Grafen nah liegenden Gütern . Jeder Tisch war für einige Gäste mitberechnet , sie fanden also leicht einen Platz . Sie suchten sich sogleich ihre Verwandte oder Bekannte heraus , und wer keine zu finden hatte , wurde von allen eingeladen , er wählte selbst seinen Wirt ; die freundliche Hausfrau , das netteste , sittsamste Töchterchen zählten die meisten Gäste , und entschieden die Wahl auf den ersten Blick . Der Graf hatte einige Söhne aus dem Dorfe unter seinem Regimente , diesen hatte er heimlich Urlaub gesandt , nach ihrer Heimat zurückzukehren und sich mit ihren Mädchen zu verbinden , die schon längst auf diese Erlaubnis geharrt hatten . Jetzt kamen sie muntern Soldaten unvermutet zwischen den Bäumen hervor , und begrüßten die freudig erschreckten Eltern und die errötenden Bräute , die sich unter den versammelten Mädchen befanden , und welche heute ihre Aussteuer von Eleonorens Händen erwarteten . Herzlich froher lauter Willkommen schallte von allen Seiten ; Umarmungen , Glückwünsche und Händeschütteln gingen im kunstlosen Reihentanz durcheinander , bei dem der freiere militärische Anstand und die hellen Farben der Uniformen lustig abstachen gegen das einfältige friedliche Betragen der Einwohner . Der Graf und Florentin kamen dazu ; er bezeigte Eleonoren seine Zufriedenheit , und lächelte vergnügt bei dem schönen Anblick . - » Sehen Sie , Florentin « , sagte Eleonore , » wie das alles lacht und lebt . « - » Mir ist « , sagte Florentin , » als sähe ich eine Szene von Teniers lebendig werden ! Es wäre noch der Mühe wert zu leben , wenn es immer so auf der Welt aussehen könnte ! « - » Mutter « , rief Therese , » wo bleibt denn Juliane ? Ich werde ungeduldig . « - » Es ist wahr « , sagte Eleonore , » sie müßte schon hier sein , und wo bleibt Eduard ? « - » Sie waren schon diesen Morgen mit ihm aus , Florentin « , sagte der Graf , » ich sah Sie beide zurückkommen , was hatten Sie schon so früh vor ? « - » Die Gesellschaft trennte sich gestern sehr früh , wir blieben noch zusammen , ein Buch , das wir vor einigen Tagen zu lesen angefangen hatten , zog uns so fort , daß wir nicht eher aufhören konnten , bis es geendigt war ; es war nun nicht mehr Zeit sich niederzulegen , wir gingen hinaus , und erwarteten den Morgen . « - » Seit einigen Tagen « , fing der Graf wieder an , » habe ich ein nachdenklicheres , trüberes Wesen an Eduard bemerkt , als ihm gewöhnlich ist . Hat er Ihnen etwa die Ursache vertraut , Florentin ? Oder haben Sie sonst Gelegenheit gehabt zu bemerken , was ihn drückt ? Sie müssen uns kein Geheimnis daraus machen , es ist vielleicht nicht unmöglich seinem Verdruß abzuhelfen , oder irgendeinen geheimen Wunsch zu erfüllen . Warum verbirgt er sich uns ? « - » Mir ist nichts bekannt , Herr Graf , als was Sie selbst bemerkt haben , nämlich daß er nicht so heiter als gewöhnlich ist . « - » Haben Sie sonst keine Vermutung ? « - » Die steigende Ungeduld , vielleicht die Erwartung ! « - » Unmöglich ! Sein Glück ist so nah , so sicher . « - » Vielleicht ist es etwas ... mir hat er ... wirklich ... ich weiß nicht ... Wenn Sie mir erlauben , so will ich jetzt die Gräfin Juliane aufsuchen . « - Er ging zurück auf das Schloß . Die Fragen des Grafen hatten ihn verwirrt . Entdeckt hatte Eduard sich ihm nicht , aber er war fest überzeugt , eine geheime Eifersucht , die