Trompetengeschnatter - Trommelgerassel und Harfengeklimper ! Musik überall ! Und es klingt so fein zusammen . Die Lika lauscht und lächelt und bewegt im Takte die zarten Finger . Vorsichtiger bewegt der Triton seine glitzernden Fischbeine , damit man ja die Lika Alles hören kann - all die vielen Jubelstimmen , die dem Morgen » guten Morgen « sagen . VII Plötzlich - auf allen Bergen ein wüstes Geschrei ! Alle Instrumente kreischen durcheinander - und es erscheinen die Bocksbeinigen - tolle Weiblein und noch tollere Männlein . Die Musiker sind ' s ! Sie begrüßen den fidelen Triton und die drollige Lika mit graulichem Gejohle . » Wo ist die Heimat ? « fragt der Triton . Da wird ' s mit einem Male wieder still , und die Bocksbeinigen singen im großen Chore : » Ach , unsre Heimat ist doch überall - Im blanken Saale und im Stall , Auf freiem Berge und im engen Tal - Im grenzenlosen Weltenall ! « Und dann springen die Sänger und Sängerinnen ins Wasser , küssen den Triton und wollen die Lika aus ihrer Schale herausheben - aber ach ! - das geht nicht - die Lika ist ja mit ihrer Porzellanschale zusammengewachsen - wie die Schnecke mit ihrem Haus . Großes Entsetzen . Aber die Lika macht wieder ihren Sonnenschirm zu , und die Bocksbeinigen beruhigen sich , tragen ihre beiden Gäste so recht behutsam ans Ufer und spielen dort zum Tanze auf . An dem können nun die beiden Kinder des Meeres nicht teilnehmen . Jedoch das stört die Freude nicht . Nach dem Tanze wird Wein getrunken und Rauschmusik gemacht ; die ganze Gesellschaft schwimmt in Seligkeit . Alle erklären der Lika , daß das Glück in der Kehle und in den Instrumenten sitze ; ein vernünftiges Wort läßt sich mit diesen Leuten nicht reden . Der Triton sagte bloß : » Liebe Lika , glaube mir : auch diese fidele Gesellschaft teilt die Meinung der Zwerge in jeder Beziehung . « Und die Augen der Lika leuchteten verständnisinnig auf - wie zwei neue Sterne . VIII Als das Fest zu Ende war , erklärte die Lika ihrem Begleiter würdevoll : » Mein Lieber , erlaube mal ! Jetzt will ich endlich ans Ziel kommen . Das gesuchte Land muß denn doch zu finden sein . Wenn Du mich nicht bald hinführst , so muß ich mir einen andern Führer suchen . So geht ' s nicht weiter . « » Hm ! « versetzte der Triton , weckte mit einer dreieckigen Trommel ein paar schlafende Musiker und bat um einen Wagen . Ohne die Andern Musiker in ihren Träumen zu stören - sie schliefen sämtlich - kamen die Herren bereitwillig der Bitte nach , spannten sechs Hirsche vor ein Kabriolett - - und bald ging ' s über Stock und Stein in eine andre Gegend ; die Lika kriegte Angst bei der schnellen Fahrt , denn sie saß in einer Schale von allerfeinstem dünnstem Porzellan . Auf einem großen runden , mit bunten Fliesen bedeckten Platze blieben die Hirsche dampfend stehen . Und aus dunklen Wolken kam ein aufgeblasener Luftballon herunter . Die Lika schlug die Hände überm Kopfe zusammen , aber die Bocksbeinigen setzten sie mit ihrer Porzellanschale in die Gondel , halfen auch dem Triton hinein - und fort ging ' s - hinauf in die dunklen Wolken . Das war eine Fahrt ! Die Lika war ganz sprachlos . Der Ballon fuhr durch die Wolken durch und kam in den hellen blauen Himmel . Drei Bucklige kletterten an den Gondelstricken empor , und drüben stieg ein riesiges Purpurgebirge so hoch ins Blaue , daß man die roten Spitzen oben nicht mehr sehen konnte . Aber was Andres sahen die Kinder des Meeres - lange Männer mit furchtbar langen schmalen Flügeln ! Die Flügelmänner flogen an den