Schwester Hochzeit im Scharfrennen mit einem Klitz ( Pfeil oder kleinen Lanze ) verwundet worden und davon verstorben , allhier begraben . Anno 1285 ist Markgraf Johannes ( V. ) Churfürst zu Brandenburg gestorben und allhier begraben . Anno 1298 starb zu Beerwalde Markgraf Otto Sagittarius ( der Pfeilschütze ) des Churfürsten Johannes zu Brandenburg Sohn und ist allhier begraben . Anno 1304 ist zu Sched ( ? ) gestorben Markgraf Conrad ( I. ) Churfürst zu Brandenburg und ist allhier begraben . Anno 1307 bestätigte Markgraf Hermann von Brandenburg , Markgraf Otten des Langen Sohn , dieses Kloster Chorin . Anno 1319 starb Markgraf Waldemar ( I. ) zu Beerwalde und ist allhier begraben . Tu mater Lehnin et filia tua Chorin , Ex te est orta nova Cella et Coeli Porta . ( Diese Inschriften , wie schon im Text hervorgehoben , waren 1769 sicherlich noch vorhanden . 1823 suchte sie Konsistorialrat Bellerman , Direktor des grauen Klosters , vergeblich . Er vermutet , daß sie 1772 bei einer Reparatur übertüncht oder beseitigt worden sind . ) 13 Wenn man hier einwenden wollte , daß das Land im wesentlichen diese Schwankungen und Wandlungen mitmachte , und daß deshalb kein Grund vorliege , für Chorin einen besonderen Vorwurf daraus herzuleiten , so darf man drei Dinge nicht übersehen : 1. daß Chorin besser wissen konnte , ob echt oder unecht , und wahrscheinlich es wirklich wußte , 2. daß Chorin sich mit Vorliebe bayrisch gezeigt und deshalb eine größere Pflicht hatte , Farbe zu halten , und 3. daß andere Plätze , die zum Teil dieselbe Wandlung durchmachten , doch wenigstens länger ausdauerten und etwas schamhafter verfuhren . 14 Zu den vielen Eigentümlichkeiten der Havel gehört auch die , daß sie , von Norden kommend , auf dem letzten Drittel ihres Laufes wieder nach Norden fließt . Sie beschreibt also einen Halbbogen und umfängt mit ihrem gekrümmten Arm ein fünfzig Quadratmeilen großes Stück Land , das » Havelland « . 15 Diese Verse , wie ich nachträglich erfahre , rühren nicht aus der Jahnschen Zeit her , sondern sind erst , vor kaum zwanzig Jahren , niedergeschrieben und an der Brieselangeiche befestigt worden . Das geschah an einem heißen Augustnachmittage 1862 durch zwei Mitglieder des kurz zuvor gegründeten Nauener Turnvereins . Der eine dieser beiden Turner hatte die Verse verfaßt , der andere die technische Niederschrift geliefert . Beide Turner blieben seitdem vereint ; sie dienten in demselben Truppenteil der Garde ; sie fochten am 3. Juli bei Königgrätz ; und abermals an einem heißen Augusttage , heißer als jener Wandertag , der sie acht Jahre vorher zur Königseiche geführt hatte , stürmten sie gemeinschaftlich gegen St. Privat . Beide fielen schwerverwundet , der eine durch den Schenkel , der andere durch die Brust geschossen ; beide sind genesen . 16 Die schönste Zeder ( eigentlich ein Taxodium ) steht im Schloßpark zu Gusow , der größte Birnbaum im Predigergarten zu Werneuchen . 17 England , wie bekannt , ist überhaupt das Land schöner alter Bäume und einer entsprechend sorglichen Kultur . So befindet sich beispielsweise in der Nähe vom Cumberlandlodge im Windsor-Park ein Leviathan-Weinstock , welcher ein einzelnes Haus von 138 Fuß Länge und 20 Fuß Breite gänzlich ausfüllt . Er bedeckt gegen 2870 Quadratfuß Glas und bringt jedes Jahr durchschnittlich 2000 Trauben hervor . Der mehr bekannte Weinstock in Hampton Court trug vor einigen Jahren 1400 Trauben , deren Wert man auf mehr als 100 Lstr . veranschlagte . 18 Dagegen spräche nur , daß es in der Lebensbeschreibung des berühmten Grafen Rochus von Lynar heißt : » Zu gleicher Zeit ( etwa 1578 oder 1580 ) gab der Graf allerhand Verbesserungen an dem kurfürstlichen Schloß oder Jagdhaus zu Bötzow an . « Diese Verbesserungen waren schwerlich im gotischen Stil . 