von weitem meine Base , und wenn ich etwas möchte , so ist es nie Nein , wenns einmal z ' mache ist . « Es ging nicht lange , so saßen sie in der freundlichen Wirtin Schlafstübli , nachdem die viel Entschuldigung gemacht , daß sie kein anderes habe ; aber es sei heute alles voll , es düech se , noch nie so . Hier seien sie ruhig , und womit sie aufwarten könne . » Denk emel afe mit ere Halbi und dann , wanns Zeit ist , auch etwas zMittag . « » Was begehret ihr z ' esse und was für Wein soll ich bringen ? « » Bring guete und z ' esse , was dr öppe heit ; aber emel lings Fleisch , ich kann gar nichts mehr daran machen , wenns nicht gut gchochet ist . Allbets isch es mr öppe glych gsi ; aber ih spüre ds Alter a alle Orte , und es düecht mih mengisch , wenn ih ume nimme wär ! « » He , Vetter , « sagte Johannes , » man siehts Euch noch gar nicht an , und wenn Ihr so klagen wollt , was sollen wir Andern dann sagen , wo wir nicht den Zehnten Sachen haben , wie Ihr habt ? « » Los , Vettermann , auf den Reichtum kömmt es nicht an , das erfahre ich alle Tage , und das ist gerade , was mir Kummer macht , und deswegen kam ich heute , um mit dir zu reden . Du weißt , ich habe ein großes Wesen und muß eine große Kuppele Leute haben , um es zu arbeiten . Meine Alte und ich sind schitter und mögen nicht mehr nach . My Bueb , der Johannes , ist zu vornehm geworden im Weltschland für auf dem Land zu arbeiten , dem mußte ich ein Wirtshaus kaufen ; den kann ich nichts rechnen , als daß er hie und da kömmt , wenn er Geld nötig hat oder etwas anderes . Meine Tochter ist hell nichts . Die hat geglaubt , sie käme gegen den Bruder zu kurz , wenn sie nicht auch ins Weltschland könnte . Und jetzt ist sie , helf mir Gott , nüt angers als es Schlärpli und lismet öppe dem Schatten nach , wird bleich wie ein weiß gewaschenes Tuch , daß es eim übel gruset , und meint , wenn sie etwas anrühren solle , me well se hänke . Du kannst dir vorstellen , wie das nun geht bei der Kuppele Leute , die ich haben muß . Da flökt Eines hier aus , das Andere dort aus , die Sache wird nur halb gwerchet , das Land wird alle Jahr schlechter , der Hof trägt mir fast nichts mehr ein , und was es noch gibt , geht in den Kosten auf . Ja , weiß Gott , wenn ich nicht noch Gülti hätte , ich könnte es nicht mehr machen bei einem solchen Hof , wo vielleicht nicht ein Dutzend sind im ganzen Bernbiet . Ich habe geglaubt , ich hätte einen guten Meisterknecht , und hab ihm alles anvertraut . Er ist eilf Jahre bei mir gewesen , und ich hätte ein Haus auf ihn gebaut , so hat er mir reden können . Und jetzt , was macht er mir ? Verkauft mir der Hundsbub nicht sechzig Mütt Korn , und der Müller zahlte mir nur fünfzig , und den Rest teilen die Schelmen miteinander , und das ist schon mehr so gegangen . Es hats mir endlich ein Tauner verraten , dem ich Götti bin . Er könns nicht mehr übers Herz bringen , wie es mir gehe , hat er gesagt ; er müsse mir etwas sagen , aber ich solle ihn dr tusig Gottswillen nicht verraten . Und das haben alle gewußt und niemand mir etwas gesagt , weil alle das Gleiche treiben ; da kannst du wohl denken , wie es mir geht . Was soll ich anfangen ? Verkaufen will ich nicht , gäb wie es der Sohn meint . Der könnte noch einmal froh über den Hofsein , oder wenigstens seine Kinder . Lehenmann mag ich auch keinen . Da hätte ich gar nichts zu befehlen , und der Hof käme vollends in Abgang . Und du magst mirs glauben oder nicht , ich kann nicht ruhig