sie die » Duberow « sah . Die Duberow , von der Natur dazu vorgezeichnet , ist alter Reihergrund . Alle Elemente sind da : Eichen , Sumpf und See . Schon der Große Kurfürst jagte hier , aber erst unter dem » Soldatenkönig « , der all sein Lebtag seiner Wusterhausener Herrschaft die noch aus kronprinzlichen Tagen herstammende Liebe bewahrte , erst unter König Friedrich Wilhelm I. kamen die Duberow-Reiherjagden , die damals Reiherbeizen waren , zu Flor und Ansehen . Bei einem zeitgenössischen Schriftsteller , der selber diese Jagden mitmachte , finde ich folgende Schilderung : » Im Frühling und im Herbst vergnüget sich der Hof neben manchem anderen , auch mit der Reiherbeitze , an der die Königin nicht selten Theil nimmt . Der Schauplatz dieser Vergnügungen ist verschieden , zumal aber ist es Wusterhausen und der Duberow-Wald , oder die › Duberow ‹ , wie die Leute , der Kürze halber , den Wald zu nennen pflegen . Ich habe solchen Reiherbeitzen öfter beigewohnt . Ist dergleichen angesaget , so begiebt sich der König auf eine Höhe , die einen weiten Umblick gestattet . Seine Majestät reiten gemeiniglich , und werden auch von vielen anderen zu Pferde begleitet . Zudem werden zwei Wurstwagen angespannt , und es sitzen auf jedem derselben 16 bis 20 Personen . Auf der Waldhöhe ist ein Herd errichtet , auf dem ein gewaltiges Feuer brennt . Dieser ganze Herd ist rings herum umgraben , so daß man sich dabei niedersetzen , und wer frieret , zur Genüge wärmen kann . Auch ist der Platz , an dem sich Herd und Feuer befinden , mit Maien umstecket . Unten in der Ebene halten die Falkoniers mit ihren Falken , und sind an unterschiedene Posten vertheilt . Wenn sich nun ein Reiher reget und in der Luft daher spazieret kommt , so lässet man einen , zwei , auch drei und vier Falken steigen . Sobald der Reiher des Falken , oder ihrer mehr , gewahr wird , fänget er entsetzlich an zu schreien , und schwinget sich so hoch , als er nur immer kann . Aber der Falke machet dennoch , daß er weit über dem Reiher in der Luft zu stehen kommt . Alsdann schießet er wie ein Pfeil herab , gibet dem Reiher den Stoß , bringet ihn auf die Erde und hält denselben so lange , bis die Falkoniere kommen und ihn aufnehmen . Die Falkoniere aber bringen den Reiher dem Ober- oder Hofjägermeister , und dieser präsentiret ihn dem Könige , von dem er mit einem Ring gebeitzet und sodann wieder in die freie Luft gelassen wird . Manchmal geschiehet es , daß der Reiher von zwei , drei und vier Falken in der Luft gestoßen und angefallen , dadurch aber die Lust desto größer wird . Ist der Tag glücklich , so werden fünf , sechs und noch mehr Reiher gefangen und gebeitzet . « So war es in den Tagen Friedrich Wilhelms I. An die Stelle dieser » Reiherbeitzen « ist jetzt ein ebenfalls dem Mittelalter entstammendes Reiherschießen getreten , das weniger eine Jagd als eine Zielübung ist , und im Bereiche moderner Erscheinungen am besten mit dem Taubenschießen auf unseren Schützenfesten verglichen werden kann . Nur mit dem nicht unwesentlichen Unterschiede , daß die Taube , wenigstens heutzutage , von Holz , der Reiher aber lebendig ist . Diese Reiherjagden , die , statt mit dem Falken , mit der Büchse in der Hand unternommen werden , finden jetzt alljährlich in der zweiten Hälfte des Juli statt . Dann ist die junge Brut groß genug , um einen jagdbaren Vogel von wünschenswerter Schußfläche abzugeben und doch wiederum nicht groß , d.h. nicht flügge genug , um sich , gleich den Alten , der drohenden Gefahr durch Flucht entziehen zu können . So stehen sie dann aufrecht in den hohen Nestern , kreischen und schreien , und werden herunter geschossen . Ein sonderbarer , dem Gefühle des Nichtjägers