Wozu lag ich hier in diesem indianischen Neste auf der faulen Haut , statt in gepflasterten Straßen zu wohnen , zu arbeiten , mich zu ärgern und zu lieben ? Das gewöhnlichste Ärgernis mit etwas mehr Komfort wäre ein Labsal gewesen . Hier aber war ich ausgeschaltet . Hier war mein Platz nicht . Kummer schloß mir die Augen und ich wünschte den Schlaf , zu vergessen . Was war unter diesen Kannibalen zu holen , diesen Lebemännern von anderer Leute Schmerzen ? Der Wust und Aufwand von Muskeln , Fleisch und Sinnlichkeit erdrückte mich . Ich wollte fliehen , ich sah braune Menschen auf vier Füßen hinter mir herjagen , sah sie nach Katzenart sich zum Sprunge rüsten . Einer saß mir im Nacken und fraß . Es schmerzte . Ich hatte ein deutliches Gefühl seines genußwütigen Gesichtes . Ich nahm alle Kräfte zusammen und schüttelte , schüttelte mich in einem konvulsivischen Grauen - da fiel es von mir ab . Der Schmerz schwieg , und sogleich fühlte ich durch die Erleichterung einen vehementen Schwung , ich krümmte mich zusammen und schnellte mich hinaus in den Himmel , frisch wie eine Schnuppe . In weitem Bogen flog ich über das All hinweg , in den Hüften geknickt , mit dem Gesichte voraus . Links von mir stand ein fetter Stern ; dann kamen andere und kamen so dicht , daß ein Zusammenstoß unvermeidlich schien . Wir stießen an ; aber merkwürdigerweise spürte ich den Schmerz an meinem Rücken . Dies brachte mich auf die Idee , daß ich eigentlich nach rückwärts flöge . Und es bestätigte sich . Kommt es denn so selten vor , daß man sich bei Gravitationen falsch orientiert ? Jede Sonne kann das erzählen . Ich habe für diese Indifferenzen das schöne Symbol des Wasserrades gefunden . Ich flog also mit meinem Hinterteil voraus ; vielleicht stand ich aber auch irgendwo im Unendlichen , und das gesamte Weltall rotierte gleichförmig an meinem Rücken vorbei . Die Sterne , dummes Silbergeklingel und steife , eingedörrte Krötenbälge traten , so oft sie anstießen , beim Steiß in meinen Körper ein , verursachten ein sprödes Krachen und nahmen ihren juckenden Weg mit demselben trockenen Schnalzton wieder beim Hinterkopfe heraus . Auf diese Weise absolvierte ich so ungefähr das ganze Firmament , es rieselte zart und raspelnd wie eine Ameisenstraße durch meine Wirbelsäule hindurch . Unter mir gab es plötzlich hohe Häuser , eine gepflasterte Straße heimelte mich an . Und obwohl ich einige Meilen hoch darüber hinschwebte , war es doch , als ob ich mich mit meinen Augen in Menschenhöhe über dem Niveau der Straße befände . Zum zweiten Male mußte ich die Ansicht über meine eigene Lage wesentlich ändern . Es stellte sich heraus , daß ich in der Tat mit dem Kopfe nach unten , die Beine hoch oben in der Luft , durch eine Straße dahinpfiff . Mein Rumpf war so unermeßlich ausgedehnt , daß ich beinahe die Fühlung mit meinem Kopfe verlor . Ich erkannte , daß ich sozusagen im Handstand durch die Luft segelte und mein Kopf , der nicht mehr mir gehörte und mit einer Unzahl von Sternen belastet war , die dort nicht mehr herausfanden , mir den Dienst versagte . Eine ungeheure Sehnsucht befiel mich , auf dieser Straße , die mir bekannt schien , haltzumachen . Ich wollte die rechte Hand ausstrecken . Es ging schwer , es ging zäh , sie schrumpfte plötzlich zu einem tauben Handschuh zusammen , aber im nächsten Augenblicke wußte etwas in mir Rat : wie ein brennender Siegellacktropfen fiel , gleichsam bestellt , ein winziger weißer Stern zur rechten Zeit auf meinen Handschuh , schlüpfte dort auf eine merkwürdige Weise hinein und beschwerte ihn tüchtig . Jetzt