, nur zu , ich höre gern drauf . « Nun begann die Mutter , indem sie die Hand des Sohnes faßte : » Bleib ' stehen , ich kann im Gehen nicht gut reden . - Schau , daß sie dir gefällt , das ist natürlich das Erste : ohne Lieb ' ist keine Freud ' , und ich bin nun eine alte Frau , gelt ich darf Alles sagen ? « » Ja , ja ! « » Wenn du dich nicht drauf freust und es nicht wie ein Gnadengeschenk vom Himmel ansiehst , daß du ihr einen Kuß geben darfst , da ist ' s die rechte Liebe nicht , aber ... bleib ' doch stehen ... und auch diese Liebe reicht noch nicht aus , da kann sich noch etwas Anderes dahinter verstecken . Glaub ' mir ... « Die alte Frau hielt stotternd inne und wurde flammroth im Gesichte . » Schau , wo der rechte Respekt nicht ist , und wo man nicht Freud daran hat , daß eine Frau grad so eine Sache in die Hand nimmt und grad so wegstellt und nicht anders , da geht ' s schwer ; und vor Allem achte darauf , wie sie sich zu den Dienstboten stellt . « » Ich will Euch immer abnehmen und in klein Geld wechseln , was Ihr meinet , Mutter ; das Sprechen wird Euch schwer . Jetzt das verstehe ich schon . Sie darf nicht zu stolz und nicht zu vertraut sein . « » Das freilich , aber ich seh ' s Einer am Mund an , ob der Mund schon geflucht und geschimpft und gescholten hat , und ob er ' s gern thut . Ja , wenn du sie im Aerger weinen sehen , wenn du sie im Zorn ertappen könntest , da wäre sie am besten kennen zu lernen ; da springt der versteckte inwendige Mensch heraus und das ist oft einer mit Geierkrallen wie ein Teufel . O Kind ! Ich hab ' viel erfahren und in ' s Aug ' gefaßt . Ich seh ' daran , wie Eine das Licht auslöscht , wie ' s in ihr aussieht und was sie für ein Gemüth hat . Die so im Vorbeigehen mit einem Hui das Licht ausbläst , mag ' s fünkeln und blaken , das ist Eine , die sich auf ihr schnelles Schaffen was einbildet und sie thut doch Alles nur halb und hat keine Ruhe im Gemüth . « » Ja , Mutter , das machet Ihr mir zu schwer ; eine Lotterie ist und bleibt es immer . « » Ja , ja , du brauchst auch nicht Alles zu behalten , was ich mein ' , nur so obenhin ; wenn dir ' s nachher vorkommt , wirst schon finden , wie ich ' s gemeint habe . Und dann paß auf : ob sie gut beim Arbeiten redet , ob sie etwas in die Hand nimmt , wenn sie mit dir spricht , und nicht allemal still hält , wenn sie ein Wort sagt , und nicht eine Scheinarbeit thut . Ich sage dir , Arbeitsamkeit ist bei einer Frau Alles . Meiner Mutter Red ' ist immer gewesen : ein Mädchen darf nie mit leeren Händen gehen und muß über drei Zäune springen , um ein Federchen aufzulesen . Und dabei muß sie doch beim Schaffen ruhig und stetig sein , nicht so um sich rasen und aufbegehren , als wolle sie jetzt grad ' ein Stück von der Welt herunter reißen . Und wenn sie dir Red ' und Antwort giebt , merk ' auf , ob sie nicht zu blöd und nicht zu keck ist . Du glaubst gar nicht , die Mädchen sind ganz anders , wenn sie einen Mannshut sehen , als wenn sie unter sich sind ; und die wo immer gar so thun , als ob sie bei Jedem sagen wollten : friß mich nicht ! das sind die Schlimmsten ; aber die so ein gewetztes Mundstück haben und die meinen , wenn Jemand in der Stube sei , dürfte das Maul gar nicht still stehen , die sind noch ärger . « Der Bursche lachte und sagte : » Mutter , Ihr solltet einmal predigen gehen in der Welt herum und Kirche halten für die Mädchen allein . « » Ja , das könnte ich auch , « sagte die Mutter ebenfalls lachend , » aber ich bringe das