ruhige Bahn einzulenken , führte Caporale das Gespräch auf die Dichtungen zurück , und ersuchte seine junge Freundin , über irgendein Thema zu improvisieren ; denn Don Giuseppe habe viel von dieser ihrer Gabe gehört , und wie schön sie sich in dieser Übung von Enthusiasmus und Begeisterung über alle gewöhnlichen Grenzen fortreißen lasse . » Der fremde Herr « , erwiderte sie , » hat schon gesehen , wie unziemlich ich mich von einem gewissen Dämon kann einnehmen und beherrschen lassen , den Ihr so freundlich Enthusiasmus nennen wollt . Darum sei es für heute genug . Besser ist es vielleicht , wenn jeder ein aufgeschriebenes Gedicht von sich mitteilt , um unsern Abend auf echt italienische Weise zu beschließen . Ich bin es gern zufrieden , dann auch eine Grille herzulesen , die ich neulich gedichtet habe . « Ohne weiter umzufragen , zog Caporale einige Blätter aus dem Busen , und sagte : » So will ich den Anfang machen . « - Er las einige Kapitel aus seinem neuen komischen Gedicht über die Gärten des Maecenas , welche alle Zuhörer in eine heitere Stimmung versetzten . Dann gab Flaminio einige Verse zu hören , die die Schwester ihm wahrscheinlich verbessert hatte . Donna Julia nahm aus dem Schrank eine moralische Kanzone , die sie mit wohlklingender Stimme vortrug , und der blonde Peretti brachte ein Lied vom Glück des Landlebens herbei , welches er so stotternd und unrichtig vorlas , daß man wohl daran zweifeln durfte , ob es auch von ihm selber herrühre . Hierauf sagte Don Giuseppe : » Jetzt , meine Damen , da die Reihe an mich gekommen ist , fällt mir dermalen nichts ein , ( am wenigsten ein Vers , da ich in meinem ganzen langen Leben noch keinen geschrieben habe , ) als eine Stelle aus jenem weltbekannten Kindermärchen von den drei Orangen . In diesem heroischen Zaubergedicht kommt eine eiserne Tür vor , die darüber ächzt und winselt , daß sie so furchtbar knarren und krächzen müsse , weil ihre Angeln , ich weiß nicht , seit wie vielen Jahrhunderten , nicht mit öl sind getränkt worden . So müßte ich auch noch auf irgendeine Muse warten , die mir , um Verse sprechen zu können , die Kehle geschmeidig mache . Nehmt , Verehrte , diese Erinnerung an ein Gedicht für ein Gedicht , und diesen meinen Scherz für Ernst . « Boccalini las in den heiteren daktylisch-gleitenden Versen ein Gedicht , wie der erzürnte Apollo einst den schlafenden Amor überrascht habe . Noch böse über die Liebeswunden , die ihn so oft geschmerzt , habe er den tückischen Bogen des Kleinen zerbrechen wollen . Wie er ihn zusammenkrümmt , ertönt , wie klagend , die Sehne : so biegt der Gott ihn um , und erschafft die Leier . Darum will sie immer nach Liebe tönen , auch oft , wenn der Musengott nach andern Weisen sucht . Der Satyr erprobt nicht selten , wenn Apollo ihm freundlich ist , das Instrument der Sehnsucht : in seiner Faust schwirrt es halb zum alten Bogen zurück und schießt oft bittre , vergiftete Pfeile . Doch unser Satyr , von Vittorias oder Junos Majestät verschüchtert , läßt dem gutmütigen Caporale nur leichte Scherze von der feinklingenden Sehne fliegen , und Apollo und Vittoria lächeln ihm Beifall . Die übrigen applaudierten und Virginia suchte jetzt , indem sie mehr Caporale als Boccalini mit einem lächelnden Blicke begrüßte , aus einer Sammlung vieler Blätter einige heraus und sagte : » Ich weiß nicht , soll ich diese Erfindung Ballata , oder wie die Spanier Romanze , oder nur Grille betiteln . « Sie