die Stangen gingen in das Gelbe hinein . Und die Häute umschlossen das letzte Stockwerk - mit einem Ruck - alle Teile der Maschinen funktionierten so , wie man es gedacht hatte . Danach riß das Mittelstück der Wolke ganz und gar auseinander . Und die violetten äußeren Teile traten weit zurück , und die ganze dunkelviolette Wolke trat immer weiter zurück und bildete einen dunkelviolett leuchtenden , unregelmäßig gebildeten Ring . Und wo früher die Wolke war , sah man jetzt nur ein wogendes Lichtmeer von gelben Schlangenleibern , die auch leuchteten . Und die Pallasianer , die an den äußersten Rändern der obersten Balkons saßen , sahen , daß Lesabéndio ganz lang wie eine lange braune Stange hineinschoß - in das wogende Meer der gelben leuchtenden Schlangenleiber . Und die Schlangenleiber zitterten . Und Lesabéndio verschwand . Und ein karminroter Fleck bildete sich im Gelben und ward immer größer . Sofanti sah zuerst diesen roten Fleck . Zweiundzwanzigstes Kapitel . Es wird geschildert , was Lesabéndio im Kopfsystem des Pallas empfindet . Er kann anfangs nichts hören und nichts sehen , bemerkt dann aber , daß er ganz neue Sehorgane bekommt , mit denen er das ganze Planetensystem und besonders die Sonne ganz anders sieht als bisher . Lesa empfindet den größten Rauschzustand und hört schließlich , was die Sonne für die größte Weisheit hält - und warum die Planeten die Sonne umkreisen . Dazwischen wird berichtet , was sich unten auf dem Pallas-Rumpf ereignet . Aus Gasen bestanden die gelben Lichtschlangen oben . Und Lesabéndio wurde geblendet von den gelben Lichtschlangen . Er sah nichts mehr . Er fühlte nur , daß sein ganzer Körper zerging und - sich ausbreitete - weithin nach allen Seiten . Er wollte schreien , aber brachte keinen Ton hervor . Er sah nichts und hörte nichts . Ihm war so , als ginge ein feines Kribbeln durch sein ganzes Wesen - doch das ging so weit nach allen Seiten fort . » Ich lebe noch ! « wollte er rufen . Doch es blieb alles still , und er fühlte nur , daß er bemerkte , wie Fernes herankommen wollte . Ihm war so , als gingen überall auf allen Seiten von ihm feine Fühlfäden aus - ganz feine . Und die wurden immer länger , immer länger . Und die fernen Spitzen seiner Fühlfäden wurden empfindlich , und sie umfühlten , wie er glaubte - große feine zitternde Glasschalen . Und die Spitzen der Fäden verbanden sich mit den Glasschalen und wurden zusammen zu großen , sich ausbreitenden Glaskugeln , durch die er plötzlich alles im Sonnensystem viel viel größer sah als bisher . Nun sah er wieder durch die großen Glaskugeln , und er konnte die Kugeln beliebig vergrößern und verkleinern . Und er konnte ihnen auch andre Formen geben , konnte sie heranziehen und weit vorstoßen . Und er fühlte nirgendwo ein Hemmnis . Da sah er nun die anderen vielen Asteroïden ganz nahe , und dann - auch die Sonne - ganz nahe . » Wenn das der Biba könnte ! « wollte er wieder rufen - Aber alles blieb still in seiner Nähe . Er fühlte nur , daß er sich langsam drehte . » Von meiner nächsten Umgebung « , sagte er langsam in Gedanken , » kann ich leider nichts erkennen . Doch - ich will nicht wissen , warum ich das nicht kann . Das Ferne bemerke ich - das ist mir genug . « Und da wars ihm so , als würde er von leichten Wolken umschwebt - und die Wolken drückten sich leicht in ihn hinein - bald heftiger und bald leiser . Er fühlte hin und glaubte plötzlich eine Drucksprache zu