aufführen , einen neuen Mitstreiter auftreten lassen , eine Wiederherstellung jenes Ordens , von dem unsre Erbschaft im Grunde herrührt . Wenn ich mich in der Geschichte umsehe und eine Macht vermisse , die das Individuum gegen das Allgemeine in Schutz nimmt , so muß ich beklagen , daß jene Idee der geistlichen Ritterorden an dem freilich begründeten Mistrauen der weltlichen und geistlichen Gewalt scheiterte . Philipp der Schöne von Frankreich ließ Hunderte von Tempelherren foltern , verbrennen . Man sagt , weil er sie um ihre Schätze beneidete . Treffender ist der Grund , wenn man sagt , weil er eine Ritterschaft fürchtete , die das heilige Grab nicht mehr behaupten konnte , sich nur noch auf Rhodus und später Malta hielt und in Frankreich allein über dreißigtausend in jedem Augenblick marschfertige Reisige zu gebieten hatte . Neben einer solchen von sich selbst abhängenden Wehrkraft konnte die königliche Gewalt nicht bestehen . Jeden Wink des Papstes konnte der König gewärtig sein von diesen mächtigen Tempelherren ausgeführt zu sehen . Aber auch die Geistlichkeit fürchtete die Tempelherren . Sie hatten im Oriente Duldung gelernt . Statt die Sarazenen zu vernichten , lernten die Templer das Menschliche , Gleichartige , Brüderliche an ihnen schätzen . Tempelherr und Emir schlossen Freundschaftsbünde und sogar die Religionen näherten sich . Diese Ritter hatten die Welt gesehen , ihr geistliches Kleid moderte nicht mit ihnen in der Klosterzelle , ihr Skapulier war das Schwert , sie tummelten sich durch das Leben mit Thatkraft und Selbstgefühl . Frei waren sie von dem Plagedienst der Observanzen . Sie konnten Messe lesen lassen auch in Gegenden , wo ein Fluch der Kirche die Glocken zu schwingen verbot und die Sakramente nicht verabreicht wurden . Sie waren auch der Geistlichkeit , der sie damit großen Eintrag thaten , zu frei , zu weltlich , zu weltmännisch und zu vorurtheilslos . Die Templer wurden vernichtet . Die St.-Johannesritter setzten die Mission derselben fort . Leider fand man sie nur in der Eroberung des heiligen Grabes , in dem Kampfe mit den Türken . Dieser zuletzt unwahr gewordene Zweck bot kaum einen anständigen Deckmantel für den behaglichen Genuß der reichen Güter des Ordens . Wohlleben , Üppigkeit nahmen überhand . Nur die Malteser behielten ihren Beruf noch , als bewaffnete Missionaire zu wirken . Der Gedanke , Mittler zu sein zwischen Kirche , Staat , Gemeinde kam zu keiner Ausbildung mehr . Nur die Vehme , die heilige , unterirdische , war die letzte Ergänzung des wilden , rechtlosen , verworrenen damaligen Lebens gewesen . Die Gerichte der rothen Erde vertraten die Gerechtigkeit , die keinen weltlichen Hof mehr zu finden schien . Die geistlichen Ritterorden verfielen . Sie , die den Tempel von Jerusalem bewachen sollten , wußten nicht , daß man einen neuen Tempel im eigenen Herzen , einen Tempel der Menschheit gründen , den ausbauen , den bewachen mußte . Sie , die auf Johannes den Täufer verpflichtet wurden , d.h. auf den Geist , nicht auf den Buchstaben des Christenthumes , sie schoben für den Prediger in der Wüste , der vor Christus schon christlich dachte und lehrte , Johannes den Jünger unter und kamen nun immer weiter von ihrem Ursprunge , ihrer ersten Bedeutung ab . Die geistlichen Ritterorden , die der Papst immer und immer wieder bis auf die neuesten Tage erwecken wollte , hatten sich überlebt . In einer neuen höheren Verklärung mußten sie neu geboren werden und dies geschah für die päpstlichen Interessen in der geistlichen Ritterschaft des Ignazius von Loyola . Die Jesuiten sind nicht