er gerne unterdrücken möchte , marterte ihn , er war bis zur Peinlichkeit reizbar geworden ; Juliane heiterte ihn freilich oft wieder auf , aber nur auf kurze Zeit , dann war irgendeine Kleinigkeit wieder imstande , ihn zu beunruhigen . Wie ein Gespenst trat es Florentin vor die Seele , er sei die Ursache dieser Zerstörung . Auch das , was in jener Nacht in der Mühle vorgegangen war , konnte er sich auf keine andere Weise sonst erklären . Auf dem Korridor nach Julianens Zimmer sah er eine Tür geöffnet , die er bis jetzt immer verschlossen gefunden hatte ; er trat hinein , es war das neu eingerichtete Schlafzimmer für Julianen , in dem die Kammerfrauen eben noch einiges ordneten . Ein Basrelief mit Figuren in Lebensgröße über dem Kamine zog sogleich seine Augen auf sich . Es war eine Psyche , welche die Lampe in der Hand , den schlummernden Gott der Liebe mit staunendem Entzücken beschaute . Es war in edlem Stil gearbeitet , und von vollendeter Ausführung , Florentin betrachtete es mit innigem Vergnügen , und glaubte die Hand des Meisters darin zu erkennen ; er freute sich es so unverhofft erblickt zu haben . Das ganze Zimmer war übrigens mit glänzender Pracht eingerichtet . Als er es eben verlassen wollte , und noch einen Blick umher warf , fiel ihm das große Prachtbette auf , das dem vortrefflichen Kunstwerk gegenüberstand . Am Oberteil des Lagers sowohl , als zwischen den stolzen Federbüschen , die auf den reich mit goldnen Quasten verzierten schweren seidnen Vorhängen prangten , breiteten sich mit großer Würde die Wappen , gleichsam der schwebenden , beinahe entkörperten Psyche erdrückend entgegen . - Wir wagen es nicht zu bestimmen , was dem Florentin für Bemerkungen eingefallen sein mögen , aber er lachte laut auf . Juliane und Eduard begegneten ihm , als er zur Türe heraustrat . - » Ich war im Begriff Sie beide aufzusuchen , Sie werden im Park erwartet . « - » Von wem ? Sind meine Eltern dort ? « - » Sie wünschen im Park zu frühstücken , eh ' die Gesellschaft zu groß wird , auch werden Sie eines erfreulichen Anblicks genießen . « - Sie eilten hinunter . Eine jubelnde Symphonie von vielen Instrumenten , die zwischen den Bäumen versteckt waren , empfing sie . Juliane trug ein weißes Kleid von der feinsten Gaze , das in leichten Falten bis zu den Füßen herabfiel , unter der Brust war es von einer Reihe Smaragden zusammengehalten , ihre Haare in eigner Pracht , ohne allen Schmuck aufgesteckt ; feine goldne Kettchen zierten Hals und Arme , auf dem schönen Busen wiegte sich ein Stein von Diamanten . So schwebte sie aus dem Schatten der Bäume hervor , herrlich geschmückt , doch leicht und kunstlos . Augen und Herzen flogen ihr entgegen . Eine selige Heiterkeit verklärte ihr Gesicht beim Anblick der frohen Menge . Ihre Eltern an der andern Seite des Platzes erblickend , wollte sie sogleich zu ihnen herüberfliegen ; ihre eiligen Schritte aber wurden von Kindern gehemmt , welche sie mit Blumenketten umgaben und festhielten ; zugleich näherte sich ihr mit Gesang der Trupp junger Mädchen . Sie hob Theresen zu sich hinauf , küßte sie , und ließ sich den blühenden Kranz von ihr auf die Locken drücken . Mit nassen Augen lächelte sie beim Gesang der Mädchen , die einen Korb mit den schönsten Blumen zu ihren Füßen niedersetzten . Kaum hatte sie sich in den Armen ihrer Eltern