, in seinem berühmten Gemälde › Las Lanzas ‹ genannt , welches die Übergabe von Breda darstellt . Die Rubensschen Geschichtsbilder konnten sich des allegorischen Beiwerks nicht entledigen . Velasquez ' Genrebilder mit lebensgroßen Figuren sind auch schon im modernen Sinne konzipiert , z.B. der Besuch in einer Gobelinfabrik , ein Bild , das Gerôme für das bestgemalte Bild überhaupt erklärt hat . Die Spanier halten ihre großen Meister auch hoch in Ehren ; Murillo gilt ihnen als der › pintor del cielo ‹ , Velasquez als der der › tierra ‹ . Merkwürdigerweise hat auch Murillo höchst realistische Genrefiguren ( München , Louvre ) gemalt . Die Porträts des Velasquez stehen in ihrer Art auf dem Gipfelpunkt des Erreichbaren . Der geistreiche Blick derselben erhascht , nach dem Ästhetiker Vischer , › den reinsten Phosphor der Persönlichkeit ‹ . Man hat in Spanien immer das Gefühl , daß es eine Weltmacht war ; häufig begegnet man noch dem Flitter vergangener Größe . Interessant ist das Volksleben , die Tänze auf öffentlichen Plätzen , das Zigeunertreiben , das Aufregende der blutigen Stierkämpfe , die Hingabe der Frauen , die klangvolle Sprache , die äußerste Lebendigkeit in der Komödie und Posse , die Gastfreundschaft , dazu die Fülle der Abenteuer , deren man dort mehr erleben kann , als in anderen Ländern . Im Alcazar von Sevilla und in Granada lernte ich die Blüte arabischer Architektur kennen und befreundete mich mit dem Architekten Herrn von Diebitsch , der damals in der Alhambra seine Studien machte . Von Cadix ging ich mit einem kleinen vollgepackten Marktboot nach Marokko hinüber ; die Fahrt sollte acht Stunden dauern , ein Sturm trieb uns aber vierundzwanzig Stunden umher . In Tanger sah ich zum erstenmal ein Stück fremden Erdteils , das sich mir tief einprägte und auf meine spätere Entwicklung einen großen Einfluß übte . Fast alles war anders wie in Europa , wo die nivellierende Kultur die sonst so verschiedenen Länder in der äußeren Erscheinung ziemlich gleich gemacht hat . Die Trümmer der Beschießung von Tanger und Mogador durch die Franzosen waren , eine Folge der großen Indolenz der Bewohner , noch nicht fortgeräumt . Am Strande ( einen Hafen besaß Tanger noch nicht ) und vor den Toren der Stadt lagen Hunderte von Arabern , Berbern und Kabylen , die von Algerien hierher verschlagen waren , in Fetzen und Lumpen , unter ebenso zerrissenen Zelten halb nackt umher . Sie machten den Tag zur Nacht . Es war die Zeit des Fastenmonats Ramadan , wo von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang nicht Speise noch Trank genossen werden darf . Ein Unglücklicher , der seinen Durst nicht bezwingen konnte , glaubte heimlich trinken zu können , ohne dabei bemerkt zu werden . Aber das wilde , scharfe Auge des Hafenkapitäns hatte den Sünder erspäht , und sofort riß er , in seinem religiösen Fanatismus , eine Latte vom Zaun , ( ein Nagel war darin stecken geblieben ) und hieb auf den Armen ein , daß das Blut herumspritzte . Dazu war der Anzug dieses improvisierten Henkers rot vom Turban bis zu den Maroquinschuhen . Das war so ein Stück patriarchalischer Rechtsprechung . Ich mußte ein paar Stunden unter dem wilden Volk warten , ehe ich die Tore passieren durfte , da erst die Pässe revidiert werden mußten , – der meinige durch den schwedischen Generalkonsul ; denn wir hatten damals noch keinen Vertreter dort . Ein Russe , der Sohn des Gouverneurs von Sibirien , wurde überhaupt nicht eingelassen und mußte mit dem nächsten Schiff wieder abreisen . Zurück fuhr ich , viele Wochen später – wie hier vorgreifend gleich bemerkt werden mag – auf einem französischen Kriegsschiff , auf dem sich der berühmte französische Kriegsmaler Raffet befand ; eben dies Kriegsschiff sollte das hier lagernde algerische Gesindel nach Oran zurückschaffen . Dabei hatte ich denn Gelegenheit , noch manche Seltsamkeiten dieses Gesindels kennenzulernen . Von Tanger aus besuchte ich die Höhlen der Riffpiraten und die malerische Stadt Tetuan . Dem Pascha derselben hatte ich keinen Besuch gemacht , weil solche Besuche jedesmal mit großen Geldopfern , die ich damals nicht machen konnte , verbunden sind . Er rächte sich aber dafür ; denn als ich von Tetuan nach Tanger zurück wollte , gab er mir vier Begleiter mit auf den Weg , für die ich pro Tag zwanzig Dollars bezahlen mußte . Und dabei verlangte er vorweg eine schriftliche Erklärung , dahingehend , › daß ich ihn nicht verantwortlich machen wollte , wenn mir ein Überfall zustieße ‹ . Ich blieb nämlich eine Nacht unterwegs , da mir ein Tagesritt von zwölf Stunden , den ich auf der Hinreise gemacht , zu anstrengend war . Meine Begleiter , wie vorauszusehen , schliefen gleich ein , statt abwechselnd die Wache zu halten , weshalb ich sie persönlich übernehmen mußte . Dies wurde mir dadurch leichter , daß wir an einem Orte lagerten , wo kurz zuvor eine Karawane angekommen war , mit vielen im Atlasgebirge eingefangenen Affen , die nun von den scharenweis herbeikommenden wilden Hunden angebellt wurden , was einen Höllenlärm verursachte . Nach Spanien zurückgekehrt , glaubte ich mich in meine Heimat versetzt , so groß war der Unterschied zwischen europäischem und afrikanischem Leben . In Tanger und Tetuan mußte ich mich durch einen spanischen Dolmetscher mit den Arabern verständlich machen ; in Madrid mietete ich mich jetzt in eine spanische Familie ein , um die Sprache schneller zu erlernen . Durch die Liebenswürdigkeit der Damen , besonders der Töchter des Hauses , gelang mir ' s auch einigermaßen . Auf der weiteren Rückreise durch Südfrankreich hatte ich einen Unfall , und ward im Gebirge oben vom höchsten Sitz der Messagerie durch Sturz des Wagens wohl zwanzig Fuß herabgeschleudert , derart , daß ich acht Tage meinen Kopf nicht bewegen konnte . « So verlief die genau dreiviertel Jahr umfassende spanisch-marokkanische Reise W. Gentz ' , die , wie hier parenthetisch bemerkt werden mag , trotz der vorerwähnten kostspieligen Militäreskorte von Tetuan nach Tanger , trotz etlicher » accidents « ( darunter der Postwagenunfall ) und endlich trotz reichlich in Afrika gemachter Einkäufe , nur gerade viertausend Francs , also etwa tausend Taler gekostet hatte , was nicht ermangeln wird , den Neid aller ungeschickt und teuer Reisenden , zu denen ich mich leider selber zu zählen habe , zu wecken . Ende 1847 oder Anfang 1848 war W. Gentz wieder in Paris zurück und unterzog sich hier eben der Ausführung seiner mitgebrachten Skizzen , als die Februarrevolution dazwischen trat und ihm Veranlassung gab , auf fast Jahresfrist in seine märkische Heimat ( Ruppin ) zurückzukehren . Hier entstanden zunächst verschiedene Porträts , darunter die Bildnisse seiner Eltern , worauf er dann , auf längere Zeit , nach Dresden ging , um daselbst einige Kopien italienischer Meister , namentlich Tizians und Correggios , zu fertigen . Die Sehnsucht nach den seiner Kunst so förderlichen Kreisen der französischen Hauptstadt zog ihn aber , im selben Jahre noch , wieder nach Paris zurück , woselbst er nun das Jahr darauf ( 1849 ) sein erstes großes Bild malte : » Der verlorene Sohn in der Wüste « . Dies Bild , » Der verlorene Sohn « , wurde im Herbst 1850 auch in Berlin ausgestellt