er das kleine alte Landhaus , das eigentlich nur eine alte Lehmkate ist , kaufen kann . Und Safur erzählt von seiner Reise nach Ägypten , von der Wüste - und von seiner Dschinne . Er setzt dem großen Sterndeuter eifrig auseinander , daß er seine Dschinne liebe . Er wisse sehr wohl , daß sie nicht lebe - und doch glaube er , daß sie ihn verfolge überall - oft sei ihm so , als berühre sie ihn an der Schulter mit ihren Fingerspitzen . Leidenschaftlich sagt er : » Sieh , ich weiß , die Dschinne ist für mich unerreichbar - aber ich kann das Plumpe , das Rohe , das Körperliche nicht mehr ausstehen . Ich muß nach einem Geistigen streben , das nicht von dieser Welt ist . Ich will überall jetzt das Unerreichbare haben - in jene Welt - in die andere will ich hinein . Ich sehne mich nach einem Weibe , das so fein und zart ist , wie irdische Weiber nie sein können . Mein Streben mag töricht , meine Liebe mag eine tolle Liebe sein - doch ich kann nicht mehr anders . Ich muß daher in die Einsamkeit . Sieh , Abu Maschar , ich bin ein Genußmensch . Ich will mit meiner Dschinne zusammenkommen . Vielleicht gehts doch . Man kann ja nicht wissen - und wenn ich mir dabei den Schädel einrennen sollte - was schadets ? Die Genüsse dieser irdischen Welt befriedigen meine Lustgier doch nicht mehr . Oh - verstehst Du mich ? Sprich doch ! « Abu Maschar streichelt mit seinen langen braunen Fingern seinen langen schwarzen Bart und spricht langsam in wohlerwogenen Sätzen : » Ich hörte schon von Deiner seltsamen Liebe . Und ich bin nicht überrascht durch Deine Worte . Du gehörst zu den Menschen , die in Allem feiner empfinden als die Andern . Dein Denken ist nicht einfach . Du bist an verwickelte Gedanken gewöhnt . Die Andern verstehen Dich daher nicht und verletzen Dich . So gehts allen denen , die mehr sind oder mehr sein wollen als das einfache Volk . Und so kams , daß Du Dir in Deinem Gehirn ein Idol schufest , das Du lieben und anbeten wolltest . Und diesem Idol rennst Du nun im wirklichen Leben nach . Du bist auf der Jagd nach dem Idol . Das schadet nichts , wenn Du stets im Auge behältst , daß dieses Idol für Dich unerreichbar bleiben muß . Jeder feinere Kopf befindet sich sein ganzes Leben hindurch auf der Jagd nach dem Idol - die Jagd ist was ganz Gewöhnliches . Dieselbe ist auch nicht schädlich , wenn man ihre Nutzlosigkeit einsieht . Du strebst nach dem Unerreichbaren , wie Du sagst , überall . Ja , ich verstehe , Du hast eben viele Idole . Die einfachen Menschen finden ihre Idole verkörpert hier auf der Erde vor , die feineren Menschen finden ihre Idole nicht auf der Erde verkörpert vor - die sind ja dort - hinter den Sternen . Darum ist es nur natürlich , daß Du in jene Welt hinein möchtest . Ich möchte das auch , daher bin ich Sterndeuter und Prophet . Battany und viele Andre lachen , daß ich mich mit so abergläubischen Sachen befasse . Aber will Battany nicht auch bloß wissen , was hinter jener blauen Himmelswand liegt ? Und ist etwa die Art , in der er was Tieferes erfahren will , so sehr viel klüger als die meine ? O nein ! Wir unterscheiden uns nur dadurch , daß er stets glaubt , etwas erreichen zu können , und ich nie glaubte und nie glauben werde , ich könnte je in jene Welt hinein . Ich rechne nicht , um was zu wissen - sondern ich will mich durch das ewige Rechnen nur betäuben . Wir bleiben , wie wir sind . Wir werden später auch nicht