auftreten , daß Rom nicht in einem Tage erbaut , die Welt nicht in einem Tage erschaffen sei , weil Eile mit Weile auch bei Gott und den Weltgeschicken gelte , aber der junge Hohenstaufen sprach aus Berthold mit heftigem , fast befehlenden Drange , und Fingerling unterwarf sich als ein ergebener Schneider . So war diese Herzensangelegenheit zu einer Entscheidung gereift , Berthold fühlte sich leichter , als wäre etwas abgetan , und ging mit einer frohen Zuversicht nach dem Fuggerischen Saale , wo der Kaiser diesmal die großen Tafeln hatte einrichten lassen . Gleich beim Eintritt , als der Ehrenhalt seinen Namen nannte begrüßte ihn Marx von Treitssauerwein , des Kaisers Schreiber , in griechischer Sprache ; er hatte mit ihm schon längere Zeit über einige Komödien des Menander gebrieft , die damals noch in einem schwäbischen Kloster vorhanden waren , aber bald darauf von einem hypochondrischen Abte verbrannt wurden . Es war ein freundlicher , behaglicher Herr , wohl beleibt und den Freuden der Tafel ergeben , wenn er seine Geschäfte wohl erfüllt zu haben glaubte . Berthold mußte sich zu ihm an den Tisch setzen und sie kamen im Gespräch bald auf den Kaiser ; beide liebten und ehrten ihn , aber beide hatten genug deutsche Wahrheit in sich , durch keine Freude an Menschen sich blenden zu lassen , sondern das Menschliche in allem Gegenwärtigen zu erkennen und nur aus der Vergangenheit sich Strahlenbilder fleckenloser Vollendung zum Vorbild dieser Gegenwart aufzustellen . Der kaiserliche Schreiber bedauerte , daß das Schauen von unnützen Prachtzügen , von Jagden und Fischereien dem Kaiser so viel Zeit genommen habe , es würde sonst mehr fürs Wesentliche geschehen . Berthold gab es zu , doch rühmte er es aus seinem Gefühle , wie innig ihn die Nähe des Kaisers bei dem heutigen Spiele mit ihm verbunden habe ; wenn die Kaiser so leicht die Ergebenheit der Menschen sich gewinnen könnten , so sei es nicht verlorne Zeit zu schelten , die sie darauf verwendeten . » Vielleicht « , sagte er , » würde der deutsche Adel sich auch viel eher in die gute Ordnung fügen , wenn der Kaiser seine großen Turniere mehr begünstigte , sie in seiner Gegenwart halten ließe . « - » Falsch « , sagte Treitssauerwein , » da es unsre geheime Absicht ist , den Bürgerstand empor zu bringen , so müssen solche Versammlungen des Adels gemieden werden . Ihr kennt wenig unsern Adel , der steht ein paar Jahrhunderte zurück , ich meine den auf dem Lande , der denkt noch an die Kreuzzüge und an die Hohenstaufen , meint niemand über sich als Gott und die Wahrheit was ist damit bei der jetzigen List und Verruchtheit in allem Verkehr anzufangen . Die Neuerungen , der Landfriede , die ihnen jetzt über den Kopf weggenommen werden , weil sie vereinzelt sind , alles das ginge zum Teufel , wenn die Kerls mit einander zur Sprache kämen . Der Kaiser steht hoch über der Zeit , er hat die Welt kennen gelernt , hat sich wie eine Erdbeerpflanze an zehn Stellen eingewurzelt , in Spanien , Portugal , Ungarn , Böhmen , und das alles , um sich gegen dies unser verwirrtes , übermächtiges , deutsches Adelsvolk und die Menge kleiner Fürsten zu sichern ; es geht jetzt ins Große , der Adel denkt nur ans Kleine , verachtet den Handel , statt ihn zu nutzen , verachtet das neue Kriegswesen und kann doch mit seiner Art nur bei kleinen Zügen etwas wirken ; es möchte noch jeder als Mensch bestehen , während die Geschichte alles zu Nationen zusammenfegt . Was unser Maximilian und wir nicht erleben , das kommt seinem Sohne Karl zu Gute , ihm gehört die Welt , die Kirche macht er frei vom Papste , darum möchte der Kaiser ihm schon auf diesem Reichstage das Reich sichern . Die widersprechenden Kräfte müssen sich in Neid aufzehren , die Fortschritte der höchsten Gewalt im Auslande werden auch auf Deutschland einwirken und die stolzen Fürsten , Kirchen- und Stadthäupter , die wir jetzt dem Adel entgegensetzen , werden wie ausgepreßte Zitronen in ihre Winkel geworfen , wenn sie unsre Rache gekühlt haben gegen diese übermütige Mittelgewalt , die den Kaiser kaum wie seines Gleichen achtet . « - Berthold sah verlegen nach dem Boden und Marx fragte nach der Ursache . » Soll ich ' s Euch sagen « , sprach Berthold , » der Kaiser hat immer seine Plane zu weit gemacht , so daß sie nirgends recht passen wollten , mit aller seiner Tapferkeit und Weisheit ist er in allen Kriegen schlecht bestanden , wie ist er von den Schweizern vernichtet worden . Er kennt zu viel fremde Sprachen und fremde Lande , und hat darüber sein eignes vergessen ; ein Volk mag doch nur von dem glücklich regiert werden , der seine Tugenden und seine Fehler in sich gefühlt hat . Der Kaiser sieht aber nur dessen Fehler , durch seinen Landfrieden hat er alle ritterlichen , bisher geehrten Verhältnisse für Straßenraub erklärt , Volkssitte läßt sich nicht wie ein Wams umschneidern . Der Kaiser meint , wenn der Adel unter sich friedlich lebte , so könnte er ihn um so eher gegen gefürchtete Fürsten aufhetzen , aber die sich erst an ein Zuhausesitzen , wie die Bauern gewöhnt , lassen sich eher von dem brauchen , der ihrem Hause am nächsten , als von dem überall weit entfernten , fremden Kaiser . Der Kaiser will sich ein unabhängiges Heer in den Landsknechten erziehen , daß er der Lehnsfolge entbehren kann , er mag aber wohl bedenken , daß er einen Haufen ohne anders Vaterland , als das , wo es Geld gilt , sich bildet , und daß dieses Heer jedem dienen wird , auch dem Welschen , wenn er sie bezahlt . « - » Wird der Kaiser noch Papst « , antwortete Treitssauerwein , » so macht er aus den Landsknechten einen geistlichen Ritterorden , gibt ihm liegende Gründe in Deutschland und Italien , wer möchte ihm dann widerstehen ; das Papsttum macht er erblich , indem er allen Geistlichen das Heiraten erlaubt , römisches Kaisertum und römisches Papsttum ist dann unauflöslich verbunden , der alte Spuk mit den Hohenstaufen und ihren vermeintlichen Abkömmlingen , die überall und nirgends stecken , sinkt wie die Stunde schlägt . « In diesem Augenblicke wurden sie durch ein Lärmen vor dem Fenster gestört , das Volk schrie und lachte , alle traten an die Fenster . Sie sahen Kunz von Rosen , den Hofnarrn des Kaisers , der wie ein Huhn , das Enten ausgebrütet hat , neben dem Brunnen umher lief , in welchem drei Bettelmönche umher schwammen und sich wie gebadete Mäuse heraus arbeiteten . Kunz kam dann heran und erzählte , mit welcher Begierde die Mönche dem Essen zugesehen und auf den Zehen am Rande des Brunnens gestanden hätten . Er habe sich zu ihnen gestellt und getan , als ob er das Gleichgewicht verliere , einer habe sich am andern fest gehalten , einer den andern hinein geworfen , » so geht ' s den deutschen Fürsten bald auch « , damit schloß er . - » Aber wirst du auch Ablaß bekommen ? « fragte Marx . - » Den habe ich schon , seht da in der Tasche , auf eine Sünde , die ich mir vorgenommen , den hatte ich eben von ihnen gekauft « , antwortete Kunz . » Der eine graue Esel predigte heute , so wie der Pfennig in des Papstes Kiste falle , so müßten bei dem Silberklange die Teufel eine erlöste Seele loslassen . Ich antwortete ihm darauf aus der Menge : Der Papst sei grausam , daß er bei seinem Reichtum nicht alle Tage eine Million in den Kirchenkasten würfe , daß es recht klappere , er könne sie alle Abend wieder heraus nehmen , so hätte er keinen Schaden und die armen Seelen hätten den Nutzen . « - Jetzt rief der Kaiser den Kunz ab und dieser tat so eilfertig , als ob etwas Wichtiges bevorstehe , warf aber im Vorbeigehen ein prachtvolles , venedisches Trinkglas vom Kredenztische , das der Augsburger Rat dem Kaiser verehrt hatte . - Die Ratsherren sprangen erschrocken und zornig auf , viele nannten den hohen Preis des Glases , andre suchten die Stücke auf , als ob sie das Glas wieder zusammen leimen wollten , andre baten beim Kaiser , den Narrn zu strafen , der sich so ungeschickt durch kluge Leute dränge . Kunz warf sich vor dem Kaiser nieder und fragte ihn , ob wohl einer von diesen , die sich für klug hielten und ihn für einen Narrn , so wie er zu ihm durch den Graben geschwommen wäre , ihn zu sehen , ihn zu retten , als er in den Niederlanden gefangen saß . - Maximilian klopfte ihm freundlich die Backen und sagte : » Mit den Narren ist immer am meisten auszurichten in der Welt , darum nimm den Titel für keinen Tadel : Ihr Herren beruhigt euch , ich habe das Glas verloren , aber ich will nicht vergessen , daß ihr es mir geschenkt habt . Wäre es von Silber gewesen , da könnten wir die Stücke noch brauchen und doch kostet es so viel , wie das feinste Silber und das Geld kommt unsern Feinden , den Venezianern zugute . « - Bei diesen Worten merkten die Ratsherren , daß Kunz nur ausgeführt hatte , was seinem Herrn durch den Kopf gegangen , sie konnten nichts darauf entgegnen und der Kaiser hob mit einem Trunk auf das Wohl aller Jungfrauen der Stadt Augsburg die Tafel auf . Diese Gesundheit trank Berthold mit Innigkeit herunter . Vierte Geschichte Die Ringe Ehe Berthold sich auf den Weg machte , sein Geschick zu erfahren , trat ihn Treitssauerwein an und flüsterte ihm ins Ohr , er möchte sich bereit halten , am nächsten Morgen mit dem Kaiser zu sprechen , der ihn zu einigen Nachforschungen ausersehen habe . Berthold fragte bestürzt , ob er sich vielleicht vorbereiten könne auf diese Unterredung , wenn er ihm den Gegenstand der kaiserlichen Wißbegierde anzeigte . Der Geheimschreiber meinte , es würde wohl von den versteckten Hohenstaufen die Rede sein , für die unter den Bauern ein Anhang gesammelt werde . Mit diesem Worte entließ er ihn und Berthold ging doppelt angeregt durch die Stadt zu den stillen Vorstadtgassen . Als er sich dem kleinen Hause näherte , das mit Weinreben bezogen , durch kleine Blumengärten vor den Fenstern gegen Neugierde gesichert war , da sah er am Fenster eine seltsame , zweifelhafte Erscheinung . Er sah seinen Becher abwechselnd erscheinen und verschwinden ! - Lag dieses Glanzspiel in seinen Augen , wallte die Luft von der Sonne erhitzt ? Jetzt war er verschwunden , und schon wollte er sich traurig zum Stadttore zurück wenden , da blickte er noch einmal nach dem Hause , wie zum Abschiede