war es wieder eine Hand . Sie berührte mit einer stumpfen Empfindung den Boden . Es war weicher Asphalt , der sich aber sofort härtete , als ich mit dem Rücken derb darauf zu liegen kam . Noch ruderte ich halb rücklings halb kopfab die Hauswände der leeren Straßen entlang , keine Seele war da , die sich in meiner hilflosen Lage um mich gekümmert hätte . Noch schossen die Sterne wie Raketen die Leiter meiner Wirbel hinunter ; am stärksten war das Bombardement an der linken Seite , wo ein ganz großer , fetter , gräßlicher Kerl immer wieder ganze Serien von Verwandten durch mich hindurchsandte . Da kam ich endlich in Fühlung mit der Straße , lief eine Weile auf dem rechten Arme eine Strecke Weges weiter und krachte dann kopfüber hin . Es war plötzlich fürchterlich helle . Bautz , da lag ich , und alle Sterne , die in meinem Hintern aufgespeichert waren , explodierten wie ein Schwarm Funken um mich her . Da fühlte ich mich vom Leben vollständig besiegt , denn ich entsann mich , daß es acht Uhr morgens war und daß ich in die Schule mußte . Ferner , daß ich meine morgendliche Träumerei am Straßenpflaster in ungebührlicher Weise ausdehne . Ich fühlte mich tief geknickt , ohne Lebenslust , ohne das Schwergewicht eines Charakters , wie ich dalag , jenseits des Lebens , ganz nördlich von den einfachsten warmen Regungen , ohnmächtig , nur einen Finger zu rühren . Um aber meine Niedergeschlagenheit nun noch zu begründen , kam ein schlankes Mädchen des Weges daher . Sie war braun und hübsch , und ich schrie ihr zu : » Hallo , Zana , wie geht ' s ? « Sie hatte einen dichten Schleier mit Fasern und Punkten vor dem Gesicht , so daß die Schatten davon auf ihrem Teint fleckten . » Ach , Zana « , sagte ich voller Sehnsucht , » nehmen Sie doch einmal den Schleier von Ihrer Tätowierung ab . « Sie sah recht rot an den Wangen aus , aber sie tat nicht , als ob sie mich gehört hätte . Sie ging weiter und ließ mich elend zurück . Heftig suchte ich mich zu bewegen , die seltsame Last meiner moralischen und körperlichen Pein zu sprengen . Angestrengt dachte ich nach und suchte mit den Augen nach meinen einzelnen Gliedern , die sich von mir losgelöst zu haben schienen . Meine ganze Konzentration legte ich in diesen Blick . Da wurde es mir bewußt , daß ich mich in einem Dämmerzustande befand , der zwei Tiefen besaß . Ich dachte exakt , aber ich erlebte zweideutig . Es war die Trance , das große seelische Ereignis der Tropen . Ich wußte über meine geistige Anwesenheit Bescheid , aber ich vermischte die körperlichen Grundlagen , ich war imstande , zwei Räume ineinander zu schieben . Es ist ein entsetzlicher Abgrund von Tiefe , der sich hier auftut . Ich war imstande , zu denken , daß das Bild der Sinne im Verhältnis zum geistigen Zustande absolut gleichgültig sei ; aber ich vermochte mitsamt der enormen Anstrengung von Gehirn und Willen nicht , dieses Bild zu beeinflussen , ich kam buchstäblich nicht vom Flecke . Mein Dasein blieb in diesen Minuten trotz außerordentlicher geistiger Leistungen ein nur verhältnismäßig Wirkliches . Ich befand mich in diesem Augenblicke auf der Straße einer großen Stadt . Aber diese Wirklichkeit ignorierte ich . Ich war gezwungen , eine Vision zu erleben , die ich leugnete . Mühevoll leugnend nahmen meine angestrengten Augen eine grüne Spitze aus , die sich hypnotisierend bewegte . Langsam erinnerte ich mich , daß sie einem Palmblatte ähnlich sah . Ein Fräulein Zauner oder Zana - der Klang haftete mir nur flüchtig im Ohr - war wieder da . Sie hatte ihre Würde abgelegt , jetzt frotzelte sie mich und