las , und es waren in Versen ohngefähr folgende Worte ; - » Der schwarzbraune Bräutigam . Der junge Fürst nahm Abschied von der Braut . Sie war ihm seit einem Monat anverlobt . Er dachte nur an sie , und ritt jetzt in das Gebirge hinein , um seinen Vater zu besuchen , und ihn auf die Ankunft der Schwiegertochter vorzubereiten . Verlaß mich nicht , klagte die schöne Braut , mir ahnet Unheil . Warum gerade in diesem Augenblicke von mir gehn ? - Ich muß , sagte der Prinz , und küßte sie zärtlich : unsere Liebe wird diese Trennung nur lächelnd überdauern . Nein ! klagte sie weinend ; ich sehe dich nicht wieder . Als gestern abend die dunkeln Wolken so eilig durch den Himmel flogen , erblickte ich in ihnen lauter abscheuliche Gesichter , grinsend , in fürchterlicher Schadenfreude verzerrt . Es sind die Göttinnen des Schicksals , oder Dämonen , die dir auflauern . Sie wollen uns trennen , sie wollen dich töten ! sie fürchten , die Schadenfrohen , daß du deine Länder beglücken wirst , sie wollen nur Unheil säen . Gespenster , sagte der Liebende , sind nichts Wirkliches , darum zittere , darum bange nicht , mein holdes Liebetraut . Daß wir uns lieben , ist Wahrheit : davor weilt und steht kein Dämon . Deine Phantasie ist krank , die Wirklichkeit gesund . Um so viel du in Schmerzen leidest , um so mehr jauchze ich in Lust . Der gute Geist muß Sieger sein . Kannst du es wissen ? sprach sie , und umschlang ihn inniger . Sie meinen es nicht gut mit uns , das habe ich in allen meinen Träumen gesehn . Du bist mir Leben , Gegenwart und Zukunft : wenn sie dich fortreißen , wo ist noch eine Zeit für mich ? Da ward sein schwarzes , hohes Roß vorgeführt , sein Lieblingsroß . Wie er dem edlen Tiere gut war , so war das Pferd mit wunderbarer Freundschaft dem Herrn zugetan ; es hatte ihm schon oft das Leben gerettet . Und der Herr war dem Rappen dankbar . Die Liebe , die den Menschen an die Tiere knüpft , ist wunderbar . Im Tale , tief unten , im Felsenkessel , von Schierling , Bilsenkraut und giftigen dunkeln Blumen umgeben , hausten in der Einsamkeit weibliche Dämonen . Ihre Freude war Unglück , Verderben , Krankheit . Das aufschlagende Feuer , das die Hütte des Armen verzehrte , war ihnen , wenn es durch die Nacht hin leuchtete , ein Freudenzeichen ; der Verzweifelnde , wenn er ihnen begegnete , war ihnen ein Narr und Geck , an dem sie sich belustigten . Sie hatten oft den schwarzbraunen schönen Prinzen gesehn , sie liebten ihn alle , weil er so herrlich war , und alle wollten sich gegen ihre Natur , ihm gefällig beweisen . Bald kam ihm die eine als Zigeunerin entgegen , um ihm wahrzusagen , bald kam eine andere als Bettlerin ; jene , die Wildeste dort , mit dem ruchlosen Auge , wollte ihm den kürzeren Fußpfad durchs Gebirge zeigen ; - aber so sehr sie auch schmeichelten , so fein sie auch sangen , so tief sie sich beugten , so sehr in verwandelten Larven sie ihn anlächelten ; er achtete ihrer nicht , und ihre Liebe verwandelte sich in bittere Galle und essigsauren Haß . Da braust er heran , auf seinem nachtdunkeln Roß , sagte jetzt Alrune , die mit der gelben Haut , den großen stechenden Augen und dem langen Rabenhaar . - Das Pferd ist auch schön , sagte Geldrude , die falsche , deren einer langer Zahn weit über den blassen Lippen vorragte . - Wie es stampft ! die Erde zittert bis hierher ! sprach Gudula , die bösartige , die die kleinen Kinder stahl und sie tot und krank aufgeschwollen