seiner Hütte einen jungen Baum , und in diesen schnitt er zwei tiefe Kerben , um zu wissen und täglich festzustellen , wie lange Zeit er auf der Insel zugebracht hatte . Einen anderen als diesen von Robinson Crusoe erfundenen Kalender besaß er ja nicht , aber es ging auch mit den Kerben ganz gut . Während der Nacht fiel ein starker Regen , der Robert zwang , sich vor allem einen größeren Vorrat Brennholz ins Trockene zu bringen . Er sammelte alle Splitter der gestrigen Zimmerarbeit und holte aus dem Innern der dichten , undurchdringlichen Gebüsche mit seiner Axt das trockene Holz hervor . Nachdem er auf diese Weise einen hübschen Vorrat unter das Felsendach gebracht hatte , baute er daneben die Küche oder vielmehr den Herd aus Steinen und Felstrümmern , die am Ufer reichlich vorhanden waren . Der Bach gab köstliches frisches Wasser ; Bananen und Ananas wucherten überall , er brauchte daher lange Zeit für seinen Unterhalt keine Sorge zu tragen . Er verschob es auf den folgenden Tag , die kostbaren Seidenstoffe und Teppiche des Kapitäns wieder zu verpacken , und stapelte fürs erste nur die Kisten mit Wein und Champagner draußen vor der Höhle übereinander , da ja diese durch den Regen nicht verdorben werden konnten . Dann traf er die Vorbereitungen zu seinem beabsichtigten größeren Ausflug um die Insel . Schwere , bis an die Knie reichende Seestiefel hatten die Matrosen für alle Fälle mit hierhergebracht , aber er besaß nichts , was einer Tasche oder einem Korb auch nur im mindesten ähnlich gesehen hätte . Seinen Mundvorrat mußte er daher in ein Bündel knoten und auf dem Rücken tragen . Er steckte eine Pistole in die Brusttasche , ein kleines Handbeil in den Gürtel und schnitt sich aus dem Gebüsch einen tüchtigen Knüppel . So ausgerüstet trat er seine Entdeckungsreise an , diesmal nach der entgegengesetzten Seite der Insel . Er fand , daß das Unterholz dichter und dichter , der Pflanzenwuchs immer üppiger wurde , je weiter er sich vom Strand entfernte . Die Landschaft stand im reichen Schmuck tropischer Schönheit , während eine Unzahl von buntgefiederten Singvögeln oft so traulich nahe herankam , daß Robert glaubte , die Tierchen mit der Hand greifen zu können . Er bezeichnete rechts und links durch tüchtige Hiebe seinen Weg und fühlte regelrecht ein Verlangen nach einem kleinen Abenteuer . Die Pflanzen , die er sah , interessierten ihn alle sehr , da er ja aus dem Schulunterricht ihre Merkmale genau kannte und wußte , daß diese breitblätterige , zu Tausenden den Boden bedeckende Staude der Tabak sei , daß dort die Indigopflanze blühte und dort der Kakao . Er pflückte die reifen Orangen vom Baum , bewunderte die Schoten des grünen Kaffees und machte endlich bei einer besonders schönen Stelle Halt , um zu rasten und etwas Schiffszwieback zu essen . War er nicht in diesem Augenblick ein zweiter Christoph Kolumbus , der ja Kuba vor Zeiten entdeckte und mit seiner widerstrebenden Mannschaft durchforschte ? - Wie schnell sich doch im Menschenleben die Verhältnisse ändern ! Vor kaum vier Monaten noch in dem kleinen , unbekannten Pinneberg ein kleiner , unbekannter Schneiderlehrling , und nun ein Ansiedler auf dem klassischen Boden , der einst Kolumbus ' Namen unsterblich gemacht hatte . Roberts Herz schlug höher . Wie oft hatte er sich in die Lage seines Lieblingshelden so lebhaft hineingedacht , daß er Schritt um Schritt seinen Entdeckungszügen folgte und träumend alles miterlebte . Jetzt stand er auf dem Fleck Erde , den Kolumbus betreten hatte , jetzt endlich blühte um