19 Pastor Ballhorn , in seiner trefflichen Geschichte Oranienburgs , hat dieser architektonischen Skizze des großen Bildes eine Beweiskraft beigelegt , die sie schließlich doch kaum besitzen dürfte . Pastor B. vermutet , daß das Bild zwischen 1653 und 1654 gemalt worden sei , was aber unmöglich ist , da der Holländische Maler , Augustin Terwesten , von dem es herrührt , erst 1649 geboren wurde . Augustin Terwesten ( von 1696 ab Direktor der Akademie der Künste ) kam 1690 nach Berlin , wohin er , vierzig Jahre nach der Gründung Schloß Oranienburgs , durch Kurfürst Friedrich III. gerufen wurde . Er begann damit , die kurfürstlichen Lustschlösser mit großen Tableaus zu schmücken , und da um 1690 Schloß Köpenick bereits beendet und Schloß Charlottenburg noch nicht angefangen war , so ist es wohl möglich , daß er in den Sälen von Schloß Oranienburg debütierte , das eben damals einem Umbau im großen Stil unterworfen wurde . Da dieser Umbau jedoch im Jahre 1688 bereits seinen Anfang nahm , so ist es mindestens fraglich , ob Terwesten das ursprüngliche Schloß , wie es die Kurfürstin hier entstehen ließ , noch gesehen hat . Dennoch möcht ' ich auf diesen Umstand kein allzu bedeutendes Gewicht legen , da es , zwei Jahre nach dem Neu- und Umbau des Schlosses , allerdings nicht schwer halten konnte , bei Malern und Architekten Auskunft darüber zu erhalten , wie denn eigentlich das Schloß der Oranierin gewesen sei , immer vorausgesetzt , daß dem Künstler daran gelegen war , über diesen Punkt zuverlässiges zu erfahren . Es ist aber sehr zweifelhaft , daß ihm daran lag . Denn wir dürfen nicht vergessen , daß er den Moment der Landesschenkung ( 1650 ) bildlich darzustellen hatte , also einen Moment , der dem Schloßbau um vier , mindestens aber um zwei Jahre vorausging . Er konnte sich also in seinem künstlerischen Gewissen nicht im geringsten gedrungen fühlen , ein Schloß in historischer Treue darzustellen , das 1650 noch gar nicht existierte , sondern erst 1654 fertig aus der Hand des Baumeisters hervorging . 20 Die Zahl der Baumeister , Bildhauer und Maler belief sich damals im Brandenburgischen auf hundertdreiundvierzig . 21 Es scheint zweifelhaft , ob Tegel 1765 durch Kauf , oder 1766 als Frauengut an den Major von Humboldt kam . Ich finde nämlich anderen Orts , aus ersichtlich guter Quelle , folgendes : » 1766 vermählte sich der Oberstwachtmeister ( Major ) von Humboldt mit Marie Elisabeth geb . Colomb , verwitwete Frau von Hollwede . Aus dieser Ehe wurden Wilhelm und Alexander von Humboldt geboren . Die Mutter der beiden Brüder war , als Erbtochter des Direktors Johann Heinrich Colomb , Besitzerin von Ringenwalde in der Neumark , Tegel und Falkenberg ( anderthalb Meilen von Berlin ) . In der Falkenberger Kirche ließ Frau von Humboldt 1795 ein Erbbegräbnis bauen , in dem so wohl sie selbst wie ihre beiden Ehemänner : Hauptmann von Hollwede 1765 und Oberstwachtmeister von Humboldt 1779 , beigesetzt wurden . Frau v. Humboldt starb 1796 . « 22 Der berühmte Bildhauer Canova war im Jahre 1815 Kommissarius für die Zurückforderung der aus den päpstlichen Staaten nach Paris entführten Kunstdenkmäler . 23 Der Prozeß lief im wesentlichen auf bloße Schikanen hinaus und kann einem keine besonders hohe Meinung von der Rechtspflege jener Epoche beibringen . Der Beklagte sollte eingeschüchtert , abgeschreckt werden . Als ihm Unterschleife nicht nachgewiesen werden konnten , richtete man schließlich die Frage an ihn : was denn bei all dem Laborieren und Experimentieren in einer Reihe von Jahren herausgekommen sei ? Das ist nun in der Tat eine Frage , die schließlich jeden Menschen in Verlegenheit setzen kann , und Kunckel gab die beste Antwort , die er unter so bewandten Umständen geben konnte . Er sagte : » Der hochselige Herr Kurfürst war ein Liebhaber von seltenen und kuriosen Dingen und freute sich , wenn etwas zustande gebracht wurde , was schön und zierlich war . Was dies genützt hat , diese Frage kann ich nicht beantworten . « 24 Sie zerfiel bald . 