von der freudigen Rührung erholt , als die beiden Knaben , Julianens Brüder , einen kleinen Wagen ganz von Rosen durchflochten herbeizogen , die Kinder zwangen sie scherzend hinauf , sie setzte sich unter eine Art von Rosenthron . Therese stand ihr auf dem Schoß , der Blumenkorb zu ihren Füßen , so ward sie im Thriumph und Freudengeschrei fortgezogen ; das Ganze sah so reizend und zauberisch aus , daß man einen Feenaufzug zu sehen glaubte . So ging es fort nach einem stillen entfernten Teil des Parks , wo das Frühstück bereitet war . Zwischen den Büschen standen blühende Orangenbäume , die einen balsamischen Duft verbreiteten . Wo man hinsah , erblickte man Julianens und Eduards Namen aus Blumengehängen . Die Bäume waren durch ebensolche Blumengehänge verbunden , und das Ganze bildete einen vollen bedeutenden Blütenkranz . Von verschiedenen Seiten in kleiner Entfernung ließen sich Oboen und Waldhörner bald wechselnd , bald zusammenstimmend hören , und wenn sie schwiegen , erschallte ganz von ferne die fröhliche Musik bei den Landleuten herüber . Jedes Geräusch war entfernt , alle saßen schweigend und horchend , jedes schien beschäftigt , die Freuden mit allen Sinnen in sich aufzunehmen . Florentin verglich im stillen den Eindruck dieses kleinen Tempels mit dem des prangenden Schlafgemachs , das er gesehen , und es ist leicht zu erraten , welches er sich von beiden am liebsten zum Allerheiligsten im Heiligtum der Liebe ausersehen hätte . Von tausend süßen Gefühlen durchströmt , das Herz pochend von liebevoller Ahndung , lehnte Juliane das glühende Gesicht an den Busen ihrer Mutter , Eduards Lippen ruhten auf ihrer Hand , die er mit den seinigen umschlossen hielt . - » Meine Juliane , mein angebetetes Mädchen ! « sprach er im Entzücken der Liebe , » werde ich dich jemals so glücklich machen können , als du in den Armen der Mutter bist ? « - » Sie bleibt in den Armen ihrer Mutter « , sagte Eleonore , sie sanft an sich drückend , » auch wenn sie die Ihrige sein wird ! Sie rauben sie uns nicht , lieber Eduard ! « - » Mögt Ihr beiden das höchste Glück jedes das seine im andern finden « , sagte der Graf , indem er sie umarmte , » Ihr seid mein kostbarstes Kleinod . Gott verleihe euch seinen reichsten Segen in dem meinigen ! « - Die Rede des Grafen schien erst bestimmt zu sein , noch mehreres zu enthalten , er brach aber mitten darin ab , und sah nach seiner Uhr mit einiger Bedenklichkeit . » Ich hätte sehr gewünscht « , fing er wieder an , » noch einige Zeit in diesem vertraulichen Kreise zu verweilen , aber ich sehe soeben , daß wir keine Zeit mehr zu versäumen haben : Juliane , du mußt an deine Toilette denken , wir müssen uns ja noch alle umkleiden . « - » Bleibt die Gräfin Juliane nicht so , wie sie da ist ? « fragte Florentin ; » das werden wir bedauern müssen ; sie ist so schön in diesem Anzuge , daß keine Veränderung vorteilhaft für sie sein kann . « - » Es ist wahr « , sagte der Graf , » aber hier darf nicht die Rede von der Schönheit der Kleidung sein , sondern von der Schicklichkeit . In dieser kann sie nicht öffentlich getraut werden , heute müssen wir notwendig in Gala sein . Wenn uns nur die Fremden nicht überraschen , wir haben zu lange verweilt . « - » Nun laßt uns zurückgehen « , sagte Eleonore , » wir finden wahrscheinlich schon einige versammelt . Auch unser