und erfuhr daselbst sowohl seitens des Publikums wie der Kritik eine sehr günstige Aufnahme . Die Freude darüber wurde W. Gentz aber nicht unmittelbar zuteil ; denn um eben die Zeit , wo die günstigen Beurteilungen in den Blättern erschienen , war er längst nicht mehr in Berlin , auch nicht in Paris , sondern in Ägypten , wohin er schon im März genannten Jahres ( 1850 ) seine zweite große Afrikareise , die auch seine größte blieb , angetreten hatte . Begleiten wir ihn auf dieser seiner Fahrt . Am 10. März war er in Marseille , am 26. in Kairo . Hier blieb er , erfaßt von dem ganzen Zauber des Orients , volle sieben Monate . Am 2. November endlich bestieg er eine Dahabîye , ein großes Nilboot , um auf ihm die bekannte Nilfahrt bis zum zweiten Katarakt und dem nahe gelegenen Wadi Halfa zu machen . Alle Vorbereitungen waren getroffen und in der Abreisestunde schrieb er seinen Eltern : » Das Mieten eines Schiffes macht so viele Schwierigkeiten , wie wenn man bei uns daheim ein Rittergut kauft . Zwei volle Tage habe ich zur Verfertigung des Kontraktes nötig gehabt . Mit den Schiffsleuten ist nicht mehr aufzustellen als mit dem brutalsten Vieh , und danach behandelt man sie auch . Den kleinsten Punkt muß man im Kontrakt regeln , ist dieser aber gut abgefaßt , so kann man , ohne alle Sorge , dem Kapitän in Kontraventionsfällen bei jedem Scheich einer Stadt eine gehörige Tracht Hiebe auf die Fußsohlen aufzählen lassen . Selbst wenn man einen solchen Kerl niederschösse , würde kein Hahn danach krähen . Mein Dragoman ist ein ehrlicher , verständiger Mann . Außerdem habe ich einen Reisebegleiter gefunden , einen Galizier , Herrn von Wrublewski , mit dem ich schon früher den Ausflug nach Sakkarah gemacht habe . Zur Sicherheit sind alle Vorkehrungen getroffen . Ich habe mir eine Doppelflinte , einen Säbel , einen Yatagan und einen Dolch außer meinen beiden Pistolen gekauft . Auch eine kleine Reiseapotheke . Übrigens bin ich akklimatisiert . Meine Provision habe ich für drei Monate eingerichtet : Sechzig Pfund Schiffszwieback , zwanzig Flaschen Rum und Kognak , einen Sack Kartoffeln , Reis , Makkaroni , Kaffee , Tee . Kurzum genug . Für den täglichen Bedarf findet man sehr viel Wild , und mein Begleiter ist ein guter Jäger . Die Wunder des grauen Altertums werden bald vor unseren Blicken sein . « Am 15. November war er in Karnak und Luxor , am 16. in Esneh , am 21. am ersten Katarakt ( Assuan und Philä ) ; vom 24. bis 26. zwischen Korosko , Deri und Ibrim , am 3. Dezember am zweiten Nilkatarakt und am Tage darauf in Wadi Halfa . Hier befand er sich am vorgesteckten Ziel , von dem aus er die Rückfahrt antrat . Am 13. , nach kurzem Verweilen in Abu-Simbel und Kelabscheh , war er wieder am ersten Katarakt , wo er besonders der im Nil gelegenen Felseninsel Philä seine Aufmerksamkeit schenkte . Am 18. in Edfu . Dann , während der ganzen Weihnachtswoche abermals in Karnak und Luxor , die jetzt beide mit aller Gründlichkeit von ihm durchforscht wurden , bis er am 1. Januar in Dendare und am 8. in Kairo eintraf , das , trotz der Fülle des auf seiner Nilfahrt Gesehenen , den alten Zauber auf ihn ausübte . Noch etwa sechs Wochen blieb er daselbst ; dann , Ende Februar , brach er auf und verbrachte den März auf einer Wanderung durch Palästina , Syrien , Klein-Asien . In Smyrna lernte er den Prinzen Friedrich von Schleswig-Holstein 31 kennen , mit dem er , von jener Zeit an , bis zum Tode desselben , in freundschaftlichem Verkehr blieb , nachdem er ihn noch im Jahre 1874 auf seinem Schlosse Noer , in der Nähe von Eckernförde , besucht hatte . Anfang April