verstehen . Und die sagte : » Lesa , bist Du bescheiden ! Du bist ja immer mit dem zufrieden , was Dir geboten wird . Ich , der Drückende , will mehr als das , was augenblicklich möglich ist . Ich will kristallinische Formen in Gasform - kantige Säulen in Gasform - und Oktaëder und Prismen und noch mehr Kantiges - alles in Gasform . « Lesa wollte lächeln , und er wollte sagen : » Peka , ich erkenne Dich schon . « Aber er konnte nicht lächeln , und durch Wolken konnte er sich nicht verständlich machen . Er fühlte , daß auch Manesi nicht weitab war - auch mit unmöglichen Dingen . Manesi redete durch dicke Gasfäden , die bald langsam , bald schneller in der Nähe des Lesa hin- und hergezogen wurden . » Gasblumen ! « verstand er . Und dann verstand er noch : » Gasschlangen sind leicht vorstellbar - aber Gasranken mit Gaszweigen , die hin und her schwanken - von magnetischen Winden bewegt - das ist mehr - mehr . « . Dann wurde dem Lesa diese seltsame Sprache ganz unverständlich . Und er fühlte wieder in den Enden der langen Fühlfäden ein Zucken und Ziehen . Und er sah wieder durch die Glaslinsen in den Spitzen seiner Fühlfäden die große Welt in der Ferne . Auf den oberen Stockwerken des Nordtrichterturms flog währenddem alles wie durcheinander - Alle sprachen - und Keiner hörte auf den Andern . » Jedenfalls « , sagte Biba , » ist er oben geblieben . Er ist also vom großen Kometensystem aufgenommen , wie er von uns hätte aufgenommen werden können . « Und nun fragten sechs Andre : » Lebt er aber noch ? « » Das wissen wir « , sagte Biba ernst , » heute noch nicht . Wir wissen auch noch nicht , ob Peka und Manesi und alle die Andern , die nicht mehr unter uns sind , heute noch leben . Aber - wir haben das Kometensystem oben gesehen . Wir könnens jetzt noch sehen . Ein rotes Auge blickt unheimlich in unsre Turmlaterne hinein . Das ist das größte Ereignis unsres Lebens . Jetzt wird sich vieles verändern . Mich verläßt die Ruhe . « Den andern Pallasianern kam auch die Ruhe abhanden , denn die dunkle Nacht blieb zunächst aus ; die Spinngewebewolke kam abermals am Abend nicht wieder runter ; sie zog sich immer weiter nach allen Seiten auseinander und bildete oben einen großen grauen unregelmäßigen Kranz . Darum blieb die Nacht hell . Allerdings : die Helligkeit des gelben sichtbaren Kopfsystems wurde immer schwächer und erreichte bald nicht mehr den zehnten Teil der von der Lichtwolke ausgeströmten Helligkeit . Und so war auch der Tag viel dunkler als bisher . Der rote Fleck blieb und sendete wie ein feiner Scheinwerfer einen karminroten Lichtkegel senkrecht in die Laterne hinein . Die Spitze des Lichtkegels traf die Mitte der Manesi-Ampel . Dämmerung herrschte auf dem Nordtrichter des Pallas auch am Tage . Der Südtrichter blieb am Tage so dunkel , daß man kaum dreihundert Meter weit sehen konnte . Und so ließ man auch am Tage alle elektrischen Lichter brennen . Die Dämmerung wirkte unheimlich . Niemand wußte , was daraus werden konnte . Wer schlafen wollte , begab sich auf die Pilzwiesen , die Manesi in den großen Höhlen des Pallas angelegt hatte . Währenddem fühlte Lesa oben keine Spur von Unruhe . Da er nichts hören konnte , fühlte er in seinem Innern eine große Stille . Das Naheliegende vergaß er , er vergaß auch den ganzen Stern Pallas . Dagegen wurden die neuen Kugelaugen , die er an seinen feinen Fühlfäden entdeckt hatte , immer empfindlicher . Aber diese Empfindlichkeit