weltlich , nicht geistlich allein , sie haben die Klöster verlassen und tummeln sich auf offnem Felde unter den Lebendigen . Es sind die neuen geistlichen Ritter der römischen Hierarchie . Sie haben Schild und Lanze mit dem letzten Ritter , dem Don Quixote von la Mancha , in die Raritätenkammer geworfen und kämpfen mit den Waffen des Geistes für die alte Welt im Gegensatz zur neuen . Die Philipp ' s von Frankreich , ohne oder mit der Möglichkeit , die Schönen beigenannt zu werden , wiederholen sich überall und zu allen Zeiten in Europa . In Portugal , Frankreich , Rußland vertrieb man die Jesuiten als eine geistbewaffnete Heeresmacht , die im Organismus des modernen , nur dem Fürsten gehörenden Staates keinen Platz gewinnen dürfe , wie die Templer nicht in Frankreich Platz greifen sollten . Man würde nur blind urtheilen , wenn man glaubte , daß Pombal und Choiseul die Jesuiten verfolgten aus Begeisterung für das Licht der Aufklärung . Nein ! Die despotischen Alleinherrscher waren es , die ihre Macht nicht getheilt sehen wollten . Sie wollten sich auch sogar der Freunde entledigen , wenn sie ihnen mit der Zeit als Zweideutige oder zu Mächtige erschienen . Da , wo die Jesuiten den Machthabern eine verlorene Gewalt erwerben sollten , sind sie ihnen immer willkommen gewesen ; Da aber , wo sie eine errungene Gewalt nun auch zu theilen wünschen , wird man immer geneigt sein , sie wieder zu entfernen . Ich sprach von dem Tempel , den man in Jerusalem suchte und den man überall hätte finden können . Eine Vorstellung dieser Art war es , die die Freimaurerei entstehen ließ . Wie ein Neugeadelter hat diese Gesellschaft gesucht , ihre Ahnen sich aus der Vergangenheit weither zu verschreiben und sich Vorfahren beizulegen , die nie daran dachten , die Geheimnisse des Schurzfelles zu kennen . Diese Gesellschaft hat das Glück gehabt , in einer Zeit , wo Ungeschmack und Unpoesie die Welt regierte , sich einen gewissen Nimbus organischer Natürlichkeit zulegen zu können und nicht dem Fluche aller künstlichen Mysterien , der Lächerlichkeit vor Laien , anheimzufallen . Ihre Ceremonien erscheinen Vielen ehrwürdig . Das will etwas sagen in einer Zeit , die jede neue Religions- oder Sektenstiftung nicht nur sogleich mit der Polizei , sondern auch mit dem Witze verfolgt . Die Freimaurer haben das Glück gehabt , weder der Polizei noch dem Witze zu erliegen und mancher denkende Kopf sogar hat versucht , aus den Spielereien ihres Ceremoniels abstrakte Wahrheiten , wenigstens der guten Sitte , zu entwickeln . Die moralische Dehnkraft dieses weltlichen Ordens ist aber sehr gering . Sie geht über einen gewissen anständigen Egoismus nicht hinaus . Anständigen Egoismus nenn ' ich Den , der seinem Jahrhundert nichts Anderes als Wohlthätigkeiten spendet . Eine rüstige polemische Kraft liegt in der Freimaurerei nirgends . Nur da , wo hinter der Maurerei Carbonarismus steckte , hat man von Märtyrern dieses Ordens gehört . Die Freimaurer haben , als Thatprincip , höchstens eine entschiedene Antipathie gegen die Jesuiten . Eben so ist es umgekehrt . Sie bekämpfen sich gegenseitig . Mit Recht , denn sie sind die entgegengesetzten Pole eines und desselben elektrischen Stabes . Daß die Freimaurer sich erhalten konnten , trotzdem , daß sie von der Vollendung und Besserung der Menschheit sprachen , verurtheilt sie allein schon im Auge des leidenschaftlichen Menschenfreundes , der da weiß , wie ein wahres Streben nach diesem Ziele sie sehr bald würde vernichtet haben . Oder soll uns diese Thatsache doch ermuthigen , an die Möglichkeit einer geheimen Verbrüderung , die nur geistige Zwecke verfolgt , noch glauben zu können ? Die Gefahr , einen neuen Geheimbund zu stiften , ist nicht gering . Wenn ich den Gedanken der Templer und der Ritter vom heiligen Johannes , dem Johannes der Wüste , dem Täufer , wieder aufnehme und den Bund der Ritter vom Geiste beantrage , so kenn ' ich die gewaltigen Schwierigkeiten . Allein diese Schwierigkeiten sind zu beseitigen , wenn nur der Gedanke klar und es bewiesen ist , daß eine solche Bundesgenossenschaft der gleichen Geistesstimmung wünschenswerth , nothwendig erscheint . Eine Wahrheit , die einmal erkannt ist , bricht sich in jeder noch so schwierigen Form ihre Bahn . Welchen Ausweg soll uns unser jetziger Kampf bringen ? Ich sehe Interessen , ich sehe Theorieen . Jene sind ebenso leidenschaftlich wie diese . Die Interessen und die Theorieen , beide beanspruchen ein ursprüngliches Recht . Was läßt sich dagegen einwenden ? Soll Blutvergießen entscheiden ? Ich bin nicht für das Blut . Ich weiß wohl , die Geschichte ist aus dem Blute erwachsen . Aber der moralische Mensch kann , darf nicht sagen : Ich will diese oder jene Wahrheit dadurch beweisen , daß ich ihr diese oder jene Menschen zum Opfer bringe ! Kein Einzelner kann Das sagen , was eine Gemeinde , ein Staat , ein Volk sagen darf . Solche Stimmungen der Gewalt hängen auch von der größeren oder geringeren Entzündlichkeit der historischen Krisen ab . Der Denker , der sittliche Mensch , der sich nur auf sich und die Menschheit bezogen fühlt , kann nicht Blut predigen , nicht fordern , daß aus der Vernichtung des Lebens Leben sprieße . Die Interessen der Existenz sind berechtigt . Die Menschen , die uns die Träger der Irrthümer scheinen , leben wie wir . Allen droht einst das Maß der ewigen Vergeltung . Was erlaubt uns wol , vorzugreifen und die Geschichte mit Gewalt zu bestimmen ? Mag ' s ein Attila , ein Napoleon thun ! Mag ' s ein Timoleon oder ein Ravaillac thun ! Der Pranger , das Blutgericht , vielleicht eine Ehrensäule wird ' s ihm lohnen . Sein Name wird bleiben mit goldenen oder mit schwarzen Buchstaben . Das ist die ewige Persönlichkeit , die nicht aussterben wird ! Aber wenn man zu uns kommt in unsre Denkerwüste und frägt : Was sollen wir thun , um in ' s Himmelreich zu kommen ? Was sollen wir thun , um unsern Beruf als Menschen und Staatsbürger zu erfüllen ? Dürfen wir da sagen : Dies und Das ist richtig , Dies und Das ist nothwendig , ergreift diesen Stab oder diese Fahne ? Man sagt es alle Tage , man lehrt und predigt so an allen Straßenecken , aber wir kommen nicht weiter damit . Die Theorieen bleiben unpraktisch und die Interessen regieren doch die Welt . Wenn mich Einer frägt , was soziale Wahrheit ist , ich weiß es nicht . Ich kann den möglichen communistischen Staat nicht beweisen . Und doch will ich auch nicht rathen , daß man im gemeinsamen Verkehr des Ideen- und Vorsatzaustausches sich mit Allgemeinheiten begnüge , wie die Freimaurer ! Bilde dich selbst , dann bildest du die Welt ! Bessere dich selbst , dann wird die Welt besser ! Das sind Trivialitäten , gefährliche Gemeinplätze sogar und ganz ohnmächtige den Jesuiten gegenüber ! Die wissen Alles in nächster Nähe zu fassen , die erblicken überall die Möglichkeit einer Anwendung ihrer Principien , die treten sogleich in medias res und haben Gift , Dolch , Strang , Bibel , Himmel und Hölle , Dialektik und Weisheit sogar zur Hand und wissen sie anzuwenden . Das jesuitische Gegengift , das die Freimaurer bieten , ist laues Wasser . Man wäscht damit seine Hände wie in lauester Unschuld und bleibt ein aparter selbstzufriedener