widersprechender Sport , über den indes andererseits , wie über manches Ähnliche aus der Sphäre des high life , ohne Sentimentalitäten hinweggegangen werden muß . Es sind dies eben Überbleibsel aus vergangenen Jahrhunderten her , mit denen , weil sie einem ganzen System von Anschauungen angehören , nicht ohne weiteres aufgeräumt werden kann , Dinge des Herkommens , zum Teil auch der praktischen Bewährung , nicht des persönlichen Geschmacks . Tradition und Repräsentation schreiben immer noch , innerhalb des Hoflebens , die Gesetze . Übrigens mag hier eingeschaltet sein , daß unser Kronprinz , ein passionierter Reiherjäger , das bequeme Schießen aus dem Neste verschmäht und es vorzieht , den um die Herbstzeit völlig flügge gewordenen Jungvogel aus der Luft herunterzuholen . Hier , wie in manch ' anderem , eine Modelung des Überlieferten . Der Streit , welcher Weg uns am besten zu dem nahegelegenen Reiherhorst führen würde , war mittlerweile zugunsten von Leutnant Apitz entschieden worden . » Also quer durch . « Wir erkletterten zunächst das Uferbastion , in dessen Schutze wir lagen , hielten kurze Umschau und schlugen uns dann , immer die Höhe haltend , waldeinwärts . Nach längerem Suchen und Irren , das zu den üblichen Bemerkungen über » Richtwege « führte , hatten wir endlich die Reiherkolonie , ihre Wohn- und Brutstätte vor uns , und schritten ihr zu . Dieser Reiherhorst , wie jeder andere , befindet sich in den Wipfeln alter Eichbäume , die , zu mehreren Hunderten , auf der plattformartigen Kuppe einer abermaligen Ansteigung des Waldes stehen . Eine Anzahl dieser Eichen , vielleicht die Hälfte , war noch intakt , die andere Hälfte aber zeigte jeden Grad des Verfalls , und zwar um so mehr , je länger sie des zweifelhaften Vorzuges genossen , im Reiherdienste zu stehen , das heißt also ein Reihernest in ihren Wipfeln zu tragen . Die Zahl dieser Nester wechselt . Manche Bäume haben eins , andere drei und vier . Das letztere ist das gewöhnlichere . Aber ob eins oder mehrere , über kurz oder lang trifft sie dasselbe Schicksal : sie sterben ab , unter dem Einfluß der Reiherwirtschaft , namentlich der Reiherkinderstube , deren Details sich jeder Mitteilungsmöglichkeit entziehen . Erst Mitte Juli pflegen die Jungen flügge zu werden . In diesem Jahre jedoch mußten sie kräftiger oder gelehriger gewesen sein ; jedenfalls fanden wir alles ausgeflogen und sahen uns in der angenehmen Lage , jede einzelne Wohnstätte aufs genaueste mustern zu können . Was die Wipfel der Bäume angeht , so bleibt dem Gesagten an dieser Stelle nichts hinzuzufügen ; aber auch der Untergrund erzählt noch manche Geschichte . Hier und dort lag zu Füßen einer wie geschält aussehenden , ihrer Rinde halb entkleideten Eiche das Federwerk eines Jungvogels . Das erklärt sich so . Fällt ein junger Reiher vor dem Flüggewerden aus dem Nest , so ist er verloren . Ein freies , selbständiges Leben zu führen , dazu ist er noch zu jung , ihn wieder in das Nest hinaufzuschaffen , dazu ist er zu schwer . So bleibt er liegen , wo er liegt , und stirbt den allerbittersten Tod unter den Unbilden seiner nächsten Verwandten , die , ohne ihre Lebens- und Anstandsformen im geringsten zu ändern , erbarmungslos zu seinen Häupten sitzen . Unter anderen Bäumen lagen herabgestürzte Nester . Sie gaben uns Veranlassung , ein solches zu untersuchen . Es ist einem Storchennest ähnlich , aber noch gröber im Gefüge , und besteht aus angetriebenem Holz der verschiedensten Arten : Kiefern- , Elsen-und Weidenzweige . Dazu viel trockenes Stechapfelkraut , lange Stengel , mit aufgesprungenen Kapseln daran . Ob sie für dies Kraut um Geruches willen , vielleicht auch als Arzneidroge , eine Vorliebe haben , oder ob