, damit du , angeglüht von der Flamme seines Opfers , andere Seelen anfeuerst und dereinst auf dem Erntefeld der Ewigkeit mit vollen Garben erscheinest , mit einem Geleit liebentzündeter Herzen , die durch dich für die göttliche Liebe gewonnen sind . Und er sollte , von der Altarstufe herabsteigend , angeglüht von der Flamme des Opfers seines Gottes , sie ersticken lassen in der Schwüle erdentstammter Liebe ? Nein ! wer dem Priester so etwas wünschen kann , der hat es entweder schlimm mit ihm im Sinn , oder urteilt , ohne die Sache zu kennen , oder spricht , wie Du , lieber Damian , unter dem Einfluß übergroßer , natürlicher Zärtlichkeit , und deshalb verkehrt . « » Sie sind nun einmal begeistert für Ihren Stand , weil Sie selbst eine Art von Ideal desselben sind .... « » Da irrst Du sehr ! « unterbrach ihn Levin lebhaft ; » ich bin ja gar nichts : nicht Pfarrer , nicht Ordensmann , nicht Missionär ! ich bin nur ein unnützer Knecht . Aber mit Hyazinth wird es anders sein ; der wird brauchbar werden ! und ist er das , so findet sich die Begeisterung für seinen Stand von selbst , denn man arbeitet alsdann für Gott und für das ewige Leben , ohne auf besonders große Resultate hienieden zu rechnen und ohne besonders glückliche Erfolge zu erwarten , und das gibt Freiheit und Freude im Geiste . « » Und wenn ihm sein Beruf mit der Zeit zu schwer fiele ! Das Leben ist lang , die Welt ist bunt ! Wenn Hyazinth ein schlechter Priester würde , bester Onkel , welch ' ein Skandal ! Ein schlechter Priester - auf den sind die Augen der ganzen Welt gerichtet , als ob es nur den einen einzigen auf Erden gäbe ! und wenn das nun ein Windecker wäre ! « » Du fürchtest nicht , daß Orest von seiner Fahne desertiere , wenns zur Schlacht geht ; so hoffe doch auch für Hyazinth den notwendigen Kampfesmut , um seinem Panier zu folgen . Hat er den , so ist er unüberwindlich , weil die Gnade noch nie den Beharrlichen verlassen hat . Nur der treulose Feigling verläßt die Gnade . Das ist richtig : auf einen solchen sieht die halbe Welt . Welch eine unabsichtliche Glorie für den geistlichen Stand ! Tausende fallen in der Welt zur Rechten , tausende zur Linken , stehen auf , fallen wieder - niemand sieht hin , kaum die allernächsten , man zuckt die Achseln , man spricht ein paar Worte schwacher Mißbilligung , schwächlichen Mitleids , und man vergißt , eingedenk eigener Gebrechlichkeit . Aber für den Priester macht man eine Ausnahme . Er ist dermaßen im allgemeinen Bewußtsein anerkannt als der Repräsentant der Heiligkeit , daß ein sittlicher Makel an ihm mit endlosem schadenfrohen Triumph von allen Glaubensfeinden bejubelt , mit unsäglichem Schmerz von den Gläubigen beweint wird . Unsere Glaubenslehre ist etwas so Göttliches , daß die Welt sich gar nicht der Vorstellung erwehren kann , deren Organ , der Priesterstand , müsse Anteil haben an deren Erhabenheit ; und darin hat sie vollkommen recht ! wer sich vorzugsweise mit Gott und göttlichen Dingen beschäftigt , ohne nach innerer Heiligung zu trachten , ist seines himmlischen Berufes nicht wert . Darin aber hat die Welt vollkommen unrecht , daß sie wähnt , der einzelne schlechte Priester sei ein Beweis für die Ungöttlichkeit seiner Glaubenslehre . Sie vergißt bei einem solchen Urteil den Verrat des Judas und die Verleugnung des Petrus , d.h. sie vergißt , daß der Mensch aus Schwäche fallen und aus Bosheit abfallen kann , weil er keine Maschine ist , die von äußerer Kraft in Bewegung gesetzt wird , sondern weil er seinen Willen zur