den jammernden Müttern wieder in den Weg legte . - Alrune rief kreischend : Ich will uns alle an ihm rächen ! Gebt acht , er soll den alten Vater , er soll die schöne Braut nicht wiedersehn ! Sie stellte sich , die Scheußliche , unsichtbar an den Weg . Da , an der Ecke des Waldes , wo kein Kruzifix , kein Bildnis der gottgesegneten Mutter in der Nähe war . - Da braust es heran , da klingt der Felsengrund , da weht der Mantel des schönen Reiters im Frühlingswind , und der Wald duftet , und die Vögel singen laut . Sie streift , das schreckliche Gespenst , die Gewänder ab . Ein Scheusal zeigt sich den Geistern , denn das sterbliche Auge sieht sie nicht , aber die greulichen Schwestern der Unholdin freuen sich der entsetzlichen Schönheit ihrer Genossin . Wie ein brauner Zweig steht sie an der Waldecke , wie eine aufgerichtete dunkelgelbe Giftschlange , wie eine hoch aufgeschossene ekle Pflanze , vor der sich die Morgenluft scheu zurückbeugt und das Licht Tau niederweint , daß es den Graus beglänzen muß . Holla ! da sprengt der schöne Jüngling heran . Er singt ein fröhlich Lied ; die dunklen Locken fliegen ihm spielend nach , und fächeln liebkosend seine braune Wange . Er denkt einen Liebesgesang und ruft : Wie schön ist die Natur ! wie berauschend der Lenz ! wie überglücklich ich ! Nun ist der Reitende dem Grausal nahe . Ihr Auge jubelt . Mit einem Sprunge ist sie hinter ihm , sitzt schrittlings ; die braunen Schenkel leuchten von der Schwärze des Rappen abscheulich zurück , ihr schiefer großer Mund lacht , die weißen Zähne glänzen . Den dürren ausgereckten Arm , an dem die langen Nägel wie Klauen stehn , schlägt sie , um sich festzuhalten , dem Reiter um die Brust . Er weiß nicht , wie ihm geschieht , er sieht sie nicht sein Herz bebt , der Rappe schaudert . - Nun sprengen sie hin , das Pferd sperrt weit die Nüstern und schnaubt , daß die vorüberfliegende Wespe forteilt im Schreck . Wohin , mein Rappe ? ruft der bestürzte Jüngling ; du rennst aus der Bahn . Das Pferd stemmt sich gegen den Zügel , es gehorcht nicht Sporn , nicht Ruf . Die Schwestern sehn es jauchzend , wie Roß und Reiter dahinstürzen , über hohe und niedere Felsgesteine und bemooste Felsenblöcke ; der Reiter blickt sich scheu um , er will die unsichtbare Klammer von seiner Brust lösen , und vermag es nicht . Bein und Fuß schlägt die Wilde in die Weichen des Rosses , das immer toller , immer unbändiger rennt : ihr struppigtes , starres , greises Haar fliegt wie Borsten im Winde , man sieht das Grinsen des Antlitzes , das Zähneblöcken . - Welch böser Geist regiert mein Pferd ! schreit nun der Königssohn : was preßt mir so mit eisernen Klammern Brust und Herz , daß ich vor Schmerzen schreien möchte ? - So steh denn in der Hölle Namen ! So reißt er mit Riesenkraft sein Pferd herum , der Rappe zittert in allen seinen Fibern wie Espenlaub , doch hinter dem Reiter schlägt die Gelbbraune die Beine schnalzend an die Weichen des Rosses , und nun stürzt es wie rasend zurück , der Hut entfällt dem Reiter , auch seine Haare flattern im Winde ihm nach , nun wüten Pferd und Jüngling heran , dem Zauberkreise , dem Giftbrunnen , das Roß bricht zerschmettert nieder , der sterbende Fürst wirft noch einen , den letzten Blick in den lichten , blauen Himmel hinein , und wahrnimmt die kleine Wolke , die , ihn beklagend , sanft vorüberschwimmt . - Nun stehn sie , die Scheußlichen , mit gierig starren Blicken umher , und freuen sich ihrer