mehr wissen , als wir jetzt wissen . Die Welt ist starr und unveränderlich . Es gibt in der Welt keine wesentliche Weiterentwicklung . Und der Einzelne wird sich erst recht nicht weiterentwickeln . Ist man ein feiner Mensch , so bleibt man ein solcher . Ist man einfach , so bleibt man einfach . Geh also nur mit Deiner übersinnlichen Liebe in die Einsamkeit . Geh nur ! Battany wird Dir schon helfen . Wenn Du aber glaubst . Du könntest in die andere Welt , in die Welt der Geister , hinein , so wirst Du Dir den Kopf einrennen . Liebe nur Deine Dschinne , aber verlang nicht von ihr , daß sie Dir körperlich erscheine . Du willst doch nach dem Unerreichbaren überall streben . Würdest Du also einmal Deine Dschinne umarmen können wie ein gewöhnliches Erdenweib - so würde Deine Dschinne jeden Reiz durch die Umarmung verlieren . « Und der Prophet lächelt , streichelt mit seinen langen braunen Fingern seinen langen schwarzen Bart und sieht dem Dichter lange ins Gesicht . Wie sich die Beiden trennen , lächelt Abu Maschar nicht mehr ; er ist besorgt um Safur - dessen Leidenschaft kommt dem weisen Sterndeuter bedenklich vor . Der Dichter aber geht zum reichen Al Battany durch den Palmenhain über die hohen Hügel am Ufer des Tigris an den Feigenbäumen vorbei bis zur Landstraße , auf der er einst vor Jahren am Himmel das schwarze Gesicht des Weibes sah , das nicht lebt und ihn doch verfolgt . Er denkt an jenen Morgen , an dem er auch in Fieberstimmung zum Astronomen kam - um der Tarub willen . Jetzt kommt er wieder in fieberhafter Aufregung zum Astronomen - wieder Tarubs wegen . Und wie damals - sitzt ihm auch jetzt - eigentlich die Dschinne mehr auf den Fersen als die berühmte Köchin . Er blickt über die Stadt hin , die nun in der heißen Sonne mit den hohen Palmen und den weißen Häusern , mit der hoch gelegenen bunten Chalifenburg , mit den bunten Moscheen und den schlanken Minaretten wie ein zartes feines Feenland daliegt - wie eine wirkliche Stadt des Heils . Blau fließt der Tigris zur Linken des Dichters - in der Tiefe - und drüben wohnt Al Battany . Safur ist bald wieder in der alten Olivenallee und dann im Bücherkioske , den die bunten Tulpen umblühen ... Auf den kurz geschorenen Rasen krächzen die alten Papageien . Auf den orangefarbigen , nicht gemusterten Fliesengängen kommen dem Dichter zwei Inder entgegen , die grade im Bücherkioske Schach gespielt haben . Die Inder kommen dem Safur noch steifer und stolzer vor als die andren Menschen . Der Bücherkiosk , der wie eine Krone daliegt , wirkt den Indern gegenüber ganz einfach und bescheiden wie ein Fischerhäuschen . Safur wirft den Kopf in den Nacken zurück und mustert die Inder , sein braun und blau gestreiftes Beduinengewand zieht er dabei geschickt in schwungvolle Falten . Die Inder lächeln - ihre goldgestickten Kleider sind viel schöner . Al Battany läßt sich entschuldigen - er wird gleich kommen . Und Safur muß sich dazu bequemen , die Zeit des Wartens mit den Indern zusammen zuzubringen ; der ältere von diesen entfernt sich bald . Der Zurückbleibende ist jener Schauspieldichter , der in Benares vor Battany so fein von der Empfindlichkeit und von der Qual aller Gebildeten zu sprechen wußte - der diese Empfindlichkeit und die daraus entspringende Qual durch die Religion oder durch die Kunst auflösen - überwinden wollte ... Das Gespräch zwischen dem indischen und arabischen