' s alles und rief : » Die Morgenstund Hat Gold im Mund . Schau Knabe herauf , Fang alles dir auf , Bestelle dir Geigen , Tanz hochzeitlich Reigen . Nun Jüngferlein spröde , So macht es doch jede , Verstelle dich nicht , Und zeig dein Gesicht . Nun küsset euch Nur beide gleich ; Denn , durft es geschehn , Eh ' ich es gesehn , So küßt euch nur tüchtig , Da ich euch ansichtig . « Wie soll ich ' s beschreiben , Es glänzen die Scheiben Vom frohen Gesicht Der Gräfin , die spricht . Sie küssen sich oft , Es hallet der Hof , Sie drücken die Händ Und finden kein End , Und können nur danken In sel ' gen Gedanken . O du seliger Edelknecht ! Nun geht nicht aus dein schön Geschlecht ; Vom Abend bis zum Morgen früh Zur Hochzeit wird getanzet glüh . Was hast du von dem Tanze ? Der Edelknecht Die liebe Zeit vom Kranze ! Vierzehntes Kapitel Geschichte der Fräulein Lila , der Fräulein Mirrha und der Fräulein Walpurgis Hier endete sich das Spiel mit einem zärtlichen Kusse , den die Gräfin ihrem Manne gab , und er fühlte sich so reichlich für allen kleinen Kummer des vorigen Tages entschädigt ; auch die Stiftsfräulein sahen mit Rührung ein Glück , dessen Hoffnung ihnen so ferne lag , und konnten nicht lassen , es zu rühmen . Kaum hatte der Graf und seine Gesellschaft die ersten Ehrentänze gemacht , so hielt auch seine Dienerschaft und sodann das ganze Dorf mit Braut und Bräutigam einen schnell abwechselnden Umtanz , an dessen Schlusse nach alter ländlicher Gewohnheit eine Verkleidung ausgeführt wurde . Die tolle Ilse kam in geistlicher Kleidung , eine Perücke von ausgeblasenen Eiern auf dem Kopfe , eine lächerliche Maske vor dem Gesichte , und versicherte , das neue Ehepaar sei noch nicht ordentlich und vollständig getraut . Alle stellten sich erschrocken und die Neuverheirateten mußten demütig um eine vollständige Trauung bitten ; die Maske erfüllte nach vielen Umständen , warum man sich nicht gleich an sie gewendet ; diese Bitte , das Trauungszeremoniell wurde lächerlich parodiert , einigen unanständigen Liedern folgte eine lange Rede voll Zoten , die von allen herzlich belacht wurden , weil jeder sie seit Jahren kannte ; des Grafen zierliches Spiel war aus dem Gedächtnisse aller verwischt . Nach dem Ende des Spiels sagte der katholische Geistliche , daß er nun schon zwanzig Jahre vergebens daran arbeite , diesen anstößigen Spaß abzubringen , aber jede Hochzeit vermehre ihn mit neuen Einfällen ; die ernsthaftesten gesittetsten Leute des Dorfes beständen eben so sehr auf die Beibehaltung , als das junge lustige Volk . Der Graf dachte darüber nach , und sah , daß die Leute nicht unsittlicher nach dem Spaße , als vorher aussahen , da fuhr es so aus ihm heraus , er wußte selbst nicht , ob er an das glauben sollte , was er sprach : » Der rohe und meist der unschuldigste Mensch läßt seinen Scherz gemeinhin über die Verhältnisse der Geschlechter aus , weil sie ihm am deutlichsten und wichtigsten unter allen sind ; uns sind andre Verhältnisse , der Staat , die Gesetze , der Krieg wichtig geworden , wir reißen damit im fröhlichen Augenblicke unsre Zoten und wer weiß , welche die besten sind ; eine gute Zote erfordert auch ihr Talent ; ich wüßte keine zu machen , sie hält Leib und Seele zusammen ; - überhaupt , worüber man einmal mitgelacht hat , das sollte man nicht mehr verdammen dürfen . « - Der Geistliche war sehr beschämt , denn