, damit sich die Paare die wärmeren oder kühleren , luftigeren oder sonnigeren aussuchen können . Für welche keine taugliche Stelle möglich ist , die sind nicht hier . Es sind das nur solche Vögel , für welche die hiesigen Landstriche überhaupt nicht passen , und diese Vögel sind dann auch für unsere Landstriche nicht nötig . Zu den geeigneten Zeiten besuchen uns auch Wanderer und Durchzügler , die auf der Jahresreise begriffen sind . Sie hätten eigentlich keinen Anspruch auf eine Gabe , allein da sie sich unter die Einwohner mischen , so essen sie auch an ihrer Schüssel , und gehen dann weiter . « » Auf welche Weise gebt Ihr denn den Tieren die nötige Nahrung ? « fragte ich . » Dazu haben wir verschiedene Einrichtungen « , sagte er . » Manche von den Vögeln haben bei ihrem Speisen festen Boden unter den Füßen , wie die Spechte , die an den Bäumen hacken , und solche , die ihre Nahrung auf der platten Erde suchen : andere , besonders die Waldvögel , lieben das Schwanken der Zweige , wenn sie essen , da sie ihr Mahl in eben diesen Zweigen suchen . Für die ersten streut man das Futter auf was immer für Plätze , sie wissen dieselben schon zu finden . Den anderen gibt man Gitter , die an Schnüren hängen , und in denen in kleine Tröge gefüllt oder auf Stifte gesteckt die Speise ist . Sie fliegen herzu und wiegen sich essend in dem Gitter . Die Vögel werden auch nach und nach zutraulich , nehmen es endlich nicht mehr so genau mit dem Tische , und es tummeln sich Festfüßler und Schaukler auf der Fütterungstenne , die neben dem Gewächshause ist , wo Ihr mich heute morgens gesehen habt . « » Ich habe das von heute morgens mehr für zufällig als absichtlich gehalten « , sagte ich . » Ich tue es gerne , wenn ich anwesend bin « , erwiderte er , » obwohl es auch andere tun können . Für die ganz schüchternen , wie meistens die neuen Ankömmlinge und die ganz und gar eingefleischten Waldvögel sind , haben wir abgelegene Plätze , an die wir ihnen die Nahrung tun . Für die vertraulicheren und umgänglicheren bin ich sogar auf eine sehr bequeme und annehmliche Verfahrungsweise gekommen . Ich habe in dem Hause ein Zimmer , vor dessen Fenstern Brettchen befestigt sind , auf welche ich das Futter gebe . Die Federgäste kommen schon herzu und speisen vor meinen Augen . Ich habe dann auch das Zimmer gleich zur Speisekammer eingerichtet , und bewahre dort in Kästen , deren kleine Fächer mit Aufschriften versehen sind , dasjenige Futter , das entweder in Sämereien besteht oder dem schnellen Verderben nicht ausgesetzt ist . « » Das ist das Eckzimmer , « sagte ich , » das ich nicht begriff , und dessen Brettchen ich für Blumenbrettchen ansah , und doch für solche nicht zweckmäßig fand . « » Warum habt Ihr denn nicht gefragt ? « erwiderte er . » Ich nahm es mir vor , und habe wieder darauf vergessen « , antwortete ich . » Da die meisten Sänger von lebendigen Tierchen leben , « setzte er seine Erzählung fort , » so ist es nicht ganz leicht , die Nahrung für alle zu bereiten . Da aber doch ein großer Teil nebst dem Ungeziefer auch Sämereien nicht verschmäht , so sind in der Speisekammer alle Sämereien , welche auf unseren Fluren und in unseren Wäldern reifen , und werden , wenn sie ausgehen oder veralten , durch frische ersetzt . Für solche , welche die Körner nicht lieben , wird der Abgang durch Teile unseres Mahles , zartes Fleisch , Obst , Eierstückchen , Gemüse und dergleichen ersetzt , was