ihn herum die südliche Pracht der Tropen , wohin er sich in Gedanken so oft gewünscht hatte . In fast heiterer Stimmung setzte er seinen Weg fort . Was jetzt den Boden bedeckte , war Zuckerrohr , und daher schien einige Vorsicht geboten . In der Nähe dieser Pflanze , die auf ganz trockenen Feldern nicht so leicht wild wächst , befindet sich meistens ein Sumpf , ein stehendes oder verschlammtes Gewässer , und diese Bayous , wie sie der Amerikaner nennt , beherbergen Krokodile . Robert wußte , daß auf den Antillen das Orinokokrokodil zu Hause ist , und daß es in der Umgebung seines sumpfigen Aufenthaltes kleine Streifzüge zu machen liebt , - denen nicht selten sogar Menschen und größere Tiere zum Opfer fallen ; er ging daher Schritt um Schritt weiter und suchte erst einmal das Wasser , das er in nächster Nähe vermutete . Wirklich sollte ihn seine Erwartung nicht täuschen . Zu seiner Rechten dehnte sich ein schwarzer , mit Schlamm und Moos eingefaßter See , dessen Oberfläche träge im Sonnenschein dalag und grünlich überzogen , von Wasserpflanzen bedeckt , einen widerwärtigen Modergeruch ausströmte . Frösche quakten in der Tiefe der überhängenden Dickichte , kleine Schlangen glitten wie blitzende Streifen durch das Moos , und die lästigen Moskitos waren hier zahlreicher als an irgendeinem anderen Punkt der Insel . Robert ging weiter , jetzt am Rand des verschlammten Sees entlang und prüfte sorgfältig die Umgebung . Nur ab und zu stand zwischen den Stämmen des Zuckerrohrs ein einzelner Baum , sonst war die Gegend flach , wenn auch nicht weniger schön als der Wald . Es blühte in allen Farben , besonders am Rand des Sumpfes , wo purpurne Blüten an langen Ranken auf dem Boden dahinkrochen und zu dem eintönigen Grau des trockenen Schlammes einen lebhaften Gegensatz bildeten . Auch Wasservögel schienen hier ihre Heimat zu haben ; wenigstens sah Robert einige ganz junge , wollige Tierchen durch das Gewirr von Pflanzenresten , dürrem Reisig und lebenden Gewächsen dahinschlüpfen . Er ließ sich leise auf die Knie nieder . Wie schön wäre es , in der Höhle einen kleinen Kameraden zu besitzen , ein Vögelchen , das nach und nach zahm wurde , aus seiner Hand fraß und auf seine Stimme hörte . Er konnte ihm aus einer der Kisten ein Wohnhäuschen herstellen , konnte es täglich mit Würmern und Brotkrumen füttern . Dieser Wunsch beherrschte ihn vollständig . Er beugte sich über den Rand des Sumpfes und streckte behutsam die Hand aus ... In diesem Augenblick ertönte hinter ihm ein zischender Laut , halb ein Schnaufen , halb wie das Schnarchen eines schlafenden Hundes . Die Büsche krachten leise . Robert fuhr auf , als habe ihn ein Schuß getroffen . Er drehte sich gedankenschnell nach der Stelle , von wo der Laut gekommen war - - Hinter ihm , kaum zwei Schritte weit entfernt , lag zwischen den Zuckerrohrpflanzen ein Krokodil von etwa drei Meter Länge mit aufgesperrtem Rachen , dessen Häßlichkeit noch durch die kleinen , raublustigen Augen mit ihren drei übereinander liegenden Lidern bedeutend verstärkt wurde . Das Tier schoß im gleichen Moment vorwärts , als Robert , dessen Geistesgegenwart ihn die Gefahr der Lage vollständig überblicken ließ , einen Seitensprung machte . Er wußte , daß die Krokodile an Land feige und unbeholfen sind , und daß sie sich mit ihrem kurzen Hals nur sehr schwer drehen können , aber dennoch blieb immerhin seine Lage bedenklich genug , da ihn zur Rechten der Sumpf am Rückzug hinderte , und zur Linken das dichtstehende Zuckerrohr . Ohne die Blicke von seinem greulichen