Egoist . Ich sehe , die Menschheit ist zersprengt , nicht nur den Interessen , auch schon dem Geiste nach . Wir haben eine Religion , die christliche , die in ihrer eigentlichen Bedeutung nur noch Wenige bindet . Man sieht sich in den Kirchen , man befolgt den Ritus seiner Confession , man erklärt sich auch leidenschaftlich für den Namen des Heilandes , doch legt sich Jeder die Bedeutung desselben anders aus und eigentliche Christen gibt es gar nicht mehr . Also gerade diese Auslegung ist das Wichtigste , um diese Auslegung streitet man sich und vergoß um sie sogar Blut . Im Staate sehen wir uns erst dann , wenn uns der Kampf zusammenführt . Wir rufen immer erst mit der Trommel , mit dem Lärmsignal der Gefahr , wo schon die gute Sache halb verloren ist . Da ist es für die Gleichgesinnten zu spät ! Da sind gleich Tausende , die gerade für den Kampf nicht abkommen können , Tausende , die uns mißverstanden , Abertausende , die in einer Lage sind , heucheln zu müssen . Das ist der wahre Jammer der Zeit , diese Lüge , diese Zaghaftigkeit , dieser Scheindienst der Wahrheit , eine Folge der völligen Nichtorganisation der Geisteskämpfe . Erst auf dem blutigen Schlachtfelde erkennen wir Den , der neben uns im verschlossenen Visir kämpfte . Und Den , der mit der Fahne in der Hand niedersank oder der die Bresche des feindlichen Lagers siegreich stürmte , Den hat man sonst vielleicht für seinen Gegner gehalten ! Ich will einen geheimen , keinen heimlichen Orden stiften . Die Gesellschaften , aus deren Schooße die Verschwörungen und Revolten hervorzugehen pflegen , sind heimliche Gesellschaften . Die Jesuiten- und Freimaurerbünde sind geheime , nicht heimliche . Ihr Ritus bringt es wol mit sich , daß sie nicht Jeden zulassen , der auf ihre Symbole nicht vereidigt ist , aber ihr Wirken , so versteckt es ist , ist nicht eigentlich heimlich , auch ihre Symbolik ist es nicht . Sie sind geheim , ohne unzugänglich zu sein . Ich will gar nicht unmöglich machen , daß man von Diesem oder Jenem sage : Er ist Einer von den Rittern und Reisigen vom Geiste ! Nur dürfen , wenn die Genossen einen Convent halten , nicht Fremde , nicht Laien zugegen sein . Das Dunkel soll auch anziehen und schützen . Jeder Geheimbund braucht erstens einen Gedanken , zweitens Symbole , drittens Hülfsmittel . Die Ritter vom Geiste sind die neuen Templer . Sie haben den Tempel zu schützen und zu bewachen , den die Menschheit zur Ehre Gottes auf Erden zu erbauen hat . Ihre Waffe ist der Geist . Ihr Leben ist die innere Mission eines Kreuzzuges gegen die Feinde dieses Gottestempels . Der Geist als Lehre ist die Wissenschaft . Der Geist als Glaube ist die Gesinnung . Den Geist , der dem Verstande entstammt , kann Niemand bannen , Niemand zum einheitlichen Gedanken eines Bundes machen wollen . Der Geist aber , der dem Herzen entstammt , ist der Wecker zu den edelsten Verpflichtungen . Die Religion hat nun Formen , um unsre sittlichen Verpflichtungen , der Staat Formen , um unsre politischen schon von vornherein gefangen zu nehmen . Die Religion des Geistes sollte keinen solchen bindenden Cultus haben dürfen ? Ich sage , gebt dem Geiste einen Cultus und in hundert Jahren ist die Welt weiter , als wohin wir sie bei der jetzigen Verworrenheit der Zustände erst nach einem halben Jahrtausend werden kommen sehen . Religion , das Bindende , das Gleichgesellende , liegt in unsrer Epoche . Überall zeigt sich ihr Bedürfniß . Nur befriedigt es nicht auf dem alten Wege ! Nur nicht innerhalb des alten Zwanges und der alten Dogmen ! Man binde sich auf den Glauben unsrer