daß ich Dich mit Hunden aus dem Schloßhofe hetzen lasse . « » Zu Ihrem Haushofmeister sollten Sie mich lieber ernennen , « versetzte Heinrich lachend . » Wollten Sie nur Geduld haben , so gäb ' ich Ihnen einen Rath , wie sie ihn bei allen Weisen der alten und neuen Welt umsonst suchen möchten . « Magnus bemühte sich ruhig zu bleiben und winkte dem Maulwurffänger , daß er in seinen Mittheilungen fortfahren solle . » Der Bursche , Haideröschens Liebhaber , « sprach Heinrich , » gehört zu den Murrköpfen der neuen Zeit , die der Meinung sind , ein Mensch sei grade so gut wie der andre , woraus Ew . Gnaden schon abnehmen können , wie beschränkten Verstandes der Bursche sein muß . Jüngst hatte ich Gelegenheit , ihn zu sprechen , und da hat er mir eine Predigt gehalten über die Freiheit , daß mir jetzt noch die Ohren davon weh thun . Alle Menschen , behauptete er , müßten frei und ihre eigenen Herren sein ; es dürfte keine Gebieter , keine Knechte mehr geben , und wer nicht dieselben Gedanken hege , der müsse je eher je lieber fortgejagt oder noch besser todtgeschlagen werden . Daß man im Guten mit Bitten und Vorstellungen nicht sehr weit kommen werde , leuchte ihm wohl ein , darum habe er sich auch ein anderes Mittel ausgedacht . Dies sei heimliche Aufwiegelung aller Leibeigenen gegen ihre rechtmäßigen Herren . Der Bund sei schon hübsch weit verbreitet . Die gesammten Haidewenden hätten sich auf Tod und Leben Beistand und Unterstützung zugeschworen , nur die im Hügellande und dem Gefilde zerstreut wohnenden zauderten noch und ohne sie könne man doch nichts anfangen . Sobald sie aber überzeugt und ebenfalls gewonnen seien , würde plötzlich in einer Nacht der Aufstand ausbrechen und Alles , was dem Herrenstande angehöre , ohn ' Erbarmen ermordet werden ! « Während dieser Rede war Magnus immer bleicher geworden , jetzt mußte er sich auf die Lehne seines Stuhles stützen , um sich aufrecht erhalten zu können . Nach einer Pause , während welcher der Maulwurffänger , ohne eine Miene zu verziehen , die Wirkung seiner List belauschte , sagte der Graf : » Glaubst Du , daß diese Unsinnigen wagen werden , ihre Pläne auszuführen ? « » Wer soll sie denn daran hindern ? « erwiederte Heinrich . » Alles Volk bis herab auf das verworfenste Gesindel wird sich ihnen zugesellen , weil es gegen Herrschaft und Besitz geht und Jeder etwas dabei für sich zu erobern gedenkt . Es sind ihrer Viele , die Wuth wird ihre Macht um das Zehnfache der wirklichen Kraft verstärken , und ehe sich die unerwartet Ueberfallenen sammeln können , sind sie schon vertilgt ! « » Ich kenne bisher nur Deine Neuigkeiten , « sagte Magnus . » Laß jetzt , wenn Du sie erschöpft hast , auch Deine Rathschläge hören . « » Nun sehen Ew . Gnaden , « fuhr Heinrich fort , » ich getraue mir flugs das Abendmahl drauf zu nehmen , daß mein Plan , wie ich ihn mir heut während meiner Geschäftswanderung ausgedacht habe , zweifellos zum Ziele führt . Der Bursche liebt das Haideröschen , auf welches Ew . Gnaden ein Auge haben . Er wird glauben , Sie wollten dem hübschen Kinde im Ernst ein Leid zufügen , was einem so gütigen und gerechten jungen Herrn gewiß nie in den Sinn gekommen ist . Wenn nun ein paar Tage vergehen , ohne daß der verwegene Bursche etwas Tröstliches von seiner Liebsten hört , so fürcht ' ich , treibt ihn die Wuth zum Aeußersten und der Aufstand bricht los , ehe Sie Ihre Jagdflinte zu laden im Stande sind . Gäben Sie sich aber den Schein , als seien