, der uns die Nacht Hat so väterlich bewacht ! « Allerhand um fünf Kreuzer Gemach wurd es nun in unserer Herberg auch lebendig ; der eine hustete , der ander krigelte , der dritt seufzte , und der viert drehte sich raunzend um . Vor der Kammertür gings trab trab die Stiegen auf und ab , und die Stasi klopfte nach einer Weil und stellte eine Latern herein , indem sie rief : » Auf in Gotts Nam ! Tagnen tut ' s gähend ! « Schob also einer nach dem andern die Zudeck zur Seiten ; der eine seufzend , der ander fluchend , wie es halt grad in der Natur eines jeden lag , und fuhr jeder in die Hosen mit viel Gekreißte und Gestöhn . Der alt Thomas hockte schon auf einem Bänklein und mühte sich mit Schelten und Schnaufen , die Füß in seine langen Rohrstiefel zu zwängen , als mir einfiel , daß ich jetzund wohl auch aufstehen müsse . Kroch also fröstelnd unter meiner Deck heraus , streckte mich gähnend und schlupfte dann eilends in meinen Habit , fuhr mit den Fingern durch die Haar und ging schließlich den andern nach , die grad mit dem Anziehen und Aufbetten fertig waren und nun aus der Kammer traten ; und es liefen alle die Stiegen hinab und hinaus in den Hof , da einer aus dem Ziehbrunnen einen Eimer voll Wasser wand . Daraus schöpfte sich jeder die beiden Händ voll , schüttete sichs ins Gesicht und rieb sich gehörig ab ; darnach mußte man die feiste Kucheldirn um das rupferne Handtuch bitten , woran sich jeder sein Gesicht und die Händ wischte und der Magd einen Kreuzer verehrte . Ich tat auch wie die andern und griff in die Hosen , denkend , daß ich ja ganz ohne Geld wär ; aber da zog ich einen kleinen Beutel heraus und fand ihn gefüllt mit lauter Silberkreuzern , daß ich erschrak . Gab also der Stasi ihre Lohnung und lief eilends hinauf in die Kammer , dem Vater zu danken für seine gütige Vorsorg ; doch fand ich ihn nicht mehr droben und machte nachdenklich mein Bett . Dann öffnete ich ein Fenster und sah hinaus und horchte auf das Brüllen des Viehs , das auf den Markt getrieben wurde und nach seinen Stallgenossen schrie , indes die Treiber fluchten und mit der Geißel knallten . Gemach verblaßten die Sterne , und ein gelblicher Streif am äußersten Himmel kündete den Tag an ; drunten leuchteten Laternen auf , Lichter bewegten sich hin und her zwischen den Marktständen , und ein Hammer dröhnte in festem Schlag . Bald wurde es lebendiger , Männer schwatzten , erbrachen Kisten , nagelten an den Ständen ; Weiber liefen hin und wider , hingen Tücher um die nackten Holzgestelle und Schautische , und ein wunderlicher Wagen , der einem fahrenden Häuslein glich , hielt auf dem Platz . Eine Drehorgel ertönte , und ein paar Kinderstimmen riefen : » Der Prater kommt ! Heut wird Prater gfahren ! « In diesem Augenblick hörte ich den alten Thomas hinter mir rufen : » Ei tausad ! Da steht er ja ! - Was loahnst denn lang da uma ? Dein Millibrei wird kalt ! « Ich wandte mich nach ihm um und dankte ihm für das schöne Geld , dabei er aber abweisend mit beiden Händen fuchtelte und rief : » Mein Ruah ! Mein Ruah ! - Wirst s ' schon anbringen , die paar Gräten ; und balst nit auskommst damit , nachher sagst es , daß i dir noch epps gib ! « Ei ! So gut hätt ers mit mir gemeint , der alt Vater ! Aber mir deuchte allein mein Beutel voll schon ein Heiratsgut in diesem Augenblick , und