Letzte zuerst vor . Natürlich , daß du zuerst drauf siehst , wie sie zu Eltern und Geschwistern steht ; du bist ja selber ein gutes Kind , da brauch ' ich dir nichts zu sagen . Das vierte Gebot kennst du . « » Ja , Mutter , da seid ruhig und da habe ich mein besonderes Merkzeichen : die viel Wesens von der Elternliebe machen , da ist ' s nichts ; das zeigt sich am besten wie man thut ; und wer viel davon schwätzt , ist müd und matt , wenn ' s an ' s Thun geht . « » Du bist ja gescheit , « sagte die Mutter in spöttischer Glückseligkeit , legte die Hand auf die Brust und schaute zu ihrem Sohn auf : » Soll ich dir noch mehr sagen ? « » Ja , ich hör ' Euch immer gern . « » Mir ist , wie wenn ich heut ' zum Erstenmal so recht mit dir reden könnte , und wenn ich sterbe , so habe ich nichts mehr hinter mir was ich vergessen habe . Das vierte Gebot ! ja , da fällt mir ein , was mein Vater einmal gesagt hat . O , der hat Alles verstanden und viel in Schriften gelesen und ich habe einmal zugehört wie er zum Pfarrer , der oft bei ihm war , gesagt hat : » Ich weiß den Grund , warum beim vierten Gebot allein eine Belohnung ausgesetzt ist , und man meint doch da wäre es grad am unnöthigsten , denn das ist ja das natürlichste . Aber es heißt : Ehre Vater und Mutter damit du lange lebest ! .. damit ist nicht gemeint , daß ein braves Kind siebzig oder achtzig Jahr alt wird ; nein , wer Vater und Mutter ehrt , lebt lange , aber rückwärts . Er hat das Leben von seinen Eltern in sich , in der Erinnerung , in Gedanken , und das kann ihm nicht genommen werden und er lebt lange auf Erden , wie alt er auch sei . Und wer Vater und Mutter nicht ehrt , der ist erst heut auf die Welt gekommen und morgen nicht mehr da . « » Mutter , das ist ein gutes Wort , das verstehe ich und werde es auch nicht vergessen und meine Kinder sollen ' s auch lernen ; aber je mehr Ihr so redet , je schwerer wird mir ' s , daß ich Eine finde ; ich meine sie müßte so sein wie Ihr . « » O Kind , sei nicht so einfältig ! Mit neunzehn , zwanzig Jahren bin ich auch noch ganz anders gewesen , wild und eigenwillig , und auch jetzt bin ich noch nicht wie ich sein möchte ! Aber was ich dir noch sagen wollte ? ja , von wegen der Frau . Es ist wunderlich , warum es gerade dir so schwer wird . Aber dir ist von Klein auf Alles schwerer geworden , du hast erst mit zwei Jahren laufen gelernt und kannst doch jetzt springen wie ein Füllen . Nur noch ein paar Kleinigkeiten , aber da kennt man oft Großes draus . Merk ' auf , wie sie lacht ; nicht so pflatschig zum Ausschütten , und nicht so spitzig zum Schnäbelchen machen , nein , so von innen heraus . Ich wollt ' , du wüßtest wie du lachst , dann könntest du ' s schon abmerken . « Der Sohn mußte hierbei laut auflachen und die Mutter sagte immer : » Ja , ja , so ist ' s , so hat grad mein Vater auch gelacht , so hat ' s ihm den Buckel geschüttelt und die Achseln gehoben . « Und je mehr die Mutter das sagte , um so mehr mußte der Sohn lachen und sie stimmte endlich selbst mit ein und so oft das Eine aufhörte , steckte das fortgesetzte Lachen des Andern es wieder an . Sie setzten sich an einen Wegrain , ließen das Pferd grasen und indem die Mutter ein Maasliebchen abpflückte und damit in der Hand spielte , sagte sie : » Ja , das ist auch was , das hat viel zu bedeuten . Gieb Acht , ob ihr Blumen gedeihen , da steckt viel drin , mehr als man glaubt . « Man hörte in der Ferne Mädchen singen und die Mutter sagte : » Merk ' auch auf , ob sie