Sie von der beispiellosen Tugend und erhabenen Engelsschönheit des jungen Mädchens im Innersten gerührt und dermaßen ergriffen worden , daß Sie nicht mehr vermöchten , ihr mit Bitten anzuliegen , sondern das liebe Ding großmüthig laufen ließen , ja ihr sogar gelobten , am Tage der Hochzeit etwa ihr und ihrem Bräutigam die Freiheit zu schenken , so möchte ich meinen Kopf verwetten , daß Sie sich den wilden Burschen mit sammt seinem Anhange zum Freunde und treuesten Beschützer machen . « » In der That , Dein Vorschlag ist gut und kann zum Ziele führen , und doch - « » Was hält Sie ab , sogleich Anstalt zu seiner Ausführung zu treffen ? « unterbrach ihn Heinrich . » Beruhigung ist nöthig und nichts schläfert die Menge fester und tiefer ein , als eine recht unerwartete , wie vom Himmel herabfallende Großmuthhandlung . Es kommt ja dabei nicht so genau darauf an , was man etwa später noch vorzunehmen gedenkt . « Magnus Züge überstrahlte wieder ein lebhafter Freudenglanz . » Bei meiner Ehre , ich muß Dich loben , Heinrich ! « rief er aus . » Eine angemessene Belohnung soll Dir nicht fehlen . Geh jetzt , laß Dir ' s wohl sein in der Gesindestube , aber halte reinen Mund ! Sobald ich mit meinen Anschlägen vollkommen im Klaren bin , werde ich Dich rufen lassen , sollte auch diese Nacht darüber hingehen . Hältst Du übrigens für nöthig , das Mädchen von meinem Entschlusse in Kenntniß zu setzen , so magst Du sie sprechen . Dieser Schlüssel öffnet die Thüre ihres Gemaches . Der Voigt wird Dich zu ihr führen . Auf Wiedersehen ! « Magnus zog sich in sein Kabinet zurück und der Maulwurffänger mußte gewaltsam an sich halten , daß er nicht durch lautes Lachen zur Unzeit seine List dem Gebieter verrathe . Selbstzufrieden sich die Hände reibend , verließ er das Prunkgemach , um sich inmitten der Dienstboten des Edelhofes gütlich zu thun . - Siebentes Kapitel . Die Gesindestube . Während der kurzen Unterredung Heinrichs mit dem Grafen Magnus hatte sich das Gesinde des Edelhofes zur Abendmahlzeit niedergesetzt . Die späte Tagesstunde war eine ungewöhnliche dazu , denn in der Regel pflegte das Hofgesinde um sieben Uhr Abends sein frugales Essen zu halten . Weil aber die Marterwoche so nahe war und in dieser Zeit jede Lustbarkeit und Zerstreuung an den Sonntagen streng gemieden wurde , hatte der Voigt dem größern Theile sämmtlicher Dienstboten erlaubt , dem letzten Tanz im Kretscham mit beiwohnen zu dürfen . In Folge dieser Vergünstigung war das beurlaubte Hofgesinde kurz vor der Ankunft des Maulwurffängers aus dem Kretscham zurückgekommen und wollte nun das Versäumte einige Stunden später , als Sitte und Ordnung erheischten , nachholen . Die große Gesindestube befand sich abgeschieden vom Herrenhause in der Wohnung des Voigtes , die einen abgesonderten Bestandtheil des Edelhofes ausmachte . Sie erstreckte sich zu ebener Erde fast durch die ganze Länge des Voigtgebäudes und hing mittelst eines kurzen bedeckten Ganges mit den weitläufigen Stallungen zusammen , in denen zugleich auch die Schlafstätten für Knechte und Mägde angebracht waren . Das Möblement in der Gesindestube bestand nur aus einer langen Tafel von fichtenem Holz , einer Anzahl Schemel und einer rund um die Holzwände laufenden Bank , die hinter dem sehr großen und bis fast an die Decke hinauf reichenden Ofen die Breite eines gewöhnlichen Bettes annahm und der jüngsten unter den Mägden als Lagerort diente . Zu diesem Behufe lagen einige vielgebrauchte