machte garnicht unruhig . Mit seinen neuen Augen sah der Lesa ringsum die vielen Asteroïden ganz deutlich . Und er wunderte sich . » So verschiedenartig « , sagte er in Gedanken zu sich selbst , » habe ich die Asteroïden garnicht für möglich gehalten . « Und viele Asteroïden sah er dicht neben den größeren Planeten - auch am Jupiter und hinter dem Saturnringe - und auch neben den Planeten , die der Sonne näher waren als der Pallas . » Und welche große Zahl « , sagte er weiter in Gedanken , » umkreist die Sonne ! Das sind ja Millionen . Die alle zusammen in einem Ringe vereinen - das geht ja garnicht . Und der eine läuft rasend schnell - und der andre ganz langsam . « Er bewunderte besonders diejenigen Asteroïden , die den nächsten Planeten , der der Sonne näher war als er , umkreisten . Diese Kleinen rasten so schnell dahin , daß er nicht wußte , wie sie so schnell sein konnten und warum . Und der Lesa fühlte , daß er sich drehte , ohne es zu wollen . Es kam ihm dann so vor , als wäre er dicht vor dem Einschlafen . Und es überkam ihn ein wohliges seliges Gefühl , wie er es niemals empfunden hatte . Ein ganz neuer stetiger , nicht veränderlicher Rausch schien ihn zu umhüllen . Es war kein Traum , es war auch kein Wachen . » Vielleicht ist das doch ein Zustand ewiger Seligkeit ! « dachte er . » Und dann « , fuhr er in Gedanken fort , » beinahe verstehe ich jetzt , warum sich die meisten Sterne immerzu drehen . Es liegt etwas Berauschendes in der steten Drehung eines runden Dinges - eine runde Kugel wirkt am schnellsten berauschend . Deswegen haben wohl auch so viele Sterne Kugelform . Sich drehende Räder wirken auch so berauschend - schon in den Gedanken . Wenn man immerzu an sich drehende Räder denkt , so setzt uns das in einen Rauschzustand , wie er größer garnicht gedacht werden kann . In den drehenden Rädern steckt das größte Geheimnis unsres Planetensystems . « Und er dachte an alle die Kreise , die von den Planeten um die Sonne gezogen wurden . Die Kreise wurden zu Rädern , und Lesas Gedanken verwirrten sich . - Biba saß nun in seiner einsamen Klause am äußeren Rande des Pallasrumpfes . Biba starrte mit ganz weit vorgestreckten Augen in die ferne grüne Sonne . » Ob jetzt der Lesa « , sagte er still , » schon mehr weiß von der Sonne als wir ? Der größte Mut führt doch immer am weitesten . Wie kommt es nur , daß ich den großen Mut , den der Lesa hatte , nicht besaß - und auch nicht besitzen werde - wie kommt das nur ? « Er dachte so lange nach darüber , bis er fühlte , daß er müde wurde . Lesa sah ganz große sich drehende Schlangenleiber in der Ferne - und die waren alle in einer durchsichtigen Kugel . Und die Kugel drehte sich langsam um sich selbst . » Ist das das Innere eines Sterns ? « Also wollte er fragen . Aber er sagte sich gleich : » Warum soll ich fragen ? Ich bekomme ja doch keine Antwort . Bekäme ich nur mal eine Antwort ! Aber man fragt so oft , während man sich sehr leicht selber eine Antwort geben kann . Ob ich träume oder wache - das ist doch auch ganz gleichgültig . Ich wills garnicht wissen . In meinem Zustande ist zwischen Träumen und Wachen ganz bestimmt kein großer Unterschied . « Und ihm war so , als sähe er in das Innere vieler Sterne - und er staunte . » Wenn das der Biba könnte ! « dachte er , » wie würde der sich freuen ! Doch es ist zu viel zu sehen . Besonders in der Sonne ! Daraus wird man nicht so schnell klug . Es ist da