schwang die Palme wie ein Gassenmädel über mir . Meine Sehnsucht nach diesem Mädchen war grenzenlos . Es stand zu meiner Linken , irgendwo an ihm , auf einem Stengel hinterm Ohre oder in seinem Haar , schwankte eine pralle weiße Rose . Das Mädchen sagte nichts , aber es zirpte mit einem berückenden Laute so unaufhaltsam süß und furchtbar , daß sich meine Eingeweide vor Leid zusammenzogen und Tränen mir die Augenwinkel herabrannen . Wie das wollüstige Zirpen , so waren die Tränen schwer , schwer und rund , und ich konnte jede einzelne nachrechnen , konnte ihr förmlich mit den weinenden Augen nachblicken . So scharf und vielseitig war meine Beobachtungsunrast und die Spannung meiner Phantasie . Den kleinsten und intimsten Dingen konnte sie sich mit der Bewußtseinsfalle zuwenden . Die Schauer dieses Zustandes , eine Mischung von Lust und Qual , unbegrenzter geistiger Freiheit und körperlicher Starre , wurzelten in einem Gefühl zartester Lauterkeit . Zana , kleines Grillenweib ! träumte ich schluchzend . Aber mein Geist blieb indem hart bei der Wirklichkeit oder bei etwas , das er als solche empfand . » Bitte , Fräulein Zana « , sagte ich in seinem Sinne und sehr sachlich , » ich halte Sie für kokett . Ihr gemusterter Schleier mit seinen Teintwirkungen ist ein Nachkomme der indianischen Tätowierung . Geben Sie sich keine Mühe . Ich liebe Sie nicht . Zieren Sie sich nicht mit dem Schirm , ich weiß schon , daß es keine poesievolle Palme ist . Sie verwenden schrecklich alte Mittel , um mich zu fesseln . Ich verabscheue Ihre Pikanterien . « Mein Herz brach , als es so log . Aber es log mit den Wahrheiten meines Geistes . Er verwertete sie praktisch , benützte sie zu einem an und für sich simpeln Manöver , indem er auf den Weiberfang ging . Ha , was war es mit den geistigen Wahrheiten ? Waren sie vielleicht überhaupt nur das Rüstzeug der geschlechtlichen Überlegenheit ? Machte ich hier , von einem Frauenzimmer an die Straße gefesselt , diese Aperçus nur zu dem Zwecke , um ein Gegengewicht zu haben , wenn das Mädchen mit den Tupfen im Gesicht prahlte ? Liebe macht geistig und ehrlich . Aber der Geist und die Ehrlichkeit sind so viel wert wie das Rouge einer Mädchenwange . Heiha , wie ich denken konnte ; aber auch dieses Denken , das sich selbst bedenkt , ist nur ein Schleier , mit dem man etwas Wichtigeres reizvoll ornamentiert . Körperlich ausgeschaltet lag ich da als idealer menschlicher Organismus . Die selige Frage des Organs gestaltet sich zu einer profunden Erkenntnis . Während ich dem Mädchen nachsah , das dahineilte , ging es mir blitzschnell durch den außerordentlich klaren und angeregten , Kopf , daß Beobachtung ein nicht unwesentlicher Bestandteil der Lust und eine geradlinige Äußerung tierischer , ja vegetativer Funktionen sein möge . Fräulein Zanas Abgang rührte mich . Ein knapper Rock fesselte sie über den Knöcheln . Sie konnte nicht ausschreiten , sie ging hastig und mit kurzen , humpelnden Schritten . Ihre Halbschuhe trugen Schnallen und Maschen . Da erkannte ich es wieder , wie ich es vor vielen Jahren erlebt hatte . War Zierlichkeit eine Ableitung , eine Verkleinerung , eine Korrumpierung von Grausamkeit ? Der Sinn des Brutalen , Beschränkenden , Verstümmelnden schürzt die Falten am Körper des modernen Weibes , ringt verlangend in den Formen der Bekleidung , sprengt sich leer und inhaltslos , müde vom vergeblichen Bitten im sehnsüchtigen Schein des Tuches an , alte Lüste zu verbildlichen . Alles was der Mann einst hatte , prangt heute als starre Formel in der Toilette unserer Dame . Alles