ich wies seine Lieb gar heftig ab , also , daß er lachen mußte über meinen Eifer . Nun gingen wir hinab in die Wirtsstuben , da schon allerhand Gäst bei der Frühmahlzeit saßen : die einen bei der Brennsuppe oder Milch , andere bei Schnaps und Käs oder Wurst und Bier . Ich aß mit gutem Hunger und hing darnach mein Ränzel wieder um ; alsdann folgte ich dem Thomas , der etliche Bretter von seinen Genossen erbat und nun an dem Platz , den er sich ausgesucht hatte , seinen luftigen Stand aufrichtete . Zu seiner Rechten hatte er den Messerschmied als Nachbarn und zur Linken den Lebzelter ; die gaben ihm gern einen Schragen ab , darauf er seine Bretter legte und ein rots Tuch darüberbreitete . Ich half ihm noch beim Auspacken und Aufstellen der Täflein und ließ mir darnach Urlaub geben ; denn inzwischen war es heller Tag worden , und mich gelüstete es , die Stadt zu besehen und die hohe Burg . Der Alte zwinkerte mit den Augen , als er meine Red hörte , und meinte : » Trau dir nur nit z ' weit ! Kunntst am End nimmer zruckfinden zu mir ! - Aber - wie dir halt ist ! I red dir nix ein ! « » I komm bald wieder ! « sagte ich ; » und wann i alloans nimmer zruckfind , wird mich schon einer zruckweisen ! - Guate Gschäften derweil ! « Und ging also ; beschaute mir erst den Platz und die Häuser beim Markt und machte mich darnach weiter auf den Weg , den Burgfelsen zu ersteigen . Kam aber nicht weit ; denn da standen ein paar wilde Soldaten und plärrten mich an , daß ich sollt schleunig umkehren , wenn ich nicht als ein Landsspion wollt verarretiert und erschossen werden ! Hei ! Da wandt ich meine Füß gar schnell und lief , als hätten sie mich schon beim Genick ! Hätt bald ein alts Männlein über den Haufen gerannt bei solchem Stürmen ; der schaute mich verwundert und voll Schrecken an und rief , indem er ein großes Kreuz schlug : » Ums Christi Bluet ! - San s ' leicht schon wieder da beim Brennan und Schiaßn ? « Und da ich ihm nichts erwidern konnt , schüttelte er die Faust gegen das flache Land und grollte : » Da san s ' draußden , die Tuifeln ! Ham uns alles zgrund gricht um und um , die franzesischn Hund ! - Aber kriagt ham s ' uns dengerscht nit ! - Ha ha ha ! - Aber der Boar wenn kimmt - Bua - der Boar - « , er faßte mich an der Schulter und wisperte mir das letzte ins Ohr und sah sich scheu um , - » da - wähn i - hilfts nix mehr ! Da nutzt koa Stadtmauer und koa Burgmauer - der frißt uns mitsamt unserner Geroldsburg da drobn ! - Bua , i sag dir grad so viel : der Napoli und der Teifi - die zwo san oans . Die ham Arm , so lang , daß s ' die ganz Welt daglanga kinnan - und Kufstoa aa ! « Und da er dies gesagt hatte , steckte er den Kopf nachsinnend zwischen die Achseln und ging weiter . Ich aber hatte nun genug von meiner Reis und betrachtete nachdenklich die himmelhohen schneeigen Bergwänd und Zacken , die aussahen wie eine unbezwingliche Mauer , die unsere zeitliche Welt von der andern , so man das Jenseits nennt , scheidet . Leichtes Gewölk hing um die Zinken und Berggipfel , und darüber schien die Sonne mit blendend hellem Glanz und löste mit ihrer Wärme die Nebel in den Tälern und Schluchten , daß sie wie Spinnweben wurden und verflogen . Gemach wandte ich mich um und schaute nieder ins weite Land über die grauen Mauern und Zinnen der Stadt , da der breite