und sah den Becher vor dem Fenster . Er nahte sich jetzt schnell und sah , daß Anna mit der Mutter und Fingerling am Fenster stand , daß die Mutter den Becher neckend zurückzog , wenn jene beiden ihn hinaus gestellt hatten und seine Sorge löste sich in lebhafte Freude . Er sprang eilig ins Haus , daß ihn keiner bemerkte und lauschte nun durch die offene Stubentüre . Die Mutter sagte , Anna sei jung und unbesonnen , sie dürfe nicht gleich dem fremden Manne trauen , keiner wisse , ob er nicht zehn Bräute habe sitzen lassen , dann sei er auch älter , wie sie , könne wohl eifersüchtig , böse und herrisch im Hause sein und ihr die Armut vorrücken , weil sie ihm wenig mitbringe , vielleicht wolle er sie nur als eine dienende Krankenwärterin seiner späteren Jahre sich annehmen . - Aber Anna schwor , keiner könne das glauben , der Berthold einmal recht angesehen habe , sein Antlitz sei von Ehre , Ehrlichkeit , Milde und Frömmigkeit erhöht und geläutert , daß er ihr jugendlicher scheine , als Kugler und andre , die so lange sich um ihre Hand beworben hätten . Sie schwöre bei der heiligen Radiana von Wellenburg in ein Kloster zu gehen , wenn die Mutter diese Vermählung , dies vom Himmel ihr seltsam bescherte Glück , verhindern wolle . Die Mutter antwortete darauf : » Anna , du hast kein geistliches Blut , du bist ein frisches Mädchen , aus deinen Augen blicken freudige Kinder , darum magst du ihn heiraten , wenn du nicht anders willst ; aber ich hätte dir einen jungen Mann gegönnt , daß euer überflüssiges Leben mit einander aufgegangen wäre und daß nicht eines dem andern nachtrauern muß . « - » Du weißt Mutter « , antwortete Anna , » die jungen Leute haben mich immer mit ihrem Schöntun traurig gemacht , als kämen ihre Worte nur aus böser Lust , als würden sie mich gern verderben , wenn ich es zuließe . Berthold sagt wenig , aber seine Liebe sieht ihm aus den Augen , er hat mich lieber , als sich selbst ; ihm könnte ich mein lebelang gern und treulich als Magd dienen , wenn es mir versagt wäre , seine Frau zu sein . « Berthold trat jetzt gerührt zu Anna , die etwas zusammen fuhr , weil sie sich belauscht sah , nahm ihre Hand , drückte sie an sein Herz und sprach : » Anna , du hegst so fromme , sanfte Wünsche , du denkst so gut von mir , es ist wahr , was du von meiner Liebe zu dir denkst , wir werden glücklich sein , wenn nur nicht die Verschiedenheit unseres Alters uns so bald zu scheiden drohte . Ach , liebes Kind , daran bin ich jetzt zum erstenmal erinnert , das hat mir noch keiner gesagt und seit ich gesund worden , fühle ich mich so frisch und lebenslustig , wie damals , als mir das Geschick das erste Liebesglück entrissen . « - Fingerling , der bisher still geschwiegen , wollte Berthold etwas mitteilen , aber Anna ließ ihn mit den Beteurungen , daß sie Bertholds Alter nicht wahrnehme , daß ein Traum ihr gesagt habe , sie werde eher sterben als er , nicht zu Worten kommen . Endlich sagte die Mutter : » Es ist eine seltsame Geschichte und es muß wohl der Wille des Himmels sein , daß sich alles so fügen mußte ; die Leute werden meinen , ich hätte Euch künstlich in mein Haus gelockt , wie in ein Garn , um mir einen reichen Schwiegersohn zu erwerben . Aber ich will es beweisen , daß ich mich nähren kann und nähren werde künftig , wie jetzt , von meiner Hände Arbeit . « - Als Berthold diese trostreichen Worte vernahm , da zog er von