sterben , bis der öppe wieder im Gang ist . My Vater hat mir ihn gut im Stand übergeben . Wie dürfte ich wieder zu ihm kommen , wenn ich schlecht hinterlassen würde , was er mir gut übergeben ? Ich möchte einen Meisterknecht , aber recht einen hauptäntischen , an den ich kommen könnte , der alles wohl verstünde und dem ich trauen dürfte . Aber er müßte aus einer andern Gegend sein ; bei mir herum ist alles unter einer Decke , und sie betrachten mich alle wie die Adler das Aas , noch ehe ich gestorben bin . Da habe ich gedacht , vielleicht könntest du mir am besten zu einem verhelfen , und darum bin ich expreß hiehergekommen ; ich habe gedacht , ich treffe dich an . Auf den Lohn käme es mir gar nicht an ; ich wollte einem sechzig Kronen geben , wenn es sein müßte , ja hundert Kronen reuten mich nicht , wenn ich einen kriegte , wie ich ihn haben wollte . « Unterdessen war Johannes ganz still gesessen , und auch als der Vetter ausgeredet hatte , antwortete er nichts . Die Wirtin kam darauf herein , deckte ihnen dar und brachte Essen und sagte : Sie müßten heute vorlieb nehmen , wie es komme , so an einem Märit könne man es nicht immer geben , wie man es gerne möchte ; sie wüßte nicht , wie die Suppe öppe wäre , sie hätte zwar ausgelesen so gut möglich . Der Vetter redete allerlei mit der Wirtin . Johannes sagte nicht viel dazu . Es kam eine Magd herein und fragte , ob der Bodenbauer da sei , es frage ihm draußen eine Frau nach . Er werde etwas Bestelltes haben , spöttelte die Wirtin . Die Magd sagte , es sei einmal eine Hübsche . Sobald Johannes draußen war , sagte der Vetter : Ob denn der so einer sei ? Er hätte das nicht von ihm geglaubt . » Bhüetis , « sagte die Wirtin , » da ist nichts Böses , das ist von den Brävsten einer . Es wird öppe eine sein , die mit ihm heimreiten will . « Johannes brachte die Körbchen herein und bestätigte der Wirtin Meinung und sagte , es sei eine Nachbäurin gewesen , die ihm seinen Anken verkauft habe . Sie habe nicht warten wollen und wolle mit einem Andern heimreiten , wenn es sich schicke . Das sei ihm leid , wenn er im Weg gewesen sei ; es hätte ihn schon lange düecht , er erwarte jemand , er habe ihm nur halb zugehört und noch keine Antwort gegeben . » Bhüetis , Vetter , « sagte Johannes , » da seid Ihr letz dra ; wißt Ihr , was ich gesinnet habe und warum noch keine Antwort gegeben ? Es ist mir etwas im Sinn herumgegangen , und es hat sich bei mir gwerweiset , ob ich es Euch sagen wolle . Ich will es jetzt fry graduse bekenne . Ich hätte gerade so einen Knecht , wie Ihr ihn mangelt , aber er reut mich ; ich kriege einen solchen nicht bald wieder , und doch möchte ich nicht vor seinem Glück sein . « » Das wäre ! « sagte der Vetter ; » aber warum willst du ihn fortlassen , was scheust du an ihm ? « » Gar nichts , « sagte Johannes , » er ist mir gerade recht , und ich wünsche mir keinen bessern ; allein er trachtet nach großem Lohn , und er verdient ihn auch . Er kann einem Bauernwesen vorstehen mit Arbeiten und Handeln wie der beste Bauer , und dazu ist er fromm , man könnte ihn in Königs Schatzkammer lassen , er würde um keinen Kreuzer betrügen , da ist alles sicher vor ihm . « » Das wär mir afe , « sagte der Vetter ; » grad so einen möchte ich . Und was meinst du , käme mir der um vierzig Kronen ? Das ist ein schönes Geld . « » Gerade so viel gebe ich ihm selbst , « sagte Johannes ; » Vetter , wenn Ihr den wollt , so kostet er sechzig Kronen und keinen Rappen weniger . « » Ist er dir verwandt ? « fragte der Vetter . » Nein , « sagte Johannes , » er ist ein armer Bursch gewesen , wo er zu mir gekommen ist . « Noch ein gar langes Examen stellte der mißtreue Vetter an , bis er sich endlich entschloß , mit Johannes heimzufahren und den Knecht selbst ins Aug zu nehmen . Johannes war fast reuig , daß er etwas gesagt . Bald befahlen sie anzuspannen , und der Vetter bezahlte die ganze Ürti , geb wie Johannes sich wehrte . Als sie hinunter , kamen , kam Anne Meieli wiederum daher und sagte : Da sei es ihm schön ergangen , der Burri Uli hätte ihm versprochen , ihns mitzunehmen , er wolle nur noch eine Verrichtung machen , es solle hier warten . Es habe nun gewartet , ihn noch gesucht und könne ihn nirgends finden , und wenn es jetzt heim , laufen müsse , so komme es , es wisse niemand wann , heim ; es schäme sich schon jetzt , so lang auf dem Märit zu sein . Johannes sagte , der alte Platz warte ihm noch , und so fuhren sie fort , Johannes voran , der Vetter in seinem schönen Reitwägeli hintendrein . Er dachte allerlei , so allein fahrend , und als sie noch etwa eine Stunde vom Bodenhof waren , rief er Johannes : Ob nicht im nächsten Dörfchen eine Schmiede sei , er müsse ein Eisen festschlagen lassen , er verliere es sonst . Johannes sagte : Ja , und er wolle ihm warten , es sei gleich dabei auch ein Wirtshäuschen . Aber der Vetter wollte nicht . Die Frau pressiere , sagte er , und es sei nicht der wert einzukehren , er komme gleich nach . So fuhr Johannes voraus ; Joggeli , der Vetter , gar langsam nach , ließ beim Wirtshaus ausspannen und zum Schein einen Nagel einschlagen . Beim Ausspannen frug er den Stallknecht , was das für ein Bauer sei , der da vor ihm hergefahren ? Ob das seine Frau sei , » Nein , « sagte der Stallknecht . » Sie werden einander sonst lieb haben , « meinte Joggeli . Er wisse nichts Apartigs , er hätte von Beiden nichts dergleichen gehört , sagte der Stallknecht . Er hätte gar ein braves Roß im Wägeli gehabt , sagte Joggeli , er mangelte schier so eins und hätte auf dem Märit nichts Anständiges gefunden ; ob das wohl dem Bauer feil wäre und ob er noch mehrere hätte ? Der hätte einen ganzen Stall voll Roß , sagte der Stallknecht . Da finde man selten die besten Rosse ; wenn man so viel habe , so werde gewöhnlich schlecht gefüttert und schlecht zu ihnen gesehen , warf Joggeli ein . Das sei da nicht der Fall , antwortete der Stallknecht ; der Bauer täts nicht so , das sei einer von den Mehbessern , und dann hätte er einen bsonderbar guten Knecht , es gäb weit und breit keinen solchen . Joggeli schwieg , ließ den Stallknecht das Pferd besorgen , ging in die Stube und fing dort fast das gleiche Examen an , während er seinen Schoppen trank , nur mit ganz andern Wendungen , kam aber am Ende aufs Gleiche heraus : daß sein Vetter Johannes ein gar braver Mann sei , soviel me emel wüß , seine Gefährtin ein ehrbares , unbescholtenes Weib , und daß der Bodenbauer allerdings einen berühmten Knecht hätte , den ihm schon Mancher gerne abgedinget hätte ; aber der Meister und der Knecht seien gar bsunderbar wohl für einander , die ließen nicht von einander . Ob es denn nicht kurzum etwas zwischen ihnen gegeben habe , frug Joggeli . Gar nichts , daß man wisse ; sie hätten erst am Sonntag hier miteinander eine Halbe getrunken , daneben wüßten sie nichts Genaueres , erhielt er von den Wirtsleuten zur Antwort . Unterdessen war Johannes heimgefahren , hatte Anne Mareili