was der Mann einst an Männlichkeit vergab , näht , stickt und flickt sie sich heute nach Eigenbedarf . Sein Körper ist nicht mehr durch Muskeln interessant ; sie aber trägt den Fetisch verwirrender Verschlungenheit , wie ihn der nackte Mann bot , nun zahm und zahnlos selbst mit sich herum . Und liebt , wie sollte es anders sein , den Halspelz wie einen Bizeps , den engen Rock , der Formen wirft , wie eine tastende Hand , das Korsett wie die gewaltige Umarmung , die einst die natürliche Schönheit ihrer Hüften und Brüste genoß , und schreitet mit dem schlanken Schuh den alltäglich gewordenen Phallustanz . Wild , grausam , geil prangt die Pracht unserer Weiber , seit nicht mehr Männer , nur Tuch und Leder ihrer Sehnsucht antworten . In den ursprünglichen Gewaltakten vom Opferblick gekitzelter Urmenschgatten sah ich die Eltern unserer Moden . Und so wandelte auch das Mädchen lieb und voll versteckter Demut in ihrem Gefängnis , trug es mit sich die Straße entlang und empfand sich prachtvoll . Ihr Rock brachte die doppelte Sattelung ihres Leibes über den Hüften und an den Knien zur Geltung . An den Knien wogte die Kontur ihres Rumpfes mit einer großartigen Schwingung zurück . Dieser Engpaß beschloß die schnittige Mulde ihres Schoßes . Sanftmut und Ergebenheit stiegen aus warmen Formen , folterten durch eine laue , entnervende Zärtlichkeit , die sich zwecklos in ihnen zu verschwenden schien . Das Tuch liniierte die Geheimnisse dieses Mädchens . Mein Kopf barst von uralten Empfindungen , entlegene Eigentümlichkeiten und Liebhabereien aus Kinderzeit fielen mir nachträglich ein . Schönheit , war es das , was wir als Fixes , mystisch geregeltes Göttliches anbeteten oder : Pietät gegen gute Erfahrungen ? In der langen Straße einer großen Stadt geschah es , daß mich die Sehnsucht nach dem Weibe ankam . Ich sah das Mädchen wandeln . Plötzlich begriff ich unseren Urzustand und erfaßte unser Verhältnis als eine primitive Frage erwünschter Gewalt diesseits von Sitte und Benehmen . Und nun geschah etwas , dessen Sonderbarkeit mir deutlich zum Bewußtsein kam . Der böse Palmzweig , den das Mädchen mit den schadhaften Stöckeln über mir geschwungen hatte , wurde eine vollständige und wirkliche Palme . Etwas Neues und Zusammenhängendes baute sich um mich auf . Ich begrüßte es mit einem schwachen Schimmer von Wiedererkennen . Es erlöste das Gemüt wie Langvertrautes ; vage Bilder von Urgefühltem reiften langsam herauf : und da , mit einem Schlage war es da , hatte ich einen Namen und nannte es : Tropenlandschaft . Ich lag mit dem Rücken unter einer Palme . Das Kreuz schmerzte mich , so daß ich Bewegungen unterließ . Meine rechte Hand lag schwer unter mir , sie war gleichsam eingeschlafen und hing leer herab . Links über mir glomm in einem wilden Gewimmel von Sternen ein großer prallweißer Planet mit intensivem Lichte . Er stach nach meinen Augen , bändigte mich mit seinem Strahl wie jener lange Muskel , die Schlange . Er übte einen erstarrenden Einfluß aus . Er bannte mich , und ich träumte schwer , aber mein Scharfsinn blieb wach und kritisierte den Traum . Ich sah mich in einer Tropenlandschaft vor einer triangulären Hütte liegen , die aus Palmstroh bestand . Meine Augen waren rund aufgeschlossen und gebrochen : ich gewahrte sie mit Entsetzen wie etwas Fremdes ; in ihnen saß kalt und fett ein weißer Stern und fraß sich wie ein metallischer Wurm , wie eine weißglühende Entzündung in den aasigen Glanz der Augäpfel ein . War ich tot oder war ich krank , daß ich so dalag und die Zeichen fiebernder Verwesung ihren Glanz in