1832 wurde deshalb eine zweite , als Ersatz , durch Lord Fitz Clarence überbracht . Diese existiert noch , ist aber auch schon wieder defekt . 25 Es heißt in dem genannten Gedichte , das allerdings mehr den Charakter einer Romanze als eines Idylls hat , wörtlich : Wir sind da ! Faßt dich ein süßer Schrecken Zwischen diesen Bergen hier von Kalk , Wo der Blutfink baut in Kreuzdornhecken , In der Eiche Kranz der Lerchenfalk ? Witterst du der wilden Erdbeer Würze Und des wilden Wermuts bittren Duft ? Mahnt dich an des Herbstes Regenstürze Des zerriss ' nen Berghangs tiefe Schlucht ? So geht es weiter im Stile von » Spinneweb mit Blut betaut « , ohne daß von Blutfink und Lerchenfalk das geringste zu bemerken wäre . Überhaupt ist es charakteristisch für die ganze Dichtungsweise Schmidts von Werneuchen , daß er sich in allen Gattungen der beschreibenden Poesie der höchsten Korrektheit , die dann sein Stolz war , befleißigt , sofort aber in Unnatur verfällt , wenn er den Boden des äußerlich Gegebenen verläßt und aus sich selbst zu schöpfen beginnt . 26 Eine spätere Notiz des Kirchenbuchs ist nicht gut auf diesen Hans von Stechow , der der erste lutherische Prediger in Fahrland war , zu sprechen . Es wird darin gleichsam Protest gegen die Ernennung von Junkern zu Pfarrherren eingelegt , wenn die betreffende Pfarre auf dem Grund und Boden derselben adligen Familie , der der Junker angehört , gelegen ist . Die Notiz lautet kurz und barsch : » War Hans von Stechow des Gutsherrn Vetter oder Sohn ? etwa Cadet des Hauses ? warum ward die Einrichtung des Dorfes und der Pfarre damals nicht besser gemacht ? etwa darum , weil der Junker seinen Auszug aus dem Gute bekam und also doch leben konnte . Das wäre nichts , wenn nur die gnädigen Junker gnädigst geruhen würden , Landprediger zu werden ! Kurz , wir freuen uns unseres Ahnherrn nicht , da er die zukünftigen Zeiten nicht besser beherziget hat . Aus der Hölle ist keine Erlösung . Und der Schlendrian herrscht nirgends ärger als im heiligen statu ecclesiastico . « 27 Diese Aufzeichnungen sind im wesentlichen wörtlich wiedergegeben , nur selten gebot es sich , einzelne Worte , Namen , Sätze fortzulassen oder umgekehrt zur Erklärung einzuschalten . Alles trägt den Stempel des Ernstes , der Wahrheit und absoluter Phrasenlosigkeit . Das letztere führt zu einer gewissen Herbheit ; nichts ist beschönigt , das Leben , eignes wie fremdes , gegeben wie es war . Darin liegt aber , bei manchem ästhetisch Anfechtbaren , auch wieder der Wert dieser Notizen . Sie gehen ein Zeit- und Sittenbild aus dem letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts ; die Laxheit des Herrenhauses , die Kümmerlichkeit der Pfarren , beide finden eine gleich treffende Darstellung . 28 Generalleutnant von Röder kommandierte im dänischen Kriege 1864 die » Düppel-Brigade « Regimenter 24 und 64 , und war unter den ersten , die auf Alsen landeten . Auf dem bekannten Bleibtreuschen Bilde » Übergang nach Alsen « ( Nationalgalerie ) steht er , ein großer schöner Mann , in einem der vordersten Boote . Während meines Militärjahres war er Offizier in der Kompanie des Kaiser Franz-Regiments , in dem ich diente , und bewahrte mir seitdem sein Wohlwollen . 