Beharrlichkeit im Guten brauchen muß und zur Wahl des Bösen mißbrauchen kann . Sei getrost , lieber Damian , und bedenke eines : das Werk , welches Hyazinth beginnen will , beginnt in ihm die göttliche Gnade , und mit ihr , der er vertraut , auf die er sich stützt , wird er es zu Ende führen . Ein solcher Entschluß entspringt nicht aus Gedanken von dieser Welt , und darin liegt seine weltüberwindende Kraft . « » Ja , ja ! « seufzte der Graf kopfschüttelnd ; » das ist alles sehr gut und klingt ganz schön . Aber ! aber ! .... der arme Junge ! « - Die übrigen Mitglieder der Familie nahmen Hyazinths Entschluß sehr verschieden auf , aber nicht mit der allgemeinen Mißbilligung , die auf Regina ruhte , weil Hyazinth nicht anderweitige Pläne durchkreuzte . Unter anderen Umständen würde sich Uriel herzlich gefreut und in dem Beruf seines Bruders eine große Gnade erkannt haben . Jetzt aber schien es ihm bedenklich , allzu große Zufriedenheit zu äußern - Reginas wegen , die durch Hyazinths Entschluß leicht in dem ihren bestärkt werden konnte . Orest äußerte ein grenzenloses Erstaunen , Florentin Zorn , die Baronin Isabella zaghafte Freude ; Corona beklagte , daß Hyazinth nicht auf der Stelle seine Primiz feiern und sie seine Kerzenträgerin sein dürfe . Regina lobte Gott . » Was fängst Du denn an mit Deinen Hunden ? « fragte Orest ganz verblüfft ; und wo läßt Du denn Dein Gewehr ? Dem Reiten und Jagen mußt Du wohl auf immer Valet sagen und Burschenlieder darfst Du wohl auch nicht mehr singen ? « » Du bist aber allzu kurzsichtig , Hyazinth ! « eiferte Florentin . » Siehst Du denn nicht , daß es mit der katholischen Kirche zu Ende geht ? Siehst Du denn nicht , daß sie zitternd zusammenbröckelt vor dem klirrenden Schritt und dem Weckruf der Freiheit ? Siehst Du nicht , daß sich Deutschland nimmermehr den Ultramontanismus wird gefallen lassen , und daß der römische Papst , vom großen Geiste des Jahrhunderts ergriffen , in einen Liberalismus verfällt , der , unvereinbar mit katholischer Finsternis und Knechtschaft , ihn unfehlbar in die Arme des Protestantismus liefert ? Dieser aber bildet die erste Stufe zum Sozialismus , in dem nicht Religionssysteme , sondern die Ausführung großer Ideen ihren Kultus haben werden , dessen Priester jeder Einzelne sein wird ! Siehst Du das nicht ? « » Nein ! « sagte Hyazinth gelassen , » das alles sehe ich gar nicht ; denn es sind nur Phantasmagorien : künstliche Fratzenbilder , welche sich außerhalb der Finsternis des Unglaubens nicht wahrnehmen lassen . Ich sehe vielmehr , daß nichts auf Erden Bestand , nichts eine Zukunft hat , als einzig und allein die katholische Kirche und alles , was aus ihrem Mutterschoß Lebenskraft schöpft . « » Bei der Erhabenheit des priesterlichen Berufes würde mich das Bewußtsein meiner Schwäche ängstigen , ob ich ihm auch immer mit ganzer Treue anhinge , « sagte Uriel . » Stets das Ewige und Unvergängliche vor Augen haben , scheint mir übermäßig ernst und schwer . « » Wenn Du heiratest , « entgegnete Hyazinth , » mußt Du Deiner Frau ewige Treue versprechen und bleibst unauflöslich mit ihr verbunden : das müßte Dich dann auch in Angst versetzen . « » O nein ! « rief Uriel ; » da verbinde ich mich mit meinem zeitlichen und ewigen Glück , das der Sehnsucht des ganzen Menschen entspricht . « » Und ich , « sagte Hyazinth , » lasse das unsichere zeitliche Glück ganz und gar beiseite und wähle das unvergängliche : Gott zu dienen aus Liebe , welches der ächten Sehnsucht des erlösten Menschen gewiß am allertiefsten