so würde sie thun , was Euch nicht gefällt ! « - » Die Schreckliche ! « seufzte Bilger : » O , sie weiß zu lohnen , fürchterlich zu lohnen . Aber ich werde ... ich muß gehorchen . Ohnedieß hätte ich nicht lange hier verweilt . Sagt ihr , würdiger Herr .... ich würde scheiden .... sobald die Feiertage verflossen . « - Dagobert sah kopfschüttelnd in des Mannes zerstörtes Angesicht . Bilger schlug die Augen scheu nieder . » Würdiger Herr ! « begann er dann zögernd : » Ich darf Euch wohl nicht fragen , ob Euch das Nähere bekannt , das zwischen dem Fräulein und mir obwaltende Verhängniß .... ? « - » O schweigt . , schweigt ! « unterbrach ihn Dagobert rasch : » hier wittre ich Unheil , und das ist , was ich nicht zu wissen begehre . Mein Staunen , Euch so leicht und knechtisch unter eines Weibes Wort gebeugt zu sehen , sey Euch Bürge für meine Unwissenheit . Ich bin Wallradens Bruder , und kenne weder meiner Schwester Herz noch ihr Schicksal , verlange Beides nicht zu kennen . Lebt wohl und vergebt mir die Sendung , die Euch also betrübt und erschreckt hat . « - Ohne des Wildmeisters Antwort zu hören , flog Dagobert die Treppe hinunter . - » Ei , was gähnt mich denn so schauerlich aus . diesen Auftritten an ? « fragte er sich befremdet : » Schier kommt mir Wallrade vor wie ein bös Gespenst , das den Menschen durch Unthaten zu seinem Leibeignen macht , um seine Seele mit seinem Leib zu verderben . Nein , Schwesterlein ; ich begehre nicht , in Dein Spiel zu sehen , verschmähe es aber auch , Dein Knecht zu seyn ! « Noch am selben Nachmittage ging er , von mancherlei Gefühlen beseelt , Wallraden heimzusuchen . In ihrer Wohnung fand er den Oheim , und die Herren von Königseck und Montfort versammelt . Alle drei waren höchlich überrascht , ihn eintreten zu sehen . Die edeln Freier beruhigten sich indessen bald , da sie vernahmen , der schwarze Herr , der ihnen in vergangner Nacht viel Unruhe verursacht hatte , sey niemand anders , als der Bruder ihrer Huldin . Monsignore Ranocchia lieferte dagegen einen Auftritt , der sich recht gut darstellte , wenn man annahm , Alles , was er vorbrachte , sey ihm Ernst ; der aber für die Hauptpersonen possirlich wurde , die wenig an des Oheims Aufrichtigkeit glaubten , und eben nicht besondre Lust verspürten , in ihrem eignen Verhältniß Aufrichtigkeit walten zu lassen . Der Prälat sprach viel von der Stimme der Natur , die endlich doch immer siege , wenn gleich lange durch bösen Zwang darniedergehalten , - von Geschwistern , die zuletzt doch der göttlichen Liebe ihren Haß opfern ; und mit Freudenthränen segnete er den heiligen Tag , der Wallraden und Dagobert wieder zusammengeführt . » Ja ! « rief er , die klaren Kunstthränen in den Wimpern ; » der Himmel hat mein eifriges Gebet erhört . Geschehen ist die Versöhnung , die ich zu meinem liebsten Gedanken erhoben hatte . Dieser wackre Neffe , den ich liebe , wie ein Vater den Sohn . « - Dagobert mußte heimlich lachen . - » Diese getreue Nichte , die ich im Herzen trage , wie eine Mutter die Tochter , « - Wallrade zuckte mitleidig die Achseln , - » sie haben sich wiedergefunden durch mein Zuthun . Die erhabne Kirche , deren Festlichkeiten die Ketzer , Wiklefs und Hussens Jünger , zu schmälern und zu entwürdigen gedenken , pflegt also durch ihre rührende Feier getrennte Seelen zu vereinigen ; und ich , ihr unwürdig Geweihter , vereinige Euch zum zweitenmale durch diesen Friedenskuß ! « - Er küßte Dagoberts , Wallradens Stirne , und nöthigte die Geschwister , sich zu umarmen . Aber wenn es möglich wäre , daß zwei Bildsäulen von Granit sich in die Arme fielen , herzloser könnten sie nicht Brust an Brust ruhen , als hier die lebenden , von jugendlichem Blute durchströmten Menschen . Die Zuschauer empfanden alle Langweile , die ein solches Schauspiel gewährt . Die Vesperglocken brachten daher einen angenehmen Eindruck auf sie hervor . Der Prälat griff eilig nach Mantel und Hut , um die Kirche nicht zu versäumen ; der Herr von Königseck bot Wallraden seine Begleitung in den Dom an , um daselbst den lustigen Pomwitzeltanz mit anzusehen , der - ein Überbleibsel des Heidenthums - in der Christtagsvesper um den Altar getanzt wurde . Der Graf von Montfort schlug einen Gang in ' s Freie vor , aber Wallrade verweigerte alles , unter dem Vorwande , mit ihrem Bruder eine Sache von Wichtigkeit abthun zu müßen . Die Herren sammt und sonders fügten sich in ihren Willen . Während sie jedoch mit den verbindlichsten Worten Abschied nahmen , zog der Prälat den Neffen in das Fenster . » Es ist ein Beweis Deiner Klugheit , « sprach er , » daß Du Wallradens Freundschaft suchtest , und ich belobe Dich deßhalb . Die Herren Freier sind - wenn gleich deutsche ungelenke Thiere - dennoch nicht zu verwerfende Gönner , und ich fordre von Dir , daß Du Deinen augenblicklichen Einfluß auf Wallraden dazu benützest , einen oder den andern ihr genehm zu machen , damit sie zur Ehe schreite . Beide sind ganz vernünftig in ihren Bedingungen die sie mir machten . Der Königseck zahlt tausend Gulden baar ; der Montfort bietet eine Präbende im Stiftmünster , oder zweihundert Sonnenkronen Jahr für Jahr , zehn Jahre hindurch . - Es soll dein Schade nicht sey , wenn Du die Widerspenstige zu Einem oder dem Andern zu bereden fähig bist . Empfange daher meinen Segen und sey klug . Besonnenheit und Vernunft verschaffen diesem Rocke Ehrfurcht . « - Mit dem edeln Herzen gieng der Oheim von dannen . Wallrade versicherte sich , daß kein Lauscher nahe sey , trat dann mit durchdringendem Blicke hart vor Dagobert hin , und fragte : » Nun , Bundesgenosse ! Habt Ihr gethan nach meinen Worten ? « - Dagobert bejahte . - » Wird er gehorchen ? « fuhr sie fort , dringend und fest . - » Er wird ! « erwiederte der Bruder . » In wenig Tagen schon . « - » Hm ! ich weiß ; « sprach Wallrade mit fliegendem Lächeln : » ich erfuhr bereits ... er geht nach Mörsburg , als bischöflicher Jagdmeister . Es kömmt darauf an , ob er mir dort lästig scheint . In diesem Falle rechne ich auf Euern neuen Beistand , ihn von dannen zu treiben . « Diese Worte empörten Dagobert ' s Gefühl , so gut er bis jetzt an sich gehalten hatte . » Ich begreife nicht , « sprach er mit Heftigkeit : welch » unglücklich Schicksal diesen Mann , der einem Verbrecher nicht ähnlich steht , zu einem Geachteten , Vogelfreien gemacht hat , der vor der Drohung eines Weibes sich verbergen muß , jede Stätte verlassend , wo er gedenkt zu bleiben ; .. aber so wenig mir gelüstet , der Theilnehmer Eures Geheimnisses zu seyn , so wenig biete ich auch ferner meine Hand zu dieser im Verbergenen schleichenden Gewalttätigkeiten . Hat dieser Mann Euch so schwer beleidigt , daß