wunderlicher Obristwachtmeister wird wohl schon aufgestanden sein ; es wird mich belustigen zu sehen , was er zu unserm Volksfeste sagen wird ; ich wette , er findet etwas gegen die Humanität darin zu tadeln . « - Man trennte sich . Jeder ging auf sein eignes Zimmer . Eleonore fand , daß sie noch eine Stunde übrig hatte , sie verschloß sich in ihr Kabinett und schrieb folgenden Brief an Clementinen , die in der allgemeinen Freude von allen schmerzlich vermißt ward . Eleonore an Clementina Mitten aus dem festlichen Getümmel , und in unruhiger Besorgnis , jeden Augenblick abgerufen zu werden , schleiche ich mich in meine Kammer , um Dir einige Worte zuzurufen : Ich will meinem Herzen diese Freude nicht versagen , ich will zu Dir reden , will mir einbilden , Du säßest neben mir , und ich sähe es dem lieben Gesicht an , wie Dein Herz die Freuden des meinigen teilt . Aber auch schelten muß ich mit Dir , Du Unvernünftige ! Wie ? Juliane wird zum Altare geführt , und Du bist nicht bei ihr ? Wie magst Du es nur verantworten ? Du weißt wohl , wie ich Dein Tun und Deinen Wandel verehre ; dennoch glaube ich nicht , daß Du die Art und Weise von uns Weltkindern so sichtbar verachten darfst : Es ist wohl ebenso verdienstlich von mir , daß ich mich aus dem Getümmel losreiße , um an Dich zu schreiben , als daß Du das Haus der Fröhlichkeit nicht besuchen willst , um den armen kleinen Geschöpfen Deiner Pflege unter Deinen Augen Hülfe und Nahrung reichen zu lassen . Denkst du nicht daran , wie notwendig Du auch hier bist ? Wer unter uns soll wohl Julianen das Beispiel der Sammlung und Frömmigkeit geben , das sie von ihrer Tante erhalten würde ! Es werden viele gedankenlos um sie stehen , und sie wird umsonst die Augen suchen , an deren frommer Andacht sie sonst gewohnt war , die ihrigen zum Himmel zu erheben ! Wird nun nicht die wichtigste Angelegenheit ihres Lebens fast leichtsinnig vollendet werden ? Die böse Nachricht , daß wir Dich nicht erwarten dürfen , betrübte uns alle , und wie sehr Juliane anfangs darüber trauerte , kannst Du wohl denken ; bald wußte sie sich aber zu beruhigen , da wir ihr von Deiner eigentlichen Besorgnis nichts mitteilten , und sie so gewohnt ist , alles gut und recht zu finden , was von der Tante kömmt . Jetzt atmet ihre Brust wieder in ihrer natürlichen leichten Unbefangenheit . Du nennst es gewiß nicht blinde mütterliche Eitelkeit , wenn ich mich im Herzen freue , die Holdseligkeit des lieben Mädchens zu sehen , diese stolze zarte Schönheit , die aus ihrem Innern strahlend sie umgibt . Ja Du Teure ! Du würdest , wenn Du sie so vor Dir sähest , leuchtend und glühend im vollen Ausdruck ihres Glücks , Du würdest nicht länger unzufrieden sein , daß ihr Vater eilt , sie mit dem Geliebten zu vereinigen , daß sie trotz aller Deiner Gründe so früh vermählt wird . - Juliane ist beinah noch ein Kind , sagst Du , vieles liegt unentwickelt und tief verborgen in ihr , das nicht geahndet wird , am wenigsten von ihr selbst , sie fängt kaum an , sich selbst zu erkennen , sie wird aus einem Kinde zur Gattin , und wird gewiß einst auf die übersprungene Stufe ihres Lebens mit Wehmut zurücksehen . - Das ist sehr wahr , Liebe ; nicht weniger aber ist es wahr , daß Juliane vielleicht ihre Bestimmung ganz verfehlen möchte , wenn sie den ersten vernehmlich ausgesprochenen