entspricht . « » Dann bin ich nicht erlöst , « rief Orest , » denn ich erschaudere vor Deiner Sorte von Glück ! Nein , Hyazinth ! lustig leben gehört auch zum Leben , und eine Existenz ohne Hühner- und Parforcejagd , ohne Steeple chase und sonstige Pferderennen , ohne Oper und Ballet , ohne Austern und Champagner - aber non-mousseux ! - die ist zum Totschießen . « » Das ist die Gesinnung der Welt , « entgegnete Hyacinth . » Sie behauptet , es gebe kein anderes Glück als das , welches die fünf Sinne genießen und der natürliche Verstand begreift . Das ist aber grundfalsch , denn das Unsterbliche im Menschen wird durch die Genüsse der Vergänglichkeit nicht befriedigt , sondern elend gemacht . Tausend Mal ist das gesagt und bewiesen worden ; allein Worte ohne Tat bedeuten nicht viel . Deshalb muß gegen den Ausdruck jener Gesinnung der Welt ein beständiger tatsächlicher Protest abgelegt werden , und das tun die , welche mit Gottes Gnade und um Gottes Willen ihr entsagen : Priester und Ordensleute . « » Hyazinth ! « rief Florentin feurig und schlang den Arm um seine Schultern , » lege ab Deine Gottesideen , mache die Menschheit zu Deiner Gottheit und ihre Berechtigung zu allgemeiner und allseitiger Beglückung zu Deinem Kultus , so kannst Du ein ausgezeichneter Mann der Zukunft werden . « » Nein , armer Florentin , « entgegnete Hyazinth zärtlich , » das ist unmöglich ! Wer Christus erkannt hat , dient in Seinem Namen mit tausend Freuden und so weit die Kräfte reichen in aller Demut einer Menschheit , die der Gottessohn geheiligt hat , indem er sich zu ihresgleichen machte und für sie lebte und starb ; das gehört zur praktischen Nachfolge Jesu . Aber aus der Menschheit einen Moloch zu machen , der , ich weiß nicht was für unsinnige , sakrilegische Opfer verlangt , das ist unverträglich mit der ewigen Wahrheit . Christus hat die Selbstverleugnung als den Weg des Heiles gelehrt , als das einzige Mittel zur Beglückung der Menschheit für Zeit und Ewigkeit . Von einer Beglückungstheorie , welche allen zum allseitigen Genuß irdischen Wohlbehagens behilflich wäre , weiß die Lehre des Kreuzes nichts . « » Deshalb eben nimmt sie auch nur einen ganz untergeordneten Rang und längst überwundenen Standpunkt in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit ein ! « rief Florentin . » Sieh ' ! bereits vor mehr als dreihundert Jahren entwickelte sich in der Menschheit jene gewaltige Bewegung , welche anzeigte , daß sie der Lehre vom Kreuz , der Selbstverleugnung , satt sei ; es war die Reformation . Alle und jede Selbstverleugnung konzentriert sich im Gehorsam , und da die Kirche ihn von der ganzen Welt im Namen des gekreuzigten Gottes forderte , so sagte ihr die Reformation den Gehorsam auf , um anzuzeigen , daß sie mit der Lehre vom Kreuz breche . Und das bewies sie tatsächlich . Wer sich zu ihr bekannte , war der Selbstverleugnung überdrüssig und folgte dem Zug der Freiheit , für die der Mensch geschaffen ist . Die Fürsten sagten dem Kaiser den Gehorsam auf , die Bauern den Edelleuten , die Ritter ihren Lehensherren , die Städte ihren Bischöfen und Äbten , die Priester ihren Oberhirten , die Mönche und Nonnen ihren Gelübden . Durch den erhabenen Akt , dem römischen Papst den Gehorsam aufzusagen , fiel selbstverständlich das Joch knechtischer Selbstverleugnung von Millionen , die nun wieder frei aufatmen und sich ihrer Menschenrechte erfreuen konnten ; denn vom römischen Papst ging ja eben der ganze christliche Lebensorganismus aus , der während anderthalb Jahrtausenden