wenn s ' net so z ' samm ' halten taten ? Verstehst ' ? Dös wissen de recht guat , und deswegen helfen s ' anander und lassen uns koa Recht . De Beamten helfen der Geischtlichkeit , de Geischtlichkeit helft an Adel . Und alle mitanander verteilen s ' dös Geld . De san z ' samm ' g ' schworen . Was willst jetzt du macha , alloa gegen de Geischtlichkeit ? Dir hilft koana . Von de Bauern net , weil de z ' dumm san , daß s ' z ' samm ' halt ' n , und da Bezirksamtmann derf dir net helfen . Net amal , wann er möcht . Dös is eahm verbot ' n , vom Minischteri aus , oder no von an Höchern . « » Oans is g ' wiß wahr , Flori , daß d ' Bauern net z ' samm ' halt ' n. Du hätt ' st gestern dabei sei müassen ! « » I woaß a so . « » Jeder hat tracht ' , daß no bloß er net nei ' kimmt in de Sach ' . Des werd a net anderst , bis net da Bauernbund mehrer Boden kriagt . « » O mei , da hör ma auf ! Dös geht mit ' n Bauernbund , wia ' s no allawei ganga is . Denk an mi , bal an etla Jahrl vorbei san . Z ' erscht tean s ' aso , als wenn s ' lauter Brüder waar ' n , und nacha kemman de andern , verstehst , mit ' n Geld und schmieren de schärfern ab und bringen an Unfrieden nei , und gar is . « » So schlecht denk ' i net davo . « » Wart ' s ab ! Du erlebst as leicht , Schuller . Mit ' n Geld ko ma alles macha ; wer ' s Geld hat , regiert de ganz ' Welt . Is ja scho alles dag ' wesen . De Bauern hamm sie scho öfter g ' rührt , net g ' rad jetzt . Aba sie san verrat ' n wor ' n , und hamm verspielt . De Radelführer hat ma köpft und g ' hängt und vabrennt nach de Hundert , und de , wo mit ' n Leben davo kemma san , hamm wieder brav zahl ' n müaß ' n. I glaab nix ; de andern halten z ' samm ' und hamm ' s Geld . « » Dö lernt der Bauer vielleicht aa mit der Zeit , daß ma z ' samm ' steh ' muaß . « » Na , Schuller , dös lernt er nia . Weil oaner dem andern net traut . Je näher , daß ' s ' bei ' nander san , desto weniger mögen s ' anand . Der Bauer glaabt oan , der a Stund weit weg wohnt , mehra wia sein Nachbarn . Da liegt da Hund begrab ' n. « » Wenn ma ' r a so denkt , nacha derf ma gar koa Hoffnung nimma hamm . « » I hab ' aa koane . Und du verlernst as aa no . Paß no auf , wia ' s mit deiner G ' schicht geht ! « » I muaß mei Recht finden . « » Du werst as ja sehg ' n. Halt ! Da müassen mir an Pflasterzoll zahl ' n. « » Brr ! « Der Wagen hielt . Sie waren am Nußbacher Berge angelangt ; aus dem kleinen Hause neben der Straße hinkte eine alte Frau heraus , die einen roten Zettel in der Hand hielt . » I hob ' mir scho denkt , du fahrst vorbei . « » Da hätt ' st dei Zehnerl verspielt , « sagte Weiß . » Na , na ; i hätt ' enk scho kennt . Der Schuller von Erlbach , gel ? « » Ja . « » Da hätt ' s koa G ' fahr it g ' habt . « Sie reichte den Zettel hinauf und nahm ein Nickelstück in Empfang . » Guat Morg ' n ! « Der Braune zog an und ging im guten Schritt den Berg hinauf . Er wußte , daß Stall und Hafer in der Nähe waren . Die Nußbacher Bürgersfrauen kamen aus der Kirche . Die jungen hüpften zierlich über die Schmutzlachen , die alten traten unbesorgt hinein , denn sie hatten große Filzstiefel an den Füßen . Die Männer blieben stehen und betrachteten den Gaul , welchen Schuller mit leichtem Schnalzen antrieb . Der Metzgermeister Eichinger