seinem Finger den Ring , den er einst Apollonia zu geben durch die Schrecken und Wonnen des stürmischen Geschicks verhindert worden . » Es ist ein bedeutungsvoller Ring , den ich Euch biete « , sagte er , » nur der sollte ich ihn verehren , der ich mich auf ewig verbinden wollte und Ihr erbt ihn von der , die ihn nie empfing , die mir früher entrissen wurde , ehe sie meine Liebe kannte , der ich jahrelang vergeblich nachgeseufzt und die ich in Euch wieder liebe und die mir nach dreißigjähriger , treuer Hoffnung sie zu finden , bei Eurem Anblicke in einem Augenblicke verschwunden ist . « - » Bin ich es wert « , fragte Anna mit niedergeschlagenen Augen , » so lange gehegte Neigung zu verdrängen ? « - » Wer kann Unschätzbares messen « , sagte Berthold , » gibt ' s in dieser seligen Fülle meines Herzens eine Kränkung , so ist es nur ein inniges Bedauern , daß ich so lange einer andern denken konnte : Nimm den Ring Anna . « - Sie nahm den Ring und steckte ihn an ihre Hand , während sie schmeichelnd einen Ring der Mutter vom Finger zog und ihn Berthold überreichte . - Berthold wollte den Ring küssen , als seine Augen darauf verweilten , er mit einer Hand seine Stirne deckte , als ob er sich an etwas erinnert fühle , während er ihn mit der andern dem Fenster näherte . Endlich sprach er , als ob es ihm dämmerte : » Ihn trug die Mutter , sie gab ihn Apollonien , o sprecht : wie kam dies werte Andenken an Euch ? « - Jetzt konnte sich Fingerling nicht länger halten , er drängte sich vor und sprach in seiner lebhaften Beweglichkeit : » Warum wolltet Ihr mich nicht hören , ich wollte es Euch zuflüstern , als Ihr eintratet , es ist gewiß seltsam , daß Ihr sie nicht erkannt habt , ich brachte es doch gleich heraus , wie sich Menschen in dreißig Jahren verändern ; groß war Apollonia , aber wie ist sie so stark geworden , das kommt von der Arbeit ; so nahe war sie uns und wir schrieben an alle Handelsfreunde vergebens . « Berthold sah jetzt Frau Zähringer tief in die Augen und sprach : » Verzeihet mir , ich kann dem guten Manne diesmal nicht glauben , daß Ihr meine Apollonia gewesen . « - Frau Zähringer wischte eine leichte Träne aus den Augen und sprach : » Der alte Name , so lange nicht gehört , wieder einmal von geliebten Lippen ausgesprochen , führt mir die ganze Reihe verlorner Hoffnungen und Wünsche zurück . Seid glücklich mit meiner Anna und habt Ihr mich je geliebt , nun ist nichts verloren , was macht die grimme Zeit aus dem Menschen , kaum kann ich mich in die alten Tage zurück denken . Ich habe Euch wohl nicht so geliebt , wie Ihr mich und wie Ihr es verdient hättet , - Anna ist mehr zärtlich und nachdenklich als ich , ich verliere mich bei jeder Tätigkeit ; ich dachte nicht in der Unglücksnacht , daß ich Euch entrissen werden könnte und doch habe ich mich hier vermählt , als der Vater starb ; - ich hatte Euch keine Treue geschworen und ich war hier einsam und verlassen . « Berthold unterdrückte mit einem Kusse jede Entschuldigung , er glaubte sie jetzt in jedem Zuge , in ihrer Stimme wieder zu gewinnen , er fand sich mit dem Geschick des ganzen Hauses jetzt so mannigfaltig verflochten , daß die Freude der Verlobung von der Neugierde , wie es der Mutter ergangen , unterbrochen wurde , im Hintergrunde regte sich das Gefühl , ob er ihr nicht Treue schuldig sei , ob sie seinem Alter nicht angemessener sei , als die Tochter , er fühlte