Freiheit , auf den Glauben des Geistes , auf die gleiche Gesinnung ! Aus solcher Grundlage , aus so geackertem , gesäetem Boden muß eine gute Frucht hervorgehen . Ritter vom Geiste sind Mitglieder eines geheimen Bundes , den ich lieber Brüder vom Geiste nennen würde , wenn ich nicht streitbare gewaffnete Brüder begehrte . Ich will einen Bund von Männern , die ihr Leben , ihre nächsten und entfernten Pflichten nur auf ein Ziel beziehen , den endlichen Sieg von Wahrheiten , die leider noch immer in Frage stehen , noch immer von Willkür beanstandet werden . Dieser Bund soll den Kampf der Zeit nicht aufheben zu wollen sich anmaßen , wol aber der Aufgabe vertrauen , diesen Kampf abzukürzen . Man hat den Reubund lächerlich gefunden . Und doch ist sein Einfluß nicht gering . Er wird nicht ruhen , bis er mindestens die Wahlen in seinen Händen hat . Laßt uns einen größeren , einen Treubund stiften dem Geiste ! Die Wahrheiten liegen auf der Hand ; aber Tausende entziehen sich ihnen ! Die Blätter der Geschichte sind aufgeschlagen . Man will sie nicht lesen . Wir wissen , wohin die Menschheit steuert , und stecken falsche Flaggen , falsche Leuchtflammen auf . Oder sollte es so schwer sein , das Wesen der Gesinnung auf einige große Wahrheiten zu abstrahiren , die feststehen , wie den Völkern Jahrhunderte lang die Wahrheiten der Bibel feststanden ? Es mögen nur wenige Sätze sein . Aber einige Tausend Menschen in allen Theilen der Erde auf diese wenigen Sätze in Eid und Pflicht genommen , macht , daß gewisse Gebäude umstürzen wie Aschenhaufen , zerreißt dichte Vorhänge wie Spinneweben , lockert die Lüge von selber ohne Handanrühren . Jetzt gewinnt man plötzlich Menschen , die sonst ruhten , für die Arbeit des Geistes . Jetzt sieht man Kämpfer , die kämpfen müssen aus Ehrgefühl ! Jetzt wird es heißen : Nicht mehr beten für die gute Sache sollt Ihr , sondern auch arbeiten für sie ! Die Ritter vom Geiste streiten , sichtbar und unsichtbar , allein für die Gesinnung , für nichts also , was sich als positive Schöpfung ankündigt . Daß es Republikaner , Freigeister , Monarchisten sein sollen , sag ' ich nicht , ebensowenig was sie sonst sind . Sie haben nur zu schwören , daß sie Alles thun werden , was in ihren Kräften liegt , um z.B. der Monarchie , wo sie herrscht , diejenigen Bedingungen vorzuschreiben , die es möglich machen , sie der Republik vorzuziehen . Es liegt in der Natur einer Zeit , die mehr aufzuräumen , als zu bauen hat , daß ihre Wahrheiten mehr negativ als positiv sind . Die Ritter vom Geiste werden sich klarer über Das sein , wozu sie sich nicht verwenden lassen , als über Das , was sie von selber wollen . Die Gewissenscollisionen , der Fluch unsrer Zeit , müssen seltner werden . Ein Geistesbruder , der in seiner Überzeugung gebunden ist , wird sich nicht zu Dingen hergeben , die seinem Schwure widersprechen . Er wird für das Opfer , das er zu bringen hat , vom Orden schadlos gehalten . Die Apostasieen , die Verfolgungen , in denen die Apostaten gehässiger sind als Alle , werden gebrandmarkt und seltener werden . Man wird nicht mehr eine Meinung für sein Haus und eine für den Staat , eine für sein Gewissen und eine für seinen Erwerb haben . Die Anlehnung an Gleichgesinnte macht stark . Das Vorbild edler Männer reizt zur Nachfolge und eine unreine , niedrige Seele , die sich des glänzenden Schildes der hohen und reinen Gesinnung bedient , wird nicht mehr Bestand haben und Verwirrung unter die Kämpfenden bringen können . Wie der Tempel der Menschheit beschaffen sein muß , um Raum für den Glauben reiner Herzen , für Freiheit