unter die Körner gemischt wird . Die Kohlmeise erhält sehr gerne , wenn sie tätig ist , und besonders , wenn sie um ihre Jungen sich gut annimmt , ein Stückchen Speck zur Belohnung , den sie außerordentlich liebt . Auch Zucker wird zuweilen gestreut . Für den Trank ist im Garten reichlich gesorgt . In jede Wassertonne geht schief ein befestigter Holzsteg , an welchem sie zu dem Wasser hinabklettern können . In den Gebüschen sind Steinnäpfe , in die Wasser gegossen wird , und in dem Dickichte an der Abendseite des Gartens ist ein kleines Quellchen , das wir mit steinernen Rändern eingefaßt haben . « » Da habt Ihr ja Arbeit und Sorge in Fülle mit diesen Gartenbewohnern « , sagte ich . » Es übt sich leicht ein , « antwortete er , » und der Lohn dafür ist sehr groß . Es ist kaum glaublich , zu welchen Erfahrungen man gelangt , wenn man durch mehrere Jahre diese gefiederten Tiere hegt und gelegentlich die Augen auf ihre Geschäftigkeit richtet . Alle Mittel , welche die Menschen ersonnen haben , um die Gewächse vor Ungeziefer zu bewahren , so trefflich sie auch sein mögen , so fleißig sie auch angewendet werden , reichen nicht aus , wie es ja in der Lage der Sache gegründet ist . Wie viele Hände von Menschen müßten tätig sein , um die unzählbaren Stellen , an denen sich Ungeziefer erzeugt , zu entdecken und die Mittel auf sie anzuwenden . Ja die ganz gereinigten Stellen geben auf die Dauer keine Sicherheit und müssen stets von neuem untersucht werden . In den verschiedensten Zeiten und unbeachtet entwickeln sich die Insekten auf Stengeln , Blättern , Blüten , unter der Rinde , und breiten sich unversehens und schnell aus . Wie könnte man da die Keime entdecken und vor ihrer Entwicklung vernichten ? Oft sind die schädlichen Tierchen so klein , daß wir sie mit unseren Augen kaum zu entdecken vermögen , oft sind sie an Orten , die uns schwer zugänglich sind , zum Beispiele in den äußersten Spitzen der feinsten Zweige der Bäume . Oft ist der Schaden in größter Schnelligkeit entstanden , wenn man auch glaubt , daß man seine Augen an allen Stellen des Gartens gehabt , daß man keine unbeachtet gelassen , und daß man seine Leute zur genauesten Untersuchung angeeifert hat . Zu dieser Arbeit ist von Gott das Vogelgeschlecht bestimmt worden und insbesondere das der kleinen und singenden , und zu dieser Arbeit reicht auch nur das Vogelgeschlecht vollkommen aus . Alle Eigenschaften der Insekten , von denen ich gesprochen habe , ihre Menge , ihre Kleinheit , ihre Verborgenheit , und endlich ihre schnelle und plötzliche Entwicklung schützen sie gegen die Vögel nicht . Sprechen wir von der Menge . Alle Singvögel , wenn sie auch später Sämereien fressen , nähren doch ihre Jungen von Raupen , Insekten , Würmern , und da diese Jungen so schnell wachsen und so zu sagen unaufhörlich essen , so bringt ein einziges Paar in einem einzigen Tage eine erkleckliche Menge von solchen Tierchen in das Nest , was erst hundert Paare in zehn , vierzehn , zwanzig Tagen . So lange brauchen ungefähr die Jungen zum Flüggewerden . Und alle Stellen , wie zahlreich sie auch sein können , werden von den geschäftigen Eltern durchsucht . Sprechen wir von der Kleinheit der Tierchen . Sie oder ihre Larven und Eier mögen noch so klein sein , von den scharfen , spähenden Augen eines Vogels werden sie entdeckt . Ja manche Vögel , wie das Goldhähnchen , der Zaunkönig , dürfen ihren Jungen nur die kleinsten