nur sein Verderben Euch zu versöhnen vermag .... sagt ' s , und ich werfe diese Kutte auf einige Tage von mir , um mit dem Degen in der Faust den zu strafen , der Euch mißhandelte . Das ist Bruderpflicht . Aber Euer Foltersknecht bin ich nicht , werde es nie seyn . Ich habe des armen Mannes Weib gesehen , sein Kind .... nicht mein Mund , nicht meine Hand wird das Geringste thun , diese Unschuldigen langsam mit zu martern durch die Qual des Gatten und Vaters . « » Sein Weib , sein Kind ? « fragte Wallrade schneidend : » Sie sind hier ? Diese Nachricht danke ich Euch . Schon hier ? Sehr wohl . Der Herr von der Rhön wird wohl thun , so schnell als möglich von dannen zu ziehen . Nicht meinetwegen allein ; « setzte sie langsam und laurend hinzu : » auch wegen des weichherzigen Bruders Empfindsamkeit , der die Laune hat , jungen Ehefrauen allein zugethan zu seyn , wäre es auch seines eigenen Vaters Weib , seine Stiefmutter . « » Wallrade ! « rief Dagobert entsetzt , und seine Zunge erstarrte ob der frechen Anklage . » Läugnet ! « entgegnete ihm Wallrade heftig und frecher : » Läugnet , was ganz Frankfurt weiß , was bis in meine tiefe Einsamkeit drang , und meinen Haß gegen Euch befestigte . Läugnet , was Eure Zunge lähmt , als ob sie Gottes Hand getroffen . Wagt es , mich zu beschuldigen und Euch heilig zu sprechen . Ich strafe nur ein Verbrechen , - Ihr lebt aber noch in Schuld und Fehl . Euer falscher Mund , konnte mich gestern berücken , heute aber steht der eigensüchtige , verläumderische , boshaft-üppige Bube Dagobert wieder in seiner vollen Blöße da , und von nun an keine Gemeinschaft zwischen uns . Thut was Euch beliebt . Das Schwert des Henkers legt sich zwischen Euch und mein Geheimniß , damit es der Schuldige nicht verrathe . Es ist todt für Euch . Versucht aber auch ja nicht den Schleier zu lüften ; offenkundig machte ich dann Eure eigene Schande , und diesen Arm ... « hier hob sie drohend ihre Rechte ... » ist stark genug , auch in des Bruders Brust Genugthuung zu suchen . - Verlaßt mich jetzt . « Stumm vor Kränkung , Wuth und Abscheu maß Dagobert die entartete Schwester mit einem Blicke der tiefsten Verachtung , und wendete sich von ihr , wie der fromme Märtyrer von dem Bilde Baals , dem zu opfern die Tyrannei ihn zwingen will . Fest entschlossen , die Unheilathmende nie wieder zu sehen , ging er hinweg . Neuntes Kapitel . Der Reiter und sein geschwindes Roß , Sie sind gefürchtete Gäste . Schiller . Der erste Tag des Jahres Eintausend vierhundert und fünfzehn hatte sich eingestellt , zur Freude von Alt und Jung ; denn obgleich der Winter jetzt erst anfing , so dachte schon Jedes mit Entzücken an die Fastnachtfreuden , und an die bald darauf folgenden gelben Himmelsschlüssel , die lieblichen Herolde des Frühlings . In Frankfurt war Alles lebendig , das Fest zu begehen ; die Kirchen waren gedrängt voll , und auf den Gassen summte es fröhlich umher . Aus den Pelz- und Zwillichmänteln schauten vergnügte Gesichter , und der Geschenke wurden fast viel gespendet . Freunde begabten Freunde , Verwandte den Blutsfreund , der Herr den Diener , der Unterthan seinen Vorgesetzten . Auf dem Römer saßen Bürgermeister , Schultheiß und Schöffenrath , um die gewohnten Gaben zu empfangen . In den Gotteshäusern waren die Opferstöcke dazu geöffnet ; Genossen der Brüderschaften