Purpurfelsen herum - wie Schwalben vor ihren Nestern herumfliegen . » Was sind denn das für Kerls ? « frug die Lika . Und die drei Buckligen riefen oben unterm Luftballon : » Das sind die großen Dichter ! « IX Na - die Dichter waren ganz freundliche Herren ; sie empfingen die schnurrigen Gäste wie alte Bekannte , hoben sie aus der Gondel und brachten sie durch ein rundes Fenster in ihre Felsenwohnung . Der Triton legte sich gleich auf einen molligen Divan und stopfte sich einen Tschibuk . Die Lika setzte man auf einen fünfeckigen Fenstertisch , von wo aus das gute Kind eine prächtige Aussicht über kunterbunte Wolkenbündel genoß ; keilförmige Schatten und Sonnenstrahlen huschten vorüber . » Also jetzt , « sprach Lika , an ihre Porzellanschale klopfend , » soll mir endlich der richtige Weg zur Heimat mit dem Glück gezeigt werden . Bitte ! Sprechen Sie , meine verehrten Herren ! « Die Dichter erkundigten sich tiefernst bei dem Triton nach dem , was das resolute Kind wissen wollte , und dann hub der Älteste der Dichter also an : » Für diejenigen Weltbewohner , die Laien und keine Künstler sind , bedeuten die Begriffe Heimat und Glück etwas Andres als für uns Künstler . Das Laienvolk verbindet eben mit den einzelnen Worten völlig andre Geschichten . Das geht uns natürlich nichts an . Laiensache bleibt Laiensache ! Wir Künstler aber nennen die ganze Welt unsre Heimat und finden überall dort unser Glück , wo wir nach unserm Geschmack leben können . Das Land , das Du suchst , brauchst Du also nicht mehr zu suchen , denn Du bist ja schon da . Du willst doch Künstlerin werden , nicht wahr ? « » Ich möchte , « erwiderte schüchtern die gute Lika , » gern eine Künstlerin werden . « » Das freut mich ! « sprach der Dichter , » freut mich sehr ! Ich hätte Dich auch im andern Falle zum Fenster hinausgeworfen . « » Aber , « schrie erschrocken die Lika , » meine Porzellanschale wäre dann doch entzweigegangen ! « » Wir Dichter sind , « fuhr der alte Herr unbeirrt fort , » ebenfalls Künstler , außerdem haben wir noch die Verpflichtung , weise Gedanken zum Ausdruck zu bringen . Namentlich kommt es uns zu , jegliche Einrichtung der Welt im besten Lichte zu zeigen und alle Schattenseiten nach Möglichkeit zu erhellen . « Der Triton lachte leise auf seinem molligen Divan und blies wirbelnde Tabakswolken in das stille , hochgelegene Dichterzimmer . X » Kluge Lika , merkst Du nun bald was ? « Also der Triton - die Lika sagte : » O ja ! Ich merke , daß die ganze Reise eigentlich überflüssig war , denn was ich suchte , ist ja da . Unsre Heimat ist überall . Und das Glück kommt ja beim Schaffen . So klug , um das Alles zu begreifen , bin ich schon . Wo aber lerne ich das Schaffen ? « » Schaf ! « versetzte beim Flügelputzen ein jüngerer Dichter , » ordentliche Künstler lernen überhaupt nichts von Andern , sie probieren einfach und können dann was . « » Ach so ! « flüsterte nun die Lika lächelnd , » da werde ich Erinnerungen aus meinem Leben schreiben , das kann ich bereits . « Die Dichter verneigten sich respektvoll und begrüßten in dem Porzellanmädchen die neue Kollegin , empfahlen ihr aber , zuvörderst ins Riesenreich zu fahren , allwo für Dichterinnen und Erinnerungskunst sehr viel Platz vorhanden sei . Die Lika sagte nicht » Nein , « und so ging ' s schnurstracks ins Riesenreich . Die höflichen Dichter brachten ihre beiden Gäste schleunigst in die Hinterzimmer und von dort in eine düstre Höhle , die nur von Fackeln erleuchtet wurde . Unten plätscherte Wasser - da setzte