29 Rösels Bezichungen zum Hause Zimmermann waren schon Erbstück , zweite Generation . Eigentlich befreundet war er mit den Pflegeeltern der Geheimrätin Zimmermann , der Familie Jordan , die das große , schöne Haus am Gendarmenmarkt , Ecke der Französischen- und Markgrafenstraße bewohnte . Die weiterhin mitzuteilenden Röselschen Briefe sind denn auch fast alle an Fräulein Fanny Jordan gerichtet , die später den Steuerrat Hedemann heiratete . Frau Geheimrätin Zimmermann , geb . Palis , war eine Pflegeschwester der letztgenannten Dame . 30 In einem sehr viel späteren Briefe ( 27. Januar 1841 ) heißt es : » Es war gestern , trotz der kalten Witterung , ein schwüler Tag für mich . Der Abschied aus dem alten , ehrwürdigen Hause Feilner hatte mich windelweich gemacht . Ich hätte stundenlang wie ein Kind weinen können ! « 31 Dies Geburtsdatum festzustellen , war schwierig . Die Geschichts- und Nachschlagebücher geben abwechselnd 1737 , 1738 und 1741 an . Monat und Tag werden gar nicht genannt . In dieser Verlegenheit half endlich das Marquardter Kirchenbuch : Es heißt in demselben : Hans Rudolf von Bischofswerder starb am 30. Oktober 1803 , in einem » ruhmvollen Alter « von zweiundsechzig Jahren elf Monaten und neunzehn Tagen . Dies ergibt das oben im Text angegebene Geburtsdatum . – Eine verwandte Mühe ( was gleich hier bemerkt sein mag ) haben alle andern Namen- , Zahlen- und Verwandtschaftsangaben gemacht und nicht immer ist das Resultat ein gleich befriedigendes gewesen . Vieles war absolut nicht in Erfahrung zu bringen . Ich habe das Vermählungsjahr Bischofswerders mit seiner zweiten Gemahlin , Gräfin Pinto , nicht mit Sicherheit feststellen können . Bestimmte Angaben hierüber würden mit Dank entgegengenommen werden . 32 Auch dies ist bestritten worden . Man gefiel sich darin , den König , seinen Günstling , den ganzen Hof als absolut unliterarisch , als tot gegen alles Geistige darzustellen . Sehr mit Unrecht . Ignaz Feßler , in seinem Buche » Rückblicke auf meine siebzigjährige Pilgerfahrt « ( Breslau , W. G. Korn 1824 ) schreibt : Ich stand mit auf der Liste , die der Minister für Schlesien , Graf Hoym , als eine Art Konspiratoren-Verzeichnis beim Könige eingereicht hatte . Es traf sich aber , daß General von Bischofswerder , wenige Tage zuvor , einiges aus meinem » Marc Aurel « dem Könige vorgelesen hatte , der nunmehr ohne weiteres den Namen Feßler durchstrich , dabei bemerkend : » Der ist kein Schwindelkopf , er ist monarchisch gesinnt , wie sein Marc Aurel zeigt . « So geringfügig dieser Hergang ist , so lehrreich ist er doch auch . Er zeigt , ebenso wie das oben aus Massenbachs Memoiren Mitgeteilte , daß sich der Hof Friedrich Wilhelms II. ( und in erster Reihe sein Generaladjutant ) sehr wohl um literarische Dinge kümmerte , scharf aufpaßte und sich danach ein Bild von den Personen machte . 33 Es waren dies zwei Töchter . Die eine , Karoline Erdmuthe Christiane , blieb unverheiratet und starb 1842 . Über ihr Begräbnis in Marquardt berichten wir an anderer Stelle ausführlich . Die andere vermählte sich schon 1794 oder 1795 mit dem jungen Grafen Gurowski , dem Besitzer der Starostei Kolo . Die » Vertrauten Briefe « sagen von ihm : » Er war ein junger Krüppel mit einem kurzen Beine , sonst ein Ungetüm und unter den jungen Polen der verdorbenste . Ein Libertin , auf der untersten Stufe des Zynismus . Wenige Wochen nach der Heirat kam es zur Scheidung ; er nahm dann teil an der Insurrektion und trat später das schöne Gut Murowanna Goßlin an seine geschiedene Frau ab . « Über die weiteren Schicksale dieser verlautet nichts . – Beide Fräulein von Bischofswerder waren übrigens sehr liebenswürdig , von feiner Bildung und Sitte . Nichts war unwahrer und bösartiger als eine Schilderung derselben in den mehrgenannten » Anmerkungen « zu den Geheimen Briefen , worin es heißt : » Les Demoiselles Bischofswerder sont deux petites filles mal élevées . L ' ainée a dans ses yeux le flambeau de l ' hymen . On les dit intriguantes . A propos jaloux . Au reste il faut distinguer les ridicules des vices et dire que jusqu ' ici la conduite de ces Demoiselles est intacte . « So die » Anmerkungen « . Die » Vertrauten-Briefe « , » Geheimen Briefe « usw. jener Epoche sind nie impertinenter , wie wenn sie sich zu einer halben Huldigung oder Anerkennung herablassen . 