Wunsch ihres Herzens unterdrücken müßte . Du weißt , wie sehr Juliane mir in vielen Stücken ähnlich ist , da mein Gemüt von jeher in schwesterlicher Liebe vor Dir aufgeschlossen lag , so wie auch das ihrige von der zartesten Kindheit an . Du wirst es nicht vergessen haben , daß auch die Mutter , wie jetzt die Tochter , sich nur spät und langsam erkannte ; wie nur ihre frühe glückliche Bestimmung verhinderte , daß nicht das lang verborgne Feuer heftiger Leidenschaftlichkeit verderblich um sich gegriffen . Was anders bewahrte sie vor jeder Gefahr , die ihr aus ihrem Innern drohte , als die Zufriedenheit mit ihrem Lose , die sie an den Pforten der Selbsterkenntnis empfing ; als die ruhige Liebe in ihrem Herzen ; als der Gatte , die Schwester , die Kinder ! Ihr kostbaren Reichtümer ! Meinem Glück verdanke ich meine Tugend ! Auch das ist wahr , daß Eduard uns von Jugend auf mehr Beweise eines liebenden Gemüts und der feinen Ausbildung , als eines selbständigen Sinns gegeben ; aber eben dies sein liebendes Gemüt , dächte ich , müßte uns Bürge sein . Wie hängt er doch mit inniger Liebe an der Geliebten seiner Jugend ! Wie ist er ihr durch alle Wandelbarkeit seines Lebens so wahrhaft treugeblieben ! Seine Liebe war gleichsam der dauernde Grund , auf welchem die bunten Farben des Lebens wie lose Fäden hin und her gewebt waren . Es fehlt ihm vielleicht nichts weiter , als die bestimmende Vereinigung mit der Geliebten , um ihn ganz festzuhalten . Ich habe Sinn für häusliche Freuden an ihm wahrgenommen ; ich kann an niemand verzweifeln , dem dieser Sinn nicht fehlt . Laß uns nur nicht weiter mit unserer Vorsorge dringen wollen ! Unsre Hoffnung ist , sie dauernd glücklich zu sehen . Doch wer enthüllt uns die Zukunft ? Dürfen wir uns erlauben . Böses zu verüben , um ein künftiges Gut zu sichern ? Das wäre ja sogar gegen Deinen eignen Grundsatz . Du weißt doch , daß Eduard seinen Plan , gleich nach der Vermählung mit Julianen auf Reisen zu gehen , aufgegeben hat , zu unsrer großen Freude . Die Kleine konnte sich nicht entschließen , uns zu verlassen , er hat sich auf ihr unablässiges Bitten entschlossen , noch einige Jahre bei uns zu leben , eh ' er seine weiteren Pläne ausführt . Sie bleibt also immer noch in unserer Mitte , er raubt sie unserm Kreise noch nicht , er selbst ist ein teures Mitglied desselben geworden . Wir wollen nun alles aufbieten , um ihn seinen neuen Entschluß nicht bereuen zu lassen . Fest soll sich an Fest ketten , und eine Lust die andere verdrängen . Wärst Du nur hier , die bange Sorge würde bald von Dir weichen ! Dein Bruder ist in der besten Laune von der Welt ; Du weißt , wie liebenswürdig er in seiner Heiterkeit sein kann ; und überhaupt sind wir so fröhlich und ausgelassen wie die Kinder , haben alle Sorgen weit abgeworfen . Nun ernstlich an meine Toilette , Juliane ist sicher schon fertig ; der Lärm wird immer lauter , ich darf doch nicht zuletzt erscheinen . Bald siehst Du uns bei Dir , ich habe Dir viel zu erzählen von den lieblichen Festen , die hier begangen werden , vorzüglich von einem hier im Park , meinem Fenster gegenüber . Dies wird Dir gefallen , es ist ganz in Deinem Sinn ; das kömmt daher , weil ich nichts anordne , ohne in meinem Sinn den Deinigen zu Rate zu ziehen . Eleonore . Fünfzehntes Kapitel Florentin war allein geblieben . Er ging