war W. Gentz in Konstantinopel und Ende desselben Monats in Korfu . Von da ging er , über Pest und Wien , ins elterliche Haus zurück , an das er , alle die Zeit über , zahlreiche Briefe gerichtet hatte . Daheim nahm er seine malerische Tätigkeit rasch wieder auf , und nachdem er , durch Jahr und Tag hin , nur gezeichnet und skizziert hatte , ging er jetzt mit doppelter Lust an ein großes Bild : » Der Sklavenmarkt in Kairo « , das das Jahr darauf in Berlin ausgestellt wurde . Zu gleicher Zeit beschäftigte ihn die Herausgabe seiner , von Ägypten her , an die Eltern gerichteten Briefe , und zu Weihnachten 1852 erschienen denn auch » Briefe aus Ägypten und Nubien « – Verlag von Karl Barthol in Berlin – ein vorzügliches Buch , das durch all das , was seitdem an Reiseliteratur über Ägypten erschienen ist , von seiner Bedeutung wenig und von seinem Reize nichts verloren hat . Dieser Reiz besteht zum Teil in dem , was ich schon wiederholentlich als » Gentzsche Vortragsweise « bezeichnet habe , noch mehr aber in jener ein gutes Wissen und einen freien Blick zur Voraussetzung habenden Fähigkeit , die großen Erscheinungen der Kunst , der Geschichte , des Lebens überhaupt , in ihrem Zusammenhange zu begreifen . Zum Beweise dessen mag es mir gestattet sein , aus dem an Anschauungen und Betrachtungen gleich reichen Buche wenigstens eine Stelle hier zitieren zu dürfen . So heißt es aus Dendare am 1. Januar 1851 ; » Wie Ägypten selbst als ein eigentümlicher , nur aus sich selbst verständlicher Organismus anzusehen ist , so prägen auch die ägyptischen Kunstwerke : ganze Ortschaften mit Tempeln , Obelisken , Grabdenkmälern , Sphinxalleen , eine in sich einige Totalität aus , welche der hierarchischen Gliederung und Ordnung des Lebens entspricht . Nur von diesem Gesichtspunkte aus wird die Kunst jener zurückliegenden Jahrtausende verständlich . Das Einzelne , und wäre es der kolossalste Obelisk , kann für sich allein keine Vorstellung von der Großartigkeit altägyptischer Kunstintentionen geben , – in dem Reichtum von Bauwerken , mit denen ein solcher Einzelobelisk zu einem Ganzen verbunden war , war er nichts als eine verschwindende Größe . Nur wer die verbliebenen Baureste im großen und ganzen übersieht , vermag einigermaßen zu würdigen , welche Großartigkeit künstlerischer Unternehmungen in diesem Lande heimisch war , hier , wo jetzt die Trägheit einer Sklavenbevölkerung nichts ahnt von jenem gewaltigen Geist , an dessen ewigen Monumenten sie gleichgültig vorbeizieht . « ... » Unsere moderne Welt « , so fährt Gentz in demselben Briefe fort , » hat , nach dem Untergange des griechischen Lebens , die Künste von einander separiert . Bei der weltfeindlichen Tendenz der katholischen Kirche konnte , zunächst wenigstens , im früheren Mittelalter kein großartiges Kunstleben erwachen ; der gotische Kirchenbau vereinigte später zwar mehrere Künste von neuem , aber doch immer nur in einer den höchsten Aufgaben der Kunst widerstreitenden Begrenzung , da der durch das Transzendentale bestimmte Charakter der Gotik sich nicht bemüßigt sehen konnte , die schöne Erscheinung festzuhalten . Nur das geistige und körperliche Leiden kommt in den alten Heiligenbildern zur Darstellung . Als dann aber später ( in Raphael und anderen ) die Malerei sich anließ , mit ihren unerreichten geistig und sinnlich schönen Madonnenbildern die Basiliken Roms zu schmücken , war sie ebenso weit über das eigentliche christlich mittelalterliche Kirchenwesen hinaus , wie die liberalen , in sinnlicher Üppigkeit dahin lebenden Päpste , Julius II. und Leo X. , die Zeit der Askese hinter