Feind zu wenden , arbeitete er sich rückwärts in das Gebüsch hinein , unwillkürlich seinen Knüppel zum Schutz vorstreckend , wobei ihm Hände und Kleidung nicht wenig zerfetzt wurden . Das Tier folgte ihm , so schnell es seine kurzen Beine erlaubten . Auf freiem Gelände wäre es Robert ein Leichtes gewesen , sich der Gefahr zu entziehen , ebenso hätte er auch schießen können , wenn nur die Pistole nicht vorher erst hätte geladen werden müssen ; dazu aber blieb ihm keine Zeit . Solange seine Kräfte vorhielten , ging alles gut , als jedoch die Stämme des Zuckerrohrs anfingen , höher und umfangreicher zu werden , als sie seinen Schultern stärkeren Widerstand entgegensetzten , begann sich die Entfernung zwischen ihm und dem Krokodil langsam zu verringern . Er fühlte , wie ihm der Schweiß ausbrach und wie ihm die Füße den Dienst zu versagen drohten . Hätte er nur einen Baum erreichen können ! Etwas Schiffszwieback und Fleisch besaß er noch , auch die Pistole , um das Tier zu erschrecken , - er mußte also vielleicht die Nacht in den Zweigen des Baumes verbringen und das Krokodil aushungern , indem er es zwang , andere Beute zu suchen . Aber noch war kein rettender Stamm in der Nähe - - Es begann vor seinen Augen zu kreisen , und die Umrisse wurden verschwommener . Seine Schläfen klopften , und in seinen Ohren klang es wie das Brausen des Meeres - - Das Schnaufen des Raubtieres erklang in unmittelbarer Nähe , er sah kaum noch deutlich , was um ihn herum vorging , da - stieß er plötzlich mit dem Rücken gegen einen Baumstamm und jauchzte laut auf vor Freude . Den Stock , den er immer noch festgehalten hatte , unter Aufbietung seiner letzten Kräfte dem Untier in den geöffneten Rachen schleudernd , flog er blitzschnell in die Zweige des Mango hinauf . Es war zum Glück ein uralter Baum , dessen Äste bis tief zum Boden herabreichten und die nötige Stärke besaßen , um ihn tragen zu können . Seine Hände bluteten , sein Zeug hing in Fetzen herab , und seine Mütze lag unten zwischen dem Zuckerrohr , aber er selbst war vorläufig in Sicherheit . Mit beiden Armen umklammerte er den Stamm , schloß die Augen und ließ seine Brust wieder zu ruhigem Atmen zurückkehren . Eine Frucht des Mangobaumes , die unmittelbar in der Nähe hing und deren Saft er begierig einsog , brachte ihm einige Abkühlung . Er trocknete sich die Stirn und blickte hinab . Das Krokodil lag neben dem Baum . Robert öffnete die Jacke und ließ den Wind unter das schweißdurchnäßte Wollhemd dringen , er glaubte fast ersticken zu müssen , obgleich jetzt die größte Gefahr vorüber war . Das Krokodil blieb vielleicht zufällig in der Nähe , doch jagte es nicht mit Überlegung , wie andere , an Land lebende Raubtiere , sondern zog sich in seinen Sumpf zurück , wenn es das Opfer nicht mehr sah . Wenigstens glaubte sich Robert zu erinnern , es so gehört zu haben , daher hoffte er , daß sich der schwerfällige Feind jetzt nach kurzer Rast auf die Beine machen werde . Von oben herab zu schießen wäre völlig nutzlos gewesen , da eine Kugel an dem Panzer des Tieres abprallen würde wie an glattem Stahl . Nur wenn der Schuß in das Auge traf , konnte er töten . Viertelstunde auf Viertelstunde verrann , die riesige Eidechse rührte sich nicht vom Fleck . Robert fühlte , daß die knorrigen Äste des Baumes keineswegs ein angenehmes Ruhekissen waren , und daß seine Glieder anfingen zu schmerzen . Er zog die Pistole hervor , lud sie und drückte ab , dem Feind gerade auf den Rücken , aber ebensogut hätte er ein paar Blätter hinunterwerfen können . Das