Schaaffelle , jetzt zusammengerollt und gegen die Wand gelehnt , hinter dem stets erwärmten Ofen . Denn da dieser vorzugsweise zur Erhitzung des nöthigen Wasserbedarfs in der großen Wirthschaft gebraucht wurde , ging das Feuer in seinem geräumigen Bauche selten aus . Dies ländliche Wohnzimmer ward von vier starken brennenden Kienspänen , die je zwei in eisernen Spanhaltern an jedem Ende des langen Speisetisches staken , düster erleuchtet . Wenn man von der Hausflur durch die starke , aus Holzpfählen mit Lehm und Stroh fest durchflochtene Zuschlagthür , die weder Schloß noch Riegel hatte , in die Stube trat , vernahm man sogleich das schrillende , zuweilen fast wimmernd klingende Gezirp zahlloser Heimchen , vom Landmanne » Heimliche « genannt , die in allen Ritzen und Spalten der Wände wie des Ofens unsichtbar nisteten . Gewöhnlich verstecken sich diese Thiere immer vor den Menschen , hier aber gab es deren eine so ungeheure Menge , daß sie schaarenweise an den Wänden hingen , daran auf und ab liefen und häufig selbst von der Decke herab auf Tische und Bänke fielen . Ihre dünnen graugrünen Flügeldecken verursachten ein seltsames Schimmern in der trüben Kienbeleuchtung und konnten nicht daran Gewöhnten wohl ein leises Grauen einflößen . In etwa ellenweiter Entfernung von einander waren rings an der Holzwand runde blecherne Löffel zwischen lederne Riemchen gesteckt , von denen jeder seinen bestimmten Herrn hatte . Denn nach der Hofgesindeordnung nahmen alle Knechte und Mägde beim Essen immer denselben ihnen zugewiesenen Platz ein , je nach dem Range , welchen sie als Dienstboten bekleideten . Und damit nie eine Verwechselung derselben stattfinden konnte , pflegten wenigstens alle männlichen Dienstboten ihre Löffel nach gehaltener Mahlzeit sogleich eigenhändig auf die einfachste Art von der Welt , indem sie dieselben mit der Hand oder an ihren Jacken abwischten , zu reinigen und sogleich wieder in die ledernen Haltriemchen zu stecken . Die Mägde waren weniger accurat und wählig und ließen diesem Instrument die Wohlthat einer Abscheuerung durch Wasser zu Theil werden . In Folge der schon erwähnten Aushebung neuer Dienstmägde waren vor Kurzem einige junge Mädchen auf den Hof gekommen . Solche Neulinge dienten den Aelteren meistens zum Stichblatt und mußten , wenn sie sich in ihre neuen Verhältnisse nicht leicht zu finden verstanden , von den rohen Witzen und Gewohnheiten der Knechte viel Ungemach ertragen . Wie überall gab es auch unter diesen fast aller Bildung baren Menschen Einzelne , die sich eine gewisse Oberherrschaft über die Andern anmaßten und ihnen diese auf die empfindlichste , ihnen verhaßteste Weise fühlen ließen . Geschah dies auch nicht gerade aus Bosheit , so nahm doch nicht selten die Art , wie man mit Neulingen scherzte , den Schein derselben an . Denn im Grunde wollten und suchten Knechte und Mägde am Feierabend nur Unterhaltung , wobei freilich auf zarte Natur , auf angeborene Sinnigkeit , auf tiefes und leicht verletzbares Gemüth keine Rücksicht genommen wurde . Unter den neu angezogenen Mädchen befand sich namentlich eins , das einen unüberwindlichen Abscheu vor den an sich unschädlichen und völlig harmlosen Heimchen hatte . Es kam wohl vor , daß einige dieser Thierchen während der Mahlzeit in die riesengroße Schüssel fielen , in welcher die Suppe aus Roggenmehl dampfte . Die Knechte fischten dann die zappelnden Geschöpfchen , ohne sich den Appetit dadurch im Geringsten verderben