Dichter wird somit naturgemäß nach einiger Zeit recht lebhaft . Allerdings die frostige Förmlichkeit wird auf beiden Seiten nicht durch allzu große Liebenswürdigkeit verdrängt - man will sich nichts vergeben . Safur spielt sich als Genußmensch auf , behauptet , daß jeder Augenblick des Lebens , der nicht einen Genuß biete , ein überflüssiger Augenblick sei . Der Inder will den leidenschaftlichen Ton des Arabers sanfter stimmen - erreicht aber nur das Gegenteil . Die Laune des Safur ist so gereizt , daß er sich sofort in gewagten Behauptungen verhaspelt und immer kühner wird - statt sanfter . » Sieh « , sagt er , » es liegt mir nicht bloß daran , alles das zu genießen , was das einfache Volk auch genießen kann . Früher suchte ich meine Zunge und meine Fingerspitzen auszubilden und glaubte damit was Besondres zu tun . Heute will ich viel mehr . Ich will das Unsinnige , das Tolle , das Unverständliche , das Unbegreifliche , das Übersinnliche , - genießen . Versteh mich recht : ich will nicht bloß all das verstehen - das Verstehen scheint mir nicht so wichtig - genießen will ich das alles . Ich will in die Welt der Geister dringen , und ich will genießen , was nur die Geister genießen können . « Der Inder meint , daß das sehr schwer sei und die Ausbildung ganz besondrer Nervenkräfte verlange . Er glaube auch , daß derartige Anstrengungen den Körper und den Geist zerrütten müssen . Aber da läßt sich der Araber nicht bange machen - weist allerdings die Anstrengungen vornehm ab - anstrengen will er sich durchaus nicht . Das findet nun der Inder wieder sehr drollig . Lächelnd - etwas sehr überlegen - erwidert er folgendermaßen : » Die Araber sind doch sehr merkwürdig . Sie kommen aus ihrer Wüste mit ihren Schwertern und Lanzen wie ein Heuschreckenschwarm heraus und bilden sich ein , daß sie alles gleich mit Beschlag belegen können - nur weil sie kräftige Arm - und Beinmuskeln besitzen . Ihr wollt überall nur genießen - Alles - Alles ! Ihr wollt nicht bloß essen und trinken , ihr wollt auch gleich alle Religionen genießen , auch alle Künste - selbst das Unverständliche und das Unverständige . Ihr traut doch Eurem guten Magen ein bißchen zuviel zu . Lieber Safur , von Dir hat mir Battany viel erzählt . Du bist ohne Frage ein sehr gebildeter Mensch - gereizter denn Viele . Daß Du aber jeder Anstrengung , jeder Müh und Arbeit streng aus dem Wege gehen willst - das wird Dein Untergang - Du müßtest in großen und langen Gedichten Deine Gereiztheit zu lösen trachten - das tust Du natürlich nicht - Du bist ja ein viel zu vornehmer Araber , der nur genießen will , der nur den Genuß für berechtigt hält - - - als wenn der Genuß einem Dichter wie eine reife Frucht in den Schoß fiele . « Der Inder muß herzhaft lachen . Er spricht noch in lässigem Tone über religiöse Übungen , Fasten , Rosenkranz , Selbstgeißelung , Gebet und geschlechtliche Enthaltsamkeit - wird dann aber schweigsam , da Safur verächtlich die Mundwinkel runterzieht . - Die Beiden können sich nicht mehr verständigen . Safurn kommts so vor , als wär er bei Osman , der immerfort das Dschinnengedicht von ihm verlangt - und er empfindet eine heftige Abneigung gegen den indischen Dichter . Es trennen sich die Beiden , wie Battany naht , noch viel frostiger , als sie sich begrüßten . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Safur erlangt bei Battany sehr rasch das , was er wollte . Höchst vergnügt und stolz wallt er mit drei dicken Goldrollen davon - zu seiner Tarub . Draußen auf der Landstraße hört er noch ein paar Adler auf einer Palme so zitternd pfeifen , als hätten auch sie Gold bekommen - Gold ... - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Der Inder aber erklärt dem Battany unumwunden , daß er von Safur garnichts halte - aus dem hätte mal was werden können , wenn er mal zu den Füßen eines Meisters gesessen hätte - jedoch jetzt würde aus ihm garnichts mehr - dem Safur fehle sowohl der religiöse wie der künstlerische Ernst - er hätte als Nabob geboren werden müssen . Der Inder wird ganz aufgebracht , sagt dem Battany ganz derb über das Arabertum seine Meinung und schließt erregt : » Lieber Battany ! In Safurs Genußwut liegt eine gewisse Frechheit . Es ist unverschämt , dort mühelos genießen zu wollen , wo Andre nur im sauren Schweiß ihres Angesichts kärglich Früchte sammeln dürfen . Safur wird noch für seine Frechheit bestraft werden - seine Art , sich zu benehmen , ist übrigens empörend ! « Nun - Battany ist durch diese Eröffnungen nicht sehr entzückt - lädt aber , ohne zu erwidern , alle Inder , die er mitgebracht hat , zum Abend auf die Sternwarte . Er prophezeit eine Mondfinsternis . Stolz ruft er : » Heute bin ich ein Prophet ! « Und feuriger Wein muß die schlechte Laune des indischen Schauspieldichters rasch fortschwemmen . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Am Abend stehen die Inder mit Battany auf dem fünfeckigen Altane der Sternwarte und schauen in den Vollmond . Abu Maschar ist auch auf dem Altane . Und der Mond verfinstert sich wirklich . Die Inder verneigen sich vor dem arabischen Astronomen . Abu Maschar steht steif wie ein Stock . Battany ist empört darüber . Der Sterndeuter sagt aber leise flüsternd : » Lieber Freund , was hast Du nun erreicht ? Du weißt wieder etwas , das des Wissens nicht würdig ist . Ob der Mond hell oder dunkel ist , bleibt sich so schrecklich gleich , daß ich über Deine Freude lachen muß . « - Und der Sterndeuter geht langsam davon auf seinen Mittelturm , will wieder rechnen . Battany sieht dem alten Kräkler wütend nach . Dann aber blickt der große Astronom starr in den immer dunkler werdenden Mond und wird stolzer - immer stolzer - er ballt die Fäuste - seine Augen funkeln - - - - - - seine Rechnungen stimmen ! Zwanzigstes Kapitel Die Lehmkate am Tigrisstrande ist sehr hübsch . Da lebt die Tarub mit ihrem Safur anfänglich viel friedlicher als in Bagdad . Der Tigris ist da so breit und groß . Wenn man vor der Türe der Kate steht , die auf einem Hügel erbaut ist , so überblickt man eine große dunkelblaue Wasserfläche . Die Palmen am gegenüberliegenden Ufer erscheinen ganz klein , so breit ist der Strom . In Bagdad lassen die vielen reich bewaldeten Inseln den Tigris viel kleiner erscheinen . Safur steht vor seiner Tür und blickt hinaus in die große Wasserwelt , über die ein frischer Wind hinstreicht , sodaß kleine weiße Schaumkämme das dunkle Blau der Flut durchstreifen . Unten am Ufer plätscherts und gurgelts - was sich sehr lustig anhört . In die Außenwände der gelbbraunen Lehmkate sind rote Tonplatten eingelegt , in die einst unförmliche altertümliche Figuren eingeknetet wurden ; was die Bilder darstellen sollen , kann man nicht mehr ordentlich erkennen . Auf dem Dach des Hauses ragt wie eine kleine Pyramide ein dunkelbraunes