auf den Platz im Park : er war leer , die Leute waren hinausgegangen auf den Weg zur Kirche , dort wollten sie , in zwo Reihen geordnet , die herrschaftlichen Wagen durchfahren lassen . Er ging verdrüßlich ins Schloß zurück . Auf Gängen und Treppen war alles voller Tumult und Gedränge von wichtig tuenden , mit nichts lärmend beschäftigten Menschen . Allenthalben begegneten ihm fremde Gesichter . Unmutig floh er auf sein Zimmer . Das Gerassel der Wagen zog ihn ans Fenster . Eine lange Reihe von vier- bis sechsspännigen Equipagen , mit goldbedeckten Lakaien behangen , leerte sich , eine nach der andern . Unerträgliche Figuren wurden maschinenmäßig aus dem glänzenden Kasten gehoben , und ins Schloß gefördert . Florentin schauderte bei dem Anblick . Endlich ward er von den prächtigen Kleidungen erinnert , daß er sich wohl auch noch anders anziehen müsse , und nun fiel es ihm erst ein , daß ihm die wesentlichen Stücke zum gehörigen Anzug mangelten . Halb verlegen , halb lustig , war er noch unschlüssig , was er zu tun habe , als ihn ein Bedienter zu Julianen rief . Er fand sie in ihrem Zimmer völlig angekleidet . » Kommen Sie her , Florentin « , rief sie ihm entgegen , » ich will nicht allein bleiben . Haben Sie die Mutter nicht gesehen ? Ist Eduard nicht bei Ihnen ? Es kömmt auch kein Mensch zu mir . Aber wie Sie mich anstaunen ! Nicht wahr , es kleidet mich nicht ? « - Sie war mit fürstlicher Pracht gekleidet . Sie blitzte und funkelte vom köstlichen Geschmeide und reicher Stickerei . An der Stelle des frischen Morgenkranzes war eine kleine Krone von Juwelen gesetzt , die Arme und der freie Hals waren mit den auserlesensten Perlenschnüren geschmückt , und diesen angemessen schimmerte der übrige dazugehörige Schmuck . » Wundert Sie mein Erstaunen ? « fragte Florentin , » Sie sind blendend , Juliane ! « - » Aber ich gefalle Ihnen nicht , nicht wahr ? « - » Ich suche vergebens den leichtfüßigen schalkhaften Knaben im Walde ; wo ist die gedemütigte Übermütige hin , im geliehenen Wams und kurzen Rock ? Wo sind die Umrisse der gewohnten Gestalt vom heutigen schönen Morgen ? « - » Ich glaube es Ihnen gern « , sagte Juliane . » Der Himmel behüte mich auch vor einer Existenz , wo ich oft so gekleidet sein müßte ; ich glaube , am Ende könnte man das Lachen dabei verlernen . « - » Ja , es mag wohl ernsthaft machen , aber was zwingt Sie dazu ? « - » Wir haben herzlich gewünscht , diesen Tag mit Festen ganz anderer Art zu begehen ; aber Sie wissen , der Vater läßt nicht leicht eine alte Sitte abändern ; um ihm nun seine Freude auf keine Weise zu stören ... wären nur erst diese Tage vorüber ! « - » Sie werden durch sie auf alle künftige glücklich ! « - » O über alles glücklich werde ich sein ! Ohne diese Hoffnung müßte ich der glänzenden Last erliegen . Es ist schön von Ihnen , daß Sie meine augenblickliche schlechte Laune durch diese Erinnerung verscheuchten . Wie man doch oft so undankbar sein kann ! « - » Üble Laune ist freilich am ersten dazu aufgelegt . « - » Lieber Florentin , Sie müssen ein Andenken von mir nehmen , um sich dieser Stunde und meines Glücks zu erinnern . « - Sie suchte einen Augenblick unschlüssig in einigen Schubladen . - » Nehmen Sie diese Brieftasche , die Stickerei darauf ist von mir , dies mag ihr einigen Wert in Ihren Augen verleihen . « - Er kniete nieder