es . Aber reiße mich aus dieser Ungewißheit . Sage mir , was es ist , was dich drückt , was dir das Leben vergällt und verbittert . Sage mir ' s. Sprich . « Er fuhr sich über Stirn und Auge , dann nahm er den beiseite geschobenen Brief und sagte : » Lies . « Melanie faltete das Blatt auseinander . Es waren Zeilen vom alten Rubehn , dessen Handschrift sie sehr wohl kannte . Und nun las sie : » Frankfurt , Ostersonntag . Ausgleich gescheitert . Arrangiere , was sich arrangieren läßt . In spätestens acht Tagen muß ich unsere Zahlungseinstellung aussprechen . M. R ... « In Rubehns Mienen ließ sich , als sie las , erkennen , daß er einer neuen Erschütterung gewärtig war . Aber wie sehr hatte er sie verkannt , sie , die viel , viel mehr war als ein bloß verwöhnter Liebling der Gesellschaft , und eh ihm noch Zeit blieb , über seinen Irrtum nachzudenken , hatte sie sich schon in einem wahren Freudenjubel erhoben und ihn umarmt und geküßt und wieder umarmt . » Oh , nur das ... ! Oh , nun wird alles wieder gut ... Und was eurem Hause Unglück bedeutet , mir bedeutet es Glück , und nun weiß ich es , es kommt alles wieder in Schick und Richtung , weit über all mein Hoffen und Erwarten hinaus ... Als ich damals ging und das letzte Gespräch mit ihm hatte , sieh , da sprach ich von den Menschlichen unter den Menschen . Und es ist mir , als wär es gestern gewesen . Und auf diese Menschlichen baut ich meine Zukunft und rechnete darauf , daß sie ' s versöhnen würde : ich liebte dich ! Aber es war ein Fehler , und auch die Menschlichen haben mich im Stich gelassen . Und jetzt muß ich sagen , sie hatten recht . Denn die Liebe tut es nicht , und die Treue tut es auch nicht . Ich meine die Werkeltagstreue , die nichts Besseres kann , als sich vor Untreue bewahren . Es ist eben nicht viel , treu zu sein , wo man liebt und wo die Sonne scheint und das Leben bequem geht und kein Opfer fordert . Nein , nein , die bloße Treue tut es nicht . Aber die bewährte Treue , die tut es . Und nun kann ich mich bewähren und will es und werd es , und nun kommt meine Zeit . Ich will nun zeigen , was ich kann , und will zeigen , daß alles Geschehene nur geschah , weil es geschehen mußte , weil ich dich liebte , nicht aber , weil ich leicht und übermütig in den Tag hinein lebte und nur darauf aus war , ein bequemes Leben in einem noch bequemeren fortzusetzen . « Er sah sie glücklich an , und der Ausdruck des Selbstsuchtslosen in Wort und Miene riß ihn aus der tiefen Niedergedrücktheit seiner Seele heraus . Er hoffte nun selber wieder , aber Bangen und Zweifel liefen nebenher , und er sagte bewegt : » Ach , meine liebe Melanie , du warst immer ein Kind , und du bist es auch in diesem Augenblicke noch . Ein verwöhntes und ein gutes , aber doch ein Kind . Sieh , von deinem ersten Atemzuge an hast du keine Not gekannt , ach , was sprech ich von Not , nie , solange du lebst , ist dir ein Wunsch unerfüllt geblieben . Und du hast gelebt wie im Märchen von Tischlein , decke dich , und das Tischlein hat sich dir gedeckt , mit allem , was du wolltest , mit allem , was das Leben hat , auch mit Schmeicheleien und Liebkosungen . Und du bist geliebkost worden wie ein King-Charles-Hündchen mit einem blauen Band und einem Glöckchen daran . Und alles , was du getan hast , das hast du spielend getan . Ja , Melanie , spielend . Und nun willst du auch spielend entbehren lernen und denkst : es findet sich . Oder denkst auch wohl , es sei hübsch und apart , und schwärmst für die Poetenhütte , die Raum hat für ein glücklich liebend Paar , oder wenigstens haben soll . Ach , es liest sich erbaulich von dem blankgescheuerten Eßtisch und dem Maienbusch in jeder Ecke und von dem Zeisig , der sich das Futternäpfchen selber heranzieht . Und es ist schon richtig : die