34 Auch hieran knüpft sich ein eigentümlicher Zwischenfall , freilich aus viel späterer Zeit . Herr von Ostau hatte sich wieder vermählt , die Kinder dieser zweiten Ehe waren herangewachsen und hatten nur eine ganz allgemeine Kenntnis davon , daß ihr Vater einmal in erster Ehe mit einem Fräulein von Bischofswerder vermählt gewesen sei . Ein Sohn aus dieser zweiten Ehe kam , während der Manövertage , nach Marquardt in Quartier . Er besichtigte Schloß , Park , Kirche und stieg auch in die Gruß . Ein Lichtstümpfchen gab die Beleuchtung ; alles Staub und Asche ; ein solcher Besuch hat immer seine Schauer . Der junge Offizier mühte sich , die Inschriften der einzelnen Särge zu entziffern ; da las er plötzlich auf einem Bleitäfelchen : » Bertha v. Ostau , gestorben 1824 . « Die Begegnung mit diesem Namen an dieser Stelle machte einen tiefen Eindruck auf ihn . 35 In der Nähe dieses Baumes , auf einem Grasrondell , steht ein leichtes österreichisches Feldgeschütz , wie jedes Bataillon in alten Tagen eins aufzuweisen hatte . Es wurde in einer der Schlachten des Siebenjährigen Krieges von den Preußen genommen . Friedrich II. schenkte es dem Grafen Pinto auf Mettkau ; durch dessen Witwe , » die Gräfin « , kam es nach Marquardt . An gewissen Tagen wird ein Schuß daraus abgefeuert . Jedesmal vorm Laden schüttet der Gärtner Pulver ins Zündloch und zündet es an , um das Geschütz auszubrennen . Als es das letzte Mal geschah , flogen , zu heiterer Überraschung aller Umstehenden , nicht nur Eierschalen aus der Mündung heraus , sondern mit den Eierschalen zugleich ein halbverbranntes Wiesel , das in dem Kanonenrohr Quartier genommen und von hier aus den Hühnerstall geplündert hatte . 36 Der betreffende Brief gibt sich das Ansehen , als sei er aus Wien datiert und als habe die ganze Szene auf einem Landgut in der Nähe Wiens gespielt . Wer aber je in Marquardt war , und den dortigen Park , den See , die Grotte das Schloß und seinen tiefen Doppelkeller kennengelernt hat , dem wird sichs zunächst aufdrängen , daß hier durchaus Marquardt gemeint sein müsse . Es ist aber trotz alledem nicht der Fall , kann nicht sein , da Marquardt erst 1795 in die Hände Bischofswerders kam . 37 Wie wenig der alte Nicolai mit all seinen Meriten imstande war , einer Erscheinung wie der des Rosenkreuzerordens gerecht zu werden , geht aus seinen eigenen Aufzeichnungen am besten hervor . Er sah in allem , was damals in Dichtung und Philosophie den Vorhang von einer neuen Welt hinwegzuziehen gedachte , nur Eitelkeit , Anmaßung , Phantasterei und Geisterschwindel , und stand gegen die ganze junge Literatur , wenigstens soweit sie romantisch war , ebenso feindselig , wie gegen Wöllner und die Rosenkreuzerei . » Die Herren Fichte , Schelling , Hegel , Schlegel , Tieck « , so schreibt er , » und wie die sich wichtig dünkenden Männer und Männchen weiter heißen , preisen sich zwar fleißigst einer den andern und sprechen von allen Philosophen und Dichtern , welche nicht zu ihrer geheiligten Kirche gehören , so wie auch von der gesunden Vernunft und Aufklärung aufs verächtlichste . Aber auch das Verachten will nicht gelingen ... Sie versichern daher die