es ihnen lediglich als Bindemittel zu festerer Verschlingung der dicken Holzstäbe dient , muß dahin gestellt bleiben . Überall aber , wo ein solches Nest lag , sproßte wuchernd aus hundert Samenkörnern ein ganzer Giftgarten von weißblühender Datura auf , der übrigens , jede Ausschließlichkeit vermeidend , auch anderem Blumenvolk den Zutritt gestattete . Nur » von Familie « mußten die Zugelassenen sein : Wolfsmilch , Bilsenkraut , Nachtschatten . Das Harmloseste , was sich eingeschlichen hatte , war Brennessel . Ein Erinnerungsblatt hier mitzunehmen , verbot sich ; so mußten die umherliegenden Federn aushelfen . Ein paar der schönsten an unsere Mützen steckend , kehrten wir , nunmehr des Weges kundig , in kürzester Frist an Bord unseres Schiffes zurück . Hier hatte sich mittlerweile Mudy nach mehr als einer Seite hin legitimiert . Der Tisch war unter einer ausgespannten Leinwand gedeckt ; der weißeste Damast , das blinkendste Silber lachten uns entgegen . Selbst an Tafelaufsätzen gebrach es nicht . Neben dem großen Köpenicker Baumkuchen paradierten zwei prächtige , in hundert Blüten stehende Heidekrautbüschel , die Mudy , samt dem Erdreich , ausgeschnitten und in zwei reliefgeschmückte Weinkühler eingesetzt hatte . Aber Größeres war uns vorbehalten , was sich erst offenbaren sollte , als die Reihe der vorschriftsmäßigen Gänge , unter denen sich besonders das Fischgericht » Schlei mit Dill « auszeichnete , beendet war . Ob aus Nachklang oder Inspiration , aus Erinnerung oder geoffenbarter Weisheit , gleichviel , in Mudys Seele hatte die Vorstellung gedämmert , daß » das Dessert die Krone jedes Mahles sei « . Und dieser Vorstellung Ausdruck zu geben , hatte er sich beflissen gezeigt . Daß er dabei , in materiell eng gezogenen Grenzen verbleibend , über einen bloßen symbolischen Akt nicht hinausgekommen war , steigerte nur den Effekt . Der Leser urteile selbst . In eben demselben Augen blicke , in dem der Kreis des möglichen nach unser aller Ansicht geschlossen schien , und auch in dem begehrlichsten Herzen nur noch Wunsch und Raum für Zigarette und Kaffee vorhanden war , erschien Mudy mit einem auf dem Menüzettel ungenannt gebliebenen Überraschungsgericht . Geheimnisvoll genug in seiner Einkleidung . Eine Glasschale war mit Kraut und Blütenzweigen gefüllt ; in der Mitte dieser Schale aber , wie ein Ei in einem Neste liegt , lag ein Teesieb , in dem unser dienender Bruder , während wir auf der Suche nach dem Reiherhorste waren , aus dem spärlichen Vorrat der nächsten Wald- und Uferstellen eine halbe Hand voll Erd- und Blaubeeren mühsam gesammelt hatte . Die Wirkung dieser Aufmerksamkeit war eine enthusiastische und rang nach entsprechendem Ausdruck . Kapitän Backhusen fand ihn . Einen vor ihm stehenden Römer bis an den Rand mit Scharlachberger füllend , schüttete er den Inhalt des Schälchens hinein und sprach dann kurz : » Perle der Kleopatra , armselige Renommisterei hier , in Erd- und Blaubeeren , spricht bescheiden eine schönere Tat . Es lebe Mudy . « Die Luft stand . Es war noch zu früh zum Aufbruch ; so beschlossen wir eine Waldsiesta , und unsere Plaids an schattiger Stelle ausbreitend , suchte sich jeder eine Ruhestätte . Libellen flogen , Käfer summten , und in mir klang es aus einem meiner Lieblingsdichter : Hier an der Bergeshalde Verstummet ganz der Wind ; Die Zweige hängen nieder , Die blauen Fliegen summen Und blitzen durch die Luft . Einmal , zweimal wiederholte ich diese Zeilen , die den Klang eines Nachmittags-Schlummerliedes haben ; dann schlief ich ein . Die Genossen hatten weniger gezögert . Es war sechs Uhr und die Sonne streifte schon von der Seite her die Wipfel des Waldes , als uns die Schiffsglocke , rasch