zu lassen , mit ihren Löffeln heraus und warfen sie unter den Tisch . Marie aber kreischte laut auf , wurde blaß vor Ekel und legte den Löffel aus der Hand . Dies reichte hin , um das arme Kind zum Sündenbock für alles Gesinde zu machen . Stillschweigend kam man überein , sich gemeinschaftlich an dem Schreck des Mädchens zu ergetzen und ihr regelmäßig die ärmliche Mahlzeit zu verderben . Kaum war nämlich das Gebet gesprochen , das man niemals vergaß , so strich der oberste Knecht , der als solcher den Ehrennamen Großknecht führte , mit halb zugebogener Hand flach über die Wand , raffte damit eine Menge Heimchen zusammen und warf sie lachend auf die Stelle der Schüssel , wo Marie ihren Löffel eintauchen mußte . Dadurch ward das bedauernswerthe Mädchen regelmäßig um ihre Mahlzeit betrogen , da sie durchaus den Ekel vor den geflügelten Thieren nicht überwinden konnte . Sie mußte wider Willen fasten und magerte zusehends ab . Die übrigen Knechte aber fanden den Spaß unübertrefflich , aßen nur mit desto größerem Appetit und wollten sich über die Gebehrden des entsetzten Mädchens zu Tode lachen . Wenn jedoch ein jüngerer Knecht dem Vorsitzenden in ' s Handwerk pfuschen und dasselbe Manöver auf seine eigene Faust machen wollte , gebrauchte der Großknecht sein Recht , indem er gelassen die Heimchen zählte und dem Vorwitzigen eine gleiche Anzahl sehr derber Maulschellen verabreichte . Diese bewirkten dann , daß dem Bestraften nicht allein die Lust zum Essen auf der Stelle gänzlich verging , sondern daß er auch noch den nächsten Tag darauf verzichten mußte , das harte schwarze Hofebrod zu beißen , weil er vor Schmerzen keinen Zahn gebrauchen konnte . Marie hatte so eben zur Unterhaltung ihrer übrigen Mitdienstboten wieder auf ihr Abendbrod verzichtet und stand betrübt am Ofen , mit Mühe die Zähren zurückhaltend , die ihr in ' s Auge stürzten . Sie fühlte doppelten Hunger , da sie sich im Kretscham müde getanzt hatte und nun , weil sie keine Suppe essen wollte , auch weder Kartoffeln noch Brod erhielt . Diese Behandlung war unstreitig herzlos , grausam und unwürdig , allein der Großknecht dachte nicht daran . Er hatte im Gegentheil das Mädchen sehr gern und behandelte sie in seiner Weise nur so brutal , um sie abzustumpfen und unempfindlich gegen die Rohheiten zu machen , denen jeder Einzelne im Hofedienst ausgesetzt ist . Das übrige Gesinde lachte noch und machte sich lustig über das zimperliche Wesen der Betrübten , als der Voigt eintrat und mit Einem Blick die Lage der Sachen erkannte . Wir haben schon angedeutet , daß dieser einflußreiche Mann ein dienstbereiter , nicht eben scrupulöser Knecht des Grafen war . Dies hinderte ihn jedoch nicht , unter den Dienstboten selbst strenge Zucht zu halten und eine gewisse derbe Gerechtigkeit zu üben . Mit wenigen Fragen erfuhr er den Zusammenhang , mißbilligte mit drohender Miene das Verfahren des Großknechtes , untersagte es ihm bei Strafe und wandte sich dann zu der jetzt ihren Thränen freien Lauf lassenden Marie , indem er sagte : » Laß gut sein , armes Ding ! Weil Dich diese Lümmel um Deine wohlverdiente Mahlzeit gebracht haben , sollst Du heut mein Gast sein und alle Deine bösen Widersacher sollen trocknen Mundes dabei zusehen , während ihnen das Wasser vor Sehnsucht zusammenläuft . Einen Augenblick ! Ich werde sogleich wieder da sein . « » Der Prahlhans ! « sagte der Großknecht verächtlich , als der Voigt die Gesindestube wieder verlassen hatte . » Er