der heil . Sebastian , Jost , Jörg und Stephan sammelten in verschlossenen Büchsen für die milden Stiftungen von Haus zu Haus . Und durch all dieses Getreibe hüpften und johlten schon von frühem Morgen an , die lustigen Gesellen ohne Haus und Hof , Frau und Kind , die Trinkstuben und Zunfthäuser füllend , weil an diesem Tage die strengen Zechordnungen so gut wie aufgehoben waren . Den Altbürger Diether Frosch hielt sein Amt als Schöffe auf dem Rathhause fest ; seine Ehefrau hatte die Liebfrauenkirche besucht , und wandelte nach ihrer Wohnung zurück , da der Gottesdienst zu Ende war , als Else , die unter der Thüre auf sie geharrt hatte , von Weitem schon auf sie zusprang . » Ach , liebe Frau , « sagte sie eilig : » erschreckt nur nicht . Es sitzt ein Gast in Eurer Stube , der Euch nicht angenehm ist . Ärgert Euch nicht , und denkt an Eure kostbare Gesundheit . « - » Wer ist ' s , Unheilbringerin ? « fragte die Altbürgerin ängstlich , und sah an ihrem Hause in die Höhe ; da gewahrte sie , oben aus dem Fenster schauend , den Mann , dessen Anblick in der That ihrem Herzen nicht wohl that . - Verdruß in Auge und Brust stieg sie hinauf , und trat , ohne denselben zu verhehlen , in ihr Gemach , wo ein langer Mann in ritterlicher , aber abgetragener Kleidung , bequem im Lehnsessel sitzend , ihrer wartete . Sein sonnverbranntes Gesicht mit den Zügen eines Dreißigers trug indessen alle Spuren eines lockern Lebenswandels , so wie sein übriges Äußere das Gepräge der Dürftigkeit aufwies . An seiner , in zwei Farben getheilten Tracht fehlte nichts , was zu dem Anzuge eines adelichen Herrn gehört , aber Alles war im übeln Zustande . Der Federbusch auf dem fleckigen Hute hing wie eine trauernde Weide darüber her . Die Metallspangen und Hefteln des Wamms waren erblindet , die Zierrathen des verblichenen Mantels unscheinbar geworden ; Handschuhe und Reitstiefel , sammt Sporen , Dolch und Raufdegen zeugten von langem Gebrauche und schlechter Besorgung . Zu der ganzen Gestalt , die von allen Unbilden der Hitze , des Frostes , des Schwertes und der Armuth gezeichnet war , paßten vollkommen die ungeschlachten Geberden , die vernachläßigte Sprache , die der Redner immer mit ausdrucksvollen Bewegungen seiner hagern luftgebräunten Hände begleitete , und gaben das getreue Bild eines jener Edelleute , die nichts ihr Eigenthum nannten , als den dürren Klepper , den sie ritten , das Wenige was sie am Leibe trugen , und ihr Wappen ; die an den Kreuzwegen ihr wild Gewerbe trieben , und oft keine sichere Höhle hatten , um ihre Beute darinnen zu bergen . - » Was soll das , Veit ? « , fragte Margarethe streng und finster : » Du schon wieder hier ? Du magst wissen , daß Deine Gegenwart mich befremdet , mich in Unmuth versetzt . « - » Niemand ist darob bekümmerter denn ich , « antwortete der Fremde : » Du weißt aber , lieb Schwesterlein , daß ich nicht anders kann . Die Welt bekümmert sich nicht um mich ; ich muß mich daher um sie bekümmern . Die Blutsfreunde laden mich nicht ein ; daher muß ich mich schon selbst einladen . « - » Du bist ein zudringlicher Gast , « zürnte Margarethe : » und jede Nachsicht macht Dich mehr zum Schmarotzer ! « - » Sey nicht böse , Gretel , « versetzte Veit spöttisch : » Dein schmuckes Angesicht wird häßlich entstellt durch den Zorn , und Du änderst damit doch nichts . Ich bin einmal da , um Dir ein glücklich Neujahr zu wünschen , und den Festtag bei Dir zu begehen . « - Mit einem Seufzer des Unwillens legte Margarethe Hut und Hauptfinster1 ab , hängte Mantel und Überkleid in den Schrein , und setzte sich hierauf in ziemlicher Entfernung dem Bruder gegenüber . - » Wo kömmst du her ? « fragte sie kurz und hart . - » Zunächst von der Landstraße ; « erwiederte der rohe Mensch : » eigentlich aus unserm Rattenneste zu Gelnhausen « . - » Was macht die Base , wie geht es ihr ? « - » Hm ; die Base ist noch lahm wie sonst . Einäugig ist sie jedoch obendrein geworden . Die Katze hieb ihr das rechte Auge aus . Im Uebrigen befindet sie sich wohl . Sie tratscht über Kaiser und Reich , und hat dabei eine frische Eßlust , trotz mir . Das wäre nun freilich all gut , wenn wir nur mehr zu essen hätten . « - » Man muß genügsam seyn ; « schaltete Margarethe trocken ein : » Nicht ein Jeder kann im Ueberflusse leben . « - » Gott ' s Marter ! « rief Veit : » Du hast gar schöne Sprüchlein gelernt , seitdem Du selbst im Ueberflusse sitzest . Als Du noch daheim lebtest in unserm Gauerbenschloß , war Dir Alles nicht recht . Gar manch ' liebesmal , da wir beieinander saßen , bei unserer Rübensuppe und Klaienbrod , hast Du Dich gekümmert , daß nicht alle Menschen reich sind . Mich wunderts heute noch , daß Dich unser Herrgott , trotz Deinem Schelten , erhört hat , und Dich der grauhaarige Rathsherr zur Frau nahm . Seither hast Du uns rein vergessen , und doch ist unser Eulennest noch baufälliger , unsere Kost noch schmaler geworden . Die ganze Ganerbschaft kann keinen elendern Haushalt aufweisen , als den Deiner Base und Deines Bruders . Und doch gaben wir die Einwilligung dazu , daß unser Wappen erniedriget wurde durch Deine Verbindung mit einem jener Altbürger , die sich zwar gern für Adeliche ausgeben möchten , im Grunde aber doch keine sind , wenn sie schon selbst der Kaiser den Letztern gleich hält . « - » Genug Deines unverschämten Geschwätzes ! « eiferte Margarethe : » Lang genug war ich die Thörin die sich in die Wünsche ihrer geldgierigen Verwandten fügte . Die tausendfältige Unterstützung , die ich Euch verlieh und die Ihr für nichts rechnet , soll und muß aufhören , denn verschuldet ist eure Trübsal . Ernähre ich Euch nicht sammt und sonders seit länger denn sechs Jahren ? Hast denn Du nur ein einzigmal versucht , Dir das nackte Leben zu gewinnen ? Frei wollt ihr seyn , wie der Sonnenstrahl , und zehren wie dieser an der Habe Eurer Blutsfreundin , die sich für Euch einem ungeliebten Gatten hingab . « - - » Sprich für Dich selbst ; « versetzte Veit kalt . - » Bot ich der kranken Base nicht eine Pfründe im Stifte der Witwe Wambach ? « fuhr Margarethe eifriger fort : » Wollte mein Eheherr Dich nicht zum Hauptmann unter den laufenden Gesellen der Stadt vorschlagen , oder zum Reisigen des Raths , wenn Du zu stolz wärest mit bürgerlichen Hauptleuten zu dienen ? « » Schweige mit den alten Grillen ! « fuhr Veit trotzig auf : » Du reizest jetzt meine Galle . Dienen , schon dieß Wort allein rechtfertigt meine Weigerung . Ich diene dem Kaiser selber nicht , und will mich eben so wenig , als die Base in ein reichsstädtisches Spital gehört , um ein paar Ellen Tuch an die Zunftkönige verdingen , die hier das Wort führen . Ich will meinem Stande gemäß leben , und wenigstens frei seyn , ohne Eurer Bürgermeister Brod zu essen . « » So gehe und sey frei ! « entgegnete Margarethe : » Du bist auf dem besten Wege . Geh hinaus , plündere und faullenze . Werde der Schrecken der Kaufleute und Handwerksgesellen , und mäste Dich von ihrem Schweiß . Ich thue nichts mehr für Euch , und verweise Dich in Treuen auf das Gewerbe , das Dir längst kein fremdes mehr ist . « » Wer kann mir das beweisen ? « fragte Veit höhnisch : » Und thäte ich ' s , was wär ' es anders , als was die meisten meines Gleichen thun . « » Schäme Dich , roher Mensch ! « rief Margarethe : » Du schändest unsern Namen . Du bist der Spießgeselle aller Nachtreiter , die das Land unsicher machen . Der Verdacht , den Mord des Pfarrherrn von Bonames verursacht zu haben , der vor zwei Jahren in der Frühe zur Kirche gehend , von Schandbuben erschlagen wurde , ruht auf Dir . Du hattest ihm blutige Rache geschworen , weil er Dich im Beichtstuhl nicht losgesprochen . « » Lügen ! « entgegnete Veit ; aber sein Ton wurde gemäßigter . Die Schwester fuhr indessen fort : » Auf diesen Verdacht hin hat man Dir die Stadt verboten . Wie kannst Du wagen , hier zu erscheinen ? Mensch , Du steckst den Hals selbst in die Schlinge . « » Am heutigen Fest ist die Stadt ihren ärgsten Feinden erlaubt bis Sonnenuntergang ; « versetzte Veit : » ich weiß , wie weit ich mich wagen darf . Ich bin nicht so einfältig , wie der Wernher von Hyrzenhorn , der sich neulich fangen ließ , und nun auf dem Eschenheimer Thurme sitzt ; im Trocknen zwar , aber in Eisen und Frost . Entsinnst Du Dich noch des riesigen Kumpans der einst von Herzen gern um Deine Hand gefreut hätte ? « » Der grobe Junker mit den Sitten eines Troßbuben ist mir allerdings noch im Gedächtniß , « antwortete Margarethe : » unser Vater war vor Zeiten sein Treuenhänder und Vogt . « » Pfleger und Mündel verjubelten gemeinsam ihr bischen Gut ! « schaltete Veit ein : » ' s war eine lustige Wirtschaft . Höre , den wackern Kämpen könntest Du , früherer Bekanntschaft eingedenk , aus seinem Käfich befreien , wenn Du wolltest , oder ihm mindestens zu billigern Bedingungen verhelfen , denn man will ihn nicht eher der Haft entlassen , als bis er seinen Thurm zu Wettershausen der Stadt zu Lehn gestellt , vierhundert Gulden als Lösegeld erlegt , und vier adeliche Freunde vermocht hat , sich gleich ihm der Stadt zu Mannen zu verschreiben . Das Erste thut er nicht , das Zweite kann er nicht , und das Dritte thun die Andern nicht . « » Was soll ich für ihn bewirken können ? « fragte Margarethe befremdet . - » Das Vorteilhafteste , « erklärte Veit , » und das war mit zum Theil der Grund meines Ritts hieher . Mir ist es wohl bewußt , daß der Schultheiß Dich liebt , und ein Wörtlein aus Deinem minnekosigen Munde setzt den Waffenbruder in Freiheit , ohne daß ihm besonderer Schaden zugefügt wird . « » Was kannst Du mir zumuthen ? « fragte Margarethe staunend und bestürzt : » Welchen Begriff machst Du Dir von meinen Sitten , meiner Zucht ? Ich liebe den Schultheiß nicht . « » Thue nicht so heilig , mein Täublein ! « versetzte Veit lachend : » Wir wissen das besser . Der Schultheiß ist ein stattlicher Mann ; stattlicher noch , als Dein guter Stiefsohn , der Dir auch gar hold war , und Dein Eheherr ein Lazarus , ein alter Lazarus obendrein , dessen