Tat . Was kümmert es sie , daß der Vater sich härmt , und am gebrochenen Herzen stirbt , daß die Braut weint , und jeder schöne Jüngling ihr nur als Leiche erscheint ? - Und so jagt manchen ein unsichtbarer Dämon mit wilder Schadenfreude in seinen Untergang . Je schöner , je edler das verfolgte Wesen , je mehr Scheuel und Greuel sein niederträchtiger Feind , der ihn vernichtet , er weiß selber nicht warum . Und das nennen sie nachher Schicksal , unvermeidliches Verhängnis , die kurzsichtigen Sterblichen . Oh , könnten ihnen doch die Augen aufgetan werden , damit sie es wahrnähmen , mit wem sie es zu tun haben . « » Ei ! « rief der alte Poet , » wie kommt ihr auf eine so trübselige Erfindung ? Ist dies wohl ein Gegenstand , ihn in einer heiteren poetischen Akademie vorzutragen ? « Don Giuseppe schien anderer Meinung und lobte das Gedicht . » Es mag wohl « , sagte er , » nur zu sehr ein wahres und trübes Bild unseres Lebens sein . Außerdem aber habe ich es mir zur Pflicht gemacht , alles , was die Signora Peretti tut und sagt , zu bewundern . « » So ist es recht « , rief Vittoria , jetzt wieder ganz aufgeheitert , » eine solche Verehrung , die durchaus keinen Tadel zulassen will , ist einzig und allein die richtige . Nicht wahr , an unserm Ariost oder Dante noch mäkeln , diese Stelle so , jene anders wünschen , das ist nur die Art schwacher Geister ? Und so behandelt Ihr mich , Don Giuseppe , wie ein vollendetes Kunstwerk , und ich danke Euch dafür . « Als man sich jetzt zu Malespina wandte , sagte dieser : » Ich muß , wie Don Giuseppe , um Entschuldigung bitten ; ich darf mich in einer solchen Gegenwart wohl nicht für einen Poeten geben , und wenn ich auch diese Kühnheit hätte , so trage ich doch kein Blättchen mit Versen bei mir , und mein Gedächtnis ist mir nicht treu genug , etwas ungelesen rezitieren zu können . Wenn Ihr es aber nicht mit Unwillen aufnehmen mögt , so will ich Euch zur Abwechselung und Aufheiterung eine jener an sich unbedeutenden komischen Begebenheiten vortragen , die sich in Residenzen und an Höfen wohl oft ereignen . Nur muß ich bei den verehrten Damen im voraus um Entschuldigung bitten , wenn die Erzählung wie wohl die meisten komischen , hier und da , wenn auch nur ganz wenig , verletzend sein sollte . « Caporale erwiderte : » Es läßt sich fast alles erzählen , wenn man nicht selbst eine unziemliche Lust am Unziemlichen empfindet . « » Sehr wahr « , sagte die Mutter , » das möchte wohl die richtige Art bezeichnen , weshalb viele unserer Autoren von mir rein genannt werden , die bei andern in einem sehr übeln Rufe stehen Wer sich selber unsittlich aufreizt , um gemeine Lüsternheit in andern zu erregen , nur einen solchen sollte man unmoralisch nennen . « » So bin ich denn dreist genug , den Spaß , der sich wirklich so zugetragen hat , zu beginnen « , sagte Malespina . » In unserer Residenz lebt schon seit längerer Zeit ein komischer Mann , der unzählige Blößen gibt und sich fast immer lächerlich zeigt , dessen ohngeachtet aber eine gewisse Hochschätzung mit Recht in Anspruch nimmt : es ist dies der alte Conegiani , der Gesandte von Ferrara an unserm Hofe . Dieser Mann ist lang und hager , blaß , von eingefallenem Gesicht und tiefliegenden Augen , zuweilen , wenn er nachdenkend aussieht , wie ein Bild des Jammers ; wenn er leicht und ausgelassen sein will , so reißt er im schmalen , dürren Gesicht den großen Mund so weit auf , daß man sich entsetzen