitet werden müsse . Hier galt es nicht , Lehrbücher zu befragen und Regeln zu befolgen , sondern der beständig wechselnden Situation ein neues System immer neu anzupassen . In irgendwelche Details an dieser Stelle einzugehen , würde weit über unsere Aufgabe hinausführen , daher nur so viel , daß Milchwirtschaft und Gartenkulturen mehr und mehr die frühere Felderbestellung zurückdrängten . Der Sieg des Spargelbeets über das Roggen- und Kartoffelfeld ! So haben Eifer , Wissen , Intelligenz aus dem Sommerhause Raules einen großen und noch mehr einen wertvollen Besitz geschaffen ; aus dem Zehrer ist ein Nährer geworden , aus der Drohne die Biene . Aber diese Umwandlung hat sich vollzogen , ohne dem Friedrichsfelder Schloß , das so vieles Sterben und Geboren werden sah , das Geringste von seinem historischen Zauber zu nehmen . Dieselbe Sorglichkeit und Pflege , die draußen waltete , zeigte sich auch drinnen ; auf den Feldern erneuerte sie praktisch , im Hause konservierte sie pietätvoll ; nichts ist verlorengegangen von dem geschichtlichen Material , in dessen Besitz der gegenwärtige Besitzer eintrat . Das eichengeschnitzte Treppengeländer , der Stucksaal , den Markgraf Karl baute , die Büsten und Bilder , von denen beinahe jeder der Vorbesitzer ein einzelnes , wie ein Erinnerungsstück , zurückgelassen hat , – sie befinden sich an altem Platz und nur erweitert und hinzugefügt wurde vielfach . Unter diesen Hinzufügungen nennen wir in erster Reihe fünf Arbeiten Schinkels , von denen drei seiner allerfrühsten Epoche , zwei mutmaßlich dem Jahre 1814 angehören . Es sind die folgenden : Schloß Owinsk ( Architekturbild in Tuschfarben ausgeführt ) , Schloß Owinsk , von der Tiefe aus gesehen , Schloß Owinsk , von der Höhe aus gesehen , Ein See in Tirol , von hohen Bergen umgeben , ein Fischzug im Vordergrund ( Morgenbeleuchtung ) , Ein See von hohen Gebirgen umgeben , Gondeln im Vordergrund ( Abendbeleuchtung ) . 13 Das letztgenannte Bild zählt zu Schinkels gelungensten Arbeiten . In der Mitte – wir erweitern die kurze Beschreibung , die wir eben gegeben – eine Insel mit einem weitläufigen Schloß ; eine Bogenbrücke führt zu dem zunächst liegenden Felsenufer hinüber . Rechts ein ländliches Fest . Der See ist mit Barken erfüllt , denen Musikchöre folgen . Eine rote Abendbeleuchtung liegt auf dem See . Ein stimmungsvolles Bild ! Aber das Bild , das sich eben jetzt , von der Gartentür des Schlosses eingerahmt , vor unseren Blicken auftut , tut es ihm gleich . Eine Parkwiese voll blühender Linden , zwischen den Kronen ein Streifen blauer Himmel und an dem Himmelsstreifen ein Volk weißer Tauben , das , die letzten Sonnenstrahlen einsaugend , sich oben in den Lüften wiegt . Die nahe Hauptstadt samt ihrem Lärm , wir empfinden sie wie hundert Meilen weit . Hier ist Friede ! Ernst Gottlieb Woltersdorf Gabriel Lukas Woltersdorf Gabriel Lukas Woltersdorf Gabriel Lukas W. , der neunzehn Jahre lang das Friedrichsfelder Pfarramt bekleidete , wurde den 19. November 1687 zu Kyritz geboren , wo sein Vater als Rektor amtierte . Gleich einem alten Edelmann konnte