Entdeckung gemacht zu haben , daß Fichte und Schelling , ob sie gleich , leider ! schon anfangen voneinander zu differieren ( wie uns Hr . Hegel , ein neulichst berühmt werden-wollender Philosoph , in einer besondern Schrift des breiteren auseinandersetzt ) , dennoch die einzigen Philosophen sind , denen , auch wenn sie nicht übereinstimmen , allein das wahre Wissen vom Subjekt-Objekte gebührt . Ferner noch haben diese Herren durch ihre intellektuelle Anschauung deutlich erkannt , daß Wieland und Klopstock keine Dichter sind , hingegen Friedrich Schlegel und Ludwig Tieck Dichter vom größten Genie ! « – So eifert Nicolai über viele Seiten hin . An einer andern Stelle zieht er direkt Parallelen zwischen den Rosenkreuzern einerseits und Fichte-Schelling andererseits und findet , daß die Philosopheme beider sich als » gleich ungereimt « erweisen . All das ging ihm eben über Kraft und Verständnis . 38 General von Köckritz mochte wohl so schreiben . Dieser liebenswürdige Mann ( den Stein wohl zu hart beurteilt hat , denn » niemand ist verpflichtet , ein großer Mann zu sein « ) stand damals auf der Höhe seiner Gunst und seines Ansehens . Es war so recht eigentlich die Köckritz-Epoche . In diese Epoche fällt auch die seinerzeit viel bewunderte Geschichte vom » Pfeifchen und Fidibus « , die beide dem überraschten General , einem leidenschaftlichen Raucher , von der Königin präsentiert wurden . Wir übergehen diese Anekdote nicht nur deshalb , weil sie oft erzählt worden ist , sondern viel mehr noch aus ästhetischen Bedenken , weil sie einen Hergang festzuhalten trachtet , der als Erlebnis reizend , als Plauderanekdote , über den Tisch hin , annehmbar , aber als gedruckte Geschichte mindestens entbehrlich ist . Schwarz auf weiß macht schwerfällig und entzaubert manches . Man kann dreist behaupten , die Helden , die durch solche oder ähnliche Anekdoten glorifiziert werden sollen , haben unter ihnen zu leiden , wie unter einer Jugendtorheit . Es gilt hier fein zu unterscheiden . Dieselbe Geschichte , die , auf einem jungen Damen-Kaffee vorgetragen , ein ungeteiltes und berechtigtes Entzücken weckt , wird sich in einem Zeitungsblatt etwas insipide ausnehmen , und die bejubeltste , als unbedingt » bester Witz der Neuzeit « proklamierte Jagd- und Portweinanekdote wird am besten tun , auf Darstellung in Typen ganz zu verzichten . 39 Allerhand Spiele : Turnen , Wettlaufen , waren an der Tagesordnung ; die Sieger wurden beschenkt . Unter Anleitung der jungen Prinzen Karl und Albrecht kam die Bildung einer Art » Paretzer Legion « zustande , die im Feuer exerzierte und manövrierte , wobei sieben kleine Kanonen benutzt wurden , von denen eine , mit dem Greif und der Jahreszahl 1588 , bis diesen Tag unter den Dörflern existiert . Bei einer bestimmten Gelegenheit , – es mochte um 1820 sein , als die » Russen « einen ihrer Sommerbesuche machten , – kam es zu einem vollständigen Gefecht zwischen der Paretzer Legion und den Zöglingen des Potsdamer Militärwaisenhauses , die nach Paretz hinaus befohlen und mit ihren Waffen erschienen waren . Die Legionäre nahmen ihnen in einem unbewachten Augenblick die Waffen fort , bezogen unter Führung und Anfeuerung des Großfürsten eine Art Waldposition und behaupteten sich im Besitz ihrer Beutestücke . Der König folgte der Bataille mit dem lebhaftesten Interesse und meinte schließlich , » die Dorfluft scheine doch derber zu machen . « 40 Eben dieses Einsiedelsche Haus hatte , vielleicht aus derselben oder vielleicht auch erst aus späterer Zeit stammend , ein Holzbildwerk an seiner schrägen Eckfront , den Diogenes in der Tonne darstellend . In den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts verschwand es , wurde später unter altem Gerümpel entdeckt , wieder hergestellt und aufs neue an seinem alten Platz befestigt , wo es sich bis diese Stunde befindet . 