Zelt in den blauen Himmel . Ein paar riesige Palmen stehen rechts , links und hinten auf dem Hügel ; Adler nisten in den Kronen der Palmen . Vor dem Hause ist ein großer viereckiger Platz ganz mit roten Ziegelsteinen ausgelegt , die schon recht ausgetreten sind . Unten am Ufer wächst hohes Schilf . Mächtige rosa blühende Oleanderbüsche und weiß blühende Myrtenbüsche umwuchern den ganzen Hügel . Und oben rings um die alte Kate blühen unzählige weiße Rosen , die duften wunderbar . Safur schaut hinaus in die blaue Wasserwelt - die weißen Schaumkämme und die weißen Möven ziehen sanft über die Flut - wie Geisterhände . In den Kronen der Palmen pfeifen leise die jungen Adler ; der Dichter glaubt , es seien Töne aus einer andren Welt . Er denkt dabei an seine großen Wüstenreisen - an Damascus und Cairo . In seinen Gedanken reitet er wieder hoch zu Roß neben den Kamelen der Karawane durch die einsame Wüste wie ein Beduine - mit suchendem Auge und horchendem Ohr - wieder geht das Gesumm und Gesurr durch die Luft ; die Sterne funkeln , die Dschinnen locken und rufen , in der Ferne klingen hell die blitzenden Damaszenerklingen , die Rosse wiehern , der heiße Sand knirscht - und überall summts und surrts von Käfern und Nachtfaltern - und die Dschinnen reiten schneller - Safur schrickt zusammen und hält die Hand vor den Augen . Von der blauen Pracht des großen Stromes , der unten rauschend vorüberzieht , sieht und hört der Dichter nichts mehr . An das Wasser ist das Auge des Arabers nicht gewöhnt ; das Auge des Arabers ist nur gewöhnt , von Wüsten und von Palästen - zu träumen , in die wirkliche Welt blickt es nicht gern hinein - als wenns sich vor der blendenden hellen Sonne fürchten müsse . Drum wirkt der große Tigris auf den Safur garnicht befreiend - garnicht groß . Anfänglich ist der Dichter in viel besserer Stimmung - es ist ihm so Vieles am Ufer des Tigris neu . Die Tarub ist auch viel verträglicher . Safur wird sogar wieder ein bißchen lustig und neckt seine Köchin , daß sie lachen muß . Er neckt sie aber so oft , daß sie sich eines Tags drüber ärgert und zornig sagt : » Ach , hab Dich nicht immer so albern ! « Na - da ist es denn wieder mit der Neckerei zu Ende ; Safur ist wieder verletzt . Aber - es geht noch . Safur zieht morgens gewöhnlich mit einem langen Speer , mit Pfeil und Bogen , mit Schwert und Dolch auf die Jagd . Abends angelt der Dichter . So kommts , daß die Beiden nicht Mangel leiden . Datteln , Bananen und Feigen gibts auch in der Umgegend . Und Battany schickt in jeder Woche Brot und Wein . Der Tarub ist nur das Leben ein bißchen zu einsam . Safur ist auch so schweigsam und in sich gekehrt , daß sie sich ihm nicht gern nähern mag . Sie scheuert daher ihre neue Küche mit großem Eifer , putzt ihre Töpfe , Tassen und Krüge , wischt den Ziegelboden täglich mit Wasser ordentlich auf , vernichtet das Ungeziefer , wo sies nur findet , kocht und näht , singt und wäscht , klopft die Teppiche , die sie sich in Bagdad kauften , mit größtem Geräusch jeden Morgen aus , pflanzt Bohnen und Salat , begießt die weißen Rosen und melkt ihre Ziege - die berühmte Köchin ist geschäftiger denn je - steht nie still . Allerdings - ihre Küche kommt ihr recht klein und ärmlich vor - mit stillen Tränen denkt sie oft an Saids große Küche , in der so bequem die Pumpe gleich bei der Hand war - denkt auch an ihre Küche in der langen Straße mit