und Glück des irdischen Lebens zu gewähren , kann man mit dem Griffel des Malers nicht anschaulich machen . Aber der Architekt kann uns schon soviel sagen , er wisse , was Harmonie , was Ebenmaß ist , er wisse , was in den Grundbau und was in die Kuppel gehört . Die freie Presse ist vom Fundamente , während das Recht der Arbeit in die Kuppel gehört . Nicht was wir bauen , wissen wir ; nur wie wir zu bauen haben , ist uns klar nach ewigen und in der Brust eingeschriebenen Gesetzen . Der Tugendbund unter Napoleon wurde nicht gestiftet , um Deutschland diese oder jene Verfassungsform zu geben , nicht um den fremden Eroberer vom Boden des Vaterlandes zu verjagen , sondern nur um diejenige Gesinnung zu erzeugen , die von selbst auf die Vaterlandsliebe , die politische Tugend und jene unausgesprochnen Zwecke führte . Wohlan ! Auch die Ritter vom Geiste kämpfen nur für die endliche Vernichtung des von der Theorie längst verworfenen und in der Praxis förmlich unvertilgbar scheinenden Alten . Dieser Bund soll aufräumen und das rasch . Der Katechismus der Grundwahrheiten des neunzehnten Jahrhunderts ist so groß nicht . Man hat über des deutschen Volkes Grundrechte sich geeinigt , man hat einst in Frankreich die Menschenrechte zusammengefaßt , als die Revolution dort noch gehalten und eine historische Offenbarung war . Die Grundrechte aller Völker sind den Rittern vom Geiste Grundpflichten . In schwierigen Dilemmen , die eine Tagesfrage wohl veranlassen könnte , würde unbedingter Gehorsam gegen die Vorschriften des höchsten Ordens-Kapitels unerläßlich sein . Ein Orden muß nicht nur Organisation , sondern auch Symbole haben . Wohl weiß ich , daß künstliche Grillen ein historisches Wachsthum nicht ersetzen . Dennoch war Alles in dieser Art historisch Gewordene das erste mal auch nur ein begeisterter Einfall . Als Jesus bei Tische saß und zum letzten male mit den Seinen zur Nacht speiste , ergriff er das Brot und den Wein und setzte diese beiden ihm naheliegenden Zufälligkeiten als Erinnerungssymbole seines Wirkens und seines Lebens ein , die heilig geblieben sind . Er sah sein Ende in der Nähe , er gab das Brot zum Gedächtniß seines Lebens , den Wein zum Gedächtniß seines Todes . Das Kreuz am Mantel der Templer , so einfach , ließ diese bald erkennen . Die Devisen des Mittelalters , die oft ein ganzes Geschlecht durch alle Menschenalter begleiteten , waren Eingebungen des Augenblicks . Ein Wappen entstand zufällig und den Zufall heiligte die Gewohnheit . Die Freimaurerei ist künstlich ersonnen . Lessing hat bewiesen , daß ihre Symbolik durch einen Wortwitz entstanden ist ( Masonie statt Massenie ) man hat eine Symbolik sich hier sogar , wie man zu sagen pflegt , aus den Fingern gesogen und sie hat sich erhalten . Ich will die Symbolik , die ich mir für die Ritter vom Geiste ersonnen habe , nicht heute schon ausführlicher erörtern , nichts anführen von der Stufenfolge der Grade und Ämter , die ich den alten Templern nachzubilden gedachte ; ich will nur noch , da es zu spät wird , von dem dritten Punkte sprechen , von den Mitteln . Ohne äußere Mittel fürcht ' ich , kann auch dieser Orden nicht bestehen . Wohlthätigkeit , Unterstützung der um ihrer Überzeugung Willen Leidenden gehört ganz eigentlich zu seiner Aufgabe . Die Gefahren , in die sich der muthige Volkstribun , der gewissenhafte und überzeugungstreue Beamte stürzt , sollen verringert werden . Der Jüngling soll nicht mehr zittern , einen Weg einzuschlagen , der ihm vielleicht unmöglich macht , die Wahl seines Herzens an sein Leben zu ketten , einen greisen Vater , eine