Alles so kompliziert , daß ich wohl begreife , warum die vielen Planeten immerzu um die Sonne kreisen ; sie wollen das sehen , was sie noch niemals gesehen haben - das Neue - das Kolossale - das Überwältigende . Das Überwältigende erzeugt immer so wie die Kugeln und Räder - diese Symbole des Unendlichen - den allergrößten Rausch . Das Erkennen erzeugt nicht den größten Rausch . Wenn das doch alle Wesen erkennen könnten - dieses Erkennen dessen , das nicht erkannt werden will und garnicht erkannt werden soll . « Wieder verwirrten sich Lesas Gedanken . Er fühlte nur , daß er sich immerzu drehte , und empfand einen seligen Rauschzustand . Und er freute sich darüber . Dann - kams ihm so vor - als spräche was neben ihm - in einer geheimnisvollen Zeichensprache . Und ihm war so , als verstände er die Zeichensprache . » Du willst wissen « , glaubte er zu vernehmen , » warum die Planeten die große Sonne umkreisen . Oh - sie ist nicht nur groß - sie ist auch so gütig ! Das ist das Wichtigste . Sie gibt Licht und Wärme in Hülle und Fülle . Sie ist tätig für alle , die sie umkreisen . Ihre Tätigkeit für die Andern - das ist ihre Güte . Sie belebt alles - auch das Kopfsystem des Pallas - und Dich , Lesa , ebenfalls . Fühlst Du nicht , was die große Sonne denkt ? « Lesa sammelte sich und schaute mit seinen neuen Sehorganen ganz heftig in die Sonne hinein , und da wars ihm so , als spräche die große Sonne zu ihm . Er horchte - Und er hörte , daß sie sprach . Aber er verstand nicht , was sie sprach . Da wurde er traurig . Dann vernahm er deutlich abermals Worte in seiner Nähe - sie sagten : » Eine der größten Weisheiten unsrer großen , eigentlich nicht so ganz gütigen Sonne ist die , daß nur Schmerz und Qual als die größten Glückserzeuger bezeichnet werden dürfen . Wir haben kein Recht , uns vor dem Entsetzlichen zu fürchten . Das Entsetzliche führt uns doch immer weiter . Es wandelt uns um . Und wir sind nicht imstande , uns umzuwandeln , wenn wir Schmerz und Qual fliehen . Höre nur , was die Sonne Dir jetzt sagen wird ! « Und Lesa hörte nach einer Weile klare Töne und dann diese Worte : » Fürchtet nicht den Schmerz - und fürchtet auch nicht den Tod . « Dreiundzwanzigstes Kapitel Die Sofanti-Musik verstummt . Und oben auf dem obersten Stockwerk verbinden sich die Lichtstrahlen des Kopfsystems mit der Turmlaterne . Lesa sieht immer mehr von dem Innern der Sterne und von dem , was sie wollen . Der karminrote Lichtkegel geht durch den ganzen Stern Pallas hindurch . Und dann wird der Stern Quikko Mond des Pallas . Lesa kann sich dem Biba verständlich machen . Die Pallasianer wohnen nur noch auf der Außenseite des Pallas-Rumpfes und bauen mit Hilfe der Quikkoïaner große Teleskope . Das Kopfsystem strahlt große Kometenbüschel aus , und die Spinngewebewolke leuchtet so hell wie einst . Da die Lichtwolke nicht mehr des Nachts herunterkam , war auch die Sofanti-Musik in den Häuten des Centrums nicht mehr zu hören . Anfänglich wurde das nicht beachtet . Als Sofanti darauf aufmerksam machte , schüttelte man mit dem Kopf , hielt das aber für ganz natürlich . » Wir werden noch « , sagte der Nuse , » das Ungeheuerlichste für ganz natürlich halten . Alle meine Lichttürme sind für die dunkle Nacht berechnet gewesen - jetzt leuchten sie am Tage , der allerdings mehr ein Abend genannt werden muß . Die grünen Sterne bleiben immer für uns sichtbar . Ein Zwielicht wird durch die Lichttürme in