sich zu beiden gezogen , aber den Widerspruch , der darin lag , fühlte er eigentlich noch nicht . Frau Zähringer machte ihn nun zum Vertrauten ihrer unglücklichen Geschichte . Ihr Vater hatte das kleine Haus , das sie noch bewohnte , unter anderm Namen zum Zufluchtsort gekauft , Kleider und Namen wurden geändert , so entkamen sie aller Nachforschung , aber nicht der steten Angst , verraten zu werden . Alle Anschläge des Vaters , im Handel sein Glück zu begründen , wurden durch die Nichtswürdigkeit eines Vertrauten umgestoßen , der ihm das bei ihm niedergelegte Geld nicht unter seinem jetzigen Namen ausliefern wollte . Sein Stolz mußte sich herablassen , er nährte sich mit Schreibereien , während Apollonia alles zu nutzen wußte , was sie bei den Nonnen in Weberei und andrer wirtschaftlichen Arbeit gelernt hatte . Der Vater sank immer tiefer , denn er übergab sein quälendes Bewußtsein der Zerstreuung im Trunk und vernachlässigte seine Arbeit . Der trunkne Müßiggang führte ihn in das Haus einer bösartigen Witwe , die ihn an sich zog , um Apollonien in ihre Gewalt zu bekommen und sie einem scheinheiligen Sünder zu verkaufen . Die Angst in diesem Verhältnisse , Apollonia von Arbeit erschöpft , vom Vater mißhandelt , von der Nachbarin mit Lug und List gedrängt , hatten alle höhere Wünsche ihres Herzens unterdrückt , sie betete nur , ehrlich durch die Welt zu kommen . Und der Himmel gewährte ihr diesen Wunsch durch einen Landsknecht , der vor dem Hause bettelte , als eben der trunkene Vater mit Schelten heimkehrte . Sie klagte vor sich , wie sie mit dem Vater fertig werden wolle , der Landsknecht bot ihr seine Hand , er wolle ihr schon Ruhe schaffen , er wisse etwas gegen die Trunkenheit , sie möchte ihn nur ins Haus aufnehmen . Sie nahm ihn auf wie einen himmlischen Boten , er setzte sich zum Vater und schüttete ihm etwas in den Wein , den jener noch mit sich brachte , um ja nicht ein Funklein Bewußtsein übrig zu behalten . Als er das herunter trank , machte er ein grimmig Gesicht und mochte keinen Tropfen mehr trinken . So wußte auch der Landsknecht jener Frau , die den Vater in ihrer Gewalt hielt , etwas anzuheften , daß der Vater großen Überdruß gegen sie empfand . Nachdem er durch seine Künste das Haus gereinigt hatte , vermählte sich ihm Apollonia , aber nie gab sie ihm den Ring , den sie einst Berthold bestimmt hatte . Der Landsknecht , Zähringer war sein Name , nährte sich und die Frau von vielen kunstreichen Heilmitteln fürs Vieh , auch vom Ratten- und Mäusegift , das er für Geld legte , andre Übel wußte er zu besprechen . Der Vater half ihm dabei , starb aber , noch ehe Anna geboren , nicht ohne Verdacht , die Ratten um Gift betrogen zu haben ; ihn quälte ein steter Lebensüberdruß , seit ihm der Wein verleidet worden , ein Durst und eine Begierde , die er nicht befriedigen konnte . Apollonia machte dem Manne Vorwürfe , daß er ihren Vater umgebracht habe mit seinen teuflischen Mitteln , sie drohte ihn anzugeben , wenn er nicht von der schwarzen Kunst ablasse . Er schwieg und ging aus dem Hause und ließ sich seitdem nicht wieder sehen . Sie hatte Anna bald darauf geboren , sie durch ihrer Hände Arbeit auferzogen , bis sie geschickt genug wurde , ihr helfen zu können . Sie schloß mit der Versicherung , indem sie Berthold weinend umarmte , daß es ihr vielleicht unmöglich geworden wäre , ihrer Neigung zu ihm zu entsagen , nun