möchte . Dieses Bild des Schreckens also , oder diese klapperdürre Figur , welche die Natur in bizarrer Laune scheint hervorgebracht zu haben , weiß aber von seiner Lächerlichkeit nichts ; so verblendet ist er und so von sich selbst eingenommen , daß er sich für schön hält , für anmutig und geistreich ; darum tanzt er gern noch auf den Festen , spielt den Zärtlichen , den Witzigen , und versagt keinen Spaß oder keine Ausgelassenheit , die die jungen , übermütigen Kavaliere ersinnen , und welche sie oft nur erdenken , um ihn hineinzuziehn , und sich an seiner Possierlichkeit zu ergötzen . Sein vertrauter Freund ist ein junger reicher Edelmann aus Padua , der ein schönes , witziges Mädchen unterhält ; und bei diesem speiset , ohne andere Gäste , der Gesandte fast jeden Abend . Die größte Schwäche des Alten ist nun , daß er glaubt , jede Dame sei in ihn verliebt ; so daß die Frauen ihn närren und necken , oft die Zärtlichen spielen , um ihn zum Gelächter zu machen , wie es sich von selbst versteht . Ganz öffentlich aber hat er sein fühlendes Herz vorzüglich der witzigen und schönen Donna Isabella gewidmet , die auch zum Schein seine Liebe erwidert , seine Zärtlichkeiten beantwortet und den Alten in so wunderliche Posituren versetzt , daß dieses öffentliche Verhältnis zu den Lustbarkeiten des Hofes gehört . « » Wer ist diese Isabella ? « fragte Don Giuseppe , der sehr aufmerksam der Erzählung zuhörte . » Sie ist « , antwortete Malespina , » die Schwester unsers Großherzogs und die Gemahlin des Herzogs Bracciano , des berühmten Orsini Paul Giordano , der sich schon in verschiedenen Feldzügen ausgezeichnet hat , wie Ihr wissen werdet . Diese Dame ist vielleicht die schönste unsers Hofes ; sehr viele erkennen ihr den Preis vor unserer berühmten Schönheit , der Bianca Capello . Alle Welt ist von ihrer Anmut bezaubert , von ihrer witzigen Unterhaltung hingerissen . Dabei ist sie in ihrem edlen Betragen so gutmütig , daß die Armen und Bürgerlichen sie verehren : ihre Gewandtheit und Lebensklugheit ist so groß , daß unsere kränkliche und ernste Großherzogin sie ebenso liebt , und ihr ebenso vertraulich ist , wie jene übermütige Bianca . Gewiß ein seltnes Beispiel da die regierende Fürstin gewiß nicht leichtsinnig über die Leidenschaft ihres Gemahls denkt , und ihre Nebenbuhlerin nur mit innigem Grauen neben sich dulden kann . So gab es denn im letzten Karneval einen unendlich spaßhaften Auftritt am Hofe , im Saale der regierenden Fürsein . Es war ein trauriger Regentag , und die Fürstin , sonst ernst , fast melancholisch , schlug Tänze und Spiele vor , weil sie sich vorgenommen hatte , an diesem Tage recht heiter zu sein . So wurde denn getanzt , und in allen Wendungen , feierlichen wie lebhaften Tänzen , figurierte jener beschriebene Conegiani , und spielte seine zärtliche Rolle mit der Herzogin Isabella . Nachher ward gesungen , dann trieb man das Spiel , schwere Worte hintereinander schnell zu sagen , was die tollsten Redensarten , burleske unsinnige Silben hervorbrachte ; wer aber fehlte , stotterte , oder falsche Worte sagte , erhielt von einer kleinen vergoldeten Kelle einen derben Schlag in der flachen Hand , so wie es wohl den kleinen Kindern in den Schulen geboten wird . Viel Schläge , und heftige , bekam unser Gesandter , denn die Dame , die das Strafamt verwaltete , spaßte mit ihm nicht , wenn er wegen Fehler gezüchtiget wurde , so daß seine Hand am Ende rot aufgelaufen war , und er mit den lächerlichsten Grimassen die schmerzende an seinen Kleidern rieb . Jetzt schlugen die jungen Leute ein tolles Spiel vor , das Affenspiel , Mattacini genannt , in welchem einer der Herren hüpft , springt , Gebärden macht , und alle übrigen nachahmen und ebenso tun müssen . Bei dieser Tollheit sind die Damen natürlich nur Zuschauer . Man legt bei diesem Spaß die Mäntel ab und zeigt sich im Wams , ein nachlässiges Kostüm , in welchem schöne junge Männer , welche gut gewachsen sind , nur gewinnen können , in welcher Tracht aber das dürre , arme , fleischlose Skelett , an welchem man weder Waden , Schenkel noch Hüften wahrnehmen konnte , sich vollends erst wie ein aufrecht wandelnder Affe ausnahm . Dieses übermütige Spiel führte nun ein Vetter der Herzogin Isabella an , der Graf Troilo Orsini , ein großer schöner Mann , in voller Kraft der Jugend , und so mit Grazie begabt daß alle Weiber in ihn vernarrt sind . Dieser ersann nun die tollsten Sprünge , Stellungen und Gebärden , und wie einem reizenden Jünglinge , der seinen Körper in der Gewalt hat , und sich kennt , um zu wissen , was er sich erlauben darf , alles schön steht , und er auch das Komische und seltsam Abgeschmackte veredelt so erschien an unserm Gesandten selbst das Gewöhnliche verzerrt und widerwärtig , das Absurde aber abscheulich . Ihr könnt euch die Lust und Freude der übermütigen Jugend und der Weiber und Mädchen vorstellen ; ich habe die edle Großherzogin noch niemals so lachen sehn . Wie wurde es aber erst , als der tolle Troilo anfing , seinen ihm Vorstehenden mit aufgehobenem Bein und Fuß einen Tritt in die Hüften zu geben . Wie ein kreisendes Rad ging diese Gebärde mit der größten Schnelligkeit durch die Versammlung : mancher Getretene fiel um , mancher Tretende war in Gefahr : am schlimmsten erging es dem armen Conegiani , dessen lange , dürre Figur sich zuweilen vom gewaltigen Tritt hintenüber bog , wie ein Bogen . Die Gesichter , die er dabei schnitt , lassen sich gar nicht beschreiben . Er versäumte es aber auch nicht , es nach Vermögen seinen Mitspielenden zu vergelten , so daß er , wie die übrigen , in Schweiß geriet , die Großherzogin sich aber von Lust und übermäßigem Gelächter so angegriffen fühlte , daß sie nach diesem Spiele den Saal verlassen mußte . - Nun kleidete man sich wieder an , und der Gesandte setzte sich freudetrunken nieder zu seiner angebeteten Donna Isabella , im Wahn , wie zauberreich er in diesen verschiedenen Windungen und Gebärdungen die Schönheit seines Körpers entfaltet habe . Sie drückte ihm die Hände , lobte seine Gewandheit und er war entzückt « - » Doch der Gemahl der Isabella - trieb er auch diese geistreichen Spiele mit ? « fragte Don Giuseppe . » Ihr scheint es nicht zu wissen « , sagte der Fremde , » daß der Herzog Bracciano schon seit Jahren von Florenz abwesend ist ; wenn er nicht im Kriege ficht , so lebt der schon bejahrte Mann hier und dort . Er hat , sagt man , seine Gemahlin nie geliebt , und sie ihn wohl ebensowenig . So sieht man auch fast niemals unsern Fürsten Francesco in den Zimmern seiner Gemahlin , wenn diese ihre Gesellschaften hat . Bei unsern Großen fällt dergleichen kaum mehr auf , wie Ihr es ja auch aus eigener Erfahrung wissen müßt . - Erlaubt aber , daß ich jetzt zu jener seltsamen Geschichte übergehe , zu welcher das Bisherige nur die Einleitung sein sollte , um den Helden derselben kennenzulernen . Der junge Troilo unterhielt , der Wohnung des Gesandten gegenüber , ein schönes junges Mädchen , die auch mit der Geliebten des Paduaners , des Freundes unsers Conegiani , sehr vertraulich war , wie unter diesen jungen Wesen , die das ganze Leben von der leichtsinnigen Seite nehmen , diese Verbindungen sehr natürlich sind . Da der alte Gesandte das Kleinod des Troilo täglich aus seinen Fenstern , sich ziemlich nahe gegenüber sah , so ward er leichtsinnig , wie er ist , in dieses artige Wesen entbrannt , und es schien ihm um so merkwürdiger , daß sein Herz neben jener hohen , erhabnen Leidenschaft für die Herzogin , auch noch einer leichteren Empfindsamkeit fähig war , und er schadenfroh imstande sei , einem jungen Manne auf diese Weise Eintrag zu tun . Da sein Liebäugeln , Kußwerfen und Grimassieren mit jedem Tage zunahm , so erzählte die mutwillige Kleine diese Neuigkeit ihrem Troilo . Dieser jubelte auf , als er seinen Conegiani wieder von dieser Seite kennenlernte . Er befahl der kleinen Lisa , sich gegen den Alten freundlich zu stellen , und ihm Hoffnung zu machen , als wenn sie sich ihm und seinem Liebreiz wohl nach einiger Zeit ergeben könne . Dem stets lustigen Paduaner wurde auch mitgeteilt , was sich ergeben solle , und dessen junge , leichtfertige Giannina mußte ebenfalls darum wissen , um das möglich zu machen , was der Graf Troilo entworfen hatte . Dieser nämlich erzählte seiner Muhme , der Herzogin Isabella , sogleich alles , und diese heitere Dame , die gern mit ihrem Vetter lachte , ging sogleich auf dessen Absicht ein , zum Teil auch wohl , um den Alten recht auffallend bloßzustellen , und auf diese Weise seine lästigen Bewerbungen abzuschütteln , da ihr jetzt wohl schon die Rolle der Zärtlichen , im Angesichte des ganzen Hofes , lästig fallen mochte . Man beredete also die kleine Lisa , daß sie dem zärtlichen Gesandten durch ihre Freundin Giannina eine Nacht zusagen ließ , wie sie zum Abendessen mit dieser Freundin und dem Paduaner bei ihm sein und nachher bei ihm bleiben wolle . Alles ward dazu veranstaltet . Nun war eben seit zwei Tagen eine junge , aber überaus häßliche Sklavin von Livorno angekommen , die , ich weiß nicht , zu welchen Diensten , im Palast gebraucht werden sollte . Sie schielte furchtbar , hatte einen widerwärtig großen Mund , und war von jener fast safrangelben Farbe , die durch Vermischung mit Europäern die Kinder erhalten , und so eine Race bilden , häßlicher , als die Schwarzen selber . Diese Widerwärtigkeiten abgerechnet , war sie übrigens kräftig und gut gebaut . Als Mann verkleidet , um nicht aufzufallen und von den fremden Dienern erkannt zu werden , ging Donna Isabella mit Troilo nach dem Hause des Gesandten . Sie führten die häßliche Sklavin mit sich . Troilo , der im Hause sehr bekannt und durch seine Freigebigkeit auch beliebt war , merkte in den untern Gemächern , die zu den Ställen gehören , einen jungen Diener . Die Sklavin , die nur ihre barbarische Sprache zu reden wußte , hatte sich indessen schon auskleiden müssen . Der junge Mensch führte die drei Personen auf der kleinen Treppe zu den innern Zimmern , und von da in das Schlafgemach des Gesandten . Der Stallbediente verstand etwas von jener barbarischen Sprache , und mußte also der Wilden bedeuten , daß sie sich im Bette ganz ruhig halten müsse . Die Garstige bequemte sich gern , in ein so aufgeschmücktes , flaumweiches Bett zu steigen , in welchem sie durch Müdigkeit und gesunde Natur auch sogleich