sich hatten . « Bald nach Erscheinen der ägyptischen Briefe kehrte W. Gentz von Ruppin bzw. Berlin nach Paris zurück , Frühjahr 1853 , wohin es ihn längst gezogen haben mochte . Seine Tätigkeit verdoppelte sich und er begann , von 1853 bis 1858 , nach dem Vorbilde Horace Vernets , biblische Motive in treuer Wiedergabe orientalischen Wesens , wozu seine zahlreichen Studien ihn befähigten , zu komponieren . Und neben diesen Bildern biblischen Inhalts gab er Darstellungen aus dem Volksleben . Es entstanden um diese Zeit : 1. Sphinx bei Theben ; Hirt mit Ziegen im Vordergrund . 2. Ägyptische Studenten . 3. Christus und Magdalena beim Pharisäer Simon . ( Von Frau Hauptmann Steinberg in Ruppin gekauft und für die dortige Klosterkirche gestiftet . ) 4. Fülle und Elend ; früher bekannt unter dem Titel : » Wohl endet der Tod des Lebens Not , doch schauert Leben vor dem Tod . « 5. Christus bei den Sündern und Zöllnern , von den Pharisäern zurecht gewiesen . ( Vom Kommerzienrat Zimmermann für die Kunsthalle in Chemnitz gestiftet . ) 6. Ägyptische Bettlerinnen . Alle diese Bilder wurden in Paris ausgestellt , die beiden letztgenannten auch in Berlin , wohin er , aller Parispassion und alles internationalen Zuges unerachtet , im Herbste 1857 dennoch zurückzukehren für gut fand . Die vier Jahre von 1853 bis 1857 , während welcher Zeit er – nunmehr auf eigenen Füßen stehend – frei und selbständig schuf , waren ihm in besonders angenehmer Weise vergangen , wozu sehr wesentlich die freundlichen Beziehungen beitrugen , in denen er ebensowohl zu französischen wie zu deutschen Künstlern stand . Gerôme , Boulanger , Louis Hamon , Aubert , sämtlich , wie er selbst , aus der Gleyreschen Schule hervorgegangen , zählten zu seinem Umgang , während er sich mit Ferdinand Heilbuth ( Hamburger , aber in Paris geblieben und dort naturalisiert ; vor kurzem verstorben ) befreundete . Desgleichen stand er auf freundlichem Fuße mit Feuerbach , Viktor Müller , Rudolf Henneberg , Lindenschmidt , Gustav Spangenberg , alle Schüler von Couture , zu dem er sich , wie schon erzählt , nach Austritt aus dem Gleyreschen Atelier , ebenfalls ein Jahr lang gehalten hatte . Alle diese waren gleichaltrig Mitstrebende ; seine guten Beziehungen aber beschränkten sich nicht auf diese , sondern erstreckten sich auch auf solche , die damals in der Pariser Malerwelt als anerkannte Meister den Ton angaben : Paul Delaroche , Horace Vernet , Robert Fleury , Ary Scheffer , Courbet , Winterhalter . Und diesen hier Genannten darf auch Ludwig Knaus zugezählt werden , » der ( so schreibt G. ) schon als Meister dorthin kam , dort , wie überall , eine Ausnahmestellung einnahm und in Paris alles erreichte , was ein Maler erreichen kann . « IV Rückkehr in die Heimat . Ruppin . Übersiedlung nach Berlin . Verheiratung ( 1861 ) . Reisen . Briefe aus Stockholm ( Von 1857 bis 1874 ) 1857 , wie bereits kurz erwähnt , verließ W. Gentz Frankreich , um nun dauernd in die Heimat zurückzukehren . Aber er blieb , wie jeder Künstler das muß , in intimer Fühlung mit Paris , und so mag denn , ehe ich in Nachstehendem über die zweite Hälfte seines Lebens und Schaffens berichte , zunächst das noch eine Stelle hier finden , was er – aus aller Chronologie herausgerissen und anknüpfend an die gelegentlichen Begegnungen einer späteren Zeit – über die französischen Maler überhaupt , insonderheit über ihren naiven Chauvinismus , also mehr über die Menschen als über die Künstler , und schließlich auch noch über die neueste Pariser Kunstrichtung geschrieben hat . » ... Ich war allezeit « , so schreibt er , » sehr gern in