Innfluß wie ein silberns Band durchs Gau floß , wo mancherlei Örter zwischen bewaldeten Hügeln und beschneiten Fluren lagen und ringsum hohe Felswänd gen Himmel ragten . » Ist gar ein schöns Stuck , dies Land ! « dacht ich bei mir ; » wär schad , wenns der Feind etwan verwüsten möcht ! « Und ging wieder zurück und dem Markt zu , da die Händler hinter ihren Ständen hockten , über schlechte Zeiten jammerten und in die Finger hauchten , um sich zu erwärmen . Auch der Vater Thomas stand blasend und die Händ reibend da , trippelte und stampfte auf dem hartgefrornen Boden und rief mich an : » He , Bürschl ! Hat d ' Weltreis schon ein End ? Sind dir d ' Füaß angniglt , gelt ; brauchst epps zum Aufwarmen , wie ich ! « Dabei griff er mit seinen erstarrten Fingern in den Hosensack , gab mir etliche Kreuzer und wies nach dem mit roten Tüchern gezierten Stand einer Schnapsbrennerin : » Lueg ! Sell vorn hat d ' Enzianlies ihren Stand ! Is a guate Kameradin von mir und sehets gar nit ungern , daß ich s ' zur Bildlthomaßin machet ; also , sagst ihr ' n Gruaß von mir und ich hätt ' s Aufwarmen vonnöten ! « Dazu lachte er lustig und schaute mir nach , indes ich durch die Reih der Händler schritt . Fand also die alte , wunderlich aufgeputzte Schnapslies , da sie grad ein Sträußlein Rosen aus Goldpapier auf ihren turmhohen , spitzen Hut steckte und dazu mit rauher Stimm das Lied sang : » Schmecker und Rosenblüat Steck i am Huat , am Huat , D ' Henn hat a Oarl ausbrüat , Dös is nix für guat ! Der Gockl hat koa Schneid it ghabt , Hat si nix traut , nix traut , Sunst waar des sell Oarl epps worn , Und i waar a Braut ! « Ich blieb vor ihren Flaschen und Fäßlein stehen und hörte zu , bis sie sich nach mir umwandte und geschäftig fragte : » Baunzerl , was fehlt dir ? Nix a Glaserl gfällig von mein selberbrenntn Enzian ? « Da verlangte ich mein Sach und entbot ihr auch den Gruß vom Alten , darüber sie eine närrische Freud bezeigte und sogleich eine dickbauchige Steinkrugel aus einem besonderen Fäßlein füllte und dazu sagte : » Gfreut mi scho recht , sagst eahm , daß er no auf mi denkt , der Beham ! Soll si nur guat aufwarmen , mein alter Kamerad , sagst , und i dank eahm viel und oft fürn Gruaß ! « Und da sie mir die Krugel in die Hand gab , rannen ihr ein paar dicke Tränen über die faltigen , blaugefrorenen Wangen , und sie fragte mit ängstlicher Stimm : » Bist eppa gar schon ein junger Beham ? - Hat er leicht gar schon ein Weib , der Thomas ? - ' s sell waar mir mei Tod , Bua ! « » Naa , naa ! « sagte ich lachend ; » der is no allweil alloan in seiner Hütten ; jammern tut er ja schon hie und da um a Hausfrau - aber - « , ich hielt inne , um die Alte nicht noch närrischer zu machen ; denn sie konnt die Augen fast nimmer von meinen Lippen wenden , dieweil ich so redete ; » was kost mein Schnaps ? « fragte ich und hielt ihr meine Münz hin . » Fünf Kreuzer für mein Kameraden , sagst ! « erwiderte sie mir mit fröhlicher Miene ; » und an Gruaß tust mir bstelln an Thomas , und daß der Lies ' s Warten nit z ' lang wird , und sollts nomal zwanzg Jahrl anstehn , bis er kimmt ! ... « Das ander hörte ich nimmer ; denn ich lief , ihr ein kurzes Pfüa Gott zurufend , mit meiner Krugel davon . Der Thomas schaute schon nach mir aus und empfing mich halb lachend und scheltend : » Gar schon ! - Hab vermeint , du bleibst glei sell ! - Hat di wohl schon als ihren Ziehbuben protakolliert , daß d ' so langmächti z ' schwatzen ghabt hast mit ihr ! « Ich hatt wohl Lust , dem alten Schelmen sein Getue mit einem losen Wort zu schlagen ; sagts aber lieber nicht , indem ich bedacht , der Alt möcht schon seinen guten Grund haben , daß er der liebtollen Schnapslies so spottete . Und da er mir zu trinken bot , tat ich es willig und trollte mich darnach wieder davon , den Markt weiter zu besehen . Da standen und lehnten allenthalben die Handwerker und Handelsleut , hatten die Händ im Gewand vergraben und schrien einander ihre Klagen über die unruhigen , schlechten Zeiten zu , belobten , kaum ich an einen Stand trat , ihre War mit vielen Worten und machten , daß ich , noch ehe man von der Sankt Veitskirch drüben zum Mittag läutete , meine Taschen gefüllt hatte mit verschiedentlichen Dingen , indes mein Beutel gemach um vieles lockerer ward . So hatte ich fünf Kreuzer gezahlt für ein karmisinrotes Halstuch aus florentinischer Seide , und sagte mir der Händler im Vertrauen , daß der Kaiser von Ninive das nämliche von ihm um zehn Kreuzer gekauft hätt . Fünf Kreuzer gab ich für ein zierlichs Besteck , das man in ein lederns Behältnis schließen und im Hosensack verwahren konnt ; fünf Kreuzer für ein feins Büchlein , darin von einem jungen Abt zu lesen war , der eine tiefe Lieb zu einer Maid gefaßt und zum End sich selber den Tod gegeben hatte aus übergroßem Leid , da sie einen andern nahm zum Ehgemahl ; dabei ich wieder in heftigem Schmerz an mein liebs Kathreinl denken mußt . Konnt auch nicht anders - mußt mich auf eine einsame Steinbank hinter dem Gottsacker Sankt Veit setzen und das Büchlein vom Anfang bis zum End lesen , und kam unversehens dabei ins Brüten und Sinnieren , bis mich plötzlich ein lustigs Lachen daraus aufscheuchte und ein abenteuerlich gekleideter Bursch einen roten Zettel in mein Büchlein fallen ließ , darauf eine wunderliche Anzeigung stand : Im Wirtshaus zum Hirschen sollt denselben Abend ein ergötzlichs und feins Theaterstück aufgeführt werden , das den Titel trug : Kätherlein , die schöne Kupferschmiedstochter , und der Teufel . Als besonderer Glanzpunkt der Vorstellung waren hervorgehoben und angepriesen : die wunderseltsamen Zauberkunststücke des Magister Zaranka , der als Teufel die Jungfer Kätherlein auf offener Bühne verzaubern wollte . Jedermann war dazu gar höflich eingeladen gegen ein Eintrittsgeld von fünf Kreuzern , und jeder Gast sollte nach der Vorstellung vom Direktor ein artigs Andenken zum Geschenk erhalten . Ich überlas die Anzeigung etlichemal , und es kam mich ein Gelüsten an , die also gepriesene Komedie zu sehen und zu hören . Lief also eilends auf den Markt und zum Vater , ihm von meinem Begehren zu sagen ; der aber , da er meine Red vernahm , lachte wieder still vor sich hin , blinzelte lustig mit den Augen und meinte : » So , so ! Nach der Komedie verlangts di ! - Is schon recht , geh nur . I geh nit hin ; i bin lieber bei meine Leut ; bin nit so drauf eingsprengt auf die Tausendkünstler und die Komediespieler ! « Darnach suchte er umständlich in seinem Geldbeutel und reichte mir endlich fünf Kreuzer , indem er weiter sagte : » Da , schau her ! Nit , daß d ' wähnst , i gunn dir ' s nit ! - Kimmt mir nit drauf