man die Beiden hinein . Und bald schwamm der Triton , die Porzellanschale wieder vor sich herschiebend , durch einen matt erleuchteten Höhlenfluß . Das Wasser rauschte sehr - es rauschte immer stärker , immer schneller schoß es dahin . Bald merkte die Lika , daß sie sich in einem reißenden Strome befanden . » Wir sind in der Wasserrutschbahn ! « brummte der Fischbeinige , hob die Porzellanschale ein bißchen höher - und dann ging ' s wie eine Pfeil hinab - rasend rasch - wieder hinaus ins Freie . Und durch den spritzenden Wasserschaum sahen sie - das Riesenreich . XI Uih ! Das saust und braust und schäumt und sprüht seinen Wasserstaub , daß Regenbogen entstehen - hinunter geht ' s in grader Linie - zum dunkelblauen Meere . Und was sieht die Lika ? Riesen sieht sie drüben auf den Inseln des Meeres . Die Riesenköpfe ragen hoch in die Wolken - und bauen tun die Riesen - Paläste bauen sie mit blitzenden Türmen , Erkern und Säulenhallen - Alles funkelt und glüht und zuckt und sticht in lodernd brennenden Farben - denn alle Bausteine sind natürlich echte Edelsteine und Diamanten - riesige ! Die Lika jauchzt , ihre Haare flattern , ihre Kleider flattern - und das Wasser stürzt polternd , große Wogen rauschend - mit dem Triton , der die Porzellanschale geschickt hoch über seinem Haupte hält , ins blaue Meer . » Das war eine feine Fahrt ! « ruft die Lika , als sie unten sind . Die Purpurgebirge liegen schon weit hinter ihnen , denn die Wasserrutschbahn fährt schnell dahin - wie eine Kanonenkugel . » Willst Du nun , « fragt der Triton , » auch die Riesen noch einmal fragen , wo Deine Heimat mit Deinem Glücke ist ? « » Das ist wohl , « erwiderte die Lika , » nicht grade nötig , denn ich weiß ja schon , daß unsre Heimat und unser Glück bloß dort ist , wo wir ungestört Künstler sein können . Hübsch wär ' s aber doch , wenn wir frügen . Wie machen wir das ? « Likas Führer steuert der nächsten Insel zu , wo das ganze Ufer aus hohen Säulenhallen besteht - dort klingelt er an einem dicken Strick - und bald erscheint eine kolossale Riesentrompete in der Luft . Wieder werden die alten Fragen gestellt . » Wo ist unsre Heimat ? « brüllt der Fidele . » Bauen ! « tönt ' s aus der Trompete zurück . » Wo ist unser Glück ? « fragt er dann . Und abermals kommt ' s aus der Trompete heraus : » Bauen ! « » Siehst Du , « sagt da der kluge Meermann , » die Riesen meinen ganz genau dasselbe wie die Zwerge . Jetzt weißt Du doch endlich , was Du wissen willst . Es war nicht leicht , Dir die Geschichte klar zu machen . Deine Heimat hast Du also gefunden . Nun schreibe Deine Erinnerungen , damit Du auch glücklich wirst . « » Ich danke Dir , « sagte freundlich das gute Porzellangeschöpf , » gib mir nur das nötige Papier und einen Tintenstift . Ich will gleich glücklich sein . « Der Triton zieht das Gewünschte aus seinem Rucksack hervor und gibt es hin . Der Himmel ist blau . Das Meer ist blau . Der Triton taucht unter . Die Lika schreibt ihre Erinnerungen unter ihrem orangefarbigen Sonnenschirm . XII Feierlich türmen die Riesen einen edlen Baustein auf den andern , heften die großen Diamanten ordentlich fest , messen und zeichnen und rechnen , bauen Palast an Palast , daß alle Inseln im Riesenreich immer herrlicher glänzen und glitzern - wie Kronen - wie ewige Kronen . Schiffe kommen und bringen neues Werkzeug , unzählige neue Stoffe , Silber und Glas für die Kuppelbauten - Gold für die dicken Wetterfahnen . Die weiten Säulenhallen , die Terrassen mit ihren spiegelnden Fliesen , die