anschlagend , mit zur Eile mahnendem Tone wieder an Bord rief . Kapitän Backhusen hatte früher als seine Gäste den Nachmittagsschlaf abgeschüttelt . Ein paar Kommandoworte und die » Sphinx « löste sich leicht und gefällig von der Uferstelle , in deren Schatten sie sechs Stunden geankert hatte . Die Landzungen schoben uns immer neue , von Minute zu Minute prächtiger beleuchtete Kulissen in den Weg ; in Schlängellinien umfuhren wir sie , ein paar geleitgebende Reiher hoch über uns in Lüften . So kamen wir aus der Schmölte in den Hölzernen See . Alles war bis dahin gut gegangen , und zu endgültiger Bewährung der » Sphinx « fehlte nur noch ein Zwischenfall , ein » Accident « . Auch dieser sollte nicht ausbleiben . Kaum in den Hölzernen See , nomen et omen , eingefahren , so saßen wir fest . Aber die Führung unseres Schiffs hätte nicht die sein müssen , die sie war , wenn sie sich in solchem Momente hätte ratlos erweisen sollen . Kapitän Backhusen , mit dem Tubus auslugend , erkannte hinter Schilf und Werft versteckt , in nicht allzuweiter Entfernung ein Brückenwärterhäuschen , an das jetzt Mudy , die Schiffsjolle herablassend , mit der Anfrage deputiert wurde , ob man bereit sei , unseren aus dicken Eisenplatten bestehenden Ballast auf zwei , drei Tage zu beherbergen . In kürzester Frist war die bejahende Antwort da , die großen Barren wanderten aus dem Rumpf in die Jolle und nach dreimaliger Fahrt zwischen Schiff und Zollhaus war unsere Sphinx wieder flott und frei . Unter dankbarem Hüteschwenken ging es , eine Viertelstunde später , an dem Brückenzollhaus vorüber . Aber dieses Hüteschwenken genügte uns nicht . Unserer Freude einen lauteren Ausdruck zu geben , holten wir aus der Waffenkammer ein paar Vogelflinten herbei , und auf unendliche Entfernungen hin , zwischen Dümpler und Krickenten hineinfeuernd , weckten wir das Echo , das , offenbar verdrießlich über die Störung , mit nur halber Stimme antwortete . Wir empfanden es und stellten die Flinten an ihren alten Platz . Es begann zu dunkeln , als wir , zwischen Groß- und Klein-Köris , in ein schwieriges , aus mehreren flachen Becken bestehendes Seegebiet einfuhren , das in seiner Gesamtheit den wenig klangvollen aber bezeichnenden Namen der » Moddersee « führt . Die Karten unterscheiden einen großen und kleinen . Das Wasser in diesen Becken stand nur etwa fußhoch über einem aus gelbgrünen Pflanzenstoffen bestehenden Untergrund , der so weich war , wie ein mit Hilfe von Reagenzien eben gefällter Niederschlag . Unser Schiff durchschnitt diese reizlosen , aber für die Wissenschaft der Torf-und Moorbildungen vielleicht nicht unwichtigen Wassertümpel , die vor uns , unaufgerüttelt , in smaragdner Klarheit , hinter uns in graugelber Trübe , wie ein Quirlbrei von Lehm und Humus lagen . Es wurde still und stiller an Bord . Jene Schweigelust überkam uns , die nach einem schönen , an Bildern und Eindrücken reichen Reisetage , auch den Heitergesprächigsten anzuwandeln pflegt und weder in Ermüdung , noch in Verstimmung wurzelnd , ihren Grund in dem plötzlichen Berührtwerden von dem Ausgehen alles Glückes , von der Endlichkeit aller Dinge hat . Auch wir hatten diesen Tribut zu zahlen , stärker als bei mancher anderen Gelegenheit , da nichts da war , uns dieser Stimmung zu entreißen . Die Dörfer hörten auf ; nur in einiger Entfernung lag Sputendorf . Es klang wie eine Mahnung und wir ließen sie uns gegeben sein . Ein neues Segel bei ! Der Wind setzte sich hinein und plötzlich , wie aufatmend , fuhren wir aus einem Gewirr von Tümpeln und Schmalungen , die wir während der letzten zwei Stunden zu passieren gehabt hatten , in ein imposantes und beinah haffartig wirkendes Wasserbecken ein . Nur in sehr