thut auch immer , als regnete es Blutwürste und Schinken , und wenn es auf und an kommt , tütscht er eben auch blos Erdbirnen in schlechte gesalzene Butter ! Ich bin doch neugierig , was für Delikatessen er der kleinen Vornehmen auftischen wird . « » Mir gilt ' s gleich , « versetzte sein Nachbar , » die Suppe war recht dick und kloßig , und ich bin so satt , daß mir Einer Schweinebraten und gebackene Pflaumen vorsetzen könnte , ohne mich sehnsüchtig zu machen . « » Nun auf ein paar fette Bissen käm ' mir ' s nicht an , « meinte der Großknecht . » Für ein halbes Pfund Fleisch oder ' was drüber habe ich immer noch Platz . « » Gebratene Tauben bringt er nicht , « sagte die älteste Magd , ein stämmiges Frauenzimmer mit hochrothem Gesicht und gutmüthigen , aber nichts weniger als klugen Augen . » Ich glaube , er ist blos heruntergekommen , um ein paar Bissen zu erschnappen , « fiel lächelnd eine der jüngeren Mägde ein , » denn seine Alte , wißt Ihr , hält ihn verdammt kurz und verzehrt die besten Bissen immer für sich allein . « » Allein ? « sagte der Großknecht . » Laß Dir nicht Dinge weiß machen ! Mit dem Jäger frißt sie alle Teufelsnäschereien auf , wenn ihr Brummbär andere Geschäfte hat . Wovon würde sie auch sonst so dick , wie eine Biertonne ? Und der Jäger schleppt ihr immer ' was Leckeres zu unter dem Vorwande , das oder jenes Stück Wild tauge nichts . Deshalb stellt sich der Sapperlot auch so fromm , denn wär ' s ihm nicht um ein gut Stück Essen zu thun , er säh ' die Alte wahrhaftig mit keinem Auge an ! « » Das hat er auch nicht nöthig , « meinte die jüngere Magd . » So ein schmucker , flinker Kerl ! « » Gelt , Du möchtest ihn in der Hölle warm halten ? « warf der Großknecht ein , und während die Magd erröthete und die Augen niederschlug , fiel das ganze übrige Gesinde in das lauteste und anhaltendste Gelächter . Die jüngeren Mägde kicherten noch , als der Voigt wieder eintrat . Er trug in der linken Hand einen miltelgroßen irdenen Napf und unterm rechten Arm ein angeschnittenes Roggenbrod von weißem abgenommenem Mehl , wie es für die herrschaftliche Tafel gebacken wurde . Lächelnd stellte er beides auf den Gesindetisch , wobei namentlich die entfernter sitzenden Knechte neugierig lange Hälse machten , um zu sehen , was die Schüssel wohl enthalten möchte . » Nun komm , Marie , « sagte der Voigt , zwei Schemel an den Tisch rückend . » Bring ' die Salzmeste her und nachher iß , so lange Dir ' s schmeckt . Es ist das reinste Leinöl , süß wie Mandelmilch und gesunder wie Kleebutter ! « Sichtlich erheiterten sich bei dieser angenehmen Nachricht die bisher so traurigen Züge Mariens . Sie brachte die Salzmeste , aus welcher der Voigt einen vollen Löffel Salz schöpfte und es in den mit der braunglänzenden dicken Flüssigkeit bis zum Rande angefüllten Napfe schüttete . Dann schnitt er von dem weichen Laib Brod ein tüchtiges Stück für sich und das Mädchen ab , holte sein Einschlagmesser hervor und reichte dem Mädchen die kurze zweizinkige Gabel , die am untern Ende des Messers eingefugt war . Er selbst bediente sich der stumpfen Klinge , um riesengroße Bissen weißen Brodes damit anzuspießen , sie in das Oel zu tauchen und , nachdem sie sich vollgesogen , in seinen nicht eben kleinen Mund zu schieben . Es gibt wenige Genüsse , welche die Wenden und auch viele Deutsche unter den Landleuten so sehr lieben , als den des frischgeschlagenen Leinöls , und Marie ließ sich daher nicht zweimal auffordern , dem für einen verwöhnten Gaumen vielleicht ungenießbar erscheinenden ländlichen Gericht tüchtig zuzusprechen . Der Voigt hatte nicht zu viel behauptet , die Knechte , am meisten der Großknecht , ärgerten sich wirklich , daß sie hätten blau anlaufen mögen , sie durften es sich aber nicht merken lassen , wenn sie nicht von dem bei solchen Gelegenheiten unerbittlichen Voigt unbarmherzig aufgezogen sein wollten . Deshalb stellten sie sich , als läge ihnen gar nichts an dem duftenden Leinöle , an welchem jetzt Marie so behaglich mit dem Voigte sich gütlich that , ja als sei ihnen die Pfeife schlechten Tabaks , die sich einer nach dem andern am Kienspane anzündete , zehnmal lieber . Der Voigt unterließ auch nicht , nach jedem Bissen , den er hinunterschluckte , seine malitiösen Bemerkungen zu machen und dabei die außergewöhnliche Güte des Oeles zu preisen . Glücklicherweise endigte diese für die Knechte sehr empfindlichen Hänseleien der Eintritt des Maulwurffängers , der , ohne viel zu fragen , nachdem er den Versammelten einen » guten Abend beisammen ! « gewünscht hatte , seinen Quersack mit sammt den Drähten ablegte , das Bündel Eichenstäbe unter die Bank warf , einen Schemel neben Marie an den Tisch schob , sie sanft in ' s Ohr kniff , dann nach dem Brode langte , von dem er sich ein ansehnliches Stück abschnitt , und gleich dem Voigte mit schiffartigen Bissen in den Oelnapf fuhr . » Hätte ich doch nicht gedacht , « sagte er , » daß ich heut noch so ein grausam gutes Abendessen vor ' s Maul kriegen würde ! Nur schade , daß die Freude so bald ein Ende haben wird ! « Obwohl der Voigt die Manier unseres Freundes kannte , war er doch über die Unverschämtheit des Mannes erstaunt , der , ohne zu fragen und um Erlaubniß zu bitten , seine Abendmahlzeit mit ihm theilte . Er vergaß darüber auf einige Sekunden das Zulangen und diese benutzte Heinrich mit so beharrlicher Ausdauer und Gewandtheit , daß er den Rest des Oeles aufgezehrt hatte , ehe der Voigt wieder Theil daran nehmen konnte . Die gefoppten Knechte brachen darüber in ein wieherndes Gelächter aus . » Du bist ein Kerl wie ein Hamster , « sagte der Voigt , » vermuthlich ist Dir der Zorn des gnädigen Herrn in den Leib geschlagen , denn menschlich kann man solch ein Schlingen nicht nennen , und natürlich ist ' s eben so wenig ! « » Ich finde es sogar höchst vernünftig , « erwiederte mit behaglicher Gelassenheit der Maulwurffänger . » Wer ein gutes Werk gestiftet hat , soll sich freuen , wer sich freut , verdient , daß er belohnt werde , und gutes Essen und Trinken ist der beste Lohn für einen rechtschaffenen Hunger . Sag ' mir mal , Voigt , ob Du darin nicht die sonnenklarste Vernunft findest ? « » Sag ' Du mir lieber , « erwiederte der Gefragte , » ob der Herr Graf Vernunft in Deinem Kommen und verzwickten Geschwätz fand ? « » Ich versichere Dich , « versetzte Heinrich , » hätte der Herr Graf Orden zu verleihen und Titel zu vergeben , er würde mich nicht fortgelassen haben , ohne mir und meinem Quersack beide Lasten auf und anzuhängen ! O das ist ein kluger Herr ! Der hat ein Einsehen und weiß seine Leute zu nehmen ! Ich sage Euch , es fehlte wenig , so hätte er mich gedutzt ! « » Das ist eine große Neuigkeit , « sagte der Voigt . » Seine Gnaden heißen alle Menschen Du , da soll er etwa bei Dir eine Ausnahme machen ? « » Sobald der nächste Schleifer kommt , Voigt , bitte ich Dich , laß Dir Deinen Verstand abziehen , daß er künftig schneller fassen