stellte sich unter die Ladentüre und sagte : » Es ist der Bräundl vom Hupfauer , den er vor zwoa Jahr verkaaft hat nach Webling oder Erlbach . I kenn ' an genau . « Beim Unterbräu hielt der Schuller . » Her-ein ! « Otteneder wandte sich um und blickte auf die zwei Bauern , welche eintraten . Der jüngere , hochgewachsene Mann kam ihm bekannt vor ; er hatte das scharfgeschnittene Gesicht schon irgendwo gesehen . » Wer sind Sie ? Was wollen Sie ? « » I bin der Schuller von Erlbach . Andreas Vöst schreib ' i mi . « » Ach , richtig ! Der zum Bürgermeister gewählt war ? « » Ja . Wo Sie dös Schreiben ' nausg ' schickt hamm . « » Mhm ! Sie kommen vermutlich wegen der Sache ? « » Desweg ' n bin i da . « » So , so . Warten Sie einen Augenblick ! « Der Bezirksamtmann stand auf und zog die Klingel . Der Amtsdiener trat ein . » Gehen Sie zum Herrn Offizianten hinüber . Er soll Ihnen den Akt geben : Gemeindewahl in Erlbach . « » Jawohl , Herr Bezirksamtmann . « Otteneder setzte sich wieder und schlug das rechte Bein über das linke . Er nahm ein Lineal vom Tische und spielte nachlässig damit . » Sie wollen sich beschweren ? « » Z ' erscht kimm i zu Eahna selm , Herr Bezirksamtmann . « » Schön . Aber wer is denn Ihr Begleiter ? « » Dös is der Florian Weiß von Erlbach ; früherszeit war er der Metzbauer , jetzt lebt er im Austrag . « » Hat er mit der Sache was zu tun ? « » Eigentli hab ' i mit der Sach ' selm nix z ' toa , « sagte Weiß . » Da Schuller hat mi g ' rad mitg ' numma , weil i Kirchapfleger g ' wen bi und an Pfarra Held guat kennt hab ' . « » Das ist doch nicht von Belang ! Ich denke , Vöst , bei dieser Unterredung haben wir besser keinen Zeugen . In Ihrem Interesse . « - » Herr Bezirksamtmann , is dös verbot ' n im G ' setz , daß da Weiß dableibt ? « » Nein ; für so etwas gibt es kein Gesetz . Aber es ist unnötig und vielleicht auch für Sie unangenehm . « » Wenn ' s net verboten is , nacha lassen S ' an Weiß da ! Was i sag ' , derf a jeder hör ' n. « » Gut , meinetwegen . Haben Sie den Akt , Mayerhofer ? « Der Amtsdiener überreichte Otteneder ein blaues Heft . Dieser las die Aufschrift . » Betreff Gemeindewahlen in Erlbach . Stimmt . Sie können gehen , und wenn jemand kommt , soll er warten . Ich will nicht gestört werden . « Otteneder legte das Heft vor sich hin und schlug es auf . » Also , Vöst , Sie sind am 18. November zum Bürgermeister gewählt worden . Mit neun Stimmen Mehrheit . Die Wahl ist ordnungsgemäß verlaufen . Das stimmt ? « » Ja , Herr Bezirksamtmann . « » Dann gehen wir weiter . Sie wissen , daß jede Gemeindewahl von dem zuständigen Bezirksamte bestätigt werden muß . Die Ihrige also von mir . Die Wahl ist erst gültig , wenn ich als Vertreter der Aufsichtsbehörde die Genehmigung erteile . « » Dös is alles so eing ' richt , « sagte Weiß . » Was ist eingerichtet ? « » I moan bloß , weil i an Schuller scho dös nämliche ausdeutscht hab ' beim Einafahr ' n. « » So ? Das is ja anerkennenswert , wenn Sie Bescheid wissen , aber unterbrechen Sie mich nicht ! Also die Gültigkeit hängt von der Bestätigung ab . Es ist wohl nicht notwendig , daß ich Ihnen ausführlich erkläre , warum die Staatsregierung sich dieses Recht gesetzlich vorbehalten hat ? « » Mir wissen ' s recht guat , « sagte Weiß . » Das bezweifle ich . Übrigens habe ich es nicht mit Ihnen zu tun , sondern mit dem Vöst . Wünschen Sie eine Rechtsbelehrung ? Ich verweigere sie grundsätzlich nie . « » Na , Herr Bezirksamtmann , i will ganz was anders wissen . « » Darauf kommen wir gleich . Mein Recht , einer Wahl die Bestätigung zu versagen , ist durch das Gesetz festgelegt . Und ich habe in Ihrem Falle von diesem Rechte Gebrauch gemacht . « » Warum , Herr Bezirksamtmann ? « » Das ist in meinem Beschlusse ausführlich begründet . Ich will es Ihnen vorlesen , wenn Sie darauf bestehen . « » I dank ' schö . Dös hat gestern scho inser Lehrer to . « » Schön . Dann kann ich mich darauf beschränken , auf diese Gründe hinzuweisen . Kurz und gut , Vöst , ich habe aus den Ihnen bekannten Tatsachen die Überzeugung gewonnen , daß Sie sich für diese Ehrenstelle nicht eignen . « » Also , daß i a Lump bin . « » Wir wollen keinen solchen Ausdruck wählen . Das führt zu nichts . « » Derf i jetzt reden ? « » O ja . « » Sie hamm g ' sagt , kurz und guat , Herr Bezirksamtmann . Dös is aber net guat , und dös derf net kurz sei , wenn ma ' r an Menschen sei Ehr ' nimmt . Sie hamm g ' sagt , wegen de bekannten Tatsachen halten Sie mi net für den richtigen Mann . De Tatsachen san aber net bekannt ; net amal mir . Weil ' s überhaupts koane Tatsachen net san , sondern auf und auf nix als wia miserable Lugen und Verleumdungen . « » Einen Augenblick , Vöst ! Ich habe nichts dagegen , Sie anzuhören , aber Sie dürfen nicht in diesem Tone reden . « » Vielleicht hamm Sie schönere Wörter , als wia ' r i. I bin bloß a Bauer . Aber was taten Sie dazua sag ' n , wenn auf amal über Eahna was g ' sagt wurd ' , was recht Gemein ' s ? So was Gemein ' s , wo Sie glei merken , es is a so herg ' richt , daß ' s Eahna recht schad ' n soll ? Und Sie wissen , net oa Silben is wahr , taten Sie net aa reden von aa Lug ? Oder was gibt ' s da für an andern Nam ' ? « » Ich würde mich nicht auf Schimpfen verlegen , sondern mit Ruhe und Anstand das Unrecht nachweisen . « » Entschuldigen S ' halt ! Und erlauben S ' de Frag ' , Herr Bezirksamtmann , was hat Eahna zu der Überzeugung bracht , daß i z ' schlecht bin , oder net geeignet , wia Sie sag ' n ? « » Zunächst der Umstand , daß Sie Ärgernis gegeben haben , durch die Mißhandlung Ihres Vaters . « » Und woher wissen Sie den Umstand ? « » Das ist Ihnen doch bekannt ! Warum fragen Sie mich ? Aus der Aufschreibung Ihres verstorbenen Pfarrers . « » Vom lebendigen Pfarrer Held hätten S ' des kaam g ' hört . An de Aufschreibung glaab i net , Herr Bezirksamtmann . « » Wie können Sie das sagen ? « » Weil i an Herrn Held kennt hab ' . Ob de Aufschreibung wahr is , dös muaß i do wissen ! I muaß do wissen , ob i mein Vater mißhandelt hab ' oder net ! « » Allerdings . « » Ja , allerdings . Und weil i woaß , daß ' s net wahr is , kann i sag ' n , dös hat der Herr Held net g ' schrieb ' n. Der war koa Lump . « » Noch einmal , Vöst , führen Sie Ihre Sache mit Ruhe , oder ich breche diese Unterredung ab ! « » Ja so ! I bin scho wieder grob g ' wen . Vielleicht hat ' s der Zorn g ' macht , daß ma den Mann no als a Toter in de Sach ' da rei ' ziagt . « » Wer zieht ihn herein ? Es handelt sich um seine eigene Aufschreibung . « » Und i glaab ' s net . Na , wern S ' net ungeduldig , Herr Bezirksamtmann ! Sie hamm an Herrn Held vielleicht a paarmal g ' sehg ' n , vielleicht aa gar net . Mir hat er von kloan auf Religionsunterricht geb ' n , hat mi in der Christenlehr ' g ' habt . Er hat mi und mel Bäurin kopuliert , is auf meiner Hochzeit als ehrengeachteter Gast g ' wen , und hat meine Kinder aus da Tauf ' g ' hob ' n. Wo i mit eahm z ' samm ' troffen bin , is er freundli g ' wen zu mir , hat mi tröst , wenn i ' s braucht hab ' , und hat mir an Rat geb ' n. Er hat mi g ' lobt , alloa und vor Zeugen , weil er recht guat g ' wußt hat , daß i mi rechtschaffen hab ' plag ' n müassen . Und dös is allawei gleich g ' wen , es hat nia aufg ' hört ; no vierzehn Tag ' vor sein Tod is er bei mir g ' wen , in mein Haus . Und jetzt müaßt i glaab ' n der Mann hätt ' a Verleumdung über mi g ' schrieben . Was waar denn dös ? « » Darüber kann ich nicht urteilen ; ich weiß das alles nicht . « » Was ma net selber woaß , ko ma derfrag ' n. Da is der Weiß , der mir dös bestätig ' n muaß . « » Was soll er bestätigen ? « » Wia der Herr Held geg ' n mi g ' wen is . « » Das kommt jetzt nicht ... « Weiß unterbrach die von Gott gesetzte Obrigkeit mitten im Satze . Er hielt es für angezeigt , endlich ein richtiges Wort zu sagen . Nicht schnurgerade wie der Schuller , sondern so , wie es einem Manne ansteht , der das heimliche Getriebe durchschaut und sich gründliche Kenntnisse verschafft hat . Er stellte den rechten Fuß vor und blinzelte schlau . Seine Augen sagten dem Bezirksamtmann , daß sie zwei sich wohl verstünden , wenn sie auch nicht deutlich redeten . » Indem da Schuller behaupt ' , « sagte er , » daß i an Herrn Held g ' nau kennt hab ' , so is also dös durchaus richtig . Indem i zwanz ' g Jahr ' lang Kirchapfleger war und oft ei ' kehrt hab ' im Pfarrhof , und weil i überhaupts a so bin , daß i mir d ' Leut ' g ' nau o ' schaug . Also da muaß i meine Meinung dahin abgeb ' n , daß mir da Herr Held ganz wohl g ' fallen hat . Wenigstens nach dem , was er merken hat lassen . Natürli , die Geischtlichkeit und der Adel , dös woaß ma recht guat , hamm no a b ' sonderne Sach ' , de wo sie net aufweisen derfen . Da hat mi der Herr Held aa net einischaug ' n lassen . Es werd halt a Geheimnis sei , auf dös sie z ' samm ' g ' schworen san , und dös wo der Bauernmensch net wissen derf . Da Herr Bezirksamtmann versteht mi scho . « » Ich verstehe Sie gar nicht . « - » Net ? « Weiß lächelte , als wollte er sagen : » Tu nur so ! Du hast ganz recht , daß du nicht einem jeden deine Karten zeigst . « » Net ? No i hab ' bloß g ' moant . Es gibt so Büacher , in dena dös alles offenbarig g ' macht is , und hie und da derwischt unser oana so a Büachl . Aber was dös betrifft , von Herrn Held , so muaß i sag ' n , sinscht hat er mir net übel g ' fallen . « Der Schuller drehte sich nach ihm um . » Du sollst sag ' n , ob des mögli is , daß er so was geg ' n meiner g ' schrieb ' n hat . « » Bal ma ' s a so betracht , ko ma ' s net glaab ' n , indem da Herr Held allawei guat vo dir g ' redt hat und indem er zu mir g ' sagt hat , da liabste Kirchapfleger waarst eahm du , bal i amal z ' alt wurd . So mögst it moan , daß er über di was g ' schrieben hätt ' ; es müaßt g ' rad sei , daß eahm dös befohlen g ' wesen war . Von ob ' n , verstehst . « » Hören Sie doch einmal auf mit solchem Zeug ! Wer soll denn so etwas befehlen ? « Otteneder wurde ungeduldig . Die schlichte Rede des Schullerbauern hatte ihn nachdenklich gestimmt . Er konnte sich dem Eindruck nicht entziehen , daß Wahrheit in diesen Worten lag . Aber der Eindruck verflog , als Florian Weiß zu sprechen anhob . Da stand der richtige Vertreter dieser hinterlistigen Rasse vor ihm , welche überall versteckten Widerstand leistete . Er verstand nicht alles , was er mit seinen Anspielungen sagen wollte . Vermutlich einiges von den dummdreisten Behauptungen , mit denen jetzt gegen die Obrigkeit gehetzt wurde . Nein , der Kerl verdarb alles ! Franz Otteneder war nicht bösartig . Es lag ihm ferne , einem Menschen mit Überlegung Unrecht zuzufügen . Er hätte den Gedanken mit Entrüstung zurückgewiesen , und wo sein Verstand nicht durch Vorurteile beeinflußt war , konnte er das Recht wohl finden . In seiner beruflichen Stellung nicht . Hier hörte nicht seine anständige Gesinnung auf , aber der klare Blick . Er prüfte seine Handlungen auf ihre Nützlichkeit hin ; eine Nützlichkeit , die er sich selbst zurechtgelegt hatte mit farblosen Begriffen vom Leben und der herkömmlichen Anschauung von öffentlicher Wohlfahrt , Staatszweck , Untertanenpflicht . Da war nun dieser Fall Andreas Vöst kontra Pfarrer Baustätter , also kontra Kirche , Obrigkeit , Staat . Von vornherein der einzelne im Kampfe gegen notwendige und nützliche Institutionen . Es hätten zwingende Gründe sein müssen , die Otteneder hätten veranlassen können , bei einem solchen Zwiespalte die Sache des einzelnen mit Wohlwollen anzusehen . Ohne Wohlwollen aber ist Verständnis nicht möglich . Von diesem führte ihn sein Mißtrauen weit ab . Er sah nicht das Unrecht , und nicht die Tragweite seines Vorgehens . Er suchte bei einem Bauern weder Ehrliebe noch Zartgefühl . Wie so viele Menschen , die in den engen Gassen der Städte aufgewachsen sind und einen gewissen Bildungsstolz als Erbteil mitbekommen haben , war er geneigt , die bäuerliche Art für roh und jeder Empfindung bar zu halten . Eine Bildung , welche ihre Vollendung darin sucht , natürliche Gefühle zu verbergen , fühlt sich recht erhaben über das formenfremde Wesen der Bauern . Sie kommt auf seltsamen Umwegen dazu , einem ganzen Stande tiefere Empfindung abzusprechen , weil er inhaltlose Formen nicht kennt . Und weil er in solchen Anschauungen befangen war , schlug Otteneder sein Vorgehen gegen den Schuller gering an . Er hätte sich vielleicht schwer entschlossen , in anderen Verhältnissen das gleiche zu tun , den Angehörigen eines anderen Standes so bloßzustellen . Hier erschien es ihm nicht als große Härte , weil er überzeugt war , daß der Erlbacher Bürgermeister nur Zorn über die getäuschte Hoffnung empfinden werde . Das wog nicht schwer gegen die Bedenken , welche ihm eine Stellungnahme gegen den Pfarrer erregen mußte . Und seine Erziehung zwang ihn geradezu , den Angaben einer Autorität ohne Prüfung Glauben zu schenken , wenn ihnen nichts anderes gegenüberstand als die Behauptung des Beschuldigten . Einen Augenblick verließ ihn seine Sicherheit . Er gewann sie wieder , als Florian Weiß seine Rede anhob . Und nun beging er einen Fehler , in den alle verfallen , welche sich nicht gerne