unbestimmten Umrissen erkannten wir die Ufer . Nach links hin , in langer Linie , blitzten Lichter und spiegelten sich in dem dunkeln See . An Bord drängte alles zu neuer Tätigkeit . Leutnant Apitz , mit eigner Hand , feuerte den landeinwärts gerichteten Böller ab ; Mudy , auf Befehl des Kapitäns , ließ eine Rakete in den Nachthimmel aufsteigen . In wenigen Minuten sahen wir unseren Zweck erreicht : Gestalten , hin- und herlaufend , sammelten sich an einer Stelle , die ein Landungsplatz , eine Anlegebrücke sein mochte . Stimmen klangen herüber . Gleich darauf fiel der Anker . Im Angesicht von Teupitz , dunkel und rätselvoll , lag die » Sphinx « . An der Spree Schloss Köpenick Die Zeit des Kurprinzen Friedrich von 1682 bis 1688 Die Zeit des Kurprinzen Friedrich von 1682 bis 1688 In welchem Jahre Kurprinz Friedrich seinen Einzug in Schloß Köpenick hielt , ist nicht genau mehr festzustellen , wahrscheinlich um 1680 . Der Schloßbau wurde zwar vor 1681 nicht beendet , ja , das Sandsteinportal , durch das wir in den Schloßhof eintraten , trägt sogar erst die Jahreszahl 1682 , es ist indes eher wahrscheinlich als nicht , daß Kurprinz Friedrich die Vollendung des ganzen Baus nicht erst abwartete und sich bereits zwei Jahre früher mit dem begnügte , was fertig war . Die Verhältnisse zwangen ihn fast dazu . Seiner alten Feindschaft mit seiner Stiefmutter , der holsteinischen Dorothea , war im Jahre 1679 , bei Gelegenheit seiner Vermählung mit der hessischen Prinzessin , zwar eine Versöhnungsszene gefolgt , aber diese Versöhnung hatte die Abneigung der Mutter und das Mißtrauen des Sohnes um nichts gebessert . Plötzliche Erkrankungen , auch Todesfälle , regten den alten Verdacht wieder an , und nachdem Kurprinz Friedrich selbst und zwar bei Gelegenheit eines Festmahls , das ihm die Stiefmutter gab , von einem heftigen Kolikanfall heimgesucht worden war , steigerten sich seine Befürchtungen bis zu solchem Grade , daß er seinen Vater um die Erlaubnis bat , sich nach Schloß Köpenick zurückziehen zu dürfen . Nicht in Freuden zog er in die schönen Räume ein , die zum Teil noch ihrer Vollendung entgegensahen ; das Schloß war ihm mehr ein rettendes Asyl als eine Stätte heitrer Flitterwochen , und in Bangen und Einsamkeit vergingen ihm die Tage selbstgewählter Verbannung . Sein schwacher Körper verbot ihm die Freuden der Jagd , und die Deckengemälde ( die Jagdzüge Dianas ) , die um ihn her entstanden , erinnerten ihn nur an das , was ihm gebrach . Gleichförmig öde spannen sich die Wochen ab und was diese Gleichförmigkeit von Zeit zu Zeit unterbrach , waren meist frostige Feste , die dem Tode zu Ehren gefeiert wurden . Am 7. Juli 1683 starb des Kurprinzen Gemahlin und immer dunkler und schwerer hing es über Schloß Köpenick . Da endlich kam Sonnenschein . Das Trauerjahr war um , der Flor fiel , Hochzeit gab es wieder und Sophie Charlotte » die philosophische Königin « hielt ihren Einzug in die Marken . Zwanzig Jahre lang stand von jenem Tag an die helle Sonne dieser Frau über dem dunklen Tannenlande und gab ihm eine Heiterkeit , die es bis dahin nicht gekannt hatte . Aber ihr lachendes Auge , das über so vielem leuchtete , leuchtete nicht über Schloß Köpenick . Waren ihr die Zimmer zu hoch , die Bäume zu dunkel , die Traditionen zu trist , – gleichviel , sie vermied die Stätte , darin die hessische Prinzessin , des Kurprinzen erste Gemahlin , ihre Tage hinweg geängstigt hatte , und die sonnenbeschienenen Abhänge des Dorfes Lützow entsprachen mehr ihrem heitern Sinn . Schloß Köpenick verödete , wurde stiller und verlassener als es je gewesen , und Schloß Charlottenburg mit funkelnder Kuppel und goldnen Figuren wuchs statt seiner empor . Die Zeit Friedrich