er hatte wirklich von ganzem Herzen gelacht ; der Graf lenkte wieder ein : » Freilich , das Ehrenwerte der Religion , der bessere Scherz , die feinere Unterhaltung muß darüber nicht zu Grunde gehen , insbesondre muß man bedenken , daß die Zote ihrem Grund und Boden leibeigen ist , und daher nicht in die Welt eingeführt werden kann , ohne eine Ungerechtigkeit gegen die edle Unterhaltung zu begehen . « - Der Geistliche bejahte das und der Graf führte seine Gesellschaft von Damen nach der Weinlaube , wo ein Tisch mit Zuckerwerk , Erfrischungen , Weinen und Früchten jeder Art für sie gedeckt stand ; dort brachte er sie unbemerkt auf Erzählungen von ihrem Stifte und dessen innern Verhältnissen ; endlich eröffnete er ihnen geradezu , sie wären seit einigen Tagen im Schlosse in ein so allgemeines Geschichterzählen gekommen , daß er sich durchaus wenigstens ein paar Lebensgeschichten von ihnen erbitten müsse . Die armen Fräuleins zierten sich gewaltig ; eine wollte der andern die Last aufbürden ; es wurde aber nichts daraus , bis eine anfing , von der andern zu erzählen ; da erschienen nun viel alltägliche Historien , von Stiefeltern , die ihnen den Aufenthalt im Hause verleidet , von Vätern , die erschossen worden : nur ein paar finden wir des Aufzeichnens wert . Fräulein Lila warf der Fräulein Mirrha vor , sie könnte glücklich verheiratet sein , wenn sie nicht die Stunden des Verlöbnisses versäumt hätte , wie sie noch jetzt alle Tage zum Essen zu spät käme und von der Äbtissin in Strafe genommen würde , ja selbst zu dieser Fahrt , zu welcher sich alle gefreut , sie eine halbe Stunde habe warten lassen . - Mirrha leugnete das nicht , » aber « , fuhr sie fort , » ich kann es nicht lassen und glaubt ihr , daß ich nur mit Aufopferung dieser Gewohnheit eine glückliche Ehe hätte erreichen können , wahrhaftig sie wäre mir so unerreichlich geblieben , wie der Himmel auf Erden . Von meiner ersten Kindheit hatte ich diese Gewohnheit ; wenn es nicht gerade Zeit war zum Aufstehen , so machte ich mir noch ein andres Geschäft : spielte , strickte im Bette ; erst , wenn die Glocke schlug , wo ich in der Lehrstunde sein sollte , konnte ich zu dem Entschlusse kommen , aufzuspringen ; dann eilte ich mit der größten Hast , verwarf darüber Kamm oder Fingerhut , und mußte suchen ; während des Suchens geriet ich auf etwas , das mich unterhielt , ein Buch zum Beispiel , fing halb angezogen an , darin zu lesen , bis mich heftige Verweise von meinem Zimmer trieben , wohin ich sicher wieder ein paarmal umkehren mußte , weil ich immer das Notwendigste vergessen hatte . Als ich verliebt war , da nahm dieses Übel zehnfach zu , in jedem Geschäfte fiel mir zehnerlei von meinem Bräutigam ein , was er mir gerühmt hatte , ein Kleid , eine Arbeit , ich mußte es besehen , oder eine Stelle aus seinen Briefen , die mußte ich nachlesen , von einem las ich zum andern bis zum ersten , und dieses unglückselige Lesen war es , was mich eine Stunde lang in meinem Zimmer zurückhielt , während alle zur Verlobung feierlich versammelt waren . Niemand glaubte mich auf meinem Zimmer , weil ich schon unten gewesen war ; meine Mutter rief mit großer Sorge im Garten umher , ich war aber in meinen Briefen so vertieft , daß ich es nicht hörte . Mein Bräutigam war zu argwöhnisch , um dieses Ausbleiben einem Zufalle zuzuschreiben , er ritt fort und reiste in der Stunde