gemalte Dürftigkeit sieht geradesogut aus wie der gemalte Reichtum . Aber wenn es aufhört Bild und Vorstellung zu sein und wenn es Wirklichkeit und Regel wird , dann ist Armut ein bitteres Brot und Muß eine harte Nuß . « Es war umsonst . Sie schüttelte nur den Kopf , immer wieder , und sagte dann in jener einschmeichelnden Weise , der so schwer zu widerstehen war : » Nein , nein , du hast unrecht . Und es liegt alles anders , ganz anders . Ich hab einmal in einem Buche gelesen , und nicht in einem schlechten Buche , die Kinder , die Narren und die Poeten , die hätten immer recht . Vielleicht überhaupt , aber von ihrem Standpunkt aus ganz gewiß . Und ich bin eigentlich alles drei ' s , und daraus magst du schließen , wie sehr ich recht habe . Dreifach recht . Ich will spielend entbehren lernen , sagst du . Ja , Lieber , das will ich , das ist es , um was es sich handelt . Und du glaubst einfach , ich könn es nicht . Ich kann es aber , ich kann es ganz gewiß , so gewiß ich diesen Finger aufhebe , und ich will dir auch sagen , warum ich es kann . Den einen Grund hast du schon erraten : weil ich es mir so romantisch denke , so hübsch und apart . Gut , gut . Aber du hättest auch sagen können , weil ich andere Vorstellungen von Glück habe . Mir ist das Glück etwas anderes als ein Titel oder eine Kleiderpuppe . Hier ist es , oder nirgends . Und so dacht ich und fühlt ich immer , und so war ich immer , und so bin ich noch . Aber wenn es auch anders mit mir stünde , wenn ich auch an dem Flitter des Daseins hinge , so würd ich doch die Kraft haben , ihm zu entsagen . Ein Gefühl ist immer das herrschende , und seiner Liebe zuliebe kann man alles , alles . Wir Frauen wenigstens . Und ich gewiß . Ich habe so vieles freudig hingeopfert , und ich sollte nicht einen Teppich opfern können ! Oder einen Vertiko ! Ach , einen Vertiko ! « und sie lachte herzlich . » Entsinnst du dich noch , als du sagtest : Alles sei jetzt Enquête . Das war damals . Aber die Welt ist inzwischen fortgeschritten , und jetzt ist alles Vertiko ! « Er war nicht überzeugt , seine praktisch-patrizische Natur glaubte nicht an die Dauer solcher Erregungen , aber er sagte doch : » Es sei . Versuchen wir ' s. Also ein neues Leben , Melanie ! « » Ein neues Leben ! Und das erste ist , wir geben diese Wohnung auf und suchen uns eine bescheidenere Stelle . Mansarde klingt freilich anspruchslos genug , aber dieser Trumeau und diese Bronzen sind um so anspruchsvoller . Ich habe nichts gelernt , und das ist gut , denn wie die meisten , die nichts gelernt haben , weiß ich allerlei . Und mit Toussaint L ' Ouverture fangen wir an , nein , nein , mit Toussaint-Langenscheidt , und in acht Tagen oder doch spätestens in vier Wochen geb ich meine erste Stunde . Wozu bin ich eine Genferin ! Und nun sage : Willst du ? Glaubst du ? « » Ja . « » Topp . « Und sie schlug in seine Hand und zog ihn unter Lachen und Scherzen in das Nebenzimmer , wo das Vrenel in Abwesenheit des Dieners eben den Teetisch arrangiert hatte . Und sie hatten an diesem Unglückstage wieder einen ersten glücklichen Tag . Zweiundzwanzigstes Kapitel Versöhnt Und Melanie nahm es ernst mit jedem Worte , das sie gesagt hatte . Sie hatte dabei ganz ihre Frische wieder , und eh ein Monat um war , war die modern und elegant eingerichtete Wohnung gegen eine schlichtere vertauscht , und das Stundengeben hatte begonnen . Ihre Kenntnis des Französischen und beinahe mehr noch ihr glänzendes musikalisches , auch nach der technischen Seite hin vollkommen ausgebildetes Talent hatten es ihr leicht gemacht , eine Stellung zu gewinnen , und zwar in ein paar großen schlesischen Häusern , die gerade vornehm genug waren , den Tagesklatsch ignorieren zu können . Und bald sollte es sich herausstellen , wie nötig diese