Wilhelms I Die Zeit Friedrich Wilhelms I. Schloß Köpenick war tot , bis es der soldatische Sohn Sophie Charlottens zu neuem Leben erweckte . Die Jagdpassion kam wieder zu Ehren , und Tage brachen wieder an , wie sie Kurfürst Joachim nicht wilder und weidmännischer gekannt hatte . Jene Dianenbilder an Plafonds und Simsen , die dreißig Jahre lang ein Hohn gewesen waren , sie kamen jetzt zum ersten Male , seit Rütger von Langenfeld die Säle und Korridore mit ihnen geschmückt hatte , zu ihrer Bedeutung und ihrem Recht . Jagd tobte wieder um Schloß Köpenick her und Fangeisen und Hörner waren wieder in ihm zu Haus . Diese Jagden zeichneten sich durch Gefahren aus , die mehr aufzusuchen als zu vermeiden für guten Ton galt . Züge von Ritterlichkeit machten sich geltend , die an den Hof Franz I. erinnert haben würden , wenn nicht , anstelle gelanten Minnedienstes , jene kurbrandenburgische Derbheit vorgeherrscht hätte , der zu allen Zeiten ein Kraftwort weit über ein Liebesgedicht oder ein Wortspiel ging . Bei diesen Jagden , wie Schloß Köpenick sie damals häufig sah , wurde fast jedesmal der eine oder der andere schwer verwundet , wenn nicht getötet . In ein viereckiges Gehege von 600 bis 700 Schritten , das von Leinen eingeschlossen war , ließ man oft zwei- oder dreihundert wilde Schweine von jedem Alter und jeder Größe ein . Hier erwarteten sie die Jäger , je zwei und zwei , um die wild hereinbrechenden auflaufen zu lassen . Verfehlten sie das Tier oder zerbrach das Fangeisen , so wurden sie oft über den Haufen gestoßen und von dem verwundeten Wildschwein übel zugerichtet . Zuweilen nötigte der König auch wohl seine Jäger und Pagen , die größten Keiler bei den Ohren zu fassen und mit Gefahr ihres Lebens so lange festzuhalten , bis er selbst herbei kam , um sie abzufangen . Wer sich zu solchem Dienste weigerte , galt für feige . Der König selbst ward auf einer dieser Jagdpartien , in unmittelbarer Nähe von Köpenick , stark verwundet , und würde sein Leben eingebüßt haben , wenn ihm nicht einer seiner Jäger rechtzeitig beigesprungen wäre . Blutend schaffte man ihn nach Köpenick . Es war am 15. Januar 1729 . Das nächste Jahr brachte gewichtigere Tage , Tage , die den Namen Schloß Köpenicks mit einer der interessantesten Episoden unserer Geschichte für immer verwoben haben . Am 28. 0ktober 1730 trat hier das Kriegsgericht zusammen , das über den Leutnant Katte vom Regiment Gensdarmes , sowie über den » desertirten Obristlieutnant Fritz « Urteil sprechen sollte . Diese höchst denkwürdige Sitzung fand in dem sogenannten Wappensaale statt . Unter den vielen Sälen des Schlosses ist er nicht nur der historisch interessanteste , sondern auch dadurch vor allen andern bemerkenswert , daß er in seiner Einrichtung und Ausschmückung weder bedeutend gelitten hat , noch auch hinter einer Gips- und Mörtelverkleidung seine Vorzüge verborgen hält . Dieser Wappensaal ( wegen einer in ihm aufgestellten Orgel auch der » Orgelsaal « geheißen ) ist zwei Treppen hoch gelegen und blickt mit seinen Fenstern auf die Spree hinaus . Im Verhältnis zu seiner Tiefe hängt die Decke zu niedrig und würde bei ihrer reichen Ornamentik noch viel mehr den Eindruck davon machen , wenn nicht die hellen Farbentöne , weiß und lila , die durch den ganzen Saal hin vorherrschen , eine gewisse Luftigkeit wieder herstellten . Die völlig weiß gehaltene Decke wird von etwa zwanzig Karyatiden gestützt , die alle vier Seiten des Saales umstehen und auf ihrer Brust die Wappenschilde der verschiedenen preußischen Gebietsteile jener Epoche tragen . Eine bestimmte Reihenfolge , nach den Provinzen , ist bei Aufstellung derselben nicht beobachtet worden und Kassuben und Wenden , Jägerndorf