Treppen mit den offenen Pforten - fassen die hohen Inseln so ein - als wären ' s Juwelen . Aus den Turmlaternen leuchtet ' s wie aus glücklichen Augen . Und alles scheint weit aufgetan zu sein - frei - sonnendurstig ! Die Lika sitzt in ihrer Schale - schaukelt im Meerwasser neben einem großen siebeneckigen Turm , schreibt aber so emsig an ihren Erinnerungen , daß sie das Schaukeln gar nicht bemerkt . Der Triton bringt ihr einen neuen Tintenstift und meint schmunzelnd : » Es ist nur gut , daß Du wie alle ächten Künstler von der Luft leben kannst , sonst würdest Du vielleicht nicht ganz so glücklich sein . « » Doch ! « sagt sie , » ganz so glücklich ! « » Na ! Na ! « tönt ' s zurück . Möwen schweben vorbei - weiße . Das Meer ist blau . Der Himmel ist blau . Und die Lika schreibt . Der Triton plätschert im Wasser herum und spielt mit dicken Lachsen . Finis ! Hierüber sprachen wir Vieles . Die alten Ägypter setzten mit vielem Eifer ihre Kunstanschauungen auseinander ; es würde zu weit führen , hier auf diese näher einzugehen ; es liegt ja wohl auf der Hand , daß sich die Nilpferde auch die Entwicklungsfähigkeit der irdischen Kunst in unendlichen Reihen dachten - und dem konnte ich nur zustimmen . Ein unglaubliches Ereignis schnitt darauf mit einem Male das Gespräch ab - - - ich sah - Millionen weißer Mäuse aus allen Ecken hervorkommen . Und die Zahl der weißen Mäuse vermehrte sich derart , daß die Wände , Säulen und Terrassen , die alle tropfsteinartig gebildet waren , ganz weiß wie Schnee wurden - was sich zwischen den unzähligen lautlosen Wasserfällen und Springbrunnen höchst seltsam ausnahm . Lapapi klopfte mir auf die Schulter und fragte mich : » Glaubst Du , daß Dein Wesen durch Deine äußere Erscheinung wesentlich markiert ist ? « Ich verneinte das lebhaft . » Glaubst Du , « fuhr er nun fort , » daß Du gleichzeitig noch was Andres sein kannst - Etwas , von dem Du augenblicklich nichts weißt ? « Ich bejahte das ebenso lebhaft , denn die Nilpferde , die zugleich alte Ägypter waren , schienen mir allein schon Beweis genug zu sein . Lapapi sagte jedoch triumphierend : » Siehst Du ? So weit wollten wir Dich haben ! Wer weiß , was wir außer dem , was wir jetzt zu sein scheinen , noch außerdem sind ! Wir sind eben höchst wahrscheinlich ebenso kompliziert wie die Welt . Und diese Erkenntnis unsrer selbst ist fast ebenso wichtig als die Erkenntnis der Welt . Und darum kannst Du wohl annehmen , daß diese weißen Mäuse auch nicht bloß das sind , was sie zu sein scheinen . Und darum ! « » Und darum ! « tönte es nun aus tausend Mäusekehlen - und ich sah , daß jede Maus auf den Hinterbeinen saß - was urpossierlich wirkte . » Und darum , « schloß nun Lapapi , » gib mir ein paar Deiner Geschichten , die ich den Mäusen vorlesen möchte . « Ich tat natürlich sofort , was er wollte . Wir setzten uns auf weiße Pelzsessel , die jetzt neben uns standen , und Lapapi las den Mäusen vor , während ich in aller Gemütsruhe eine Cigarre rauchte . Flausen » Laß mich gehen , trauriger Mond ! « rief die schwarze Prinzessin , und sie schlug nach ihm mit ihrem Perlenfächer . Der Mond lächelte , rieb sich mit seinem linken kleinen Zeh den rechten Nasenflügel und umarmte die Prinzessin . Der aber ward die Geschichte lästig , denn der Mond , ein dünnbeiniger Liebhaber , war das lächerlichste aller Weltgeschöpfe - wenn er nicht am Himmel stand und leuchtete . War er oben nicht zu sehen , so war er unten und machte lauter unnütze Flausen , und dabei lacht er immer so widerlich , obgleich