der Dämmerung erzeugt . Das ist so köstlich , daß ich behaupten möchte : wir haben etwas Köstlicheres noch nie erlebt . « » Die Sterne « , sagte Dex , » sind uns jetzt , wie mir deucht , viel näher als bisher . Wir sollen uns wohl mehr um sie kümmern . « Sofanti aber sagte dazu : » Wenn soviel wie jetzt auf unserm Pallas sich ereignet , so können wir uns vorläufig noch nicht um die Sterne bekümmern . Kommt rasch hinauf in die Laterne . Ich habe da wieder etwas Neues entdeckt . « Und die beiden Andern folgten dem Sofanti auf den flinken Band- und Seilbahnen des Turms hinauf in die Laterne . In der leuchtete der karminrote Lichtkegel . Und sie bemerkten , daß der Lichtkegel viel breiter war . Nun führte Sofanti den Dex und den Nuse in dem letzten Stockwerk durch die Seitenklappen hinaus auf einen Balkon , und da sahen die Drei , daß sich die gelben leuchtenden Schlangenleiber , die man oben im Kopfsystem entdeckt hatte , in ganz merkwürdigen Knoten um den oberen Teil des obersten Stockwerks herumgeschlossen hatten . » Jetzt hat sich « , sagte der Dex rasch , » das Kopfsystem unlöslich mit dem Rumpfsystem des Pallas verbunden . Jetzt wird Niemand mehr sagen , daß wir den Turm zwecklos gebaut haben . Dazu also haben wir soviel Kaddimohnstahl verarbeiten dürfen . Wir haben getan , was Rumpf und Kopf unsres Sterns zusammen wollten . « Als das bekannt wurde , kamen Alle hinauf und staunten das neue Wunder an . Lesa empfand nun oben immerfort ganz neue Dinge im Planetensystem . Er konnte garnicht alles erfassen . Er sah in das Innere der Planeten hinein und sah , wie heftig sie lebten - wie sie immerzu bemüht waren , den Bewegungen des Sonneninnern zu folgen . Und dieses glühte so heftig , daß Lesa nicht wußte , was er zuerst sehen sollte . Er fühlte sich einsam und wollte einen Führer . Kaum hatte er das gewollt , so vernahm er ganz fremde Töne - und er verstand sie - sie sagten : » Nur ganz allmählich wirst Du mehr von unserm großen Sonnenleben begreifen . Die Asteroïden kamen hierher in großen Scharen , als sie sahen , daß große Planeten die Sonne umkreisten . Wir verstehen selber noch recht wenig von den innern Zusammenhängen . Jedenfalls wissen wir jetzt , daß hier nicht Rücksicht auf die kleinsten Dinge genommen wird . Wir müssen uns daran gewöhnen , daß Vieles an die Seite geschoben wird , damit Wichtigeres Platz bekommt . Das führt zu manchen Brutalitäten . Darüber wird immerzu zwischen der großen Sonne und ihren kleineren Trabanten verhandelt . Was die größeren Planeten , die nach uns kamen , mit der Sonne zusammen überlegen , das wissen wir nicht . Vom Jupiter wissen wir wenig . Einzelne Asteroïden umkreisen deshalb den Jupiter . « Lesa fühlte einen stechenden Schmerz in dem einen seiner glaskugelartigen Sehorgane - und er sah damit nichts mehr . Er wollte auch nichts mehr sehen . In der Laterne des Lichtturms gabs bald noch eine größere Neuigkeit : während das gelbe Licht der Schlangenleiber schwächer wurde und diese fast vollständig zur Ruhe kamen , verbreiterte sich der rote Lichtkegel zusehends , sodaß er unten bald breiter als die Ampel war und nun nach unten ging durch das Centralloch durch . Und dabei wurden die Kaddimohnstahlstangen des kleinen Modellturms unten blendend weiß . Dex befürchtete , daß der Stahl durch das Licht angegriffen werden könnte , er untersuchte den Stahl , fand aber nichts , was ihn beunruhigte . Dagegen merkte er , als er