die Menschheit wie ein Spinngewebe umfing . Die Reformation blieb freilich nicht auf ihrer Höhe . Sie machte klägliche Versuche , den entfesselten Geist wieder einzufangen und in die Botmäßigkeit ihrer Bibel , die politischen Verhältnisse in die Abhängigkeit von den Fürsten , die sozialen Verhältnisse in die Fesseln verkehrter , weil auf papistischen Ansichten beruhender altmodischer Gesetze zu bringen ; allein sie erwarb sich doch unsterblichen Ruhm und den Dank künftiger Jahrhunderte dadurch , daß sie zeigte , wie verhaßt die Lehre vom Kreuz der Menschheit sei , und daß sie jenen Protest gegen heilige Rechte , von dem Du vorhin sprachst , aufhob , indem sie keine Priester , keine Ordensleute mehr duldete . Denn kein Mensch will seiner Natur gehorchen , keiner arm sein , keiner den irdischen Freuden entsagen , und was der vernünftige Mensch nicht will , das soll er auch nicht . « » Wenn er nun aber dennoch will , « entgegnete Hyazinth gelassen . » So darf er nicht ! « rief Florentin . » Das wollte ich eben hören ! « sagte Hyazinth ruhig . » Euerer Beglückungstheorie hat man zu gehorchen : dann ist man glücklich , und Euerer Despotie in Durchführung Euerer Ideen sich zu fügen : dann ist man frei . Die Sprache kennt man , mein Florentin . Deine hochgepriesenen Reformatoren in Deutschland und England führten sie auf dem Gebiete des Glaubens und sagten : Glaubt an uns ; das ist der wahre Glaube . Deren Nachfolger , die Revolutionsmänner in England zuerst und dann in Frankreich , sagten auf dem politischen Gebiet : Nehmet unsere Ideen an ; das ist Freiheit . Und wehe denen , welche es wagten , der neuen Glaubenslehre und den neuen Freiheitsansichten nicht beizustimmen ! ihr Ungehorsam wurde mit Verbannung , gewaltsamer Unterdrückung , Martertum und Tod von denjenigen gestraft , welche den Ungehorsam gegen die Anstalt Gottes , die heilige Kirche , hohe Tugend nannten . Das haben wir gelernt in den drei Jahrhunderten , auf welche Du pochst , und welche in unserem Jahrhunderte nach der Vervollständigung trachten , die eine Revolution in den sozialen Verhältnissen , den kirchlichen und politischen Revolutionen geben würde . Wehe denen , die Euerem Joch verfallen ! Ihr macht aus Eueren Ideen ein Bett des Procrustes , in welches Ihr die Menschheit hineinzwängen wollt und sie zu diesem Zweck verrenkt und verstümmelt , und dann nennt Ihr diese kläglichen und unvollständigen Gebilde Ideale von Schönheit und Würde , weil sie in Eure Schablonen passen . Aber eben deshalb fehlt ihnen in Wirklichkeit beides , denn Ihr gönnt ihnen keine Selbständigkeit , um zu lieben , und keine Freiheit , um zu gehorchen , da doch die ganze Schönheit der Menschenseele in ihrer Liebe , und ihre ganze Würde im Gehorsam liegt . « » Was die Liebe betrifft , « entgegnete Florentin , » so geben die Prinzipien des Sozialismus ihr einen ganz ungeheuren Spielraum . « » Keineswegs ! sie verflachen und verflüchtigen die Liebe in die Weite und Breite und berauben sie ihres ewigen Quelles und ewigen Gegenstandes - Gottes . Ohne Kalvarienberg gibt es keine wahre Liebe . « » Und was den Gehorsam betrifft , so ist der nach den Prinzipien des Sozialismus für das Individuum durchaus überflüssig , indem der Staat , d.h. die gesamte Vergesellschaftung , alle Verhältnisse so harmonisch ordnet , daß jeder einzelne in seiner Berechtigung geschützt ist , niemand beeinträchtigen kann und von niemand beeinträchtigt wird . « » Das muß eine Art von idealischem Zuchthaus werden , und die gesamte Vergesellschaftung