an , auf die paar Gräten , wannst a Freud hast an dem Gschnaks . « Und da ich meine Händ nicht aus dem Sack zog und trotzend vor mich hinsah , wurde seine Red schier bittend , und er sagte : » Geh nur hin , wanns di glust ! Habs schon reichli verdient und profitiert , die fünf Kreuzer , mit deine Rahmerl . - Zwanzg Taferl gibts wieder z ' machen für d ' Kirch von Ebbs , daß koa Krieg nimmer auskemmen sollt . -Alsdann ! - Vielleicht helfen s ' so viel , daß der Napoli sein Viduz aufs Tirolerland verliert ! « Damit steckte er mir das Geld in die Joppentasche und fragte mich , wo ich schon überall gewesen sei ; doch kam ich nimmer zum Antworten , denn die dicke Stasi vom Stiefelwirt kam mit einem dampfenden , kupfernen Kessel daher und schrie : » Heiße Würst ! - Wer mag a heiße Kreuzerwurst ? « Ei , da gings ! » He , Stasi ! Mir ein Paar ! « - » I krieg aa zwee Stuck ! « - » Halt , Mädla ! Mir au e Paar Würschtle ! « Und auch der Thomas gab nochmals fünf von seinen Kreuzern hin und erstand vier von den langen Würsten und einen weißen Weck dazu und teilte es mit mir als Mittagsmahl ; darnach tranken wir ein Schlücklein Enzian , und ich machte mich gemächlich wieder durch die Marktreihen , besah mir dies und erhandelte das und wartete mit großem Verlangen auf den Abend , da die wundersame Aufführung sein sollte . Komedie Gemach ging der Tag hin ; um die Berge zogen dichte Nebelschwaden , und die Marktgäst zündeten ihre Laternen an und trieben ihr Vieh heim mit schwankendem Tritt und fröhlichem Sinn , da leichtlich ein jeder vermeinte , er hätt allein den besten Tausch und wohlfeilsten Kauf gemacht auf diesem Markt , und also in solcher Freud gutding seine sieben , acht Krüg hinabgoß , bis der Wirt eine qualmende Öllampe auf den Tisch stellte , die schwarze Holztafel an das trübe Licht hielt und jedem liebwerten Gast mit großer Bedauernis seine Strichlein abzählte und in Münz umrechnete . Darauf dann einer um den andern den gefalteten Lederbeutel zog und fluchend und kreißend die paar Kreuzer herausklaubte , den hagelbuchernen Stecken mit dem gefüllten Bschaidtüchl dran unter der Bank hervorholte und nach dem Stall schwankte . Also sein Stück Vieh mit Wohlgefallen betastete und tätschelte in dem Bewußtsein , seinen Hof damit um ein guts größer und ansehnlicher gemacht zu haben . Mittlerweil hatten auch die Händler und Handwerker angefangen , ihre War wieder einzupacken und die Ständ abzubrechen ; und ich ging zum Platz des alten Thomas , diesem dabei ein wenigs an die Hand zu gehen . Doch der war schon lang fertig und dahin , und sein Nachbar , der Lebzelter , rief mir zu , indem er einen Arm voll süßer Herzen in eine Kiste legte : » Der Alt sitzt schon lang beim Stiefel drent ! Wohl schon seit zwo Stund ! - Der kann lachen ! - Hat alls verkauft bis auf ein etlichs paar Bildln ! « Da machte ich ihm meinen Dank für die Botschaft und ging darnach eilig hinab zum Hirschen , da schon ein feister Mensch mit blaugefrornem Gesicht und lustigen Augen unter der Haustür stand und jeden , der vorbeiging , anrief : » Treten Sie ein , Euer Gnaden ! Kommen Sie herein zu dem weltberühmten und wunderbaren Komedienspiel ! « Und derselbe Bursch , dem ich die Anzeigung des Theaters verdankte , lief in einem vielfarbigen Flecklgewand auf mich zu , klapperte mit zwei blechernen