und Minden , Ravensberg und Gützkow , dazu Ruppin , Camin , Mark , Crossen , Barth , Pommern , Cleve usw. folgen bunt aufeinander . An den beiden Längswänden befinden sich auch ein paar große Kamine , reich verziert mit allerhand Emblemen und Wappenfiguren ; alles weißer Stuck , wie der ganze Rest der Ausschmückung überhaupt . Das Ganze , weniger schön als von entschieden historischem Gepräge , macht es einem glaublich , daß hier an langer Tafel das Kriegsgericht saß , das über Tod und Leben eines Prinzen und seiner Mitschuldigen aburteilen sollte . Der Tag , an dem die Kriegsgerichtssitzung im » Wappensaale zu Köpenick « stattfand , war , wie bereits erwähnt , der 28. Oktober 1730 . In dem Kapitel » Küstrin « ( Band II. , Oderland ) hab ich ausführlich darüber berichtet . Hier nur noch einmal das : die das Kriegsgericht bildenden sechzehn Offiziere lehnten einen Rechtsspruch über den Kronprinzen einfach ab und verurteilten den Leutnant von Katte zu lebenslänglichem Festungsarrest . Der König stieß dies Urteil um . Manche Punkte hinsichtlich dieser Vorgänge waren bis in die neueste Zeit hinein nicht völlig aufgeklärt , das aber hat immer festgestanden , daß jene denkwürdige Kriegsgerichtssitzung im großen Wappensaale zu Köpenick stattfand . Vielleicht wär ' es angebracht , wenn nicht ein historisches Bild , so doch wenigstens eine Gedächtnistafel aufzurichten , die die Erinnerung an jenen Tag an eben dieser Stelle lebendig hält . Die Zeit Henriette Maries von 1749 bis 1782 Die Zeit Henriette Maries von 1749 bis 1782 Henriette Marie geb . Prinzessin von Brandenburg-Schwedt , hatte sich mit vierzehn Jahren bereits an den Herzog von Württemberg-Teck vermählt und war mit neunundzwanzig Jahren Witwe geworden . Als solche lebte sie zunächst in Berlin und erschien während der letzten Regierungsjahre Friedrich Wilhelms I. bei allen Hoffesten . Auch noch unter dem großen Könige . So gingen die Dinge bis 1749 , um welche Zeit ihr Schloß Köpenick als Witwensitz angewiesen wurde . Es hieß damals , » sie sei verbannt « , auch scheint sie von jenem Zeitpunkt ab am Berliner Hofe nicht länger erschienen zu sein . Welche Gründe den König zu dieser Verbannung veranlaßten , ist nur zu mutmaßen , nicht nachzuweisen . Es heißt , daß Friedrich II. an dem wenig korrekten Lebenswandel der Prinzessin Anstoß genommen habe , doch ist es nicht unwahrscheinlich , daß andere Dinge mit ins Spiel kamen und den Ausschlag gaben . Die Seitenlinie Brandenburg-Schwedt wurde vom großen Könige mit derselben Abneigung betrachtet , die schon sein Vater und namentlich sein Großvater Friedrich I. gegen dieselbe gehegt hatte und – » wie ' s in den Wald hinein schallt , so schallt es auch wieder heraus « . So bedeutend jene Zeit in vielen Stücken war , so war sie ' s doch keines wegs in allen , und Klatsch , Intrige und Chronique scandaleuse hatten ein unglaublich großes Feld . Wir werden kaum irren , wenn wir annehmen , daß Prinzessin Henriette Marie ihre Zunge weniger als wünschenswert im Zaume gehalten habe , und daß dieser Umstand mit zur unfreiwilligen Muße von Köpenick führte . Daß die Prinzessin infolge davon dreißig Jahre lang die Kunst des Schweigens geübt habe , haben wir allerdings nicht die geringste Ursach anzunehmen , es scheint vielmehr , daß man sich die Langeweile durch allerpikanteste Plaudereien nach Möglichkeit vertrieben und alle Mesquinerien eines kleinen Hofes , als bestes Mittel die Zeit hinzubringen , mit wahrer Meisterschaft kultiviert habe . Über das damalige Leben im Köpenicker Schlosse geben einige Notizen Aufschluß , denen wir in einer Biographie des Freiherrn von Krohne , der sich Königlich Polnischer Wirklicher Geheimerat nannte , begegnen . Dieser Abenteurer , der überall im Trüben zu fischen und an kleinen Höfen seine » Fortune « zu machen suchte , kam auch an den Hof des Markgrafen Friedrich Wilhelm von Schwedt , des regierenden Bruders unserer Henriette Marie , deren Hofstaat der Markgraf aus den Revenuen seines Schwedter Markgrafentums zu unterhalten hatte . Prinzessin-Schwester brauchte mehr als Markgraf-Bruder zu zahlen liebte und so wurde denn Freiherr von Krohne , nachdem er eben seine Dienste angeboten , an den Köpenicker Hof geschickt , angeblich um der Prinzessin als Kammerherr zu Diensten zu sein , in Wahrheit aber um die Ausgaben , zu denen ihre Freigebigkeit oder ihre Verschwendung führte , zu kontrollieren . Freiherr von Krohne traf ein , debütierte mit Geschick , wußte einen Hofrat , der ihm in Schwedt als Hauptträger des Verschwendungssystems bezeichnet worden war , glücklich zu entfernen und stand bereits auf dem Punkte , sich als erster Minister und Plenipotentiär am Hofe zu Köpenick zu etablieren , als die beiden alten Günstlinge der Prinzessin , die bis dahin auf gegnerischem Fuße gestanden und ihre Macht balanciert hatten , sich zum Untergange des Eindringlings verschworen . Kammerherr von Wangenheim und Hofprediger St. Aubin 4 schlossen Frieden , entlarvten den immer mächtiger werdenden Freiherrn als eine Kreatur des Schwedter Markgrafen und stürzten ihn auf der Stelle . Kammerherr von Wangenheim , von dem eigens hervorgehoben wird , daß er ein sehr starker Mann gewesen , übernahm zu größerer Sicherheit die Exekutive seiner eigenen Maßregeln und schaffte den gestürzten Nebenbuhler bis vor das Portal des Schlosses . So lebte man damals in Schloß Köpenick . Klein und bedeutungslos vergingen die Tage , die selbst in der überkommenen Ausstattung und Einrichtung nicht das geringste geändert zu haben scheinen . Wie konnten sie auch ! Der prinzeßliche Hof zu Köpenick war ein bloßes Filial des markgräflichen Hofes zu Schwedt , der doch seinerseits auch nur wieder ein Filial , eine bedeutungslose Abzweigung des Berlin-Potsdamschen Hofes war . Das dreißigjährige Leben der Prinzessin hat keine Spur zurückgelassen , aber was ihrem Leben nicht gelang , das gelang ihrem Tode . Henriette Marie starb im Schloß Köpenick und ist in der Schloßkapelle daselbst begraben worden . In der jedem Besucher zugänglichen Gruft dieser Kapelle steht ein schwerer Eichensarg , der auf seinem obersten Brett ein vergilbtes seidenes Kissen und auf dem Kissen eine Krone von dünnem , verbogenem Goldblech trägt . Hebt man den Deckel vom Sarg , so erblickt man in diesem die in ihrem achtzigsten Jahre verstorbene Prinzessin als Mumie . Tüllhaube und Seidenband legen sich noch um Stirn und Kinn und das schwere gelbe Brokatkleid zeigt noch seine Falten und raschelt und knistert , als wär ' es gestern gemacht . Wir schließen den Sargdeckel wieder und steigen aus der Gruft in die Kapelle zurück . Eine hohe , reich verzierte Decke wölbt sich über uns und macht den Eindruck des Freundlichen , ohne den des Feierlichen vermissen zu lassen , links vom Altar aber , in einen Fensterpfeiler eingefügt , gewahren wir eine prächtige Tafel von poliertem schwarzen Marmor , auf der wir in Goldbuchstaben folgende Worte lesen : » Diese Gruft umschließt die verweslichen Überreste der durchlauchtigsten Fürstin und Frau , Henriette Marie , geborene Prinzessin von Preußen und Brandenburg , vermählte Erbprinzessin und Herzogin von Württemberg und Teck . Sie war geboren den 11. März 1702 , vermählt den 8. December 1716 mit dem Erbprinzen Friedrich Ludwig von Württemberg , ward Witwe den 23. November 1731 , entschlief in dem Herrn den 7. Mai 1782 . Dieses Denkmal setzt ihr ihre einzige Tochter Louise Friederike ,