raschen und resoluten Schritte gewesen waren , denn der Zusammensturz erfolgte jäher als erwartet , und jede Form der Einschränkung erwies sich als geboten , wenn nicht mit der finanziellen Reputation des großen Hauses auch die bürgerliche verlorengehen sollte . Jede neue Nachricht , von Frankfurt her , bestätigte dies , und Rubehn , der anfangs nur allzu geneigt gewesen war , den Eifer Melanies für eine bloße Opfer-Caprice zu nehmen , sah sich alsbald gezwungen , ihrem Beispiele zu folgen . Er trat als amerikanischer Korrespondent in ein Bankhaus ein , zunächst mit nur geringem Gehalt , und war überrascht und glücklich zugleich , die berühmte Poetenweisheit von der » kleinsten Hütte « schließlich an sich selber in Erfüllung gehn zu sehn . Und nun folgten idyllische Wochen , und jeden neuen Morgen , wenn sie von der Wilmersdorfer Feldmark her am Rande des Tiergartens hin ihren Weg nahmen und an ihrer alten Wohnung vorüberkamen , sahen sie zu der eleganten Mansarde hinauf und atmeten freier , wenn sie der zurückliegenden schweren und sorgenreichen Tage gedachten . Und dann bogen sie plaudernd in die schmalen , schattigen Gänge des Parkes ein , bis sie zuletzt unter der schrägliegenden Hängeweide fort , die zwischen dem Königsdenkmal und der Louiseninsel steht und hier beinahe den Weg sperrt , in die breite Tiergartenstraße wieder einmündeten . Den schrägliegenden Baum aber nannten sie scherzhaft ihren Zoll- und Schlagbaum , weil sich dicht hinter demselben ein Leiermann postiert hatte , dem sie Tag um Tag ihren Wegezoll entrichten mußten . Er kannte sie schon , und während er die große Mehrheit , als wären es Steuerdefraudanten , mit einem zornig-verächtlichen Blicke verfolgte , zog er vor unsrem jungen Paare regelmäßig seine Militärmütze . Ganz aber konnt er sich auch ihnen gegenüber nicht zwingen und verleugnen , und als sie den schon Pflicht gewordenen Zoll eines Tages vergessen oder vielleicht auch absichtlich nicht entrichtet hatten , hörten sie , daß er die Kurbel in Wut und Heftigkeit noch dreimal drehte und dann so jäh und plötzlich abbrach , daß ihnen ein paar unfertige Töne wie Knurr- und Scheltworte nachklangen . Melanie sagte : » Wir dürfen es mit niemand verderben , Ruben ; Freundschaft ist heuer rar . « Und sie wandte sich wieder um und ging auf den Alten zu und gab ihm . Aber er dankte nicht , weil er noch immer in halber Empörung war . Und so verging der Sommer , und der Herbst kam , und als das Laub sich zu färben und an den Ahorn-und Platanenbäumen auch schon abzufallen begann , da hatte sich bei denen , die Tag um Tag unter diesen Bäumen hinschritten , manches geändert , und zwar zum Guten geändert . Wohl hieß es auch jetzt noch , wenn sie den alten Invaliden unter ihrerseits devotem Gruße passierten , » daß sie der neuen Freundschaften noch nicht sicher genug seien , um die bewährten alten aufgeben zu können « , aber diese neuen Freundschaften waren doch wenigstens in ihren Anfängen da . Man kümmerte sich wieder um sie , ließ sie gesellschaftlich wieder aufleben , und selbst solche , die bei dem Zusammenbrechen der Rubehnschen Finanzherrlichkeit nur Schadenfreude gehabt und je nach ihrer klassischen oder christlichen Bildung und Beanlagung von » Nemesis « oder » Finger Gottes « gesprochen hatten , bequemten sich jetzt , sich mit dem hübschen Paare zu versöhnen , » das so glücklich und so gescheit sei und nie klage und sich so liebe « . Ja , sich so liebe . Das war es , was doch schließlich den Ausschlag gab , und wenn vorher ihre Neigung nur Neid und Zweifel geweckt hatte , so schlug jetzt die Stimmung in ihr Gegenteil um . Und nicht zu verwundern ! War es doch ein und dasselbe Gefühl , was bei Verurteilung und Begnadigung zu Gerichte saß , und wenn es anfangs eine sensationelle