Schüsseln , die mir reich mit Geld gefüllt schienen , und schrie : » Herein , wer noch Platz will ! Der letzte Sessel ist nur noch frei ! Treten Sie ein , Herr Graf ! Die Komedie beginnt ! « Ja , sie begann wohl und gewiß in diesem Augenblick ! Eilends zog ich meine fünf Kreuzer aus dem Sack und hielt sie dem Tropfen hin , der sie mit einer Mien und Gebärd annahm , als seien ' s lautere Goldstück gewesen . Darauf schob er mich in den Hausgang ; der Dicke wies mir eine Tür , und im nächsten Augenblick fand ich mich in einem dunklen Saal , darin wohl leichtlich ein fünfzig Bänk in Reihen aufgestellt waren ; doch konnte ich keinen Sterbensmenschen ersehen und wollt fast an der Schwelle wieder umkehren , als ganz vorn im Saal , da ich im Dunkel einen großmächtigen Vorhang erkannte , lautes Schimpfen und Schreien , Trampeln und Hämmern vernehmlich wurde . In diesem Augenblick brachte ein Knecht etliche Öllampen und hing sie rings an die mit papiernen Girlanden , Rehgeweihen und Schützenscheiben gezierten Wänd ; den fragte ich , wo denn die Leut alle wären , welche hier die Komedie anhören wollten . Doch der Tropf lachte und sagte : » Die gehn draußen noch ein wenig Luft schnappen , bis daß ' s losgeht ! « Daraus ich leichtlich ersehen konnt , daß der Flecklnarr mich angeschmiert hatte mit seinen Sprüchen . Doch machte ich mir nun , da ich die Sach beim Licht betrachten konnt , nichts mehr draus , sondern setzte mich in eine Bank und besah die grellgemalten Nixen und Teufel auf dem Vorhang und hing dabei meinen Gedanken nach . Da öffnete sich die Saaltür , und es kamen etliche Gäst : zwei junge Burschen mit ihren Maidlen , ein Bauer und eine alte Ringlmacherin vom Markt , die den Tag über wohl manchen Kreuzer von den Verliebten und Versprochenen gelöst hatte für ihre Ohrgehäng und Fingerring , Silberschnallen und Halsketten . Nun kam auch ich wieder hervor und setzte mich ganz in die Mitte der ersten Bank und sah unverwandt auf ein dunkles Loch im Vorhang , durch das von Zeit zu Zeit ein glühendes Aug auf die Bänke starrte . Gemach füllte sich der Saal , und ein lebhaftes Reden und Disputieren entspann sich auf allen Plätzen , bis plötzlich hinter dem Vorhang eine mißtönende Musik erklang , die Lichter verlöscht wurden und die Nixen und Teufel sich quiksend um eine hölzerne Rolle an der Decke des Saales wanden . Alles war still , und ich schaute staunend in eine Landschaft aus gemalten Leinwandstreifen , darin sich seltsam gekleidete Menschen in magisch rotem Licht bewegten und eine wunderlich geschnörkelte Sprache redeten . Alsbald begannen etliche , sich zu schlagen und mit ihren Degen zu durchbohren , dabei dann der leibhaftige Teufel auf die Bretter sprang , einen Juchschrei tat und die Leichen packte , mit denen er verschwand . Nun erschien ein alter , feister Ritter und sagte , er wär der Kupferschmied und so stark , daß ihm kein Mensch widerstehen kunnt ; tat auch gar gewaltig und schrie nach der Weinkanne . Da kam eine liebliche Jungfrau in himmelblauem Gewand , mit langen , goldroten Haaren , trug eine schwere Zinnkanne und reichte sie dem Ritter mit zierlichen , sittsamen Worten . Es war das schöne Kätherlein ; mich aber bedünkte es in demselben Augenblick , meine Kathrein stünd mit Leib und Seel da vor mir auf den Brettern ; und ein Seufzer