sich längere Zeit dem karminroten Lichte ausgesetzt hatte , daß sein Körper in eine ihm ganz neu erscheinende Erregung versetzt wurde ; er sprach danach so lebhaft , daß sich die meisten Pallasianer sehr bald aus seiner Nähe zurückgezogen - nur Biba hielt es aus . Und er flog auch in das rote Licht , und er fühlte dieselbe Erregung . Nun sagten aber Beide , daß die neue Erregung keineswegs unangenehm wirke - das Licht sei vielmehr belebend . Und so begaben sich bald alle Pallasianer in den roten Lichtkegel , und der durchleuchtete nun auch den Südtrichter des Sterns und leuchtete unten ganz weit über den südlichen Trichterrand hinaus . Und man sah , daß der Strahl einen kleinen Stern traf . Durch Spiegel versuchte man das rote Licht abzulenken . Und - wo das abgelenkte Licht den Stein der Trichterwände traf , da leuchtete der Stein dunkelviolett und in wundervollem Glänze . Nuse bemerkte , daß dagegen seine Lichttürme fast verblaßten . Und man beschloß , die Spiegel nicht zu oft so zu stellen , daß das rote Licht seitwärts abgelenkt wurde . Schließlich lenkte mans nur im Südtrichter ab , wo die Lichttürme nicht mehr erleuchtet wurden . - Lesa aber erinnerte sich plötzlich , daß er ja dem Biba versprochen habe , ihm ein Zeichen zu geben . Und der Biba saß in seiner stillen Klause und dachte fortwährend an seinen verschwundenen Lesa . Und plötzlich sieht der Biba , daß seine Höhle hell aufleuchtet - in ganz zartem blaugrünlichem Licht ; einer von Lesas Fühlfäden ist dorthingelangt - mitten durch den Felsen durch . Lesa sieht den Biba ; der Kopf seines Fühlfadens ist nicht aus gewöhnlichem Glas geformt - nicht zerbrechlich - der Kopf ist ein ganz besonderes Glas , das für die Augen der Pallasianer nur als blaugrünlicher Lichtschimmer bemerkbar ist . Lesa will dem Biba etwas sagen , und es gelingt dem großen Kometenkopfbewohner , seine Gedanken auf den Biba ohne weiteres zu übertragen . » Lebt « , sagte der Lesa , » auf der Außenrinde des Pallas-Rumpfes , der lebt jetzt mit dem Kopfsystem zusammen - und wieder mit den anderen Asteroïden zusammen - mit dem ganzen Planetensystem und auch mit dem Sonnensystem zusammen . Das sollt Ihr auch . Lebt draußen , macht Euch große Teleskope . Die Quikkoïaner werden Euch helfen . Ihr werdet immer mehr entdecken . Ich entdecke auch immer mehr . Es geht nicht sprungweise . Ihr könnt Euch nur allmählich entwickeln . Auch die Sterne entwickeln sich nur allmählich . Ich bin noch kein Stern . Ich komme aber immer weiter . Schon ahne ich etwas von dem , was im Innern der Sterne vorgeht . Die Sonne ist für mich noch viel zu groß . Aber auch die andern Planeten sind noch immerzu zu groß für mich . Das vergeßt nicht . Wir müssen alle zusammen dasselbe große Ziel im Auge behalten . Vergiß den Lesa nicht . « Danach wars dunkel . Und Biba schrie : » Ich danke Dir , Lesa ! « Und dann stürmte er hinaus und erzählte Allen , was er erlebt hatte . Und da legten die Pallasianer auf der Außenseite des Pallas-Rumpfes Pilzwiesen an , und sie schliefen auf diesen Pilzwiesen . Und wenn sie erwachten , starrten sie mit lang ausgestreckten Augen in die grünen Sterne . Die Quikkoïaner aber dachten darüber nach , wie sie große Teleskope bauen könnten . Und Lesa freute sich oben , daß es ihm gelungen war , sich den Pallasianern verständlich zu machen - und daß sie wieder taten , wie er gebeten hatte . Und dann gingen Lesas große Weltaugen wieder zur Sonne