meine Augen bohrten ? War es Erinnerung oder war es Vorzeichen ? Oder war es Symbol , war alles nur Symbol für einen inneren Zustand ? Ich dachte normal und schnell . Dieser Zustand entbehrte trotz einer leisen Qual , trotz Schauder und Zweifel nicht der Seligkeit . Ich war vor Glück erfroren , war in einem frostigen Wohlsein gelähmt . Ich ahnte die Tatsache Trance . In diesem Zustande waren die zwei Tiefen der Seele , Traum und Untraum , verschiebbar , und alles war Traum , alles war Wirklichkeit . Die Welt der Logik , das Phantoplasma , das Bild gewordene System der zureichenden Erklärungen war zwiefach . Es pendelte zwischen zwei Rhythmen , davon jeder bloß der Umschwung des anderen war . Was ich hier dachte , konnte ich auch dort denken . Derselbe seelische Verlauf konnte ein verschiedenes Phantoplasma , sei ' s Traum , sei ' s Wachleben , unterlegen . Phantoplasma , so nannte ich diese Entdeckung , die ich in meinem höchsten entkörperten Augenblicke , in der Trance , entdeckt habe . Diese stramme Kopfarbeit , für die ich sonst ungefähr die Konzentration einer Stunde berechnet hätte , wurde in wenigen körperlichen Sekunden geleistet . Denn das Mädchen hatte sich inzwischen erst einige Schritte entfernen können . Sein Entschwinden erweckte mich . Ich war wieder in der Straße zwischen den großen Häusern . Aber diese Schnelligkeit war gering zu dem Nichts an Zeit , mit dem sich die bildlichen Grundlagen meiner geistigen Erregung änderten . Diese Erregung war das einzige Solide und Dauernde während der ganzen Trance . Ich habe einen außerordentlich treu überlieferten Zusammenhang meiner Gedanken davon bewahrt . Mein Leib aber schien indessen doppelt vorhanden , ich fühlte zwei Leben mit derselben gemeinsamen , geistigen Spitze , ich lebte in der großen Straße und lebte in einem indianischen Dorfe ; freilich ahnte ich im Grunde , daß die Stadt eine Realität , das Dorf aber eine , wenn auch heftig empfundene Vision war . Manchmal verschmolzen die Eindrücke ; der eine war der , daß ich mich in einer städtischen Straße befände und mir gegenüber eine Figur , die ich intensiv als weibliches Wesen empfand , sich entferne . Plötzlich stand das Mädchen nackt da . Nein , es war nicht ganz nackt , sondern trug bis über die ominösen Knie schwarze Strümpfe und auf dem ein wenig schiefgelegten Kopfe einen pompösen Hut . Als ich mich mit den Knien beschäftigte , fielen die schwarzen Strümpfe fort . Die Knie sahen jetzt um ein gutes Stück harmloser aus . Der Hut mit der großartig wallenden Straußfeder machte gleichfalls eine Metamorphose durch . Das Kothurnprinzip , auf Schädel angewandt , das in diesem Hutriesen stack , vergrößerte den Maßstab der Figur , der weibliche Helm gab ein übertriebenes Zeugnis dämonischer Macht . Sein Nachfolger war ein mystisch und böse blickendes Geflecht , das nun das weibliche Haupt bedeckte , und Büffelhörner und Vogelschwingen spielten eine dräuende Rolle darin . Im Nu war auch dieser Standpunkt überwunden . Das nächste war jetzt ein kleines Gesicht mit schwarzen Strähnen bis zu den Achseln . Zwei reizende kleine Eberhauer durchbohrten die Oberlippe . Sie war im Verhältnis zur schmalen unteren , deren Fleisch sich wild und dunkelviolett durch die ein wenig narbige und verzerrte Haut preßte , voll und überreif wie platzende Beeren im Djungle . Da wußte ich , daß es das Gesicht der Figur war , die mir gegenüber an der Zeile der Strohhütten entlang mit dünnen Knien vorbeischlich und jetzt über den Grenzstrich der Schatten ins bleiche Licht hinaustrat . Sie war in einen Panzer von weich