gichtbrüchige Beine ihm den Dienst versagen , weil er sie nach 66 Jahren noch nicht zur Ruhe legen will . « » Frecher Spötter ! « sprach Diethers Frau , erröthend im stolzen Unwillen : » Beuge Dich vor den grauen Haaren meines Herrn , dem Du Ehrfurcht schuldig bist . « - » Ehrfurcht ! Ei warum denn ? « lachte der Bruder : » Etwa deßhalb , weil er mich darben läßt , und Dich angesteckt hat mit seinem schmutzigen Geize ? Oder , weil er gegenwärtig auf dem Römer sitzen und die Geschenke mit empfangen darf , die der Pöbel seinen saubern Herren bringt ? Wohl bekomme ihm das Würzgeschenk und die Malvasiersuppe , die ihm die Juden bringen ; Gott gesegne ihm die Honigkuchen mit denen die weißen Frauen den Rath heute bedanken . Lieber wär ' es mir jedoch für Dich und mich , Du hättest ihn schon zu Tod geärgert , und man sänge das De Profundis über seinen starren Leib . Du hättest dann nicht Noth , den Tugendspiegel länger vorzustellen , und ich würde am Ende Vormünder über Deinen Buben , der leider Frosch heißen muß , ob er gleich - ich schwöre darauf - kein Frosch ist . « Diese gemeine Zweideutigkeit fertigte die Verletzte mit einem verächtlichen Blicke ab , weigerte sich jedoch hartnäckig den Knaben herbeibringen zu lassen , welches der werthe Oheim angenehm dringend , wie immer verlangte ; und während dieser Weigerung kam Diether im völligen Staate eines Schöffen nach Hause . War Margarethens Staunen bei dem Anblick des unwillkommenen Bruders groß gewesen , so überstieg das unmuthige Befremden Diethers dasselbe noch bei Weitem . Die Ungezogenheit des Gastes ließ es aber nicht zum Ausbruch kommen : » Glücklich Neujahr ! « schrie er , dem Schöffen an den Hals fliegend : » so viel Gesundheit , als dazu gehört , Methusalems Alter zu erreichen , so viel Geld als der Kaiser brauchen würde , um zu sagen : Ich habe genug ; und so viel Glück als Töchter der Freude hier zu Frankfurt hausen ! Ich zweifle nicht , daß Ihr diese Wünsche mit einem feinen Geschenk vergelten werdet , und will es in dieser Voraussetzung dabei bewenden lassen , alter Schwager . « Diether blickte ihn stumm und achselzuckend an . » Mit einem guten Rathe zum Mindesten will ich des Überlästigen Glückwünsche , so widerlich sie sind , vergelten , « sprach er , » kommt ja nie mehr gen Frankfurt ; stellt Eure Auflauerungen in der Umgegend ein ; haltet Euch fein still zu Gelnhausen . Paul , der Webergesell aus Bonames ist so eben in seines Meisters Hause in der Schnarrgasse verschieden , nachdem er ein Bekenntniß abgelegt , das über den zu Bonames verübten Mord viele , die wichtigsten Aufschlüsse gibt . Der Stadtpfaffe2 wird das Bekenntniß bei Rathe niederlegen und auf Eure Verdammung antragen . « - Veit wurde blaß ; ermannte sich jedoch : » Verdammtes Lügengespenst ! « rief er : » Der Rath hat nicht mich zu verdammen , ich stehe nicht unter ihm . « » So haltet Euch auch fern von seinem Weichbild , « ermahnte Diether : » die Unthat ist auf seinem Boden verübt worden , und wir verstehen keinen Scherz . Daß ich Euch jetzo warne , läuft schon wider der meine Pflichten . Berücksichtigt aber mindestens diese Warnung , und bringt ferner uns nicht Gefahr durch Eure Einkehr . « » Gefahr ? « lachte Veit mit grimmigem Hohne : » Ehre bringe ich Euch ; mehr Ehre , denn Ihr verdient , ungastlicher Mann . Ein Sprosse alten Geschlechts , wie ich bin , sollte sich Recht vor Recht scheuen , in ein Haus wie das Eure zu treten ; diese Auszeichnung verdankt Ihr nur Eurem Weibe , das sich zu Euch herabließ . Ich hoffe dafür nicht mit Undank belohnt zu werden . Für ' s Erste weigert Euch nicht , mir den Jahrgehalt verabfolgen zu lassen , den Margarethe mir bisher zahlte ; zehn Pfund Heller , nicht mehr , nicht weniger . Gerade so viel kostet ' s , um Bürger bei Euch zu werden - lege ich zwei Pfund darauf , so kann ich einen Mord abthun vor Gerichte , wär ' s auch der des Pfaffen zu Bonames . « Margarethe schlug beschämt die Augen nieder . Diether sah strenge auf sie , und sprach : » Ich wußte wohl , daß meine Ehefrau Euch zudringlichen Gesellen dann und wann mit Almosen bedachte , aber von einem Jahrgehalte weiß ich nichts , und ein so Reichliches erwartet nimmer . « » Ihr wißt wohl von Vielem nicht , was Euere Wirthin thut ; « äußerte Veit hämisch grinsend : » ' s ist kein Wunder ; nicht Eure Haare allein , auch Euer Verstand und Witz ist alterschwach geworden . « » Glaubt ihm nicht , dem schamlosen Lügner ; « bat Margarethe den stutzig werdenden Gatten . » Er mißbraucht auf unerhörte Weise die Blutsfreundschaft , die mich leider an ihn fesselt . Ich gab nie so viel ; Eure Gebote waren mir heilig , lieber Herr ! « » Glaubt ihr doch ; « spottete Veit ihr nach : » Im Grunde sagt sie die Wahrheit . Nicht sowohl zu meinem Nutz und Frommen , als zu Andrer Wohlseyn wird sie Euere Geldtruhe leeren , und wohl bekomm ' s Euch , schäbiger Filz . Indessen säumt nicht , mir das verlangte Geld einzuhändigen . Ihr möchtet sonst einen Tanz erleben , daß Euch die Haare zu Berge stehen . « » Ihr droht , in meinem Hause ? « fuhr Diether zornig auf : » So ihr Euch vergeßt ! .... « » Wir haben ein lustig Sprüchlein ; « sprach Veit unbekümmert weiter : » das lautet also : Rother Hahn und rothes Eisen soll den Bürgern Sitte weisen ! Merkt Euch das . Der Hahn kommt geflogen , ehe man sich ' s versieht ; und das Eisen braucht nur eine kühne Faust . Zahlt aus , stürzt den Seckel . Schon um die Freude , mich los zu seyn , sputet Euch . « » Schändlicher Bube ! « grollte der Altbürger , und knüpfte den Beutel ab , den er am Gürtel trug , und dem Schwager verächtlich vor die Füße warf . Dieser hob ihn aber geschmeidig auf , wog ihn in der Hand , und sagte : » ' s wird weniger seyn , denn ich verlangte ; dafür seyd Ihr aber auch ein Frankfurter Bürger , der sich nicht schämt , an seinem Wechseltisch mit dem schmutzigsten Gewertschen3 um einen falschen Schilling zu jüdeln ; und , wenn ich Zeit habe , hole ich das Fehlende nach . « » Thut es nicht , « entgegnete Diether : » es möchte Euch theure Zinsen kosten . Packt Euch jetzt . Der Imbis wartet auf uns , und für einen verwiesenen Landstreicher ist kein Stuhl an meinem Tische . « So eben brachte Else den kleinen Hans herein , und Veit flog wie ein Stoßvogel auf den Knaben zu , und herzte ihn mit widriger Zärtlichkeit , so sehr Kind , Magd und Mutter es zu wehren suchten . » Laßt mich doch ! « rief der Junker : » ist der Bube doch mein Neffe ; gewisser mein Neffe , als Euer Sohn , Graubart ! - Höre doch , mein Junge , den alten Mann , welch tolles Zeug er redet . Der Kaiser kann nicht hochmüthiger seyn , als er . Lache ihn aus , dicker Bube , lache ihn aus . « Diether , der kaum