Nahrungsstückchen bringen , weil dieselben , wenn sie dem Ei entschlüpft sind , selber kaum so groß wie eine Fliege oder eine kleine Spinne sind . Gehen wir endlich auf die Abgelegenheit und Unerreichbarkeit der Aufenthaltsorte der Insekten über , so sind sie dadurch nicht vor dem Schnabel der Vögel geschützt , wenn sie für ihre Jungen oder sich Nahrung brauchen . Was wäre einem Vogel leicht unzugänglich ? In die höchsten Zweige schwingt er sich empor , an der Rinde hält er sich und bohrt in sie , durch die dichtesten Hecken dringt er , auf der Erde läuft er , und selbst unter Blöcke und Steingerölle dringt er . Ja einmal sah ich einen Buntspecht im Winter , da die Äste zu Stein gefroren schienen , auf einen solchen mit Gewalt loshämmern und sich aus dessen Innern die Nahrung holen . Die Spechte zeigen auf diese Weise - ich sage es hier nebenbei - auch die Äste an , die morsch und vom Gewürme ergriffen sind und daher weggeschafft werden müssen . Was zuletzt den unvorhergesehenen und plötzlichen Raupenfraß anlangt , den der Mensch zu spät entdeckt , so kann er sich nicht einstellen , da die Vögel überall nachsehen und bei Zeiten abhelfen . « » Wie sehr diese Tiere für das Ungeziefer geschaffen sind , « sagte er nach einer Weile , » zeigt sich aus der Beobachtung , daß sie die Arbeit unter sich teilen . Die Blaumeise und die Tannenmeise entdeckt die Brut der Ringelraupe und anderer Raupengattungen an den äußersten Spitzen der Zweige , wo sie unter der Rinde verborgen ist , indem sie , sich an die Zweige hängend , dieselben absucht , die Kohlmeise durchsucht fleißig das Innere der Baumkrone , die Spechtmeise klettert Stamm auf Stamm ab und holt die versteckten Eier hervor , der Finke , der gerne in den Nadelbäumen nistet , weshalb auch solche Bäume in dem Garten sind , geht gleichwohl gerne von ihnen herab und läuft den Gängen der Käfer und dergleichen nach , und ihn unterstützen oder übertreffen vielmehr die Ammerlinge , die Grasmücken , die Rotkehlchen , die auf der Erde unter Kohlpflanzen und in Hecken ihre Nahrung suchen und finden . Sie beirren sich wechselseitig nicht und lassen in ihrer unglaublichen Tätigkeit nicht nach , ja sie scheinen sich eher darin einander anzueifern . Ich habe nicht eigens Beobachtungen angestellt ; aber wenn man mehrere Jahre unter den Tieren lebt , so gibt sich die Betrachtung von selber . « » Auch einen eigentümlichen Gedanken « , fuhr er fort , » hat das Walten dieser Tiere in mir erweckt , oder vielmehr bestärkt ; denn ich hatte ihn schon längst . Allen Tatsachen , die wichtig sind , hat Gott außer unserem Bewußtsein ihres Wertes auch noch einen Reiz für uns beigesellt , der sie annehmlich in unser Wesen gehen läßt . Diesen Tierchen nun , die so nützlich sind , hat er , ich möchte sagen , die goldene Stimme mitgegeben , gegen die der verhärtetste Mensch nicht verhärtet genug ist . Ich habe in unserem Garten mehr Vergnügen gehabt als manchmal in Sälen , in denen die kunstreichste Musik aufgeführt wurde , die selten zu hören ist . Zwar singt ein Vogel in einem Käfiche auch ; denn der Vogel ist leichtsinnig , er erschrickt zwar heftig , er fürchtet sich ; aber bald ist der Schrecken und die Furcht vergessen , er hüpft , auf einen Halt für seine Füße , und trällert dort das Lied , das er gelernt hat , und das er immer wiederholt . Wenn er jung und sogar auch alt gefangen wird , vergißt er sich und sein Leid , wird ein Hin- und Widerhüpfer