Wehmut . Indessen - den Safur läßt sie davon nichts merken . Ja - die Einsamkeit ! Der Tarub ist oft so zu Mute , als wäre sie in ein Gefängnis eingesperrt worden - obwohl es doch am Tigris so frei und lustig ist wie selten wo - aber der Natur bringt die berühmte Köchin nicht eine besondre Liebe entgegen - es ist ihr zu still in der Einsamkeit . Dem Safur ist dagegen das Leben in der Natur beinahe zu laut - überall glaubt er Geisterstimmen zu hören - er spricht oft zu sich selbst - und schrickt zuweilen heftig zusammen - seine Augen blicken nicht mehr kühn gradaus - sie haben eher was Scheues . Als daher nach einigen Wochen auf flinkem Segelboot die beiden Geographen Kodama und Hamadany der Lehmkate einen Besuch abstatten , werden sie ganz freundlich empfangen . Bei einem guten Becher Weins lenkt Kodama , der eigentlich in Osmans Auftrage gekommen ist , das Gespräch vorsichtig auf die alte Sphinx der Ägypter . Indeß - Safur will von der Sphinx nichts mehr wissen , der Dicke hat sie ihm verleidet ; das Zwitterhafte in der Sphinx , das der Dichter anfänglich garnicht sah , berührte ihn sehr unangenehm , als ers bemerkte . Seine Dschinne hat mit der Zeit wieder ein andres Gesicht bekommen - das ähnelt jetzt eher dem einer ägyptischen Prinzessin , deren Seele verdammt ist , immerfort auf der Erde herumzuwandern und um einen verlorenen Ring zu klagen - Safurn ists oft schon so gewesen , als habe sie ihn gebeten , den Ring zu suchen - was er dann auch tat - sehr zum Ärger der Tarub - denn wenn er den Ring suchte , pflegte er nie ein Stück Wild heimzubringen ... Der dicke Kodama hört also nichts Besondres , wie er von der Sphinx spricht , wird demnach allmählich deutlicher , will was von der Antarsage wissen und kommt so schließlich zu Safurs Dschinnengedicht . Seltsamerweise ist da der Safur gleich Feuer und Fett , die Flammen der Begeisterung lodern hoch empor , und der Dichter redet mit einem Eifer von dem Gedicht , daß der ziemlich vertrauensselige Kodama gleich glaubt , Safur habe wirklich angefangen , das große Gedicht zu schreiben . Dem ist natürlich durchaus nicht so . Safur redet nur über das Dichten im Allgemeinen , führt aus , daß eine wahrhaft treffliche dichterische Arbeit so wirken müsse wie ein feines Brokatgewand , das von jedem andren Standpunkt aus ein andres Gesicht - eine andre Farbenstimmung - zeige - - - das sei auch der Grund , weswegen ihm jetzt so oft seine Dschinne mit einem ganz andren Kopfe , mit ganz andren Händen - ganz anders gekleidet erschienen sei . Kodama ist bald der Meinung , daß Safur ein schier unendliches Gedicht geschrieben habe , und fährt höchst befriedigt nach Bagdad zurück , um dem Osman diese freudige Botschaft mitzuteilen . Hamadany bleibt als Gast in der Lehmkate noch über acht Tage , und als auch er nach Bagdad zurück will - kommt grade der Abu Hischam mit dem Abu Hanifa an , und die Beiden verhindern natürlich den Hamadany , nach Hause zu fahren . Der alte Philosoph Abu Hischam ist in so prächtiger Laune , daß es bald wieder hoch hergeht - wie früher zu Bagdad in der langen Straße . Alles , was in der Kate eßbar und trinkbar ist , wird an zwei Tagen vertilgt - und dann ist wieder - die Not da . Diesmal hat aber die Not einen recht lustigen Anstrich . Wie am dritten Tage die Tarub den drei Gästen und ihrem Dichter - Ziegenmilch , Bananen , Feigen , sieben Möveneier und weiter nichts