hinterlassene Mutter zu ernähren . Mit Freuden bieten wir Beide , Siegbert und ich , die Reichthümer , die uns vielleicht zufallen dürften , zu diesem großen Zwecke dar . Es ist leider nicht eine einzige höhere Wahrheit in der Welt nachzuweisen , die ganz ohne irdische Beihülfe zum Siege gelangte . Auch die Apostel lehrten : Schicket Euch in die Zeit , denn es ist böse Zeit ! Als Mohammed anfangs eine entsagende Gotteslehre predigte , sammelte er wenig über ein Dutzend Bekenner um sich . Als er sie mit irdischen Elementen mischte und sie auf die Stammesinteressen der arabischen Häuptlinge bezog , wuchs sein Anhang von Tag zu Tag um Tausende und Abertausende . Vom zweideutigen Siege der Reformation ganz zu schweigen ! Der Orden der Ritterschaft vom Geiste kann die Güter dieses Lebens nicht entbehren . Der Gegner muß mit derselben Waffe , die ihn so stark macht , besiegt werden . Gleichviel , ob wir dem Orden eine harmlosere oder strengere Symbolik geben , ob wir an die Jesuiten oder die Freimaurer anknüpfen : der Staat wird uns verfolgen , er wird Alles aufbieten , uns mit Stumpf und Stiel auszurotten . Wie vermeidet man da wenigstens das Übermaß der Gefahr ? Wie parirt man wenigstens den Stoß des Gegners ? Wir sind fünf Bekenner ; schließt sich Egon von Hohenberg uns an , so sind wir sechs . Sechs brave Menschen haben sechs brave Freunde ! Mit zwölf Aposteln hält sich eine Lehre . Kann uns das Kreuz dort über uns erschrecken ? Ermuthigen soll es uns ! Ich scheine Euch fortgerissen von meinem Gefühl , aber ich sage Euch : der Tod schreckte mich niemals , wenn ich ihn mit einem Freunde erlitte . Die Templer starben in Masse und sangen freudig , vielstimmig , todesmuthig aus den Flammen . Schon als Knabe tröstete mich Friedrich von Baden , der neben meinem geliebten Konradin auf Neapels Blutbühne stand . Sie starben im Bunde , als Freunde , als Brüder . Doch denk ' ich ... bis zum Tode wird es nicht kommen und was die Gefangenschaft betrifft , so wäre einer der ersten Paragraphen unsres Ordens Der , daß wir Die , die um den Orden leiden , zu befreien haben . Gelingt es auch nicht immer , so ginge doch Niemand in den Kerker , ohne daß die Aussicht auf eine rettende Hand , wie die Apostel die Hoffnung auf Engel , ihn begleitete . Eine Nebelgestalt in weißem Geistergewande , die Hoffnung wenigstens , würde mit ihm durch die geöffneten eisernen Pforten schlüpfen und traulich ihn trösten , wenn er über die Folgen seiner redlich erfüllten Ordenspflichten muthlos verzweifelte und ihn nur das Eine emporhalten könnte : Die Ritter vom Geiste werden dich nicht verlassen , du wirst sie hören , ihre Nähe empfinden ; sie wachen über dich ! Dankmar endete mit diesen Worten und es trat eine lautlose feierliche Stille ein . Elftes Capitel Das Gespenst Hackert lag und horchte wie betäubt . Ergriff ihn schon die begeisterte Einsetzung einer großen Thatsache an sich , hatte sein kühler , verneinender Sinn gehofft , man würde nun widersprechen , alle diese Vorschläge für unmöglich erklären , so beunruhigte ihn noch mehr , daß dies nicht geschah , daß Niemand zweifelte , Niemand widersprach . Schon begann man die nähern praktischen Möglichkeiten dieser Idee zu erwägen , als sich Hackert , der fast träumend , lauschend und stierend dalag , von Schmelzing ' s Hand berührt fühlte . Was haben Sie ? Wie sehen Sie denn aus ? fuhr Hackert erschrocken auf . Ängstlich , mit halbgeöffnetem Munde , starrte Schmelzing in den dunklen Hintergrund und fragte lauschend : Haben Sie nichts gehört ? Sie hören Gespenster , die hinter dem Gelbsiegellack da im Korbe