Tier nahm von dem Knall und von der Kugel durchaus keine Notiz . Robert begann zu klettern , um wenigstens nicht fortwährend von den Baumzweigen gedrückt zu werden . Er schwang sich in die höchste erreichbare Spitze und bombardierte das Tier mit einer wahren Flut von harten , halbreifen Früchten , die er ihm alle geschickt auf den Kopf warf , aber ohne die erhoffte Wirkung zu erzielen . Das Krokodil beachtete ihn beharrlich nicht . Robert mußte sich mit dem Gedanken , hier für die Nacht Quartier zu nehmen , endlich wohl oder übel befreunden . Nur mit dem Schlafen sah es übel aus , da er nichts besaß , um sich festzubinden . Aber diese Nacht konnte ja nicht ewig dauern . Er zog seinen Mundvorrat aus dem Tuch hervor und fand den Zwieback zu Pulver zerrieben , das Fleisch aber plattgedrückt wie einen Pfannkuchen . Jetzt mußte er doch lachen . Seine Berührung mit den Stämmen des Zuckerrohrs hatte die Verwüstung angerichtet . Er aß die größten Brocken und das Beste vom Fleisch und schüttete dann den Rest auf die Schnauze des Belagerers . Der schien zu schlafen , er rührte kein Glied . Und so kam die Nacht heran . Robert nahm das Tuch , in dem er den Mundvorrat getragen hatte , und prüfte die Stärke . Dann band er wenigstens einen Arm an den nächsten Zweig , um zumindest rechtzeitig geweckt zu werden , wenn er dennoch einschlafen und vielleicht fallen sollte . So erwartete er die Nacht . Regenwolken verdeckten den Mond , Finsternis hüllte alles in ihre undurchdringlichen Schatten , nur die Stimmen der Natur klangen zuweilen aus dem schweigenden Wald herüber . Ein Klatschen des Wassers , ein vorüberhuschender Vogel , ein Knistern und Brechen im Unterholz oder gar ein leichter , schnell erstickter Angstschrei , das war alles , was Robert hörte . Er dachte an Pinneberg , an die Eltern und an Mohr , seinen lieben alten Freund , dessen Grab er morgen gleich besuchen wollte . Das Geld , das der sonderbare Mann während eines halben Menschenlebens zusammengespart und ihm vermacht hatte , war mit allem übrigen von den Räubern gestohlen worden , Robert konnte also nicht mehr daran denken , nach Hause zu reisen und sich mit den Eltern zu versöhnen . Sollte er als Bettler , ohne einen Groschen oder irgendetwas , das ihm gehörte , wieder in das Vaterhaus zurückkehren und bitten : Nehmt mich auf , ich bin hungrig und bitte euch um etwas zu essen ? Nein , dagegen sträubte sich sein Stolz . Er wollte vom nächsten Hafen aus einen langen Brief schreiben , wollte alles erzählen , was er erlebt hatte , besonders diese letzte Gefangenschaft auf der einsamen Insel und den Verlust des Geldes , - damit mußten sich die Eltern vor der Hand begnügen . Er dachte so lebhaft an die Heimat , an das kleine niedere Wohnzimmer und die sauberen Möbel , daß er fast glaubte , alle diese Dinge vor sich zu sehen . War es das Rauschen des Regens oder sprach dort seine alte Mutter zu ihm ? Ja gewiß , sie tröstete ihn , sie legte die Hand auf seine Stirn und flüsterte Worte voll Liebe . Es wunderte ihn , daß sie so plötzlich hier auf der entlegenen Insel bei ihm stand , er begriff nicht , wie sie den Räubern entgangen war und daß ihr das Krokodil kein Leid getan hatte . » Mutter « , sagte er leise , » der Vater irrt sich , wenn er meint , daß ich euch nicht lieb habe , gewiß , er irrt sich . Aber ich wollte ja so gern hinaus in die weite Welt - - das war es . « Und in den Blättern spielte der Wind , rauschte der Regen - - Die Sonne schien hell und lachend auf sein erstauntes Gesicht herab , als Robert am folgenden