beim Singen gern gleich die zweite Stimme singt ; die wo gern immer den Ton angeben , das hat etwas zu bedeuten ; und schau ! da kommen Schulkinder , die sagen mir auch was . Wenn du ' s erkundschaften kannst , ob sie ihr Schreibbuch aus der Schule noch hat , das ist auch wichtig . « » Ja , Mutter , Ihr nehmt noch die ganze Welt zum Wahrzeichen . Was soll denn das jetzt zu bedeuten haben , ob sie ihr Schreibbuch noch hat ? « » Daß du noch fragst , das zeigt , daß du noch nicht ganz gescheit bist . Ein Mädchen , das nicht gern Alles aufbewahrt , was einmal gegolten hat , das hat kein rechtes Herz . « Der Sohn hatte während des Redens versucht , die Treibschnur an der Peitsche , die sich verknotet hatte , aufzuknüpfen , jetzt holte er das Messer aus der Tasche und schnitt den Knoten entzwei . Mit dem Finger darauf hindeutend , sagte die Mutter : » Siehst du ? das darfst du thun , aber das Mädchen nicht . Gieb Acht , ob sie einen Knoten schnell zerschneidet ; da liegt ein Geheimniß drin . « » Das kann ich errathen , « sagte der Sohn . » Aber Euer Schuhbändel ist Euch aufgegangen und wir müssen jetzt fort . « » Ja , und du bringst mich damit noch auf was , « sagte die Mutter . » Schau , das ist noch eins der besten Zeichen : gieb Acht , wie sie die Schuhe vertritt , nach innen oder nach außen , und ob sie schlurkt und viel Schuhwerk zerreißt . « » Da müßte ich zum Schuhmacher laufen , « sagte der Sohn lächelnd , » o Mutter , alles Das , was Ihr sagt , das findet man nicht bei einander . « » Ja , ja , ich red ' zu viel und du brauchst ja nicht Alles behalten , es soll dich nur daran erinnern , wenn ' s dir vorkommt . Ich meine nur : nicht was Eine hat oder erbt ist die Hauptsache , sondern was Eine braucht . Jetzt aber , du weißt , ich habe dich ruhig gehen lassen , jetzt mach ' mir dein Herz auf und sag ' : was ist dir denn geschehen , daß du voriges Jahr von der Hochzeit in Endringen heimgekommen bist wie behext und seitdem nicht mehr der alte Bursch bist von ehedem ? Sag ' s , vielleicht kann ich dir helfen . « » O Mutter , das könnet Ihr nicht , aber ich will ' s Euch sagen . Ich hab ' Eine gesehen , die die Rechte gewesen wäre , aber es ist die Unrechte gewesen . « » Um Gotteswillen ! Du hast dich doch nicht in eine Ehefrau verliebt ? « » Nein , es ist aber doch die Unrechte gewesen . Was soll ich da viel drum herum reden ? Es war eine Magd . « Der Sohn athmete tief auf und Mutter und Sohn schwiegen eine geraume Weile ; endlich legte die Mutter die Hand auf seine Schulter und sagte : » O du bist brav , ich danke Gott , daß er dich so hat werden lassen . Das hast du brav gemacht , daß du dir das aus dem Sinn geschlagen . Dein Vater hätt ' das nie zugegeben und du weißt ja , was Vatersegen zu bedeuten hat . « » Nein , Mutter , ich will mich nicht braver machen als ich bin ; es hat mir selber ganz allein nicht gefallen , daß sie eine Magd ist ; das geht nicht und drum bin ich fort . Aber es ist mir doch härter geworden , mir das aus dem Sinn zu bringen als ich geglaubt habe , aber jetzt ist ' s vorbei , und es muß vorbei sein , ich habe mir das Wort gegeben , daß ich mich nicht nach ihr erkundige , Niemand frage wo sie ist und wer sie ist , ich bringe Euch , will ' s Gott , eine rechte Bauerntochter . « » Du hast doch den Rechtschaffenen an dem Mädchen gemacht und hast ihm nicht den Kopf verwirrt ? « » Mutter , da , meine Hand , ich habe mir nichts vorzuwerfen . « » Ich glaube dir , « sagte die Mutter , und drückte