lernt ! Wenn man von Dutzen spricht , ist ' s doch wohl natürlich , daß zwei verschiedene Personen einander die Ehre anthun ? « » Und für Deine Neuigkeiten hat er Dir das angeboten ? « fragte ungläubig lächelnd der Voigt . » Darf man denn nichts erfahren ? « » Warum nicht ? « erwiederte der Maulwurffänger . » Ich bin ja nicht des Herrn Grafen Unterthan und verboten hat er ' s mir auch nicht . Aber was krieg ' ich für meine Neuigkeit ? Denn Ihr wißt allesammt , umsonst ist der Tod und ich muß vom Verdienst leben . « » Einen Krug Bier laß ich Dir holen , « sagte der Voigt . » Wird angenommen , « meinte Heinrich , » und wenn sich das Hofgesinde , wie ' s da sitzt und mir zuhört , sich dazu versteht , mir noch eine Mohnsemmel verehren zu wollen morgen zum Frühstück , so will ich machen , daß Ihr alle mit einander die ganze Nacht vor lauter süßen Träumen in Abrahams Schooße zu liegen glaubt . « » Das müßte wunderlich zugehen , « sagte der Großknecht . » Ich habe mein Tage von nichts geträumt , als daß mir der schläg ' sche Hengst eins versetzte , und daß ich darüber Paradiesesfreuden empfunden hätte , kann ich grade nicht behaupten ! « » Und ich verspreche Dir nochmals , daß Du alle Himmel offen sehen wirst . Zünd ' t mir zuvor ein paar frische Späne an , denn wenn ' s so dustert , glaub ' ich immer , ich sähe in die Zukunft hinein und hörte es darin von wüstem Unglück rumoren . Davon bin ich just kein Liebhaber . Viel angenehmer ist mir ' s , ich sehe klar und höre deutlich ; da kann man sich schon eher ein Herz fassen und frisch von der Leber weg reden . « Marie entzündete neue Kienspäne , die Knechte rückten näher zusammen , auch die Mägde , die auf der Ofenbank Platz genommen hatten , horchten mit gespannter Aufmerksamkeit . Heinrich bog sich nun halb über den Tisch und sagte mit gedämpfter Stimme : » Ehe ein Jahr vergeht , sind die Hofedienste abgeschafft ! « » Was ? « fragten Mehrere zugleich und der Voigt setzte hinzu : » Sein ungewaschenes Maul bringt ihn noch um Vermögen und Freiheit ! « » Den Teufel auch ! « fuhr Heinrich auf . » Mit meinem Vermögen , siehst Du , da kann ich mir nicht einmal eine Stube kaufen , so groß , wie diese hier , in der das Geschmeiß die Kammermusikanten abgibt , und was die Freiheit anbelangt , so hat darüber kein anderer Mensch auf Gottes Erdboden zu gebieten , als mein allergnädigster Herr Churfürst ! « » Nun nun , « erwiederte der Voigt , » nur nicht gleich oben hinaus ! Man wird doch reden und vermuthen dürfen ! « » Das Gute , ja , das Schlechte , nimmermehr ! Ich bin einmal gegen alles Schlechte und da mag und will ich ' s nicht leiden , daß mir einer ein Wort drein reden soll . Und so sage ich noch einmal : es gibt in Jahr und Tag keine Hofedienste mehr , so der Herr will , und Ihr armen Teufel und hübschen Teufelinnen werdet künftig nicht mehr für fremde Herren , sondern für Euch selbst und ganz allein leben und arbeiten dürfen . « » Wenn das wahr ist , Maulwurffänger , « fiel der Großknecht ein , dem mit der bloßen Aussicht auf ein freier sich gestaltendes Leben der Muth schon wuchs , » so geb ' ich Dir ein Gebäck Mohnsemmeln ganz allein , und sollt ' ich meinen ganzen Flachs verkaufen ! « » Aber wie ist das gekommen ? Wer hat das gemacht und erfunden ? Was werden die Herren dazu sagen ? « fragten jetzt mehrere Knechte und die Mädchen hörten mit größter Spannung zu . » Wie ' s eigentlich gekommen ist , weiß ich selber nicht , « erwiederte , immer mit