noch in die weite Welt , um seinen Schmerz und die Lächerlichkeit für andre zu vergessen , die durch dieses öffentliche Verschmähen auf ihm haftete . Er hat mir viel Tränen gekostet und du Lila hättest mich nicht daran erinnern sollen , während du selbst auf keine klügere Art um deine drei Freier gekommen bist . « - Wir drangen in sie zu erzählen ; Fräulein Lila mochte ihr zuwinken , so viel sie wollte . - Mirrha fuhr auch ruhig fort : » Es ist ja gar kein Vorwurf für dich , liebe Lila , du hattest dich bloß von unsern Modedichtern anführen lassen , die alle Liebe über einen Kamm scheren , und weil sie wahrscheinlich nie selbst eigentümliche , sondern nur eingebildete Liebe erfahren , alle ihre Kopien nach einem Paar ganz einzelner Originale machen , die aller Welt durch den Zufall besonders kund geworden . Da meinen sie , die erste Liebe müsse plötzlich beim ersten Anblicke auflodern , keine Ruhe lassen , keinem Zweifel Raum geben ; es soll keinen Augenblick geben , wo man weniger verliebt sei , wo ein anderer einem in die Augen fiele , wo man einem andern gefallen möchte . Sehen Sie , solch ein strenges Liebessystem beherrschte Lila ; sehr brav war sie entschlossen , niemand zu heiraten , den sie nicht liebe , aber daß sie ihn nun gerade so lieben wollte , das war zu viel ; immer glaubte sie , wo ihr jemand wohlgefallen , ihr sei der große Wurf gelungen , und traurig fühlte sie wieder im nächsten Monate , daß sie immer noch nicht genug liebe ; und so entließ sie einen Freier nach dem andern : denn , unter uns gesagt , sie war wunderschön und eigentlich jedermann in sie verliebt . « - Lila klatschte strafend den vollen Rücken der Erzählenden , und sagte : » Neulich , als ich mich im Spiegel betrachtete , da fand ich , daß Augen , Mund , Kinn und Backen noch nicht häßlich , aber die le nez , die le nez , ich weiß nicht , wie mir die Nase so besonders hervorgewachsen , als sähe sie sich immer weiter in der Welt um , doch habe ich das schon öfters bei alten Jungfern bemerkt , die Nase wächst ihnen zu einer ungeheuren Größe . « Wir lachten alle über das gutmütige Mädchen , die so heiter über sich selbst spotten konnte , nur eine blasse Fräulein Walpurgis blieb ungerührt . Der Graf bat sie um ihre Geschichte , wenn es ihr nicht schmerzhaft sei . » Keinesweges « , antwortete sie ; » allzu bekannt , um sie in meinem Herzen zu verschließen , teile ich sie gern meinen Bekannten mit , daß sie mir um so leichter gewisse unangenehme Minuten verzeihen . Ich war in früheren Jahren sehr heiter , leichtsinnig und mutwillig ; in keinen Menschen , selbst in die , welche ich liebte , ging ich tief genug ein , um ihre heimlicheren , oft wesentlichsten Charakterzüge kennen zu lernen . So war ich auch einem jungen Edelmann verlobt und herzlich in ihn verliebt , ohne daß ich glaubte , was er mir sagte , könne ernsthafter , bedeutender sein , als was ich ihm zu sagen hätte ; ich schwatzte froh in alles hinein und bemerkte nicht , wie er verlegen wurde , wenn ich oft querfeldein über die wichtigsten Gegenstände , über Politik , über Kunstwerke meine Worte auslaufen ließ ; es bedeutete mir gar nichts , denn ich hatte damals ein solches Bedürfnis zu reden , daß ich oft allein mit den Wänden konversierte . Worum er mich gebeten , vergaß ich eben so leichtsinnig , wie alles das , worin er mich belehrte , und das hatte ihn endlich