muß darin an Ketten liegen , jeder auf seinem Fleck , denn sonst sehe ich nicht ein , wie diese sämtlichen Gleichberechtigten mit einander Friede halten werden , « sagte Orest . « » Das ist ganz in der Ordnung , « sagte Hyazinth ; » ja , es muß ein Zuchthaus werden , aber ein höchst reelles . Wer die Selbstverleugnung verachtet , den Gehorsam verwirft , in der Losgebundenheit von göttlichen Gesetzen einen Fortschritt sehen will , der muß durch äußeren Zwang in Zucht und Ordnung gehalten werden und der Tyrannei eines Despoten verfallen , wie der sozialistische Staat eben ist . « » Ihr vergeßt , daß eine nach sozialistischen Prinzipien gebildete und in deren Schulen unterrichtete Menschheit allmählig eine ganz andere , edlere sein wird , als die von heutzutage in ihrer Verdummung und ihrer Unwissenheit , « entgegnete Florentin . » Wissen und Wollen sind aber zwei sehr verschiedene Fähigkeiten , « rief Hyazinth . » Entwickelst Du in Deiner Menschheit zuerst und zuletzt das Wissen , so ist es sehr wahrscheinlich , daß Du sie eher zu Teufeln als zu Engeln bildest ; denn das Wissen nährt den Hochmut und der ist die Schoßsünde des Menschen . Unser Stammvater im Paradiese wußte sehr gut , was verboten und was geboten war ; allein da die Schlange sagte , durch ein noch höheres Wissen würde er wie Gott sein : so ließ er seinen Willen für ' s Gute durch diese Vorspiegelung lähmen - und fiel . Und so und noch viel schlimmer wird es der Menschheit gehen , wenn man sie in den Wahn einlullt , mit dem Wissen des Guten sei dessen Ausübung gleichsam von selbst verbunden . Ein kleines Kind kann diese Behauptung Lügen strafen : es weiß recht gut , daß es nicht naschen darf , und dennoch nascht es , als ein kleiner Sklave der bösen Begierlichkeit , die dem Menschen seit der Erbsünde innewohnt und die nur durch den Willen zum Guten , d.h. durch Gehorsam aus Liebe zu Gott , überwunden werden kann . Aber Ihr leugnet einen außerweltlichen Gott und einen menschgewordenen Gottessohn und Erlöser , der Euch die Gnade erworben hat , Euren Willen im Guten zu festigen und von der Knechtschaft der bösen Begierlichkeit zu befreien . Jedoch wünscht Ihr für sehr vortreffliche und edle Menschen zu gelten , und da Ihr keinen Erlöser habt , der von Sünde befreit , so leugnet Ihr frischweg die Sündhaftigkeit des Menschen und lehrt : nur aus Unwissenheit würden Fehltritte begangen ; Aufklärung ! Aufklärung ! dann sei die Tugend schon vorhanden . « » Deine Barbarei übersteigt alle Begriffe ! « rief Florentin mit höchster Entrüstung . » Tausendfache Erfahrung hat bewiesen , daß die schwersten Verbrechen von Menschen begangen wurden , die in krasser Unwissenheit und ohne Erziehung aufwuchsen . « » Das ist etwas ganz anderes , « erwiderte Hyazinth . » Wir hatten bei Deinen Bildungsplänen die ganze Menschheit , nicht einzelne Verbrecher im Auge , deren Missetaten allerdings oft aus trauriger Unwissenheit hervorgehen , indem sie nichts wissen von den göttlichen Lehren des Christentums und daher keiner Entwickelung sittlicher Kraft gegen ihre bösen Begierden fähig sind . Das Leben im Glauben aber und nicht das Wissen vom Glauben , gibt jene Kraft und sie äußert sich durch Gehorsam gegen die Glaubenslehre . Bildest Du Deine Menschheit außerhalb jenes Lebens , so wird sie mit all ' ihrem Wissen vom Glauben und von sonstigen hohen und tiefen Dingen an sittlicher Kraft , d.h. an Widerstandskraft gegen die böse Begier , so arm sein , daß sie sich blind von ihren Leidenschaften beherrschen läßt und