vorsetzt - verschwindet das alles furchtbar schnell - Safur ißt nur ein einziges Ei , sieht sich verwundert nach mehr um - sagt aber nichts . Jedoch die Tarub fragt mit ganz ernstem Gesicht : » Nun , seid Ihr schon satt ? « Da werden die Gesichter der vier Männer ganz anders - und - und - nach einer Pause brechen plötzlich alle Vier in ein so fürchterliches Gelächter aus , daß sie Magenschmerzen bekommen - nur vom Lachen . Es wird wieder gemütlich bei der Tarub . Die drei Gäste gehen nicht fort , sie gehen mit Safur auf die Jagd - und des Abends hocken sie vor der Tür auf den roten Ziegelsteinen , essen und trinken , was da ist - reden tiefsinniges Zeug ! Das Gespräch wird stets von den jüngeren Gelehrten - von Hamadany und Abu Hanifa - in Fluß gebracht . Die Tarub redet oft altklug mit ; die jungen Leute wollen so Manches wissen , was die Tarub weiß . Safur ist gemeinhin sehr einsilbig . Abu Hischam ist zumeist zu lachlustig . Trotzdem spricht er zuweilen noch über die schwierigsten Fragen . Er erklärt den jungen Gelehrten , daß diese Welt garnicht wirklich da sei , daß kein Mensch wirklich da sei , daß nichts da sei , daß Alles nur Trug und Schein sei , und empfiehlt , diese Weisheit immer im Kopfe zu behalten - besonders dürfe man diese Weisheit nicht vergessen , wenns einem mal schlecht gehe - denn sage man sich in solchen schlechten Zeiten , daß man eigentlich garnicht lebe , daß die Welt nur ein leeres Nichts , daß demnach die schlechte Zeit auch nur ein leeres Nichts sei - so werde man bald über die Not schrecklich lachen müssen . » Lachen « , sagt Abu Hischam , » lachen muß der Mensch zu allen Zeiten , und trinken muß der Mensch , wo er nur kann . Lachen und trinken ist die Hauptsache . « Zuweilen wurde der Philosoph von den jungen Gelehrten veranlaßt , einige Worte über die Entwicklung zu reden - und dabei pflegte dann der lachlustige Zecher ernster zu werden - er erinnerte sich an die vielen Gespräche , die einst auf Battanys langer Barke so heftig die Gemüter erregt hatten - das war schon fast vier Jahre her - - - und die Erinnerung stimmte den alten Philosophen sehr ernst . Er wars ja gewesen , der einst den » Bund der lauteren Brüder « feierlich gründete , aus dem jetzt so ganz was Andres wurde - die Inder hatten sich reingemischt und die Ägypter ebenfalls - und an den Gründer des Bundes dachte kein Mensch mehr . Wie schnell sich die Zeiten ändern ! Abu Hischam schimpfte oft auf den Abu Maschar , der immer behauptete , daß die Welt unveränderlich sei ... Safur wird immer schweigsamer , er sieht so leidend aus - - - Man besucht öfters die in der Nähe wohnenden Eremiten - und Abu Hischam redet dort wieder so vom Bunde , als wenn er bei der ganzen Geschichte noch was zu sagen hätte . Abu Hanifa , der sehr boshaft ist , bittet dann immer den Philosophen , ja keine Geheimnisse mitzuteilen - er , Abu Hanifa , könne beim besten Willen weder schweigen noch lügen - - - Dafür fragt dann gewöhnlich der Philosoph den Safur , ob der ihm nicht sagen könne , wie indische Pfauenpastete schmecke - er , als Feinschmecker , müsse das doch wissen . So wird Safur , der Feinschmecker , zur Zielscheibe des Spottes - Der Dichter ärgert sich drüber - nicht bloß , weil er seiner Armut wegen verspottet wird - sondern weil er an die Zeiten , in denen er sich als » Feinschmecker « wohlfühlte , nicht gern erinnert sein mag . Das Feinschmeckertum