zu dem Entschlusse gebracht , mich auf die Probe zu stellen . Er sagte mir eines Tages , als Abends ein kleiner Ball in der Stadt gehalten werden sollte , er müsse den Tag verreisen , ich möchte ihm etwas versprechen , woran er sähe , daß ich ihn liebte : ich möchte ihm versprechen , den Abend nicht auf dem Balle zu tanzen . Ich lachte über das leichte Versprechen ; der Tanz war gar nicht meine Leidenschaft und der Bälle so viele , daß dieses Ausruhen gar keine Entsagung zu nennen ; ich versprach es bei meiner Liebe und gab ihm die Hand darauf . Abends auf dem Balle dachte ich der ganzen Geschichte nicht mehr ; zwar war es mir , als hielte mich bei einer Aufforderung eine geheime Hand , daß ich abschlagen sollte , aber ich hatte einmal zugesagt , und als mir nachher mein Versprechen einfiel , fürchtete ich , lächerlich und beleidigend zugleich bei meinem Tänzer zu werden , der in der ganzen Stadt mit seinem Urteile galt . Ohne Sorge tanzte ich meinen schottischen Tanz herunter ; als ich unten außer Atem anlange , steht mein Bräutigam mit ganz verwirrtem Auge vor mir , frägt mich , ob ich ihn sehe , ob ich ihn kenne , ob ich mich meines Versprechens erinnere , das ich eben gebrochen , ob mir je zu trauen sei , nachdem ich in erster Liebe ihn getäuscht ? Dann versicherte er mir , ich sähe ihn zum letztenmal und in Gegenwart der ganzen Gesellschaft schwöre er mir , er wolle seiner Ehre verlustig sein , wenn er sich mir je nähere , wenn er je die Verbindung mit mir wieder anknüpfe , von der er sich so viel Seligkeit versprochen . - Bei diesen Worten stürzte er zur Türe hinaus , und ich ohnmächtig und in Krämpfen auf den Boden nieder . Noch jetzt , nach so vielen Jahren , empfinde ich , ohne zu wissen , was die Glocke sei , gegen diese Zeit eine Traurigkeit , daß ich mich von den Menschen wegwende . « - Sie stand bei diesen Worten auf und ging den Gang hinunter . - Jeder äußerte nun seine Meinung über das Verfahren des Bräutigams ; die Gräfin nannte ihn einen grausamen Barbaren , von dem sich jede Frau nachher hätte zurückziehen sollen . Der Graf schwor , er hätte es sicher in gleichem Verhältnisse ganz eben so gemacht ; wer ein solches Versprechen vergessen könne , den müsse man wieder vergessen können ; die Gräfin widerstritt ihm das , nannte dies Vergessen eine Kleinigkeit , ja es hätte selbst nichts zu bedeuten , wenn sie mit Absicht ein so törichtes Versprechen gebrochen hätte , und so gerieten der Graf und die Gräfin in einen lebhaften Streit mit einander . Eine kleine runde Stiftsdame , die eine Störung des ganzen Festes von diesem Streite befürchtete , legte sich auf einmal mit ihrer metallenen Stimme so laut dazwischen , und versprach eine so lustige Erzählung , daß niemand mehr der traurigen Geschichte denken sollte . Alle baten eifrig um die Geschichte und sie begann recht fröhlich zu improvisieren . Funfzehntes Kapitel Geschichte des Mohrenjungen Pripert war ein mächt ' ger Herzog Von dem großen Volk der Pirpen , Saß auf einem hohen Schlosse Bei dem dunklen Karpfenteiche , Wo die braunen Frösche hüpfen ; Seine Schwester hieß Fikette , Fidibus sein schlankes Weibchen . Als die Schwester in den Jahren , Wo sie könnte sich vermählen , Denn verliebt war sie schon lange , Fordert er von seinen Ständen Ihre Ausstattung ganz schleunig , Samt und Seide wie gewöhnlich , Und die Stände bringen beides . Doch