durch dieselben in Eueren Zuchthausstaat hineintaumelt , für den sie reif ist , weil sie verschmäht , folgsam in der Freiheit des Christentums zu leben . « » Und folgsam fühlt ' ich immer meine Seele am schönsten frei , « sagte auf einmal mit ihrer sanften Stimme Regina , die in der Tiefe einer Fensternische mit ihrem Stickrahmen wie in einer kleinen Zelle saß . » Was sagst Du da , Regina ? « rief Uriel , sprang auf und setzte sich ihr gegenüber ; » es klingt alles , was Du sagst , wie Musik , aber dies ganz besonders . « » Es wird wohl die Ansicht irgend eines Heiligen oder eines mittelalterlichen Skribenten sein , « bemerkte Florentin wegwerfend . » Ratet ! « rief Regina lachend . » Klingt es nicht so gewiß Schillerisch ? « fragte Orest . » Nein , nein , nein ! « rief Florentin , » das ist von Unsereinem nicht zu erraten ! in die Poesien der Heiligen vertiefen wir uns nicht . « » Auch nicht in die des heiligen Göthe ? « fragte Regina schalkhaft . » Göthe ? « riefen alle aus einem Munde . » Ja , Göthe , meine Herren ! Göthe in der Iphigenia , Akt . V Scene 3. Schlagt nach , wenn ' s Euch beliebt . Ja , Göthe , der sein Ideal einer reinen Seele in der Iphigenia aufstellt , die doch gewiß nicht vom Christentum befleckt ist , nicht wahr , Florentin ? Göthe läßt sie jene Worte aussprechen : Und folgsam fühlt ' ich immer meine Seele am schönsten frei . Das gefiel mir so gut , weil es so wahr ist , daß ich es behalten habe . « Uriel , der ein leidenschaftlicher Bewunderer Göthe ' s war , fragte doch etwas erstaunt : » Regina , liest Du Göthe ? « » Onkel Levin hat mir Iphigenia und Tasso gegeben , um mir eine Idee beizubringen von der vollendeten Schönheit , deren unsere Sprache fähig ist . « » Die beiden Tragödien find ' ich herzlich langweilig , « sagte Orest . » Aber der Faust , erster Teil , der gefällt mir . « » Und mir Egmont und Götz von Berlichingen ! « rief Florentin ; » das sind meine Leute : Kämpfer für die Freiheit ! « » Nämlich für die Unabhängigkeit von Kaiser und Reich und von der gesetzmäßigen Regierung , « sagte Uriel . » Gib doch den beständigen Streit mit Florentin auf « , sagte Regina leise zu Uriel . » Er setzt sich dadurch mehr und mehr im Widerspruch fest . « » Er wirft immer zuerst den Fehdehandschuh hin , « erwiderte Uriel , » und noch dazu mit Behauptungen , die entweder ganz falsch oder verdrehte Wahrheiten sind . Er ist überfüllt von jener furchtbaren Intoleranz , die dem Geist der Lüge eigen ist , weil er weiß , daß er nur durch gewalttätige Unterdrückung der Wahrheit zur Herrschaft kommen kann . Das darf man sich nicht gefallen lassen . « » Ach , Uriel ! wie viel Intoleranz muß sich die Kirche gefallen lassen ! und sie schweigt dazu , nach dem Beispiel des göttlichen Heilandes , der auch duldete durch den Lügengeist und dennoch schwieg . Was wird nur aus dem armen Florentin werden ! « » Ein Opfer des freien Denkens , womit er prahlt . « Das Paradies und die Peri Das Spätjahr löste den Familienkreis nach und nach auf . Hyazinth ging zuerst fort - in Seminar . Er mußte dem Grafen versprechen , daß keine falsche Scham ihn verhindern solle , den geistlichen Stand aufzugeben , wenn er denselben nicht als seinen wahren Beruf erkenne . Levin sagte in seiner schlichten Weise : » Wandele vor Gott , bete fleißig , sei wachsam , kreuzige Dich und dann vertraue der Gnade . Denke an den 77. Psalm : Das Ersehnte gab ihnen der Herr . Er täuschte nicht ihr Verlangen . « » Hyazinth , « sagte Uriel wehmütig , » Du magst wohl den besten Teil erwählt