Morgen erwachte . Er blickte um sich , steif am ganzen Körper vor Schmerz , aber neugestärkt durch den festen , gesunden Schlaf von wenigstens fünf Stunden . Wie der Blitz durchzuckte ihn die Erinnerung an das letzte Erlebnis des Vortages , er sah durch die Zweige herab auf den Boden und prüfte sorgfältig die Umgebung . Das Krokodil war verschwunden . Er atmete tief auf . Jetzt mußte er den günstigen Moment benutzen und schleunigst Fersengeld geben , bevor der Feind möglicherweise zurückkam . Er bewohnte höchstwahrscheinlich den Sumpf zur Linken und konnte sich zu einem Morgenspaziergang veranlaßt fühlen , also mußte Robert auf seiner Hut bleiben . Er kletterte unter grimmigen Schmerzen herab und machte etwa zwei Meter über dem Erdboden auf einigen stärkeren Ästen Halt , um erst die Pistole zu laden . Pulver und Blei hatte er vorsichtigerweise durch eine Blechkapsel vor Feuchtigkeit geschützt und auch um den Revolver sein Taschentuch gebunden . Beides war in bester Ordnung , daher konnte er es getrost wagen , mit gespanntem Hahn den Rückweg aus der Umgebung des Sumpfes anzutreten . Schritt für Schritt drang er , nachdem er seine durchnäßte Mütze wiedergefunden hatte , durch das gestern niedergetretene Dickicht vor und kam bis an die Stelle , wo er den kleinen Vogel hatte greifen wollen . Das Ufer war hier sehr breit und senkte sich nur ganz allmählich bis zum Wasser herab . Von der Vogelfamilie sah Robert keine Spur , auch die Ranken schienen an mehreren Punkten gewaltsam zerrissen , und eine tiefe Erdfurche ging von oben bis an den grünschillernden Tümpel herab . Das Krokodil war also an dieser Stelle ins Wasser gekrochen . Robert faßte die Waffe fester . Jetzt hatte er vier Schüsse und konnte das Ungeheuer an sich herankommen lassen . Als er etwa zehn Schritte gegangen war , bewegten sich vor ihm auf halber Höhe des Ufers die sonnenverbrannten Halme , und raubgierige Augen starrten ihm entgegen . Das Krokodil lag in der Sonne und dehnte die schuppigen Glieder . Es mochte in diesem Augenblick nicht aufgelegt sein , sich zu erheben und nach Beute zu spähen , - nur die Augen glitzerten mordlustig , und die Kinnladen bewegten sich leise . Robert zögerte nicht lange . Er zielte auf die Augen des Tieres und tötete es fast auf der Stelle . Der Körper zuckte noch einige Male , der Schwanz schlug in die Luft , und die lippenlosen Kiefer bewegten sich im letzten Kampf , dann waren die Augen gebrochen . Ein Gefühl des Stolzes durchzog Roberts Brust . Da lag das riesige Tier , von ihm getötet , - er hatte ein Krokodil erlegt ! Wie schade , daß sich die Trophäe nicht aufbewahren ließ . Aber so gern er auch den Rückenpanzer abgelöst und mitgenommen hätte , davon mußte er doch absehen . Nachdem ihn ein Schlag mit dem Beil auf die Schnauze überzeugt hatte , daß das Tier tot sei , wagte er sich näher heran und besah den Körper . Der Panzer aus gekielten Schildern war hart wie Eisen , so hart , daß Robert auch nicht die geringste Spur seiner ersten Pistolenkugel finden konnte . Die Zunge fand er , nachdem er mit dem Beil das Maul geöffnet hatte , ihrer ganzen Länge nach festgewachsen , Ohren und Nasenlöcher hatten verschließbare Klappen . Am Unterkiefer saßen Drüsen , die einen durchdringenden , moschusartigen Geruch ausströmten . Robert trennte sich nur ungern von der Hoffnung , irgendein Andenken mit nach Hause nehmen zu können , aber er mußte doch endlich den Gedanken aufgeben und den Weg zu seiner Niederlassung antreten . Nachdem er noch einen ziemlich großen Vogel erlegt