der Zufall ihn ihr so unerwartet zurückgeführt habe , ja unmöglich wäre es ihr geworden , ihre Neigung dem Wunsche ihrer Tochter und seiner Liebe zu ihr aufzuopfern , wenn nicht die Ungewißheit , ob ihr Mann noch lebe , ihr jede Verbindung untersage , und darum müsse sie die Wege des Himmels preisen , die ihr bis dahin so unverständlich gewesen . - Mit inniger Beklemmung hörte Berthold dieses offene Bekenntnis ihrer Neigung , er fühlte auch für sie ein zärtliches Nachgefühl seiner Jugendsehnsucht , aber er liebte mehr jenes Bild , das er so lange in seinen Gedanken getragen , das ihm viel lebendiger in der Tochter , als in der Mutter selbst wieder begegnete . Die Tochter hingegen zeigte eine seltsame Eifersucht gegen die Mutter , sie stellte sich zwischen beide und sprach klein laut , daß sie zurücktreten müsse , weil die Mutter ein älteres Recht zum voraus habe . Die Mutter achtete dieser Ziererei ihrer Tochter nicht , sondern gab ihr einen Backenstreich , daß sie sich in die Angelegenheiten ihrer Mutter mische , und legte die Hände Bertholds und Annens zusammen , nahm den bescheidnen Fingerling zum Zeugen und öffnete das Fenster , daß der Himmel ihren Segen über beide höre , wenn sie einander lieb und getreu blieben und ihren Fluch über den , der den andern böslich verlasse ; wenn sie noch lebe , wolle sie dem ihr Gürtelmesser ins Herz stoßen . - Die Frauen trugen nämlich zu jener Zeit ein Küchenmesser neben der Geldtasche am Gürtel und sie sprachen gern davon , wie die Männer von ihren Degen . Die beiden Glücklichen hörten nur den Segen , sie glaubten nie des Fluchs zu bedürfen , der Himmel war noch abendklar und sie vergaßen in seliger Beschaulichkeit , daß ihnen noch ein großes Fest bevorstand . Bald aber erinnerte sie daran der Gruß eines starken Mannes , der sich mit einer Kiste dem Hause nahte und Anna einen guten Abend bot . » Das ist Meister Kugler , der reiche Schlächter « , sagte sie ärgerlich zu Berthold , » der freit um mich schon seit einem Jahre und ich kann ihn nicht los werden , nun will er uns noch den schönen Abend verderben . « - » Bei Verlobungen und Hochzeiten kommen immer überlästige Gäste « , sagte die Mutter , » aber das befehle ich dir , sei nicht hart gegen ihn , niemand meint es besser , wie der ; wäre Berthold nicht zwischen gekommen , du hättest ihn doch heiraten müssen . « Nun trat der Meister hinkend ein und erzählte , daß er ein schönes Kleid bringe und sich Annens Gesellschaft zum Ball erbitte . - Die Mutter aber dankte ihm freundlich , drückte ihm die Hand , indem sie ihm versicherte , ihre Tochter habe schon einen Begleiter , dieser Begleiter sei Berthold , ein alter Freund von ihr und jetzt der Tochter Verlobter . Kugler starrte Berthold an , der starke Mann mußte sich halten , so überraschte ihn die Nachricht , endlich faßte er sich und sprach : » Herr Berthold , Ihr seid zu meinem Ärger auf die Welt gekommen , erst stecht Ihr mich heute aus dem Sattel und jetzt bei dem Mädchen aus . Beim heiligen Kristophel , wenn ich Euch so ansehe , ich kann ' s nicht glauben , daß ich Euch unterliegen mußte , wovon ich noch am linken Fuße hinke , der Fuß tut mir sehr weh . Nun sagen auch die Leute , Ihr wäret des Kaisers Liebling und aller heidnischen Sprachen Meister . Da sagt mir beim heiligen Kristophel , was wollt Ihr mit der großen Dirne noch dazu , die laßt mir . Ihr kriegt überall eine vornehmere