vor ihr und küßte ihre Hand : » - So empfange ich den Dank aus Euren Händen , schöne Jungfrau ; wäre mir doch der erste Dank bestimmt , so dürfte ich ihn von den holden Lippen einsammeln ! « - Die Tür ward geöffnet , Eduard trat herein , Florentin stand auf . - » Was hast du vor , Florentin ? « - » Anbetung , mein Freund ! « - » Tolle Possen ! und noch nicht anders gekleidet ? Fort , fort , es kömmt Gesellschaft . « - Florentin ging hinaus . Auf der Treppe begegnete ihm der Jockei , der ihn noch vom ersten Augenblick an , da er ihn im Walde gesehen , zugetan war . - » Sattle mir gleich den Schimmel , mein guter Heinrich « , sagte er ihm leise , » reite ihn durch das Hintertor hinaus vor das Dorf , und erwarte mich dort , daß dich aber niemand sieht ; sage es auch niemanden ! Hörst du ? « - » Verlassen Sie sich auf mich . « - Er sprang fort ; Florentin ging wieder auf sein Zimmer . - » Du hältst es nicht aus « , rief er unmutig ; » was soll dir das widersinnige Wesen ? Immer wieder die alte Weise : wieder einige bessere Menschen , die vom Haufen der Gewöhnlichen bestimmt werden ! Halte es nicht aus ! ... aber die wenigen Stunden noch ; es ist kindische Ungeduld , ... nicht einen Augenblick will ich mir selbst zur Last sein ... Was werden sie aber dabei denken ? ... Gut gefragt , wer steht mir in irgendeinem Falle für die Gedanken der Menschen ? ... Es ist aber ungesittet , wenn ich gehe ... es ist aber unwürdig , wenn ich bleibe . Eduard ! wirst du mich verstehen ? wirst du dein schwankendes , zweifelndes Gemüt bald beruhigen können ? ... Wie hat sich aber auch die Szene verändert ! Wie sind die lieblichen Farben der Morgenröte hingeschwunden , und haben dem lärmenden Tage Platz gemacht ! Wie werden vom schweren Geschütz der Konventionen deine zarten Freuden zertrümmert , göttliche Liebe ! Alles ist zerstört ! Julianens holde Gestalt durch ein Gewicht angefesselt , verzerrt ; das eigne , schöne , bewegliche Leben von versteinertem Kristall umstarrt . Eduard ! was will der blasse Mondschimmer der heimlichen Kränkung auf deinem Gesicht , worauf der Sonnenschein der glücklichen Liebe sonst glänzte ? O es ist wahr , daß Friede und Freude bald entfliehen , wo ich verweile . Fort will ich , fort muß ich ! Alles wird bald gut werden für dich , Eduard . Nur der Verbannte wird oft seine Arme umsonst nach einem Freunde ausstrecken , und sie ohne Trost wieder sinken lassen . Aber fort , fort ; allein will ich den Fluch tragen , der über mich verhängt ist ! « - Während diesen bald hastigen , bald zögernden Worten war er , indem er sich zu gleicher Zeit zur Reise anschickte , im Zimmer unruhig auf und ab gegangen . Jetzt war er ganz reisefertig und stand in der geöffneten Tür , den Hut in der Hand ; er besann sich , es war ihm , als müßte er Abschied nehmen . Zu Eleonoren will ich noch einmal gehen , dachte er , ich finde sie vielleicht noch allein . - Eleonore war mit ihrem Putze ganz fertig , und siegelte eben den Brief an Clementinen , um ihn noch fortzuschicken . - » Mich dünkt , es ist jemand im kleinen Korridor « , sagte sie zur Kammerfrau , » sieh zu . « - Florentin ward ihr gemeldet , und trat gleich darauf selbst hinein . - » Was ist das ? « rief die Gräfin ; » Stiefel ? Sporen ? Was wollen Sie in diesem Aufzuge ? « - » Geben Sie mir Ihren Segen , teuerste Gräfin , ich