nachdem er es befühlet , Scheint ihm beides also köstlich , Daß er es gern selbst behielte , Um sich einen neuen Schlafrock Statt des alten , der zerrissen , Zu der Cour daraus zu schneidern ; Und die schöne junge Schwester Sendet er nun als Äbtissin Nach dem großen Fräuleinstifte , Daß sie es nicht fordern könne . » Samt und Seide sind jetzt teuer « , Sagte ihr der gute Bruder ; » Kommen gar viel fremde Prinzen , Wie es bei der Werbung möglich , Geht mehr Hafer , Weißbrot , Kuchen Auf an einem einz ' gen Tage , Als du ißt im ganzen Jahre ; Auch die alten Livereien Sind dann nötig umzuwenden , Mancher Knopf geht da verloren , Mancher Flecken kommt beim Essen : Darum ist es mehr geraten , Daß du bleibest unvermählet . « Traurig fährt Prinzeß Fikette Nach dem alten Fräuleinstifte , Doch gedenkt sie , da zu finden Holde liebliche Freundinnen , Denen sie sich kann vertrauen ; Ach was findet sie für alte Ausgedürrte , ausgeschriene , Gelbe Tabaksschnupferinnen , Die im ewigen Gezänke Ihr das Blau im Aug abstreiten ; Alle fluchten wie die Landsknecht , Kommen stets zu spät zum Singen ; Keine wollte Brot anschneiden , Keine das Gebet hersagen . Wenn sie dann in ihren Nöten Zu dem tapfern Stiftshauptmann Hat gesendet ihre Diener , Da begann erst recht die Fehde , Und der Hauptmann war noch fröhlich , Wenn er ohne Nägelmale Zu der Tür hinaus geflüchtet ; Sicher fand er Reihen Zähne In dem Rocke fest verbissen , Ziegenhaarige Perücken , Lappen Flor in seinen Händen ; Ach es sind zu alte Sünder , Um sich jemals noch zu bessern ! Zählt zusammen ihre Jahre , Steigen sie zu vielen Tausend , Bis zu Medern und Assyrern , Und Methusalem dagegen Ist ein elend junges Bürschchen . Also war der Stamm beschaffen , Also war ihr reines Leben ; Denn unheil ' ger ist wohl nimmer Auf der Erd ein Stift gewesen , Und geplagter war auch keines . » Sagt , was spotten denn die Männer Über uns , die alten Jungfern , Also frech von allen Seiten , Ist es nicht die Schuld der Männer , Unser Wille war es nimmer ! « Also seufzte manches Fräulein , Das recht tückisch war genecket , Wenn die Knaben aus dem Städtchen Mit den flinken Blaseröhren Ihren Kater niederschossen , Der zum Nachbarhaus geschlichen , Auf den Dächern kühnlich irrte . Gab es Schnee , so standen morgens Weiße Männer vor dem Fenster ; Jeder Baum , der in der Nähe , Ward bezeichnet mit Skandalen , Und die Früchte weggestohlen ; Und für so viel stete Leiden Was war die Entschädigung ? Keine reichen Nadelgelder , Keine Leckerein beim Schmause , Gleiche Kost an jedem Tage , Täglich Ziegenfleisch und Erbsen , Damit war das Stift dotieret : - Schwere Kost für alte Magen ! Darum suchte jedes Fräulein Ihre mächt ' gen Portionen Heimlich solchen zu verkaufen , Die dafür was Leckres brachten ; Darum schlichen viele Leute Abends durch des Stiftes Garten , Um zu tauschen , um zu kaufen Ziegenfleisch und gelbe Erbsen , Heimlich , daß doch die Äbtissin Nichts von dem Erwerbe wisse . Arme , arme Fürstentochter ! Die in ihren frühen Jahren Mit so manchem schönen Pagen Ein Versteckens oft gespielet , Und nach ihrem frohen Sinne Sie genecket und geküsset . Ach noch denkt sie an den einen , Der so oft am gläsern Wagen Neben ihrem Sitz gehangen Und mit seiner heißen Liebe Ihr das Spiegelglas behauchte , Bis er ihr darin verschwunden ! Ach er ist nicht ganz verschwunden ! Seit er ist herangewachsen , Reitet er nach der Parade Täglich bei dem Stift vorüber , Als ein prächtiger Dragoner Mit dem Degen an der Seite , Mit der Feder auf dem Hute , Mit den schönen blanken Stiefeln , Mit der weißen Kraus am Hemde , Mit der hohen schwarzen Binde , Mit dem Rock Vergißmeinnicht , Mit den Wangen Milch und Blut , Mit dem schwarzen Knebelbarte ; Kommt geritten , sie begrüßend , Seinem Pferd hat er gelehret , Sich zu bäumen und zu wiehern , Daß der Puder weit aufflieget , Hat er ab den Hut genommen - Also weicht er von dem Stifte Wie ein schönes Wolkenbild . Alle Nächte denkt sie seiner , Wenn das Dunkel Frieden stiftet , Und kein Blick sie mehr belauschet , Wenn sie wandelt in dem Garten , Süßes Schmachten in dem Herzen , Holde Töne auf den Lippen , Denen sie sich gern vertrauet , Weil sie nicht als Zeugen dienen , Sondern alsogleich versinken Wie der Traum , der sie geschaffen . Leise singt sie ihre Lieder , Wie die Quellen zu den Veilchen , Und im Hauche dieser Veilchen Scheint der Liebling ihr zu nahen , Mit dem Degen , mit dem Hute , Mit der Krause , mit den Spornen , Mit dem Zopfe , mit dem Puder ; Und mit ausgespannten Armen , Wie mit Segeln zu dem Hafen , Stürzt sie in den Arm des Teuren : Und da sind es leere Lüfte , Eine Hand , die faßt die andre ; Traurig singt sie leise flüsternd : Gesang der Äbtissin Soll ich ' s mir wie Strahlen denken , Wie die Veilchen ferne düften Und den Lüften Doch die nahe Wollust schenken ? Will der Wind sie zu mir lenken , Muß ich denken Meiner Lieb in allen Sinnen , Träumend ihn in Liebe grüßen ; Ihn zu küssen Mein ' ich und mich einzuspinnen In des Vielgeliebten Armen ; Süß Erwarmen ! Seine Lippen Hyazinthen In dem frischen runden Schnitte , Und die Mitte Ist ein Kelch , den zu ergründen Tausend schöne Worte dienen ! Welch Erkühnen ! Alle möchte ich ergreifen , Ihn zu finden unter allen ; Ich muß fallen In ein wüstes leeres Schweifen ! Wiederum ein Jahr vergangen Im Verlangen ! Etwas muß der Mensch doch lieben , Süßer Duft , du mußt vor allen Mich umwallen , Flieh die Blumen , die betrüben , Weil von jenes Frühlings Scherzen Zeugen schwärzen ; Süßer Duft , nimm mein Vertrauen , Denn zu hart sind die Gespielen Den Gefühlen , Daß sie nie die Liebe schauen ; Lieblos sich dem Himmel geben , Ist ihr Leben . Alles hab ich dir gegeben , Schönes fernes Bild im Herzen , Lust und Schmerzen , Nahe endlich , nimm mein Leben ! - Wie die Reben niederhängen In den Gängen , Die ich sonst um feste Bäume Mit der eignen Hand geschlungen ! Ach umschlungen Hab ich oft , o süße Träume , Diesen Baum , der dir geweihet , Tief erfreuet ! - Also sang die Frau Äbtissin , Glaubt den dunklen Stamm zu fassen , Den sie dem Geliebten weihte , Doch von ihrer Glut getäuschet Hat sie einen Mann umfasset , Der da heimlich sich gestellet , Als ob er ein Baum gewesen , Daß sie ihn nicht möchte sehen . Und sie meint , sie täte Wunder Und belebte liebend Bäume ; Das ist Schwärmerei , nicht Sünde , Denn sie war sonst sehr moralisch ; Doch zu groß ist dieses Wunder Für die liebekranke Seele ! Ist der Baum zum Menschen worden , Kann sie ihm doch nicht entziehen , Was ihm schon als Baum so eigen , Ihrer Liebe schönen Glauben ; Und so sehen wir hier wieder , Daß die Phantasie verbunden Mit der Wahrheit falschem Bilde Sei wie Pulver in der Bombe , Die von Unschuld aufgelesen , Wie alt Eisen in das Feuer Wird geworfen und