mehrmals seine Hand , » und Glück und Segen auf den Weg . « Der Sohn stieg auf und die Mutter sah ihm nach , und jetzt rief sie : » Halt ' , ich muß dir noch was sagen , ich habe das Beste vergessen . « Der Sohn wendete das Pferd , und bei der Mutter angekommen , sagte er lächelnd : » Aber nicht wahr , Mutter , das ist das Letzte ? « » Ja , und die beste Probe . Frage das Mädchen auch nach den Armen im Ort und dann lauf ' herum und horch die Armen aus was sie über sie reden . Das muß eine schlechte Bauerntochter sein , die nicht ein Armes an der Hand hat , dem sie Gutes thut . Merk ' dir das , und jetzt behüt ' dich Gott und reit ' scharf zu . « Und wie er nun davon ritt , sprach die Mutter noch ein Gebet auf seinen Weg , dann kehrte sie zurück nach dem Hof . » Ich hätt ' ihm doch noch sagen sollen , daß er sich auch nach des Josenhansen Kindern erkundigen soll , was aus Denen geworden ist , « sagte die Mutter in seltsamer Erregung vor sich hin , und wer weiß die verborgenen Wege , die die Seele geht , die Strömungen die hinziehen über unserer erkennbaren Schicht oder tief unter ihr ? Es erwacht eine längst verklungene Lied- und Tanzweise in deiner Erinnerung , du kannst sie nicht laut singen , du bringst die Töne nicht zusammen , aber innerlich erklingt es dir ganz deutlich und es ist dir als ob du es hörtest . Was ist ' s , das plötzlich diese verklungenen Töne in dir erweckte ? Warum dachte gerade jetzt die Mutter an diese Kinder , die schon längst aus ihrem Gedächtniß entschwunden waren ? War die andächtige Stimmung von jetzt wie eine Erinnerung an eine andere längst verklungene und erweckte sie damit die begleitenden Umstände derselben ? Wer kann die unwägbaren und unsichtbaren Elemente fassen , die hin und her , von Mensch zu Mensch , von Erinnerung zu Erinnnerung schweben und schwingen . Als die Mutter in den Hof zurückkam zu dem Bauer , sagte dieser spöttisch : » Du hast ihm gewiß noch viel Unterweisung gegeben , wie man die Beste fischt ; ich habe auch dafür vorgesorgt , ich habe voraus an den Krappenzacher geschrieben , der wird ihn schon in die rechten Häuser bringen . Er muß Eine bringen , die brav Batzen hat . « » Das Batzenhaben macht die Bravheit nicht aus , « entgegegnete die Mutter . » So gescheit bin ich auch , « höhnte der Bauer , » aber warum soll Eine nicht brav sein können und doch auch brav Batzen haben ? « Die Mutter schwieg . Nach einer Weile aber sagte sie : » An den Krappenzacher hast ihn gewiesen ? Beim Krappenzacher ist der Bub vom Josenhans untergebracht gewesen . « So knüpfte sie jetzt durch den Namen laut an ihre frühere Erinnerung an und jetzt erst wurde sie sich bewußt , wessen sie sich erinnert hatte . » Ich weiß nicht , was du redest , « sagte der Bauer , » was hast du mit dem Kind vom Josenhans beim Krappenzacher ? Warum sagst du jetzt nicht , daß ich das gescheit gemacht habe ? « » Ja , ja , das ist gescheit , « bestätigte die Frau , aber dem Alten genügte das nachträgliche Lob nicht , und er ging brummend hinaus . Ein gewisses ärgerliches Bangen , daß es doch mit dem Johannes schief gehen könne , und daß man sich vielleicht zu sehr übereilt habe , machte den Alten unwirsch für die Gegenwart und für Alles was ihn umgab . 