Paris und stand , was ich immer wieder und wieder betonen muß , mit den französischen Künstlern auf bestem Fuße , wennschon ihnen ihre › Superiorität ‹ über uns , und zwar nicht bloß für den Moment , sondern für alle Zeiten , unverbrüchlich feststand . Sie waren darin ganz naiv . Der Gedanke , daß sie von anderen überflügelt werden könnten , ist ihnen bis diese Stunde fremd geblieben . Und so ist es denn auch ein charakteristischer Zug jedes Franzosen , ohne weiteres anzunehmen , daß seine Nation von einer anderen nicht besiegt werden könne . Davon ein Beispiel . Als ich Gleyre im Jahre 1868 das letztemal sprach , lud ich ihn ein , mich in Berlin zu besuchen , ich wolle bei der Gelegenheit sein Führer durch die Museen , wie auch durch die Museen in Dresden usw. sein . › Ich nehme es an ‹ , sagte er , › doch zuvor müssen wir mit den Deutschen uns messen . ‹ Die Wut gegen uns datierte schon vom österreichischen Kriege her . › Aber ‹ , erwiderte ich ihm , › Sie sind ja gar kein Franzose , Sie sind ja ein Schweizer ; was geht Sie diese Rivalität an ? ‹ › Schweizer bin ich , aber durch meinen langen Aufenthalt in Paris mit den Franzosen identifiziert . ‹ › Nun wohl , dann kann ich Ihnen nur erwidern , daß Sie einen Krieg mit uns nicht herbeiwünschen sollten ; denn Sie werden , wie die Österreicher , zermalmt werden . ‹ › Das glaube ich nun freilich nicht . Sollten wir aber geschlagen werden , so würden wir ( setzte er lachend hinzu ) unsern Napoleon wenigstens loswerden ‹ . « » Und hier lasse ich « , so fährt Gentz in seinen Aufzeichnungen fort , » gleich noch einen zweiten anekdotischen Zug folgen , der angetan ist , den Chauvinismus der Franzosen und das Hochmaß ihrer gekränkten Eitelkeit in voller Beleuchtung zu zeigen . Ich hatte Leon Bonnat , der gegenwärtig als größter Porträtmaler der Franzosen gilt , schon 1846 in Madrid bei seinen Eltern kennengelernt . Er war damals erst vierzehnjährig und ich zeichnete sein Porträt . Später , als er seine Studien in Italien vollendet und besonders , wie er mir sagte , die deutschen Künstler dort schätzengelernt hatte , traf ich ihn bei Robert Fleury wieder . Ebenso ( 1878 ) auf der Pariser Weltausstellung , auf der ich Kommissar für Deutschland war . Ich führte ihn in unsere Abteilung , wo er sich besonders begeistert über Lenbachs Döllingerporträt aussprach . Auch Menzels und von Gebhardts Bilder wurden von ihm bewundert . Er riet mir aber ab , meinen Sohn nach Paris zum Studium zu schicken , weil er zwar väterlich für ihn sorgen wolle , leider aber nicht die Macht habe , ihn vor etwaigen Insulten von seiten seiner Mitschüler zu schützen . Das war 1878 . Ich bin auch später noch zum Besuch der Jahresausstellungen nach Paris gereist und war immer enthusiasmiert von dem , was ich sah . Heute haben sich ganz andere Richtungen geltend gemacht , als zu meiner Zeit . Wie in der Literatur die Zolas , so haben auch die Maler das Bedürfnis gefühlt , › qu ' on descende dans la rue ‹ , wie sie sich ausdrücken . Ich muß bekennen , daß viel Wahres darin liegt ; man darf nur nicht behaupten , daß das alleinige Gebiet der Kunst auf der Straße zu finden sei . « Hiermit schließen W. Gentz ' auf Paris und das Pariser Kunstleben Bezug habende Betrachtungen ab ; was sich sonst noch in seinen Aufzeichnungen findet , berührt andere Punkte . * Wilhelm Gentz war nun also wieder daheim und scheint , ehe er sich durch Hauskauf völlig seßhaft machte , seinen Aufenthalt zwischen Berlin und seiner Vaterstadt Ruppin geteilt zu haben . Das war von 1857 bis 1861 . In Ruppin , an das ihn ein ausgesprochener Familiensinn