ihr Unrecht eingestehen . Er versteifte sich darauf und wollte es damit vor seinem eigenen Gewissen als Recht erscheinen lassen . » Wer kann so etwas befehlen ? « fuhr er den Alten unwirsch an . » Das sind Verdächtigungen , die Ihr jetzt aus dummen Zeitungsartikeln herauslest . « Er wandte sich an den Schuller . » Haben Sie Ihren Landsmann deswegen mitgenommen , daß er solches Zeug daher redet ? « » Na . I hab ' g ' moant , er kunnt mir an Zeug ' n macha . « Weiß schwieg . Der Bezirksamtmann hatte ihn schon verstanden ; jawohl , sonst wär ' er nicht zornig geworden . Der Schuller freilich wußte nichts davon ; der glaubte immer noch , er könne mit seinem Streiten was ausrichten . Er sah nicht , daß er verspielt war , noch vor er anfing . Jetzt redete er schon wieder . » I sag ' s no amal , Herr Bezirksamtsmann , i glaab net an dös Schreiben . « Otteneder richtete sich auf . » Eigentlich , Vöst , ist Ihr Zweifel eine Anklage . Und zwar eine sehr schwere . Nehmen Sie sich in acht mit Behauptungen , die Sie nicht beweisen können . « » I hab ' in dera Sach ' koa Wort g ' sagt , für dös i net ei ' steh ' . In acht nehma müassen si de Leut ' , de g ' logen hamm . « » Beschuldigen Sie jemand ? « » Dös muaß si erst aufweisen . I hab ' an Herrn Pfarra Baustätter auf da Stell ersuacht , daß er mir den Zett ' l zoagt . Er hat ' s net to , aber an Hierangl hat er ' n lesen lassen . Zu mir hat er g ' sagt , i wer ' s am Bezirksamt derfrag ' n. Und jetzt frag ' i Eahna , ob i den Zettel seh ' gn derf . « » Warum nicht ? « Otteneder blätterte in dem Akte . » Drei , vier , Folium fünf . Abschrift der von Pfarrer Baustätter übergebenen Urkunde . Ja , richtig ! Das Original liegt nicht hier , es ist dem Herrn Pfarrer wieder zurückgestellt worden . « » Was is z ' ruckgeben wor ' n ? « » Das Original , der Zettel , welchen Herr Held geschrieben hat . « » Den hamm Sie net ? Den hat inser Pfarrer ? « » Ja . « » Jetzt woaß i net , was i da denken soll . « » Die Abschrift ist beglaubigt , Vöst . « » Der Pfarra sagt , Sie zoag ' n an mir , und Sie sag ' n , der Pfarra hat ' n. Dös kimmt mir ja schier so vor , als wann i zum Narr ' n g ' halten wurd ' . « » Siehg ' st as , Schuller ? Was hab ' i g ' sagt ? « schrie Weiß . Der Schuller hatte sich zur Ruhe gezwungen ; jetzt hielt er sich nicht mehr . » Dös is ja an aufg ' legter Schwindel ! « » Das sagen Sie nicht noch einmal ! « » Oamal net , hundertmal ! Hergottsakrament , bin i a Lausbua , den a jeder zum Hanswurscht ' n macht ? Der Pfaff ' lacht mir ins G ' sicht ! Geh nei ins Bezirksamt , werst scho sehg ' n , ob ' s dir was hilft ! Der größt ' Lump werd net verdammt , vor ma ' r eahm net an Beweis unter d ' Aug ' n halt . I scho ; mit mir geht ma ' r um , wia ma mag . « » Vöst , jetzt ist die Sache für mich erledigt . Sie können Beschwerde einlegen , ich für meine Person verhandle nicht mehr darüber . « » Is s ' erledigt , de Sach ' ? Lang ' hamm S ' net dazua braucht . « » Das überlassen Sie mir ! « » Freili , mi geht ' s ja nix o ! I muaß mi kuschen und ' s Maul halt ' n. De Leut ' , de wo mi oan Tag für den ander ' n sehg ' n , hamm mi zum Bürgermoasta g ' macht . Sie wissen gar nix von mir und schmeißen mi weg wia ' r an Haderlump , Sie verbiat ' n de Leut ' , daß an Achtung vor