zersprenget Schuld und Unschuld , falsche Wahrheit , Wahre Phantasie und falsche . Daß der Mann kein Baum gewesen , Muß sie endlich doch wohl glauben , Daß es aber der Geliebte , Prächtig glänzende Offzierer , Dem wie Milch und Blut die Wangen , Glaubt sie mit demselben Glauben . Traurig und verlangend schmachtet Die Prinzessin nach zwei Monden , Müde ärgerlich sie fühlet , Sich in ihrem Stift verschlossen , Und in ihrem Innern treibet , Was wohl nicht verschlossen bleibet . Kühnheit haben schwangre Frauen Und Entschluß in den Gefahren ; Die Prinzessin setzt sich nieder An den Schrank von bunten Masern , Schneidet eine Pfauenfeder , Schreibt dem Herzog , ihrem Bruder . Die Äbtissin an den Herzog Bruder , Du hast mich verschlossen In dem alten Fräuleinstifte Um die Ausstattung zu sparen , Samt und Hafer , und das Weißbrot , Von den Ständen mir geschenket . Sieh , zur Strafe von dem Himmel Bist Du ohne Kind geblieben , Das er mir zur Straf bescheret ; Doch es stammt von einem Helden , Also wird ' s ein Held auch werden , Darum seid geneigt dem Rate , Den ich Euch in Demut gebe . Euer Reich fällt heim den Fremden , Und mein armes Kind muß sterben , Und ich geh in Schand verloren , Wenn Ihr diesem Rat nicht folget , Nicht mein Kind , in Schuld empfangen , Mild zu Eurem Kind annehmet . Eure Frau , die Herzoginne Muß sich stellen guter Hoffnung , Und ich komme dann im Schlosse Heimlich nieder : Gott wird helfen ! Und mein Kindlein wird getragen Heimlich zu der Herzoginne , Als ob sie es hätt ' geboren . Denkt darüber nach in Liebe , Und dann seid Ihr überzeuget , Fühlet recht den Willen Gottes , Wie er Böses gut hier mache , So verzeihet der Äbtissin . Als der Herzog dies gelesen , Schloß er sich in seinem Zimmer Ein mit Ärzten und mit Räten Und nach dreien schweren Tagen , Wo sie ohne Schlaf verhandelt , Ist der kühne Plan gebilligt Und mit ihnen angeordnet , Wie er leichtlich auszuführen . In dem Schlosse , wo er thronet , Nach dem Astronomen-Turme In der Mitt vom Karpfenteiche , Tragen sie den Thron , den weichen , Als Geburtsstuhl ihn zu richten ; Aus dem astronomischen Werkzeug Wird die Zange bald geschmiedet , Und im Spiegelteleskope Sei die Wiege für das Kindlein . Als dies alles angeordnet , Setzt er sich zum Tisch von Pappe , Der mit Goldpapier bezogen , Schreibt mit einer Kasuarfeder : Der Herzog an die Äbtissin Pripert Magnus , Herzog aller Groß und kleinen Karpfenteiche , Euch entbietet Gruß und Gnade ! - Schwester , seid Ihr ganz des Teufels , Doch es sei Euch dies verziehen , Möchte Euch nicht gern erschrecken , Könnte Eurer Frucht sonst schaden ; Euer Vorschlag ist genehmigt Wegen Eurer klugen Listen , Und Ihr sollt ins Kindbett kommen Auf dem Astronomen-Turme ; Heimlich reiset Ihr zur Hauptstadt , Als ob Ihr zum Bade reistet Wegen eines innern Übels Von der schlechten Kost im Stifte ; Schreiben ist nicht meine Sache , Sprechen läßt sich alles besser , Ich bin wohl affektionieret . Also hat sie ungesäumet Sich zur Reise angeschicket . Und die Fräuleins alle möchten Mit ihr ziehen nach dem Bade , Doch sie läßt sie all zurücke . Nächtlich kommt sie nach dem Schlosse , Wird vom Leibarzt hingeführet Nach dem hohen Schmerzensturme . Ach wie viele müß ' ge Stunden Sind ihr nun von tausend Uhren , Die im ganzen Hause ticken , Vorgerechnet , wo sie müßig Legt im Schoß die schönen Hände , Und sie will Kalender