in kleinem Raume , da er sonst einen großen brauchte , und singt seine Weise ; aber dieser Gesang ist ein Gesang der Gewohnheit , nicht der Lust . Wir haben an unserm Garten einen ungeheueren Käfich ohne Draht , Stangen und Vogeltürchen , in welchem der Vogel vor außerordentlicher Freude , der er sich so leicht hingibt , singt , in welchem wir das Zusammentönen vieler Stimmen hören können , das in einem Zimmer beisammen nur ein Geschrei wäre , und in welchem wir endlich die häusliche Wirtschaft der Vögel und ihre Gebärden sehen können , die so verschieden sind und oft dem tiefsten Ernste ein Lächeln abgewinnen können . Man hat uns in diesem Hegen von Vögeln in einem Garten nicht nachgeahmt . Die Leute sind nicht verhärtet gegen die Schönheit des Vogels und gegen seinen Gesang , ja diese beiden Eigenschaften sind das Unglück des Vogels . Sie wollen dieselben genießen , sie wollen sie recht nahe genießen , und da sie keinen Käfig mit unsichtbaren Drähten und Stangen machen können wie wir , in dem sie das eigentliche Wesen des Vogels wahrnehmen könnten , so machen sie einen mit sichtbaren , in welchem der Vogel eingesperrt ist und seinem zu frühen Tode entgegen singt . Sie sind auf diese Weise nicht unfühlsam für die Stimme des Vogels , aber sie sind unfühlsam für sein Leiden . Dazu kommt noch , daß es der Schwäche und Eitelkeit des Menschen , besonders der Kinder , angenehm ist , eines Vogels , der durch seine Schwingen und seine Schnelligkeit gleichsam aus dem Bereiche menschlicher Kraft gezogen ist , Herr zu werden und ihn durch Witz und Geschicklichkeit in seine Gewalt zu bringen . Darum ist seit alten Zeiten der Vogelfang ein Vergnügen gewesen , besonders für junge Leute ; aber wir müssen sagen , daß es ein sehr rohes Vergnügen ist , das man eigentlich verachten sollte . Freilich ist es noch schlechter und muß ohne weiteres verabscheut werden , wenn man Singvögel nicht des Gesanges wegen fängt , sondern sie fängt und tötet , um sie zu essen . Die unschuldigsten und mitunter schönsten Tiere , die durch ihren einschmeichelnden Gesang und ihr liebliches Benehmen ohnehin unser Vergnügen sind , die uns nichts anders tun als lauter Wohltaten , werden wie Verbrecher verfolgt , werden meistens , wenn sie ihrem Triebe der Geselligkeit folgen , erschossen oder , wenn sie ihren nagenden Hunger stillen wollen , erhängt . Und dies geschieht nicht , um ein unabweisliches Bedürfnis zu erfüllen , sondern einer Lust und Laune willen . Es wäre unglaublich , wenn man nicht wüßte , daß es aus Mangel an Nachdenken oder aus Gewohnheit so geschieht . Aber das zeigt eben , wie weit wir noch von wahrer Gesittung entfernt sind . Darum haben weise Menschen bei wilden Völkern und bei solchen , die ihre Gierde nicht zu zähmen wußten , oder einen höhern Gebrauch von ihren Kräften noch nicht machen konnten , den Aberglauben aufgeregt , um einen Vogel seiner Schönheit oder Nützlichkeit willen zu retten . So ist die Schwalbe ein heiliger Vogel geworden , der dem Hause Segen bringt , das er besucht , und den zu töten Sünde ist . Und selten dürfte es ein Vogel mehr verdienen als die Schwalbe , die so wunderschön ist und so unberechenbaren Nutzen bringt . So ist der Storch unter göttlichen Schutz gestellt , und den Staren hängen wir hölzerne Häuser in unsere Bäume . Ich hoffe , daß , wenn unseren Nachbarn die Augen über den Erfolg und den Nutzen des Hegens von Singvögeln aufgehen , sie vielleicht