will fort ! « - » Träumen Sie ? oder träume ich ? Ich verstehe Sie nicht . « » Gütige Eleonore , fragen Sie nicht , Ihre segnende Hand lassen Sie mich zum Abschied küssen . « - » Was ist Ihnen , um Himmels willen , was ist Ihnen widerfahren ? Wo wollen Sie hin ? « - Die Kammerfrau kam wieder hinein : » Gnädige Gräfin werden erwartet , es ist geschickt worden . « - » Den Augenblick ! Florentin , Sie dürfen nicht so rätselhaft sein , was wird mein Gemahl sagen ? « - » Ihnen überlasse ich meine Verteidigung , Eleonore , und deswegen komme ich eigentlich zu Ihnen , leben Sie wohl , ich darf Sie nicht länger aufhalten . « - » Aber wo wollen Sie hin ? Wir sehen Sie doch wieder ? « - » Soll ich einst noch so glücklich sein ? Der Ort , wohin ich gleich zuerst komme , ist Ihnen bekannt . « - » Mein Gott ! freilich , Sie reisen zu Clementinen . Wollen Sie uns dort erwarten ? Sobald es hier wieder ruhig ist , werden wir zu ihr reisen . « - Florentin verbeugte sich : » Geben Sie mir irgendein Zeichen für die Gräfin Clementina mit , das mich ihr empfiehlt . « - » Hier nehmen Sie diesen Brief , ich hätte nicht gedacht , daß er durch Sie würde bestellt werden , Ihrer ist nicht darin erwähnt , aber Sie sind ihr sonst schon bekannt . Sie dürfen nur Ihren Namen nennen . « - » Gnädige Gräfin ! « rief die Kammerfrau wieder . - » Leben Sie denn wohl , Florentin , auf Wiedersehen ! « - » Leben Sie wohl , Eleonore , Ihnen trage ich es auf , Eduard zu beruhigen , und mein Andenken bei Julianen zu erhalten ! « - » Wie , diese wissen nicht ? « - Florentin war wieder zur kleinen Tür hinaus , ohne weiter zu hören , oder zu antworten . Die Kammerfrau schloß hinter ihm zu ; in dem Augenblick führte von der andern Seite der Graf einige Damen herein . Florentin ging durch den Park , wo er hoffen durfte , niemandem zu begegnen , und sofort zum Dorfe hin , wo er Heinrich , mit dem Schimmel ihn erwartend , fand . Er nahm Abschied von dem Knaben , drückte ihm eine Belohnung für seinen Diensteifer in die Hand , setzte sich auf den getreuen Schimmel , und fort sprengte er im Galopp , ohne sich umzusehen . Heinrich sah ihm noch nach , als er ihn plötzlich stillhalten und das Pferd herumwenden sah ; er kam wieder zurück . - » Warte noch einen Augenblick « , rief er ihm zu . Heinrich trat hinzu und hielt das Pferd ; Florentin zog seine Schreibtafel heraus , und schrieb mit Bleistift auf ein Blatt : » Des Schicksals Schläge stählen und geben Kraft sich aufzurichten , indem sie niederbeugen ; aber der Menschen kleinliche Mißverhältnisse und Mißverständnisse zerstören grausam das Gemüt . Ich segne meinen Eintritt in Euren Kreis , aber ich gehe , damit ihn niemand verwünsche ! Lebe wohl , Eduard , gedenke meiner . - Juliane , wer Sie sieht , wird Sie kennen ; wer Sie kennt , muß Sie lieben ; wer Sie liebt , kann nie aufhören . Bleiben Sie glücklich ! Florentin . « » Gib es an Eduard von Usingen , guter Heinrich , aber gib es ihm allein . Und nun Adieu . « - Er ritt langsam fort . Er hatte beschlossen , die Nacht in der bekannten Mühle zu bleiben , und mit Tagesanbruch vollends zur Stadt zu reiten . Sechzehntes Kapitel Florentin war nach einer verdrüßlichen Reise in die Stadt angekommen . Nie war er mehr mit sich selbst uneins gewesen . Zwar gefiel ihm die Hast , mit der er das Schloß und alle seine Reizungen ,