kommt ihm jetzt so schrecklich roh und dumm vor - er ist ja schon an ganz andre Genüsse gewöhnt - er verkehrt mit Geistern , mit Wesen aus einer anderen Welt ; und dieser Verkehr ist denn doch für ihn so genußreich , daß dagegen alle Pasteten und alle Weine der Erde nichts sind . Der Besuch der drei Brüder ist dem Dichter recht lästig . Nachts , wenn die Sterne glitzern und funkeln , stiehlt er sich oft heimlich aus der Kate fort und fährt mit seinem Nachen auf den Strom hinaus . Und in der Dunkelheit auf den plätschernden Wellen des Tigris sieht der Dichter wunderliche feine Gestalten vorüberschweben - und er hört Stimmen - laute und leise - die locken und rufen - die Möven krächzen dazu - die Wellen des Tigris plätschern und gurgeln - es ist so Vieles zu hören ! Einundzwanzigstes Kapitel Und eines Morgens kommt langsam Battanys lange Barke den Tigris hinauf und landet ebenfalls in der Nähe der Lehmkate . Osman , Kodama , Abu Maschar und der alte Jakuby - entsteigen - der langen Barke . Tarub freut sich natürlich schrecklich über den neuen Besuch - Safur schneidet ein sauer und süßes Gesicht - das hilft ihm aber nicht . Er hat nun sieben lautere Brüder als Gäste in seinem Hause - die vier zuletzt angekommenen bringen so viel zu essen und zu trinken mit , daß sich die Tarub garnicht zu lassen weiß vor Aufregung und Freude . Osman hat auch ein paar chinesische seidene Fenstervorhänge mitgebracht , die ganz mit bunten Blumen und noch bunteren Vögeln bestickt sind . Die Tarub hatte nämlich dem Kodama über die eisernen Kraten vor den Fenstern geklagt , hatte ihm gesagt , daß die Kraten , die der wilden Tiere wegen notwendig waren , in ihr stets ein unbehagliches Gefühl aufkommen ließen - als wenn sie sich im Gefängnis befände . Daher - Osmans seidne Vorhänge ! Osman ist immer schrecklich aufmerksam . Tarub freut sich - wien Kind . Und der alte Jakuby hat fünf eiserne Flammenschalen mitgebracht - nebst fünf eisernen Dreifüßen - der alte Geograph ist der Meinung , daß man nur bei der richtigen Beleuchtung gemütliche Feste feiern kann - welcher Meinung Alle bereitwilligst beipflichten . Die Stimmung ist bald eine recht gehobene . Und abends steht der Vollmond über dem Tigris und glänzt - glänzt festlich . Vor der Lehmkate flackern fünf mächtige Flammen . Safur und Tarub sitzen vor ihrer Tür auf dem viereckigen , mit roten Ziegeln gepflasterten Platze , von dem aus man den breiten , im Mondlicht glitzernden Strom wohl überschauen kann . Und dort sitzen auch die sieben Gäste ... Die Gesellschaft bildet einen wohl abgezirkelten Kreis . Man ißt mekkanische Hühner , indische Schnecken , Antilopenschinken und Bagdader Marzipan und trinkt wieder den köstlichen Wein aus Bassora dazu . Und man gedenkt der Abende bei Said ibn Selm , wird ein bißchen wehmütig , bleibt aber trotzdem guter Dinge . Daß Al Battany , der all die eß- und trinkbaren Herrlichkeiten hersandte , selber nicht mitmacht und daheim bei seinen Indern blieb , vermag die Stimmung nicht zu verschlechtern . Die Abwesenheit des alten Suleiman , der sich in so auffälliger Weise ganz von den lauteren Brüdern zurückzog , wird schon , eher mit schmerzlichem Gefühl empfunden . Der Wein macht natürlich die Gesellschaft sehr lebhaft - Alle reden und erzählen und haben sich so Vieles zu sagen ... Nur Safur bleibt schweigsam - er trinkt auch nicht . Und da kommt denn der Augenblick