hin und zu den Planeten , die der Sonne näher waren als der Asteroïdenring . Lesa bemerkte , daß alle rücksichtslos immer tiefer eindringen wollten in große Geheimnisse , die für ihn noch unverständlich waren . Aber Lesa wurde mitgerissen von dem stürmischen Vorwärtsstreben der Sterne . Und ihn packte eine große Wildheit . » Ich will auch weiter « , rief er in seinen Gedanken , » wenn ich auch nicht weiß , wohin es führt . Aber es geht ein Trotz durch die Planeten . Sie wollen nicht mehr am Kleinlichen haften bleiben ; sie wollen alle nur das Große , Gewaltige . Und das hat nicht träge Ruhe in sich . Da löst sich die schlaffe Seligkeit auf . Und man wird Vulkan -Welterschütterung - tosender Sturm - und berauschender Lichttrubel . Was kommt es darauf an , ob ich lebe oder nicht lebe . Wenn nur der Stern mit mir , in mir lebt - ein Weltenleben . Schwer ist es . Aber durch das Schwere kommt man zu den größten Seligkeiten . Die schlaffen Pausen müssen überwunden werden . Schneller muß sich alles drehen , damit man mehr aufnimmt . Wieder kommt der Rausch , den die ewige Drehung erzeugt - die sich drehenden Kugeln und Räder ersticken das Kleinliche . Vorwärts ! Nicht den Schmerz fürchten ! Nicht den Tod fürchten ! Die Kugeln ! Die Unendlichen ! Die Räder ! Die Kreise ! Die Kreise ! « Und Lesas Gedanken verwirrten sich wieder , und er empfand nur noch eine stürmische Seligkeit . Da sahen die Pallasianer plötzlich den Stern Quikko näher kommen . Nax und die Seinen jauchzten . » Er wird « , rief der kleine Nax , » Mond des Pallas . « Und so geschah es . Und die Pallasianer nahmen die zehn kleinen Quikkoïaner und ließen sich hinschnellen durch Seile - zum Stern Quikko - auch Biba flog hin . Und da gab es ein großes Wiedersehen . Und die Quikkoïaner lösten vorsichtig einige Quallenstücke von ihrem Stern los . Und mit diesen Quallenstücken flog man zurück und baute auf der Außenseite des Pallasrumpfes viele Teleskope . Und während der Stern Quikko neugierig den Pallas , auf dem jetzt Kopf und Rumpf immer intensiver zusammenwuchsen , umkreiste - flogen die Pallasianer oft hinüber zum Quikko . Und die Quikkoïaner flogen zum Pallas oft hinüber . Und es entstand auf dem Pallas ein ganz neues Leben - und auf dem Quikko ebenfalls . Lesa empfand immer mehr , daß er nicht mehr so empfand und dachte wie einst . Es ging das Streben des Kometensystems allmählich immer heftiger in ihn hinein . » Wir wollten ja « , vernahm er da , » auch mal zur Sonne . Aber wir blieben am Pallas hängen . In dem war noch so viel Kraft . Aber der große Asteroïd schlief . Und jetzt haben wir ihn wieder erweckt . « Lesa teilte dem Biba gleich mit , was er vernahm und sagte ihm : » Wenn wir nur wüßten , was die Kometen jetzt wollen . « Da sahen die Pallasianer und die Quikkoïaner , daß das Kopfsystem sehr unruhig wurde . Mächtige Kometenbüschel strahlten nach allen Seiten aus dem Kopfsystem heraus . Und die Spinngewebewolke wurde wieder glänzend wie einst . Und der Kranz leuchtete mächtig . Und Funken sprühten in dem Kranz herum , daß er noch heftiger leuchtete . Ganz allmählich wurde das Leuchten und das Funkensprühen schwächer . Lesa blickte mit allen seinen neuen Augen hinab . Und man sah auf dem Pallas an vielen Stellen einen blaugrünlichen Lichtschein . Vierundzwanzigstes Kapitel Biba läßt für die Sonnenbeobachtung eine neue Bandbahn bauen , die den äußeren Teil des Pallas-Rumpfes in der Mitte