Segelhandsch und Nadel bei dem Toppsegel auf der Diele zugange , dem er einen Flicken aufsetzte , Klaus Mewes knüttete an einem Kurrensteert . Auf dem aufgeklappten Tisch stand noch der Morgenkaffee . » Vadder , neem sünd wi ? « » Wi ligt achter Hilchland , Störtebeker ; dat weiht so dull , dat wi ne fischen könnt . « » To Anker , Vadder ? « » Jo , Störtebeker ! « Der Junge dachte einen Augenblick nach , warum ihm der Kopf mit einemmal so sauste , und warum die ganze Kajüte sich um ihn drehte : da fiel ihm seine Seekrankheit ein , und er legte sich rasch wieder hin , damit sie nicht wiederkommen sollte . » Bliew man giern liggen « , sagte sein Vater mit verstelltem Ernst , während er geruhig knüttete , » wenn dat noher stiller is , sett ik di an Land , denn fohrst du mit den Damper no Hus , hürst ? Up See is dat doch nix för di , wenn du so licht seekrank wardst bi slecht Wedder . Eten magst du ok nix , dat kann jo ne god gohn . « Dann ging er an Deck , um nach dem Wetter zu sehen , und sagte zu Seemann , der ihm nachgelaufen war und auch die Nase in den Wind steckte : » Nu wöt wi mol sehn , wat de Mederzin ne hilpen deit ! « Als er die Reihe der Fahrzeuge überblickt hatte , die um ihn lag , und mit Jannis Six gesprochen hatte , der am dichtesten bei ihm ankerte , ging er wieder unter Deck , nahm Scheger und Nadel auf und knüttete weiter , als wenn nichts geschehen wäre . Und es war doch etwas geschehen , das ihm das Seefahrerherz mit Stolz und Freude erfüllte . Denn siehe , - Klaus Störtebeker war aufgestanden und hatte sich angezogen . Noch mehr : er saß am Tisch und trank schwarzen Kaffee aus der Muck . Noch mehr : er aß Schwarzbrot dazu , obgleich ihm schon zuwider war , es nur zu riechen . Noch mehr : er versuchte zu lachen ; und wenn es noch nicht gleich gelang , so war sein Wille doch nicht daran schuld . Tapfer aß und trank er , obgleich der Fußboden und die Kojen wieder zu kreisen und zu tanzen begannen . » Smeckt all wedder , Störtebeker ? « fragte Klaus Mewes nach einer Weile . » Dat mütt , Vadder ! Ik bün nu mit de Seekrankheit dör ! « » Dat segg man nich to hart « , rief der Knecht von der Diele . » Doch , Kap Horn , schallst sehn : ik ward ne mihr seekrank ! Un no Hus will ik ne , Vadder : ik will bi di blieben un mit fischen ! « » Non « , sagte sein Vater , » denn ist god ! « Und erging sich mit ihm an Deck , damit der Junge in der frischen Seeluft ganz genese , denn die Teer- und Segelgerüche der Kajüte waren nicht gut für seinen Zustand . Er wies ihm Helgoland und die Düne , das Unterland und das Oberland , die große Treppe , den Leuchtturm und die Kirche , die großen , rotgrauen Felsen , die starken Boote der Helgoländer und das Haus des Gouverneurs , auf dem die rote englische Flagge wehte . Störtebeker vergaß seines Leidens und behielt das Gegessene bei sich . Er tat schon wieder Schiffsarbeit mit , wenn er sich auch noch matt fühlte : sein Vater ließ ihn pumpen und das Boot schrubben , damit er immer in Fahrt blieb und sich nicht wieder hinlegte , denn nun mußte die Seekrankheit endgültig verjagt werden . Mittags ging Störtebeker mit zu Tisch und aß tapfer , wenn auch nicht so viel wie sonst . Seine Backen hatten schon einige Farbe zurückbekommen , und seine Augen glänzten schon wieder . Der Kummer war vergessen . Klaus Mewes warf den Kahn über Bord und sagte , er wolle an Land : wer mitginge ? Störtebeker war dabei . Hein Mück , der auch mit sollte , lehnte ab : er wollte ein bißchen voraus schlafen . » Up Hilchland ist fein , Hein Mück . « » Scheun ist bloß in Finkwarder up Musik « , sagte Hein Mück aber und zog die Stiefel aus , um einen Stremel zu verträumen . Kap Horn , der gern mitgegangen wäre , mußte zur Sicherung des