41 Ein sehr bedeutender Teil des Werderschen Obstes , namentlich aus den an der Eisenbahn gelegenen Obstbergen , geht nicht zu Schiff , sondern vermittelst Bahn nach Berlin . Auch dieser Verkehr ist außerordentlich bedeutend . Ob er in den Zahlen , die wir vorstehend verzeichnet haben , mit einbegriffen ist oder nicht , vermögen wir nicht mit Bestimmtheit zu sagen . 42 Es ist oft gesagt worden , daß der Stadt Berlin das Material zu raschem Emporblühen beinah unmittelbar vor die Tore gelegt worden sei . Das ist richtig . Da sind Feldsteinblöcke für Fundament- und Straßenbau , Rüdersdorfer Kalk zum Mörtel , Holz in Fülle , Torf-und Salzlager in unerschöpflicher Mächtigkeit . Ohne diesen Reichtum , der in dem Grade , wie er jetzt vorliegt , lange ein Geheimnis war , wäre das riesige Wachstum der Stadt , bei der ursprünglich geringen Fruchtbarkeit ihres Bodens , bei ihrer Binnenlage und ihrer immerhin beschränkten Wasserverbindung nahezu eine Unmöglichkeit gewesen . Daran , daß es möglich wurde , hat Glindow seinen Anteil : der große Ziegelofen der Residenz . Das sogenannte » Geheimratsviertel « ist großenteils aus Glindower Steinen aufgeführt und ein ganzes » Berlin der Zukunft « steckt noch in den Glindower Bergen . ( Glindow heißt übrigens Lehmdorf , von dem wendischen Worte Glin der Lehm . Kaum irgendein Wort , wie schon Seite [ hier ] hervorgehoben , kommt häufiger vor in der Mark . Außer dem Landesteile » der Glin « mit der Hauptstadt Cremmen , gibt es zahlreiche Dörfer dieses Namens . Vergleiche das Kapitel Groß-Glienicke . ) 43 Dieser Aufsatz wurde 1870 geschrieben . Seitdem haben sich die Dinge wieder zugunsten der Ziegeleibesitzer geändert . 44 Die Feuerung geschieht von oben her durch eine runde Öffnung ; ein eiserner Stülpdeckel von der Form eines Zylinderhutes ( dessen Krempe übergreift ) schließt die Öffnung und wird abgenommen , sooft ein Nachschütten nötig ist . Man sieht dann , wie durch eine schmale Esse , in die Kammer hinein und hat die aufgetürmten , rotglühenden Steine unter sich . Der Anblick , den man sich nur verschaffen kann , indem man auf die Gewölbedecke der Kammer tritt , hat etwas im höchsten Grade Unheimliches und Beängstigendes . Man steht über einer Hölle und blickt in sie hinab . Eine Schicht Steine , vielleicht kaum einen Fuß dick , trennt den Obenstehenden von dieser Unterwelt und der Gedanke hat etwas Grausiges : wenn jetzt dies Gewölbe – Spreeland Vorwort Entstanden zwischen 1859 und 1881 . Erstdruck : Berlin ( W. Hertz ) 1882 . Der Text folgt der » Wohlfeilen Ausgabe « von 1892 . Vorwort Wie sich Band II und III der Oder und Havel zuwendet , so wendet sich dieser IV. Band der Spree zu , dem Laufe des Flusses von Ost nach Westen hin folgend . In dem der Lausitz angehörigen Spreewalde beginnend , verweilt Band IV , nach einem kurzen Abstecher ins Beeskow-Storkowsche , zu größtem Teil auf jener nur wenige Meilen messenden Strecke , wo die Spree die Grenze zwischen dem Barnim und dem Teltow zieht , und schildert hier eine nicht unbeträchtliche Zahl der im östlichen Halbkreis um Berlin herum gelegenen Ortschaften . Und so wird sich auch in bezug auf diesen vierten Band sagen lassen , daß sich der Inhalt desselben in allem wesentlichen seinem Titel anschließt . Als Ausnahme könnte nur der Schlußabschnitt » An der Nuthe « gelten , aber auch dieser mehr dem Schein als der Wirklichkeit nach , insoweit die Nuthe vorwiegend einen Spreelandscharakter hat , vorwiegend unsern Spreeterritorien angehört , und erst im letzten Moment ihren bis dahin ausschließlich