bis zum Hause mitgenommen , und als die Frau zum Wägeli kam und die Geißel abnahm , sagte Johannes : » Jetz , Frau , magst recht freini sein , sonst will Anne Mareili bei mir bleiben . « » Da werde ich anwenden müssen , « sagte die Bäurin freundlich , nahm auch die Körbchen ab , hieß Anne Mareili hineinkommen , sie hätte Kaffee zweg und tät es nicht anders , als daß Anne Mareili ein Kacheli nähme . Anne Mareili wehrte sich , sagte , es werde daheim auch finden , sagte , es hätte schon früher absteigen wollen , es wüßte Weiber , es wollte nicht um zwanzig Batzen mit ihren Männern bis zum Hause fahren . » Hast du geglaubt , ich sei son e Schalusi ? « sagte die Bäurin lachend . » Nein , da bin ich zu alt dazu . Nit , ich will nicht sagen , daß es nicht auch eine Zeit gegeben habe , wos mr vrflüemeret i Kopf cho ist , wenn dr Johannes eine Andere angesehen hat ; selbist het es mih düecht , er sollte alle Andern angrännen , nur mich nicht . Aber das vergeht einem so nach und nach , wenn man sieht , daß man keine Ursache hat , schalus zu sein . « Das gab zu einigen Geschichten Anlaß von schalusen Weibern , bis die Bäurin auffuhr und fragte : » Was kommt dort für ein Reitwägeli gegen das Haus ? « » Tüfel abenandere , das ist dr Vetter us dr Glungge , er kommt zu uns zum Übernachten , « sagte Johannes . » Und sagst einem nichts , du bist mir doch einer ! Was will der , daß der kömmt ; der ist ja viel Jahr nie dagewesen ? « » Du wirst es schon erfahren , « sagte Johannes , und Anne Mareili nahm Abschied und ging am herbeifahrenden Vetter vorbei . Beim Hause stund alles zweg , den Vetter zu empfangen , der etwas schlotternd und mühselig vom Wägeli stieg , während Uli herbeisprang , das Roß abzunehmen . » Reib es mir doch ein wenig ab , « sagte Joggeli , » und gib ihm nicht gleich zu saufen , es hat warm . Ihr füttert doch Dürrs ? « fragte er den Johannes , und erst , als er über alles beruhigt war , ging er auf seinen wackeligen Beinen ins Haus . Kaum war er abgesessen , so fragte er : » Ist das ne gsi ? « » Ja , « sagte Johannes . » Er düecht mih no wohl junge und gar so lüftig . « » Er ist bald dreißig , « sagte Johannes , » und e Gleytige , das ist wahr ; aber es ist kommöder so , als wenn er nicht fürers möcht . « Mit dem ging er in den Keller und holte Wein und Käs , und im Vorbeigehen in der Küche frug ihn die Frau : » Was hat der nach Uli zu fragen , was wott der mit Uli ? « » Ich habe jetzt nicht Zeit , es dir zu sagen , « antwortete Johannes , » komm herein , du wirst es dann schon hören . « » Was hats dem Johannes gä ? « dachte die Frau , » er ist ganz wunderliche , und so agschnellt hat er mich jetzt lange nie . « Darinnen fing der Vetter wiederum an , sein Leid zu klagen und wie sie arme , beschissene Leute wären , und kaum war Johannes hinaus , um das heutige Tagewerk zu überschauen , so fragte er : » Base , was ist mit Eurem Knecht , dem Uli ? Dr Johannes wett mr ne gä für Meisterknecht . « » Das wird öppe nicht sein ! « fuhr die Baurin auf , » dr Uli ist der beste Knecht , den man weit und breit antrifft , wir haben noch nie so einen gehabt . « » So ? « sagte der Vetter , » aber wie hat ers denn mit dem Weibervolk ? Es hat mir geschienen , er sei gerade so einer , wie sie am schlimmsten seien . « Es wäre gut , sagte die Frau , wenn es keine Schlimmern gäbte ; er sei mehr als ein Jahr zNacht nie aus dem Hause gewesen . » So , so , « sagte der Vetter . » Dr Johannes ist da mit einem lustigen Wybli