Fahrzeuges zurückbleiben . Der kleine grüne Kahn wurde bannig hin und hergeworfen , denn es stand noch eine ziemliche See , wenn auch der Wind nachgelassen hatte und raumer gelaufen war , aber Klaus Mewes wriggte zu geschickt , als daß sie Wasser über bekamen . Störtebeker guckte die Wogenköpfe scharf an , aber er fürchtete sich nicht und ließ auch die Seekrankheit nicht an sich heran . An der Brücke banden sie den Kahn zwischen den Helgoländer Booten fest und betraten den englischen Boden . Mit dem Unterland waren sie bald schier . Klaus Mewes eine Weile mit Kai Rickmers , den er kannte , und der Schiffer klopfte dem Jungen die Schultern und sagte etwas , was Störtebeker aber nicht verstand , weshalb er meinte , es wäre Englisch . Dann stiegen sie die 188 Stufen zum Oberland hinauf und blickten auf die kleinen , kleinen Ewer und Kutter . » U , wat is uns Eber lütt ! As mien lütt Schipp bi Hus ! « rief Störtebeker . Er bekam den Mönch zu sehen , den gewaltigen , frei im Wasser stehenden Felsen mit dem grünen Hut , und das Sathorn . Und blickte staunend in die schroffe Tiefe , in der das seifige Seewasser gedämpft rauschte . Dann schlugen sie den Mittelweg ein , den die Badegäste die Kartoffelallee getauft haben , und blickten von der Nordklippe der Eilandes weit und breit über die graue , hohe See , die beiden Finkenwärder . Im Westen stand ein Dreimaster mit weißen Segeln auf der Kimmung , unter ihnen aber brandete die See in dumpfem Grollen . Am Leuchtturm , dem schlafenden Riesen , vorbei gingen sie nach den Vogelfelsen , auf denen die dummen Lummen , die schwarzweißen isländischen Gesellen , in großen Scharen saßen . Andre flogen hin und her und krächzten . Auf dem Unterland kehrten sie bei Hai Deepen ein , und Klaus Mewes schrieb einige Zeilen an Gesa . Dann schieden sie von dem englischen Heligoland und wriggten nach dem Ewer zurück . Als Störtebeker bei der Pfanne über die Ausfahrt berichtete , fragte Hein Mück plötzlich nachdenklich : » Worüm hürt Hilchland eegentlich den Ingelschmann to ? « » Worum ? « lachte Kap Horn . » Worum heurt em Malta un Hongkong un Cypern un Gibraltar un Kapstadt un Jamaika ? He hett tolangt , de olle , ehrliche Jan Bull , as anner Lüd bleud weurn . « Klaus Mewes studierte das Wetterglas und ging nochmal mit dem Heben zu Rate , dann aber rief er munter : » Seilen ! « und warf seine Kurre mit einem großen Schwung in die Netzkoje auf der Diele : die Fischerei trat wieder in ihr Recht , und alle stürzten an Deck . Sie brachten das Fahrzeug unter Segel , hievten den Anker und kreuzten aus dem Helgoländer Loch . Draußen kamen sie in leege Wall und trafen eine so hohe See und so frischen Wind an , daß sie reffen mußten , aber weil er einmal unterwegs war , ließ Klaus Mewes sich nicht aufhalten und dachte nicht an Umkehren . Er hatte schon anderes erlebt , als diesen südwestlichen Kurs nach Norderney hinunter , und hielt wohlgemut an seinem Ruder aus . Störtebeker stand bei ihm und hielt sich an der Rudertalje fest , wenn der Ewer überholte . Er kämpfte wieder mit bösem Unwohlsein , aber zum Brechen kam er nicht mehr , und weil sein Vater ihn ermunterte und sagte , nun sei er darüber hinweg , so glaubte er es und bemeisterte die Übelkeit . Nachts übernahm der Knecht die Wache , und Störtebeker ging mit seinem Vater zu Koje , hocherfreut , daß er nicht mehr seekrank geworden war . Auch Klaus Mewes war recht vergnügt darüber und lobte ihn . Gegen Morgen mußten alle an Deck , denn sie waren auf der alten Stelle angelangt , wie Klaus Mewes durch Peilen und Loten festgestellt hatte . Dwars von Juist klüsten sie , und der Wind war wieder etwas schwächer geworden . Sie machten das Reff aus den Segeln heraus und setzten die Kurre aus , nachdem sie den Ewer an den Wind gebracht hatten . Kurrbaum und Kugeln , Teufelsklauen und und Sprenken wurden zurechtgemacht , dann ließen sie das Schleppnetz , das ganze , schwere Geschirr , zu Wasser , mitten hinein in Störtebekers Gold , in den roten Feuerweg , den die eben aus der See gestiegene Sonne auf dem Wasser gemacht hatte . Störtebeker war mit Leib und Seele dabei , er rief und fragte , als müsse er alle Fischerei in der ersten halben Stunde lernen , stolperte über die Kurrleine , daß er beinahe über Bord gekommen wäre , trat Seemann auf den Schwanz , daß er klagend schrie , und steckte sich überall dazwischen . Als die harte Arbeit getan war , die gerade durch die ganze Kraft dreier Männer bewältigt werden konnte , bekam Hein Mück die Wache . Schiffer und Knecht gingen in die Puk . Der Ewer zog mit seiner Kurre seitwärts davon , wie ein Roß mit dem Pflug , und segelte langsam dem grauen Streifen entgegen , der im Süden aus der See guckte . Die dicke Kurrleine zitterte im Wasser , als wolle sie jeden Augenblick brechen . Störtebeker sah eine Zeitlang über Bord und machte sich Gedanken darüber : als Hein Mück , der Wachmann , aber anfing , sich über ihn lustig zu machen , ging er seinem Vater nach und verschlief die beiden Kurrstunden in dessen Armen . » Intehn ! Intehn ! « Der Ruf , der Tote uferwecken und Kranke zum Aufstehen bringen kann , scholl in die Scheinkappe hinein , die Hein Mück geöffnet hatte . Da konnten sie aus dem Bett finden ; Junge , Junge ! Eins , zwei , drei standen sie an Deck und hievten im Angesichte der Norderneyer Dünen die Kurre ein , nachdem sie die Fock fallen gelassen hatten . Was für eine harte Arbeit , dies mühselige , langsame Aufhieven des Netzes ! » Hiev , hiev ! « Wie oft mußte Klaus Mewes ermuntern , wie mußte er sich beim Abstoppen abreißen ! Allen dreien lief der Schweiß von der Stirn , aber sie gaben nicht nach , bis der Kurrbaum an den Wanten saß . Dann beugten sie sich über Bord und zogen die Kurre mit den Händen über die Reling . Seemann bellte die Möwen an , die schreiend um den Ewer flogen und sich zu Hunderten angesammelt hatten , lauter aber als Hund und Möwen war Störtebeker , der bald hier stand und bald dort und immerfort zeigte und rief : » U , wat een Fisch ! Kiek dor : een Schull ! Dor noch een ! Dor all wedder een ! Dor een Tasch , dor een Ruch , dor een Gnurrhohn , dor een , - den kinnk ne ! Junge , Junge , watten Fisch ! « Er sollte sich aber noch mehr wundern , denn jetzt erschien der Steert , der Beutel des Netzes , an der Oberfläche . Der war so groß und schwer , daß sie ihn nicht über den Setzbord heben konnten . Sie mußten ihn deshalb in die Talje nehmen . Da hing er über dem Deck , der wirre , lebendige Klumpen von Fischen und anderem Seegetier , und leckte wie ein Sieb . Der Schiffer machte das Steerttau los und sprang beiseite : die Kurre öffnete sich , und quuks-quaks stürzten die Fische schlagend und spaddelnd auf Deck . Da kreischten die hungrigen Möwen noch lauter : Störtebeker aber kam gänzlich aus der Tüte . Mann o Mann , Junge , Junge , watten barg Fisch ! Das war doch noch etwas anders , als wenn er Stichlinge fischte , oder als wenn die Lüttfischer am Fall mit den Garnen zogen ! Da klapperten und spaddelten die Schollen und Scharben , da sprangen die Rochen , da schnappten die roten Petermännchen nach Wasser , da knurrten die Knurrhähne , zwischen ihnen kroch ein Hummer , da lagen Seemäuse und Seesterne , Seeäpfel , Muscheln und Tang , ein alter Seestiefel , ein zerbrochener Topf und ein großer Stein . Die Luken wurden abgedeckt und die Schollen in den Bünn geworfen , nach der Größe gesondert , und gezählt . Der Streek hatte gelohnt , denn sie kamen auf 8 Stiege