haben ! aber folgen könnt ' ich Dir nicht . Es ist gewiß eine besondere Gnade Gottes , daß nun schon so lange ein frommer Priester in unserer Familie ist , und daß , wenn dereinst Onkel Levin von uns scheidet , das heilige Opfer aus seiner Hand in die Deine übergeht . « Orest und Florentin sprachen anders zu Hyazinth ; allein die Farben , womit sie ihm die Welt ausmalten , taten seinem reinen Auge weh , und die Gründe , durch die sie ihn in der Welt zurückzuhalten suchten , waren eben die , weshalb er sie meiden wollte , und was sie ihm von Glück und Freude und Genüssen erzählten , bestärkte ihn nur in seiner Überzeugung , daß darin für ihn nicht der leiseste Hauch von Befriedigung zu finden sei . » O laßt mich gehen , « sagte er schmerzlich , » quält mich nicht . Ich weiß , daß ich den Weg zum ewigen Leben einschlage ; aber ob Ihr nicht auf den Pfaden des Todes wandelt : ach , das weiß ich nicht . « Er war wie der Heiland in der Wüste , dem die Engel dienten , nachdem der Versucher geflohen war . Regina sagte zu ihm : » Hyazinth , Du wirst nun ein Nachfolger unseres gekreuzigten Gottes werden , und ich werde es in anderer Weise auch werden . Wir sind glücklich , wir wissen , Wen wir lieben . Aber stehe mir bei mit Deinem Gebet ; denn Du bringst Dich nach Außen in Sicherheit , während ich gleichsam in eine Arena zum Kampf mit wilden Tieren hinabgestoßen werde . Mir graut vor einer Welt , an welcher Orest und Florentin hängen . « » Der heilige Johannes Chrysostomus sagt , « antwortete Hyazinth , » eine Jungfrau , die sich Gott verlobt habe , müsse durch die Welt wie durch eine Wüste gehen , und während ihr Fuß auf Erden weile , mit ihrem Herzen im Himmel sein . Sieh ' , damals gab es viele gottgeweihte Jungfrauen , welche durch diese und jene Verhältnisse veranlaßt wurden , in ihren Familien zu bleiben . Auch später hast Du ähnliche Beispiele , und zwei der glänzendsten an den beiden Dominikanerinnen dritten Ordens , die heil . Katharina von Siena und die heil . Rosa von Lima , welche nie im Kloster lebten und doch die Welt mit dem Glanz ihrer Heiligkeit bestrahlten . Halte Dich zu ihnen . Dazu haben wir ja die lieben Heiligen . « Er zog von dannen , wie ein Seliger , der den Ballast der Erde schon abgeworfen und seinen Schwung zum Himmel genommen hat . Mit einer Art von Neid sah Florentin auf ihn ; nicht daß er sich gesehnt hätte , wie Hyazinth zu sehen , zu denken , zu glauben , zu sein ; aber er mißgönnte ihm diese klare Stille , diesen Frühlingsmorgen in der Seele , den der Glaube mit seinem Gefolge von Frieden und Liebe in ihr hervorruft . Nachdem Florentin , wie so manche junge Leute , an der Klippe schlechter Bücher und schlechter Gesellschaft einen traurigen Schiffbruch der Sittlichkeit gelitten hatte , ließ er sich leicht blenden durch philosophische Systeme und wissenschaftliche Studien , welche eine höhere Erkenntnis ewiger Grundwahrheiten zu geben versprachen , indem sie die göttliche Offenbarung als eine abgenutzte Antiquität beseitigten , die für den im Fortschritt begriffenen Menschengeist ohne Geltung sei : und warf sich mit dem Heißhunger und dem einseitigen Eifer einer zügellosen Jugend auf alle antireligiösen Schriften , an denen die Zeit so überreich war , daß sie auf jedem Gebiet des Denkens , in jedem Fach des Wissens wucherten . Sie entsprachen den bösen Instinkten , die sich in ihm , wie in jeder Menschenbrust regten , indem sie , die Abhängigkeit des Geschöpfes vom Schöpfer nicht anerkennend , dem Hochmut und der Ichsucht