heimgeritten und hats bis zum Haus gebracht , wie ich gesehen ; wer ist das gewesen ? « » Das ist unsere Nachbäurin , es hauptäntisch bravs Fraueli , und sie ist bsunderbar wohl für mich . Es ist ds einzig Hus , in das ich so jeweilen gehe . « » So , so , « sagte der Vetter , » dr Uli war Euch denn mit Schein nicht erleidet ? « » Wer sagt das ? « fragte die Frau ; » der Johannes wird doch nicht so dumm sein und den Uli fort , tun wollen , da wollte ich auch noch ein Wort dazu sagen . « Mit dem kam Johannes wieder herein , redete von Gleichgültigem ; die Frau ging hinaus , und der Vetter sagte : » Sag , Vetterma , es düecht mih , dy Frau könn es bsunderbar gut mit Uli und er sei ihr gar wert . « » Ja , « sagte Johannes , » es ist ihr noch Keiner so wert gewesen ; über all hat sie mir immer zu klagen gehabt , aber seit manchem Jahr über den kein Wort . Es ist ein ganz anders Dabeisein . « Es schade dann vielleicht nicht , wenn sie auseinanderkämen , sagte Joggeli . Bhüetis , er wolle damit nichts Böses gesagt haben ; aber es sei doch nicht allemal gut , wenns dWyber und Knechte zu gut miteinander konnten . Oh , das mache nichts , sagte Johannes , wenn es da , bei die Weiber noch besser mit den Männern könnten als mit den Knechten . Und das sei bei ihnen so . Er und seine Frau seien einig , und keins mache eine Partei weder gegen die Kinder noch gegen die Diensten , und seit einiger Zeit seien sie auch mit ihren Diensten einig , und die machen keine Partei gegen sie unter sich , und so befänden sie sich bsunderbar gut dabei . » Ich weiß neue nit , « sagte der Vetter ; » wenn sie zu einig sind , so hat sich sonst der Meister zu klagen . Wenn es allen gegangen wäre wie mir , so würde noch Mancher anders reden . « Die Bäurin konnte nicht ins Klare kommen , bis endlich bei Tische das Kapitel wieder auf Uli kam und sie sich überzeugen mußte , daß es Ernst sei mit dem Platz bei Joggeli . Da sagte sie : » Aber Johannes , sinnest auch , was du machst ? « » Ich möchte dem Uli nicht vor seinem Glück sein , « antwortete er . » Es ist nicht immer alles Glück , was glänzt , « sagte sie halblaut und ging zur Türe hinaus . Da fing der Vetter an zu treiben , daß man den Uli hineinkommen heiße , er möchte mit ihm reden , und Johannes meinte , das pressiere den Abend noch nicht ; morgen wolle er ihm alles zeigen , und dann könne er noch immer machen , was er wolle . Aber der Vetter sagte , er müsse morgen zeitlich fort , wolle die Sache heute noch richtig machen , so könne er vielleicht wieder einmal gut schlafen ; und Uli mußte herein . Uli war ganz voll Gwunder , was er im Stübli solle , und stellte sich an der Türe auf . Der Vetter füllte sein Glas , brachte es Uli und sagte : » Tue Bscheid und chumm hock , ich möchte neuis mit dir reden . « Nun begann er , wie Johannes ihm Uli als Meisterknecht angeboten habe , wie er einen mangle , wie er einen schönen Lohn gebe und bei Zufriedenheit noch mehr nicht scheuen wolle . » Und wenn es dich gelüstet , zu kommen , so fordere Lohn ; wir wollen es gleich miteinander richtig machen . « Uli war ganz verstummet . Endlich sagte er , es sei ihm hier nicht erleidet , er begehre gar nicht fort . Wenn der Meister meine , es sei sein Glück , so wolle er probieren , aber ungern . » Du kannst probieren , « sagte Johannes , » und wenn ihr nicht für enandere seid , so nehm ich dich wieder jede Stund . « » Und nun , was forderst du für Lohn ? « » Der Meister soll für mich heischen , « sagte