ihm eigentlich sehr traurig zu sein pflegte . Der Mond blies auf seinem Waldhorn ein altes Lied und schlug dazu den Takt mit seinem dicken Kopfe , indem er mit diesem immer wieder gegen einen alten Baumstamm stieß - natürlich mit dem Hinterkopfe ! Der Prinzessin schien das zu dumm ; sie rannte schleunigst davon . Und der Mond lachte , riß sich die Beine mit den Armen aus , indem er diese wie Schlangen um die untern Gliedmaßen rumschlang , biß sich dann die Arme und den Rumpf ab - und schwebte lachend den nächsten Wolken zu . Das Waldhorn blieb im Walde . Die neuen Storchnester Stil-Scherzo Es war einmal ein gebildeter Mann - dem waren die Storchnester nicht schön genug . Und er begann , neue Storchnester zu konstruieren - aus farbigen Hölzern in allen möglichen Stilarten . Und so setzte er dann in einem schönen Winter die neuen Storchnester auf seinem Hause und auf denen der Nachbarn an die Stelle der alten Storchnester . Im Frühling aber kamen die Störche und suchten ihre alten Storchnester - und fanden sie nicht . Enttäuscht und in verbitterter Stimmung flogen die Störche weiter . Der gebildete Mann war empört . Und seine Nachbarn waren so wütend , daß der Gebildete sofort eine Erholungsreise antreten mußte . Diese ungebildeten Störche ! Die wilde Hummel Eine Fabel Eine wilde Hummel wurde jeden Tag älter , und das gefiel ihr nicht . Sie wollte jeden Tag jünger werden . Als nun der Zaubrer Zappro des Weges kam , bat die wilde Hummel diesen mächtigen Mann um ein Verjüngungskraut . Zappro schmunzelte und gab das , was die Hummel von ihm verlangte . Das dumme Tier fraß von dem Kraut und wurde nun täglich jünger - aber auch kleiner - schließlich so klein wie die Kleinsten - und dann - allmählich - zum Ei . » Ei ! Ei ! « schrie da die Wilde , » bin ich jetzt eigentlich besser dran ? « Zappro lachte und ging weiter . » Man soll eben , « murmelte er vergnügt , » nicht zu toll nach der Jugend sein . Die gibt uns das ewige Leben ganz bestimmt nicht . « Die vernünftigen Hummeln umsummten Zappros Kopf und wollten sich gar nicht von ihm trennen ; ein weiser Mann hat sehr viel Anziehungskraft . Oh , wenn ich den Beifall beschreiben könnte , der mir nach diesen kleinen Scherzen von den weißen Mäusen zu Teil ward ! Sie kicherten und schmunzelten und klatschten mit ihren Vorderkrallen zusammen , daß es sich anhörte , als würden alte Felsen mit Sandpapier abgerieben . » Na , Onkelchen , « rief mir der König Ramses zu , » jetzt hast Du mal einen Beifall erlebt . So was muß man auch mal erleben . « Und - nachdem ich unendlich viele Worte des Entzückens von den Mäusen vernommen hatte , so daß ich schon unwillkürlich lachen mußte , verlangten die Mäuse noch eine Zugabe . Es sollte aber eine menschliche Geschichte sein . Wer würde wohl glauben , daß ich mich lange bitten ließ ? Es fiel mir gar nicht ein , mich lange bitten zu lassen - ich holte was vor und bat den Lapapi , zuerst einmal die Geschichte anzusehen . Als das geschehen war , fragte ich den Lapapi , ob er ' s nicht für richtig hielte , daß der General Abdmalik die Geschichte vorläse . Lapapi schmunzelte , gab dem General die Papierblätter - und der General las nun vor , nachdem er mir noch eine paar sonderbare Blicke zugeworfen hatte , die ich nicht verstand . General von Bax Luftspaß » Nicht mit dem rechten Zeh den Mond kitzeln ! « Also donnerte der General von Bax beim Betreten des Exerzierplatzes seine Mannschaften an . » Die Leutnants müssen viel schneidiger an die Luft gesetzt werden ! « brummte er