Befriedigung gewährt hatte , sich in Indignation zu stürzen , so war es jetzt eine kaum geringere Freude , von den » Inséparables « sprechen und über ihre » treue Liebe « sentimentalisieren zu können . Eine kleine Zahl Esoterischer aber führte den ganzen Fall auf die Wahlverwandtschaften zurück und stellte wissenschaftlich fest , daß einfach seitens des stärkeren und deshalb berechtigteren Elements das schwächere verdrängt worden sei . Das Naturgesetzliche habe wieder mal gesiegt . Und hiermit sah sich denn auch der einen Winter lang auf den Schild gehobene van der Straaten abgefunden und teilte das Schicksal aller Saisonlieblinge , noch schneller vergessen als erhoben zu werden . Ja , der Spott und die Bosheit begannen jetzt ihre Pfeile gegen ihn zu richten , und wenn des Falles ausnahmsweise noch gedacht wurde , so hieß es : » Er hat es nicht anders gewollt . Wie kam er nur dazu ? Sie war siebzehn ! Allerdings , er soll einmal ein Lion gewesen sein . Nun gut . Aber wenn dem Löwen zu wohl wird ... « Und dann lachten sie und freuten sich , daß es so gekommen , wie es gekommen . Ob van der Straaten von diesen und ähnlichen Äußerungen hörte ? Vielleicht . Aber es bedeutete ihm nichts . Er hatte sich selbst zu skeptisch und unerbittlich durchforscht , als daß er über die Wandlungen in dem Geschmacke der Gesellschaft , über ihr Götzen-Schaffen und Götzen-Stürzen auch nur einen Augenblick erstaunt gewesen wäre . Und so durfte denn von ihm gesagt werden , » er hörte , was man sprach , auch wenn er es nicht hörte « . Weg über das Urteil der Menschen , galt ihm nur eines ebensowenig oder noch weniger : ihr Mitleid . Er war immer eine selbständige Natur gewesen , frei und fest , und so war er geblieben . Und auch derselbe geblieben in seiner Nachsicht und Milde . Und der Tag kam , wo sich ' s zeigen und auch Melanie davon erfahren sollte . Es war schon ausgangs Oktober , und nur wenig gelbes und rotes Laub hing noch an den halb kahl gewordenen Bäumen . Das meiste lag abgeweht in den Gängen und wurde , wo ' s trocken war , zusammengeharkt , denn seit gestern hatte sich das Wetter wieder geändert , und nach langen Sturm- und Regentagen schien eine wundervolle Herbstessonne . Vielleicht die letzte dieses Jahres . Und auch Aninettchen wurde hinausgeschickt und blieb heute länger fort als erwartet , bis endlich um die vierte Stunde die Magd in großer Aufregung heimkam und in ihrem schweren Schweizerdeutsch über ein eben gehabtes Erlebnis berichtete : » Sie hab auf der Bank g ' sesse , wo die vier Löwe das Brückle halte , und hätt ebe g ' sagt : Sieh , Aninettle , des isch der alt Weibersommer , der will di einspinne , aber der hat di no lang nit , und das Aninettl hab grad g ' juchzt un lacht un na ' m Ohrring g ' langt , do wäre zwei Herre über die Brück komme , so gute funfzig , aber schon auf der Wipp , und einer hätt g ' sagt , e langer Spindelbein : Schau des Silberkettle ; des isch e Schweizerin ; un i wett , des isch e Kind vom Schweizer G ' sandte . Aber do hat der andre g ' sagt : Nei , des kann nit sein ; den Schweizer G ' sandte , den kenn i , un der hat kein Kind un kein Kegel ... Un do hat er z ' mir g ' sagt : Ah nu , wem g ' hört das Kind ? Un da hab i g ' sagt : Dem Herr Rubehn , un ' s isch e Mädle un heißt Aninettl . Un do hab i g ' sehn , daß er sich verfärbt hat und hat wegg ' schaut . Aber nit lang , da hat er sich wieder umg ' wandt und hat g ' sagt : ' s isch d ' Mutter , und lacht auch so , un hat dieselbe schwarze Haar . Es isch e schön ' s Kindle . Findscht nit au ? Aber er hat ' s nit finde wolle und hat nur g ' sagt : Übertax ' es nit . Es gibt mehr so . Un ' s ischt e Kind aus ' m Dutzend . Jo , so hat er g ' sagt , der garstige Spindelbein : ' s gibt mehr so , un ' s ischt e