in den festesten Schlaf versank . Der Diener verließ sie , und Troilo und Isabella hörten jetzt aus dem benachbarten Saale Scherz , Lust und lautes Gelächter . Der Alte saß neben seiner geliebten Lisa , trank und jubelte ; mit ihm war sein vertrauter Freund , der Paduaner , und dessen Giannina . - Indem der Alte Lisa einschenkte , rief er laut : Trink von diesem edlen Monte Pulciano ! Wie oft hat mir Donna Isabella einen Becher dieser Traube kredenzt ! Fühlst du denn auch wohl , Kleine , wie sehr ich dich erhebe , da ich vom Besitz einer solchen Gebieterin zu dir hinabsteige ? Der Schmaus war geendigt , und Giannina nahm den Alten beiseit und flüsterte ihm zu : Vergönnt , verehrter Freund , daß sich Lisa jetzt einsam dort auskleide , und , ihr Gefühl zu schonen , sie Euch im Finstern empfange . Er bewilligte , befahl auch den Dienern , sich wegzubegeben , und harrte seines Glücks . Auch der Paduaner nahm Abschied , Lisa wartete auf der Treppe , und Giannina kam jetzt zurück , um mit ihrem Freunde auch das Haus zu verlassen . Nun begab sich der Gesandte im Finstern in sein Schlafgemach . Er stieg in sein Bett , nicht wenig erstaunt , daß seine Gefährtin nach so wenigen Minuten schon so fest eingeschlafen sei . Anfangs hielt er es für Schalkheit und Verstellung , aber ein allzu gesundes Schnarchen überzeugte ihn bald vom Gegenteil . Erstaunt schüttelte und rüttelte er die Eingeschlafene heftig , aber lange vergeblich . Endlich wurde sie munter , und erhob , da sie einen Mann neben sich merkte , der ihr , wie sie glauben mußte , Gewalt antun wollte , in ihrer barbarischen , unverständlichen Sprache ein mörderliches Geschrei . Da sprang der Gesandte mit Entsetzen vom Lager , schrie nach Licht und allen seinen Dienern , so sehr harte er die Fassung verloren . Das ganze Haus wurde wach . Als Licht gebracht wurde , sah man ihn zitternd dastehn , von seinem langen Schlafrock nur dürftig bekleidet . Ohne daß er die Sache begriff , ward die Sklavin von den Dienern fortgeführt , jener Vertraute gab ihr unten im Stall ihre Kleider wieder , und betäubt , fieberhaft zitternd setzte sich der Alte , alles Rates beraubt , in seinen Sessel . Wie ward ihm jetzt , als in der Einsamkeit zwei Figuren aus einer Nische auf ihn zutraten , und er in dem einen Mann seine hohe Gebieterin , Isabella , wiedererkannte ! Er glaubte , das Haus müsse mit ihm versinken . - So lerne ich Euch kennen , redete ihn jetzt die mutwillige Donna an , Euch , der sich für meinen Herzgeliebten , für meinen unwandelbar treuen Schäfer ausgeben will ? Seht ! welches scharfe Auge die Eifersucht hat , die Euch schon seit Tagen unermüdlich beobachtete , und nun Eures Treubruches , Eurer Schändlichkeit innegeworden ist . Ich wollte es meinem Vetter Troilo nicht glauben , daß Ihr alter , boshafter , ungetreuer Mann einer solchen Unwürdigkeit fähig wäret . Er hat Euerm Leichtsinn , Euerm Wankelmut , Eurer Sucht , die Weiber zu verführen , niemals getraut , er hat mich immer vor Euch gewarnt . Aber , daß Ihr von mir , die Ihr anzubeten vorgebt , so tief herabsteigen , daß Eure verirrte Lust , Euer schwaches Gemüt zu einem solchen Scheusal sich herabwürdigen könne , das hätte ich keinem , auch dem zuverlässigsten Manne nicht , geglaubt , wenn es mein eignes Auge , zu meinem unendlichen Schmerze , nicht gesehn . Könnt Ihr wohl noch ein einziges Wort zu Eurer Entschuldigung hervorbringen ? Der Alte wußte nicht , ob man ihn närre ,