hatte , kehrte er durch das taufrische , köstlich duftende Holz ohne Zwischenfälle zu seiner Behausung zurück . Aber wie war sein Anzug zerfetzt und zerrissen , wieviel Flecke hatte er bekommen ! Robert seufzte , als er sich auf sein Lager streckte und jedes Stück einzeln untersuchte . Endlich schüttelte er den Kopf . Auch wenn er Nadel und Faden gehabt hätte , so wäre hier alle Schneiderkunst vergeblich gewesen , aber dennoch mußte er der Moskitos wegen heiles Zeug haben . Zwar befand sich genug Segeltuch unter den mitgebrachten Sachen , aber keine Schere , keine Nähnadel und kein Zwirn . Er begann seufzend den geschossenen Vogel zu rupfen , nahm ihn aus und briet ihn mit einigen Speckschnitten im Kochkessel . Dann kochte er Kartoffeln , pflückte sich einige Ananas und tafelte im Freien vor seinem hölzernen Palast wie ein König . Das Jagdglück von heute morgen , die kräftige Mahlzeit und die weite Wanderung hatten ihn in gute Stimmung versetzt , die nur durch den Gedanken an Jacke und Hose einigermaßen getrübt wurde . Wenn das seine Mutter gesehen hätte , sie , bei der alles vor Sauberkeit glänzte ! Er mußte lächeln , als er das dachte . Waschen ließ sich auch nichts , da er keine Seife hatte . Kopfschüttelnd räumte er die Überbleibsel der Mahlzeit fort und machte sich dann daran , eine Angel herzustellen . Haken und Schnüre besaß er glücklicherweise , es fehlte also nur der Stock , und den lieferte das nächste Gebüsch in jeder Größe . Robert befestigte sein neues Jagdgerät , nachdem er die Angelschnur mit einem tüchtigen Stück Pökelfleisch daran ins Wasser geworfen hatte , an einem Baum und holte nun nach , was durch die unfreiwillige Abwesenheit von seinem Haus inzwischen versäumt worden war . Er schnitt in den Palmstamm die dritte Kerbe , legte frisches Pökelfleisch ins Wasser , bedeckte die Tonne mit neugepflückten Zweigen und räumte die Seidenwaren in ihre Kisten . Jetzt hatte er alles geordnet , sogar sein Schlafzimmer von Unkraut und Gras gereinigt und mit einem ausgespannten Segeltuch ein Sonnendach errichtet . Zufrieden blickte er um sich . » Ich kann nun die meisten Stunden des Tages am Strand zubringen « , dachte er , » und das ist für mich die Hauptsache . « Als alle Arbeiten des kleinen Hausstandes besorgt waren , sah er nach seiner Angel . Es hatte noch kein Fisch angebissen , daher konnte Robert fürs erste ein wenig ausruhen . Wenn nur die lästigen Moskitos nicht gewesen wären ! Sie drangen überall unter die zerrissenen Kleider und setzten sich frech auf sein Gesicht . Aber das war noch erträglich ; nur daß er so zerlumpt und mit Flecken übersäet herumlaufen mußte , ärgerte ihn sehr . Eine Nähnadel ! - Ein Königreich für eine Nähnadel ! Und dann fiel ihm Georgs Schelmenlied wieder ein : » Es tranken ihrer neunzig , ja neunmalneunundneunzig aus einem Fingerhut . « - Wie hatte ihn Georg betrogen , wie hatte er seine Arglosigkeit benutzt , um ihn in die Falle zu locken . Noch glaubte er zu hören , was der Matrose vom » Blitz « damals sagte : » Das ist ein Galgengesicht , und du solltest dich von ihm fernhalten , mein Junge ! « - Er seufzte und ließ sich dabei von den Moskitos so lange stechen , bis er aussah , als hätte seine Haut soeben das Scharlachfieber überstanden . Die kleinen Insekten bissen ihm das Sprichwort : » Wer nicht hören will , der muß fühlen « heute recht empfindlich ins Gedächtnis ein . Er wollte gerade aufstehen und eine Handvoll grüner Blätter zerdrücken , um sich mit ihrem Saft einzureiben , als plötzlich die Angelschnur in Bewegung