nordwärts gerichteten Lauf in plötzlich nordwestlicher Biegung zugunsten der Havel abändert , fast als wär ihr die Spree , nachdem diese Berlin passiert , nicht mehr anheimelnd genug . Die Kapitel auch dieses IV. Bandes entstanden zu sehr verschiedener Zeit , weshalb einige der älteren und ältesten einer eingehenden Umarbeitung unterzogen wurden , allerdings immer nur in dem Falle , daß etwas tatsächlich Neues geboten werden konnte , wie beispielsweise bei Saalow , Friedrichsfelde ( Gabriel Lukas Woltersdorf ) und Groß-Beeren . Am meisten in dem Kapitel Buch , wo die mittlerweile publizierten Tagebücher der Gräfin Voß , geb . von Pannewitz , einen völligen Umguß der alten Form erheischten . Auf Hervorhebung bloß baulicher Veränderungen , insonderheit wenn sie das in den betreffenden Kapiteln Erzählte gar nicht oder nur sehr nebensächlich berührten , habe ich meistens verzichtet und immer nur angedeutet , daß dieselben überhaupt stattgefunden hätten . Ein Abweichen von dieser Regel würde mich gezwungen haben und auch in alle Zukunft weiter zwingen , immer neue Kontrollreisen eintreten zu lassen . Was sich selbstverständlich verbietet . Es gilt eben auch hier wieder , was ich schon im Vorworte zu Band III über diesen Punkt geäußert habe . Die Dinge geben sich einfach so , wie sie sich mir zu dieser oder jener ganz bestimmten Zeit darstellten , weshalb ich denn auch vorhabe , falls eine neue Auflage mir die Gelegenheit dazu bieten sollte , jedem Einzelkapitel seine besondere Jahreszahl zu geben . In einem Abschiedswort am Schlusse dieses Bandes hab ' ich noch einen Rückblick und in diesem Rückblick eine Darlegung dessen versucht , was diese » Wanderungen « wollen und nicht wollen , und bitt ' ich deshalb diejenigen meiner Leser , die sich für einen solchen Rechenschaftsbericht interessieren , auch diesem Abschiedswort ihre Aufmerksamkeit zuwenden zu wollen . Berlin , 15. November 1881 . Th . F. In den Spreewald 1. Lübbenau 1. Lübbenau Es ist Sonntag , und die Stille , die wir vorfinden , verrät nichts von dem sonst hier herrschenden lebhaften Verkehr . Die Spreewaldprodukte haben nämlich in Lübbenau ihren vorzüglichsten Stapelplatz und gehen erst von hier aus in die Welt . Unter diesen Produkten stehen die Gurken obenan . In einem der Vorjahre wurden seitens eines einzigen Händlers 800 Schock pro Woche verkauft . Das würde nichts sagen in Hamburg oder Liverpool , wo man gewohnt ist nach Lasten und Tonnen zu rechnen , aber » jede Stelle hat ihre Elle « , was erwogen für diese 800 Schock eine gute Reputation ergibt . Im übrigen verweilt Lübbenau nicht einseitig bei dem Verkauf eines Artikels , der schließlich doch vielleicht den Spott herausfordern könnte , Kürbis und Meerrettich 1 schließen sich ebenbürtig an und vor allem die Sellerie , hinsichtlich deren Vorzüge die Meinungen nicht leicht auseinandergehen . Wir halten nun vor dem geräumigen Gasthofe » Zum braunen Hirsch « , darin das Amt eines Kellners noch ausschließlich durch eine Spreewaldsschönheit verwaltet wird , und nachdem wir Toilette gemacht und einen Imbiß genommen haben , brechen wir auf , um keine der spärlich zugemessenen Stunden zu verlieren . Ein Leichenzug kommt über den Platz und acht Träger tragen den Sarg , über den eine schwarze tief herabhängende Sammetdecke gebreitet ist , aus dem Kirchenportal aber , daran der Zug eben vorüberzieht , erklingt Orgel und Gesang , und wir treten ein , um eine wendische Gemeinde , lauter Spreewaldsleute , versammelt zu sehen . Es bot sich uns ein guter Übersichtsplatz ; Männer und Frauen saßen getrennt , und nur die Frauen , soviel ich wahrnehmen konnte , trugen noch ihr spezielles Spreewaldkostüm . In jedem Einzelpunkte