großer und 12 Stiege kleiner Schollen . Störtebeker mußte den Hummer in eine Kiepe setzen und sie in den Bünn hängen , die Taschen packte Hein Mück , dem nach altem Brauch das Taschengeld gehörte , in einen Hummerkasten . Knurrhähne und Rochen wurden für die Pfanne bestimmt , denn weil die Eiskisten noch leer waren , konnten sie nicht frisch erhalten werden . Die Scharben wurden zugemacht und in Salzlake gelegt , dann schaufelten sie den Rest des Fanges schnell über Bord und setzten die Kurre wieder aus . Die Fock rillte in die Höhe , der Ewer fiel ab und nahm seeseitigen Kurs . Die Möwen verließen das gastliche Schiff . Spurlos wie sie erschienen waren , verschwanden sie wieder , um andre fallende Focksegel aufzusuchen . Der erste Streek war getan . * * * Diesmal blieb Störtebeker an Deck , denn sein Vater stand am Ruder . Sie taten kurze , zweistündige Striche in der Schollenzeit , damit die Fische , die lebendig an den Markt gebracht werden mußten , in der Kurre nicht zu sehr litten . Kap Horn und Hein Mück gingen in voller Kleidung zu Koje und schliefen , denn wie ein ehernes Gesetz hatte nun die Fischerei Gewalt über die Fischer : das Tag- und Nacht-Kurren ließ sich nur dann durchführen , wenn die Freiwache verschlafen wurde . Bei gutem Wetter wurde ununterbrochen gefischt : Ruhe gab es erst , wenn der Bünn voll war , oder wenn die Stille oder der Sturm dazwischen kam . Wie der Fischermann inmitten der vielen Fische doch kein Stückchen wegwirft , wie er auch die letzte Gräte absaugt , so läßt er keinen Streek aus und fischt tags und nachts , Sonntags und alltags . Was für ein Leben ! Störtebekers Backen glühten , seine blauen Augen leuchteten wie die Elbe an Sonnentagen : sie fischten ja , sie fischten ja ! » Junge , Vadder , dat is wat , dat mokt Spoß « , versicherte er immer wieder und sprach die ganzen zwei Segelstunden von nichts anderm als von dem Streek . Die Seekrankheit war vergessen : er holte sich ein dickes Stück Schwarzbrot aus dem Schapp und aß es , er trank Kaffee dazu und war guter Dinge . In der Weite kurrten mehrere Finkenwärder , aber dicht bei ihnen segelte niemand : sie hatten das Feld allein . Wie im Fluge verging die Zeit . » Is so wiet « , sagte Klaus Mewes , » nu rop jüm man ! « Freudig sprang Störtebeker über die Luken , schob die halbgeöffnete Kapp zurück , kletterte die Treppe hinab und gröhlte so laut er konnte : » Kap Horn un Hein , upstohn ! Wöt intehn ! To , gau ! Vadder hett dat seggt ! « » Jo « , brummte Hein Mück , dem ein schöner Traum von seiner Gesine durch die Latten gegangen war , und grabbelte nach seinen Stiefeln , Kap Horn aber schwang sich auf die Bank und schalt : » Wat is dat eegentlich forn Snack von wegen opstohn , Klaus Störtebeker ? Du meenst woll , du büst hier bin Buern , wat ? Weeß du nich , dat an Bord allens utsungen wardn mutt ? Paß mol op : so heet dat : Reis ut , Quarteer , is mien Verlangen , reis ut , quarteer , in Gottes Nom ! De een von jo salt Ror verfangen , reis ut , Quarteer , de Wacht is don , acht Glosen sünd slon ! Reis ut , Quarteer , in Gottes Nom ! « » Junge , dat is jo een ganzen Gesang « , rief Störtebeker , » den kank ne beholen ! « Dann rüttelte er Hein , der auf der Bank wieder eingedusselt war : » Schall ik ierst mit een Pütz Woter kommen ? Hebb ik di ne seggt , du schullst upstohn ? « » Du kriegst gliek een annen Blackputt , wat van hier no Amsterdam flügst « , drohte der Junge mürrisch und erhob sich . Störtebeker ging nicht vom Fleck , bis sie fertig waren . Als sie alle drei an Deck kamen , hatte sein Vater den Ewer schon in den Wind schießen lassen , die Fock war schon gefallen , und die Möwen flogen schon wieder über den Masten . Sie legten die Leine um die Winsch