14. Der Schimmelreiter . Am Abend desselben Tages , an dem Johannes ausgeritten war von Zusmarshofen , kam der Krappenzacher in ' s Haus des Rodelbauern und saß mit diesem lange im Hinterstübchen und las ihm leise einen Brief vor . » Hundert Kronenthaler mußt du mir geben , wenn die Sache in ' s Reine kommt , und das will ich schriftlich , « sagte der Krappenzacher . » Ich meine , fünfzig Kronenthaler wären auch genug , das ist ein schön Stück Geld . « » Nein , keinen rothen Heller weniger als runde Hundert , und ich schenke dir dabei noch gut und gern hundert , aber ich gönne es dir und deiner Schwester , und thue gern Einem im Ort einen Gefallen . Ich bekäme in Endringen und in Siebenhöfen gut und gern das Doppelte . Deine Rosel ist eine rechte Bauerntochter , da kann man nichts dagegen sagen , aber was Besonderes ist sie nicht , da kann man fragen : was kostet das Dutzend von denen ? « » Sei still , das leid ' ich nicht . « » Ja , ja , will still sein , und dich nicht im Schreiben verwirren . Jetzt schreib ' gleich . « Der Rodelbauer mußte dem Krappenzacher willfahren und als er geschrieben hatte , sagte er : » Wie meinst , soll ich meiner Rosel etwas davon sagen ? « » Freilich mußt du das , aber sie soll sich nichts merken lassen , und auch Niemand im Ort ; das verträgt das Schnaufen nicht , und ein Jedes hat seine Feinde , du und deine Schwester auch . Kannst mir ' s glauben . Sag ' der Rosel , sie soll sich alltagsmäßig anziehen , und die Kühe melken , wenn er kommt . Ich lasse ihn allein zu dir in ' s Haus ; hast ja gelesen , daß der Landfriedbauer schreibt : er habe seinen eigenen Kopf , und liefe gleich davon , wenn er merke , daß da etwas angelegt sei . Mußt aber noch schnell heut ' Abend hinüberschicken nach Lauterbach , und dir den Schimmel von deinem Schwager holen lassen ; ich will den Freier dann schon durch einen Unterhändler nach einem Gaul zu dir schicken . Laß du dir auch nichts merken . « Der Krappenzacher ging weg und der Rodelbauer rief seine Schwester und seine Frau in ' s Hinterstübchen und theilte ihnen unter Auferlegung der Geheimhaltung mit , daß morgen ein Freier für die Rosel käme , und zwar ein Mensch wie ein Prinz , der einen Hof habe , wie es keinen zweiten gebe , mit einem Wort , des Landfriedbauern Johannes von Zusmarshofen . Er gab nun die weiteren Anordnungen , wie sie der Krappenzacher bestimmt hatte , und empfahl nochmals das strengste Geheimhalten . Nach dem Nachtessen konnte sich indeß Rosel nicht enthalten , das Barfüßele zu fragen , ob sie , wenn sie heirathe , gern mit ihr ginge als Magd ; sie gäbe ihr doppelt mehr Lohn als sie jetzt habe , und sie brauche dann auch nicht über den Rhein in eine Fabrik . Barfüßele gab ausweichende Antwort , denn sie war nicht geneigt mit der Rosel zu gehen und wußte , daß diese bei ihrem Antrag noch andere Absichten hatte : sie wollte zuerst ihren Triumph anbringen , daß sie einen Mann kriege , und was für Einen , und dann sollte Barfüßele ihr das Hauswesen in Stand halten , um das sie sich bisher fast gar nichts bekümmert hatte . Das hätte nun Barfüßele gern gethan für eine ihr zugeneigte Herrin , aber nicht für Rosel ; und sollte sie einmal von ihrer jetzigen Meisterin fort , dann wollte sie nicht mehr in Dienst , dann lieber für sich , sei es auch in der Fabrik mit ihrem Bruder . Und noch als sich Barfüßele zu Bette legen wollte , rief sie die Meisterin , und vertraute ihr das Geheimniß mit dem Hinzufügen : » Du hast zwar immer Geduld gehabt mit der Rosel , jetzt aber hab ' doppelte , so lange der Freier da ist , daß es keinen Lärmen im Hause giebt . « » Ja , ich finde es aber schlecht , daß sie jetzt das Einzigemal die Kühe melken will ; das heißt ja den guten Menschen betrügen , und sie kann ja