Kind aus ' m Dutzend . Aber der gute Herre , der hat ' s Pätschle g ' nomme un hat ' s g ' streichelt . Un hat mi g ' lobt , deß i so brav un g ' scheidt sei . Jo , so hat er g ' sagt . Und dann sind sie gange . « All das hatte seines Eindrucks nicht verfehlt , und Melanie war während der Tage , die folgten , immer wieder auf diese Begegnung zurückgekommen . Immer wieder und wieder hatte die Vreni jedes Kleinste nennen und beschreiben müssen , und so war es durch Wochen hin geblieben , bis endlich in den großen und kleinen Vorbereitungen zum Feste der ganze Vorfall vergessen worden war . Und nun war das Fest selber da , der Heilige Abend , zu dem auch diesmal Rubehns jüngerer Bruder und der alte Prokurist , die sich zur Rückkehr nach Frankfurt nicht hatten entschließen können , geladen waren . Auch Anastasia . Melanie , die noch , vor Eintreffen ihres Besuchs , allerlei Wirtschaftliches anzuordnen hatte , war ganz Aufregung und erschrak ordentlich , als sie gleich nach Dunkelwerden und lange vor der festgesetzten Stunde die Klingel gehen hörte . Wenn das schon die Gäste wären ! Oder auch nur einer von ihnen . Aber ihre Besorgnis währte nicht lange , denn sie hörte draußen ein Fragen und Parlamentieren , und gleich darauf erschien das Vrenel und trug eine mittelgroße Kiste herein , auf der , ohne weitere Adresse , bloß das eine Wort » Julklapp « zu lesen war . » Ist es denn für uns , Vreni ? « fragte Melanie . » I denk schon . I hab ihm g ' sagt : ' s isch der Herr Rubehn , der hier wohnt . Un die Frau Rubehn . Un do hat er g ' sagt : ' s isch schon recht ; des isch der Nam ' . Un do hab i ' s g ' nomme . « Melanie schüttelte den Kopf und ging in Rubehns Stube , wo man sich nun gemeinschaftlich an das Öffnen der Kiste machte . Nichts fehlte von den gewöhnlichen Julklappszutaten , und erst als man , unten am Boden , eines großen Gravensteiner Apfels gewahr wurde , sagte Melanie : » Gib acht . Hierin steckt es . « Aber es ließ sich nichts erkennen , und schon wollte sie den Gravensteiner , wie alles andere , beiseite legen , als sich durch eine zufällige Bewegung ihrer Hand die geschickt zusammengepaßten Hälften des Apfels auseinanderschoben . » Ah , voilà . « Und wirklich , an Stelle des Kernhauses , das herausgeschnitten war , lag ein in Seidenpapier gewickeltes Päckchen . Sie nahm es , entfernte langsam und erwartungsvoll eine Hülle nach der andern und hielt zuletzt ein kleines Medaillon in Händen , einfach , ohne Prunk und Zierat . Und nun drückte sie ' s an der Feder auf und sah ein Bildchen und erkannt es , und es entfiel ihrer Hand . Es war , en miniature , der Tintoretto , den sie damals so lachend und übermütig betrachtet und für dessen Hauptfigur sie nur die Worte gehabt hatte : » Sieh , Ezel , sie hat geweint . Aber ist es nicht , als begriffe sie kaum ihre Schuld ? « Ach , sie fühlte jetzt , daß das alles auch für sie selbst gesprochen war , und sie nahm das ihrer Hand entfallene Bildchen wieder auf und gab es an Rubehn und errötete . Dieser spielte damit hin und her und sagte dann , während er die Feder wieder zuknipste : » King Ezel in all his glories ! Immer derselbe . Wohlwollend und ungeschickt . Ich werd es tragen . Als Uhrgehäng , als Berloque . « » Nein , ich . Ach , du weißt nicht , wieviel es mir bedeutet . Und es soll mich erinnern und mahnen ... jede Stunde ... « » Meinetwegen . Aber nimm es nicht tragischer als nötig und grüble nicht zuviel über das alte leidige Thema von Schuld und Sühne . « » Du bist hochmütig , Ruben . « » Nein . « » Nun gut . Dann bist du stolz . « » Ja , das bin ich , meine süße Melanie . Das bin ich . Aber auf was ? Auf wen ? « Und sie umarmten sich und küßten sich , und eine Stunde später brannten ihnen die Weihnachtslichter in einem ungetrübten Glanz .