stieg in mir herauf . Da blickte mich die Jungfrau an , und es schien , als lächle sie ein wenig , darüber ich gählings rot und bleich wurd , auf meinem Sitz hin und her rückte und nicht geringe Lust verspürte , aufzuspringen und die Jungfrau an mich zu ziehen und zu halsen . Doch ging derweil das Spiel seinen Gang ; der berühmte Magister Zaranka erschien als Teufel mit einem roten Federhut und begann mit dem Kupferschmied ein Geplänkel und dessen Kraft zu spotten . Die schöne Jungfrau ging hinaus , und der Kupferschmied geriet durch die spitzen Reden des Teufels also in die Hitze , daß er mit lauten Worten einen Eid schwur , er wolle mit ihm seine Kraft messen und ihn durch Sonn und Mond werfen ; ja , er verwettete seine eigene Tochter , das Kätherlein , daß er mit dem roten Ritter wollt fertig werden . Dabei mir ein kalter Schauer den Rücken hinabging ; denn ich vermeint nicht anders , als gält es nun in Wahrheit Leib und Leben des Maidleins , das meiner Kathrein so sehr glich . Der Rote nahm den Kampf wirklich an , und bald gings ans Ringen und Werfen , daß die Bretter krachten , die gemalten Bäume schwankten und die Weinkanne in den Saal herabkugelte , worauf ein lautes Lachen , Trampeln und Beifallsschreien in den Bänken anhub , das erst verstummte , als der Teufel plötzlich einen wilden Fluch ausstieß , einen Zauberspruch sagte und mit den haarigen , rotbeschuhten Füßen auf den Boden stampfte , worauf ein weißes Gespenst erschien , einen dicken Rauch und Dampf machte und hinter demselben mitsamt dem lautschreienden Kupferschmied verschwand . Nun begann Zaranka allerhand Zauberkunststücke zu vollbringen und verwandelte schließlich auf offener Bühne , freilich wieder hinter einer undurchdringlichen Rauchwolke , einen dünnen Stab in den Kupferschmied . In diesem Augenblick erschien wieder das schöne Kätherlein , gefolgt von einem alten , gelb und rot gekleideten , dicken Weib , das sich ihre Mutter nannte und mit keifender Stimme bald den roten Ritter , bald ihren Ehgemahl , den Schmied , anplärrte . Hab nicht wohl aufgemerkt auf ihr Getue ; vielmehr waren meine Blicke starr auf die Jungfer gerichtet , und mein Geist verglich sie Spann um Spann mit der jungen Lackenschusterin , meiner Kathrein . Und immer mehr Bekanntes , immer mehr Wesensgleiches fand ich an der goldroten Jungfer ; meine Sinne hingen an ihr , und mein Herz schlug laut vor Erregung . Und da nun das Spiel zu End war und die Gäste lärmend den Saal verließen , da schlüpfte ich behend unter den mächtigen Kachelofen und hielt mich still , bis alle Lichter verlöscht und hinter dem herabgelassenen Vorhang alles ruhig geworden war . Nun kroch ich langsam hervor und tastete mich an den Bänken entlang bis zur Bühne , da noch die Kanne am Boden lag und im Mondlicht glänzte . Ich griff mit zitternder Hand und klopfendem Herzen an den Vorhang ; er gab dem Druck nach , und ich hielt mein Ohr lauschend an den Spalt . Nichts regte sich . Da schwang ich mich eilig hinauf , schlüpfte hindurch und stand also bei stockdunkler Nacht an der Stell , da ehvor die schöne Spielerin gewandelt war . Noch hielt ich nach jedem Tritt inne und horchte ; doch nichts war zu vernehmen als mein eigenes , ungestümes Atmen . Da tastete ich mich an den gemalten Bäumen weiter und fiel im nächsten Augenblick von den