größter Ruhe , der Maulwurffänger . » Es hat da vor ' m Jahre einen großen Lärm gegeben in Paris , wißt Ihr - die Zeitungen und Wochenblätter schrieben auch davon . Das Volk , hab ' ich mir sagen lassen , war dort schon sehr lange ärgerlich und unzufrieden mit seinen Herren , die alle Tage herrlich und in Freuden lebten , wie der reiche Mann im Evangelium , während der Arme kaum den trocknen Bissen Brod hatte und die schwere Arbeit obendrein ! Nun wißt Ihr oder solltet es doch wissen , daß ein großer Lärm von wegen der grausamen Ungerechtigkeiten losging , die man seit undenklichen Zeiten , grade wie bei uns , über die Armen verhing . Vermuthlich war ' s ein Jahr , wo im Kalender des Himmels den guten Mächten die besondere Pflege der Elenden und Unterdrückten anbefohlen ist , denn der Lärm zu ihren Gunsten griff um sich , wie eine Feuersbrunst bei frischem Winde , und setzte die Herren in solche Bestürzung , daß sie geschwind den Entschluß faßten , sich aller alten und schlechten Rechte zu begeben , um nur nicht ganz zu Grunde gerichtet zu werden ! Auf solche Manier , seht Ihr , wurde der Arme ein freier Mensch , Herr seiner Zeit und seiner Hände , und vermuthlich haben die deutschen Herren auch etwas von Aufstand und Niederbrennen munkeln hören und sind deshalb gesonnen , in Zeiten ein Wort zur Güte zu reden . « » Freiwillig ? « fragte der Voigt . » Da werde der Teufel draus klug ! Herr sein und die Hofedienste aufheben - thu ' s und glaub ' s , wer will - was mich betrifft , ich ließe mich , ehe ich dazu meine Einwilligung gäbe , lieber in Kochstücke zerhacken ! « » Man wird Dich auch nicht fragen , « versetzte Heinrich . » Und Du sagst , unser Herr Graf habe diesen verrückten Entschluß gebilligt ? « » Von Billigung ist dabei nicht die Rede , mein Lieber , hier gilt ' s , stch gewandt aus der Schlinge ziehen . « » Wer hat denn den Rumor angezettelt ? « fragte der Voigt höchst ärgerlich weiter . » Kann ich Dir auch nicht sagen . Es schwebt in der Luft , es rumort und spricht sich herum auf allen Haidegütern , und viele deutsche Herren im Braunschweig ' schen , geht die Rede , haben ' s just wie die französischen Herren gemacht . « » Wenn das wahr werden sollte , « erwiederte der Voigt , » dann sage mir doch , von wem in Zukunft der reiche Gutsherr sein Feld soll bearbeiten , seine Wälder ausholzen , seine Teiche fischen , kurz all die zahllose Arbeit soll verrichten lassen , die großer Besitz unausbleiblich in seinem Gefolge hat ? « » Ohne Zweifel von Menschenhänden , wie bisher , « sagte unbeschreiblich ruhig der Maulwurffänger . » Na siehst Du , « fuhr der Voigt mitleidig lächelnd fort , » so ist ' s ja gleich rein unmöglich , daß ein Herr nur daran denken kann , die Hofedienste abschaffen zu wollen . « » Warum nicht ? Braucht er Menschenhände , so kaufe er sich dieselben . Erhalte ich , erhältst Du irgend eine Handreichung umsonst ? Mußt Du nicht Deine Kleider , Deine Stiefeln bezahlen ? « » Das müssen die Herren auch . « » Und hebt man Dir einen Graben , rodet man Dir nur einen elenden Strauch aus , ohne einen bestimmten , zuvor ausbedungenen Lohn dafür zu fordern ? « » Nein das thut man nicht , aber das ist auch etwas ganz Anderes ! « » Was Anderes ? « fuhr Heinrich auf und seine grauen Augen schienen vor Zorn Funken zu sprühen . » Ich sage Dir , es ist ganz dasselbe nach dem uralten und ewig richtigen Grundsatze : was dem Einen recht , das ist dem Andern billig ! Braucht der Herr , weil er