auch dazu schreiten werden , uns nachzuahmen ; denn für Erfolg und Nutzen sind sie am empfänglichsten . Ich glaube aber auch , daß unsere Obrigkeiten das Ding nicht gering achten sollten , daß ein strenges Gesetz gegen das Fangen und Töten der Singvögel zu geben wäre , und daß das Gesetz auch mit Umsicht und Strenge aufrecht erhalten werden sollte . Dann würde dem menschlichen Geschlechte ein heiligendes Vergnügen aufbewahrt bleiben , wir würden durch die Länder wie durch schöne Gärten gehen , und die wirklichen Gärten würden erquickend da stehen , in keinem Jahre leiden , und in besonders unglücklichen nicht den Anblick der gänzlichen Kahlheit und der traurigen Verödung zeigen . Wollt Ihr nicht auch ein wenig unsere gefiederten Freunde ansehen ? « » Sehr gerne « , sagte ich . Wir standen vor dem Sitze auf und gingen mehr in die Tiefe des Gartens zurück . Das vielstimmige Vogelgezwitscher durch den Garten und das helle Singen in unserer Nähe , welches mir gestern nachmittag , da ich es in das Zimmer hinein gehört hatte , seltsam gewesen war , erschien mir nun sehr lieblich , ja ehrwürdig , und wenn ich einen Vogel durch einen Baum huschen sah oder über einen Sandweg laufen , so erfüllte es mich mit einer Gattung Freude . Mein Begleiter führte mich zu einer Hecke , wies mit dem Finger hinein und sagte : » Seht . « Ich antwortete , daß ich nichts sähe . » Schaut nur genauer « , sagte er , indem er mit dem Finger neuerdings die Richtung wies . Ich sah nun unter einem äußerst dichten Dornengeflechte , welches in die Hecke gemacht worden war , ein Nest . In dem Neste saß ein Rotkehlchen , wenigstens dem Rücken nach zu urteilen . Es flog nicht auf , sondern wendete nur ein wenig den Kopf gegen uns und sah mit den schwarzen , glänzenden Augen unerschrocken und vertraulich zu uns herauf . » Dieses Rotkehlchen sitzt auf seinen Eiern , « sagte mein Begleiter , » es ist eine Spätehe , wie sie öfter vorkommen . Ich besuche es schon mehrere Tage und lege ihm die Larve des Mehlkäfers in die Nähe . Das weiß der Schelm , darum frägt er mich schon darnach , und fürchtet den Fremden nicht , der bei mir ist . « In der Tat , das Tierchen blieb ruhig in seinem Neste und ließ sich durch unser Reden und durch unsere Augen nicht beirren . » Man muß eigentlich ehrlich gegen sie sein « , sagte mein Gastfreund ; » aber ich habe keine Larve in der Hand , darum bitte ich dich , Gustav , gehe in das Haus und hole mir eine . « Der Jüngling wendete sich schnell um und eilte in das Haus . Indessen führte mich mein Begleiter eine Strecke vorwärts , und zeigte mir neuerdings in einer Hecke unter Dornen ein Nest , in welchem eine Ammer saß . » Diese sitzt auf ihren Jungen , die noch kaum die ersten Härchen haben , und erwärmt sie « , sagte mein Begleiter . » Sie kann nicht viel von ihnen weg , darum bringt den meisten Teil der Nahrung der Vater herbei . Nach einigen Tagen aber werden sie schon so stark , daß sie der Mutter überall hervor sehen , wenn sie sich auch zeitweilig auf sie setzt . « Auch die Ammer flog bei unserer Annäherung nicht auf , sondern sah uns ruhig an . So zeigte mir mein Begleiter noch ein paar Nester , in denen Junge waren , die , wenn sie sich allein befanden , auf das Geräusch unserer Annäherung die gelben Schnäbel aufsperrten und Nahrung erwarteten . In zwei anderen waren Mütter , die bei unserem Herannahen nicht aufflogen . Da wir im Vorbeigehen noch eins trafen , bei