dann in seinen Bart - dabei setzte er sich auf seinen Luftstuhl . Das Luft-Regiment war vollzählig mitten in der Arbeit . » Was wollen Sie mehr ? « fragte der General seinen alten Freund , den persischen Oberstleutnant Nisaraddi . Der riß die Augen auf und rief : » Teufel ! Hagel ! Schinkensemmel ! « Die Adjutanten lachten , denn der Perser pflegte seit Jahr und Tag die meisten deutschen Worte an der falschen Stelle zu gebrauchen . General von Bax klatschte in die Hände , befahl , die Luftballons runterzuziehen , und ließ zunächst mal sein ganzes Regiment in Reih und Glied antreten . Das Regiment nahm einen ganz gehörigen Platz ein , denn die Soldaten des Herrn von Bax sahen sämtlich dicker aus als der alte Falstaff - zehnmal so dick . Die Soldaten sind nicht so dick , weil sie so viel zu essen bekommen - die Uniform macht es . Eine kugelförmige Korkhülle schützt die Soldaten vor unliebsamen Zusammenstößen mit dem Erdball ; es sieht oftmals recht gefährlich aus , wenn ein Soldat bei seinen Übungen oben am Luftballon plötzlich runterfällt - aber Korkmantel und Fallschirm machen das Fallen beinahe zum Vergnügen ; nur bei starkem Sturm ist das Fallen gefährlich . Und nach fünfzehn Minuten steht das Luft-Regiment in schneidigster Paradestellung vor seinem General ; die Luftballons bilden den Hintergrund . Die kugelrunden Korkmäntel sind so dick . Über ihnen sind die kleinen Soldatenköpfe zu sehen . Aber über diesen Köpfen ragen die hohen Fallschirme zusammengeklappt wie riesige Helmspitzen zum Himmel empor . Unter den Korkmänteln sind nur die Soldatenstiefel zu sehen ; die haben breite dicke Korksohlen . Marschieren tun die Soldaten niemals ; das überlassen sie den Erdregimentern . Doch mit dem Fallschirm wird exerziert . Der verschwindet zuerst blitzschnell im Korkmantel ; der Soldatenkopf verschwindet dabei ebenfalls im Korkmantel . Hiernach steigt der Kopf wieder ans Tageslicht , und die Füße verschwinden . Sodann erscheint abermals der Fallschirm und spannt sich auf . Ein köstliches Exerzitium ! Der persische Oberstleutnant hält sich den Bauch vor Lachen und umarmt den General von Bax stürmisch , wobei dem Perser unzählige funkelnde Tränen über die braunen Wangen rollen . v. Bax lächelt wie ein Unsterblicher . Indessen treten die zusammengekoppelten Fesselballons in Aktion . Die Ballons haben das Aussehen großer Lampions von kurzer Säulenform . Alle zeigen hellgrüne und gelbe Querstreifen . Im Innern bestehen die Ballons aus vielen separierten Blasen , so daß durch ein paar Kugellöcher nur sehr wenig Gas entweichen kann . Oben im blauen Himmel stehen die hellgrün und gelb gestreiften Ballons ebenfalls wie Soldaten in Reih und Glied . Ein imponierender Anblick ! Und dann wird das Regiment an langen Stricken zum Himmel hinaufgezogen - aber nicht bis dicht unter die Ballons - so weit nicht . Die Soldaten bleiben zumeist tiefer - sie füllen die ganzen Stricke - sie hängen wie die Papierschnitzel am Schwanz eines Papierdrachens . Und oben wird eine Salve abgegeben - und nach der Salve rasen die zusammengekoppelten Ballons über den ganzen Exerzierplatz . Und die Soldaten fliegen dahin wie die Schwalben im Sturm . Danach treten die Wolkenmacher in Aktion - und das Regiment wird in dichte graue Dampfwolken gehüllt . Motorwagen ziehen unten das Regiment kreuz und quer über den ganzen Exerzierplatz , und währenddem wird aus den Dampfwolken heraus in verschiedenen Höhen immerfort geschossen - daß es knattert und knallt wie im veritablen Kriege . Zuletzt zieht