und hievten . Es ging noch schwerer als vorher , daß Störtebeker rief , da säßen gewiß hundert Stiege Schollen drin . Ihr Seefischer , die Ihr ihn auslachtet : erwehrtet Ihr Euch der Gedanken an große Fänge , an reiche Schätze , wenn Ihr die Kurre einzogt ? Wenn ' s auch vorher nur Tang und Schlick und Steine gewesen waren , was Ihr zutage gehoben hattet : kam nicht bei jedem Streek die Hoffnung wieder , daß es auch einmal etwas andres sein könne ? Der Bauer , der Gerste gesät hat , weiß , daß er nichts andres ernten kann , aber der Fischer , der nicht sät ( Sehet die Fischer an : sie säen nicht und ernten doch , hatte Pastor Evers gepredigt ) , für den ein andrer die Saat bestellt , der immer unbekannte , geheimnisvolle Äcker und Felder berakt : was kann der alles ernten ? Störtebekers Gold liegt immer noch auf dem Grunde der See : ein Fischer wird es einmal finden , heißt es . Diese Hoffnung auf Großes , Unsichtbares , die sich bei jedem Streek erneut , ist es , die auch dem armseligsten Fischerewer vor allen andern Schiffen etwas vorausgibt : und sie ist es , die Fischer werben wird , solange die See nicht zugeschüttet ist . Klaus Mewes mußte Hein Mück und seinem Jungen das Abstoppen für eine Weile überlassen , denn ohne seine Bärenkraft ließ die Winsch sich diesmal nicht drehen . Endlich konnte der Kurrbaum festgemacht werden . Diesmal riß Störtebeker schon kräftig mit an der Kurre , denn er wußte jetzt , worauf es ankam , und kümmerte sich wenig darum , daß er naß wurde . Sogar Seemann half : er biß sich an den Maschen fest und zerrte unter großem Geknurr . Als das Steerttau losgeknotet war , donnerte ein schwerer Stein auf das Deck , daß der Ewer erdröhnte . Das war der vermeintliche reiche Segen ! Zum Glück waren aber auch noch Schollen in der Kurre . Sie wanderten in den Bünn . Der große Felsen blieb einstweilen an Deck liegen . Klaus Mewes wollte ihn hier nicht über Bord werfen , sondern gedachte ihn an einer Stelle sacken zu lassen , wo nicht gefischt wurde , wo er also keinen Fischern mehr beschwerlich und keinen Kurren mehr gefährlich werden konnte . Störtebeker schrubbte ihn ab und setzte sich darauf , als die Sonne ihn abgetrocknet hatte . Kap Horn übernahm die nächste Wache . Störtebeker , der noch nicht wieder schlafen konnte , blieb bei ihm und half ihm beim Zusammenbinden und Aufhängen der Scharben , die der Wind nun trocknen mußte . Der alte Janmaat freute sich , daß der Junge so viel von ihm hielt , und erzählte ihm Geschichten von der großen Fahrt , die noch all seine Gedanken füllte wie der Wind die Segel , und die er nicht vergessen konnte , Geschichten von Albatrossen und Eisbergen , von Schiffbrüchen und Piraten , von Chinesen und Negern , von Haifischen und schneebedeckten Bergen , von dem Fliegenden Holländer , von der Linie und dem Sargassomeer bei Westindien , in dem kein Schiff von der Stelle kommen konnte . Auch die berühmte Aalgeschichte von Hans Fink erzählte er ihm . Die war so : als Hans auf großen Schiffen fuhr , bekam seine Bark einst zwischen Kapstadt und Singapur ein Leck in den Boden . Sie wollten es dichten und konnten es nicht , denn das Wasser sprudelte immer stärker . Da riefen sie Hans Fink , den Zimmermann , daß er es dicht mache . Als Hans aber angelaufen kam und gerade anfangen wollte zu arbeiten , - in die Hände hatte er schon dreimal gespuckt ! - wat meent ji woll : mit einem Mal taucht ein großer , dicker , fetter Aal vom Grunde der See auf , steckt den Kopf durch das Loch und bleibt darin sitzen . Hans Fink holt geruhig sein Knief aus der Tasche , das mit der knöchernen Schale , das er noch heute hat , schneidet dem Aal Kopf und Schwanz ab und läßt sich vom Smutje Hamburger Aalsuppe davon kochen . Und das Schiff ist dicht und macht nicht einen Tropfen Wasser mehr , daß sie glücklich in Singapur ankommen , bloß , weil Hans Fink so schlau gewesen war . Gotts den Dünner , - was für eine Geschichte . » Minsch , wat kannt angohn « , rief Störtebeker verdutzt , » wo grot is dat Leck denn wesen ? « » Och , so as mien Arm dick is ! « » Son dicke Ool gift ober ne ! « Kap Horn ließ sich aber nicht aus dem Kurs bringen : es wäre eben ein Seeaal gewesen ! » Veel Pund schull de woll wogen hebben ? « » Dor mutt ik um legen , Störtebeker : Hans Fink meent ober , he kunn em op foftein Pund taxiern ! « Der Junge konnte auch jetzt noch nicht über den sonderbaren Fall hinwegkommen und trieb den Knecht zuletzt in die Enge mit der Frage : » Jä , nu segg mi ober mol : wat hett he denn den Stiert afsneen kreegen ? De seet doch butenburds ? « Da saß Kap Horn mit seinem Aal fest und wand sich selbst wie ein Aal , er suchte beim Kompaß und bei den Segeln Rat , ohne ihn zu finden : zuletzt aber rettete er sich durch einen Hasenseitensprung , indem er tiefsinnig erklärte : » Dor heff ik Hans noch nich no frogt ! Wenn ik em annen Diek drop , will ik ober noch mol mit em ober den Krom snacken . « Noch viel mehr Geschichten brachte er zu Markt , während sie stetig fischten ; von Jan Wurts kleinem Haus , das so klein war , daß viele darüber fielen und viele es für einen Maulwurfshügel ansahen . Einmal erlebte Jan Wurt eine dreitägige Sonnenfinsternis , weil Hannis Loop , der beim Lohen war , sein Großsegel aus Versehen darüber gebreitet hatte . Ein andermal steckte der große Karsten Külper es im Vorbeigehen in die Jackentasche , und als er nachher bei Madam auf Musik war , zog er es heraus und stellte es auf den Tisch zwischen die Groggläser und Bierseidel mit den Worten : » Kiekt , Junggäst , wat ik annen Feekstreek funnen hebb ! « Seine Macker , die Seefischer , aber lasen das Schild an der Tür Jan Wurt , Elbfischer . und sagten , da hätte er schön was gemacht : das sei Jan Wurts Haus . Und ehe der große Fischermann noch recht begriff , was er angerichtet hatte , ging die Tür des kleinen Hauses auf , und Jan guckte heraus . Die Groggläser und den Saal sehen und einen großen Lärm machen , war eins bei ihm . Alle Tänzer kamen aus dem Gang , die Musikanten konnten nicht weiterspielen , eine so gewaltige Lunge hatte der kleine Mann , so konnte er gröhlen und schelten ! Der große Karsten wurde immer kleiner und wäre am liebsten unter den Tisch gekrochen , es half ihm aber nichts : er mußte das Haus wieder hintragen , wo er es hergenommen hatte , und am andern , hochhellichten Tag mußte er den Deich entlang und mußte Abbitte vor Jan Wurt tun . Alle Leute lachten ihn aus .... Als des Erzählens ein Ende war , machte Kap Horn dem Jungen aus umgedrehten kleinen Rochen die sonderbaren Seeaffen zurecht und lehrte ihn den Kompaß nach der Weise : West zum Norden , Westnordwest , unsre Freundschaft stehet fest ; Süd zum Osten , Südsüdost , deine Liebe ist mein Trost ! ... Nur spielen wollte er nicht , denn er behauptete , mit der Harmonika mache er die Fische bange , dafür aber machte er ihm eine Angel für Makrelen und Katzenhaie zurecht , beschwerte sie mit dem Lot und fierte sie hinteraus . Es war nur schade , daß nie etwas angebissen hatte , so oft Störtebeker auch aufzog . Schon strichen einzelne Möwen über den Ewer hin , als wenn sie sagen wollten : Man to , wi sünd all hungerig ! Da sang Störtebeker zum Einziehen , und die Arbeit begann wieder . Dieser Streek brachte nur fünf Stiege : sie segelten deshalb westlicher , bevor sie wieder aussetzten . Hein Mück kam an den Törn . Störtebeker aber tat auch ihm Gesellschaft , weil er noch nicht müde war , er ließ sich von ihm im Steuern