Uli . » Was düecht Euch : sechzig Kronen , zwei Paar Schuhe , vier Hemder und dann noch Trinkgelder ? « sagte Johannes . Ihm sei es recht , sagte Uli , wie es der Meister mache . Es sei wohl viel , sagte der Vetter , und so für den Anfang hätte man es mit etwas Wenigerem auch machen können , indessen wolle er nicht märten . Nur mit den Trinkgeldern könne er nicht viel versprechen ; für die Rosse nehme sie der Karrer , für die Kühe der Melcher , und sonst gebe es nicht viel . » He nun , « sagte Johannes , » so gebt Ihr am Neujahr noch einen schönen Kram , wenn Ihr zufrieden seid . « Das werde sich schon machen , sagte Joggeli ; da hätte er fürs erste zwanzig Batzen Haftpfennig , und dann solle er ihm zur rechten Zeit kommen , um anzustehen . Somit gab er Geld und Hand , und die Sache war abgetan , ehe Johannes und Uli es sich versahen und ehe die Bäurin ein Wort dazu sagen konnte . Er hätte gedacht , er wolle es heute noch richtig machen , sagte Joggeli , es hätte sonst vielleicht nichts mehr daraus werden können ; man wisse nie , was es über Nacht gebe . Und Joggeli , der alte Fuchs , hatte verdammt recht . Die Frau schwieg jetzt , sie fühlte , jetzt könne sie nicht mehr reden . Aber sobald Johannes neben ihr hinterem Umhang lag , so begann sie mit der Frage : » Aber sag mir auch , was sinnest du ? Ich hätte nie geglaubt , daß du ein solcher Löhl wärest . Einen solchen Verdruß hast du mir nicht gemacht , seit wir verheiratet sind . Du bist viel fort , und wie soll es gehen , wenn Uli nicht mehr da ist ? Der alte Verdruß kommt wieder an mich . Dem alte , wunderliche Narr , der niemand trauet und meint , alle Leute seien schlecht , den besten Knecht anzubieten ! Man sollte dich my Seel vogten . Ich glaube , du bist voll gewesen , wo du das gemacht hast . Sag mir nur , was hast du auch gesinnet ? « Aber Johannes , dem der Handel selbst übers Herz gekommen , wußte nicht viel zu sagen , seine Gründe schienen ihm selbst nicht mehr stichhaltig . Er wisse es selbsten nicht , seufzte er . Er habe geglaubt , dem Uli sein Glück zu machen . Knecht könne der auch nicht immer bleiben , und um etwas anzufangen , müsse er Geld haben , und einen größern Lohn zu geben , vermöge er nicht . Aber die Frau tat ihm alles durch und wollte von Glück nichts wissen , das Uli mache , daß sie ihm einen größern Lohn hätten geben sollen oder daß sie einen größern nicht vermöchten ; kurz sie war zu einem eigentlichen Redhaus geworden und ließ Johannes in selber Nacht wenig schlafen . Auch Uli schlief nicht , er war auch halb reuig ; nur der Vetter schnarchte behaglich , daß man meinte , es sprenge Laden an der Diele auf und Schindeln vom Dache . Am andern Morgen war alles wie verstört , aber dessen achtete Joggeli sich wenig ; er machte , daß er fortkam , gab Uli noch einen Walliserbatzen Trinkgeld und fuhr vergnügt von dannen . Uli hätte den Handel gerne aufgegeben , und auch die Frau Meisterin war der Meinung . Was frage man dem Vetter nach ; man hätte ja sein Lebtag nichts von ihm gehabt und werde nichts von ihm haben , und er wohne ja sieben Stunden dadänne , man sehe ihn vielleicht in seinem Leben nicht mehr . Uli sagte , wenn er im neuen Dienst noch alleine wäre , so würde es ihm noch minder machen ; aber daß er da drei , vier Knechte regieren solle , noch Jungfrauen dazu und Tauner die Menge , das gruse ihm . Er wisse wohl , wie er es mit denen bekomme . Sage er zu allem nichts , so sei er nur ihr Schuhwisch , und der wolle er