geriet und unter dem Wasser verschwand . Robert sprang sofort auf . Vorsichtig zog er einen Fisch von wenigstens fünf Pfund ans Land und freute sich königlich über die gelungene Jagd . Den wollte er heute abend essen und dann von allen möglichen Resten der letzten Mahlzeiten einmal wieder Labskaus braten . Wenn nur Licht da wäre , wenn die Matrosen nur an ein einziges Faß Öl gedacht hätten , - aber da mußte er alle Hoffnung aufgeben . Sobald die Sonne unterging , hieß es wie bei den Hühnern : » zu Bett ! « Er schuppte den Fisch , nahm ihn aus und legte die Stücke , wie er es von seiner Mutter oft gesehen hatte , in Salzwasser , dann ging er , um am Strand nach einem Schiff auszuschauen . Die nach Havanna gehenden Fahrzeuge konnten zwar unmöglich hierher kommen , aber doch vielleicht ein Fischerboot , ein Schiff , das kreuzen mußte , das Wasser einnehmen wollte oder vielleicht ein Zollschiff , wenn es überhaupt eins gab . Er nahm die Pistole wieder mit sich , ebenso eine Decke , und ging zum Strand , um einen vollständigen Ausguck einzurichten . Vorher aber besuchte er das Grab seines alten Freundes , den einzigen Ort , der ihm auf dieser Insel teuer war . Die Mooshalme hatten sich wieder aufgerichtet und in der gelockerten Erde neue Wurzeln geschlagen . Noch wenige Tage , dann überspannte das grüne Netz wie vorher den Boden , und kein Auge sah , daß hier ein Mensch die letzte Ruhe gefunden hatte . Robert brach eine purpurne Kaktusblüte vom Stiel und legte sie auf die Stelle , die das Gesicht des Alten bedeckte , dann ging er fort , um seine kleine Seewarte einzurichten . - Die Palmen am Ufer waren höher als die Mangobäume . Robert , als geübter Turner und erfahrener Kletterer , schwang sich mit Leichtigkeit bis in die Krone der schlanken Stämme hinauf , aber er mußte dann Hände und Füße gebrauchen , um sich festzuhalten , und konnte auch das nur für kürzere Zeit . Der astreiche Mango dagegen bot in seinem dichten Laubwerk einen bequemen Sitz , weshalb Robert nach längerer Überlegung beschloß , hier Posten zu fassen . Er hieb mit seinem Messer in die Zweige und Blätter eine größere Lücke hinein , so daß der Blick auf das Meer vollständig frei wurde , und suchte dann einen Platz zum Sitzen , den er auf allen Seiten säuberte . Hier konnten ihn die Sonnenstrahlen nicht erreichen , hier konnte er sich frei bewegen und weithin nach rechts und links Umschau halten , während er außerdem in den höher gelegenen Zweigen leicht ein Versteck fand , sobald es etwa der Piraten wegen erforderlich werden sollte . Hier saß Robert nun mit einer Flagge , die er sich aus einer Stange und einem Segel gemacht hatte . Die abgehauenen Zweige und Blätter warf er sorgfältig ins Meer , um von seiner Arbeit keinerlei Spur zurückzulassen , dann badete er am Strand , wo ihn salziger Schaum wie ein Sturzbad überflutete . Schon der bloße Anblick des Meeres , der frische Hauch , den es ausströmte , belebten und kräftigten seinen Mut . Er wünschte trotz aller Gefahr nichts sehnlicher , als daß die Hütte näher am Ufer läge , damit er die See täglich und stündlich vor Augen hätte . Wohl zehnmal sprang er wieder zurück in die klaren , durchsichtigen Wellen oder schwamm eine Strecke weit hinaus und ließ sich auf dem Rücken treiben , bis die Sonne unterging . Noch ein letzter Blick aus der Höhe des Mangobaumes nach allen Richtungen , noch das mitgebrachte Notzeichen oben in den Zweigen versteckt , und dann ging es heimwärts durch den grünen Wald . Der Himmel glühte und die Sonnenscheibe hatte sich mit