schmeichelten , der Genußgier keine Schranken setzten , das Selbstbewußtsein und Selbstvertrauen maßlos steigerten , und dem Menschengeist die volle Omnipotenz zusprachen , welche sie dem Schöpfer und Regierer des Alls absprachen , so daß jedes Individuum sich selbst , als seinen Gott , anbeten durfte . Weil dies Zugeständnis aber für manche , in denen auch edle Instinkte sich regten , abstoßend gewesen wäre , so wurde die Vergötterung des Ich ' s verschleiert durch die Vergötterung der Ideen . Die Freiheit , der Fortschritt , die Gleichberechtigung aller Menschen , wozu natürlich auch die Emanzipation der Frauen gehörte , waren die Stichworte , bei denen man in Begeisterung verfiel , waren die Ideen , welche das Individuum , oder die Kotterie , oder die Partei , nicht im Zusammenhang mit der ewigen Wahrheit , sondern subjektiv erfaßt und gedeutet , vergötterte . Diese Ideen sollten in der Seele und in dem Leben und Streben des Menschen denjenigen Platz einnehmen , den bei dem Gläubigen Gott einnimmt ; man sollte sich selbst und andere nach ihnen bilden und für sie hinopfern . So spann man sich in die Selbsttäuschung ein , außerordentlich unegoistisch zu sein , während man in der Tat das liebe Ich im Maskenkleid der subjektiven Idee anbetete , wohlweislich die Vorsicht gebrauchend , die subjektive Auffassung immer als die einzig richtige und allgemein anerkannte darzustellen . Daß in Folge einer solchen Verfälschung der inneren Entwickelung des Geistes , seines Strebens und seines Zieles , Unwahrheit , Verwirrung und Unruhe in ihm herrschen , kann nicht befremden . Gott hat den Menschengeist geschaffen für die Offenbarung und hat die Offenbarung gegeben für den Menschengeist . Es besteht zwischen beiden eine übernatürliche , geheimnisvolle und doch ganz wahrhafte Verbindung , wie sie in der Natur zwischen dem Sonnenstrahl und der Blume besteht , die , vom Licht entfernt , farblos bleibt . Außerhalb seines Sonnenstrahls , der aus der Offenbarung auf ihn fällt und den Glauben in ihm weckt , bleibt der Menschengeist verkrüppelt . Er fühlt es , aber er will es nicht eingestehen ; er sucht vielmehr nach anderen Sonnen , nach anderem Licht , und irrt dabei immer weiter und weiter von dem Quell alles Lichtes ab und versinkt immer tiefer und tiefer in jammervolle Finsternis und in unstillbaren Unfrieden . Ein Zeichen dieses inneren Unfriedens ist es , daß der Glaubenslose den Gläubigen nicht neben sich , nicht einmal auf der Welt dulden will . Er hat das gemein mit dem Laster , welches auch gern die Tugend vertilgen möchte , die ihm ein Dorn im Auge ist . Daher der Grimm des Unglaubens gegen das positive Christentum , das sich am Bestimmtesten in der katholischen Kirche ausdrückt ; daher sein Haß gegen ihre Institutionen ; daher die Verachtung , mit welcher er sie in ruhigen Zeiten zu ignorieren - daher die Wut , womit er sie in gährenden und aufgeregten zu vernichten sucht . Das alles wogte durch Florentins Seele . Er hatte mit dem Glauben auch die Liebe verloren . Er wußte nichts von Dankbarkeit gegen den Grafen , der ihn , den armen , gequälten , vernachlässigten Fischerbuben , zum Kind seines Hauses gemacht hatte ; nichts von Anhänglichkeit an die jungen Leute , mit denen er als ein Bruder aufgewachsen war . Wie ein erstarrender Nachtfrost hatte sich der Unglaube über alle Blütenknospen seines Gemütslebens gelegt . Der Glaube verbindet tausend Herzen in der Liebe zu Gott ; der Unglaube trennt sich von Gott und vereinzelt somit Tausende , die wie vermauert in