mir hamm . Und i muaß dös Eahna überlassen . « » Ich wiederhole , daß Sie sich beschweren können . « » Ja , i hab ' s Recht , daß i mi beschwer ' . Und da sag ' n d ' Leut ' , daß ' s koa Recht nimma gibt ! Ich hab ' mi bei Eahna über ' n Pfarrer beschweren derfen , und i derf mi über Eahna beschwer ' n bei oan , der no höher is . Dersell werd nacha aa dös blaue Heft da auf ' m Tisch hamm und werd drin umananda blatt ' ln und werd d ' Achsel zucken und werd mi außischmeißen . Is aa ganz recht ! Was is denn unseroana ? Nix ! « » Ich glaube , daß Sie sich nicht beklagen können ; ich habe Sie lange genug angehört . « » Was hamm Sie ang ' hört vo mir ? Bin i g ' fragt wor ' n , wia da Pfaff ' da herin g ' standen is und hat oa Lug auf de ander daherbracht ? San meine Leut ' g ' fragt wor ' n ? Meine Nachbarn ? G ' rad oa Mensch , der mi kennt ? Mei Vater is tot , da Herr Held is tot , da war ' s lüag ' n net schwaar , und Sie hamm ' s eahm no leichter g ' macht . Er derf sei Bosheit ausüab ' n , so viel ' s ' n freut . Schaug , wo ' st dei Recht find ' st , wenn ' s koans gibt ! « Otteneder knüpfte den Rock zu . » Ich habe keine Zeit mehr , Vöst , guten Tag ! « Da strich sich der Schuller die Haare aus der Stirne . » De Sach ' is erledigt . Net wahr ? « Und er ging ohne Gruß mit dem Florian Weiß hinaus . Der Bezirksamtman faltete die Hände auf dem Rücken und blieb nachdenklich mitten im Zimmer stehen . Dann ging er an den Schreibtisch und las mechanisch das Blatt , welches zu oberst in dem Akte lag . Folium zwei . Beschwerde des Pfarrers Jakob Baustätter gegen die Wahl des Bürgermeisters . » Ich versichere pflichtgemäß , daß Andreas Vöst ein gewalttätiger , roher Mensch ist , welcher durch seine Reden und Handlungen jede Autorität bedroht . « » Hm , « sagte Otteneder , » den Eindruck hat er eigentlich nicht auf mich gemacht . Aber der Pfarrer muß es besser wissen . « » Hast it g ' spannt , wia ' s an Bezirksamtmann g ' rissen hat , wia ' r i eahm dös g ' sagt hab ' von mein ' Büachl ? Der kennt ' s und hat ' s scho g ' lesen . Dös derfst g ' wiß glaab ' n. « Weiß blieb auf der Treppe stehen und wollte dem Schuller klarmachen , wie fein die Fäden in dem heimlichen Gewebe gesponnen seien . Aber der Schuller war kein aufmerksamer Zuhörer . » Laß guat sei ! « sagte er . » I bin it zum Reden aufg ' legt . « Beim Unterbräu trank er hastig eine Halbe Bier und rührte kein Essen an . Er drängte zur Heimfahrt . Und dann saß er schweigend auf dem Wagen und achtete nicht auf den Gaul und nicht auf den Florian Weiß . Es regnete heftig . Da wurde auch dem Bräundl trübselig zumute ; er zottelte einen schlechten Trab dahin , und wenn ein Berg kam , schlich er langsam hinauf und nickte traurig mit dem Kopfe . Sie waren allein auf der Straße . Kein Fuhrwerk kam ihnen entgegen , und keines holte sie ein . Weit und breit war nichts Lebendiges . Oder nur Raben , die schwermütig auf den Bäumen am Wegrande saßen und die Federn sträubten . Zuweilen flog einer auf und schimpfte über die Störung . So mochte der Schuller eine Stunde gefahren sein . Immer beschäftigt mit seinen zornigen Gedanken . Und plötzlich sagte er zu seinem Nachbar : » Du hoscht so g ' spaßi daher g ' redt im Bezirksamt . Glaabst du wirkli , daß da Pfarrer Held dös g