gar nicht melken . « » Du und ich wir können die Welt nicht ändern , « sagte die Meisterin , » ich mein ' , du hast für dich allein schwer genug ; laß du Andre treiben was sie wollen . « Barfüßele legte sich mit dem schweren Gedanken nieder , wie doch die Menschen sich gar kein Gewissen daraus machen , einander zu betrügen . Sie wußte zwar nicht , wer der Betrogene sein würde ; aber sie hatte tiefes Mitleid mit dem armen jungen Mann und schwarz wurde es ihr vor den Augen als sie denken mußte : wer weiß , vielleicht wird die Rosel mit ihm ebenso angeführt , als er mit ihr . Am Morgen als Barfüßele in aller Frühe zum Fenster hinaus sah , schrak sie plötzlich zurück als wäre ihr ein Schuß an die Stirn gefahren . » Himmel was ist denn das ? « Sie rieb sich hastig die Augen und riß sie wieder auf und fragte sich , ob sie noch träume . » Das ist ja der Schimmelreiter von der Endringer Hochzeit , er kommt daher in ' s Dorf , er holt dich , nein , er weiß nichts ; aber er soll ' s wissen . Nein , nein , was willst du ? « Er kommt näher , immer näher , er schaut nicht auf ... » Eine doppelt aufgeblühte Nelke fällt von der Hand Barfüßele ' s über dem Fensterbrett auf ihn nieder , sie trifft den Mantelsack seines Pferdes , aber er sieht sie nicht , und sie fällt auf die Straße und Barfüßele eilt hinab und nimmt das verrätherische Zeichen wieder zu sich , und jetzt geht es ihr auf wie ein neuer fürchterlicher Tag : das ist ja der Freier der Rosel , der ist ' s , den sie gemeint hat am gestrigen Abend . Sie hatte ihn nicht genannt , aber es kann kein Anderer sein , Keiner , und der soll betrogen werden ? Im Schuppen auf dem grünen Klee , den sie den Kühen aufstecken wollte , kniete Barfüßele und betete inbrünstig zu Gott , er möge ihn davor bewahren , daß er die Rosel bekäme . Daß er ihr eigen werden sollte - sie wagte es nicht sich dem Gedanken hinzugeben und nicht ihn zu verscheuchen . « Kaum hatte sie gemolken , als sie zur schwarzen Marann ' hinüber eilte ; sie wollte sie fragen , was sie thun solle ; die schwarze Marann ' lag schwer krank , sie war fast taub geworden und verstand kaum mehr zusammenhängende Worte , und Barfüßele wagte es nicht , das Geheimniß , das ihr halb anvertraut worden und das sie halb errathen hatte , so laut zu schreien , daß es die schwarze Marann ' verstehen konnte . Es konnten Leute von der Straße es hören . Rathlos kehrte sie wieder nach Hause zurück . Barfüßele mußte in ' s Feld und den ganzen Tag draußen bleiben beim Einpflanzen der Rübensetzlinge . Bei jedem Schritte fast zögerte sie und wollte zurück und dem Fremden Alles sagen ; aber das Gebot der Unterthänigkeit drängte sie fort zu der angewiesenen Pflicht , und dann dachte sie : wenn er so einfältig und unbesonnen ist , daß er so fahrlässig hineinrennt , dann ist ihm nicht zu helfen , dann verdient er ' s nicht besser und - versprochen ist ja noch nicht geheirathet , tröstete sie sich zuletzt . Sie war aber den ganzen Tag voll Unruhe , und als sie Abends heimgekehrt die Kühe melkte und Rosel mit dem vollen Kübel an einer ausgemolkenen Kuh saß und hell sang , da hörte sie den Fremden mit dem Bauer im benachbarten Pferdestall . Es handelte sich um einen Schimmel . Aber woher kam denn der Schimmel in den Stall ? sie hatten ja bisher keinen ? Jetzt fragte der Fremde : » Wer ist das , das daneben singt ? « » Das ist meine Schwester , « sagte der Bauer und auf dieses Wort hin fiel Barfüßele ein und sang die zweite Stimme , so mächtig , so trotzig , daß sie ihn zwingen wollte , daß er auch fragen müsse , wer denn drüben das sei ; aber das Singen hatte den Uebelstand , daß man dadurch nicht hören konnte , ob er denn wirklich gefragt habe . Und als Rosel mit dem vollen Kübel über den Hof ging , wo eben jetzt der Schimmel vorgeführt und beschaut wurde , sagte der Bauer : » Da , die da , das ist meine Schwester . Rosel ! Stell ' ab und richt ' was zum Nachtessen , wir haben einen Verwandten zum Gast , ich will ihn schon hinaufbringen . « » Und die Kleine da hat wohl die zweite Stimme gesungen ? « fragte der Fremde . » Ist das auch eine Schwester ? « » Nein , das ist so halb und halb ein angenommenes Kind ; mein Vater ist sein Pfleger gewesen . « Der Bauer wußte recht wohl , daß solche Mildthätigkeit ein schöner Ruhm eines Hauses sei und darum hatte er es vermieden , Barfüßele gradaus Magd zu nennen . Barfüßele war aber innerlichst froh , daß der Fremde nun doch von ihr wußte . Wenn er gescheit ist , muß er sich bei mir nach der Rosel erkundigen , berechnete sie richtig , und dann war die Anknüpfung gegeben , und er war wenigstens vor Unglück bewahrt . Rosel trug das Essen auf , und der Fremde war gar erstaunt , daß so schnell eine so schöne Gasterei hergerichtet sei ; er konnte nicht wissen , daß Alles vorbereitet war , und Rosel entschuldigte , daß er einstweilen fürlieb nehmen sollte mit der geringen Aufwartung , er sei ' s gewiß zu Hause besser gewohnt . Sie rechnete nicht ohne Klugheit , daß das Hervorheben eines weltbekannten Ruhmes Jedem wohlthue . Barfüßele mußte heute in der Küche bleiben und Rosel Alles in die Hand geben und immer und immer bat sie : » So sag ' mir doch um Gotteswillen , wer ist ' s denn ? Wie heißt er denn ? « Aber Rosel gab keine Antwort , und die Meisterin löste endlich das Geheimniß , indem sie erklärte : » Jetzt kannst du ' s schon sagen , es ist des Landfriedbauern Johannes von Zusmarshofen . Nicht wahr , Amrei , du hast noch ein Andenken von seiner Mutter ? « » Ja , ja , « sagte Barfüßele , und sie mußte sich auf den Herd niedersetzen , so war es ihr in die Kniee gefahren . Wie wunderbar war das Alles ! Also der Sohn ihrer ersten Wohlthäterin ist es . » Nun muß ihm geholfen werden , und wenn das ganze Dorf mich steinigt , ich leid ' s nicht ! « sprach sie in sich hinein . Der Fremde ging fort , man gab ihm das Geleite , aber noch auf der Treppe kehrte er wieder um und sagte : » Meine Pfeife ist mir ausgegangen , und ich zünd ' mir sie am liebsten mit einer Kohle an . « Er wollte offenbar mustern , wie es in der Küche aussähe . Die Rosel drängte sich vor ihm herein , und reichte ihm mit einer Zange eine Kohle , sie stand gerade vor Barfüßele , das hinten an der Esse auf dem Herd saß . Und noch spät in der Nacht , als Alles im Hause schon schlief , verließ Barfüßele dasselbe und rannte im Dorfe hin und her . Sie sucht Jemand , dem sie es sagen könnte , damit er den Johannes warne , aber sie weiß Niemand . Halt , da wohnt der Heiligenpfleger , der ist ein Feind des Rodelbauern , und der weiß Alles geschmälzt anzubringen ; aber .. zu einem Feinde deines Meisters gehst du nicht , und überhaupt zu Keinem hier . Hast schon Feinde genug von der Gemeinderathssitzung her wegen des Dami . Ja , der Dami , der kann ' s. Warum nicht ? Ein Mann kann eher davon reden , was kann man ihm Hinterhältiges zutrauen ? Und der Johannes , ja , so heißt er , er wird ihm das nicht vergessen , ja , und dann hat der Dami einen Annehmer , und was für einen ! So