welchem die Eltern äzten , ließen sich diese nicht von ihrem Geschäfte abhalten , flogen herzu , und nährten in unserer Gegenwart die Kinder . » Ich habe Euch jetzt Nester gezeigt , die noch bevölkert sind , « sagte mein Gastfreund , » die meisten sind schon leer , die Jugend flattert bereits in dem Garten herum und übt sich zur Herbstreise . Die Nester sind zahlreicher , als man vermutet , wir besuchen nur die , die uns bei der Hand sind . « Indessen war Gustav mit der verlangten Larve gekommen und gab sie dem alten Manne in die Hand . Dieser ging zu der Hecke , in welcher das Nest des Rotkehlchens war , und legte die Larve auf den Weg daneben . Kaum hatte er sich entfernt und war zu uns getreten , die wir in der Nähe standen , so schlüpfte das Rotkehlchen unter den untersten Ästen der Hecke heraus , rannte zu der Larve , nahm sie , und lief wieder in die Hecke zurück . Ich weiß nicht , welche tiefe Rührung mich bei diesem Vorfalle überkam . Mein Gastfreund erschien mir wie ein weiser Mann , der sich zu einem niedreren Geschöpfe herabläßt . Auch der Jüngling Gustav war sehr heiter , und zeigte Freude , wenn er in die Büsche blickte , in denen eine Wohnung war . Es war mir dies ein Beweis , daß das Zerstören der Vogelnester durch Wegnahme der Eier oder der Jungen und das Fangen der Vögel überhaupt den Kindern nicht angeboren ist , sondern daß dieser Zerstörungstrieb , wenn er da ist , von Eltern oder Erziehern hervorgerufen und in diese Bahn geleitet wurde , und daß er durch eine bessere Erziehung sein Gegenteil wird . Wir schritten weiter . In einer kleinen Fichte , die am Rande des Gartens stand , zeigten sie mir noch eine Finkenwohnung , die an dem Stamme in das Geflechte teils hervorgewachsener , teils künstlich eingefugter Äste und Zweige gebaut war . An anderen Bäumen sahen wir auch in die aufgehängten Behälter Vögel aus- und einschlüpfen . Mein Begleiter sagte , daß , wenn ich nur länger hier wäre , mir selbst die Sitten der Vögel verständlicher werden würden . Ich erwiderte , daß ich schon mehreres aus meinem Reisen im Gebirge und aus meinen früheren Beschäftigungen in den Naturwissenschaften kenne . » Das ist doch immer weniger , « sagte mein Gastfreund , » als was man durch das lebendige Beisammenleben inne wird . « Es wurden einige Behälter , die mit aus Ruten geflochtenen Seilen an Bäumen befestigt waren , und von denen man wußte , daß sie nicht mehr bewohnt seien , herabgenommen und auseinander gelegt , damit ich ihre Einrichtung sähe . Es war nur eine einfache Höhlung , die aus zwei halbhohen Stücken bestand , die man mittelst Ringen , die enger zu schrauben waren , aneinanderpressen konnte . » Kein Singvogel « , sagte mein Begleiter , » geht in ein fertiges Nest , es mag nun dasselbe in einer früheren Zeit von ihm selber oder einem anderen Vogel gebaut worden sein , sondern er verfertigt sich sein Nest in jedem Frühlinge neu . Deshalb haben wir die Behälter aus zwei Teilen machen lassen , daß wir sie leicht auseinander nehmen und die veralteten Nester heraus tun können . Auch zum Reinigen der Behälter ist diese Einrichtung sehr tauglich ; denn wenn sie unbewohnt sind , nimmt allerlei Ungeziefer seine Zuflucht zu diesen Höhlungen , und der Vogel scheut Unrat und verdorbene Luft und würde eine unreine Höhlung nicht besuchen . Im letzten Teile des Winters , wenn der Frühling schon in Aussicht steht , werden alle diese Behälter herabgenommen , auf