fließendem Silber gehüllt . Ihre Füße schienen ein wenig schadhaft . Obwohl die Entfernung zu groß war , wußte ich , daß die Figur an ihren Knöcheln eine kleine strählige Schorfwunde haben mußte , wie sie entsteht , wenn die Gelenke zart sind und sich bei einem gewissen weiblichen Gange scheuern . Die Figur entschwand . Unbehagen und Unsicherheit zerstörten meinen Gedankengang . Ich wollte zurück in die große Straße , aber es mißlang . Sie schien mir plötzlich ebenso unwirklich wie die Landschaft , die ich träumte . Und nun war mir aller Boden entzogen und ich fiel in eine blasse , unkörperliche Wirklichkeit . Alles , was mir da erschienen war , schien gar nicht vorhanden , und ich stand , während ich doppellebig träumte , auf einem Grunde , den ich nicht wahrnehmen konnte , einer dritten unbekannten Welt , die aber einen Rückhalt in meinen Sinnen hatte . Und was ich da träumte , träumte ich gar nicht . Ich hörte es . Ich hörte die Worte und sie schufen mir Sinne , die sie befriedigten . Es war alles die Erzählung eines merkwürdigen Fremden mit mystischen Augen , den ich Slim nannte . Er sah mich schwarz und ziehend an und ich näherte mich ihm schwankend , vom Festen gelöst . Außer uns beiden gab es nichts , die Welt , die Stadt , die Landschaft waren nur seine Erzählung . Er erzählte singend und weitschweifig , stieg eine unendliche steile Leiter von Bildern hinan , um in einer ekstatischen Höhe die Stimme seiner Weltlust voll ausklingen zu lassen , formte mit fortgerissener tatkräftiger Hand eine halbdunkle ewige Masse , um den Funken seiner Seele in ihr verzischen zu lassen . Seine Erzählung war ein einziges langes , wildes Lied . Und schon begann ich bohrend zu fragen . Wer war ich in seiner Erzählung ? Wer war er selbst ? War er außerhalb seiner Erzählung ? Und ich gewahrte , daß er nur ein Stück seiner Erzählung war . Er war die Gestalt eines Buches , das ich las . Während ich es aber las , schrieb ich es , und ich schrieb es ab von meiner Seele mit Schaudern und Staunen und Neugier . Alles was ich träumte , war nur ein Buch , das ich schrieb , und es sollte alle die schwere Weisheit meiner Jugend tragen , sollte im kalten Kelch meinen formlosen , doch feurigen Wein kredenzen . Dies Buch sollte den Titel Zana tragen . Die Lautfügung Zana klang wie ein Orchester fremder Musik , die ich visionär zu hören bekam . Ich fühlte mich schwach vor diesem Buche , aber ich besann mich , daß es in der Trance geschähe und gab meine Selbstkritik auf . Noch nie hatte ich Sätze von so wollüstiger Bedeutsamkeit gelesen . Alle erschienen sie mir als runde und packende Griffe in mein Beobachterleben , die gewöhnlichsten Worte und Verbindungen waren mir unschätzbare Fundstücke , so übertrieben gehaltvoll , als hätte ich mich eigens um ihretwillen den Mühen jener Dinge unterzogen , die sie schilderten . Wir waren eine Gesellschaft von Weißen aus aller Herren Länder und kamen in ein Dorf zu Wilden . Wir hatten zweideutige Erlebnisse , lächerliche Erlebnisse ohne Humor . Ich verliebte mich in Zana , die Priesterin und Künstlerin , immer mit dem dummen Gefühl , daß von rechtswegen noch etwas Romanhaftes passieren müsse . Aber alles Unheil , das wir anrichteten , war , daß wir uns nach Kräften blamierten . Zana , ach , ich hatte ein tiefes Verhältnis zu ihr und alle meine Sehnsucht war in ihr verkörpert . Sie war ein Exemplar mit gut erhaltenen Instinkten . Ich gab mir redliche Mühe , vor ihren Augen zu bestehen . Aber wir machten unsere Sache grundschlecht . Die Leute hatten bald heraus , daß wir charakterlos waren