und reichere , die in Gelehrsamkeit erzogen ist , ich aber kann keine andre brauchen , als so eine , die ein halbes Rind aufheben und an den Haken hängen kann , wenn ich gerade nicht im Scharrn bin , auch muß sie den Lehrburschen eins verreichen können , wenn sie die Wurst nicht fein hacken . « - » Lieber Meister « , antwortete Berthold , » unser Ännchen kann mehr , als das , wollt Ihr nur ein starkes , großes Mädchen , ich schaffe Euch in Waiblingen ein Dutzend zur Auswahl . « - » Darauf gebt mir die Hand « , antwortete Kugler , » und so will ich mir Annen aus dem Kopf schlagen , aber das Kleid kann sie wohl von mir noch annehmen . « - » Das ziehe ich an « , sagte die Mutter , um ihn zu versöhnen , » denn für die Tochter hat Berthold schon gesorgt , Ihr fahrt mich und bildet Euch ein , ich sei Eure Braut . « - » Ei Mutter « , sprach er , » mache einen rechten Ernst daraus , ich bin dir auch recht gut und in der Wirtschaft bist du noch brauchbarer , als Anna , ich werde gar zu sehr betrogen , wenn ich länger allein wirtschafte . « - » Nun das hat Zeit « , sagte die Mutter Apollonia , » wollen uns darüber noch ein zehn Jahre bedenken , aber zum Tanz gehn wir mit einander , laßt uns nur das Zimmer frei , damit wir uns dazu ankleiden können . « Berthold führte den heiratslustigen Meister in die Laube vor der Haustüre , übersah so die Straße und sprach , um von dem unbequemen Verhältnisse des Mannes zu Annen abzukommen : » Es ist doch eine herrliche Sache um den Eifer fürs gemeine Wohl , der in Reichsbürgern liegt , auch in den Vergnügungen zeigt es sich , sie lieben das Öffentliche und Gemeinsame und setzen darin ihre Ehre , während die Bürger andrer Städte ihre Feste lieber im engen Hause unter wenigen Verwandten feiern und keinen Kreuzer für öffentliche Lustbarkeiten zusammensteuern mögen . Und wie sie zur Lust nicht gemeinsam gesellt sind , so trifft auch jedes Unglück den einzelnen vernichtend , denn jeder fängt mit seiner Dummheit zu leben an und muß auch damit auskommen . Ja ich sage Euch , bis in Kleinigkeiten macht sich eine freie Stadt kenntlich , schon in den herrlichen Glocken tönt ' s entgegen aus der Ferne , da darf keine gesprungene scharren , dann kommen viele zierliche Gärten und auch im ärmsten ist noch etwas für den Anblick getan , die Zäune verziert und angestrichen , die Stadtmauern und Tore sind aber vor allem gut erhalten und aus den reinlichen Häusern strecken sich überall die Gewerbszeichen , wie Siegesfahnen heraus und die Wirte stehen ruhig und fest in den Türen , sie wissen , daß sie mit zu regieren haben . Sehe ich nun die vielfachen Waren in den Läden , so erkennt sich gleich die allgemeine Verbindung unter den Städten , der keine Entfernung zu weit ist , das Nützliche und Künstliche gegen gemeine Landeserzeugnisse einzutauschen . Im Einheimischen ist alles kunstreicher , das Brot weißer , die Semmel in allerlei lockenden Gestalten , die Braten kunstreich in der Haut gekerbt , daß Hirsche und Hasen drüber zu laufen scheinen . « - » Es gibt nur ein Augsburg « , rief Kugler , » wir Augsburger haben den Schelm im Nacken , ich sage Euch , zwölftausend Ochsen schlachten wir jährlich und darunter sind rechte Kerls . Auf unserm Kornhause bewahren wir hundertundeinjährigen Roggen , habe selbst davon kürzlich ein Probebrot gegessen , es ist etwas schwärzer , aber sehr nahrhaft ; wir haben einen Tanzsaal