nicht sein ; wolle er regieren , so gäbe es Händel , er hätte lauter Streit und wisse nicht , wie dann der Meister ihn unterstütze . Es wäre wohl am besten , er schicke das Haftgeld zurück zu rechter Zeit . Aber Johannes war nicht dieser Meinung . Es wäre schlecht , einen fremden Menschen so anzuführen , geschweige dann einen Vetter . Es komme nichts von ungefähr , und man wisse nicht , wofür das gut sei . Gewöhnlich seien die Sachen , wo einem im Anfang am meisten zuwider seien , später einem die vorteilhaftesten . Jetzt müsse man der Sache ihren Lauf lassen , es werde öppe beidseitig gut gehen . Wenn Uli nur im Anfang recht süferli tue und suche , Boden zu bekommen , so werde sich alles machen . Hans , ihr zweiter Knecht , sei gut angeleitet und hätte vielen guten Willen ; es wäre möglich , daß man mit ihm auch nicht schlecht fahren werde . Jedenfalls sei die Sache jetzt so , lasse sich nicht ändern ; es wäre daher am besten , wenn man sich hineinschicken würde und so wenig als möglich davon redete . So verstrich die Zeit , und Weihnachten nahte . Schneider , Näherinnen , Schuhmacher wechselten ab auf der Stör , und wenn man es auch nicht sagte , so war es doch größtenteils Ulis wegen , dessen Kleider man alle in den besten Stand setzen ließ , fast wie einem Sohn , der in die Fremde will . Bald hatte die Meisterin noch einen Resten Tuch , den sie nicht zu brauchen wußte , zu einem Hemde , oder der Meister eine Kutte , die ihm zu enge war , oder ein Gilet , das ihm der Schneider verpfuscht hatte . Eines Abends sagte der Meister : » Uli , du mußt noch einen Heimatschein holen beim Pfarrer ; gehe morgen , damit man Zeit hat , ihn ausfertigen zu lassen . « » Meister , das ist mir zwider , « sagte Uli . » Nit , der Pfarrer ist mir lieb und ich habe viel auf ihm , seine Predigten haben mir wohl getan , und ich habe bei ihm einsehen gelernt , daß wenn man ein Mensch sein will , man unserm Heiland nachfolgen müsse . Aber ich bin gar ein wüster und ungeschickter Bube gewesen in der Unterweisung , er hat viel mit mir müssen balgen , und daher habe ich ihn seither immer geflohen und kein einzig Wort mit ihm geredet . Das habe ich nun ungern , ich darf mich nicht vor ihm zeigen ; denn wenn ich gehe , so wird er glauben , ich sei noch immer der wüste Bub wie früher , und mir einen Abputzer geben vom Tüfel . Du könntest mir ihn nehmen , Meister ; du kommst wohl öppe zum Pfarrer . « » Nein , « sagte der Meister , » es ist anständig , daß du selbst gehst , und wenn er dir schon noch eine Ermahnung gibt , so schadet die dir allweg nichts . « Uli mochte wollen oder nicht , er mußte selbst gehen . Aber es wurde ihm recht schwer , als er gegen das Pfarrhaus kam ; das Herz klopfte ihm , als er hineingeheißen wurde , und als drinnen der Pfarrer fragte : » Was wotsch , was wär dir lieb ? « da fand er das einfache Wort » einen Heimatschein « fast nicht und brachte es mit Mühe heraus . Der Pfarrer schlug große Bücher auf , frug : » Du heißest Ulrich Merk , dein Vater hat Christian geheißen , deine Mutter Madle Schmöck , dein Götti ist der Vrenechbur gsi . « Das wunderte den Uli gar fast , wie der Pfarrer das alles so wissen könne und daß er ihn noch gekannt hätte ; seit der Unterweisung sei er doch fast einen Schuh größer geworden . Dann fragte ihn der Pfarrer wieder : » Du gehst in die Glungge , in die Gemeinde Üflige . He nun , es soll mich freuen , wenn es dein Glück ist , « sagte der Pfarrer . » Es hat mich schon lange