machen , Schauet , kalkuliert und rechnet Mit den Ärzten ganze Tage . Während sie so eng verschlossen , Trägt die Herzogin die Zeichen Ihrer guten Hoffnung mühsam : Wird begrüßt von allen Ständen , Die nach dem Gelusten fragen , Was sie wünsche , was sie fordre . Äpfel , indian ' sche Nester , Marzipan und Pfeffernüsse , Alles wird herbeigeschaffet , Alle Edlen sind in Sorgen , Alle Landeskirchen beten Um die glückliche Befreiung . Doch die Herzogin viel lieber Wär befreiet von dem Panzer , Den die Ärzte ihr bereitet , Ihr den schlanken Wuchs verstellend : Denn sie war so zart gewachsen , Wie ihr Name es bezeichnet ; Wie ein Fidibus für Pfeifen Schien sie sonst im weißen Kleide , Mit den kranken roten Wangen . Stolz ging jetzt der dicke Herzog Auf und nieder in dem Schlosse , Strich sich seine goldne Weste , Meinte , daß ein jeder sehe Nun auf ihn , weil bald ein Kindlein Würde auch nach ihm genennet ; Denn nach allen Glückwünschungen Meinte er sich wirklich Vater , Sprach von nichts als von der Ehre , Von der Würde eines Vaters , Von der Mühe es zu werden ; Gnädig ließ er sich die Hände Küssen von der Herzoginne , Tat , als wenn er Vater wäre Aller Kinder in dem Reiche . Endlich naht der Tag der Freude , Alle Telegraphen spielen , Kanonier mit brennenden Lunten , Und der Herzog wie ein Puthahn Kullernd in dem ganzen Hause , Und die Herzogin verlegen , Und die Ärzte ängstlich laufend , Daß man ihren Weg nicht sehe Nach dem Astronomenturme ; Und die alten Fraun vom Hofe Sehr erbittert , daß man ihnen Allen Zutritt hat verschlossen ; Jede hat ein volles Dutzend Lieblicher Historien Aus dem Rauch dazu genommen , Und nun müssen sie einander In der Kürze alles sagen , Weil es kalt ist auf den Treppen , - Der Effekt ist ganz verloren . Endlich seht das große Zeichen In den tiefen nächt ' gen Stunden , Und der Marschall mit dem Schnupftuch Winket zweimal aus dem Fenster , Von den Fackeln wohlbeleuchtet . Also ist ein Prinz geboren , Und die Kanoniere schießen , Daß die Scheiben aus den Fenstern , Menschen aus den Türen fliegen ; Und es gibt ein frohes Jauchzen , Daß die Frösche in dem Teiche Nicht alleine nächtlich singen . Als das Wappen eingebrennet Unserm Prinzen an den Hüften , Daß man ihn nicht mög vertauschen , Merkt man eine eigne Farbe In der Haut , die schwer zu nennen ; Doch das ist gar oft an Kindern , Die erst neu zur Welt gekommen , Eins ist grün , das andre bläulich , Das vergeht in wenig Wochen . Als die Glückwünschung empfangen , Und die Taufe ist verrichtet , Und noch vierzehn Tage später Dauert unsers Herzogs Freude . Doch da wird der Prinz viel schwärzer Als des Herzogs Tintenfinger , Den er braucht zum Unterzeichnen , Und der Herzog sieht mit Schrecken , Daß es sei ein Mohrenjunge , Was noch keiner von den Ärzten Hat gewagt , ihm zu verkünden . Und der Herzog will verzweifeln , Beißet sich auf seinen Finger Und der schmecket gar nach Tinte ; Und die Herzogin erboßet , Daß ihr guter Ruf könnt leiden , Wütet ein auf die Prinzessin , - Doch es muß verheimlicht werden . Traurend wird des Thrones Erbe Bei dem Volke tot gesaget , Und ein Affe wird geschlachtet Von den beiden flinken Ärzten , Wohlrasiert und angezogen , Mit dem Myrtenkranz und Degen , In ein kleines Sarg geleget , Schwach beleuchtet ausgestellet , Und mit großem Leichenzuge Beigesetzt in der Kapelle . Ach du Ärmste der Prinzessen