umspannt . Lesa sagt dem Biba das Wichtigste über die Sonne . Bombimba will wie Lesa in das Kopfsystem , es gelingt ihm aber nicht ; er wird von Labu aufgenommen . Die Quikkoïaner wollen wieder das Künstlerische auf dem Pallas fördern . Dort ist aber alles mit Sternbeobachtung beschäftigt . Zwei Meteorgeister kommen in die Nähe des Pallas und umkreisen Turm- und Kopfsystem , sind aber unnahbar , da sie zurückdrängende Atmosphäre haben . Das Kopfsystem kommt tiefer herunter und verbindet sich ganz fest mit dem Rumpf . Lesas blaugrünliches Licht ist jetzt öfters unten zu sehen - zuweilen an vielen Stellen zu gleicher Zeit . Biba wollte gleich anfangs , als der Quikko den Pallas noch nicht als Mond umkreiste , eine neue sehr breite Bandbahn anlegen , die nur für die Sonnenbeobachtung die Mitte des Pallas-Rumpfes von außen umgeben sollte . Und die Bahn sollte ganz langsam fahren und von links nach rechts geleitet werden , während der Pallas von rechts nach links sich drehte . Diese Drehung sollte durch die Bahn aufgehoben werden , damit man ungestört auf der Bahn sitzend die Sterne beobachten konnte - und besonders die Sonne und die Asteroïden . Diese Bahn wurde denn auch bald gebaut . Und Biba beschäftigte sich danach so eifrig mit der Sonne , daß er zeitweise alles andre darüber vergaß . Auch ein großes Sonnenteleskop befand sich auf dieser langsamen Bandbahn . Als der Biba mal außergewöhnlich lange an seinem Sonnenteleskop tätig gewesen war und nun sehr müde in seine Höhle zurückkehrte , um auf seiner kleinen Pilzwiese zu schlafen - da sah er plötzlich wieder das blaugrünliche Licht . Und er wußte gleich , daß Lesa wieder da war . Er horchte hin und hörte , wie Lesa hastig Folgendes sprach : » Größte Qual und größte Seligkeit treten nicht nur sehr oft - nein - in unserm Sonnensystem - fast immer zusammen auf . Daran muß man sich gewöhnen . Die Sonne sagte mir schon , daß wir den Schmerz nicht fürchten dürfen - der Todesschmerz ist vielleicht der größte Schmerz . Er enthält aber auch die größte Seligkeit - diese Auflösung im Größeren und Stärkeren ist eine ganz außerordentlich großartige Empfindung . Viele Lebewesen können den Tod garnicht auskosten , da sie den Moment des Sterbens nicht festzuhalten vermögen . Es geht ihnen so wie uns , wenn wir einschlafen . Wir können auch den Moment , in dem wir einschlafen , nicht festhalten . Aber uns auflösen , wenn unsre Glieder durchsichtig werden , das können wir bei vollem Bewußtsein . Wir fürchten ja deshalb auch nicht den Tod . Aber viele andre Lebewesen in unserm Sonnensystem tun das . Lieber Biba , dieses weiß ich schon lange . Doch jetzt habe ich auch erfahren , was das Wichtigste der großen Sonnenphilosophie ist : wir sollen alle die größte Selbständigkeit erstreben und erlangen und gleichzeitig dabei stets darauf bedacht sein , uns dem Größeren unterzuordnen . Diese beiden Dinge kommen in Millionen Variationen immer wieder in und auf allen größeren und kleineren Sternen vor , die unsre große Sonne umkreisen . Auch die Kometen ordnen sich unter . Das Sichunterordnen ist das Größte . Sterben ist eigentlich auch nur ein Sichunterordnen . Das ist oft sehr schwer zu verstehen , da es ja der größten Selbständigkeit scheinbar widerstrebt . Indessen - es handelt sich ja immer um ein Sichunterordnen dem Größeren gegenüber . Darum ist Deine Idee vom Asteroïdenring ganz richtig . Der Saturnring kann vorbildlich für uns sein