stecken ! Sie sind überhitzt , trunken , Schmelzing ! Scheren Sie sich zum Henker ! Schmelzing zeigte die lange Pergamenttafel , die er vollgeschrieben hatte . Er ließ sie auseinanderfallen , wie Leporello Don Juan ' s Register . Sind Ihre Spitzbuben fort ? fragte Hackert . Fürchten Sie sich jetzt , daß wir gehen werden ? Indem hörte aber auch Hackert in der Ferne das Knistern eines Fußgängers auf den steinernen Fußböden . Schmelzing bedeutete ihn zu schweigen . Kommen Sie ! winkte Hackert . Wir wollen sehen , was Das ist . Um ' s Himmelswillen nicht , ich bleibe hier , flüsterte Schmelzing . Indem erlosch blitzartig auch das flammende rechte Kreuz , an dem Schmelzing die Gespräche nachgeschrieben hatte , sodaß jetzt nur noch das mittlere leuchtete . Man sprach unten lebhaft durcheinander und brauchte die Ausdrücke » Geheimbund « und » Bundesglieder « so oft , daß Hackert in Besorgniß gerieth , Schmelzing würde wieder anfangen , an der richtigen Stelle zu lauschen , während er doch jetzt glaubte , auf seinem Pergamente die wichtigsten Geheimnisse dunkelschleichender Intriguen notirt zu haben . Ich schreie laut auf , sagte Hackert , wenn Sie nicht kommen und mit mir dem Gespenst nachstellen ! Schmelzing legte ihm die Hand auf den Mund und flüsterte : Gehen Sie ! Ich bleibe hier . Bester Freund , Sie haben die Umtriebe eines Offiziers , eines französischen Emissairs und wie es mir schien , einer dritten hohen Person in der Tasche ; nun kommen Sie und machen Sie mir auch eine Unterhaltung . Ich spreche gern mit Geistern . Wir wollen das Gespenst anreden . Nicht um hundert Thaler , sagte Schmelzing . Jetzt fiel von einem obern Fenster , das in diese Halle führte , sogar noch ein Lichtschimmer . Schmelzing zuckte zusammen ... Es steigt hinauf , zeigte Hackert , da ! Ich wette , das ist einer von den ruhelosen alten Johannitern , die durch den großen Wildungen ' schen Proceß aus dem Grabe getrieben wurden und nicht anders erlöst werden können als durch einen ledigen Junggesellen von vierzig Jahren , der eine weiße Halsbinde tragen muß und eine gelbe Weste mit acht Knöpfen . Erlauben Sie , Schmelzing ! Eins , zwei , drei ... Damit zählte Hackert zu Schmelzing ' s Entsetzen dessen Westenknöpfe . Schmelzing riß sich von ihm los . Da ! Da ! rief Hackert . Eben sah ich das graue Männchen ! Da oben an dem Fenster . Es steigt in ' s Archiv hinauf . Sehen Sie doch , Schmelzing ! Es steht still und grüßt Sie ! Schmelzing , der alte Ritter kennt Sie ! Er hat eine Nachtmütze auf und schwenkt sie ganz ehrerbietig vor Ihnen ! Danken Sie doch ! Schmelzing wußte nicht , wie ihm geschah . Er sah nichts mehr . Selbst der Lichtschimmer in der Ferne war verschwunden . In demselben Augenblicke erlosch im Nu neben ihnen die dritte Flamme . Die Gesellschaft unten schien sich gleichfalls entfernt zu haben . Es schlug ein Viertel auf zwölf Uhr vom Rathhause . Alles war dunkel und gespenstisch still um sie her . Unwillkürlich faßte Schmelzing Hackert ' s Hand und flüsterte winselnd : Nun wird ' s schön ! Alles finster ! Wo haben Sie die Laterne ? Kommen Sie nur ! Wir haben ja Streichzündhölzer ! Was machen wir , daß wir davonkommen ? Wir müssen hier übernachten . Nein ! Hier ist die Laterne ! Hackert zog Schmelzingen , als wollte er die Laterne ihm in die Hand geben . In Wahrheit aber führte er ihn nur an die Treppe , die sie herabgestiegen waren . Wo sind Sie ? Sie lassen mich ja allein , Hackert ! Gerade aus ! Ich falle . Es ist die Treppe ! Steigen Sie doch ! Die Laterne ! Hier ! Hier ! Hackert besaß auch in der Sehkraft etwas von Katzennatur