und den dringendsten Ansprüchen an Menschlichkeit kaum genügten . Wir konnten ja nicht einmal gehen , geschweige denn von anderem zu reden . Wie ich sie haßte und fürchtete , diese Gesichter von Müttern ungezogener Kinder , die uns mit gutmütigem Hohn auf die Füße stiegen und für unsere Kleidung mancherlei tiefgehende Neugier bewiesen ! Es war der Stolz von Müttern , die eine Rasse geboren haben wollten , deren elementare Lebensregungen freudig zu begrüßen waren . Schon verkündigte sich in ihrem Getrampel der Takt , dem sie sich einreihen würden . Sie wuchsen auf zur Bildung , sie wurden groß und stark , sie formierten eine drohende wagende Kriegermasse . Im Sturmschritt tanzten sie vor ihren Müttern , ihren Frauen ! Die Pace , die Pace , diese war es , diese besaßen sie und uns ging sie ab . Eingeborenenleben , lustvolle Verkrüppelungen , freudevoller Blödsinn des Daseins , all das ist höchst reizvoll und der Pflege wert . Und nun wußte ich auch , warum ich diese Geschichte aus dem indianischen Djungle schrieb . Ich hatte mich anzuklagen und zu rechtfertigen vor allen Zanamenschen , allen Menschen einer höheren Gattung , die den Kopf frei trugen und einen inneren Rhythmus , eine blutige Bestimmtheit mitbekommen hatten , Menschen ohne Masse , einfache Menschen , die ihre naiven Verrenkungen als schöne Krämpfe empfanden ! Ich horchte in meine Kultur hinaus . Sie war ein weiter Saal , durch die Menschen raunend schritten , kalt wie in einem Museum . Da war kein Takt , nur von den Galerien und Gängen , aus den Saalwinkeln und von den Türrahmen hörte ich ein Treten von Sohlen , Sohlen , Sohlen . Der Zehengänger waren nicht viele . Nicht viele waren sprungbereit und straff . Sie huschten mit ihren Illusionen an den Seltsamkeiten und toten Formen hin , ohne sie zu halten . In atavistischen Kleidungsformen ohne Kraft , Symbolen , deren seelische Mächte gestorben waren , die den Körper zwängten und den Schädel öde verlängerten , komplimentierten sie sich aus dem Leben hinaus . Diesem Leben fehlten Grausamkeit und Würde , ein später Falter aus heroischerem Geblüte pendelte es mit feudaler Verruchtheit im Gleichgültigen . Mit den Schimmern vergangener Zwecke und dem Atem prahlerischer Genießlichkeit behaftet , leidensunfähig und eitel , finden wir die Kelche des Lebens blaß und leer von Honig . Aber dies ist nicht des Menschen Sinn und Schicksal . Der Mensch ist vom Katzengeschlechte , klein , schlau und beharrlich , reüssierend , sich steigernd . Die Beobachtung war sein ; er war das scharfsinnigste und jägerischeste aller Wesen . Er hatte durch Beobachtung und schöpferische Betrachtung seine Maße ins Ungeheure geschraubt , während alle anderen Systeme in ihrer Größe zurückgegangen waren . Sein Wille war sein Schicksal . Seine Beobachtung seine Klaue . Mit seinen Wimpern marschierte er in Weiten , die die Erde nicht kennt . Mit dem Strahl seiner Augen leitete er Ströme , die ihn , er muß nicht wissen wohin , ins Gute reißen . Er ist eine schnelle und eine tüchtige Katze , er paßt scharf , und er versteht es , Wild zu sein . Gott hat ihm Augen gegeben , zu lieben und zu verdauen . Dem Drachen aber den Wanst . Beobachtung ! Beobachte dich selbst und du nimmst zu ! Unter deinem Blicke schwillt der Muskel . Du entwickelst dich von dir zu deiner Technik , von deinen Wünschen zu deiner Art , vom Vergnügen zur Lust , von deiner Hast zur Pace . Und die Pace ist gut . Haben wir sie verloren , so wollen wir sie uns wieder holen . Wir reisen . Wir bezwingen den Wilden , indem wir ihn sehen kommen . Und nun holen wir