und im besonderen die herzlichste Liebe zu dem klugen und eigenartigen Vater kettete , war er mannigfach mit Ausschmückung all der Bauten beschäftigt , die sein Bruder Alexander damals in Stadt und Umgebung entstehen ließ . Einiges davon ( so z.B. die Wandbilder in der Gentzschen Stadtwohnung ) hat mir immer besonders gut gefallen . In Berlin , das selbstverständlich sein Hauptquartier blieb , bewohnte er vorläufig mietsweise das in der Feilnerstraße gelegene » Feilnersche Haus « . Von 1861 ab stabilisierte sich sein Leben immer mehr . In eben diesem Jahre verheiratete er sich mit Fräulein Ida von Damitz , Tochter des Kreisbaumeisters von Damitz , aus welcher Ehe ihm in den zwei folgenden Jahren , 1862 und 1863 , ein Sohn Ismael und eine Tochter Mirjam geboren wurden . Ismael , auf den sich das malerische Talent des Vaters vererbt hatte , zeigte schon früh eine hervorragende Begabung für das Charakteristische in der Kunst , und mehrere gute Porträts , darunter eine Serie bekannter Berliner Persönlichkeiten : Werner Siemens , Lothar Bucher , Minister Friedberg , Dubois-Reymond , Frau von Großheim , Fanny Lewald , Paul Meyerheim , Max Klinger , Amberg , Max Klein , Saltzmann , Geh . Rat von Bergmann , Geh . Rat Dr. Tobold , Bleibtreu , Albert Hertel , Gussow , Rangabé , Reichstagsmitglied von Benda , Prof. Vogel u.a.m. rühren von ihm her . Mirjam verheiratete sich 1883 oder 1884 mit dem Rittergutsbesitzer von Lambrecht-Benda auf Breitenfelde , Sohn des Reichstagsmitgliedes von Benda auf Rudow bei Berlin . Vom Bildhauer Klein existiert eine hervorragend gelungene Büste von ihr . Im Jahre seiner Verheiratung ( 1861 ) kaufte W. Gentz auch das bis dahin nur mietsweise von ihm bewohnte , noch aus der Schinkelzeit herrührende » Feilnersche Haus « , das damals noch vieles aus den Tagen seines alten Glanzes enthielt , darunter , um nur ein Beispiel zu geben , einen Konzert- oder Musiksaal , der , als Jenny Lind im Jahre 1842 darin zu singen versprochen hatte , der besseren Akustik halber mit kostbarem Ahornholz ausgelegt wurde . Diese Paneelierung ist später mit in die Hildebrandtstraße 5 , wohin W. Gentz im Jahre 1869 von der Feilnerstraße her übersiedelte , hinübergewandert , nachdem das ganze Haus mehr oder weniger orientalisiert oder ägyptisiert und mit Skizzen und Bildern , zu nicht geringem Teil von Freunden und Bekannten , geschmückt worden war . Auf dies Haus und seine Einrichtung komme ich weiterhin zurück . * Fleiß und Schaffenslust , die W. Gentz von früh auf ausgezeichnet hatten , blieben dieselben in Berlin wie während der nun zurückliegenden Pariser Tage , und eine lange Reihe von Arbeiten , etwa sechzig an der Zahl , entstand in der Epoche von 1857 bis 1874 . Ich beschränke mich darauf , die Hauptarbeiten hier aufzuzählen , zugleich unter Angabe , wohin sie kamen und ähnlicher kurzer Notizen . 1858 . Eine Sakkieh ( Schöpfradmühle ) an den Ufern des Nil . – In Berlin und Wien ausgestellt . Befindet sich in einem Museum in Amerika . 1860 . Sklaventransport durch die Wüste . – Schon in Paris begonnen ; 1860 in Berlin vollendet . Befindet sich im Museum zu Stettin . Widder und Sphinx in der Thebaïde . – Noch im Besitz von W. Gentz ; eine besondere Zierde seines Salons . Rast einer Karawane in der Wüste . – Befindet sich in Triest . 1861 . Volk vor einer Moschee in Kairo . – In der großen deutschen Ausstellung zu Köln ausgestellt und vom Kunstverein in Wien angekauft . 1862 . Lager der großen Mekkakarawane in der Wüste . – Befindet sich in Bedford in England . 