unterrichten und steuerte allein , als Hein sich als Koch betätigen , die Klöße rollen und die Kartoffeln zu Pott bringen mußte . Das war etwas für ihn : allein an Deck zu sein und allein zu steuern . Wie paßte er auf , daß kein Segel an zu klappern fing , daß sie immer voll standen , daß er nicht aus dem gegebenen Kurs kam , wie suchte er die See ab , daß er keine Haverei mache ! Sein Vater hätte ihn sehen müssen ! Als Hein wieder die Wache nahm , sprachen sie über Ostermoonen und Binsenschiffe , über Hechtschnarren , Jimpenfischen , Kaninchenzucht und andre Dinge vom Deich , sie einigten sich über die fischreichsten Gräben und beschwögten Karkmeß , Weihnachten und Fastelabend , die drei großen Feste , die nun bald kamen . Dieser Streek brachte gute zwanzig Stiege Schollen , als sie aber nach dem Mittagessen - gekochte Rochen gab es , etwas Köstliches ! - an Deck gingen , um die Kurre wieder auszusetzen , da war der Wind schlafen gegangen und der Ewer steuerte nicht mehr ; da mußten sie das Fischen aufgeben . Stundenlang dümpelte der Ewer auf der ziemlichen Dünung hin und her wie in schweren Träumen , die Gaffeln knarrten , und die Schoten schlugen mit den Blöcken . Das war die schlechteste Zeit für die Fischerleute . Selbst Klaus Mewes machte ein verdrießliches Gesicht . Wie unsinnig schlug das herrenlose Ruder hin und her , willen- und machtlos war der Ewer der Meeresdünung und der Seeströmung ausgeliefert , die mit ihm spielten wie Löwen mit der Maus . Störtebeker wunderte sich sehr über diese unruhige See und diesen tanzenden , rollenden Ewer bei so totenstiller Luft . Einer schlief einen Stremel , der andere lag auf den Luken , der Dritte lief an Deck auf und ab : sie wußten die Zeit nicht hinzubringen , so jäh waren sie aus der schönen Fischerei gerissen worden . Wie guckten sie nach dem Heben , wie sehnten sie Wind herbei ! Klaus Mewes schüttelte das Wetterglas , als wenn darin die Brise säße . Zuletzt schleppte er die angefangene Kurre an Deck , denn drinnen war es heiß , und knüttete in großer Ungeduld . Und Kap Horn spielte wieder Segelmacher , diesmal aber auf den Luken . Hein Mück kochte Störtebeker einige Taschen , die dieser unter den Flügelschlägen und dem Gekreisch der Seemöwen aufklopfte und verzehrte . » Kratz man mol annen Mast , denn kummt Wind , « rief Kap Horn , aber Störtebeker lachte ihn aus und sagte , das solle er seine Großmutter man tun lassen . Dagegen hielt er scharfen Ausguck nach Windwolken an der Kimmung . Es kam aber kein Wind durch . Die See wurde allmählich ruhiger . Gegen Abend sichtete Störtebeker drei Torpedoboote auf der See , nicht weit vom Ewer ; mit einem Male erhob er großen Lärm , rief das ganze Schiffsvolk auf und sagte : eins von den Torpedobooten , den schwarzen Schiffen , sei eben umgekippt und untergegangen . Da wurde er aber bannig ausgelacht , denn was er für Torpedoboote gehalten hatte , das waren Tümmler , die träge auf dem Wasser trieben und mitunter heisterkopf schossen und untertauchten . Von ihnen tauchten allmählich immer mehr auf , mitunter erschien auch der Kopf eines Seehundes . Ließ sich aber einmal einer einfallen , zu schreien , dann mußte man Seemann sehen , wie er aus seinem Handschuhberg stob und bellend und knurrend am Setzbord wütete ! Störtebeker sagte , er könnte sich tot darüber lachen . Es blieb die ganze Nacht todstill , - erst gegen Morgen kräuselte sich die Dünung . Da konnte zur allgemeinen Freude wieder gefischt werden . So trieben sie den Schollenfang noch vier Tage bei wechselnden Winden , oft von Stillen heimgesucht , und kamen immer östlicher , bis Langeoog hinauf . Dort sprach Klaus Mewes das erlösende Wort : » Utscheiden ! « Sie hatten 250 Stiege , der ganze Bünn saß