das sorgfältigste gescheuert und in Stand gesetzt . Im Winter sind sie darum auf den Bäumen , weil doch mancher Vogel , der nicht abreist , Schutz in ihnen sucht . Die alten Nester werden zerfasert und gegen den Frühling ihre Bestandteile mit neuen vermehrt in dem Garten ausgestreut , damit die Familien Stoff für ihre Häuser finden . « Ich sah im Vorübergehen auch die Kletterstäbchen in den Wassertonnen , und im Gebüsche fanden wir das kleine rieselnde Wasserlein . Als wir uns auf dem Rückwege zum Hause befanden , sagte mein Begleiter : » Ich habe noch eine Art Gäste , die ich füttere , nicht daß sie mir nützen , sondern daß sie mir nicht schaden . Gleich in der ersten Zeit meines Hierseins , da ich eine sogenannte Baumschule anlegte , nämlich ein Gärtchen , in welchem die zur Veredlung tauglichen Stämmchen gezogen wurden , habe ich die Bemerkung gemacht , daß mir im Winter die Rinde an Stämmchen abgefressen wurde , und gerade die beste und zarteste Rinde an den besten Stämmchen . Die Übeltäter wiesen sich teils durch ihre Spuren im Schnee , teils weil sie auch auf frischer Tat ertappt wurden , als Hasen aus . Das Verjagen half nicht , weil sie wieder kamen , und doch nicht Tag und Nacht jemand in der Baumschule Wache stehen konnte . Da dachte ich : die armen Diebe fressen die Rinde nur , weil sie nichts Besseres haben , hätten sie es , so ließen sie die Rinde stehen . Ich sammelte nun alle Abfälle von Kohl und ähnlichen Pflanzen , die im Garten und auf den Feldern übrig blieben , bewahrte sie im Keller auf , und legte sie bei Frost und hohem Schnee teilweise auf die Felder außerhalb des Gartens . Meine Absicht wurde belohnt : die Hasen fraßen von den Dingen und ließen unsere Baumschule in Ruhe . Endlich wurde die Zahl der Gäste immer mehr , da sie die wohleingerichtete Tafel entdeckten ; aber weil sie mit dem Schlechtesten , selbst mit den dicken Strünken des Kohles zufrieden waren und ich mir solche von unseren Feldern und von Nachbarn leicht erwerben konnte , so fragte ich nichts darnach , und fütterte . Ich sah ihnen oft aus dem Dachfenster mit dem Fernrohre zu . Es ist possierlich , wenn sie von der Ferne herzulaufen , dem bequem daliegenden Fraße mißtrauen , Männchen machen , hüpfen , dann aber sich doch nicht helfen können , herzustürzen , und von dem Zeuge hastig fressen , das sie im Sommer nicht anschauen würden . Manche Leute legten Schlingen , da sie wußten , daß hier Hasen zusammenkamen . Aber da wir sehr sorgfältig nachspürten und die Schlingen wegnehmen ließen , da ich auch verbot , über unsere Felder zu gehen , und die Betroffenen zur Verantwortung zog , verlor sich die Sache wieder . Auch den Vögeln legten Buben in unserer Nähe Schlingen ; aber das half sehr wenig , da die Vögel in unserem Garten sehr gute Kost hatten und nach der fremden Lockspeise nicht ausgingen . Die Beute an Vögeln war daher nie groß , und mit einiger Aufsicht und Wachsamkeit , die wir in den ersten Jahren einleiteten , geschah es , daß dieser Unfug auch bald wieder aufhörte . « Der alte Mann lud mich ein , in das Haus zu gehen und die Fütterungskammer anzusehen . Auf dem Wege dahin sagte er : » Unter die Feinde der Sänger gehören auch die Katzen , Hunde , Iltisse , Wiesel , Raubvögel . Gegen letzte schützen die Dornen und die Nestbehälter , und Hunde und Katzen werden in unserm Hause so erzogen , daß sie nicht in den Garten gehen , oder sie werden ganz von dem Hause entfernt . « Wir waren indessen in das Haus gekommen , und gingen in das Eckzimmer , in welchem ich die vielen Fächer gesehen hatte . Mein Begleiter zeigte mir die Vorräte , indem er die Fächer herauszog und mir die Sämereien wies . Die Speisen , welche eben nicht in Sämereien bestehen , wie Eier , Brod , Speck , werden beim Bedarfe aus der Speisekammer des Hauses genommen . » Meine Nachbaren äußerten schon , « sagte mein Begleiter , » daß außer der Mühe , die das Erhalten der Singvögel macht , auch die Kosten zu ihrer Ernährung in keinem Verhältnisse zu ihrem Nutzen stehen . Aber das ist unrichtig . Die Mühe ist ein Vergnügen , das wird der , welcher einmal anfängt , bald inne werden , so wie der Blumenfreund keine Mühe , sondern nur Pflege kennt , welche zudem bei den Blumen viel mehr Tätigkeit in Anspruch nimmt als das Ziehen der Gesangvögel im Freien ; die Kosten aber sind in der Tat nicht ganz unbedeutend ; allein wenn ich die edlen Früchte eines einzigen Pflaumenbaumes , welchen mir die Raupen der Vögel wegen nicht abgefressen haben , verkaufe , so deckt der Kaufschilling die Nahrungskosten der Sänger ganz und gar . Freilich ist der Nutzen desto größer , je edler das Obst ist , welches in dem Garten gezogen wird , und dazu , daß sie edles Obst in dieser Gegend ziehen , sind sie schwer zu bewegen , weil sie meinen , es gehe nicht . Wir müssen ihnen aber zeigen , daß es geht , indem wir ihnen die Früchte weisen und zu kosten geben , und wir müssen ihnen zeigen , daß es nützt , indem wir ihnen Briefe unserer Handelsfreunde weisen , die uns das Obst abgekauft haben . Von den Stämmchen , die in unserer Obstschule wachsen , geben wir ihnen ab , und unterrichten sie , wie und auf welchen Platz sie gesetzt werden sollen . « » Wenn wieder einmal ein Jahr kommen sollte wie das , welches wir vor fünf Jahren hatten , « fuhr er fort , » es war ein schlimmes Jahr , heiß mit wenig Regen und ungeheurem Raupenfraß . Die Bäume in Rohrberg , in Regau , in Landegg und Pludern standen wie Fegebesen in die Höhe , und die grauen Fahnen der Raupennester hingen von den entwürdigten Ästen herab . Unser Garten war unverletzt und dunkelgrün , sogar jedes Blatt hatte seine natürliche Ränderung und Ausspitzung . Wenn noch einmal ein solches Jahr käme , was Gott verhüte , so würden sie wieder ein Stückchen Erfahrung machen , das sie das erste Mal nicht gemacht haben . « Ich sah unterdessen die Sämereien und die Anstalten an , fragte manches und ließ mir manches erklären . Wir verließen hierauf das Zimmer , und da wir auf dem Gange waren und gegen Gustavs Zimmer gingen , sagte er : » Daß auch unnütze Glieder herbeikommen , Müßiggänger , Störefriede , das begreift sich . Ein großer Händelmacher ist der Sperling . Er geht in fremde Wohnungen , balgt sich mit Freund und Feind , ist zudringlich zu unsern Sämereien und Kirschen . Wenn die Gesellschaft nicht groß ist , lasse ich sie gelten und streue ihnen sogar Getreide . Sollten sie hier aber doch zu viel werden , so hilft die Windbüchse , und sie werden in den Meierhof hinabgescheucht . Als einen bösen Feind zeigte sich der Rotschwanz . Er flog zu dem Bienenhause und schnappte die Tierchen weg . Da half nichts , als ihn ohne Gnade mit der Windbüchse zu töten . Wir ließen beinahe in Ordnung Wache halten und die Verfolgung fortsetzen , bis dieses Geschlecht ausblieb . Sie waren so klug , zu wissen , wo Gefahr ist , und gingen in die Scheunen , in