1863 . Pelikane ; Erinnerung aus Nubien . – Erhielt die goldene Medaille auf der großen internationalen Ausstellung in Wien . Die Heilige Nacht . Transparentbild für die Weihnachtsausstellung der Berliner Akademie . Zwei Araberscheichs im Gebet vor ihren Zelten . – In sechs Tagen gemalt . Im Besitz des städtischen Museums zu Stettin . 1864 . Beduinenlager . – Vom russischen Gesandten in Paris angekauft . 1865 . Ankunft einer Karawane in Kairo . – Vom Berliner Kunstverein gekauft ; jetzt in Amerika . Promenade eines Harems . – In Amerika . Markt in Kairo . – In Amerika . 1866 . Arabische Stammsagen nach Rückert . – Für Geh . Rat Ravené in Moabit an die Wand gemalt . Lagerleben von Beduinen bei Suez . – Für Kommerzienrat Hoffbauer in Potsdam gemalt . 1867 . Mekkapilger ; Gebet in der Wüste . – Befindet sich in Amerika . 1868 . Ein Märchenerzähler bei Kairo . – Besitzer Herr Siemens in Berlin . Abend am Nil . – Derselbe Besitzer . 1869 . Flamingojäger . Zelte ; vorn ein Beduine auf einem Kamel . – Miniaturbild ; nur anderthalb Zoll im Quadrat . Darbringung im Tempel . Transparentbild für die Weihnachtsausstellung der Berliner Akademie . 1870 . Totenfest bei Kairo . – Befindet sich in der Dresdener Bildergalerie . 1871 . Schlangenbeschwörer in Oberägypten . – Befindet sich in Moskau . 1872 . Begegnung zweier Karawanen . Früher in der Galerie Stroußberg ; jetzt bei A. von Hansemann . 1873 . Vor dem Tempel von Abu-Simbel . Ägyptische Altertums- und Raritätenhändler . Zu den hier aufgezählten Arbeiten gesellen sich aus der Epoche von 1857 bis 1874 verhältnismäßig viele Porträts : Ch . Fr . Gentz ( der Vater ) , Frau Wilh . Gentz ( geb . von Damitz ) , Frau von Damitz ( Schwiegermutter ) , Kämmerer Gustav Hagen , Frau Schumann , General von Tümpling und verschiedene Porträts von Persönlichkeiten in Gentzrode . Bemerkenswert ist , wie viele der Gentzschen Bilder , darunter mehrere , die vorstehend nicht genannt sind , nach Amerika gingen . * Wie kaum erst hervorgehoben zu werden braucht , bedeutete für einen so hervorragend an Weltbewegung gewöhnten Mann wie W. Gentz , ein » sich stabilisieren « nicht zugleich auch ein » Stillsitzen « in Berlin ; im Gegenteil , die Reisepassion blieb und er gab ihr jederzeit willig nach . So war er denn , der früheren , im Jahre 1850 auf 1851 unternommenen ägyptischen Reise zu geschweigen , noch dreimal in Ägypten , und zwar 1864 auf 1865 , 1868 auf 1869 und 1871 . Desgleichen ging er 1871 auf 1872 nach Palästina , um Studien zu seinem großen Bilde » Einzug des Kronprinzen in Jerusalem « zu machen , und 1873 auf 1874 nach Italien . Im letztgenannten Jahre war er auch auf dem Naturforscher- und Anthropologenkongreß in Stockholm , wohin er sich Anfang August begab , und aus seinen damals an seine Frau gerichteten Briefen möchte ich hier um so lieber Mitteilungen machen , als wir W. Gentz , den Menschen , wie den Künstler , immer nur an den Orient geknüpft glauben . Diese Nordlandsbriefe zeigen so recht das Umfassende seiner Beziehungen und Interessen und sind ebenso durch reichen Inhalt , wie ganz besonders auch durch eine knappeste Form der Darstellung ausgezeichnet . Der erste Brief ist noch von heimischem Boden , aus Noer bei Eckernförde , geschrieben . Noer , den 1. August 1874 Es regnet augenblicklich sehr stark . Das gibt mir Zeit zum Schreiben . Dienstag abend elfeinhalb trat ich meine Fahrt hierher an ; Mittwoch neuneinhalb morgens war ich in Kiel . Ich ging gleich nach Düsternbrook , mein erstes Seebad zu nehmen . Dort traf ich Kosleck , der die Kieler durch seine Trompeten-Konzerte in Aufregung gebracht hat , während er mit seinen Einnahmen weniger zufrieden ist