das Regiment , ganz in Dampfwolken gehüllt , mit feierlicher Luftmusik beim General von Bax vorbei - den neuen Kasernen zu , wobei Häuser , Straßen und Kirchen kaum ein bemerkenswertes Hindernis bilden - so hoch kann das Regiment steigen . Und die Marschklänge in den Lüften rauschen nieder wie militärische Sphärenmusik . Ungezählte Volksscharen klatschen Beifall , von Bax und Nisaraddi umarmen sich wieder und fahren in das beste Frühstücks-Restaurant - umjubelt von begeisterten Männern , Frauen und Kindern . So weit ist nun Alles ganz gut . Indessen - jetzt kommt die Katastrophe . Der Schah von Persien erscheint , und das Luftregiment soll sich natürlich im besten Lichte zeigen - in verblüffender Parade-Aktion . Und während der Parade wird ' s plötzlich stürmisch . Ein Orkan rast über ' s Paradefeld . Die Motorwagen kippen um . Die Stricke reißen unten ab . Die Signalpfeifen kreischen alle auf einmal . Und das ganze Regiment verschwindet in den Orkanwolken auf Nimmerwiedersehen - von Bax und Oberstleutnant Nisaraddi verschwinden ebenfalls , denn sie machten die Luft-Parade unvorsichtiger Weise oben in der Luft mit . Der Schreck des Volkes , der Regierung und des Schahs von Persien spottet jeglicher Beschreibung ; ein langes Wehgeschrei zittert über die ganze Erdoberfläche . Die Freie Volkszeitung schrieb in ihrem Abendblatte , das natürlich pechschwarz umrandet war : » Wir haben ja gleich gesagt , daß man mit so gefährlichen militaristischen Experimenten , die dem armen Steuerzahler kaum noch zählbare Millionen kosten , nicht so leichtfertig hätte vorgehen sollen . Die Tragfähigkeit der Ballons ist eine so horrende gewesen , daß nicht einmal das stärkste Schnellfeuer auf die Ballons den Mannschaften etwas nützen konnte ; die Ballons blieben eben oben und wurden mit dem ganzen Armeekorps ins Meer geschleudert . Der tragische Vorfall dürfte jedenfalls die Regierung zwingen , allen militaristischen Neuerungen eine erbarmungslose Skepsis gegenüberzustellen . Man sieht ja , wohin die Phantastik führt . « Der Allgemeine Staatsanzeiger stellte sofort in einem fachmännisch geschriebenen Artikel fest , daß von einem Schnellfeuer auf die Ballons gar nicht die Rede sein konnte , da sich ja die Mannschaften durch Feuern nach oben in eigene Lebensgefahr gebracht haben würden ; die Soldaten hätten ja an ihren Stricken über einander und nicht neben einander gesessen . Die Freie Volkszeitung ignorierte diesen Artikel und schrieb am nächsten Tage mit noch dickerem Trauerrande : » Der empörende Leichtsinn unsres Generalstabes hat eine Katastrophe möglich gemacht , die in der ganzen Kriegsgeschichte niemals ihresgleichen finden dürfte . Bei dem hohen Seegange ist nicht einmal daran zu denken , die Leichen des verunglückten Regimentes zu bergen . Der Schah von Persien wird einen netten Begriff von unserer Kriegstüchtigkeit empfangen haben . Die Katastrophe wird unvermeidlich eine schwere Erschütterung unsres Staatsorganismus zur Folge haben . Wir stehen nach der Ansicht alter verdienter Generale vor dem Ausbruche eines großes Krieges . Unsre Feinde wissen ganz genau , wie viel wir für das Luft-Militär geopfert haben . « Und der Volkswille schrieb : » Es verlautet , daß dem verdienten General von Bax , der einen so tragischen Tod in den Fluten des Oceans fand und dessen Leiche immer noch nicht geborgen ist , ein Denkmal gesetzt werden solle . Dieses Denkmal dürfte für die Phantasten im Generalstabe gleichzeitig ein ganz gehöriger Denkzettel sein . « Und das Publikum