Brettern hinab in einen knisternden , krachenden Korb , der ganz mit Kleidern und Stoffen gefüllt schien . Ich hatte beim Sturz erschrocken nach einem Halt gegriffen und hielt nun einen dicken Strick in Händen , während es hinter mir plötzlich licht war . Und da ich mich in heftigem Schreck umwandte , sah ich , daß ich den Bühnenvorhang in die Höh gerissen hatte . Zog also , nachdem ich ängstlich gelauscht , ob niemand meinen Fall gehört hätte , bedächtig am Strick weiter , dabei das Quiksen und Klappern der Rolle geisterhaft wie das Schreien der Nachteulen durch den matterhellten , leeren Raum hallte . Die großmächtige , bleiche Mondscheibe ließ ihren Schein durch die gefrornen Fenster über die weißgescheuerten Bänke auf die gemalte Landschaft des Hintergrundes und die zerlumpten Teppiche der Bühne fallen und hob die Schatten der Gegenstände gespenstisch von der Helle ab . Ich stand starr und hielt krampfhaft das Seil in den Händen , indes mich ein plötzliches Grauen schüttelte ; und als es im selben Augenblick vom Sankt Veitsturm zwölf Uhr schlug und der Wächter draußen die Mitternacht anblies , da ließ ich gählings los , daß der Vorhang schnallend herabsauste . Ich hatte genug von dem Abenteuer , und es verlangte mich zurück zu dem alten Thomas . Herrgott ! - Was mocht der sich derweil über mein Ausbleiben denken ! Vergessen war der ganze Rausch und die feine Jungfer , und ich suchte nach einem Ausgang . Doch alles war fest verschlossen , die Tür des Saales , die neben der Bühne und auch die Fenster . Vergebens wandte ich alle Kraft an , lief bald im Saal von Fenster zu Fenster , sprang auf die Bühne und schlüpfte durch den Vorhang : ich konnt ' s nicht ändern . In meiner Not begann ich zu rufen und zu schreien ; aber kein Mensch hörte oder erschien . Am End ward ich müd vom Schreien , ein Frost packte mich , und ich verlangte nach dem Schlaf . Und da mein Fuß eben wieder an den Korb stieß , suchte ich nach einem warmen Stück , wickelte mich darein und legte mich in den hintersten Winkel der Bühne , da ich mir aus dem Inhalt des Korbs ein notdürftigs Lager bereitete . Also ließ ich den Schlaf über mich kommen , hüllte mich fest in das weiche Stück , von dem ich wähnte , daß es der himmelblaue Mantel des schönen Kätherleins wär , und sagte nur noch gähnend : » Guate Nacht , Himmelvater ! « , wie ich es von meiner seligen Ziehmutter gelernt hatte . Dann entschlief ich . Falsche Lieb Ein harter Schlag von der Pratze des Bären , der auf dem Markt getanzt hatte und mir nun in meinen Träumen die liebliche Jungfer aus der Komödie , da ich sie eben in meinen Armen hielt , rauben wollt , schreckte mich aus meinem tiefen Schlaf auf , und ich wehrte mit beiden Händen ab , indes mich eine scheltende Stimm noch vollends munter machte . Da blickte ich in das zornrote Gesicht des Burschen , der mich ehvor zum Besuch der Komödie verführt hatte und mir nun seinen Fuß grimmig in die Seite stieß , also daß ich mit einem Schrei in die Höhe fuhr und nicht übel Lust hatte , ihm etliche zu wischen . Der aber plärrte : » Hat einer so was schon erlebt ! - Liegt der Wicht am hellichten Nachmittag da auf den kostbaren Gewändern und schnarcht wie eine Baumsäg ! - Ob er wohl auf und davon gehen will , bevor ich ihm Füße mach , dem Halunken ! - Hat wohl stehlen wollen , he ! - Ha