grauen Wolkenschleiern umhüllt . Einzelne Windstöße fuhren durch den Wald , allmählich verstummte der Gesang der Vögel , und schwere Tropfen fielen in Pausen geräuschvoll auf die Blätter . Robert beeilte sich , noch vor Ausbruch des Gewitters seinen Fisch zu kochen und die übriggebliebenen Kartoffeln in Speck zu braten . Er hatte kaum die Geräte vom Feuer genommen , als das Unwetter mit aller Kraft losbrach . Sturm und Donner heulten um die Wette , der Regen schlug klatschend auf das Laubwerk herab , und rote , zuckende Blitze erhellten die Umgebung . Robert glaubte nie vorher ein Gewitter erlebt zu haben , so sehr überstieg das , was er sah und hörte , alles bisher Gekannte . Ein Schauer von unreifen Früchten hagelte ins Gras , krachend stürzten ganze Bäume , und hier und da schlug der Blitz in besonders hohe Stämme , die dann bis zur Erde herab zersplitterten . Robert aß rasch seine Mahlzeit und wollte sich in den Schutz der Höhle zurückziehen , da - als er die Tür öffnete - schwamm ihm das Moos seines Lagers entgegen , während die Decken , triefend vor Nässe , im Winkel lagen . Einen Augenblick lang stand Robert starr vor Entsetzen . Wenn das Salz und die Zündhölzer vom Wasser vernichtet worden waren ! - - Über seine Stiefel lief der Strom ins Freie , bis endlich nur noch etwas Schlamm in der Höhle zurückblieb . Robert stand noch immer unbeweglich , von diesem neuen Schlag wie betäubt . Erst langsam erholte er sich und kroch hinein , um die gefährdeten Gegenstände untersuchen zu können . Zum Glück waren bis in diesen versteckten Winkel die Regenfluten nicht gedrungen , - er fand seine kostbarsten Güter unversehrt . Für ihn selbst blieb freilich nur ein Ausweg , nämlich der , au mehreren leeren Kisten ohne Decken oder irgendeinen Schutz die Nacht zu verbringen . Aber das sollte ihm nicht wieder passieren . Die ganze Wetterseite der Wohnung mußte durch einen starken Erdwall vor dem Eindringen des Regens geschützt werden , und schon mit Tagesanbruch wollte er diese neue Arbeit beginnen . Bis auf die Haut durchnäßt streckte er sich zum Schlafen aus . Draußen tobte noch der Donner , zischten die Blitze ; sprühende Schauer von kalten Tropfen drangen in die Höhle hinein . Der Sturm schwoll zum wahren Orkan , dessen Stöße wie tiefe Orgelklänge bald brausend und gewaltig , bald langgezogen und klagend die Luft zerrissen . Ein schlecht befestigtes Brett wurde von der Gewalt des Windes herausgerissen , mit wütendem Anprall fuhr der nächste Stoß in die Hütte hinein und brachte ganze Fluten von Regen mit sich . Es war jetzt in dem engen Raum noch ungemütlicher und trostloser als draußen ; Robert erhob sich , um ins Freie zu kriechen , wo die Luft gewiß etwas weniger dumpf und erstickend war . Tiefe , undurchdringliche Nacht umgab ihn , der Boden war weich und schlüpfrig , der Sturm raubte im Freien den Lungen den Atem - - Da , durch das Gebrüll des Donners und das Sausen des Windes klang ein Ton , der in seiner kurzen Schärfe deutlich verriet , daß ihn nicht der Sturm hervorgebracht hatte . Ein Schuß ! - Ein Kanonenschuß ! - - Er hatte es deutlich gehört ; Zittern lief durch seine Glieder , das Herz schlug zum Zerspringen , - er lauschte atemlos . Und da kam es zum zweiten- , zum drittenmal . Es waren Kanonenschüsse , - es war ein Schiff , das sich in Not befand . Er mußte sofort hinaus an den Strand , mußte Zeichen geben , - er wollte um jeden Preis die Menschen an Bord über seine Anwesenheit unterrichten , und wenn er schwimmen mußte . Das alles durchzuckte ihn , drängte sich