flatterte vor Aufregung . Nach drei Tagen aber kehrte der Herr von Bax mit seinem Regiment in die liebe Heimat zurück - denn er wurde rechtzeitig von einigen Kriegsschiffen » gerettet . « Nicht ein einziger Mann hatte sein Leben eingebüßt . Nur etwas naß waren alle geworden . Die Korkmäntel hatten das Untersinken der Mannschaften unmöglich gemacht . Und die Ballons waren ebenfalls ganz unbeschädigt geblieben . Natürlich - so groß wie am Paradetag das Entsetzen gewesen war - so groß war jetzt der Jubel - wohl noch größer . Und von Bax hatte jetzt Oberwasser ; er konnte plötzlich tun , was er wollte . Er war der Herr der Situation . Und die Situation auszunützen - das versteht der Herr von Bax meisterhaft . Er setzt sofort eine ganze Reihe phantastischer Neuerungen durch . Zunächst führt er automatische Gummistelzen für seine Mannschaften ein , so daß die nötigenfalls mit einer Schnelligkeit marschieren können , die ans Lokomotivartige grenzt . Alsdann läßt er kolossale Kanonenballons bauen , sodaß die schwersten Granaten , von oben geschossen , viel weiter fliegen als bisher . Durch Verwendung von gefesselten Luftkugeln , die aber immer nach der Seite geschossen werden , nach der man hinwill , erleichtert er die schwierigen Aufgaben der Motorwagen , die auf unebenem Terrain ihre Not hatten . Aber alles Das ist dem kühnen General noch nicht genug . Er setzt auch noch ein Clowns-Bataillon durch . Durch die tollsten Kostüme , Späße und Grimassen , Trapez- und Akrobaten-Kunststücke soll dieses Bataillon den Feind zum Lachen bringen ; die Offiziere dieses polyformierten Bataillons müssen erprobte Humoristen sein . Die Phantasten haben im Generalstabe endgiltig gesiegt - die Erdregimenter werden einfach abgeschafft . Ohne Luftarmee arbeiten wollen , erscheint plötzlich Allen als die höhere Stieselei . Nisaraddi kauft gleich zweihundert Schlangenmenschen für den Schah von Persien auf - denn » der Clown im Dienste des Militarismus « erscheint dem lachlustigen Perser die beste Erfindung der Neuzeit zu sein . Und die zweite Parade vor dem Schah wird zum größten Triumph für den General von Bax . Jedesmal , wenn das Clowns-Bataillon in Aktion tritt , wälzt sich das gesamte Publikum am Erdboden in fürchterlichen Lachkrämpfen . Es scheint allen Zuschauern so klar , daß gegen die » komischen « Soldaten kein Feind ankommen kann , da selbst vergrämte Indianer in Lachkrämpfe verfallen müssen - und in dem Zustande ohne jede Schwierigkeit wie Seehunde mit Knüppeln tozuschlagen sind . Keiner sagt Baxen , das seien Faxen - dazu ist der Luftgeneral viel zu berühmt . Alle Welt ruft : » Bax ! Hurrah ! Bax ! « Der aber sagt nur : » Das ist der längst entbehrte Humor im Militarismus . « Leider hat der General in der auf den Paradetag folgenden Nacht sehr bald zu viel Champagner getrunken und sagt daher schließlich , während ihm sein Diener Luft zufächeln muß , da nichts weiter als : » Luft ! Luft ! « Niemals hätte ich ' s geglaubt , daß auch diese Geschichte noch mal so viel Beifall finden würde ; die Mäuse tanzten vor Vergnügen - und ich hätte mich beinahe schief gelacht . » Höhere Dammlichkeit , « sagte ein jugendlicher Mauskönig , » Dein Name ist Mensch . Wie froh sind wir nur , daß wir nicht mehr als Menschen auf der Erde herumzukrabbeln brauchen . « Und dann folgte eine Schimpferei , die nicht mehr schön war und die Nilpferde schließlich ärgerte . Lapapi sagte ernst . : » Ich finde es nicht richtig , daß die Mäuse sich so rücksichtslos über die Menschen lustig machen ;