uns wieder , was wir für unser Gehirn eingetauscht hatten , aber wir geben den Tausch nicht auf . Wir behalten , was wir besitzen . Denn unser Gehirn ist unser Messer , eine feine Klinge der Beobachtung , die wir nicht vom Leibe geben . Es ist unsere Pupille in der Nacht , unsere Nüster wider den Wind , unsere Sehne zum sezierten Glied . Frigide Dichter , die Ruhe statt der Lust suchten und schwächliche Beobachter waren , haben uns die Analyse verleidet . Ein guter Beobachter aber freut sich seines Sehens . Er sieht nichts , das er nicht gerne sieht . Er sieht , auf daß etwas zu sehen sei . Denn der moderne Mensch ist jener , der solange hört , bis das Gras davon wächst . Es geht ihm gut dabei und er legt sich darin auf den Rücken und singt in den Himmel , wenn es soweit ist . Auf der anderen Seite aber sehe ich im Hintergrunde den Takt der Arrieregarde , das gerettete Überbleibsel und den Ruin von uralten Lüsten , die tanzende Phalanx der Bürger , eine Humpelmaschine , lustlos und verdrießlich . Fade verlängern sie den Hohlraum der Schädel mit steifen Bräuchen und verschönern ihre Frauen mit engen Symbolen , deren Gleichniskraft erlosch . Das frohe Treiben alter Wildheiten und die freudige Kunst der Verrenkungen zieht sich langwierig und unnütz durch die Gesittung . Ein schäbig gewordener Rhythmus zupft noch galvanisch an ihren Leichen , raunt noch verblaßte Musiken zu ihrem Tun und läßt sie hohlzahnige Lieder singen . Darum sollt ihr Verlorenen und Vergessenen den Bürger mit dem steifen Helm guter Mächte nicht schelten ! Aber ihr , Wildlinge und Urwaldseelen , scheltet ihn doch , und lachet lustig , wenn die alte Phalanx tanzt . Denn eine neue Bürgerlichkeit muß kommen ! Eine neue strenge Sitte und Zucht , harte Gesetze und frohe gottgewollte Abhängigkeiten ! Lasset die Pace klappern und freut euch . Die Eingeweide lechzen danach und schon knurren euch die Geister hungrig ... Stille war um mich her und ein weißes Licht . Strahlte so der Geist ? Ich lag an der Grenzschneide zwischen Intellekt und Vegetation , ich fühlte , wie hart und lebendig hier alles war , fühlte diese Formen weißen Lichtes , die sich willig banden und lösten . Ich träumte , oh es war so gut , eine Wirklichkeit war ' s zwischen zwei Wirklichkeiten , höhere und gültigere Wahrnehmungen aus dem Lebensgefühle . Und ich kam innerhalb dieses Zustandes zu dem Schlusse , daß jede Wirklichkeit , je stärker , desto träumerischer sei . Da nahte ich wieder , wenige Sekunden waren es , daß ich sie verlassen hatte , den bunten Schwärmereien des versinnlichten Traumes . Zana war an den Hütten vorbeigeschlichen . Ich schaute ins leere Sternenlicht . Draußen in der Savanne , gegen den Djungle zu , erscholl der Heulschrei einer brünstigen Hündin . Ein paar der Männchen im Lager schlugen an . Der Schrei der Hündin ging meinem traumbeschwerten Herzen aus irgendeinem Grunde nahe . Ich sah Zana , mit gefesselten Füßen in die Knie gesunken , die Arme hinterm Genick verschränkt . Da fühlte ich meine männliche Unzulänglichkeit . Wie Schuppen fiel es mir von den Augen : all diese Huld konnte mir gelten ; auch mir , wenn ich ein anderer wäre , mit ebeneren Gliedmaßen und einer entsprechenden Haltung . Die Kleider , die mir grotesk um den Leib hingen , mißfielen ; ich ahnte Zanas abfällige Blicke darauf gerichtet . Man müßte - ha , es war ein vortrefflicher Gedanke , dieser Gedanke von den Kleidern . Im Traume merkte ich , daß ich leis und zufrieden vor mich hin lächelte . Mein Körper spürte ein gutes Wohlsein . Das Lächeln wurde breiter , es kam aus dem